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Ausbreitung des Ackerbaus in Europa
18.09.2013, 02:08
Beitrag: #61
RE: Ausbreitung des Ackerbaus in Europa
Eine Beschäftigungstherapie im Sinne einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme war das Errichten der Megalithbauten nicht. Vielleicht haben die damaligen Menschen die Arbeit freiwillig aus einem Pflichtgefühl der Gemeinschaft gegenüber getan. Wer beim Errichten der Megalithbauten teilnahm, könnte ein besseres Ansehen innerhalb der Gesellschaft erhalten haben. D.h. z.B. dass in der Familie genügend Arbeitskräfte gegeben haben muss, um einen Sohn oder mehrere Söhne für die Arbeiten an den Megalithen freizustellen.

"Geschichte erleuchtet den Verstand, veredelt das Herz, spornt den Willen und lenkt ihn auf höhere Ziele." Cicero
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18.09.2013, 09:24
Beitrag: #62
RE: Ausbreitung des Ackerbaus in Europa
Ich glaube, das mit dem Ruhm und Ansehen ist zu sehr nach heutigen Maßstäben gedacht. (Wird dieses Bestreben nicht auch in erster Linie den patriarchalischen Kulturen der Metallzeit zugeschrieben?)
Ich würde - natürlich höchst spekulativ- wirklich davon ausgehen, daß es den menschen jener zeit ein tiefes Berdürfnis war, etwas zu schaffen, das über sie hinausging.
Ich könnte mir gut vorstellen, daß jeder zumindest eine gewisse Zeit an dem bauwerk mitgearbeitet hat- freiwillig, ohne Druck.

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18.09.2013, 13:02
Beitrag: #63
RE: Ausbreitung des Ackerbaus in Europa
(18.09.2013 02:08)Sansavoir schrieb:  Eine Beschäftigungstherapie im Sinne einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme war das Errichten der Megalithbauten nicht.

Woran willst du und die anderen mit der selben Aussage dies festmachen?

Der Mensch ist ein Herdentier, und schau mal ein Rudel Wölfe an, da wird auch gemacht, was der große Zampano will.

Sorry, ich habe von der Steinzeit wenig bis keine Ahnung, nähere mich diesen Dingen aber gerne "von der anderen Seite her"
mit dem "Maßband, dem Rechenschieber und Erkenntnissen aus anderen Gebieten".
Manchmal triffts auch Smile

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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18.09.2013, 15:45
Beitrag: #64
RE: Ausbreitung des Ackerbaus in Europa
(18.09.2013 13:02)Suebe schrieb:  
(18.09.2013 02:08)Sansavoir schrieb:  Eine Beschäftigungstherapie im Sinne einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme war das Errichten der Megalithbauten nicht.

Woran willst du und die anderen mit der selben Aussage dies festmachen?

Ich denke, das haben wir schon begründet. In der Steinzeit war es mitnichten so, daß die menschen dort einfach mal drei Monate herumgemmeln konnten und daher auf dumme Gedanken kamen.
Ein neolithischer Bauer konnte sich eben noch nicht auf die Ernte verlassen, damit er sicher über den Winter kommen würde. Ein neolithischer Bauer war eben auch immer noch mit Jagen und Sammeln beschäftigt. Mit reparturen am haus und der Werkzeugpflge, mit dem Fernhalten von Wildtieren von den Felern, dem Unkrautjäten und der Vorratshaltung.


(18.09.2013 13:02)Suebe schrieb:  Der Mensch ist ein Herdentier, und schau mal ein Rudel Wölfe an, da wird auch gemacht, was der große Zampano will.

Bisher ging man nicht davon aus, daß es in der Steinzeit besonders ausgeprägte Hierarchien gab. Es gab den Sippenverband, der zwar gewissermaßen einen Sprecher oder Anführer (ob nun männlich oder weiblich) hatte, aber großartig gegliederte Hierarchien lassen sich in de Steinzeitlichen Funden nicht feststellen. Statussymbole sind weitestgehend unbekannt. Zwar gibt es einige aufsehen erregende Gegenstände, aber diese sind dann wiederum zu selten, um als Statussymbole zu gelten, sie werden in der Regel als rituelle Gegenstände gedeutet.

Das Auftreten von starken Hierarchien mit Statussymbolen wird mit dem Aufkommen der Metallverabeitung in Zusammenhang gebracht.
Mag sein, daß das ein bißchen zu einfach ist, aber z.B. für die Ausgrabungen auf Orkney gilt, daß sich keine Hinweise auf Hierarchien finden lassen. In Skara Brae sind fast alle Häuser gleich, und das eine Haus das anders ist, war eine Werkstatt. Ohne Hierarchie aber kein großer Zampano...

(18.09.2013 13:02)Suebe schrieb:  Sorry, ich habe von der Steinzeit wenig bis keine Ahnung, nähere mich diesen Dingen aber gerne "von der anderen Seite her"
mit dem "Maßband, dem Rechenschieber und Erkenntnissen aus anderen Gebieten".
Manchmal triffts auch Smile

Wie Chris dir sicher bestätigen wird, habe ich es auch nicht unbedingt so mit der "konventionellen" Herangehensweise. Aber wenn man sich einfach mal versucht, in die Lebensweise der Menschen der damaligen Zeit hereinzuverstzen, nachdem, was man gesichert sein, erscheinen einem gewisse Dinge nun mal gewagter als andere.

Darüber hinaus gibt es keinen Hinweis darauf, daß die Megalithbauten von Einzelpersonen genutzt wurden. Sie waren Gemesinschaftswerk und von einer Gemeinschaft genutzt. In einer Megaltih- Grabstätte findet sich nicht ein Fürst, sondern finden sich Knochen von etlichen Menshcen...

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19.09.2013, 10:57
Beitrag: #65
RE: Ausbreitung des Ackerbaus in Europa
(18.09.2013 15:45)Bunbury schrieb:  Wie Chris dir sicher bestätigen wird, habe ich es auch nicht unbedingt so mit der "konventionellen" Herangehensweise. Aber wenn man sich einfach mal versucht, in die Lebensweise der Menschen der damaligen Zeit hereinzuverstzen, nachdem, was man gesichert sein, erscheinen einem gewisse Dinge nun mal gewagter als andere.

Darüber hinaus gibt es keinen Hinweis darauf, daß die Megalithbauten von Einzelpersonen genutzt wurden. Sie waren Gemesinschaftswerk und von einer Gemeinschaft genutzt. In einer Megaltih- Grabstätte findet sich nicht ein Fürst, sondern finden sich Knochen von etlichen Menshcen...


Diese "zweckfreien" Großbauten dienten und dienen bis heute der Idenditätsstiftung und -Bildung.
Ihr Bau ist mMn ohne den Willen eines "Leitwolfes" nicht denkbar, ob das jetzt ein Zampano eine "Große Mutter" oder ein Gremium wie ein "Ältestenrat" war, ist unerheblich.

Auch muss man sich vor der Vorstellung hüten, dass in vergangenen Jahrtausenden zum Lebenserhalt rund um die Uhr gearbeitet werden musste.
Schon die Kunstwerke aus der Vogelherdhöhle beweisen das Gegenteil.
Und die hier diskutierten "zweckfreien" Großbauten erst recht.

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19.09.2013, 16:54
Beitrag: #66
RE: Ausbreitung des Ackerbaus in Europa
(19.09.2013 10:57)Suebe schrieb:  Diese "zweckfreien" Großbauten dienten und dienen bis heute der Idenditätsstiftung und -Bildung.
Ihr Bau ist mMn ohne den Willen eines "Leitwolfes" nicht denkbar, ob das jetzt ein Zampano eine "Große Mutter" oder ein Gremium wie ein "Ältestenrat" war, ist unerheblich.

Warum nicht? Warum soll es so etwas wie "Teamarbeit" nicht gegeben haben? Mag sein, daß es einen Visionär gab, aber das muss nicht zwangsläufig auch derjenige gewesen sein, der die Jagdgruppe geleitet hat.
Und derjenige, der wußte, wie das Ding aussehen sollte, muss nicht automatisch der gewesen sein, der die einzelnen Leute hier und dahin geschickt hat. Jeder trug seinen teil dazu bei, nach seinen besten Kräften.
Wahrscheinlich gab es durchaus jemanden oder eine kleine Gruppe von Leuten, die die Bauarbeiten beaufsichtigten, aber wie gesagt- das war nicht zwangsläufig auch der Anführer der Sippe.


(19.09.2013 10:57)Suebe schrieb:  Auch muss man sich vor der Vorstellung hüten, dass in vergangenen Jahrtausenden zum Lebenserhalt rund um die Uhr gearbeitet werden musste.
Schon die Kunstwerke aus der Vogelherdhöhle beweisen das Gegenteil.
Und die hier diskutierten "zweckfreien" Großbauten erst recht.

Es hat keiner behauptet, daß rund um die Uhr für den Lebensunterhalt gearbeitet werden mußte. Die Steinzeitmenschen haben vermutlich weniger Zeit am Tag damit verbracht, ihren lebensunterhalt zu bestreiten als wir es heute tun.
Nur ist es ein Unterschied, ob ein Steinzeitmensch 6 Stunden am Tag mit der Lebenserhaltung beschäftig ist oder ob man unterstellt, daß er 3 Monate (am Stück) nichts zu tun hat und deswegen Megalithbauten errichten muss, nur um nicht auf dumme Gedanken zu kommen.

Ich denke, daß der normale Steinzeitmensch wirklich jeden Tag 4- 6 Stunden damit beschäftigt war, sich um seinen Lebensunterhalt zu kümmern- und daß er eben einfach mal 3 Monate herumgammeln konnte.
Er mußte nur 4-6 Stunden am Tag arbeiten, dafür aber jeden Tag...

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19.09.2013, 19:23
Beitrag: #67
RE: Ausbreitung des Ackerbaus in Europa
Im Grunde sind wir doch nur bei Detailfragen, auf die es eh keine Antwort geben kann, auseinander.

Fakt ist:
Es wurden "zweckfreie" Großbauten errichtet, die einen gewissen Wohlstand und eine gewisse Organisation voraussetzen.
Außerdem erhebliches handwerkliches Knowhow.

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19.09.2013, 20:50
Beitrag: #68
RE: Ausbreitung des Ackerbaus in Europa
@Bunbury, du idealisierst das alles m.E. etwas. Dass die jungsteinzeitlichen Behausungen in Skara Brae scheinbar gleich aussahen, heisst noch lange nicht, dass alle Bewohner gleichberechtigt waren und alles harmonisch zuging. Irgendjemand MUSS das letzte Wort gesprochen haben und dieses auch durchsetzen können.
Bei allen in Gruppen lebenden Primaten gibt es einen oft ziemlich tyrannischen Cheffe, der sich die besten Leckerbissen, bevorzugte Fellpflege und die attraktiven Weiber sichert. Homo sapiens ist in seiner Natur kein sanfter und monogamer Gibbon!

„Der Horizont der meisten Menschen ist ein Kreis mit dem Radius 0. Und das nennen sie ihren Standpunkt.“ (Albert Einstein)
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19.09.2013, 21:59
Beitrag: #69
RE: Ausbreitung des Ackerbaus in Europa
@Arkona: ich habe nie behauptet, daß alles Friede, Freude Eierkuchen war. Würde mir auch im Traum nicht einfallen.

Ich verstehe nur ehrlich gesagt nicht, warum immer das Tierreich herangezogen wird, um das Verhalten von Menschen in der Steinzeit zu erklären. Mag ja sein, daß ich mich täusche- du bist der Biologe- aber wenn ich das so überschaue, ist der Mensch von heute dem Steinzeit-Menschen näher als der Affe dem Steinzeitmenschen, oder sehe ich das falsch? Warum soll also der Rückschluss vom Affen auf den Steinzeitmenschen logischer sein als der Rückschluss vom Jetzt- menschen auf den Steinzeitmenschen?

Und in der Jetztzeit ist es nun mal so, daß kein Oberboss jemanls darauf verzichten würde, seine Stellung als Obermufti mit Hilfe von Statussymbolen zu untermauern.

Warum also soll ich annehmen, daß vor 5000 Jahren ein Oberboss darauf verzichtet hat, seine Stellung zu unterstreichen, nur weil eine Tiergruppe, die den letzten gemeinsamen Vorfahren mit uns vor 8.000.000 Jahren hatte, auf eine bestimmte Weise agiert?
Leuchtet mir ehrlich gesagt nicht ein.

ja, vielleicht idealisiere ich die Steinzeitmenschen. Aber nur insofern, daß ich einfach glaube, daß sie in ihrem sozialen Verhalten dann doch dem modernen Menschen ähnlicher waren als den Tieren.

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19.09.2013, 22:04
Beitrag: #70
RE: Ausbreitung des Ackerbaus in Europa
(19.09.2013 19:23)Suebe schrieb:  Im Grunde sind wir doch nur bei Detailfragen, auf die es eh keine Antwort geben kann, auseinander.

Fakt ist:
Es wurden "zweckfreie" Großbauten errichtet, die einen gewissen Wohlstand und eine gewisse Organisation voraussetzen.
Außerdem erhebliches handwerkliches Knowhow.

Nein, das ist kein Fakt.
Woher nimmst du eigentlich die Gewisheit zu behaupten, daß die Megalithanlagen "zweckfrei" waren?
Nur weil wir den Sinn nicht unbeingt nachvollziehen können, heißt das noch lange nicht, daß diese Bauten "zweckfrei" waren.
Soviel Ressourcen hätte niemand vergeudet, um einfach ein blödes Steinbauwerk hinzustellen, an dem ein paar Bekloppte 5000 Jahre später am Tag der Sonnenwende ein Feuerchen anzünden...
Dem Rest stimme ich dann eher wieder zu...

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19.09.2013, 23:39
Beitrag: #71
RE: Ausbreitung des Ackerbaus in Europa
(19.09.2013 21:59)Bunbury schrieb:  Warum soll also der Rückschluss vom Affen auf den Steinzeitmenschen logischer sein als der Rückschluss vom Jetzt- menschen auf den Steinzeitmenschen?
So habe ich das nicht gesagt. Aber unter der dünnen Kruste der "Zivilisation" sind wir Primaten geblieben. Man beobachte nur mal unauffällig eine Kindergruppe, ohne einzugreifen... Jede erste Klasse hat binnen 2 Wochen eine interne Rangordnung ausgemacht, dann ist klar wer der "Boss", der Zweit- und Drittstärkste und wer der Prügelknabe ist. Du hast ja m.W. mit Pädagogik zu tun, lies mal Jane Goodall und da wird die allerhand sehr bekannt vorkommen.
Worauf ich hinaus will: Entscheidungen werden nicht durch die Gruppe, sondern durch einen "Cheffe" getroffen und durchgesetzt - der Rest stimmt höchstens pro forma zu. Das war vor 2 Millionen Jahren in Ostafrika so, das war vor 5000 Jahren bei den Megalithikern so und das ist heute im Grunde nicht anders. Eine antiautoritäre Entscheidungsfindung in der Gruppe führt nur zu Chaos und endlosen Debatten wie in einem 1968er-Studentenzirkel.

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19.09.2013, 23:53
Beitrag: #72
RE: Ausbreitung des Ackerbaus in Europa
Daß es einen Anführer gibt, habe ich ja auch nie bezweifelt. Weil es einfach so ist, daß egal, wozu Menschen sich entschließen, irgendwann immer einer das Kommando übernimmt, weil ansosnten in der tat nichts dabei herauskommt. Erstaunlicherweise stellt sich aber öfters heraus, daß in einer Gruppe für eine bestimmte Aufgabe ein ganz anderer die Führung übernimmt als der, der es üblicherweise tut. Aber ohne Fürhung läuft nichts, da gebe ich dir recht.

Wogegen ich mich wehre, ist die Annahme, daß in der Steinzeit einfach ein Oberboss sich hingestellt hat und die Errichtung eines Megalithbaus angeordnet hat, und die Leute mitgemacht haben, weil er der Oberboss war und gesagt hat, daß sie es tun sollen.
Das paßt einfach nicht zu dem, was man aus der Steinzeit her kennt. Die Megalithbauten müssen als Gemeinschaftsprojekt der ganzen Gruppe aufgefasst worden sein. Alle müssen die Vision zumindest geteilt haben, auch wenn es nur einen Visionär gab.

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20.09.2013, 08:14
Beitrag: #73
RE: Ausbreitung des Ackerbaus in Europa
(19.09.2013 22:04)Bunbury schrieb:  
(19.09.2013 19:23)Suebe schrieb:  Im Grunde sind wir doch nur bei Detailfragen, auf die es eh keine Antwort geben kann, auseinander.

Fakt ist:
Es wurden "zweckfreie" Großbauten errichtet, die einen gewissen Wohlstand und eine gewisse Organisation voraussetzen.
Außerdem erhebliches handwerkliches Knowhow.

Nein, das ist kein Fakt.
Woher nimmst du eigentlich die Gewisheit zu behaupten, daß die Megalithanlagen "zweckfrei" waren?
Nur weil wir den Sinn nicht unbeingt nachvollziehen können, heißt das noch lange nicht, daß diese Bauten "zweckfrei" waren.
Soviel Ressourcen hätte niemand vergeudet, um einfach ein blödes Steinbauwerk hinzustellen, an dem ein paar Bekloppte 5000 Jahre später am Tag der Sonnenwende ein Feuerchen anzünden...
Dem Rest stimme ich dann eher wieder zu...


Also, dann habe ich die Differenzen unterschätzt.
Wir sind grundsätzlich anderer Meinung.

Ein Vorratsspeicher, ein Gemeinschaftshaus, moderner ein Staudamm
sind zweck-gebundene -erfüllende Großbauten.
Diese Megalithanlagen dienten meiner Einschätzung nach der Idenditätsbildung und sind insofern "zweckfrei".
Wie das Niederwalddenkmal, das demnächst auf allen Kanälen erscheinende Völkerschlachtdenkmal oder die (damit Chris auch was davon hat) Befreiungshalle. Dann natürlich, zeitgenössisch die Pyramiden.
Mit denen "künftige" Geschlechter nix mehr anfangen können.

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20.09.2013, 11:15
Beitrag: #74
RE: Ausbreitung des Ackerbaus in Europa
Lieber Schwabe,
da offenbart sich ja eine ganz schön auf das Materielle ausgerichtete Sichtweise.Big Grin (Aber die ist ja bekanntermaßen das indogermanische Erbe...-Provozier Big Grin)
Die teile ich natürlich nicht. Es gibt Dinge, die keinen materiellen Zweck erfüllen, aber für das Wohl einr gemeinschaft dann sehr entscheidend sind. Ich halte das für wichtig und würde nie auf den Gedanken kommen, das dann "zweckfrei" zu nennen... Es erfüllt einen Zweck. Einen wichtigen. Vielleicht sogar den wichtigsten. Denn ohne das gemeinschaftsgefühl wäre der Homo Sapiens Sapiens schon längst ausgestorben...

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20.09.2013, 14:05
Beitrag: #75
RE: Ausbreitung des Ackerbaus in Europa
Der Schwabe ist halt Kaufmann und hat daheim eine schwäbische Hausfrau mit pommerschen Wurzeln und spitzem Stift. Wie dem auch sei: Nur für das "Gemeinschaftsgefühl" hat man bestimmt nicht so einen Aufwand in Form von Monumentalbauten wie Stonehenge getrieben. Die Leute müssen zutiefst geglaubt haben, dass die Sache einen ganz konkreten Nutzen hat, der den Aufwand rechtfertigt. Ansonsten kann man ja auch über den Sinn eines mittelalterlichen Dombaues als Gotteshaus diskutieren, der immerhin Jahrhunderte dauerte und die betreffenden Städte oft finanziell ruinierte. Und seien wir doch mal ehrlich, auch wenn scheinbar "nutzlos" wie alle großen Denkmäler der Menschheit - missen wollen wir sie nicht.

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20.09.2013, 15:46
Beitrag: #76
RE: Ausbreitung des Ackerbaus in Europa
die spitze Zunge hast du vergessen.....Blush

Aber damit liegst du schon richtig.
Beispiel Ulmer Münster, die Stadt Ulm im ausgehenden Mittelalter hatte weniger Einwohner als im Münster lässig Platz hatten.
Ähnliches gilt aber für alle diese Kirchenbauten dieser Zeit, zumindest alle gotischen Dome die mir auf die schnelle einfallen.
"Zweckfrei", als Gebetshaus tut es auch die kleinste Hütte, aber Zeichen des Bürgerstolzes, der Idenditätsstiftung und -Bildung geschuldet.
WIR Ulmer, WIR Kölner.

Und es kann sein, dass irgendwelche anderen in ein paar Jahrtausenden vor den gigantischen Ruinen stehen, sich am Kopf kratzen und sich überlegen,
was wollten denn die damit????????????????
Ist damit mein "zweckfrei", das bewusst immer in Gänsebeinchen steht, erklärt?

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20.09.2013, 16:19
Beitrag: #77
RE: Ausbreitung des Ackerbaus in Europa
Also, zweckfrei waren die Megalithbauten bestimmt nicht. Sie waren - im Bereich der Trichterbecherkultur allemal, aber das dürfte auch auf alle anderen Dolmen und Ganggräber zutreffen - Grabmäler. Die Einzelmegalithen könnten schon eher zur Verehrung bestimmter Götter errichtet worden sein, aber das weiß man schlicht nicht.
Die Größe der jeweiligen Anlage hing davon ab, wieviele Menschen daran bauen konnten und welche technischen Fertigkeiten man hinsichtlich des Baus selber hatte.
Außerdem sprach die Größe eines Bauwerks selbstverständlich auch für die jeweilige Wertschätzung der Verstorbenen bzw. der Jenseitswelt und außerdem auch dafür, wie viele Menschen man zu beerdigen beabsichtigte, das aber nur nebenbei, denn wie gesagt wurden die Meglaithgräber ohnehin relativ lange und für viele Begräbnisse genutzt.

In der Trichterbecherzeit dürfte es noch keine ausgeprägten Hierarchien gegeben haben, dafür sind die Beigaben in den Gräbern (Megalith oder nicht) zu einförmig. Ein "Boss" würde sich durch besondere Beigaben zu erkennen geben. Entweder diese "Boss-Gräber" wurden sämtlich geplündert oder es gab sie nicht. Ich denke eher, zweiteres.

VG
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20.09.2013, 18:26
Beitrag: #78
RE: Ausbreitung des Ackerbaus in Europa
(20.09.2013 14:05)Arkona schrieb:  Wie dem auch sei: Nur für das "Gemeinschaftsgefühl" hat man bestimmt nicht so einen Aufwand in Form von Monumentalbauten wie Stonehenge getrieben. Die Leute müssen zutiefst geglaubt haben, dass die Sache einen ganz konkreten Nutzen hat, der den Aufwand rechtfertigt. Ansonsten kann man ja auch über den Sinn eines mittelalterlichen Dombaues als Gotteshaus diskutieren, der immerhin Jahrhunderte dauerte und die betreffenden Städte oft finanziell ruinierte. Und seien wir doch mal ehrlich, auch wenn scheinbar "nutzlos" wie alle großen Denkmäler der Menschheit - missen wollen wir sie nicht.

Mir gefällt die Bezeichnung "nutzlos" ehrlich gesagt nicht. Klar ging es um mehr als nur das gemeinschaftsgefühl, aber es ging auch um mehr als nur das Gebetshaus. Und auch eine Grabkammer hätte man vermutlich einfacher gestalten können.
Aber offensichtlich haben diese Bauten ein ganz, ganz tiefes Bedürfnis der Menschen der damaligen Zeit befriedigt. Vielleicht ging es darum, sich den Göttern näher zu fühlen, vielleicht wollten sie ein nicht näher zu greifendes Gefühl annährernd nachbauen.

In einem hast du recht- die Welt wäre ein sehr viel weniger schöner Ort, wenn die menschen immer nur das geschaffen hätten, was ihnen einen materiellen Nutzen versprach...

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20.09.2013, 20:07
Beitrag: #79
RE: Ausbreitung des Ackerbaus in Europa
(20.09.2013 18:26)Bunbury schrieb:  Mir gefällt die Bezeichnung "nutzlos" ehrlich gesagt nicht. Klar ging es um mehr als nur das gemeinschaftsgefühl, aber es ging auch um mehr als nur das Gebetshaus. Und auch eine Grabkammer hätte man vermutlich einfacher gestalten können.
Aber offensichtlich haben diese Bauten ein ganz, ganz tiefes Bedürfnis der Menschen der damaligen Zeit befriedigt. Vielleicht ging es darum, sich den Göttern näher zu fühlen, vielleicht wollten sie ein nicht näher zu greifendes Gefühl annährernd nachbauen.

ich habe den Begriff "zweckfrei" und nicht nutzlos, absichtlich gewählt.
Und auch absichtlich in eine Reihe mit den gotischen Domen und dem Völkerschlachtdenkmal gestellt.
Und weiter in den Gegensatz zu einer Staumauer oder einem Getreidespeicher gesetzt.

Die Gedankenwelt der Kultur der Jungsteinzeit wird uns immer verschlossen bleiben.
Anlagen, Baulichkeiten die einem "Zweck" geschuldet sind, können wir nichts destotrotz irgendwann irgendwie zuordnen.
Bei "zweckfreien" ist dies unmöglich.
Was natürlich keineswegs heißt, dass diese für die Erbauer nutzlos gewesen wären.

Habe ich mich verständlich ausgedrückt?

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20.09.2013, 21:09
Beitrag: #80
RE: Ausbreitung des Ackerbaus in Europa
(20.09.2013 20:07)Suebe schrieb:  Habe ich mich verständlich ausgedrückt?

Jein.Smile
Ich verstehe deine Worte zwar, aber so ganz erschließt sich mir ihr Inhalt nicht. Aber mach dir nichts daraus, ich denke, wir leben einfach in unterschiedlichen Universen mit teils recht geringer Überlappung.
Will heißen- meine Auffassung der Dinge ist eine gänzlich andere als die deine, und deswegen reden wir auch so oft aneinander vorbei.
Ich störe mich nun mal an der bezeichnung "zweckfrei", auch wenn sie in Gänsefüßchen steht. Ein Unterschied zu "nutzlos" existiert in meinem Universum irgendwie nicht.
Aber wir können es gerne erst einmal dabei belassen. Wink

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