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Seit wann gibt es im Volk das Bewusstsein "Deutscher" zu sein?
12.12.2014, 21:29
Beitrag: #21
RE: Seit wann gibt es im Volk das Bewusstsein "Deutscher" zu sein?
(12.12.2014 19:03)Dietrich schrieb:  
(12.12.2014 18:25)Arkona schrieb:  @Suebe, du weichst selbst immer mehr ab. Ausgangsfrage war wann es das Bewusstsein IM Volk gab. Und da helfen uns irgendwelche Titularbezeichnungen oder Traktate der schriftkundigen Eliten nicht weiter.

Wenn wir wissen wollen, wann sich eine "deutsche Identität" gebildet hat, müssen wir selbstverständlich die zeitgenössischen Schriftquellen befragen, was denn sonst? Und die sagen uns deutlich, dass es eine solche Identität zweifelsfrei um 1500 gab. Die Frage ist eher, wann DAVOR die Rede davon sein kann.

(12.12.2014 18:25)Arkona schrieb:  Ob man die zeitweise gesamtdeutsche Schwärmerei für Friedrich den Großen, von der Goethe aus seiner Jugend berichtet, mit Nationalbewusstsein gleichsetzen kann, muss man auch diskutieren.

Du missverstehst das und das ist der Grund deiner Irritation. Von einem "Nationalkbewusstsein" ist hier überhaupt nicht die Rede. Das entstand erst im 18./19. Jh.

Voelmehr geht es darum, seit wann sich die Bewohner des einstmals Ostfränkischen Reichs als Sprach- und Kulturgemeinschaft verstanden, also als "Deutsche". Und da kann ich nur das kompetente "Lexikon des Mittelalters" zitieren: "Ein deutsches Bewusstsein entwickelte sich frühestens im 11., voll erst im 12. Jh.". Wenn du Wert darauf legst, zitiere ich das gern komplett mit Band- und Seitenzahl.


Der Minnesänger sang auf der Burg, wobei Burgherr und Burgfrau zu 99.8 % des Lesens und Schreibens unkundig waren.
Wenn er aber das Lob der deutschen Frau singt, muss er doch wohl verstanden worden sein.
(Es wird doch wohl keiner am anderen Morgen das Pferd gesattelt haben, Deutschland suchen, wo es die tollen Fraeun gibt. Bat)

Was sich mit Dietrichs Quellenangabe jetzt doch voll deckt.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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15.12.2014, 01:51
Beitrag: #22
RE: Seit wann gibt es im Volk das Bewusstsein "Deutscher" zu sein?
Selbstvertständlich muß man zeitgenössische Schrift-Quellen heranziehen,wenn man die Frage klären will
Ewas anderes bleibt einem garnicht übrige.
Wobei man allerdings unterscheiden muß zwischen der Bezeichnung von Menschen deutscher Zunge als einfache Herkunftsbezeichnung , die man im Mittelalter antrifft und dem Entstehen eines Nationalgefühls,daß ich erst iab Ebnde des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts verorten würde.
wobei es sich auch hier noch nicht unbedingt um eine Einstellung der Mehrheit gehandelt hat.
davon kann man wohl fühestens nach der Völkerschlacht ausgehen, wobei es auch da noch erhebliche regionale Unterschiede gibt.Flächendeckend dürfte es zumindest in Süddeutschland sogar bis zur Reichsgründung gedauert haben.
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15.12.2014, 11:59
Beitrag: #23
RE: Seit wann gibt es im Volk das Bewusstsein "Deutscher" zu sein?
Man könnte sogar noch weitergehen und behaupten, ein echtes deutsches Nationalbewusstsein entwickelt sich erst in unseren Tagen, wobei ich das ganz unabhängig von Europa und dem Föderalismus sehe.
Meine These: Auch ganz ohne Adolf Hitler würden wir niemals den Weihnachtsbaum mit den allgegenwärtigen Landesfarben vollhängen (Dänemark) oder mit Inbrunst + Hand auf dem Herzen eine unzeitgemäße und blutrünstige Nationalhymne absingen (Frankreich, Italien).
Die heutige Jugend, unbelastet von der Vergangenheit, sieht das Thema zum Glück pragmatischer. Damit meine ich nicht etwa nur die Fanmeilen zur Fußball-WM, wo Leute unterschiedlicher Herkunft gemeinsam jubeln. Das lässt mich hoffen, dass die Integration insgesamt nicht so mies läuft wie das oft dargestellt wird.

„Der Horizont der meisten Menschen ist ein Kreis mit dem Radius 0. Und das nennen sie ihren Standpunkt.“ (Albert Einstein)
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15.12.2014, 19:49
Beitrag: #24
RE: Seit wann gibt es im Volk das Bewusstsein "Deutscher" zu sein?
(15.12.2014 11:59)Arkona schrieb:  Man könnte sogar noch weitergehen und behaupten, ein echtes deutsches Nationalbewusstsein entwickelt sich erst in unseren Tagen, ...

Das halte ich denn doch für etwas übertrieben. Reichhaltige zeitgenössischen Quellen berichten ausführlich davon, dass der Wunsch nach einem Nationalstaat zu Beginn des 19. Jh. in der Bevölkerung aufkam, was schließlich zur Deutschen Revolution von 1848 führte. Der Wunsch der Deutschen artikulierte sich auf breiter Front (u.a. auch Wartburgfest, Hambacher Fest), was sich hier gut nachlesen lässt. http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Re..._1848/1849

[quote='Arkona' pid='41195' dateline='1418637578']Meine These: Auch ganz ohne Adolf Hitler würden wir niemals den Weihnachtsbaum mit den allgegenwärtigen Landesfarben vollhängen (Dänemark) oder mit Inbrunst + Hand auf dem Herzen eine unzeitgemäße und blutrünstige Nationalhymne absingen (Frankreich, Italien).

Mir ist nicht klar, was die im 19. Jh. erwachende Nationalbewegung und der deutsche Nationalstaat mit Hitler zu tun haben.
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15.12.2014, 20:47
Beitrag: #25
RE: Seit wann gibt es im Volk das Bewusstsein "Deutscher" zu sein?
(09.12.2014 12:51)Suebe schrieb:  In meinem ersten Personalausweis, ich war 11 als ich mir einen solchen ausstellen ließ,
stand: Der Inhaber dieses Ausweises ist Deutscher

damals eigentlich selbstverständlich.
Nur, 30 Jahre zuvor wäre etwas ganz anderes dringestanden.

Denn eine deutsche Staatsbürgerschaft gibt es sein dem 7. Februar 1934

Ausriss:
Zitat:§ 1. (1) Die Staatsangehörigkeit in den deutschen Ländern fällt fort.

(2) Es gibt nur noch eine deutsche Staatsangehörigkeit (Reichsangehörigkeit).

Verordnung vom 5. Februar 1934 gültig bis 1999

Also, Fakt, es gab zuvor keine Deutschen! Angel

(15.12.2014 01:51)zaphodB. schrieb:  Selbstvertständlich muß man zeitgenössische Schrift-Quellen heranziehen,wenn man die Frage klären will
Ewas anderes bleibt einem garnicht übrige.
Wobei man allerdings unterscheiden muß zwischen der Bezeichnung von Menschen deutscher Zunge als einfache Herkunftsbezeichnung , die man im Mittelalter antrifft und dem Entstehen eines Nationalgefühls,daß ich erst iab Ebnde des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts verorten würde.
wobei es sich auch hier noch nicht unbedingt um eine Einstellung der Mehrheit gehandelt hat.
davon kann man wohl fühestens nach der Völkerschlacht ausgehen, wobei es auch da noch erhebliche regionale Unterschiede gibt.Flächendeckend dürfte es zumindest in Süddeutschland sogar bis zur Reichsgründung gedauert haben.

(15.12.2014 11:59)Arkona schrieb:  Man könnte sogar noch weitergehen und behaupten, ein echtes deutsches Nationalbewusstsein entwickelt sich erst in unseren Tagen, wobei ich das ganz unabhängig von Europa und dem Föderalismus sehe.
Meine These: Auch ganz ohne Adolf Hitler würden wir niemals den Weihnachtsbaum mit den allgegenwärtigen Landesfarben vollhängen (Dänemark) oder mit Inbrunst + Hand auf dem Herzen eine unzeitgemäße und blutrünstige Nationalhymne absingen (Frankreich, Italien).
Die heutige Jugend, unbelastet von der Vergangenheit, sieht das Thema zum Glück pragmatischer. Damit meine ich nicht etwa nur die Fanmeilen zur Fußball-WM, wo Leute unterschiedlicher Herkunft gemeinsam jubeln. Das lässt mich hoffen, dass die Integration insgesamt nicht so mies läuft wie das oft dargestellt wird.


Verstehe ich das so richtig, dass Ihr beiden die Sache nach Aktenlage beurteilt:
Zitat:eine deutsche Staatsbürgerschaft gibt es sein dem 7. Februar 1934
Denn die Verordnung über eine deutsche Staatsangehörigkeit vom 5. Feb. 1934 trat am 7. Feb. 1934 in Kraft.

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15.12.2014, 21:41
Beitrag: #26
RE: Seit wann gibt es im Volk das Bewusstsein "Deutscher" zu sein?
Ich glaube eher, dass sich dieser 3D auf dem Weg zum Schafott befindet.
Aber was solls, es war Bestimmung ... [Bild: s-nahrung-kaffee.gif]


Frühling läßt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte.
Süße, wohlbekannte Düfte streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon, wollen balde kommen.
– Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist's! Dich hab ich vernommen!

Eduard F. Mörike (1804-1875)
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15.12.2014, 21:43
Beitrag: #27
RE: Seit wann gibt es im Volk das Bewusstsein "Deutscher" zu sein?
(15.12.2014 19:49)Dietrich schrieb:  ...Der Wunsch der Deutschen artikulierte sich auf breiter Front (u.a. auch Wartburgfest, Hambacher Fest), was sich hier gut nachlesen lässt. http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Re..._1848/1849
...

Mir ist nicht klar, was die im 19. Jh. erwachende Nationalbewegung und der deutsche Nationalstaat mit Hitler zu tun haben.

Die "breite Front" um 1848 bestand doch fast nur aus Burschenschaftlern, Turnern bzw. liberalen Kreisen des Bildungsbürgertums.
Und der Zusammenhang mit Hitler bezüglich der heutigen Zeit, um die ging es mir, ist ja nicht zu leugnen. Auch heute wird Nationalbewusstsein gern automatisch in der rechten Ecke verortet.

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16.12.2014, 10:54
Beitrag: #28
RE: Seit wann gibt es im Volk das Bewusstsein "Deutscher" zu sein?
(15.12.2014 21:41)Avicenna schrieb:  Ich glaube eher, dass sich dieser 3D auf dem Weg zum Schafott befindet.
Aber was solls, es war Bestimmung ... [Bild: s-nahrung-kaffee.gif]

Kismet.....................
wusste gar nicht, dass Du Muslim bist...Bat

Im Tagebuch meines Bleichers habe ich erstmals von der hohen Kriegsentschädigung gelesen, die die Franzosen nach Waterloo zu berappen hatten.

Was heißen soll, dass Ihr mMn den Wissensstand im Volk des 18. Jahrhunderts deutlich unterschätzt.

Es gibt auch heute Vollpfosten die Karl Marx für einen Entertainer bei RTL halten.....

Aber man kann die Vollpfosten nicht zum (leeren) Maß der Dinge ernennen.

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16.12.2014, 15:20
Beitrag: #29
RE: Seit wann gibt es im Volk das Bewusstsein "Deutscher" zu sein?
(15.12.2014 21:43)Arkona schrieb:  Die "breite Front" um 1848 bestand doch fast nur aus Burschenschaftlern, Turnern bzw. liberalen Kreisen des Bildungsbürgertums.

Was du hier schreibst, ist so fern aller historischen Wahrheit, dass ich nicht weiter darauf eingehe.

(15.12.2014 21:43)Arkona schrieb:  Und der Zusammenhang mit Hitler bezüglich der heutigen Zeit, um die ging es mir, ist ja nicht zu leugnen. Auch heute wird Nationalbewusstsein gern automatisch in der rechten Ecke verortet.

Man muss hier unterscheiden zwischen einem nationalen Bewusstsein und "Nationalismus". Das sind zwei sehr verschiedene Qualitäten.
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16.12.2014, 18:17
Beitrag: #30
RE: Seit wann gibt es im Volk das Bewusstsein "Deutscher" zu sein?
(15.12.2014 19:49)Dietrich schrieb:  
(15.12.2014 11:59)Arkona schrieb:  Meine These: Auch ganz ohne Adolf Hitler würden wir niemals den Weihnachtsbaum mit den allgegenwärtigen Landesfarben vollhängen (Dänemark) oder mit Inbrunst + Hand auf dem Herzen eine unzeitgemäße und blutrünstige Nationalhymne absingen (Frankreich, Italien).

Mir ist nicht klar, was die im 19. Jh. erwachende Nationalbewegung und der deutsche Nationalstaat mit Hitler zu tun haben.

Vermutlich meint er, dass es nach Hitler erst einmal Unbehagen bereitete, sich als "deutsch" zu bezeichnen und dass daher Hitler den Deutschen erst einmal den Nationalstolz ausgetrieben hat, ohne es zu wollen. Der "verlorene Krieg" überschattete alles, ganz zu schweigen davon, dass man als Deutscher im Ausland erst einmal als zumindest heimlicher Nazi angesehen wurde, und das noch Jahre nach dem Krieg (und oft nicht einmal zu Unrecht).

Die Westdeutschen haben 1954 ihr Naitonalgefühl wieder entdeckt dank Erlangung weitgehender Souveränität des westdeutschen Teilstaates und der gewonnenen Fußball-WM - seitdem sprachen die BRD´ler von sich ganz selbstverständlich als "die Deutschen", während in "der Ostzone" "DDR´ler" lebten, die irgendwie nicht als vollwertige Deutsche angesehen wurden.
Mit der Wende wollten auch die DDR-Bürger sich wieder nicht als was Besonderes auf deutschem Boden sehen, sondern als "Deutsche". Die WM 1990 hatte noch ganz vorsichtige Aktionen mit Fahne und nationalem Jubel zur Folge, seit 2006 freut man sich in Deutschland, dass die Welt gesehen hat, dass die Deutschen auch ganz normal sich selber feiern können.

Momentan allerdings geht es vielen offensichtlich darum, sich in ihrem Deutschsein abzugrenzen bzw. festlegen zu wollen, wer denn nun ein "echter" Deutscher sei und wer nicht. Anders kann ich mir die PEGIDA-Demos nebst Ablegern nicht so recht erklären.

Und genau da müssen wir glaub ich auch ansetzen, wenn wir fragen, seit wann es denn ein Bewusstsein gibt, dass man "Deutscher" sei und nicht etwa "nur" Bayer, Schwabe, Sachse oder auch Schweizer. Seit wann grenzen sich die Bewohner der deutschsprachigen Gebiete selber ab von den umliegenden anderssprachigen Völkern (denn die Kultur war so unterschiedlich nicht bzw. auch innerhalb das späteren Deutschland unterschiedlich genug, um hier eigentlich gegen eine einheitliche Nationalität zu sprechen).
Wohl gemerkt, seit wann grenzen sie sich selber ab. Der Zeitpunkt, zu dem Franzosen, Italiener, Dänen, Niederländer, Böhmen und Polen sich von den Deutschen abgrenzen, sagt ja nichts darüber aus, wie die Deutschen sich selber sahen, sondern eher darüber, seit wann die Nachbarvölker sich als eigene Nationen sahen und fühlten.

VG
Christian
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16.12.2014, 21:16
Beitrag: #31
RE: Seit wann gibt es im Volk das Bewusstsein "Deutscher" zu sein?
noch einen Seiteneinwurf:

Hadrian der VI. war vor Benedikt der letzte "deutsche Papst" heute würde man ihn als Holländer bezeihnen.

Das waren die Willkommensverse für Hadrian in Rom 1522:
Zitat:«O del sangue di christo traditore
Ladro collegio chel bel vaticano
Alla tedescha rabbia hai posto in mano
Come per doglia non ti scoppia el cuore

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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16.12.2014, 23:04
Beitrag: #32
RE: Seit wann gibt es im Volk das Bewusstsein "Deutscher" zu sein?
(16.12.2014 15:20)Dietrich schrieb:  
(15.12.2014 21:43)Arkona schrieb:  Die "breite Front" um 1848 bestand doch fast nur aus Burschenschaftlern, Turnern bzw. liberalen Kreisen des Bildungsbürgertums.

Was du hier schreibst, ist so fern aller historischen Wahrheit, dass ich nicht weiter darauf eingehe.

Tolles Argument. Den Arbeitern, Bauern und Handwerkern - soweit sie sich an der Bewegung 1848 beteiligten - ging es primär jedenfalls nicht um hehre nationale Ziele, sondern um Verbesserungen der materiellen Lage und die Beseitigung feudaler Verhältnisse.

Anekdote:
Friedrich Wilhelm sagt den Berliner Barrikadenkämpfern zu, die Forderungen zu erfüllen...
"Ooch det Rauchen im Tierjarten?"
...
"Denn is ja jut."

„Der Horizont der meisten Menschen ist ein Kreis mit dem Radius 0. Und das nennen sie ihren Standpunkt.“ (Albert Einstein)
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16.12.2014, 23:08
Beitrag: #33
RE: Seit wann gibt es im Volk das Bewusstsein "Deutscher" zu sein?
(16.12.2014 21:16)Suebe schrieb:  noch einen Seiteneinwurf:

Hadrian der VI. war vor Benedikt der letzte "deutsche Papst" heute würde man ihn als Holländer bezeihnen.

Das waren die Willkommensverse für Hadrian in Rom 1522:
Zitat:«O del sangue di christo traditore
Ladro collegio chel bel vaticano
Alla tedescha rabbia hai posto in mano
Come per doglia non ti scoppia el cuore

Ja und? Eine Unterscheidung wird zum Leidwesen unserer Nachbarn vielfach auch heute nicht in der Welt gemacht (Dutch).

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17.12.2014, 00:43
Beitrag: #34
RE: Seit wann gibt es im Volk das Bewusstsein "Deutscher" zu sein?
Nun ich stimme Arkona zu,- Das Nnationalbewußtsein war zu Beginn bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts durchaus Sache einer intellektuellen Minderheit, wenn auch einer wachsenden.. Die Majorität war zwar deutscher Zunge und fühlte sich aiuch teilweise noch als Teil des Konstruktes,welches das HRR dargestellt hat, war aber in erster Linie Hesse,Bayer,Sachse,Preuße,etc.
Die Forderung nach einem deutschen Gesamtstaat wurde selbst bei den 1848ern nur von einem teil als Nationalstaat konzipiert, ein nicht ganz unerheblicher Teil sah in einem Gesamtstaat nur ein mittel zur Überwindung der Kleinstaaterei mit allen sich daraus ergebenden Pproblemen
Nationalbewußtsein als Anschauung der Mehrheit sehe ich daher eigentlich erst im letzten Drittel des 19.Jahrhunderts.
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17.12.2014, 05:03
Beitrag: #35
RE: Seit wann gibt es im Volk das Bewusstsein "Deutscher" zu sein?
Meiner Meinung nach entdeckten die Deutschen im Verlauf der Befreiungskriege gegen Napoleon, dass mehr drin war für die sie. Das Hambacher Fest entfachte einen freien Geist. Preußen vollbrachte nach den Kriegen gegen Dänemark 1864, gegen Österreich 1866 und gegen Frankreich 1870/1871 die Einheit der Deutschen Nation. Die Niederlag nach dem 1. WK spülte Hitler nach oben, der Ausgang ist bekannt.
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17.12.2014, 11:40
Beitrag: #36
RE: Seit wann gibt es im Volk das Bewusstsein "Deutscher" zu sein?
(17.12.2014 00:43)zaphodB. schrieb:  ./.
Die Forderung nach einem deutschen Gesamtstaat wurde selbst bei den 1848ern nur von einem teil als Nationalstaat konzipiert, ein nicht ganz unerheblicher Teil sah in einem Gesamtstaat nur ein mittel zur Überwindung der Kleinstaaterei mit allen sich daraus ergebenden Pproblemen
Nationalbewußtsein als Anschauung der Mehrheit sehe ich daher eigentlich erst im letzten Drittel des 19.Jahrhunderts.

Sorry, aber die Kleinstaaterei war Anno 48 schon kein nenenswertes Problem mehr.
Zollverein war die Lösung gewesen.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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17.12.2014, 12:07
Beitrag: #37
RE: Seit wann gibt es im Volk das Bewusstsein "Deutscher" zu sein?
(17.12.2014 05:03)liberace schrieb:  Meiner Meinung nach entdeckten die Deutschen im Verlauf der Befreiungskriege gegen Napoleon, dass mehr drin war für die sie. Das Hambacher Fest entfachte einen freien Geist. Preußen vollbrachte nach den Kriegen gegen Dänemark 1864, gegen Österreich 1866 und gegen Frankreich 1870/1871 die Einheit der Deutschen Nation. Die Niederlag nach dem 1. WK spülte Hitler nach oben, der Ausgang ist bekannt.

Ich bin auch der Ansicht, dass Preußen eine bedeutende Rolle spielte - letztendlich aber selbst abgewertet wurde...
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17.12.2014, 12:51
Beitrag: #38
RE: Seit wann gibt es im Volk das Bewusstsein "Deutscher" zu sein?
Was halten die werten Mitdiskutanten eigentlich von den diversen "Deutschen Schriften" Handschriften und auch gedruckte als Nachweis eines "Wir-Gefühls"?

Außerhalb des deutschen Sprachraums nur sehr rudimentär verwendet.

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17.12.2014, 13:13
Beitrag: #39
RE: Seit wann gibt es im Volk das Bewusstsein "Deutscher" zu sein?
(17.12.2014 12:51)Suebe schrieb:  Was halten die werten Mitdiskutanten eigentlich von den diversen "Deutschen Schriften" Handschriften und auch gedruckte als Nachweis eines "Wir-Gefühls"?

Außerhalb des deutschen Sprachraums nur sehr rudimentär verwendet.

Die Verfasser dieser "teutschen Schriften" waren doch genau die Leute, die ich jetzt mehrfach herausgehoben habe.

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17.12.2014, 15:57
Beitrag: #40
RE: Seit wann gibt es im Volk das Bewusstsein "Deutscher" zu sein?
(16.12.2014 23:04)Arkona schrieb:  Tolles Argument. Den Arbeitern, Bauern und Handwerkern - soweit sie sich an der Bewegung 1848 beteiligten - ging es primär jedenfalls nicht um hehre nationale Ziele, sondern um Verbesserungen der materiellen Lage und die Beseitigung feudaler Verhältnisse.

Die Revolution von 1848 zielte auf einen deutschen Nationalstaat. Nachdem die Fürsten vor den Liberalen zurückgewichen waren, wählte das Volk eine Nationalversammlung, die in der Frankfurter Paulskirche tagte. Am 18. Mai 1848 kamen über 600 Vertreter des deutschen Volks zusammen, die eine Verfassung für alle Deutschen und einen nationalen Staat schaffen sollten. Es entstand eine Verfassung, die die bürgerlichen Grundrechte verankerte und ein demokratisch gewähltes Parlament mit einem Kaiser als Staatsoberhaupt vorsah.

"Der doppelte Charakter einer zugleich nationalen und liberal-demokratischen Revolution war vom ersten Tag an sichtbar."
(Gebhardt, Handbuch der deutschen Geschichte, Band 15, S. 80)

"Von Anfang an zeichnete sich das doppelte Ziel ab: nationale Einheit und liberale Verfassungen."
(Lexikon der deutschen Geschichte, Stuttgart 1983, S. 803)

"Doch handelt es sich tatsächlich um eine Revolution aller Schichten des Volkes ... Zum Präsidenten [der Nationalversammlung] wird der liberale hessen-darmstädtische Minister Heinrich Freiherr von Gagern gewählt, der die Souveränität der Nation zur Grundlage ... der Nationalversammlung erklärt."
(Der Große Ploetz, S. 931 f.)

"Im Mittelpunkt der deutschen Revolution stand die Frankfurter Nationalversammlung ... Das national-staatliche Streben kam in zwei Richtungen zum Ausdruck, und zwar in der großdeutschen und der kleindeutschen."
(Handbuch der europäischen Geschichte, Stuttgart 1998, S. 503)

"Das offensichtliche Scheitern der nationalstaatlichen Ziele der Revolution von 1848/49 lenkt oft den Blick ab von den bleibenden Erfolgen und nachhaltigen Fortschritten, die in den Revolutionsjahren erzielt wurden und die von der siegreichen Gegenrevolution nicht revidiert werden konnten."
"http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Re...ersammlung

"In der Revolution von 1848, an deren Spitze sich bald das liberale Bürgertum stellte, sollte ein national geeinter deutscher Staat mit einer freiheitlichen Verfassung entstehen, gestützt auf die persönliche und gesellschaftliche Freiheit seiner Staatsbürger. "
http://www.bpb.de/izpb/9840/revolution-von-1848

Dass es neben dem vorrangigen Ziel der Schaffung eines deutschen Nationalstaates auch innenpolitische Forderungen gab, versteht sich von selbst. Dazu zählten u.a.: Pressefreiheit, Versammlungsfreiheit, Amnestie sowie Vollendung der Bauernbefreiung und Beseitigung der noch bestehenden Feudalrechte,
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