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1. Mai Tag der Arbeit
30.04.2014, 09:49
Beitrag: #1
1. Mai Tag der Arbeit
Am Anfang meines Berufslebens wurde ich an einem 30. April morgens mit einer Unterschriftenliste und einem dicken Beutel Hartgeld losgeschickt.
Ein Markstück, ein Zweimarkstück und ein Fünfmarkstück hatte ich jedem Beschäftigten auszubezahlen. Steuer- und Sozialversicherungsfrei

Maigeld.

Gedacht und eingeführt einst, um dem Arbeiter "der Stirn und der Faust " eine angemessene Maifeier zu ermöglichen.
Der Senior-Chef meinte dann, als ich zurück war, und die Kasse abstimmte,
"Ja, das hat mal der Hitler eingeführt".
Und angemessem waren die 8 Märker, damit konnte man sich je nach Lokalität 5-8 Bierchen leisten.

Bei der nächsten Lohnsteuerprüfung wurde dann deutlich, dass Hitlers-Zeiten endgültig rum waren, Angel die 8 Märker mussten Nachversteuert werden. Nix mehr mit Steuerfreiem Maigeld.

Für mich hier Grund und Anlass den "Tag der Arbeit" etwas auszuleuchten. Etwas außerhalb des offiziellen.
Wie war das eigentlich in der DDR?
Das müsste doch der höchste Feiertag überhaupt gewesen sein.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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30.04.2014, 11:44
Beitrag: #2
RE: 1. Mai Tag der Arbeit
In der DDR gab es doch 365 Tage der Arbeit jedes Jahr, weil es ein Arbeiter- und Bauernstaat war.
1933 wurde der 1.Mai von den NationalSOZIALISTEN eingeführt, das stimmt. Aber gleichzeitig auch die Gewerkschaften abgeschafft.

Ich habe das schon oft festgestellt, die Nazi-Revolution war die Machtübernahme der Kleinbürger, heute wäre das also das Dorfverein-, Stammtisch-, Bild-, RTL-Präkariat, das sich leicht manipulieren und verdummen lässt. Da Hitler eine Volksgemeinschaft wollte und brauchte, bot er gleich 1933 allen etwas an, vom "Tag von Potsdam" über die Aufwertung der Wehrmacht bis eben zum 1.Mai.

"Es gibt nur eine Sache die größer ist als die Liebe zur Freiheit: Der Hass auf die Person, die sie dir weg nimmt."(Che Guevara)
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30.04.2014, 12:41
Beitrag: #3
RE: 1. Mai Tag der Arbeit
Ich kannte einen sehr alten SPD-Funktionär, und die sind 1919 mit dem 1. Mai gescheitert.
Es hat ihn richtig gestört, dass ausgerechnet die Nazis...
Und in den letzten Jahren seines Lebens hat es ihn dann aufgeregt, dass die Arbeiter IHREN Feiertag so gar nicht mehr wahrnahmen.
Viel lieber auf "Maientour" gingen, als vorweggenommener Vatertag und ähnliches.

Aber für die DDR bin ich mir ziemlich sicher, dass das ein ganz hoher Feiertag war. Den Paraden nach.
Wie ist das Fest dort abgelaufen?
Streng Partei- und Staatslinie?
oder mehr privatim?

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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30.04.2014, 13:18
Beitrag: #4
RE: 1. Mai Tag der Arbeit
Kennst Du sicher:
http://de.wikipedia.org/wiki/Mai-Parade
Was die Normalbevölkerung an so einem Tag machten, weiß ich als Wessi nicht, aber wahrscheinlich lief es so ähnlich ab wie ein paar Kilometer weiter westlich.

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30.04.2014, 15:20
Beitrag: #5
RE: 1. Mai Tag der Arbeit
Es war quasi Pflicht zu demonstrieren, meist als organisierte Betriebs- oder Sportgruppe. In jeder Kreisstadt war eine Tribüne auf dem Marktplatz gezimmert, mit den üblichen Parteibonzen und ein paar alten Mumien ("Arbeiterveteranen"). Als Abiturient hab ich mich freiwillig zum Fahnenblock (Blauhemd der FDJ musste sein) gemeldet, da war man zuerst dran mit vorbeimarschieren und konnte nach 5 Minuten den Rest gelassen mit einem Bier in der Hand verfolgen. Meist dauerte der ganze Zirkus Stunden, wer nicht dabei war bekam Ärger.

„Der Horizont der meisten Menschen ist ein Kreis mit dem Radius 0. Und das nennen sie ihren Standpunkt.“ (Albert Einstein)
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30.04.2014, 19:25
Beitrag: #6
RE: 1. Mai Tag der Arbeit
(30.04.2014 09:49)Suebe schrieb:  Wie war das eigentlich in der DDR?
Das müsste doch der höchste Feiertag überhaupt gewesen sein.

Damit keine Irritationen entstehen - ja, möglicherweise nach außen hin und von idelogisch total Verblendeten so angedacht, aber das höchste Fest war in der DDR auch Weihnachten. Sowas kriegt man aus dem tradierten kollektiven Selbstverständnis nicht so schnell raus, auch wenn der religöse Hintergrund dabei etwas in Vergessenheit geriet. Ich weiß gar nicht, was passiert wäre, wenn man Weihnachten oder Ostern "abgeschafft" hätte.

Im Groben war es so wie Arkona es schon beschrieben hat. Letztlich ein freier Tag, an dem die verordnete Demonstration schnell vergessen war - spätestens um elf Uhr Vormittags, wenn man das schon angesprochene erste Bier und die erste Bratwurst in der Hand hatte.
Neben den Abiturienten im Blauhemd gab es natürlich auch den ganz normalen Werktätigen, der nach erfolgter Demonstration - man musste oftmals nur von bestimmten Leuten gesehen bzw. abgehakt werden, um die Anwesenheit belegen zu können - vom Betrieb (Firma), Uni etc. Wertmarken für die erste Bratwurst und das erste Bier bekam.
Dann hat man sich meist mit Freunden, Kollegen oder Familie in die geliebten Kleingärten oder in irgendwelche Schänken verkrümelt, die an dem Tag alle irgendwas zu bieten hatten - vor allem natürlich wieder Bierchen, Bratwurst, Rostbrätchen, (Blas)musik, Spiele für die Kinder usw. Im ländlichen Raum gab es, genau wie heute auch, das Maibaumsetzen, den Maitanz usw. Also nach der von Eigenlob triefenden Zurschaustellung der "Errungenschaften" des real existierenden Sozialismus und des Sozialistischen Ideals, alles nicht groß anders als heute - es wurde halt "typisch deutsche" Gemütlichkeit praktiziert ... Brot und Spiele


Frühling läßt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte.
Süße, wohlbekannte Düfte streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon, wollen balde kommen.
– Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist's! Dich hab ich vernommen!

Eduard F. Mörike (1804-1875)
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30.04.2014, 23:34
Beitrag: #7
RE: 1. Mai Tag der Arbeit
Bei uns wohnte 2 Reihenhäuser weiter der Werftdirektor. Da kam am 1.Mai schon morgens um 7 ein Spielmannszug, um ihn und das ganze Viertel aus dem Bett zu holen.

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