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Warum interessiert niemanden die extreme Jugendarbeitslosigkeit in Europa?
06.05.2014, 19:43
Beitrag: #41
RE: Analyse Jugendarbeitslosigkeit in Europa - Antworten der Politik:
(06.05.2014 00:06)WDPG schrieb:  
(05.05.2014 23:00)Bunbury schrieb:  Was wir brauchen ist nicht das quantitative Wachstum, sondern ein qualitatives Wachstum, das nicth auf die Erzielung von Gewinnen aus ist, sondern darauf, den Wohlstand der Menschen zu erhöhen.

Bitte nicht falsch verstehen. Klingt gut, aber ist leider gar nicht so einfach zu realisieren. Nehmen wir eine Aktiengesellschaft, Gewinn ist für diese wichtig, damit die Aktien kräftig steigen. Wie soll der Boss dort, der ja auch nur ein sehr gut bezahlter Mitarbeiter der AG ist ernsthaft sagen "Nachhaltigkeit kommt bei uns vor Gewinn".
Das ist bei einer AG sicher schwierig. Wobei da natürlich auch wichtig ist zu fragen, ob AGs bzw. Kapitalgesellschaften überhaupt noch zukunftsfähig sind oder ob sie nicht vielleicht durch andere Arten von Wirtschaftsbetrieben ersetzt werden müssen, wie Genossenschaften oder Kollektive Selbstverwaltung/Arbeiterselbstverwaltung.
(06.05.2014 00:06)WDPG schrieb:  Oder wie soll ein Staat sagen "uns ist es lieber nicht so zu wachsen, China und co. holen uns halt ein".
Was wäre denn daran so schlimm??
Europa würde dadurch nicht ins Elend stürzen.
(06.05.2014 00:06)WDPG schrieb:  Wie gesagt bin absolut deiner Meinung, leider ist das ganze aber extremst schwierig zu verwirklichen. Denke aber man sollte sich zumindest (auch als Politik) bemühen wenigstens nicht nur das Wachstum als Ziel zu sehen, sonder auch anderes genauso in den Vordergrund zu stellen. Etwa Werte und Visionen, beides (und das kann man Parteiübergreifend und ich habe die Befürchtung auch Grenzübergreifend sagen) fehlen den Parteien und Politikern aber.
Das stimmt, ist aber auch kein Wunder, wenn man sich anguckt, wie stark Industrie und Politik inzwischen miteinander verwoben sind.
Michel Moore hat das in seinem Film, im Bezug auf die USA, schön herausgearbeitet.
Deswegen hat er, meiner Meinung nach, auch recht mit seiner These, dass wir uns zwischen Kapitalismus und Demokratie entscheiden müssen.

"Auflehnung ist das heiligste aller Rechte und die notwendigste aller Pflichten."
Marquis de La Fayette
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06.05.2014, 22:20
Beitrag: #42
RE: Analyse Jugendarbeitslosigkeit in Europa - Antworten der Politik:
(06.05.2014 12:51)WDPG schrieb:  Bin mir gar nicht sicher ob der Wohlstand nicht schon insgesamt gewachsen ist, selbst von Armut betroffene Leute können sich heute Dinge wie ein Handy leisten. Arm sein heißt nicht verhungern müssen und Kinder des Mittelstandes haben heute wohl wesentlich mehr Spielsachen usw. zur Verfügung als früher (behauptet zumindest immer die Generation meiner Eltern und Großeltern).
Die Frage ist nur wo ist der Preis des Wohlstandes? Ein Handy haben wenn man sichs eigentlich nicht leisten kann, weil man muss (auch um eine Jobaussicht zu haben) ist schön und gut, aber wie bezahlen. Mehr Spielzeug ersetzt auch nicht den Freiraum der überall zerstört wird und nicht den familäre Kontakt der immer kleiner wird, weil keiner mehr Zeit hat.

Vielleicht sollten wir uns erst einmal darauf einigen, was Wohlstand eigentlich bedeutet.
Für mich bedeutet "Wohlstand" nämlich nicht alleine materiellen Wohlstand. Eine wohlhabende Gesellschaft ist für mich eine gesellschaft, in der genügend Mittel vorhanden sind, damit möglichst viele Mitglieder der Gesellschaft die möglichkeit haben, sich selbst verwirklichen zu können. Wenn aber immer mehr Menschen zwei unterbezahlte Jobs annehmen müssen, um sie das mittlerweile zum Leben notwendige Handy leisten zu können, und ihnen keine Zeit mehr bleibt, einem Hobby nachzugehen, das ihnen ein gewisses Maß an Selbstverwirklichung gestattet, dann weist der Besitz eines Handys nicht unbedingt auf steigenden Wohlstand hin...

Auf dem Grabstein dess Kapitalismus wird stehen: "Zuviel war nicht genug"
Volker Pispers
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06.05.2014, 22:39
Beitrag: #43
RE: Warum interessiert niemanden die extreme Jugendarbeitslosigkeit in Europa?
Manchmal denke ich, dass vielbeschworene Wachstum müßte ganz woanders stattfinden, nämlich bei qualitätsvoller Arbeit gemacht von Menschen für Menschen. Wem nützen denn die ganzen Selbstbedienungsautomaten?
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07.05.2014, 09:03
Beitrag: #44
RE: Warum interessiert niemanden die extreme Jugendarbeitslosigkeit in Europa?
(06.05.2014 22:39)Renegat schrieb:  Manchmal denke ich, dass vielbeschworene Wachstum müßte ganz woanders stattfinden, nämlich bei qualitätsvoller Arbeit gemacht von Menschen für Menschen. Wem nützen denn die ganzen Selbstbedienungsautomaten?

Den Aktionären...

Ein Stück weit haben wir es dabei durchaus auch selbst in der Hand. Wenn wir halt jeden Tag Flesich essen wollen und deswegen bei den Supermärkten und Diskountern einkaufen, damit wir uns das leisten können, solten wir uns über das Ausnutzen fremdländischer Arbeitnehmer nicht wundern. Wir können auch zum Metzger gehen...
Zugegeben, viele bereiche, in denne wir mitbestimmen können, gibt es nicht mehr. Versuch mal einen Mixer zu finden, der reparabel ist, selbst wenn man dafür mehr ausgeben muss.
Allerdings führt das mitunter zu völlig absurden Situationen. ich habe mal für meinen Sohnemann eine Winterjacke gekauft, Kostenpunkt ca. 30 €. Im nächsten Winter paßte die Jacke noch, war auch noch tadellos, aber der reißverschluss ging kaputt. Ich wollte das ganze nicht in die Tonne treten, also habe ich einen neuen Reißverschluss gekauft, die Jacle in die Änderungsschneiderei gebracht und den Reißverschluss einnhähen lassen. Kosten Summasummarum: ca. 30 €
ICh wollte mir mal den Spaß machen und das ganze wirtschaftlich klakulieren, mit Folgekosten, Entsorgungskosten und dergleichen mehr. Sollte ich vielleicht mal tun, um zu untersuchen, wie das wirklich geht mit dem Wachstum...

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08.05.2014, 15:25
Beitrag: #45
RE: Warum interessiert niemanden die extreme Jugendarbeitslosigkeit in Europa?
(06.05.2014 19:43)Annatar schrieb:  Das ist bei einer AG sicher schwierig. Wobei da natürlich auch wichtig ist zu fragen, ob AGs bzw. Kapitalgesellschaften überhaupt noch zukunftsfähig sind oder ob sie nicht vielleicht durch andere Arten von Wirtschaftsbetrieben ersetzt werden müssen, wie Genossenschaften.....
Genossenschaften sind immer noch oder wieder interessant, funktionieren aber wahrscheinlich nur bei einer überschaubaren Größe. Eben da, wo sich die Beteiligten noch kennen. Einzige Ausnahme, die mir spontan einfällt, ist Edeka http://de.wikipedia.org/wiki/Edeka

(06.05.2014 19:43)Annatar schrieb:  oder Kollektive Selbstverwaltung/Arbeiterselbstverwaltung.
Erklär mal, wie du das meinst. Klingt ziemlich links, was kein Fehler sein muß.
.....
(06.05.2014 19:43)Annatar schrieb:  Das stimmt, ist aber auch kein Wunder, wenn man sich anguckt, wie stark Industrie und Politik inzwischen miteinander verwoben sind.
Michel Moore hat das in seinem Film, im Bezug auf die USA, schön herausgearbeitet.
Deswegen hat er, meiner Meinung nach, auch recht mit seiner These, dass wir uns zwischen Kapitalismus und Demokratie entscheiden müssen.
Meinst du damit, den Trend zu den Oligopolen?


(06.05.2014 22:39)Renegat schrieb:  Manchmal denke ich, dass vielbeschworene Wachstum müßte ganz woanders stattfinden, nämlich bei qualitätsvoller Arbeit gemacht von Menschen für Menschen. Wem nützen denn die ganzen Selbstbedienungsautomaten?

(07.05.2014 09:03)Bunbury schrieb:  Den Aktionären...
Die großen, oligopolistischen Aktiengesellschaften hatte Annatar auch schon genannt. In den Bereichen, die ich übersehe, führen sie zu kurzfristigen Geldanlagen mit möglichst schnellem Cash, heuschreckenartig, wie es mal ein alter SPD-Mann sagte. Liegt in der Natur der Sache, Aktionäre sind kaum am langfristigen Betriebsziel und Investionen interessiert. Bloß...wie kriegt man das zurückgedreht, das aufgehäufte Kapital muß ja vermehrt werden, wohin also damit?


(07.05.2014 09:03)Bunbury schrieb:  Ein Stück weit haben wir es dabei durchaus auch selbst in der Hand. Wenn wir halt jeden Tag Flesich essen wollen und deswegen bei den Supermärkten und Diskountern einkaufen, damit wir uns das leisten können, solten wir uns über das Ausnutzen fremdländischer Arbeitnehmer nicht wundern. Wir können auch zum Metzger gehen...
Zugegeben, viele bereiche, in denne wir mitbestimmen können, gibt es nicht mehr. Versuch mal einen Mixer zu finden, der reparabel ist, selbst wenn man dafür mehr ausgeben muss.
Es ist schwierig, sich anders zu verhalten aber noch nicht zu spät. Wahrscheinlich müssen weite Kreise noch mehr verarmen, dann wird wieder repariert usw. Es gibt inzwischen einen riesigen Second-Hand-markt. Vielleicht dauert es gar nicht mehr so lange und wir holen uns das know how zum Überleben unter armen Bedingungen von unseren südlichen Nachbarn.
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09.05.2014, 17:47
Beitrag: #46
RE: Warum interessiert niemanden die extreme Jugendarbeitslosigkeit in Europa?
(08.05.2014 15:25)Renegat schrieb:  
(06.05.2014 19:43)Annatar schrieb:  Das ist bei einer AG sicher schwierig. Wobei da natürlich auch wichtig ist zu fragen, ob AGs bzw. Kapitalgesellschaften überhaupt noch zukunftsfähig sind oder ob sie nicht vielleicht durch andere Arten von Wirtschaftsbetrieben ersetzt werden müssen, wie Genossenschaften.....
Genossenschaften sind immer noch oder wieder interessant, funktionieren aber wahrscheinlich nur bei einer überschaubaren Größe. Eben da, wo sich die Beteiligten noch kennen. Einzige Ausnahme, die mir spontan einfällt, ist Edeka http://de.wikipedia.org/wiki/Edeka
Ist den Edeka noch wirklich genossenschaftlich??
Inzwischen ist es ja auch eine AG und damit auch an die Interessen der Aktionäre gebunden.
(08.05.2014 15:25)Renegat schrieb:  
(06.05.2014 19:43)Annatar schrieb:  oder Kollektive Selbstverwaltung/Arbeiterselbstverwaltung.
Erklär mal, wie du das meinst. Klingt ziemlich links, was kein Fehler sein muß.
.....
Es ist auch ziemlich links und kommt aus dem Sozialismus und dem Anarchismus.
Die Idee dahinter ist, dass der Betrieb den Arbeitern gehört und sie alle Entscheidungen demokratisch selber fällen und kein Vorstand oder Aufsichtsrat.
Am besten erklär ich das aber an einem Beispiel:
Während des spanischen Bürgerkriegs kam es in Katalonien zu einer kollektivierung der Betriebe von unten, jedoch auch nicht von allen.
In den kollektivierten Betrieben wählten die Arbeiter einen Betriebsrat, der widerum einen Direktor wählte und ihn kontrollierte.
Ein zweites Beispiel aus Argentinien:
taz schrieb:Einige hundert bankrotte Fabriken, die von ihren Eigentümern dichtgemacht worden waren, wurden von den Arbeitern besetzt und unter Selbstverwaltung wieder in Betrieb genommen. Viele dieser besetzten Fabriken funktionierten über Jahre hinweg und sorgten für ein stabiles Einkommen für die Arbeiter der Kooperativen.

Dante Aguilera etwa arbeitete zwanzig Jahre lang bei einem Unternehmen in Buenos Aires, das Grisini, eine Art Salzstangen, herstellte. Anfang 2002 wurde die Fabrik von den Arbeitern und Arbeiterinnen übernommen. Für Aguilera bedeutete die Arbeit in der Fabrik in eigener Regie eine reine Freude - das erste Mal in seinem Leben, dass er mitbestimmen konnte an seinem Arbeitsplatz. Er begann Kontakt mit anderen Fabriken aufzunehmen, wo die Arbeiter ebenfalls die Produktionsstätten besetzt und Kooperativen gebildet hatten. Ein neues Zeitalter schien angebrochen, inmitten der Krisenstimmung entstand plötzlich eine Art politischer Euphorie.
http://www.taz.de/!80280/
Man kann also fast sagen, dass diese Betriebe kleine Republiken sind.
Wobei alle Entscheidungen demokratisch von den Mitarbeitern gefällt werden und der Direktor auch von ihnen gewählt und kontrolliert wird.
Allerdings ist dabei natürlich auch die Frage angebracht, ob kollektive Selbstverwaltung bei allen Betrieben funktioniert oder nur bis zu einer gewissen größe.
(08.05.2014 15:25)Renegat schrieb:  
(06.05.2014 19:43)Annatar schrieb:  Das stimmt, ist aber auch kein Wunder, wenn man sich anguckt, wie stark Industrie und Politik inzwischen miteinander verwoben sind.
Michel Moore hat das in seinem Film, im Bezug auf die USA, schön herausgearbeitet.
Deswegen hat er, meiner Meinung nach, auch recht mit seiner These, dass wir uns zwischen Kapitalismus und Demokratie entscheiden müssen.
Meinst du damit, den Trend zu den Oligopolen?
Einerseits ja, andererseits aber auch deren Einfluss auf die politische Klasse in den verschiedenen Ländern.
Ich meine sind politiker, die in Aufsichtsräten sitzen oder für sie arbeiten, wirklich unabhängig und vertreten die Meinung des Volkes/ihrer Wähler oder vertreten sie nicht eher die Meinung dieser Frimen, von denen sie ja bezahlt werden.
Schon Eisenhower ha in seiner Abschlussrede vor dem militärisch-industriellen Komplex gewarnt.

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09.05.2014, 18:54
Beitrag: #47
RE: Warum interessiert niemanden die extreme Jugendarbeitslosigkeit in Europa?
Heute morgen kam ich - endlich - dazu die Maiausgabe der Handwerksinformation zu lesen.

Zitat aus der Erinnerung
Seite 3
Die Jugendarbeitslosigkeit ist nirgends so gering wie in Deutschland!
Als Grund nennt man die Ausbildungsbemühungen des Handwerks.
In keinem Bereich der Wirtschaft wird im Verhältnis oder auch der Zahl nach in so großem Umfang ausgebildet wie im Handwerk.
Dies tritt man recht breit aus, da derzeit der dt. Meisterzwang in Brüssel wieder sehr in der Kritik ist.

aus Eigenem:
Ob man es glauben will oder nicht, ein heutiger Hauptschulabgänger ist nur noch in Ausnahmefällen in der Lage eine Handwerkslehre zu absolvieren.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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09.05.2014, 19:20
Beitrag: #48
RE: Warum interessiert niemanden die extreme Jugendarbeitslosigkeit in Europa?
(09.05.2014 18:54)Suebe schrieb:  aus Eigenem:
Ob man es glauben will oder nicht, ein heutiger Hauptschulabgänger ist nur noch in Ausnahmefällen in der Lage eine Handwerkslehre zu absolvieren.

Interessanter Einschub. Wie äussert sich das? Woran liegt das?
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09.05.2014, 20:13
Beitrag: #49
RE: Warum interessiert niemanden die extreme Jugendarbeitslosigkeit in Europa?
(09.05.2014 19:20)Marek1964 schrieb:  
(09.05.2014 18:54)Suebe schrieb:  aus Eigenem:
Ob man es glauben will oder nicht, ein heutiger Hauptschulabgänger ist nur noch in Ausnahmefällen in der Lage eine Handwerkslehre zu absolvieren.

Interessanter Einschub. Wie äussert sich das? Woran liegt das?

Das äußert sich so:
In den meisten Handwerksberufen ist inzwischen die einjährige Fachschule Pflicht.
Wer die nicht mit einer glatten Drei im Schnitt absolviert, wird nach Handwerkskammerempfehlung nicht in ein Lehrverhältnis übernommen.
Er bekommt zb bei den Kfz-Mechatronikern (vulgo Autoschlossern) einen Ausbildungsplatz zum "Fachwerker" angeboten.

Woran das liegt? Da halte ich mich mangels Fachkenntnissen heraus.

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09.05.2014, 20:31
Beitrag: #50
RE: Warum interessiert niemanden die extreme Jugendarbeitslosigkeit in Europa?
Ich habe weiter oben etwas gelesen von "Repair-Cafés" und auch Facebook Dienstleistungsaustausch.
Da kann es schnell Probleme mit der Handwerksordnung oder der Steuer geben. Ganz abgesehen von Sicherheitspunkten, es ist noch nicht lange her bei mir vor Ort, dass einer in seinem neu installierten Badezimmer das Leben gelassen hat.

Mit dem Beteiligungsmodell hat nahebei ene Gruppe bisheriger Angestellter ein bis dato gut aufgestelltes Opel-Autohaus in knapp 2 Jahren voll gegen die Wand gefahren....

Sorry, ich will keineswegs hier die Unke und Spielverderber machen, aber Lösungen die keine Betriebshaftpflichtversicherung aufweisen können, oder gar außerhalb bestehender Gesetze stehen, führen lediglich zu granatenmäßigem Ärger.

Dasselbe gilt für alle Modelle die den Menschen mit seinen wichtigsten Eigenschaften: Fauler Sack und raffgieriges Individuum
außer Acht lassen.

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10.05.2014, 08:05
Beitrag: #51
RE: Warum interessiert niemanden die extreme Jugendarbeitslosigkeit in Europa?
(09.05.2014 21:10)Bunbury schrieb:  Mit der Steuer gibt es so, wie die Dinger gestrickt sind von vorneherein keinen Ärger- Keiner erzielt einen Gewinn, niemand wird geldwert entlohnt. Bisher verstößt es noch nicht gegen das Steuerrecht, einem Nachbarn bei irgendetwas zu helfen, und darauf bauen die Ideen auf.
Diese Nachbarschaftshilfsgruppen sind gesetzlich zugelassen, weil sie eben keine Dienstleistungen umfassen dürfen, die durch einen Meisterbrief abgedeckt sind. Also von wegen Badezimmerinstallation. Um so etwas geht es dabei nicht. Sondern ums Fensterputzen und Rasenmähen, das Flicken von Fahrradschläuchen, die Innenreinigung von Autos oder eine Runde Babysitten.
Mag sein, daß der Staat da irgendwann auch noch die Finger darauf hält, derzeit aber tut er es nicht.
Was jetzt die Repait Cafes angeht, so werden da keine Fernseher oder Waschmaschinen repariert, sondern Kleingeräte. Und jeder repariert sein Gerät selbst, also von daher...
Wem das zu heikel ist, der muss ja nicht.

Auch daran kann ich mich erinnern:
Ein "Stift" hat ein Bügeleisen repariert, der Meister vergessen es nachzuprüfen, war + auf dem Gehäuse und die Auftraggeberin tot.

OK, seis drum.
Wie du das schilderst, sind das Spielwiesen für aktive Rentner. Wenn da einer meint es wird nichts, schneidet er das Netzkabel ab, und drückt dir das Gerät so in die Hand.
Nichts dagegen einzuwenden.

ABER
wie soll daraus eine Strategie gegen die Jugendarbeitslosigkeit werden?
Das Problem ist doch, dass einerseits viele Arbeitslos sind, andererseits die Betriebe händeringend ausbildungsfähigen Nachwuchs suchen.

Die

http://de.wikipedia.org/wiki/Groz-Beckert

haben seit etlichen Jahren aus purer Verzweiflung Schulabgänger in einjährigen Kursen ausbildungsfähig gemacht.
Um inzwischen das Übel an der Wurzel zu packen

http://groz-beckert.com/cms/de/groz_beck...oundation/

und eine eigene Schule aufzumachen. Inzwischen ist man bei der 3. Grundschulklasse angekommen.

Man hat vor lauter Warmduscherei und Verteufelung des ach so schlimmen Leistungsdrucks geschafft, dass sich alles nur noch an den Backpflaumen ausrichtet.
Vor lauter Chancengleichheit hat inzwischen keiner, der von der Hauptschule kommt, mehr eine Chance.

Da liegt der Hund begraben, der Fisch stinkt wie immer vom Kopf.

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10.05.2014, 10:26
Beitrag: #52
RE: Warum interessiert niemanden die extreme Jugendarbeitslosigkeit in Europa?
(10.05.2014 08:05)Suebe schrieb:  Man hat vor lauter Warmduscherei und Verteufelung des ach so schlimmen Leistungsdrucks geschafft, dass sich alles nur noch an den Backpflaumen ausrichtet.
Vor lauter Chancengleichheit hat inzwischen keiner, der von der Hauptschule kommt, mehr eine Chance.
Es sei denn, er findet Förderer wie die von dir genannte Privatstiftung? Stimmt, aber kann es doch nicht sein, das ist auch nicht die ganze Wahrheit.
Andersrum wird nämlich ein Schuh draus. Es sind nicht die "Kuschelpädagogen", die das Schulsystem und insbesondere die Hauptschüler bzw. die Hauptschule "verdorben" haben.

Denn nach deiner Argumentation hat man an der Hauptschule die Anforderungen so weit heruntergeschraubt, bis auch die letzte "Backpflaume" noch den Quali schaffte, und zwar - jetzt kommt´s - weil man nicht dem Leistungsdruck fröhnen wollte, sondern der Chancengleicheit.
Was heißt das?
Diejenigen, die von (zu) Hause aus weniger Chancen auf Bildung hatten, sollten mitgezogen werden und ihnen dadurch ebenfalls Bildung ermöglicht werden. Nach deiner Argumentation hat das dazu geführt, dass ALLE Hauptschüler WENIGER Bildung bekamen.
Der Hund liegt aber woanders begraben, und keineswegs durchweg "im Kopf des Fisches".

Einerseits wurden die Schulen vor allem finanziell sträflich vernachlässigt, von den (Lokal- und Regional-) Politikern, insofern "stinkt der Fisch tatsächlich vom Kopf her". Wenn ich keine Lehrer einstelle und stattdessen Klassen mit 32 Schülern zulasse, ja sogar für normal halte, wenn ich den Schulen keine Erweiterungen und Modernisierungsmaßnahmen bezahle, brauche ich mich nicht wundern, wenn Schüler und Lehrer überfordert sind mit Megaklassen in winzigen Klassenzimmern mit Kreide und Tafel als einzigem Unterrichtsmaterial (wobei ich nichts gegen die gute alte Kreidetafel habe, aber nur, wenn sie EIN Unterrichtsmittel unter mehreren ist).

Andererseits ist die Hauptschule aber zur "Resterampe" verkommen - und das ist das eigentliche Problem, die Pädagogik hat hier nur reagiert, nicht agiert -, weil spätestens seit den 80ern der Hauptschulabschluss nicht mehr als "zukunftsträchtiger" Abschluss akzeptiert worden ist. Ums überspitzt zu sagen: Wer in der 4.Klasse den Zahlenraum bis 20 beherrschte und Buchstaben malen konnte, wurde von den Eltern (!) als würdig erachtet, mindestens aufs Gymnasium zu gehen. Die Vorarbeit haben wiederum die Politker geleistet: In den 70ern wurden überall neue Gymnasien (und Unis) hochgezogen, so dass der Besuch eines Gymnasiums nicht mehr den Wegzug in die nächste Großstadt bedeutete und auch eine nahe gelegene Studiermöglichkeit fast überall gegeben war. Die begeisterten Eltern haben dann aber auch wieder übertrieben. Am Schluss der Entwicklung stand die Tatsache, dass nur noch die Kinder auf der Hauptschule blieben, die es absolut nicht schafften, auf die Realschule oder gar aufs Gymnasium zu gehen. Eine "Bildungshierarchie", die vom System her aber auch schon angelegt war, war die Folge: Als "gescheit" galt nur noch das Kind, das es auf eine weiterführende Schule schaffte, das Gymnasium war mehr wert als die Realschule und die Kinder, die auf die Hauptschule gingen, waren nicht gescheit, sondern gescheitert. Mit 10 Jahren gescheitert? Wie wird jemand, der einen solchen Stempel aufgedrückt bekommen hat, wohl sein Leben planen und führen?
Vergessen wurde dabei, dass das dreiteilige Schulsystem schon mal Sinn machte, weil die verschiedenen Schularten für jeweils andersgeartete Zwecek ausgelegt waren: Die Hauptschule sollte Handwerker und Arbeiter produzieren, die Realschule Büromenschen und das Gymnasium Studenten und Gelehrte. Natürlich war auch damals - vor den 70ern - der Gymnasiast viel mehr angesehen als der Volksschüler. Gab ja auch viel weniger Gymnasiasten, und das Gymnasium sagte nicht nur etwas über die Lateinlernfähigkeit der Schüler, sondern auch etwas über den Finanzrahmen der Eltern aus.
Aber in den 80ern wurde aus dem Wechsel vom Gymnasium "zurück" an die Realschule, weil vielleicht der Schüler mit dem Lerntempo und dem Lernstoff des Gymnasiums nicht klar kam und an der Realschule mit ihren anderen Lerninihalten und Lernmethoden besser aufgehoben war, ein "Abstieg". Hier schließt sich der Kreis: Die Eltern wollten ihren Kindern ein bestmögliche Zukunft garantieren (was sowieso nur in begrenztem Umfang möglich ist) und sie vor dem Abstieg bewahren, den Kindern sollte es ja besser gehen als den (oft "nur" auf der Volksschule gewesenen) Eltern.

Nun sind wir wieder am Anfang angekommen: Bei dem Stand der Schulentwicklung, bei dem sich in der Hauptschule diejenigen sammeln, die ohnehin wenig Chancen haben. Die Hauptschule als Resterampe also.
Einerseits wurde es jetzt für die Politiker unattraktiv, Hauptschulen zu fördern. Diejenigen, auf deren Meinung die Politiker Wert legten, hatten ihre Kinder auf Gymnasium oder Realschule, also wurde hier - wenn überhaupt - investiert.
Andererseits wurden die Hauptschulen oft zu spzialen Brennpunkten, also musste hier was getan werden. Aber was? Mehr Lehrer? Mehr Sozialpädagogen (Entwicklung der 90er Jahre und des PISA-Schocks)? Kostet Geld. Geld hatten die Kommunen und Länder nicht, zumindest nicht für Bildung. Folge: Die Hauptschulen verkamen immer mehr. Und verloren immer mehr an Ansehen, nur zum Teil zu Recht. Denn die klassischen Arbeitgeber für Hauptschüler - Handwerker z.B. - merkten immer mehr, dass die Hauptschüler, die zu ihnen kamen, oft nicht einmal die niedrigsten Anforderungen bezüglich Bildung und Sozialverhalten erfüllten. Also orientierten sie sich um: Schreiner, Metzger, Metallhandwerker suchten ihre Lehrlinge erst gar nicht mehr bei den Hauptschülern, sondern forderten Mittlere Reife oder gar Abitur. Die Hauptschüler hatten noch weniger Chancen, die Hauptschulen verkamen noch mehr.

"Der Fisch stinkt vom Kopf her" ist also eine nur teilweise richtige Analyse der Bildungsmisere und der Gründe für die hohe Jugendarbeitslosigkeit. Das Ganze ist ein gesellschaftliches Phänomen mit mehreren Querbezügen, das sich nicht monokausal begründen und auch nicht monokausal beheben lässt.

Eine Lösung? Nicht in Sicht. Zu kompliziert, zu teuer. Denn - meine Meinung - letzten Endes würde Geld helfen. Mittlerweile, nachdem die Angelegenheit jahrzehntelang liegen gelassen wurde, richtig viel Geld, aber immerhin.
Das Ignorieren des "Hauptschulproblems" mit vernachlässigten Schülern, die dadurch nur noch mehr vernachlässigt werden, und die Umetikettierung der Hauptschulen in "Mittelschulen" oder Ähnliches bringt gar nichts, wenn dadurch nur die Schulen größer werden, aber des Lehrer-Schüler-Verhaltnis sich sowohl qualitativ als auch quantitativ nicht ändert. Es werden gebraucht: Mehr Lehrer, die auf die Probleme der Schüler genauer eingehen können. Kann der Schüler in der 4. Klasse immer noch nicht flüssig lesen, weil bei ihm zu Hause kein Deutsch gesprochen wird? Oder liegt´s daran, dass zu Hause nicht gelesen wird, nicht einmal Zeitung? Oder liegt´s daran, dass der Schüler zu Hause allein gelassen wird mit Hausaufgaben, Lernen, etc.? Oder liegt´s daran, dass der Schüler anders lernt als der Lehrplan von ihm erwartet? Langsamer? Schneller? Dass ein Entwicklungsschub noch aussteht, der aber gebraucht wird, damit die schulischen Anforderungen erfüllt werden können? (sowieso ein unsäglicher Begriff: Der Schüler nicht als jemand, der "Kunde" des Schulsystems ist, sonderns als jemand, an den man Forderungen stellt...)
'Das häufige Auftauchen des Begriffs "zu Hause" ist hier kein Zufall. In jedem Erziehungsgesetz steht, dass Schule UND Eltern ZUSAMMENARBEITEN sollen bei der Erziehung des Schülers. Wenn aber die beiden pädagogischen Mitwirkenden NICHT zusammenarbeiten, wird das nix. Ist so eine Zusammenarbeit also nicht vorhanden, muss auch jeamnd da sein, der mit den Eltern arbeitet, damit die dann wiederum einsehen oder fähig werden, mit den Kindern zu "arbeiten". Viele Hauptschulen haben so ein "Elterncoaching" aus eigener Kraft auf die Beine gestellt, mit guten Erfolgen. Aber eben allein, ohne Hilfe des eigentlich verantwortlichen "Finanzaufwandträgers", der Kommune oder des Landes also. Wir sind schon wieder biem Thema Geld angekommen.

Angefangen hat das ganze Problem dabei, dass man die Basis der (Bildungs-)Gesellschaft vernachlässigt hat, denn nichts anderes ist die Grund-/Hauptschule ursprünglich gewesen. Diesen Fehler wieder gut zu machen, dürfte auch mit noch so viel Geld nicht mehr möglich sein, aber man kann´s doch wenigstens mal versuchen...

Ich habe übrigens bisher vernachlässigt, dass es natürlich noch einen Problemkreis gibt, der die Hauptschule zur "Probelmschule" macht: Wenn ich eine dritte oder gar schon erste Klasse hab, in der "nur" zwei Jungs oder Mädels sitzen, die es gar nicht einsehen, warum sie still sitzen sollten, nur weil der Lehrer es verlangt, die um sich schlagen, sowie sie sich beleidigt vorkommen (!), dann geht das erstens zu Lasten der Konzentrationsfähigkeit der ganzen Klasse und zweitens wird sich so jemand niemals irgendwo einfügen können. Ergo bleibt der-/diejenige auch Arbeitsplatztechnisch auf der Strecke.
Und: Auch dank unseres vielgliederigen Schulsystems ist es möglich, mit Hauptschulabschluss es bis auf die Uni zu schaffen. Das geht nämlich auch über die beruflichen Schulen, also Wirtschaftsschulen oder Berufsoberschulen oder wie sie alle heißen. So mancher Schüler hat es so schon zum Ingenieur geschafft. Voraussetzung ist aber immer ein erlernter Beruf. Wer diesen entscheidenden Sprung nicht schafft, der ist für die Gesellschaft verloren, der wird auch immer auf staatliche Hilfen angewiesen sein, es sei denn, er hat Riesenglück und schafft den "Turnaround" auf unkonventionelle Weise, wie auch immer.

VG
Christian
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10.05.2014, 11:48
Beitrag: #53
RE: Warum interessiert niemanden die extreme Jugendarbeitslosigkeit in Europa?
Vielen Dank für diesen fundierten Beitrag.

Meine Tochter ist Hauptschullehrerin und würde deine Ausführungen mit Sicherheit unterschreiben.

Ich halte die Tendenz in Richtung Privatschule auch für absolut falsch. Aber es ist reine Notwehr.
Für Betriebsfremde steht die Schule übrigens auch offen, 250 Euronen im Monat!
Da fällt einem nichts mehr dazu ein.

Bei uns BW gibt es nun den Wegfall der Grundschulempfehlung. Auf die Art und Weise wird doch das selbe Strickmuster "nach oben exportiert"

Ihr werdet sehen in 10 Jahren nix wie Privatschulen

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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10.05.2014, 13:09
Beitrag: #54
RE: Warum interessiert niemanden die extreme Jugendarbeitslosigkeit in Europa?
In einem anderen Forum zum Theam "Lehrer als Wissensvermittler oder als Psychologe?" diskutierten wir das finnische Bildungsmodell. Hier ein Auszug:

Lia* hat geschrieben: Wer Finnland will, solte erstmal genau eruieren, wie es dort geht und muss tief in die Tasche greifen, und im hoch gelobten Skandinavien vermehren sich kritische Stimmen zum Bildungswesen.


Meine Antwort:

Dazu könnte man sachlich-nüchtern folgende Quelle anführen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Bildungssystem_in_Finnland

und folgendes Zitat daraus:

"Laut einer OECD-Studie aus dem Jahr 2001 gibt Finnland 5,8 % des Bruttoinlandsproduktes (BIP) für Bildung aus. Bereits 2005 sind es 6,4 %. Pro Jahr und Schüler investieren die Finnen im Primarbereich knapp 5.000 US-Dollar. In Deutschland werden zum Vergleich etwa 4,6 % des BIP[6] für die Bildung investiert. Im Gegensatz zu Deutschland gibt Finnland mehr Geld für den Primarbereich aus. In Finnland hat eine Primarschulklasse eine durchschnittliche Klassenstärke von 19,8 und eine Sekundarschulklasse eine Klassenstärke von 20,1 Schülern. In den ländlichen Gebieten im Norden und Nordosten gibt es häufig Klassen mit weniger als 10 Schülern".

Anders gesagt, die Finnen geben anteilig an ihrem BIP 39% mehr für Bildung aus.

Etwas später schrieb ich noch:

Kehren wir zum finnischen Modell zurück, wo Du und Lia Euch im Grunde einig seid und sich das mit der Quelle bei wiki deckt: Vor allem im Grundschulwesen wird viel mehr gemacht und wesentlich mehr Geld in die Hand genommen.

Wie Du sagst und Lia fordert, gibt es dort eben Lehrer und Psychologen und man legt den Jungen einen Grundstock fürs Leben, geht auf individuelle Stärken und Schwächen ein.

Auf den ersten Blick überzeugt mich dieses Konzept überaus. Wichtig sind die ersten Schuljahre, da formt sich das Lernverhalten und das kommt dann später zu Nutze, ich kann mir auch vorstellen, dass die Schüler dann an Mittel- und Hochschulen selbständiger, zielorientier und verantwortungsbewusster sind.

Und abschliessend beantwortet das ja auch die Ausgangsfrage zu diesem Thread: Wissensvermittler und Psychologe ist offensichtlich sehr schwer zu kombinieren (wurde ja auch von Lia so geschildert) und also, vor allem wohl im Grundschulalter, von Vorteil voneinander personell zu trennen.

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* eine Lehrerin
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10.05.2014, 13:49
Beitrag: #55
RE: Analyse Jugendarbeitslosigkeit in Europa - Antworten der Politik:
(06.05.2014 22:20)Bunbury schrieb:  Vielleicht sollten wir uns erst einmal darauf einigen, was Wohlstand eigentlich bedeutet.
Für mich bedeutet "Wohlstand" nämlich nicht alleine materiellen Wohlstand.

Ist für mich auch so. Doch die Politik meint den Wohlstand durch Wirtschaftswachstum, also den materiellen Wohlstand.
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10.05.2014, 14:06
Beitrag: #56
RE: Warum interessiert niemanden die extreme Jugendarbeitslosigkeit in Europa?
(09.05.2014 19:20)Marek1964 schrieb:  
(09.05.2014 18:54)Suebe schrieb:  aus Eigenem:
Ob man es glauben will oder nicht, ein heutiger Hauptschulabgänger ist nur noch in Ausnahmefällen in der Lage eine Handwerkslehre zu absolvieren.

Interessanter Einschub. Wie äussert sich das? Woran liegt das?

Kann nur von dem Berichten wie es bei uns in Österreich ist und was ich so mitbekomme (da ich keine Kinder habe, hauptsächlich aus Erfahrungsberichten aus dem Umfeld):

Vor einiger Zeit war es so: Die Besseren Volksschüler gingen dann ins Gymnasium, ebenso wie solche die schon wussten später auf ein höhere Schule gehen zu wollen. Das Mittelfeld und die schlechteren gingen in die Hauptschule.
Ich hatte nicht den Eindruck wie wenn man danach keine Chancen hat, ich merkte nur das sich Leute aus dem Gymnasium meist bei weiterführenden Schulen (also keiner Lehre) leichter taten. Das war der Qualitätsunterschied noch in den 90ern.

Heute sieht es so mein Eindruck anders aus: Die Besseren (meine das von den Noten her) und das Mittelfeld gehen ins Gymnasium. Das Mittelfeld hat hier schwer zu kämpfen, was dazu führt das es für diesen Teil viel schwerer geworden ist. Mehr um schulischen Erfolg Kämpfen, mehr Druck, weniger Freizeit sind unter anderem Folgen. Die Hauptschüler haben heute viel weniger Chancen. Doch mir kommt auch vor wie wenn es bei den Hauptschulen auch großer Unterschiede gibt, welche Gegend und Stadt oder Land spielen hier eine sehr große Rolle. Ausgleichen möchte man das ganze wohl durch die Einführung der „Neuen Mittelschulen“, wie dieses Konzept genau aussieht und ob der Versuch gelingt hier etwas zu verändern kann ich nicht sagen.
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10.05.2014, 15:28
Beitrag: #57
RE: Analyse Jugendarbeitslosigkeit in Europa - Antworten der Politik:
(10.05.2014 13:49)WDPG schrieb:  
(06.05.2014 22:20)Bunbury schrieb:  Vielleicht sollten wir uns erst einmal darauf einigen, was Wohlstand eigentlich bedeutet.
Für mich bedeutet "Wohlstand" nämlich nicht alleine materiellen Wohlstand.

Ist für mich auch so. Doch die Politik meint den Wohlstand durch Wirtschaftswachstum, also den materiellen Wohlstand.

OK,
aber dieser immatriellen Wohlstand ist nicht Sache der Gemeinschaft, des Staates,
das ist persönlich.
Dafür kann/muss jeder selbst sorgen.

Nur,
damit bekämpft man die Jugendarbeitslosigkeit auch nicht.

Besser
indem man ihnen beibringt, dass es Werte gibt, immatrieller oder matrieller Art für die es lohnt, dass man sich selbst höchstpersönlich immer mal wieder in den Hintern tritt.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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10.05.2014, 19:43
Beitrag: #58
RE: Analyse Jugendarbeitslosigkeit in Europa - Antworten der Politik:
(10.05.2014 15:28)Suebe schrieb:  OK,
aber dieser immatriellen Wohlstand ist nicht Sache der Gemeinschaft, des Staates,
das ist persönlich.
Dafür kann/muss jeder selbst sorgen...

... Besser
indem man ihnen beibringt, dass es Werte gibt, immatrieller oder matrieller Art für die es lohnt, dass man sich selbst höchstpersönlich immer mal wieder in den Hintern tritt.

Es ist aber sehr wohl Aufgabe des Staates, dafür zu sorgen, daß man überhaupt eine Möglichkeit dazu hat.
Wenn man jetzt aber sieht, daß genau dieser Staat seinerseits als Arbeitgeber junge Menschen vollkommen im Regen stehen läßt, ihnen immer nur jährliche Arbeitsverträge bietet, die es ihnen nicht ermöglichen, eine Familie oder nur einen eigenen Hausstand zu gründen, fragt man sich, woher die Motivation kommen soll, sich anzustrengen.
Wenn man weiß, daß man am Ende für seine Mühe belohnt wird, hat man einen Grund, sich anzustrengen.
Viele Jugendliche haben diesen Grund nicht mehr. Sie wissen, sie enden als Dauerpraktikanten, in befristeten Jobs ohne Zukunftsprespektive.
Und hier ist der Staat sehr wohl gefragt.

Denn letztendlich ist es Aufgabe des Staates, die Rahmenbedingugnen zu schaffen, in denen die Bürger leben sollen.

Auf dem Grabstein dess Kapitalismus wird stehen: "Zuviel war nicht genug"
Volker Pispers
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10.05.2014, 19:53
Beitrag: #59
RE: Warum interessiert niemanden die extreme Jugendarbeitslosigkeit in Europa?
(10.05.2014 14:06)WDPG schrieb:  Heute sieht es so mein Eindruck anders aus: Die Besseren (meine das von den Noten her) und das Mittelfeld gehen ins Gymnasium. Das Mittelfeld hat hier schwer zu kämpfen, was dazu führt das es für diesen Teil viel schwerer geworden ist. Mehr um schulischen Erfolg Kämpfen, mehr Druck, weniger Freizeit sind unter anderem Folgen. Die Hauptschüler haben heute viel weniger Chancen. Doch mir kommt auch vor wie wenn es bei den Hauptschulen auch großer Unterschiede gibt, welche Gegend und Stadt oder Land spielen hier eine sehr große Rolle. Ausgleichen möchte man das ganze wohl durch die Einführung der „Neuen Mittelschulen“, wie dieses Konzept genau aussieht und ob der Versuch gelingt hier etwas zu verändern kann ich nicht sagen.

Es wird sich nichts ändern. Das Gymnasiumsproblem ist ein Mittelschichtproblem. Die Kinder der Oberschicht besuchen nämlich keine öffentlichen Gymnasien mehr, sondern Privatschulen, auf denen sie natürlich schon frühzeitig in die richtigen Kreise hineinkommen.
Die gesellschaftliche Spaltung zeigt sich längst in der Schule. Der Mittelstand in seiner bedrohten Lagen versucht sich fast verzweifelt, nach unten hin abzugrenzen- und deswegen müssen die Kinder, koste es, was es wolle, aufs Gymnasium. Alles andere wird als sozialer Abstieg angesehen.
Allenfalls ein paar alternativ angehauchte Eltern sind bereit, mit ihren Kindern die integrativen Schulen auszuprobieren, vorausgesetzt, dieser Schulweg führt auch irgendwie zum Abitur.

Durchaus auch ein gesellschaftliches Problem. Denn wer vor dem Arzt oder Anwalt katzbuckelt und die Verkäuferin behandelt wie den letzten Dreck, trägt nicht wenig dazu bei, wie die unterschiedlichen Bildungswege in den Augen der gesellschaft gewichtet werden...
Und welches Elternteil, das sein Kind wirklich liebt, stellt sich schon gerne vor, daß andere auf ihm herumtrampeln?

Auf dem Grabstein dess Kapitalismus wird stehen: "Zuviel war nicht genug"
Volker Pispers
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10.05.2014, 20:04
Beitrag: #60
RE: Analyse Jugendarbeitslosigkeit in Europa - Antworten der Politik:
(10.05.2014 15:28)Suebe schrieb:  Besser
indem man ihnen beibringt, dass es Werte gibt, immatrieller oder matrieller Art für die es lohnt, dass man sich selbst höchstpersönlich immer mal wieder in den Hintern tritt.
Ohne jetzt fies sein zu wollen, aber die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Europa ist doch keine Folge davon, dass die Jugendlichen alle faul sind.
Das Problem ist doch, dass viele Jugendlichen in ihren Heimatländern keine Arbeit finden, obwohl sie gut ausgebildet und motiviert sind.
Es gibt sicher Jugendliche, die extrem faul sind, nur ist das kein wirklicher Grund für die hohe Jugendarbeitslosigkeit.

"Auflehnung ist das heiligste aller Rechte und die notwendigste aller Pflichten."
Marquis de La Fayette
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