Antwort schreiben 
 
Themabewertung:
  • 0 Bewertungen - 0 im Durchschnitt
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Technischer Fortschritt in einem Wahnsinnstempo!
01.09.2014, 00:15
Beitrag: #1
Technischer Fortschritt in einem Wahnsinnstempo!
Kürzlich machte ich mir ein wenig Gedanken über den technischen Fortschritt in der Vergangenheit und kam zu folgendem Schluss.

Die Zeit vom Beginn der Vor-Romanik, etwa ab 850 n. Chr., bis zum Klassizismus und einem Teil des Historismus, nämlich bis 1850, dauerte ca. 1000 Jahre.

In diesen 1000 Jahren gab es in der technischen Entwicklung bei weitem nicht so viel Fortschritt wie von 1850 bis heute, 2014. D. h., in den letzten 164 Jahren gab es wesentlich mehr Entwicklung als in den 1000 Jahren vorher. Ein bemerkenswertes Vergleichsergebnis. Die ständige, rasante Beschleunigung in der Fortentwicklung der Technik wird aber nicht ab-, sondern weiter zunehmen. Welche Konsequenzen könnte das haben? Wie seht ihr das bzw. habt ihr schon mal etwas über diesbezügliche Prognosen gelesen?

Gruß
Harry
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
01.09.2014, 11:55
Beitrag: #2
RE: Technischer Fortschritt in einem Wahnsinnstempo!
Eine metaphorische "Prognose" wenn man es so will, kennen wir alle- "Jurassic Park". Als Buch noch sehr viel besser als der Film, weil die Probleme der technischen Entwickung klar und deutlich benannt werden. Hier zwar am (unrealisitischen) Beispiel von geklonten Dinosauriern, aber letztendlich auf die gesamte Technologie anwendbar.
Aufgrund des technischen Fortschritts ist es heute zu leicht, sich technische Errungenschaften anderer anzueignen und sie dann für die eigenen Zwecke weiter zu entwicklen. Das führt in letzer Konsequenz dazu, daß der Fortschritt immer schneller und schneller wird, die Auseinandersetzung mit der Frage, welchem zweck dieser Fortschritt aber dienen soll aber unterbleibt.
Fortschritt und Moralvorstelllungen wurden von einander entkoppelt und das ist ein absolutes Novum. Bis weit in die Mitte des vergangenen Jahrhunderts hinein war der Fortschritt an die Vorstellung gekoppelt, damit das Leben der Menschen zu verbessern.

Es gibt unterschiedliche Szenarien, wozu das führen wird.
Die düstersten werden in Filmen wie "Matrix" beschrieben- Der mensch wird Sklave der Technik.
Da glaube ich nicht so ganz daran, weil ich denke, daß es zumindest immer ein paar Menschen geben wird, die danach trachten wollen, den Maschinenpark zu kontrollieren, der seinerseits die meisten Menschen kontrolliert.

Das Fortschreiten der Technologie wird die Spaltung der Gesellschaft vorantreiben. Viele Jobs werden sinnentlernt, dadurch, daß die Technik imrme weiter voranschreitet. In vielen Bürojobs hat die Weiterentwicklung von Computerprogrammen dazu geführt, daß ausgebildete Menschen zu bloßen Anwendern degradiert wurden. z.B. Lohnbuchhaltugnssoftware und Buchhaltungssoftware verlangt von den Anwendern eigentlich keinerlei Hintergrundwissen mehr, sondern nur noch, daß man das Programm bedienen kann.
Damit verändert sich aber das Wissensverhältnis zwischen dem, der die Software schreibt und dem, der sie anwendet- auf schleichende Weise wird der Anwender "entmachtet", während der Softwareentwickler immer mehr Macht in die Hand bekommt.
Natürlich wirkt sich beides auch auf die Bezahlung aus. Einfach mal durchspielen.
Und - Änderungen lassen sich immer schneller realisieren. Ein Gesetz läßt sich von einem Software- Programmierer leichter in eine Anwendung umsetzen als es an eine Vielzahl von Lohn- und Finanzbuchhaltern weiterzugeben- man kann also alles sehr viel schneller ändern.
Ob das immer von Vorteil ist?

Auf dem Grabstein dess Kapitalismus wird stehen: "Zuviel war nicht genug"
Volker Pispers
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
01.09.2014, 16:39
Beitrag: #3
RE: Technischer Fortschritt in einem Wahnsinnstempo!
Zeitlich würde ich die einordnung in deinem Beitrag anders setzen.
Im Mittelalter ist technologisch/wissenschaftlich "nichts" gegangen.
Die Menschheit quer durch die Glaubensbekenntnisse war der Meinung "alles" zu wissen, Und was man nicht wusste war nicht relevant.
Erst durch das Umdenken, die Erkenntnis "Ich weiß, dass ich nichts weiß" begann die Neuzeit.

OK soweit, ist nicht Dein Thema, nur zur Verdeutlichung.

In den 60er Jahren herrschte eine Fortschrittsgläubigkeit die aus heutiger Sicht nicht zu toppen war.
"Zukunftsforscher" waren gerne gehörte und gelesene Zeitgenossen. Die die "Zukunft" in den rosigsten Farben malten.
Umweltprobleme war noch ein Fremdwort.
Alle Krankheiten würden in wenigen Jahren für immer besiegt sein, Trabantenstädte auf dem Mond würden entstehen, Energie aus dem Schnellen Brüter mit dem man dann endlich das Perpetuum Mobile erfunden hätte ..... usw usf
Eins, besonders bizarr (und weil ich zur Zielgruppe gehörte. in der Erinnerung geblieben) in 20 Jahren (wäre so ca. 1985 gewesen)
würde jeder 15jährige mit dem Kleinhubschrauber zur Penne gondeln. Rolleyes

Da sind wir doch ein paar Schritte weitergekommen. Die Kernkraft wurde als Sackgasse erkannt, heutige Technologien werden auf Umweltverträglichkeit abgeklopft. Und von der Freizeitgesellschaft ist soviel auch nicht übrig geblieben. Heute hat so mancher eher drei Jobs wie nur einen.

Es wird in manchen Bereichen weiter kräftige und gewaltige Fortschritte geben, in anderen nicht mehr.
Dauerndes, grenzenloses Wachstum ist jedenfalls eine Schimäre.
Das kann und wird es nicht geben.

"Nichts ist befriedigender, als sich an Schwierigkeiten zu erinnern, die man gemeistert hat." (N. Stoffel)
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
01.09.2014, 17:59
Beitrag: #4
RE: Technischer Fortschritt in einem Wahnsinnstempo!
Stimmt.

John Maynard Keynes war im übrigen der Ansicht, daß der technische Fortschritt dazu führen würde, daß die Menschheit immer weniger arbeiten müßte und immer mehr Zeit für die Muße haben würde.

Eine Zeitlang hatte er damit ja auch durchaus recht.

Heute jedoch steigt die Arbeitszeit wieder an...

Auf dem Grabstein dess Kapitalismus wird stehen: "Zuviel war nicht genug"
Volker Pispers
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
01.09.2014, 22:11
Beitrag: #5
RE: Technischer Fortschritt in einem Wahnsinnstempo!
(01.09.2014 16:39)Suebe schrieb:  Es wird in manchen Bereichen weiter kräftige und gewaltige Fortschritte geben, in anderen nicht mehr.
Dauerndes, grenzenloses Wachstum ist jedenfalls eine Schimäre.
Das kann und wird es nicht geben.

Um dieser ganz persönlichen spekulativen Ansicht Kraft, Würze und eine gewisse Plausibilität zu verleihen, ist es im Vorfeld einer solchen Diskussion zwingend notwendig, den Begriff Fortschritt zu definieren und auch die zugehörigen Teilbereiche zu benennen und voneinander abzugrenzen.
Das Ganze dann auch noch möglichst objektiv, emotions- und zeitlos, was den meisten allerdings schwerfallen dürfte.
Interessant wäre sicher auch ein Blick auf das Verhältnis zwischen Fortschritt und Evolution - Gemeinsamkeiten, Unterschiede, mögliches verwandschaftliches Verhältnis ... die zwei Seiten der selben Medaille?


Frühling läßt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte.
Süße, wohlbekannte Düfte streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon, wollen balde kommen.
– Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist's! Dich hab ich vernommen!

Eduard F. Mörike (1804-1875)
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
02.09.2014, 09:13
Beitrag: #6
RE: Technischer Fortschritt in einem Wahnsinnstempo!
(01.09.2014 22:11)Avicenna schrieb:  Um dieser ganz persönlichen spekulativen Ansicht Kraft, Würze und eine gewisse Plausibilität zu verleihen, ist es im Vorfeld einer solchen Diskussion zwingend notwendig, den Begriff Fortschritt zu definieren und auch die zugehörigen Teilbereiche zu benennen und voneinander abzugrenzen.

Oder man definiert sie im Laufe der Diskussion. Ich finde es erst einmal interessant, wie jeder einzelne "Fortschritt" versteht. Sich dann im Laufe der Diskussion darauf zu einigen, über welchen Fortschritt man spircht, erlaubt eine sehr viel offenere Diskussion als eine vorherige Einengung auf einen Teilbereich.

(01.09.2014 22:11)Avicenna schrieb:  Das Ganze dann auch noch möglichst objektiv, emotions- und zeitlos, was den meisten allerdings schwerfallen dürfte.

Objektiv kann nur derjenige sein, der keine Meinung dazu hat. Warum das wünschenswert sein soll, erschließt sich mir nicht. Warum emotionslos immer als Ideal gesehen wird, verstehe ich auch nicht. Wozu soll man solche Diskussionen führen, wenn am Ende keine Änderung steht, kein neuer Blickwinkel? Das ohne Emotionen, ohne den Mitdiskutanten zu berühren, zu erreichen, ist fast ausgeschlossen.
Wenn wir über solche Themen völlig emotionslos diskutieren, dann sind wir schon sehr nah dran am Maschinenmenschen...

(01.09.2014 22:11)Avicenna schrieb:  Interessant wäre sicher auch ein Blick auf das Verhältnis zwischen Fortschritt und Evolution - Gemeinsamkeiten, Unterschiede, mögliches verwandschaftliches Verhältnis ... die zwei Seiten der selben Medaille?

Interessanter Gedanke, der eine Diskussion sicher lohnt. Aber vielleicht in einem anderen Thread... Sonst wird das ganze zu unübersichtlich...

Auf dem Grabstein dess Kapitalismus wird stehen: "Zuviel war nicht genug"
Volker Pispers
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
02.09.2014, 19:58
Beitrag: #7
RE: Technischer Fortschritt in einem Wahnsinnstempo!
(02.09.2014 09:13)Bunbury schrieb:  
(01.09.2014 22:11)Avicenna schrieb:  Um dieser ganz persönlichen spekulativen Ansicht Kraft, Würze und eine gewisse Plausibilität zu verleihen, ist es im Vorfeld einer solchen Diskussion zwingend notwendig, den Begriff Fortschritt zu definieren und auch die zugehörigen Teilbereiche zu benennen und voneinander abzugrenzen.

Oder man definiert sie im Laufe der Diskussion. Ich finde es erst einmal interessant, wie jeder einzelne "Fortschritt" versteht. Sich dann im Laufe der Diskussion darauf zu einigen, über welchen Fortschritt man spircht, erlaubt eine sehr viel offenere Diskussion als eine vorherige Einengung auf einen Teilbereich.

Da stimme ich dir zu.
Mir hat einfach nur nicht gefallen, dass der Suebe versuchte, einige willkürlich herausgepickte Punkte, mittels seiner unverrückbaren und natürlich korrekten Sicht der Dinge, wieder mal ins rechte Licht zu setzen. Da schwang mir zu viel suebscher absoluter Wahrheitsanspruch mit.

(02.09.2014 09:13)Bunbury schrieb:  
(01.09.2014 22:11)Avicenna schrieb:  Das Ganze dann auch noch möglichst objektiv, emotions- und zeitlos, was den meisten allerdings schwerfallen dürfte.

Objektiv kann nur derjenige sein, der keine Meinung dazu hat. Warum das wünschenswert sein soll, erschließt sich mir nicht. Warum emotionslos immer als Ideal gesehen wird, verstehe ich auch nicht. Wozu soll man solche Diskussionen führen, wenn am Ende keine Änderung steht, kein neuer Blickwinkel? Das ohne Emotionen, ohne den Mitdiskutanten zu berühren, zu erreichen, ist fast ausgeschlossen.
Wenn wir über solche Themen völlig emotionslos diskutieren, dann sind wir schon sehr nah dran am Maschinenmenschen...

Eigentlich müsste ich jetzt sagen - Ja, Schatz, ich liebe dich auch...Sceptical

Aber das ersparen wir uns für heut erstmal.Wink

Ich bezog mich nur auf eine mögliche Formulierung der Definition von Fortschritt, nicht auf die Diskussion selbst.
Die wird, wie jede andere auch, natürlich nie ganz emotionslos verlaufen können, da wir halt alle nur Menschen sind und gerade Emotionen einen großen Teil des Menschseins ausmachen. Wichtig und entscheidend ist am Ende das sinnvolle und erfolgreiche Zusammenspiel, ein Abgleich zwischen emotionalem und rationalem Denken.

(02.09.2014 09:13)Bunbury schrieb:  
(01.09.2014 22:11)Avicenna schrieb:  Interessant wäre sicher auch ein Blick auf das Verhältnis zwischen Fortschritt und Evolution - Gemeinsamkeiten, Unterschiede, mögliches verwandschaftliches Verhältnis ... die zwei Seiten der selben Medaille?

Interessanter Gedanke, der eine Diskussion sicher lohnt. Aber vielleicht in einem anderen Thread... Sonst wird das ganze zu unübersichtlich...

Stimmt, können wir machen. Aber so ganz werden wir wahrscheinlich auch bei einer "reinen Fortschrittsdiskussion" nicht drumrum kommen.


Frühling läßt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte.
Süße, wohlbekannte Düfte streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon, wollen balde kommen.
– Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist's! Dich hab ich vernommen!

Eduard F. Mörike (1804-1875)
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
02.09.2014, 21:42
Beitrag: #8
RE: Technischer Fortschritt in einem Wahnsinnstempo!
Ich pfeif jetzt zwischenzeitlich mal aufs Definieren.Rolleyes

Vom modernen Mensch HSS spricht man für gewöhnlich ab dem Beginn des Jungpaläolithikum vor ca. 40.000 Jahren (z.T. noch früher, bis 120.000 J). Bis ins Neolithikum ist bei diesen Menschen, die uns physiologisch und kognitiv praktisch in nichts nachstanden, 20.000-30.000 Jahre lang fast nicht passiert, was man als technischen Fortschritt bezeichnen könnte. Das ist eine verdammt lange Zeit.
Ca. 1000 Generationen lang nur Gleichklang - Nahrungsbeschaffung, Fortpflanzung, allgemeiner Überlebenskampf Mensch vs. Natur, Mensch vs. andere Menschen usw., vielleicht noch etwas Spiel und Spaß.
Aber sonst nichts. Was haben die mit ihren intellektuellen Fähigkeiten alles nicht gemacht ...?
Das ist schon etwas merkwürdig.

Und irgendwann gabs dann so eine Art Initialzündung und das eine zog das andere nach sich bzw. es baute aufeinander auf - und das in immer kürzer werdenden Zeitabschnitten.

Da könnte man selbst als eingefleischter Materialist auf so was ähnliches wie einen "Baum der Erkenntnis" kommen oder wie auch immer man das ursächliche Objekt des plötzlichen prometheusschen Schlauwerdens der Menschen bezeichnen möchte.


Frühling läßt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte.
Süße, wohlbekannte Düfte streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon, wollen balde kommen.
– Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist's! Dich hab ich vernommen!

Eduard F. Mörike (1804-1875)
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
02.09.2014, 23:06
Beitrag: #9
RE: Technischer Fortschritt in einem Wahnsinnstempo!
(02.09.2014 19:58)Avicenna schrieb:  Da stimme ich dir zu.
Mir hat einfach nur nicht gefallen, dass der Suebe versuchte, einige willkürlich herausgepickte Punkte, mittels seiner unverrückbaren und natürlich korrekten Sicht der Dinge, wieder mal ins rechte Licht zu setzen. Da schwang mir zu viel suebscher absoluter Wahrheitsanspruch mit.
Smile

(02.09.2014 19:58)Avicenna schrieb:  
(02.09.2014 09:13)Bunbury schrieb:  Objektiv kann nur derjenige sein, der keine Meinung dazu hat. Warum das wünschenswert sein soll, erschließt sich mir nicht. Warum emotionslos immer als Ideal gesehen wird, verstehe ich auch nicht. Wozu soll man solche Diskussionen führen, wenn am Ende keine Änderung steht, kein neuer Blickwinkel? Das ohne Emotionen, ohne den Mitdiskutanten zu berühren, zu erreichen, ist fast ausgeschlossen.
Wenn wir über solche Themen völlig emotionslos diskutieren, dann sind wir schon sehr nah dran am Maschinenmenschen...

Eigentlich müsste ich jetzt sagen - Ja, Schatz, ich liebe dich auch...Sceptical

Aber das ersparen wir uns für heut erstmal.Wink

Ich bezog mich nur auf eine mögliche Formulierung der Definition von Fortschritt, nicht auf die Diskussion selbst.

Dann wars erst mal ein Mißverständnis.
Aber auch die Definition von "Fortschritt" ist nicht ganz so einfach. Ist Fortschritt denn wirklich ein Fortschritt, wenn er nicht zweckgebunden ist?
Ich kenne Leute, die ihren Lebenssinn darin sehen, sich ständig auf den neusten Stand der Technik zu bringen, sich jedes neue Programm sofort aneignen (und gar nicht merken, daß sie in der Zeit, in de sie es installieren, auch wieder zwei nue verpassen...), aber neimals damit wirklich etwas machen, weil sie einfach damit beschäftigt sind, auf dem neuesten Stand zu bleiben. Ist das Fortschritt?
Wie will man so denn emotionslos diskutieren, was nun wirklich "Fortschritt" ist...?
ich glaube nicht, daß das überhaupt geht...

(02.09.2014 19:58)Avicenna schrieb:  Die wird, wie jede andere auch, natürlich nie ganz emotionslos verlaufen können, da wir halt alle nur Menschen sind und gerade Emotionen einen großen Teil des Menschseins ausmachen. Wichtig und entscheidend ist am Ende das sinnvolle und erfolgreiche Zusammenspiel, ein Abgleich zwischen emotionalem und rationalem Denken.

Und das Problem bei solchen Diskussionen ist ja leider immer, daß jeder für sich selbst glaubt, die einzig richtige Mischung zwischen beidem gefunden zu haben... Big Grin

Auf dem Grabstein dess Kapitalismus wird stehen: "Zuviel war nicht genug"
Volker Pispers
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
03.09.2014, 07:08
Beitrag: #10
RE: Technischer Fortschritt in einem Wahnsinnstempo!
Bei solchen Diskussionen sollte man auch bedenken, dass infolge des technischen Fortschritts auch Wissen bzw. Fähigkeiten verloren gehen. Dank des Taschenrechners können inzwischen nicht wenige Menschen nicht mehr im Kopf einfachste Aufgaben rechnen, während einst Fernhändler sich von A nach B sicher fortbewegten, obwohl sie keine Hinweisschilder hatten, kommen manche Leute ohne Navi nicht mehr bis zum Nachbarort und so mancher Computerhacker würde verhungern, wenn es keine Pizzadienste gäbe. Im Prinzip gehen viele Fähigkeiten verloren, ob das nun Strümpfe stopfen, kochen oder mit dem Abakus zu rechnen usw.. Der Grund ist, man braucht die Fähigkeiten nicht mehr oder glaubt, darauf verzichten zu können.

Deshalb ist es nicht richtig, z.B. das Mittelalter als neuerungsfeindlich darzustellen. Denn auch in dieser Zeit hat es technischen Fortschritt gegeben. Ich denke da an den Schiffbau (Wikinger, Hanse), Kirchenbau, (Kunst)Handwerk, Militär (Ritter, Armbrust, Langbogen) usw. Oft ist es heute schwierig, die damaligen Herstellungstechnologien zu rekonstruieren.

Wenn man sich z.B. überlegt, warum sich die Technologie der Tuchherstellung über Jahrhunderte nicht groß änderte, dann aber seit ca. 1770 revolutioniert wurde, muss man sich überlegen warum? Das hat m.E. mit der Durchsetzung des Kapitalismus, der Marktsituation und der Zunahme an Bevölkerung zu tun. Im Mittelalter regelten Zünfte den gesamten Prozess, auf den einheimischen Märkten wurde Konkurrenz ferngehalten bzw. deren Verkaufsmöglichkeiten erschwert wurde. Das System führte dazu, dass vom Weber bis zum Farbwaidlieferanten, niemand daran interessiert war, den Markt starke Schwankungen zu unterwerfen. Die Zünfte konnten auch keine Arbeitskräfte in großen Mengen freisetzen, sie waren ja für die lebenslängliche Versorgung ihrer Mitglieder verantwortlich. Fernhändler von Tuchen, wie die Fugger verdienten sich mit diesem Gewerbe nur das Grundkapital, das sie dann woanders z.B. im Bergbau einsetzten. Diese Geschäfte und ihr Wirken als Bank waren die Grundlage ihres immensen Reichtums, nicht unbedingt der Tuchhandel.

Der Bevölkerungszuwachs ab Anfang des 18. Jh. brachte mehr Verbraucher, die Produzenten (inzwischen keine Zünfte) mussten mechanisieren, um den Bedarf abzudecken. Das Problem waren dann die überschüssigen Weber usw.

Trotz der obigen Beispiele wurde die Entwicklung in vielen Bereichen durch die Kirche gehemmt. Oft aus ethischen und moralischen Gründen. So ist es erklärbar, dass z.B. medizinisches Wissen verloren ging und erst wieder seit dem 15. Jahrhundert mit Hilfe antiker griechischer Schrifte erneuert wurde. Heute steht die Frage, wie weit soll man medizinisch forschen. Zum Ende des Mittelalters gruben wissbegierige Mediziner heimlich Leichen aus, um die Zusammenhänge im menschlichen Körper zu erkennen. Das führte zwar dazu, dass man den menschlichen Körper begann zu erkennen, dies führte aber auch Anfang des 19. Jahrhundert dazu, dass gewissenlose Verbrecher Menschen umbrachten und dessen Leichen den forschenden Ärztzen verkauften. Heute kann man sich jede nötige OP, vorher in 3D anschauen und es ist inzwischen feststellbar, welches Pärchen intelligente oder dumme Kinder in die Welt setzen wird.

"Geschichte erleuchtet den Verstand, veredelt das Herz, spornt den Willen und lenkt ihn auf höhere Ziele." Cicero
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
03.09.2014, 11:16
Beitrag: #11
RE: Technischer Fortschritt in einem Wahnsinnstempo!
(03.09.2014 07:08)Sansavoir schrieb:  ./.

Der Bevölkerungszuwachs ab Anfang des 18. Jh. brachte mehr Verbraucher, die Produzenten (inzwischen keine Zünfte) mussten mechanisieren, um den Bedarf abzudecken. Das Problem waren dann die überschüssigen Weber usw.

./.

Doch doch, die Zünfte gab es noch gut 1,5 Jahrhunderte weiter. Die Gewerbefreiheit wurde erst im Deutschen Reich ab 1871 flächendeckend eingeführt. Und zu Zeiten des Gröfaz wieder abgeschafft. Im Moment versucht die EU die Deutschen wieder in Richtung Gewerbefreiheit zu lotsen.

Zitat:Deshalb ist es nicht richtig, z.B. das Mittelalter als neuerungsfeindlich darzustellen. Denn auch in dieser Zeit hat es technischen Fortschritt gegeben. Ich denke da an den Schiffbau (Wikinger, Hanse), Kirchenbau, (Kunst)Handwerk, Militär (Ritter, Armbrust, Langbogen) usw. Oft ist es heute schwierig, die damaligen Herstellungstechnologien zu rekonstruieren.

Das ist zweifellos richtig.
Schiffbau, Mühlen und Bergwerkstechnologien sind bis zum Beginn der Neuzeit über den Stand der Spätantike hinaus weiterentwickelt worden. Wobei vieles andere eher zurückgefallen ist.
Sobald ein Bedarf in irgend einen Bereich gesehen wurde, ging es auch vorwärts, keine Frage.

"Nichts ist befriedigender, als sich an Schwierigkeiten zu erinnern, die man gemeistert hat." (N. Stoffel)
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
03.09.2014, 11:34
Beitrag: #12
RE: Technischer Fortschritt in einem Wahnsinnstempo!
Wo es jetzt "demnächst" den großen Aufbruch geben könnte, hat Bunbury schon angesprochen, in der Biologie.

Was da bisher tatsächlich gemacht wurde, ist an den schon vorhandenen Möglichkeiten nur gekratzt.
Hat nicht vor einem Jahrzehnt schon irgend einer ein fluorzierendes Schaf oder Kaninchen "genmanipuliert"? Vom Genmaiß ganz zu schweigen.

Ich wage es nicht da ein Urteil in irgendeiner Weise abzugeben. Ist man da bisher zu vorsichtig, oder zu unvorsichtig???
Ich weiß es nicht.

Vielleicht liest unser Fachmann Arkona die Zeilen und bringt etwas substantielles zum Thema.

Jedenfalls ist in dem Bereich der nächste große Aufbruch (wohin???)
zu erwarten.


Vielleicht hier eine kurze filosofische Zwischenbemerkung (ist in dem Themenbereich einfach angebracht)
In der Schule musste ich einst das Verschen lernen:
.....
Endlich schließt die Offenbarung
das gesamt Bibelbuch.
Mensch gedenke was du liesest,
dir zum Segen nicht zum Fluch.

"Nichts ist befriedigender, als sich an Schwierigkeiten zu erinnern, die man gemeistert hat." (N. Stoffel)
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
03.09.2014, 12:08
Beitrag: #13
RE: Technischer Fortschritt in einem Wahnsinnstempo!
@Bunbury,
vielen Dank für deine freundliche und interessante Antwort von vorgestern, die ich erst jetzt beantworten kann, da ich in der Zwischenzeit nach Kroatien fuhr. Der technische Fortschritt, namens iPad, hat es mir ermöglicht, mit dir und den anderen Kontakt aufzunehmen, obwohl ich mich auf meinem Segelboot befinde.

@ an Alle.
Ich finde eure Beiträge sehr interessant! Zu dem Thema allgemein möchte ich noch einige Gedanken erwähnen.

1.) Diskussionen weitgehend sachlich und emotionslos (besser emotionsarm) zu führen, halte ich für schwierig. Aber weniger deshalb, weil der Mensch von Natur aus emotionell ist, sondern weil die Emotionalität von Menschen sehr unterschiedlich ist. Man vergleiche z. B. nur einen Künstler mit einem Strafrichter oder eine liebevolle Kindergärtnerin mit einem Konstrukteur von Kriegswaffen, die möglichst viele Menschen töten sollen. Jede dieser Personen wird über techn. Fortschritt anders denken.

2.) Die Menschen, insbesondere die von Industrieländern, sind heute sehr fortschrittlich … sind sie das aber wirklich?
Ich möchte hierzu nur erinnern an Hühnerfarmen, auch an die Tatsache, dass heute fast alle Kühe ihr Leben lang angekettet im Kuhstall verbringen, ohne Sonne, ohne Frischluft, und dass sie ihr Gefängnis erst verlassen, wenn sie zum Schlachthof gebracht werden. Zu erwähnen sind auch die zahlreichen Schlüsselkinder, die tagsüber immer alleine sind, weil beide Eltern zur Arbeit gehen. Ich denke auch an die zahlreichen Tierheime, deren Insassen mir sehr Leid tun. Durch den Fortschritt sind Fürsorge, Zuwendung, Nächstenliebe, Rücksichtnahme usw. auf der Strecke geblieben.

3.) Fortschrift ist ja immer mit Rückschritt verbunden, weshalb es unterm Strich eigentlich keinen Fortschritt gibt. Die Nachteile eines vermeintlichen Fortschritts zeigen sich ja oft erst Jahrzehnte später, z. B. die Erfindung von Medikamenten gegen Epidemien, die aber eine Überbevölkerung zur Folge haben.

4.) Einen langfristigen Fortschritt kann es nicht geben, alleine schon deshalb, weil die Natur sich ja selbst regelt, man denke z. B. an die Klimaveränderung, an die momentanen weltweiten Unruhen, Krisen, die drohenden Kriege usw., die eine Folge des ungewöhnlich lange anhaltenden Wohlstandes sind. Eigentlich ist durch das natürliche Regelsystem ein 3. Weltkrieg schon überfällig, auch im Vergleich zur Dauer von kriegslosen Zeiten in der Vergangenheit.
Ich bin ganz bestimmt keine Spaßbremse, kein Pessimist oder Schwarzmaler. Aber in der Geschichte gab es doch bezgl. Fortschritt und Wohlstand immer ein Auf und Ab. Regionen, in denen Leid und Armut vorherrschte, entwickelten sich zur Hochkultur und anschließend kam es zum Verfall. Ich erwähne hier nur Mesopotamien; das Griechische Reich (Wein, Weib und Gesang); das Römische Reich; das Industriezeitalter mit seinem Wirtschaftsaufschwung mit einhergehendem Wohlstand; an die Goldenen 20er/30er Jahre usw. Weil der technische Fortschritt an den Wohlstand gekoppelt ist, steigt und fällt dieser auch ständig.

5.) Bunbury schrieb: „Das Fortschreiten der Technologie wird die Spaltung der Gesellschaft vorantreiben.“
Ja, das sieht man auch daran, dass heute, im Gegensatz zu früher, Menschen im fortgeschrittenen Alter ausgegrenzt werden. Ist jemand über 70, tut er sich schwer, mit PC, iPhon, iPod, iPad, Navi usw. zurechtzukommen. An gewissen Vorteilen und Bequemlichkeiten des technischen Fortschritts kann der Großteil der älteren Leute überhaupt nicht teilhaben, wenn sich kein Helfer findet. (bei uns in der Küche steht vor einer Vierfachsteckdose eine Plastikbox in der Größe von 1 1/2 Schuhkartons, gefüllt mit diverse Kabeln, Adaptern, Ladegeräten, Akkus, Headset, Kamerazubehör usw., was man für den täglichen Gebrauch halt so alles "benötigt". Ältere könnten damit wohl kaum etwas anfangen. Smile

Freundliche Grüße
Harry
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
03.09.2014, 13:49
Beitrag: #14
RE: Technischer Fortschritt in einem Wahnsinnstempo!
(01.09.2014 00:15)Harry01 schrieb:  Kürzlich machte ich mir ein wenig Gedanken über den technischen Fortschritt in der Vergangenheit und kam zu folgendem Schluss.

Die Zeit vom Beginn der Vor-Romanik, etwa ab 850 n. Chr., bis zum Klassizismus und einem Teil des Historismus, nämlich bis 1850, dauerte ca. 1000 Jahre.

In diesen 1000 Jahren gab es in der technischen Entwicklung bei weitem nicht so viel Fortschritt wie von 1850 bis heute, 2014. D. h., in den letzten 164 Jahren gab es wesentlich mehr Entwicklung als in den 1000 Jahren vorher. Ein bemerkenswertes Vergleichsergebnis. Die ständige, rasante Beschleunigung in der Fortentwicklung der Technik wird aber nicht ab-, sondern weiter zunehmen. Welche Konsequenzen könnte das haben? Wie seht ihr das bzw. habt ihr schon mal etwas über diesbezügliche Prognosen gelesen?

Schwer zu sagen ob diese Entwicklung immer mehr und immer noch schneller wird. Einerseits ja: Wahrscheinlich braucht man das um das Wachstum zu verstärken usw. Andererseits: Weiß nicht ob das wirklich eine ewige Entwicklung sein kann.

Überlegte letztens ähnliches, dachte zuerste so viel ist in den letzten Jahren gar nicht erfunden worden (meinte so seit 2000), dann kam ich alleine auf die Entwicklungen in der Welt des Internets oder im Bereich "Handy" und merkte es gab sogar eine gigantische Entwicklung.
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
03.09.2014, 19:28
Beitrag: #15
RE: Technischer Fortschritt in einem Wahnsinnstempo!
(03.09.2014 13:49)WDPG schrieb:  
(01.09.2014 00:15)Harry01 schrieb:  Kürzlich machte ich mir ein wenig Gedanken über den technischen Fortschritt in der Vergangenheit und kam zu folgendem Schluss.

Die Zeit vom Beginn der Vor-Romanik, etwa ab 850 n. Chr., bis zum Klassizismus und einem Teil des Historismus, nämlich bis 1850, dauerte ca. 1000 Jahre.

In diesen 1000 Jahren gab es in der technischen Entwicklung bei weitem nicht so viel Fortschritt wie von 1850 bis heute, 2014. D. h., in den letzten 164 Jahren gab es wesentlich mehr Entwicklung als in den 1000 Jahren vorher. Ein bemerkenswertes Vergleichsergebnis. Die ständige, rasante Beschleunigung in der Fortentwicklung der Technik wird aber nicht ab-, sondern weiter zunehmen. Welche Konsequenzen könnte das haben? Wie seht ihr das bzw. habt ihr schon mal etwas über diesbezügliche Prognosen gelesen?

Schwer zu sagen ob diese Entwicklung immer mehr und immer noch schneller wird. Einerseits ja: Wahrscheinlich braucht man das um das Wachstum zu verstärken usw. Andererseits: Weiß nicht ob das wirklich eine ewige Entwicklung sein kann.

Überlegte letztens ähnliches, dachte zuerste so viel ist in den letzten Jahren gar nicht erfunden worden (meinte so seit 2000), dann kam ich alleine auf die Entwicklungen in der Welt des Internets oder im Bereich "Handy" und merkte es gab sogar eine gigantische Entwicklung.


Ich erwarte den ganz großen Knaller die nächsten Jahre, wie geschrieben, in der Biologie.
Da wird doch inzwischen bereits ernsthaft über den zukünftig "unsterbbaren" Menschen filosofiert.
Ob das Blödsinn ist oder nicht, wage ich nivht zu bewerten.

Aber Potential ist da ganz erhebliches.
Gewaltig erhöhte Ernteerträgebis zu Bakterien die Umweltprobleme schlicht auffressen.

Man wird sehen

"Nichts ist befriedigender, als sich an Schwierigkeiten zu erinnern, die man gemeistert hat." (N. Stoffel)
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
04.09.2014, 10:07
Beitrag: #16
RE: Technischer Fortschritt in einem Wahnsinnstempo!
Das passt doch eigentlich zu diesem Thema:

http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur...89620.html

Kakadus die andere Kakadus ausbilden.

Ausriss:
Zitat: Eifrige Schüler

Damit nicht genug. Die eifrigen Schüler erlernten nicht nur das Beobachtete, sie entwickelten es sogar weiter. "Jeder Kakadu, der auf die Lösung kommt, benutzt seine eigene Methode", sagt Auguste von Bayern von der University of Oxford. "Das deutet darauf hin, dass sie durch die Beobachtung eines Artgenossen das Prinzip verstanden haben, wie man das Ziel erreicht, aber nicht exakt jede Bewegung kopieren."

"Nichts ist befriedigender, als sich an Schwierigkeiten zu erinnern, die man gemeistert hat." (N. Stoffel)
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
04.09.2014, 13:45
Beitrag: #17
RE: Technischer Fortschritt in einem Wahnsinnstempo!
(01.09.2014 11:55)Bunbury schrieb:  .................
Fortschritt und Moralvorstelllungen wurden von einander entkoppelt und das ist ein absolutes Novum. Bis weit in die Mitte des vergangenen Jahrhunderts hinein war der Fortschritt an die Vorstellung gekoppelt, damit das Leben der Menschen zu verbessern.

Es gibt unterschiedliche Szenarien, wozu das führen wird.
Die düstersten werden in Filmen wie "Matrix" beschrieben- Der mensch wird Sklave der Technik.
Da glaube ich nicht so ganz daran, weil ich denke, daß es zumindest immer ein paar Menschen geben wird, die danach trachten wollen, den Maschinenpar.................

Hmm, eine interessante Sichtweise die du da aufzeigst. Es ist schwer zu sagen wo die Reise hingehen wird. Matrix? Einer meiner absoluten Lieblingsfilme, aber ob es wirklich so weit gehen wird?
Wenn wir an die Zukunft denken sehen wir sehr oft die aktuellen Entwicklungen, mir persönlich fällt auf das es zumindest in der Vergangenheit oft so war das es dann aber doch gerade in diesem Bereich dann in eine ganz andere Richtung ging. Also echt schwer zu sagen.

Bezüglich dem Beispiel mit dem Lohnbuchhalter. Würde nicht sagen das sich das so stark auf bloßen Anwender und dem der das Wissen hat auswirkt. Bei der Lohnbuchhaltung vielleicht, aber viele der Büroarbeiten oder auch der Arbeitsbereiche die mit Computerprogrammen arbeiten sind sehr komplex. Der Programmschreiber hat vielleicht eine Ahnung von seinem Programm, aber er hat deshalb noch lange keine Ahnung vom Gesamtarbeitsablauf des Anwenders.

Aber zum Nachdenken regen deine Überlegungen absolut an.
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
04.09.2014, 13:58
Beitrag: #18
RE: Technischer Fortschritt in einem Wahnsinnstempo!
(01.09.2014 17:59)Bunbury schrieb:  Stimmt.

John Maynard Keynes war im übrigen der Ansicht, daß der technische Fortschritt dazu führen würde, daß die Menschheit immer weniger arbeiten müßte und immer mehr Zeit für die Muße haben würde.

Eine Zeitlang hatte er damit ja auch durchaus recht.

Heute jedoch steigt die Arbeitszeit wieder an...

Die Frage ist aber manchmal schon wäre das tatsächlich auch Notwendig, oder könnten wir diese nicht sogar tatsächlich verkürzen? Das mit den 3 Jobs, das Suebe gebracht hat, kommt ja nicht davon weil wir so viel mehr an Arbeitskraft brauchen, sondern eher weil die Leute oft zuwenig Lohn haben um von einem Job zu leben.
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
04.09.2014, 14:27
Beitrag: #19
RE: Technischer Fortschritt in einem Wahnsinnstempo!
(03.09.2014 12:08)Harry01 schrieb:  3.) Fortschrift ist ja immer mit Rückschritt verbunden, weshalb es unterm Strich eigentlich keinen Fortschritt gibt. Die Nachteile eines vermeintlichen Fortschritts zeigen sich ja oft erst Jahrzehnte später, z. B. die Erfindung von Medikamenten gegen Epidemien, die aber eine Überbevölkerung zur Folge haben.

Also, vorab einmal. Auch ich bin gegenüber so manchen in diesem Bereich sehr sehr skeptisch. Bei vielen Bereichen kommt es mir vor als gäbe es einfach irgendwelche fanatischen Ideologen die an Sachen arbeiten die auf keinen Fall so kommen sollten - das Problem ist aber das Wirtschaft und Marketing das mit der Hoffnung auf Gewinn aufgreiffen können und so in manchen Dingen eine Entwicklung in Gang bringen oder bringen könnten die wir so nicht wollen können.
Außerdem sieht manches oft auf den ersten Blick nur positiv aus (ich erinnere an das von Suebe gebrachte Beispiel mit den 60er Jahren), was sich dann als problematisch herausstellt.

Aber jeden Fortschritt zu verdammen, halte ich dann auch wieder für zu vernatisch und übertrieben. Insgesamt würde ich sagen: Wir leben heute besser als im Mittelalter. Bei uns (in Mitteleuropa zumindest) verstirbt kaum noch jemand an einem harmlosen Grippalen Infekt, viele Wunden sind heilbar, die sich früher entzündet hätten und einen sowieso umgebracht hätten. Wir haben heute die Möglichkeit weitläufig zu Reisen, sich Wissen auf den verschiedensten Gebieten anzueignen und z.B. mittels Internet was davon weiterzugeben. Zumindest in Mitteleuropa verhungert heute fast niemand mehr, Stadtbrände die wirklich ganze Städte auslöschen gibt es kaum noch und vieles dank fortschrittlicher Technologie.

Also ich würde niemals sagen alles was so unter dem Titel "Fortschritt" gebracht wird, ist gut oder auch nur im entferntesten wünschenswert. Aber alles was in diese Richtung läuft zu verdammen, das ist, finde ich der falsche Weg.
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
04.09.2014, 14:44
Beitrag: #20
RE: Technischer Fortschritt in einem Wahnsinnstempo!
(03.09.2014 07:08)Sansavoir schrieb:  Bei solchen Diskussionen sollte man auch bedenken, dass infolge des technischen Fortschritts auch Wissen bzw. Fähigkeiten verloren gehen. Dank des Taschenrechners können inzwischen nicht wenige Menschen nicht mehr im Kopf einfachste Aufgaben rechnen, während einst Fernhändler sich von A nach B sicher fortbewegten, obwohl sie keine Hinweisschilder hatten, kommen manche Leute ohne Navi nicht mehr bis zum Nachbarort und so mancher Computerhacker würde verhungern, wenn es keine Pizzadienste gäbe. Im Prinzip gehen viele Fähigkeiten verloren, ob das nun Strümpfe stopfen, kochen oder mit dem Abakus zu rechnen usw.. Der Grund ist, man braucht die Fähigkeiten nicht mehr oder glaubt, darauf verzichten zu können.

Zum Teil hast du sicherlich recht, das ist klar. Wer könnte denn heute noch ein Tier jagen oder so. Oder Wäsche irgendwo am Fluss waschen (von dem Absgesehen das man das wohl aufgrund der Verschmutzung vergessen kann)?

Aber bei manchen Beispielen sehe ich nicht nur den technischen Grund. Denke Leute die sich nicht orientieren können gab es schon immer, genauso wie schlecht Rechner oder schlechte Köche. Aber früher waren viele einfach gezwungen das ganze halbwegs zu lehrnen, da ja Berufe oft weitergegeben wurden. Oft hatte dann halt mal eine Generation weniger drauf als die vorhergehende, weil bestimmte Talente nicht so ausgeprägt waren. Heute fällte es einem leichter das man sagt: "OK, ergreiffe ich eben einen Beruf bei dem ich nicht unbedingt mit Zahlen beschäftigt bin, oder handwerkliche Fähigkeiten haben muss. usw. Das gabs früher wohl weniger, liegt also nich ausschließlich (sicher aber mit) am technischen Fortschritt.

Ach ja, ich finde alles lässt sich auch nicht mit Technik ausgleichen. Mit Navi, aber ohne Hausverstand funktioniert es nicht - diese Erfahrung habe ich schon öfter gemacht, wenn man sich auf dieses Gerät verlässt. Beim Pizzabeispiel muss ich sagen: Ich bin auch jemand der sich wenig Zeit zum Kochen nimmt, habe nachdem ich von meinen Eltern weggezogen bin auch oft nur Fertigprodukte gegessen, aber wenn ich ehrlich bin, irgendwann reichts damit. Mittlerweile habe ich mir Kochbücher (für halbwegs schnelle aber doch frische) Gerichte gekauft und muss sagen "es macht Spaß und ich denke jeder kann das lehrnen".
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Antwort schreiben 


Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste

Kontakt    |     Startseite    |     Nach oben    |     Zum Inhalt    |     SiteMap    |     RSS-Feeds