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Naher Osten
11.03.2017, 20:34
Beitrag: #21
RE: Naher Osten
(11.03.2017 20:13)Sansavoir schrieb:  In vielen Fällen stecken Staaten wie Saudi-Arabien oder die Scheichtümer wie Katar dahinter bzw. Privatpersonen oder Organisationen aus diesen Staaten.

Saudi Arabien selbst hat wohl wenig Freude mit der ISIS? Wenn sie stark geworden wäre, würde sie ja auch die Saudis bedrohen. Vermute da auch eher mächtige Einzelpersonen und Familienclans aus Saudi Arabien dahinter.

Bei Al Schabaab habe ich mal gelesen, das Unteratützung aus Eritrea kommen könnte, muss mal schauen ob ich den Link noch finde.
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11.03.2017, 21:06
Beitrag: #22
RE: Naher Osten
(11.03.2017 20:34)WDPG schrieb:  Bei Al Schabaab habe ich mal gelesen, das Unteratützung aus Eritrea kommen könnte, muss mal schauen ob ich den Link noch finde.

Hier der Link:

http://www.faz.net/aktuell/politik/ausla...08881.html
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12.03.2017, 23:32
Beitrag: #23
RE: Naher Osten
Obwohl die politische Lage im Nahen Osten sehr kompliziert ist, versuchte ich in den letzten Tagen versucht, eine kurze Übersicht, besonders zur Geschichte Syriens und des Iraks, auszuarbeiten. Als ersten Teil liefere ich meine Ausarbeitung für die Zeit vom bzw. nach dem 1. Weltkrieg bis zur Machtübernahme von Hafez al-Assad im Jahr 1970 in Syrien bzw. von Hassan al-Bakr und seinem Verbündeten Saddam Hussein im Jahr 1968.

1. Die Ereignisse im Nahen Osten zwischen 1916 und 1924

Neben Gründen aus der jüngeren Zeitgeschichte sehe ich die wesentlichen Ursachen der heutigen politischen Situation in Syrien und im Irak in den Ereignissen von 1916 bis 1924. Das wichtigste Ereignis war der Zerfall des Osmanischen Reiches. Neue (halbkoloniale) Staaten und Mandatsgebiete entstanden aus den ehemaligen osmanischen Provinzen oder aufgrund der Grenzfestlegungen des Sykes-Picot-Abkommen. Obwohl die Herrschaft des Sultans in Arabien, aber auch im Maghreb de facto nur noch nominell war, so regulierte die osmanische Herrschaft oft in regionalen Konflikten der Clans. Diese Clans herrschten tatsächlich in diesen Gebieten, sie bezahlten Steuern oder Tribute an den Sultan, der die Clans wiederum gewähren ließ. Wie gesagt nur bei Konflikten, egal ob die Clans gegeneinander kämpften oder sich gegen den Sultan erhoben, reagierte Istanbul.

Dabei sollte nicht vergessen werden, dass der Sultan nicht nur als weltliches Oberhaupt handelte, sondern auch als geistliches Oberhaupt. Immerhin fungierten die osmanischen Sultane bis 1922 in Doppelfunktion auch als Kalif. Die von Atatürk vollzogene Absetzung des Osmanen Abdülmecid II. als Kalif im Jahre 1924 bedeutet deswegen auch, dass seitdem dem (sunnitischen) Islam eine anerkannte oberste religiöse Instanz fehlt. Dies ist meiner Meinung eine Ursache dafür, dass der Islam sich radikalisierte, da sich viele Kleriker (und Laien) die Rolle des Kalifen angemaßt haben. Einschränkend muss aber auch dargelegt werden, dass die letzten Herrscher des Osmanischen Reiches schwache und in ihren Handlungen eingeschränkte politische Figuren waren, sodass mit ihrer Absetzung als Sultan (1922) und Kalif (1924) nur vollzogen wurde, was bereits der politischen Realität entsprach – beide Ämter waren ein Relikt aus der Vergangenheit und wurden nicht mehr gebraucht. (?)

Die Politik von Großbritannien und Frankreich während des und nach dem 1.WK legte m.E. den Grundstein der heutigen Konflikte im Nahen Osten. Besonders das nahezu gleichzeitige Versprechen eines jüdischen Staates (Balfour-Doktrin 1917) und eines arabischen Staates (Hussein-MacMahon-Korrespondenz 1915/16, "Goldener Halbmond", 1916) bereitete den Zündstoff für kommende Konflikte vor. 1919/20 wurden dann die Araber betrogen, indem ihre Gebiete lt. Sykes-Picot-Abkommen in eine britische und eine französische Zone aufgeteilt wurden. Das hatte zur Folge, dass es französisch und britisch kontrollierte Gebiete gab, aus denen sich die „künstlichen“ Staaten Syrien, Libanon, Irak und (Trans-)Jordanien gebildet wurden. Die heutigen Konflikte in Syrien und im Irak zeigen deutlich, dass sowohl die Bildung einer syrischen als auch einer irakischen Nation gescheitert sind.

Politische Lösungsversuche wie das Anfang 1919 geschlossene Faisal-Weizmann-Abkommen, nach dem Palästina in eine jüdische und eine arabische Zone aufgeteilt werden sollte, scheiterten. Dies lag daran, dass die Siegermächte Großbritannien und Frankreich den Arabern nicht den geforderten unabhängigen Staat gewährten. Die politische Situation verschärfte sich 1920 infolge des antijüdischen Aufstands in Palästina und die großsyrischen Forderung zur Annexion der arabischen Zone. Da sich Faisal 1920 selbst von seinem mit Chaim Weizmann ausgehandelten Vertrag distanzierte, blieb das Faisal-Weizmann-Abkommen wirkungslos.

Hussein ibn Ali, der Scherif von Mekka aus der Dynastie der Haschemiten, die wiederum ihre Abstammung direkt vom Propheten Mohamed herleitet, wurde während des 1. Weltkriegs sowohl von deutscher als auch britischer Seite als Verbündeter umworben. Der in Istanbul geborene, bereits sechzigjährige Mann war viele Jahre ein de-facto-Gefangener des Sultans Abdülhamid II., der ihm erst 1908 das Amt des Scherifs von Mekka übertrug. Ob diese Ernennung mit den zunehmend auftretenden Sabotageakten an der Hedschas-Bahn zusammenhängt, lässt sich nicht belegen. Fakt ist, dass unter Hussein ein Rückgang der Sabotageakte stattfand, obwohl der Scherif sich dieser Problematik nicht direkt annahm. Allerdings nahm das Interesse am Weiterbau der Hedschas-Bahn seit der jungtürkischen Machtübernahme im Jahre 1909 auch merklich ab. 1911 lehnte Hussein die Führung eines anti-osmanischen Aufstandes ab. 1916 entschied er sich jedoch für die Briten bzw. für Thomas E. Lawrence, der von ihm selbst und seinen Söhnen als vertrauenswürdig empfunden wurde und der offensichtlich auch nur ein Betrogener der britischen Politik war. Unter Führung des Scherifs, der sich nun „König der Araber“ nannte, seines dritten Sohnes Faisal (1883–1933) und Lawrence (1888–1935) begann 1916 der arabische Aufstand gegen das Osmanische Reich.

Das jungtürkische Triumvirat erkannte die Gefahr des von den Briten unterstützten Aufstandes. Ahmed Cemal Pascha, offiziell Marineminister – tatsächlich neben Talaat Pascha und Enver Pascha drittmächtigster Mann im Osmanischen Reich, übernahm die Führung der Osmanischen Truppen zur Niederschlagung des Aufstands. Im Wesentlichen blieb er erfolglos, allerdings konnte er einige Erfolge in Palästina vorweisen. Interessant ist, dass Ben Gurion, der spätere erste Präsident Israels, Cemal seine Unterstützung anbot. Dieser lehnte jedoch die Hilfe durch jüdische Freischärler ab. Der arabische Aufstand trug auf jeden Fall zum Untergang des Osmanischen Reiches bei. Er neutralisierte die Niederlage der Briten bei Gallipoli und erschwerte den Jungtürken ihre pantürkischen Träume auf Kosten Russlands bzw. der entsprechenden Völker umzusetzen. Ebenso hinderte der Aufstand den Ausbau der Bagdadbahn und den damit erhofften Zugang des Deutschen Reiches auf das Erdöl der Region um Mosul.

Der Zusammenbruch des Osmanischen Reiches und die Konkurrenz (und Schwäche) der Siegermächte führte auch zu einer völligen Umwälzung der politischen Verhältnisse auf der arabischen Halbinsel, deren Folgen heute noch wirksam sind. Nach der Absetzung des letzten osmanischen Kalifen beanspruchte Hussein ibn Ali das Amt für sich. Er ernannte sich selbst zum Kalifen und seinen ältesten Sohn Ali ibn Hussein zum König von Hedschas, einem Gebiet im Westen der Halbinsel. Diese Ambitionen richteten sich eindeutig gegen die Ansprüche von Abd al-Aziz Ibn Saud, des Herrschers über den Nadschd, der zentral gelegenen Region. Bereits Ende 1924 eroberten Ibn Saud und die ihm unterstützenden Wahhabiten den Hedschas und die Haschemiten wurden vertrieben. 1926 vereinigte Ibn Saud all seine seit 1902 eroberten Gebiete, die seit 1932 als Königreich Saudi-Arabien firmieren. Der jetzige saudische König Salman Abd al-Azis ist der sechste Sohn, der seinen 1953 verstorbenen Vater im Jahr 2015 als König folgte. Die Bedeutung der 1924 erfolgten Eroberung des Hedschas liegt nicht darin, dass die nachweislich seit dem 10. Jahrhundert als Scherifen von Mekka und Scherifen von Medina (bis 1517) herrschenden Haschemiten gestürzt wurden, sondern dass im Gefolge der Eroberungen die radikal-fundamentalistischen Wahhabiten die Kontrolle über die religiösen Zentrem des Islams in Mekka und Medina übernahmen.

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12.03.2017, 23:52
Beitrag: #24
RE: Naher Osten
2. Die Ereignisse in Syrien zwischen 1919 und 1958

Faisal wurde auf dem Syrischen Nationalkongress 1919/20 zum König des Vereinigten Königreichs von Syrien gewählt, das Syrien, den Libanon und Palästina umfasste. Dies widersprach den Interessen Frankreichs, das seine im Sykes-Picot-Abkommen zugestandene Mandatsmacht dann auch nutzte, militärisch zu intervenieren und Faisal aus Groß-Syrien zu vertreiben.

Für Frankreich erwies sich die Verwaltung der Gebiete als schwierig. Nach der Vertreibung von Faisal im Jahr 1920 wurden vier autonome, von einem Gouverneur verwaltete Gebiete (Damaskus, Aleppo, Groß-Libanon und die Alawiten-Gebiete) gebildet. 1921 wurde Groß-Libanon aus der gemeinsamen Verwaltung herausgelöst und zum christlich-maronitischer Staat Libanon zusammengefasst, die restlichen Gebiete wurden 1922 zur Syrischen Föderation zusammengefasst. Diese Föderation wurde 1924 aufgelöst und am 5. Dezember 1924 durch den Staat Syrien (ehem. Gebiete Damaskus und Aleppo) ersetzt. Dieser Tag gilt als Gründungstag des Staates Syrien. Nicht eindeutig geklärt war der Status der Alawiten, der Drusen und des syrischen Norden, der Sandschak. Deshalb kam es auch 1925/26 zu einem Aufstand der Drusen, der von den Franzosen niedergeschlagen wurde.

1928 gestattete Frankreich die Bildung politischer Parteien und es wurde eine (nach französischem Vorbild geschriebene) gesetzgebende Verfassung erlassen. Der Stammespartikularismus in den ländlichen Gegenden, die religiöse und ethnische Vielfalt, aber auch die Einschränkungen der französischen Verwaltung und das Fehlen einer einigenden und ausgleichenden politischen Kraft (wie der König von Irak) verzögerte allerdings die Bildung eines unabhängigen Staates Syrien und einer syrischen Nation.

Die 1930er Jahre waren geprägt zwischen den Auseinandersetzung der französischen Mandatsmacht und den syrischen Nationalisten. Die Politik der Franzosen wurde bestimmt von den politischen Auseinandersetzungen zwischen linken und rechten Kräften in Frankreich. 1930 ließ der französische Hochkommissar die gesetzgebende Verfassung von 1928 durch eine weniger Vollmachten gewährende Verfassung ersetzen. 1933 wollte die damalige französische Regierung auf die Mandatsmacht verzichten und das Verhältnis zu Syrien wurde durch einen „Freundschafts- und Bündnisvertrag“ regeln. Dies wurde von der Opposition im französischen Parlament vereitelt. Im Dezember 1938 lehnte schließlich die französische Regierung die Unabhängigkeit Syriens ab.

1939 wurden Gebiete um Antakya an die Türkei abgetreten. Dies geschah, um die Türkei von einem Bündnis mit den Achsenmächten abzuhalten. Die Araber betrachteten das als Verrat Frankreichs und erhoben sich gegen die Franzosen. 1941 bekannte sich der französische Hochkommissar zum Vichy-Staat. Daraufhin besetzten die Briten und das „Freie Frankreich“ Syrien. De Gaulles Hochkommissar Georges Catroux erklärte Syrien für unabhängig und 1943 übernahm der gewählte Präsident al Kuwatli die Macht. 1945 brach erneut ein anti-französischer Aufstand aus, der 1946 mit dem Abzug der französischen Truppen endete.

1948/49 führte der gescheiterte Angriff der Syrer auf Israel zum Verlust des Ansehens des Präsidenten al-Kuwatli, der am 30. März 1949 durch einen Putsch Generals Husni as Saim abgesetzt wurde. Saim wurde wiederum im Dezember 1949 von den Obristen Salu und Schischakli entmachtet. Die 1950er Jahre waren vor allem geprägt zwischen den Auseinandersetzungen innerhalb der Armeeführung, die sich als stärkste, straff organisierte politische Kraft durchsetzte. Seit 1952 behaupteten sich die Anhänger des Ägypters Nasser zunehmend in der Armeeführung (Baath-Bewegung). Nachdem Oberst Schischakli 1954 entmachtet wurde, konnte 1955 der ehemalige Präsident Kuwatli die Macht wieder übernehmen. Er gestaltete die Beziehungen zur Sowjetunion enger. 1956 wurde ein Abkommen geschlossen, in dem die Sowjetunion umfangreiche Wirtschaftshilfe und Waffenlieferungen zusicherte.

Infolge der Suezkrise von 1956 und den daraus entstandenen Spannungen zwischen den Großmächten drohte im Sommer 1957 eine kommunistische Machtübernahme in Syrien. Das syrische Militär und die Führer der Baath-Bewegung suchten deswegen die Annäherung an Ägypten. Am 1. Februar 1958 kam es zur Vereinigung beider Staaten, der neue Staat nannte sich Vereinigte Arabische Republik. Präsident dieses Staates wurde der bisherige ägyptische Präsident Gamal Ab del-Nasser.

3. Die Ereignisse im Irak zwischen Irak 1921 und 1958

Als Entschädigung für seine Absetzung als König von Syrien wurde Faisal 1921 von den Briten zum König von Irak bestimmt. Faisals älterer Bruder Abdullah (1882–1951) wurde von den Briten als König von Transjordanien eingesetzt, der heutige König von Jordanien ist sein Urenkel. Über Faisal schrieb Winston Churchill 1921 "Wenn Faisal im Irak weiß, dass nicht nur die materielle Unterstützung seines Vaters und der Schutz der Heiligen Stätten vor einem wahhabitischen Angriff, sondern auch die Stellung seines Bruders Abdullahs in Transjordanien von uns abhängt, wird er viel leichter zu handhaben sein." Es wird sich jedoch zeigen, wie bereits oben beschrieben, dass die Briten den wahhabitischen Angriff auf den Heiligen Stätten in Mekka und Medina nicht verhindern konnten.

1924 wurde eine verfassungsgebende Versammlung gebildet, die festlegte, dass der Irak ein Staat mit konstitutioneller Monarchie sein wird, in dem der britische Hochkommissar für Außen- und Verteidigungspolitik (vor allem für Marine und Luftwaffe) zuständig war. Faisal stimmte diesem faktischen Protektorat erst zu, nachdem seine innenpolitische Stellung als König zu Lasten des nationalen Parlaments gestärkt wurde. Faisal galt seitdem formal als ein konstitutioneller Monarch, dessen außerordentliche Macht nur durch den britischen Hochkommissar eingeschränkt wurde, aber auch übernommen werden konnte. Faisal starb bereits 1933 an den Folgen eines Herzinfarkts in Bern. Ihm folgte sein Sohn Ghazi, der im Alter von 27 Jahren im 1938 unter mysteriösen Umständen (Autounfall unter Alkoholeinfluss) verstarb. Bereits nach dem Tod Faisals konnte sich Ghazis Schwager und Cousin Abdullah ibn Ali, Sohn des ehemaligen Königs des Hedschas Ali ibn Hussein, als „starker Mann“ des Iraks behaupten. Seit 1938 fungierte er als Regent für den minderjährigen Faisal II.

Aufgrund der völligen Abhängigkeit Faisals von den Briten empfahlen diese 1925 dem Völkerbund die Übertragung des erdölreichen, zum Großteil von Kurden besiedelten Gebietes um Mosul an den Irak, was dann auch am 6. Juni 1926 geschah. 1932 wurde dem Irak die formale Unabhängigkeit gewährt. Die Politik des neuen Staates wurde jedoch weiterhin vom Erdölbedarf Frankreichs und Großbritanniens bestimmt. So musste der Irak sich verpflichten, den Bau von Pipelines von Mosul nach Tripolis (Nordsyrien) und Haifa (Palästina) zuzulassen. Desweitern war das Verhältnis des Iraks zum Nachbarstaat Iran belastet, da sich der Irak als Nachfolgestaat des Osmanischen Reiches verstand und auf die Einhaltung des 1847 geschlossenen Vertrags von Erzerum betrachtete, in dem der Grenzverlauf am Shatt el Arab festgelegt wurde. 1935 einigte man sich, so dass 1937 ein Bündnisvertrag zwischen der Türkei, dem Iran, Afghanistan und dem Irak unterzeichnet wurde, dessen Grundideen bereits im Konstantinopler Vier-Mächte-Protokoll 1912/13 festgelegt waren.

1941 wurde ein pro-deutscher Umsturz unter General al-Gailani nach wenigen Wochen mit britischer Hilfe vereitelt. 1943 erklärte der Irak Deutschland den Krieg und 1948 beteiligte sich der Irak am Angriff gegen den neu entstandenen Staat Israel. Geprägt waren die 1940er Jahre vor allem durch den Aufbau einer Erdölindustrie um die beiden Zentren Mosul und Basra, aber auch den Konflikten zwischen Kurden und Arabern und zwischen Sunniten und Schiiten.

In den 1950er Jahren stieg der Irak zum drittgrößten Erdöllieferanten auf. Das führte dazu, dass von 1950 bis 1958 das Pro-Kopf-Einkommen um 50 % stieg. Allerdings war die Verteilung unterschiedlich, so dass bereits 1952 soziale Unruhen in Bagdad ausbrachen, die von General Nuruddin blutig niedergeschlagen wurde. Nuruddin übernahm die Regierung und verhängte das Standrecht. Im Kurdengebiet um Mosul setzten sich die Aufstände unter Führung von Kommunisten fort. Die sunnitischen Araber neigten zu dem von Nasser angefachten arabischen Nationalismus. Abdullah ibn Ali musste 1953 die Inthronisierung seines Neffen Faisal II. zulassen. Innerhalb der Monarchie hielt er seine starke Stellung als Kronprinz des noch kinderlosen Königs. Die Militärs und deren neuen "starken Mann" Nur as-Said setzten auf ein antisowjetisches Bündnis, dieses wurde am 24. Februar 1955 unterzeichnet. Dem so genannten Bagdad-Pakt gehörten Großbritannien, die Türkei, der Iran und Pakistan an. Der Pakt wurde von der Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt, im Dezember 1956 musste die Regierung den Belagerungszustand verhängen. 1957 näherte sich der Irak dem konservativen Staat Saudi-Arabien und am 14. Februar 1958 wurde mit Jordanien die kurzlebige Haschemitische Föderation als Gegenentwurf zur Vereinigten Arabischen Republik gebildet. Diese Haschemitische Föderation existierte genau 5 Monate und endete mit der gewalttätigen Machtübernahme des Obristen und späteren Generals Kassem am 14. Juli 1958. Oberst Kassem war ursprünglich ein Anhänger der Baath-Bewegung und des ägyptischen Präsidenten Nasser. Er ließ noch am 14. Juli 1958 den politisch inaktiven 23-jährigen König Faisal II., dessen gesellschaftlich einflussreichen Onkel Abdullah ibn Ali und den Ministerpräsidenten Nuri as-Said hinrichten, weitere im Irak lebende Haschemiten und Anhänger des alten Regimes wurden in den nächsten Tagen ermordet.

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13.03.2017, 00:04
Beitrag: #25
RE: Naher Osten
4. Die Ereignisse in Syrien zwischen 1958 und 1970

Nachdem am 1. Februar 1958 die Vereinigte Arabische Republik gegründet wurde, wurde das syrische dem ägyptischen politischen System angeglichen. Im neuen Parlament erhielten die Ägypter zwei Drittel, die Syrer ein Drittel der Sitze. Die politische Macht des neuen Staates konzentrierte sich allerdings in den Händen des Präsidenten Nasser, der vom ägyptischen Militär und der Baath-Bewegung unterstützt wurde.

Das sich entmachtet fühlende syrische Militär putschte deshalb am 28. September 1961 und verkündete die Auflösung der VAR. Im Dezember 1961 wurde eine Verfassungsgebende Versammlung gebildet, die einen Präsidenten wählten, der im April 1962 von der Armee gestürzt und dann wieder eingesetzt wurde, ehe am 8. März 1963 die Baath-Partei die Macht übernahm. Die Baath-Partei begann mit der Verstaatlichung zahlreicher Firmen. Dies provozierte oft den Widerstand der sunnitischen Mehrheitsbevölkerung gegenüber der Baath-Partei, deren Anhänger vorwiegend Alawiten waren.

Die Baath-Partei war ebenfalls gespalten in Anhänger einer panarabischen Union und in Anhänger von arabischen Nationalstaaten, dessen Anhänger am 23. Februar 1966 durch einen Putsch in Syrien die Macht übernahmen. Die Radikalen unter den Befürwortern des Nationalstaats, wie der Präsident Nureddin al-Atassi, ließen die bereits bestehenden Spannungen zu Israel eskalieren, so dass im Juni 1967 der Sechs-Tage-Krieg ausbrach und Syrien die Golanhöhen an Israel verlor. Trotz der Niederlage waren die Radikalen nicht zu Zugeständnissen an Israel bereit. Sie verloren jedoch rasch an Ansehen, so dass im Jahr 1969 gemäßigte Nationalisten in die Regierung aufgenommen wurden. Deren Anführer war der Luftwaffengeneral Hafez al-Assad, der zuerst das Amt des Verteidigungsministers übertragen bekam und aus dieser Position im November 1970 die Regierungsgewalt übernahm. Assad versprach wirtschaftliche Verbesserungen, die bald eintraten und dem Assad-Regime einerseits eine befristete Akzeptanz innerhalb der Bevölkerung verschaffte, andererseits außenpolitisch die Rolle als Garant der politischen Stabilität zugestand.

5. Die Ereignisse im Irak zwischen 1958 bis 1968

Im Irak fand am 14. Juli 1958 die gewalttätige Machtübernahme des Generals Karim Abd al-Kassem und seines Stellvertreters Oberst Abdul Salem Aref statt. Die Haschemitische Föderation wurde ebenfalls aufgelöst und am 24. März 1959 trat der Irak aus dem Bagdad-Pakt aus.

Kassem führte eine Politik der Annäherung an die Sowjetunion, sein Stellvertreter Aref neigte eher zu den sogenannten progressiven arabischen Staaten wie Ägypten. Deshalb kam es zum Zerwürfnis zwischen Kassem und seinem Stellvertreter Aref, der schließlich im November 1958 abgesetzt, verhaftet und zum Tode verurteilt wurde, jedoch später seine Begnadigung erhielt. In der Kurdenpolitik erwies sich Kassem zuerst moderat, er ließ u.a. den im Exil lebenden Kurdenführer Mullah Mustapha Barzani ins Land zurückkehren, aber wenig später wurden die Kurden ebenso verfolgt wie die Anhänger Nassers oder die des alten Regimes. Die Schiiten misstrauten zunehmend dem Regime. Die innenpolitischen Verhältnisse gestalteten sich immer komplizierter und am 7. Oktober 1959 fand ein Attentat auf Kassem statt, das dieser leicht verletzt überlebte.

Kassem versuchte 1961 von der inneren Schwäche und Instabilität mit der Ankündigung der Annexion Kuwaits abzulenken. Dies führte allerdings zur Konfrontation zu den meisten arabischen Staaten, die Kassems Regime isolierten. Der 1961 begonnene Aufstand der Kurden unter Mustapha Barzani schwächte das Regime zusätzlich. Die Opposition formierte sich um Kassems früheren Stellvertreter Aref, der am 8. Februar 1963 einen blutigen Putsch gegen das Regime erfolgreich ausführte. Kassem kam dabei ums Leben, angeblich wurde er vom späteren Diktator Saddam Hussein erschossen.

Aref baute ein Regime auf, das sich an der Baath-Bewegung orientierte. Diese Bewegung war in Anhänger von Nationalstaaten und Anhänger einer panarabischen Union gespalten. In ihren wirtschaftspolitischen Ansichten plädierten beide Flügel für sozialistische Ideen, wie z.B. die Verstaatlichung von Schlüsselindustrien (Erdöl), Bildung für alle usw. Aref gehörte offensichtlich dem panarabischen Flügel an, denn er begann bereits kurz nach seiner Machtübernahme Verhandlungen mit Ägypten und Syrien. Allerdings blieben seine Aktivitäten und auch das am 17. April 1963 unterzeichnete Föderationsabkommen wirkungslos. Die wirtschaftliche Lage verschlechterte sich trotz steigender Einnahmen aus dem Erdölgeschäft. Die nicht endenden Konflikte mit den Kurden und Schiiten lähmten das Regime in der Umsetzung politischer und wirtschaftlicher Reformen. Am 13. April 1966 kam der Präsident Abdul Salem Aref bei einem Flugzeugabsturz ums Leben, die Macht wurde auf dessen älteren Bruder Abdel Rahman Aref übertragen.

Am 17. Juli 1968 wurde Präsident Abdel Rahman Aref gestürzt. Die Baath-Partei übernahm die Macht, wobei sich als neuer starker Mann General Hassan al-Bakr behauptete, der mit rücksichtsloser Härte gegen seine Gegner vorging. So ließ er in Bagdad Juden öffentlich hinrichten und Iraner wurden aus dem Land verwiesen. Gegen die aufständischen Kurden und andere Gegner des neuen Regimes, wie z.B. die Mitglieder und Anhänger der Kommunistischen Partei wurde mit äußerste Härte vorgegangen. Trotzdem blieben die Beziehungen zur Sowjetunion und anderen sozialistischen Staaten gut. Saddam Hussein etablierte sich als Chef des Geheimdienstes und als Vizepräsident zur Nr. 2 des Regimes.
Da al-Bakr aufgrund einer Erkrankung immer weniger in der Lage war, die Regierungsgeschäfte auszuführen, übernahm Saddam Hussein schrittweise die Macht bis er schließlich im Jahr 1979 al-Bakr völlig entmachtete und absetzte.

Das war es erst einmal. Wenn ich es schaffe, werde ich meine Ausführungen zur Geschichte von Syrien und Irak fortsetzen.

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