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Der Untergang von Sprachen
18.11.2014, 19:35
Beitrag: #1
Der Untergang von Sprachen
Wie lässt sich das unterschiedliche Schicksal von Sprachen erklären, deren Sprecher einer Invasion zum Opfer fallen? Manche Völker bewahren ihre sprachliche Identiät, andere vollziehen einen Sprachwechsel.

Es gibt keine einheitliche Gesetzmäßigkeit, nach der solche Vorgänge ablaufen, denn die Situation ist stets sehr verschieden. So könnte man vermuten, dass große Völker mit starker Identität trotz einer Eroberung ihre Sprache bewahren. Doch gibt es zahlreiche Beispiele aus der Geschichte, auf die das nicht zutrifft. So hat das alte Volk der Etrusker, nachdem es im 3. Jh. v. Chr. von den Römern erobert worden war, spätestens zur Zeitenwende seine Sprache aufgegeben, da es etwa 250 Jahre nach Verlust seiner Selbstständigkeit gänzlich romanisiert war. Ebenso gaben die Kelten in Gallien und die Iberer in Spanien ihr angestammtes Idiom auf.

Die Ägypter und zahlreiche andere Staaten Vorderasiens und Nordafrika haben ebenfalls nach Eroberung durch die Araber im 7. Jh ihre angestammten Idiome zugunsten des Arabischen aufgegeben und zwar zuweilen - wie in Ägypten - in überraschend kurzer Zeit.

Die Basken hingegen haben ihre Sprache bewahrt, auch wenn das baskische Gebiet im frühen Mittelalter noch erheblich ausgedehnter war. Das mag daran liegen, dass ihr Siedlungsland eben kein Durchzugsgebiet war und die Basken am Rande der zentralen Staaten und Ereignisse ihre Sprache und Gebräuche in die moderne Zeit hinüberretten konnten.

Aus dem gleichen Grund mögen auch die Sorben ihre Sprache bewahrt haben, denn noch bis zur Industrialisierung war ihr Siedlungsgebiet in der Ober- und Niederlausitz relativ abgeschlossen und wegen fehlender Bodenschätze und schlechter Böden wenig begehrt. Das trifft übrigens auch auf die Slawen im Wendland an der Unterelbe zu, die aber dennoch ihre Sprache und Identität spätestens um 1700 verloren hatten, als ein Pfarrer letzte Sprecher des Wendischen besuchte und ihre Sprache niederschrieb.

Ich denke, dass sich Sprachinseln eher in abgelegenen Gebieten halten können, die der kulturellen oder politischen Dominanz einer anderssprachigen Staatsmacht nur gering ausgesetzt sind. Ein schönes Beispiel dafür ist der Kaukasus, der "Berg der Sprachen", wo sich sogar Sprachen halten konnten, die - wie das Baskische - keiner bekannten Sprachfamilie angeschlossen werden können. Solche Sprachinseln haben sich auch bei den Rätoromanen gehalten, wo ebenfalls die geografische Situation in abgelegenen Alpentälern ein Überleben des Idioms begünstigt hat.

Aus all dem geht hervor, dass es keine Formel gibt, nach der man das Überleben einer Sprache bemessen könnte. Wir haben ja sogar den Fall, dass eine seit vielen Jahrhtausenden tote Sprache wie das Hebräische, die nur noch in der Liturgie fortlebte, zu neuem Leben erweckt wurde. Das ist den Iren leider nicht gelungen, wo trotz enormer Anstrengungen nur noch etwa 53 000 Iren angeben, Irisch täglich als Muttersprache zu sprechen (Zensus von 2006). Da haben es die Engländer doch geschafft, ihre Sprache im Lauf der langen Besetzung Irlands durchzusetzen.
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18.11.2014, 19:56
Beitrag: #2
RE: Der Untergang von Sprachen
Du hast Latein vergessen. Eine lebendige Sprache, mit vielen Sprechern, aber mit keinem einzigen Muttersprachler.

Andererseits hast du Recht: Sprachen können nur in abgelegenen Gebieten überleben, wo sich kaum "Andersprecher" einmischen können oder wollen. In Städten - Stichwort Babylon - wird sich über kurz oder lang immer eine Mischsprache einstellen, die aus Bestandteilen der Sprachen aller Städter besteht (Beispiel New Orleans mitsamt Umland) oder es wird sich eine Hauptsprache durchsetzen, üblicherweise ist das die Sprache der ursprünglichen Stadtbewohner. So geschehen in der Metropole Babylon oder in den USA.
Kommt allerdings ein großer Schwung von Sprechern einer anderen Sprache und erlangen sie die Mehrheit, kann es auch hier zu einem Sprachwechsel kommen. Beispiele könnten in der Zukunft Los Angeles werden (Wechsel zu Spanisch, wobei die Stadt schon früher einen Wechsel weg von Spanisch hin zu Englisch durchgemacht hat), Babylon (Babylonisch wurde nach der persischen Eroberung zur toten Sprache von Gelehrten, die allerdings laut Wiki noch bis ins 3. nach(!)christliche Jahrhundert belegt ist; in bzw. um Babylon wurde dann Persisch gesprochen) oder auch Städte, die von Fremdsprachlern erobert wurden wie z.B. Konstantinopel.

In Berlin, das sei noch am Rande erwähnt, hat sich das alte Berlinisch nicht halten können. Im späten Mittelalter kamen kamen so viele Menschen aus Flandern und dem Rheinland (daher das "Jut" sowohl im Kölschen als auch im Berlinischen), dass sie bis heute bleibende Spuren im Berlinischen hinterlassen haben. Prägend war aber damals immer noch der nieder-/mitteldeutsche brandenburgische Dialekt. Als im 18./19.Jh. die Stadt förmlich explodierte, kamen so viele Menschen aus Schlesien, Posen/Pommern, aus dem Rhein-/Ruhrgebiet und aus dem Obersächsischen, dass die ursprüngliche Brandenburgische Mundart völlig verdrängt wurde. Weitere Einflüsse aus dem Französischen und mehreren slawischen Sprachen lassen sich ebenfalls feststellen. "Metrodialekt" nennt man so was.

VG
Christian
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18.11.2014, 20:08
Beitrag: #3
RE: Der Untergang von Sprachen
Meist "versickern" Invasoren, wenn sie nicht wie die Römer eine gezielte Politik (Veteranenansiedlung in der Provinz, Urbanisierung) treiben und/oder dabei eine überlegene Zivilisation haben.

Die andere Variante wäre, dass rein militärische Beherrschung (Kriegeradel) die Sprache der unterworfenen Mehrheit verdrängt (Angelsachsen vs. Britannier; Ungarn vs. Slawen/Romanen, Indogermanen vs. "Alteuropäer").

Ich würde jetzt gern mehr dazu schreiben, muss aber gleich wieder für ein paar Tage weg.

„Der Horizont der meisten Menschen ist ein Kreis mit dem Radius 0. Und das nennen sie ihren Standpunkt.“ (Albert Einstein)
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18.11.2014, 20:13
Beitrag: #4
RE: Der Untergang von Sprachen
Ein interessanter Fall, insbesondere da wir alle Zeugen davon wurden, ist das Hebräische.

Dei einzige Sprache die die Eltern von hren Kindern lernen.
schrieb Kishon einst.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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19.11.2014, 13:28
Beitrag: #5
RE: Der Untergang von Sprachen
Hier ist dann gleich noch, besser zum Thema passend, anzuhängen.

Das Jiddische

vor 40 Jahren die meist gebrauchte Sprache in Israel, jetzt zunehmend am Aussterben.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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19.11.2014, 14:12
Beitrag: #6
RE: Der Untergang von Sprachen
(18.11.2014 20:13)Suebe schrieb:  Ein interessanter Fall, insbesondere da wir alle Zeugen davon wurden, ist das Hebräische.

Dei einzige Sprache die die Eltern von hren Kindern lernen.
schrieb Kishon einst.

Da hat er nicht mit der "gälischen Renaissance" gerechnet.Wink

Das Gälische, das in Schottland ja zwangsverdrängt wurde (nach der Niederlage von Bonnie Prince Charlie bei Culloden wurde es den Schotten ja verboten, gälisch zu sprechen.), erlebt derzeit ja eine Renaissance. Über zweihundert Jahre lang wurde es nur noch auf den entlegenen Hebrideninseln wie Lewis und Harris oder auf Skye gesprochen (wo das Sprachverbot von den Engländern nicht gut kontrolliert werden konnte), doch seit dem Ende der 80 er Jahre des vergangenen Jahrhunderts geht von Skye eine Re- Gälisierung Schottlands aus.
Das führt dann zu völlig absurden Situationen. So gibt es bsp. in Glasgow eine gälische Grundschule, auf der 80 % Kinder mit nicht gälisch- sprechenden Eltern sind.
Letztendlich ist es keine natürliche Entwicklung, und (fremdländische und sogar schottische)Autofahrer in Schottland selbst, werden dann von den Schildern sehr verwirrt wenn dann plötzlich Namen wie "Inbhir Pheodrain" auftauchen, wo man eigentlich der Meinung war, man würde nach "Dingwall" fahren...

Auf dem Grabstein dess Kapitalismus wird stehen: "Zuviel war nicht genug"
Volker Pispers
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19.11.2014, 17:07
Beitrag: #7
RE: Der Untergang von Sprachen
(18.11.2014 19:56)913Chris schrieb:  Kommt allerdings ein großer Schwung von Sprechern einer anderen Sprache und erlangen sie die Mehrheit, kann es auch hier zu einem Sprachwechsel kommen.

Besonders interessant finde ich Fälle, wo ein Eroberervolk die Sprache der Besiegten annimmt. Ein gutes Beispiel dafür ist Frankreich. Im 5./6. Jh. eroberten die Franken Gallien und brachten ihre germanische Sprache mit. Dennoch gab es keinen Sprachwechsel. Ganz im Gegenteil setzte sich das Idiom der unterworfenen gallo-romanischen Bevölkerung durch, auch wenn die fränkische Elite noch lange an ihrer Sprache festhielt, Bekanntlich sprach noch Karl der Große Fränkisch und sicher auch andere seiner Volksgenossen.

Aber schon die Straßburger Eide aus dem Jahr 842, die Karl der Kahle und Ludwig der Deutsche schworen, wurden zweisprachig in Altfranzösisch und Althochdeutsch abgelegt. Das romanische Idiom der Unterworfenen hatte sich durchgesetzt in einem Zeitraum vom 5. - 9. Jh. Immerhin hat das Französische bis heute zahlreiche germanische Wörter bewahrt, zudem viele germanische Ortsnamen vor allem in Nordfrankreich.

Ähnlich ging das auf der Iberischen Halbinsel zu. Die Westgoten, die das Land erobert hatten, gaben bis zum 8. Jh. ihre Sprache auf und übernahmen die Sprache der romanisierten Bevölkerung. Schon ab etwa 600 soll Westgotisch nahezu verschwunden gewesen sein, obwohl es noch bis zur Eroberung des Westgotenreichs durch die Araber im Jahr 711 nachweislich eine gotische Identität gab.

Beide Beispiele sind sicher darauf zurückzuführen, dass die jeweils unterlegene Bevölkerung ein erheblich höheres kulturelles und zivilisatorisches Niveau als die Sieger hatte, zudem auch als autochthone Bevölkerung beträchtlich zahlreicher war.
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07.12.2014, 16:08
Beitrag: #8
RE: Der Untergang von Sprachen
Logisch sprach Karl d.Gr. fränkisch, sein mutmaßlischer Geburtsort liegt im flämischen Teil Belgiens und seine Vorfahren kamen aus den Ardennen. Genauso sicher ist anzunehmen, daß er Altfranzösisch sprach.
GEnau wie er waren seine Enkel zweisprachig.
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07.12.2014, 18:56
Beitrag: #9
RE: Der Untergang von Sprachen
Wobei sich das mit der zweisparchigkeit relativiert.
Altfranzösisch und Althochdeutsch waren erst ca. 850 so unterschiedlich, dass der Vertrag von Verdun in zwei Fassungen geschrieben wurde. 80 oder 100 Jahre sind keine lange Zeit in der Sprachgeschichte, aber sie mögen gereicht haben, aus zwei unterschiedlich gefärbten fränkischen Dialekten zwei Sprachen zu formen - eine mit mehr germanischen Eigenschaften und eine mit mehr romanischen Anleihen.
Zur Zeit KdG sind das noch Dialekte gewesen. Bairisch, Alemannisch und Ostfränkisch haben sich erst noch angeglichen, so dass Althochdeutsch entstehen konnte. Die Oberschicht wird noch Fränkisch und Latein gesprochen haben (wie übrigens wohl auch KdG selbst - es ist undenkbar, dass einer wie er mit Geistesgrößen wie Alkuin theologische Themen diskutierte, ohne Latein zu können. Im Fränkischen gab´s das Fachvokabular gar nicht...).

So war es für KdG noch problemlos möglich, einen Gerold, der aus Karls Heimat gestammt haben dürfte, mitsamt seinem Anhang nach Baiern zu verpflanzen. Von Verständigungsschwierigkeiten erfahren wir nichts.

Auf später französischer Seite wird´s die gleiche Entwicklung gegeben haben.

VG
Christian
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07.12.2014, 23:22
Beitrag: #10
RE: Der Untergang von Sprachen
Man muss nicht spekulieren, dass Spätlatein (Altfranzösisch) und Althochdeutsch sich genügend unterschieden haben. Das ist bekannt und nachlesbar. Ohne offiziellen Dolmetscher (natürlich ein Pfaffe) ging da bestimmt nix.

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08.12.2014, 02:37
Beitrag: #11
RE: Der Untergang von Sprachen
(07.12.2014 18:56)913Chris schrieb:  Wobei sich das mit der zweisparchigkeit relativiert.
Altfranzösisch und Althochdeutsch waren erst ca. 850 so unterschiedlich, dass der Vertrag von Verdun in zwei Fassungen geschrieben wurde. 80 oder 100 Jahre sind keine lange Zeit in der Sprachgeschichte, aber sie mögen gereicht haben, aus zwei unterschiedlich gefärbten fränkischen Dialekten zwei Sprachen zu formen - eine mit mehr germanischen Eigenschaften und eine mit mehr romanischen Anleihen.
Zur Zeit KdG sind das noch Dialekte gewesen. Bairisch, Alemannisch und Ostfränkisch haben sich erst noch angeglichen, so dass Althochdeutsch entstehen konnte. Die Oberschicht wird noch Fränkisch und Latein gesprochen haben (wie übrigens wohl auch KdG selbst - es ist undenkbar, dass einer wie er mit Geistesgrößen wie Alkuin theologische Themen diskutierte, ohne Latein zu können. Im Fränkischen gab´s das Fachvokabular gar nicht...).

So war es für KdG noch problemlos möglich, einen Gerold, der aus Karls Heimat gestammt haben dürfte, mitsamt seinem Anhang nach Baiern zu verpflanzen. Von Verständigungsschwierigkeiten erfahren wir nichts.

Auf später französischer Seite wird´s die gleiche Entwicklung gegeben haben.

VG
Christian

Latein und Germanisch haben sich doch von Anfang an unterschieden. Zuerst hat die komplette fränkische Führungsschicht und natürlich auch die Krieger, die sich im Westen niederließen, fränkisch gesprochen, später haben immer mehr romanischsprachige Zugang zur Macht bekommen bzw, immer mehr verwendeten dann die Sprache ihrer Mütter, so das sie sich im Westen immer mehr in altfranzösisch unterhielten. Der Anteil der Zweisprachigen ist dann im Westen immer mehr zurückgegangen.

viele Grüße

Paul

aus dem hessischen Tal der Loganaha (Lahn)
in der Nähe von Wetflaria (Wetzlar) und der ehemaligen Dünsbergstadt
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09.12.2014, 18:36
Beitrag: #12
RE: Der Untergang von Sprachen
Wieso der Mütter? Glaubst du, Gerold und die anderen fränkischen Adligen hätten sich alle Frauen aus Neustrien geholt?

Und ich hab auch nicht vom Latein gesprochen. Dazu brauchte wohl auch Karl keinen Dolmetsch. Ich sprach vom Fränkisch der Neustrier, das vom schon damals schon weit vom Katein entfernten Idiom der einheimischen Romanen beeinflusst wurde und sich gemeinsam mit diesem zum Altfranzösischen entwickelte und vom Fränkisch, das sich an Rhein und Main im Zusammenspiel mit den östlicheren Dialekten Bairisch und Alemannisch zum Althochdeutschen entwickelte (bzw. das Ahd hat sich aus allen drei Dialekten entwickelt).

VG
Christian
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10.12.2014, 05:14
Beitrag: #13
RE: Der Untergang von Sprachen
(09.12.2014 18:36)913Chris schrieb:  Wieso der Mütter? Glaubst du, Gerold und die anderen fränkischen Adligen hätten sich alle Frauen aus Neustrien geholt?
[quote='913Chris' pid='41127' dateline='1418143018']

Die Franken in Neustrien, Burgund...hatten auch romanische Ehefrauen, die Katein sprachen, so das ihre Kinder immer mehr zweisprachig und dann romanischsprachig wurden. Mit einem westlichen fränkischen Dialekt hätte es doch keine Dolmetcher gebraucht?

[quote='913Chris' pid='41127' dateline='1418143018']
Und ich hab auch nicht vom Latein gesprochen. Dazu brauchte wohl auch Karl keinen Dolmetsch. Ich sprach vom Fränkisch der Neustrier, das vom schon damals schon weit vom Katein entfernten Idiom der einheimischen Romanen beeinflusst wurde und sich gemeinsam mit diesem zum Altfranzösischen entwickelte und vom Fränkisch, das sich an Rhein und Main im Zusammenspiel mit den östlicheren Dialekten Bairisch und Alemannisch zum Althochdeutschen entwickelte (bzw. das Ahd hat sich aus allen drei Dialekten entwickelt).

VG
Christian

Ich denke kaum ein Franke sprach Latein und die Ostfranken kein romanisches "Katein"

viele Grüße

Paul

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10.12.2014, 10:09
Beitrag: #14
RE: Der Untergang von Sprachen
Ist hier eigentlich das "Burgundische" schon zur "Sprache" gekommen.
Als dünnste Oberschicht in der Sabaudia installiert, wurde wohl innerhalb 1-2 Generationen kein Burgundisch mehr gesprochen.

Obwohl, nachgewiesen, noch 40-50 Jahre lang Nachzügler vom Rhein ins neue Burgund zogen.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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10.12.2014, 10:20
Beitrag: #15
RE: Der Untergang von Sprachen
Gestern wurde ich in meinem Schuppen Zeuge eines Gesprächs zwischen 2 Napolitanern, beide in Suebistan aufgewachsen. Die sich zufällig getroffen hatten.
Mindestens die Hälfte der Worte war Schwäbisch, die Sprachmelodie des Restes ebenfalls.

Darauf angesprochen, meinten beide, es ginge halt nicht anders, da der jeweils andere das Napolitanische nicht mehr beherrschen würde...

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10.12.2014, 16:12
Beitrag: #16
RE: Der Untergang von Sprachen
(07.12.2014 18:56)913Chris schrieb:  Altfranzösisch und Althochdeutsch waren erst ca. 850 so unterschiedlich, dass der Vertrag von Verdun in zwei Fassungen geschrieben wurde. 80 oder 100 Jahre sind keine lange Zeit in der Sprachgeschichte, aber sie mögen gereicht haben, aus zwei unterschiedlich gefärbten fränkischen Dialekten zwei Sprachen zu formen - eine mit mehr germanischen Eigenschaften und eine mit mehr romanischen Anleihen
Christian

Das ist ein Missverständnis. Altfranzösisch ging aus dem gallo-romanischen Sprachkontinuum hervor, war also eine romanische Sprache und kein ursprünglich fränkischer Dialekt. Das romanische Altfranzösisch nahm lediglich eine Reihe fränkisch-germanischer Begriffe auf, die sich im Wortschatz niederschlugen und bis heute im Französischen als Adstrat zu finden sind.

Die in Gallien siedelnden Franken vollzogen also einen Sprachwechsel zum romanischen Idiom der gallo-romanischen Mehrheitsbevölkerung, was an den oben zitierten Straßburger Eiden gut ablesbar ist. Sprachwissenschaftler nehmen an, dass der Sprachwechsel der Franken spätestens im 9./10. Jh. vollzogen war.
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10.12.2014, 16:35
Beitrag: #17
RE: Der Untergang von Sprachen
(10.12.2014 16:12)Dietrich schrieb:  Die in Gallien siedelnden Franken vollzogen also einen Sprachwechsel zum romanischen Idiom der gallo-romanischen Mehrheitsbevölkerung, was an den oben zitierten Straßburger Eiden gut ablesbar ist. Sprachwissenschaftler nehmen an, dass der Sprachwechsel der Franken spätestens im 9./10. Jh. vollzogen war.

Das ist aber sehr konservativ geschätzt, pack mal 300 Jahre davor. Wahrscheinlich sprach im 10. Jahrhundert kein Mensch mehr altfränkisch, man sehe mal wie schnell sich die Normannen romanisiert haben.

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10.12.2014, 17:55
Beitrag: #18
RE: Der Untergang von Sprachen
(10.12.2014 16:35)Arkona schrieb:  Das ist aber sehr konservativ geschätzt, pack mal 300 Jahre davor. Wahrscheinlich sprach im 10. Jahrhundert kein Mensch mehr altfränkisch, man sehe mal wie schnell sich die Normannen romanisiert haben.

Immerhin sprach noch Karl der Große fränkisch als Muttersprache und das war um 800. Das mag allerdings auch daran gelegen haben, dass er in Aachen geboren wurde, also in einem nichtromanischen Gebiet. Wie das bei den fränkischstämmigen Siedlern in Nordfrankreich aussah, die dort teilweise schon einige hundert Jahre lebten, entzieht sich meiner Kenntnis.

Allerdings glaube ich nicht, dass die fränkische Sprache bereits im 6. oder 7. Jh. verschwunden war. In Nordfrankreich gab es eine dichtere fränkische Besiedlung die sich etwa bis zur Loire erstreckte. Weiter südlich finden sich nur noch vereinzelte Spuren fränkischer Siedler.

Ich habe hier eine schöne Karte "Frankreichs sprachliche Entwicklung unter germanischem Einfluss" (Großer Atlas zur Weltgeschichte, S. 49). Dort ist abzulesen, dass die fränkische Sprache in Nordfrankreich um 900 vom Französischen verdrängt war.
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05.06.2016, 04:11
Beitrag: #19
RE: Der Untergang von Sprachen
Es gibt viele Einflu0faktoren fürdas Überleben o. Aussterben von Sprachen.
Lebt eine Bevölkerung allein und isoliert und hat keine Einwanderer, wird sie sich kaum verändern und nicht aussterben.
Kommen immer wieder Einwanderer, wird sich eine Sprache langsam verändern.
Kommen viele Einwanderer z.B. als Eroberer, dann kann das sehr unterschiedlich ausgehen. Ein wichtiger Faktor ist die Geburtenrate. Die Germanen hatten eine höhere Geburtenrate als Römer u. Kelten und behielten ihre Sprache. Diese nahm aber lateinische Worte auf und erlebte Lautverschiebungen. Das die Römer kein Schulwesen durchsetzten, erleichterte das Bestehen bleiben. Schule ist ein Mittel der Asimilation.
Kommen Eroberer in ein mehrsprachiges Gebiet, ist es sehr wahrscheinlich, das die Eroberer ihre Sprache durchsetzen z.B. Türken in der heutigen Türkei. Die Kurden hatten eine ausreichende Geburtenrate, um nicht assimiliert zu werden bzw. breiten ihr Siedlungsgebiet aus.
Binnenwanderungen in einem Land schwächen Minderheiten z.B. das Rätoromanische in der Schweiz o. das Sorbische in Deutschland.
Verwandschaften beeinflussen Assimilation so hat das Friesische auch deshalb wenig Chancen gegenüber Olattdeutsch und Hochdeutsch zu bestehen. Deutsche assimilierten sich in englicher Umgebung schneller als in Russland o. Brasilien.

viele Grüße

Paul

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05.06.2016, 13:13
Beitrag: #20
RE: Der Untergang von Sprachen
(05.06.2016 04:11)Paul schrieb:  Es gibt viele Einflu0faktoren fürdas Überleben o. Aussterben von Sprachen.
Lebt eine Bevölkerung allein und isoliert und hat keine Einwanderer, wird sie sich kaum verändern und nicht aussterben.
Wenn alles andere auch gleichbleibt - lebensbedingungen, Kultur und Klima und was sonst noch so an Einflussfaktoren dazukommen kann, gibt es keinen Grund, dass sich die Sprache ändert.
Wenn sich aber z.B. das Klima ändert und sich auch die Lebensbedingugnen ändern, wird sich auch ohne Einfluss von Außen die Sprache ändern. Neue Begrifflichkeiten werden gebraucht, und wenn sich das Tempo des Lebens verändert, wird sich auf das Tempo der SPrache verändern. Wo man viel Zeit hat, etwas zu erzählen, wird die Sprache umständlicher und langsamer sein, wo man kaum Zeit hat, werden die Sätze eben kürzer....

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Volker Pispers
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