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Wie die Pfalz bayerisch wurde
26.04.2013, 12:47
Beitrag: #21
RE: Wie die Pfalz bayerisch wurde
(26.04.2013 11:30)Arkona schrieb:  Der Wrede hat kläglich versagt, anstatt Napoleon gefangen zu nehmen, hat er ihm vermutlich auf Geheiss von Metternich noch eine goldene Brücke nach Hause gebaut. Ausbaden mussten es die Soldaten... Blücher wäre das nicht passiert, da wäre kein Franzose lebend davongekommen.

Die haben noch in Chantillon "Autobahnbrücken" für den Napoleon gebaut.
Der war nur zu "dumm" drüber zu gehen.

Den Bayern hat diese eigenartige Aktion in Hanau den Ruf eingebracht, keine sooo tollen Soldaten zu sein.
Noch 1870 gab es den Tagesbefehl eines franz. Gernerals "ihr steht gegen Bayern, die schlechtesten Soldaten der Welt"
Als die Bayern dann dem Ruf gar nicht gerecht wurden, gab es im 1. WK die Mär von den bayerischen Grenadieren die Kinder fressen würden....

Aus dem 70er Krieg gibt es noch eine Anekdote die der spätere Kaiser Friedrich III. erzählte. Unter seinem Kommando standen die bayer. Truppen.
Als er nach einem Gefecht bei einer bayer. Einheit vorbeikam, und sie für ihren Einsatz lobte, hätte ihm ein Bayer geantwortet: "Das hätten sie mal sehen sollen, wie wir "sechsasechsge" (1866) die Malefizpreussen ausighauen hätten, wenn Hoheit uns kommandiert hätte"


Edit: Dass die 100 Tage des Napoleon den preußischen Staat gerettet haben, ist bekannt?

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26.04.2013, 15:20
Beitrag: #22
RE: Wie die Pfalz bayerisch wurde
Edit: Dass die 100 Tage des Napoleon den preußischen Staat gerettet haben, ist bekannt?

Wie meinst du das denn?

„Der Horizont der meisten Menschen ist ein Kreis mit dem Radius 0. Und das nennen sie ihren Standpunkt.“ (Albert Einstein)
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26.04.2013, 15:28
Beitrag: #23
RE: Wie die Pfalz bayerisch wurde
(26.04.2013 15:20)Arkona schrieb:  Edit: Dass die 100 Tage des Napoleon den preußischen Staat gerettet haben, ist bekannt?

Wie meinst du das denn?


Im 1. Pariser Frieden 1814 waren Kriegsentschädigungen für Staaten ausgeschlossen.
Insbesondere der Zar wollte der "neuen" franz. Bourbonen-Herrschaft diese Hypothek nicht aufhalsen.
Lediglich Private sollten Entschädigungen für erlittene Kriegsschäden bekommen.

Beim 2. Pariser Frieden, nach den 100 Tagen, wurde das anders geregelt. 800 Millionen mussten die Franzosen berappen, und den Löwenanteil bekam Preussen, das allerdings auch sehr stark gelitten hatte.

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26.04.2013, 16:03
Beitrag: #24
RE: Wie die Pfalz bayerisch wurde
(26.04.2013 15:28)Suebe schrieb:  Beim 2. Pariser Frieden, nach den 100 Tagen, wurde das anders geregelt. 800 Millionen mussten die Franzosen berappen, und den Löwenanteil bekam Preussen, das allerdings auch sehr stark gelitten hatte.
Dann, erst dann fand man die Quadriga vom Brandenburger Tor wieder. Noch fein eingepackt im Keller des Louvre.

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26.04.2013, 16:14
Beitrag: #25
RE: Wie die Pfalz bayerisch wurde
(26.04.2013 16:03)Arkona schrieb:  
(26.04.2013 15:28)Suebe schrieb:  Beim 2. Pariser Frieden, nach den 100 Tagen, wurde das anders geregelt. 800 Millionen mussten die Franzosen berappen, und den Löwenanteil bekam Preussen, das allerdings auch sehr stark gelitten hatte.
Dann, erst dann fand man die Quadriga vom Brandenburger Tor wieder. Noch fein eingepackt im Keller des Louvre.

Das ist richtig.
Auch die Rückgabe von "Beutekunst" wurde erst im 2. Pariser Frieden vereinbart.

Die Rheinbund-Soldaten hatten 1813/14 vielfach emotionale Probleme gegen ihre langjährigen Waffenbrüder zu kämpfen.
In vielen Rheinbundstaaten gab es auch gar keine militärische Tradition zuvor.

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26.04.2013, 19:24
Beitrag: #26
RE: Wie die Pfalz bayerisch wurde
Das Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin musste für Napoleon alle Soldaten abstellen. Man bekam nur 2 Regimenter zusammen (der Friedrich-Franz hat bestimmt gemogelt, um seine Landeskinder zu schonen), aus Russland ist fast niemand zurück gekommen.

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26.04.2013, 20:37
Beitrag: #27
RE: Wie die Pfalz bayerisch wurde
Feldmarschall Wrede wurde als Bevollmächtigter der Bayerischen Regierung zum Wiener Kongress geschickt. Monteglas, den Metternich eigentlich erwartete, kam nicht.
Wrede hatte klare Vorgaben für Bayern eine beherrschende Stellung in Süddeutschland herauszuhandeln. Die Mainlinie mit ihren wichtigen Städten und der Festung Mainz sollte diese begrenzen.
Aber, nicht nur Bayern hegte große Erwartungen. Die ehemals Reichsunmittelbaren hätten ihren Status gerne wiedergehabt, und die anderen Mittelstaaten wären auch gerne gewachsen.

Als Hauptproblem für Bayern erwies sich aber Preußen, man, Hardenberg, hielt Bayern für zu schwach um die Rheinlinie zu verteidigen. Außerdem wollte Preußen eine Landverbindung Bayerns zu Frankreich verhindern, um eine eigenmächtige Politik Bayerns zu verhindern. Für die es in der Geschichte ja durchaus Beispiele gab.

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27.04.2013, 11:52
Beitrag: #28
RE: Wie die Pfalz bayerisch wurde
Schnell klar wurde, dass die ehemals Reichsunmittelbaren keine Chance hatten ihren Status wiederzugewinnen.

Russland wollte ganz Polen, Preußen wollte ganz Sachsen. Den Untergang Sachsens wollten weder Österreich noch die anderen Mittelstaaten.
So entwickelte sich ein umfangreiches "Schacher-Konglomerat". Wrede versuchte die bayerische mit der preußischen Territorialfrage zu verknüpfen, da er damit österreichisches Entgegenkommen erhoffte.

In der sächsisch/polnischen Frage zeigte sich Anfang 1815 die Lösung in der Form, dass Preußen nur einen Teil Sachsens bekam, und dafür mit ganz erheblichen linksrheinischen Gebieten entschädigt wurde, auch südlich der Mosel. Gebiete die Bayern zwar nicht für sich wollte, aber als Verhandlungsmasse angesehen hatte.

Am 19. Feb. begann eine neue Verhandlungsrunde Wrede mit Metternich und Wessenberg. Ö wollte Salzburg, Inn- und Hausruckviertel, und bot Frankfurt, Fulda und Teile von Württemberg, Baden, Hessen-Darmstadt, Mainz und Alzey. Württemberg sollte Teile Badens, und Baden liknsrheinisch entschädigt werden.
Wrede forderte jedoch mehr.

Am 1. März 1814 konnte Wrede nach München melden, dass er sich mit Metternich folgendermaßen geeinigt hätte:
Ö bekommt lediglich kleine Teile des Landes Salzburg und das Inn- und Hausruckviertel. Bayern bekommt dafür, Fulda, Hanau, Frankfurt und bträchtliche Teile Badens und Württembergs. Bayern hätte am Neckar den Rhein berührt, linksrheinisch wäre Speyer, das als Abfindung für Eugen Beauharnais vorgesehen war, später an Bayern gefallen.
Ein ganz erheblicher Verhandlungserfolg Wredes, das erhoffte Entgegenkommen für den Einsatz zum Erhalt Sachsens.

ABER: Metternich konnte dies nicht in Wien durchsetzen, Fürst Schwarzenberg, Graf Stadion und Graf Zichy opponierten gegen Metternich.

In den weiteren Verhandlungen legte Ö das "Wessenbergische Projekt" vor
Bayern würde den wesentlichsten Teil Salzburgs behalten, alles das was nördlich der Linie Radstadt St. johann und Zellersee lag. außerdem Hanau, das Kinzigtal, erhebliche Teile Nordwürttembergs und Oberschwabens.
So wurde dies am 3. April 1815 der "Kommission für europäische Angelegenheiten" am Kongreß vorgelegt. Wrede erweitere dort noch die bayerischen Forderungen umd den badischen Neckarkreis und weitere württ. Gebiete.
Baden, Württemberg und Hessen widersetzten sich auf das entschiedenste!

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27.04.2013, 12:34
Beitrag: #29
RE: Wie die Pfalz bayerisch wurde
Ein paar Dörfer in der Niederlausitz hat Preussen immerhin bekommen. Das macht mir persönlich Probleme bei der Zuordnung von Möwen, die dummerweise ihre Kolonie genau auf Inseln der inzwischen abgebaggerten Landesgrenze in einem Grubensee bei Kleinkoschen gebaut haben. Genehmigungen zum Betreten muss ich doppelt stellen, wo genau Brandenburg aufhört und Sachsen anfängt weiß nur Gottvater allein.

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27.04.2013, 17:44
Beitrag: #30
RE: Wie die Pfalz bayerisch wurde
(27.04.2013 12:34)Arkona schrieb:  Ein paar Dörfer in der Niederlausitz hat Preussen immerhin bekommen.

Au nein, das halbe Land war weg. Und es hat wirklich alles gebraucht, dass nicht alles futsch war.
Das Bundesland Sachsen-Anhalt ist maßgeblich hat seinen Namen nicht umsonst bekommen.

OT
Zitat:Das macht mir persönlich Probleme bei der Zuordnung von Möwen, die dummerweise ihre Kolonie genau auf Inseln der inzwischen abgebaggerten Landesgrenze in einem Grubensee bei Kleinkoschen gebaut haben. Genehmigungen zum Betreten muss ich doppelt stellen, wo genau Brandenburg aufhört und Sachsen anfängt weiß nur Gottvater allein.
OT
Die Probleme hat dir aber vermutlich eher der Sozialismus verschafft. Der großzügig-souveräne Umgang mit Grund und Boden in jener Zeit ist schon bemerkenswert.
Versuch mal irgendwelche Ansprüche auf Grund und Boden als Wessie in dem früheren Geltungsbereich der Mark der DDR durchzusetzen.........

TT
Der König von Sachsen kam in Kriegsgefangenschaft, da braucht man schon verdammt gute Beziehungen, um es als König halbwegs zu überleben.
Während der 100 Tage standen ehemals sächsische Regimenter im Saarland, die jetzt preußischen Regimenter verweigerten den preußischen Generalen die Befehle. Wie das beim Militär so ist, es gab natürlich Standgerichte.
Aber Blücher/Gneisenau haben die Regimenter vorsichtshalber nicht nach Waterloo mitgenommen.

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27.04.2013, 18:02
Beitrag: #31
RE: Wie die Pfalz bayerisch wurde
(26.04.2013 19:24)Arkona schrieb:  Das Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin musste für Napoleon alle Soldaten abstellen. Man bekam nur 2 Regimenter zusammen (der Friedrich-Franz hat bestimmt gemogelt, um seine Landeskinder zu schonen), aus Russland ist fast niemand zurück gekommen.

Von 12.000 Württembergern kamen rund 300 wieder nach Hause.
Zusammen mit den Schweizern ist der noch kampfkräftige Teil bei der Verteidigung der Beresina-Brücke umgekommen.

Im Juni 1941 hat die 10. Panzer-Division, deren Soldaten überwiegend aus Württemberg stammten, als erste den Beresina-Übergang geschafft. Man sah es in Württemberg als späte Rache für 1812.

Der große Ariernachweis hatte in den Jahren zuvor das Geschichtsverständnis breiter Schichten vertieft, die in Russland 1812 Gefallenen gehörten der Generation an, die gerade noch im großen Nachweis stehen mussten.

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27.04.2013, 19:16
Beitrag: #32
RE: Wie die Pfalz bayerisch wurde
(27.04.2013 17:44)Suebe schrieb:  Der König von Sachsen kam in Kriegsgefangenschaft, da braucht man schon verdammt gute Beziehungen, um es als König halbwegs zu überleben.
Während der 100 Tage standen ehemals sächsische Regimenter im Saarland, die jetzt preußischen Regimenter verweigerten den preußischen Generalen die Befehle. Wie das beim Militär so ist, es gab natürlich Standgerichte.
Aber Blücher/Gneisenau haben die Regimenter vorsichtshalber nicht nach Waterloo mitgenommen.
Der "Geenich" hat sich ja spät genug entschieden, erst als seine Truppen bei Leipzig davongelaufen waren und die Einschläge immer dichter kamen. Blücher hat ja vor Waterloo gedroht, die gesamte sächsische Armee zu füsilieren, weil ein paar Kompanien in Belgien meuterten.

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29.04.2013, 12:31
Beitrag: #33
RE: Wie die Pfalz bayerisch wurde
(27.04.2013 19:16)Arkona schrieb:  
(27.04.2013 17:44)Suebe schrieb:  Der König von Sachsen kam in Kriegsgefangenschaft, da braucht man schon verdammt gute Beziehungen, um es als König halbwegs zu überleben.
Während der 100 Tage standen ehemals sächsische Regimenter im Saarland, die jetzt preußischen Regimenter verweigerten den preußischen Generalen die Befehle. Wie das beim Militär so ist, es gab natürlich Standgerichte.
Aber Blücher/Gneisenau haben die Regimenter vorsichtshalber nicht nach Waterloo mitgenommen.
./.
Blücher hat ja vor Waterloo gedroht, die gesamte sächsische Armee zu füsilieren, weil ein paar Kompanien in Belgien meuterten.

Das waren die Regimenter aus den "Neu"-Preußischen ex Sächsischen Gebieten.
Blücher hat sich in einem Schreiben an den sächsischen König beklagt, dass er erstmals das "Blut eigener Soldaten" hätte vergießen müssen.

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29.04.2013, 15:35
Beitrag: #34
RE: Wie die Pfalz bayerisch wurde
(27.04.2013 19:16)Arkona schrieb:  Der "Geenich" hat sich ja spät genug entschieden, erst als seine Truppen bei Leipzig davongelaufen waren und die Einschläge immer dichter kamen. Blücher hat ja vor Waterloo gedroht, die gesamte sächsische Armee zu füsilieren, weil ein paar Kompanien in Belgien meuterten.

Friedrich August I., König von Sachsen und Herzog von Warschau, zögerte solange, die Seiten zu wechseln, da Metternich ihm nicht als Herzog von Warschau anerkennen wollte. Napoleon sicherte dem sächsischen König die Herrschaft zu, da er auf einen Pufferstaat zwischen Russland, Österreich und Preußen bestand. Dagegen beabsichtigten die Alliierten Polen erneut aufzuteilen, wobei das spätere unter russischer Herrschaft stehende Kongresspolen etwa 80 % des Territoriums des Herzogtums Warschau ausmachte.

Den sächsischen Soldaten waren die polnischen Interessen ihres Landesherren egal, sie befürchteten 1813 das Ende ihres Sachsens und liefen deshalb während der Völkerschlacht über. Dagegen blieben die Polen an der Seite Napoleons, ein Teil von ihnen ertrank auf dem Rückzug in der Weißen Elster, so auch der polnische Oberbefehlshaber Joszef Poniatowski, der ein Neffe des letzten polnischen Königs Stanislaw II. Poniatowski war.

Dass Sachsen als Staat erhalten blieb, lag vor allem daran, dass sowohl der britische Außenmininister Castlereagh und der österreichische Staatskanzler Metternich die kompletten preußischen, territorialen Forderungen in Mitteldeutschland nicht akzeptierten und für den Erhalt Sachsens einstanden.

"Geschichte erleuchtet den Verstand, veredelt das Herz, spornt den Willen und lenkt ihn auf höhere Ziele." Cicero
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29.04.2013, 16:28
Beitrag: #35
RE: Wie die Pfalz bayerisch wurde
Zar Alexander machte dem bayerischen König den Kompromissvorschlag, dass die Pfalz beidseits des Rheins bei Erlöschen der badischen Linie an Bayern fallen würde.
Der russ. Bevollmächtigte Graf Nesselrode wurde von der Konferenz der 4 Großmächte mit den Verhandlungen betraut. so gab es noch etliche Verhandlungsrunden, Nesselrode, Wessenberg und Wrede.
Man einigte sich darauf, dass Bayern die Elsenz als Grenze zu Baden bis Neckargemünd beläme, und das Innviertel. Außerdem die Erbfolge in der badischen Pfalz.
Dies wurde am 11. April 1814 zwischen Wrede, Nesselrode und Wessenberg als bayerisch-österreichische Territorialabkommen beschlossen.
Am 23. April 1814 in einer Sitzung der 4 Großmächte, und Frankreichs! beschlossen und unterzeichnet. Wobei man die Vorläufigkeit dieses Abkommens bis zu einer Einigung mit Baden, Württemberg und Hessen betonte.
Was in den Quellen hierzu nicht, in anderen Zusammenhang sehr wohl, zur Sprache kam, ist die Legitimation der französischen Delegation, denn zdZ sass Napoleon wieder in Paris.

Württemberg, Hessen und Baden verweigerten dem Abkommen jede Zustimmung. Dies trotz der im November 1813 eingegangenen Frankfurter Bündnisverträge und den dortigen Verpflichtungen. (im Fall Württembergs, Vertrag von Fulda, waren die auch nicht sooo eindeutig)
Wie geschrieben, die Legitimation der franz. Delegation war umstritten, und Österreich hätte auf Salzburg verzichtet, was man in Wirklichkeit auch nicht wollte.
So wurde dieser Vertrag weder ratifiziert, noch wurde der Vertrag in die Kongreßakte aufgenommen.
Bayerns Grenzen wurden also durch den Wiener Kongreß in keinster Weise verändert!

Österreich erreichte, dass ihm alle Landesteile links und rechts des Rheins, über die der Kongress nicht entschieden hatte, in voller Souveränität übergeben wurde. Auch das Hemfallrecht der badischen Pfalz bei Erlöschen der direkten badischen Linie wurde in der Schlusssitzung am 10. Juni 1815 Österreich zugesprochen. Ob Österreich dies für sich selbst behalten wollte, oder als Verhandlungsmasse mit Bayern ansah, blieb zunächst im dunklen.

Inzwischen, am 12. Juni 1815 schlossen Wessenberg und W. v. Humboldt einen preußisch-österreichischen Geheimvertrag, Gegenstand war die Nichtinkraftsetzung des bayerisch-österreichischen Territorialvertrags und weiterhin der Rückfall der Pfalz und des Breisgaus an Österreich. Mainz und ein noch nicht näher bestimmtes Gebiet sollten an Hessen-Darmstadt fallen. als Entschädigung für das an Preußen gehende Herzogtum Westfalen.

Am Rande bemerkt, seit 1. März 1815 war Napoleon wieder in Frankreich, Waterloo war erst am 18. Juni 1815. Wie da feste weiterverhandelt wurde, der Wiener kongress zu Ende gebracht wurde, zeigt eigentlich, welche geringe Bedeutung diesem Bonapartischen Abenteuer außerhalb Frankreichs zugemessen wurde.

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02.05.2013, 15:38
Beitrag: #36
RE: Wie die Pfalz bayerisch wurde
Seit 26. April 1815 war Rechberg bayerischer Bevollmächtigter, Wrede hatte seine eigentliche Aufgabe, Napoleon besiegen, wieder übernommen.

Rechbergs Instruktionen lauteten: keine weiteren Abtretungen, Status Quo (gemeinsame Verwaltung Ö+B) linksrheinisch bleibt erhalten, nach Möglichkeit auch das Innviertel bei Bayern.
Aber insbesondere das Ende der gemeinsamen linksrheinischen Verwaltung forderte Österreich nun mit Nachdruck.
Da die Wiener Schlussakte vom 9.6.1815 Österreich die alleinige Souveränität darüber zugesprochen hatte.
Aber da Österreich bisher weder den endgültigen Verzicht auf Salzburg ppp ausgesprochen hatte, noch Druck auf Württenberg/Baden/Hessen ausübte, befürchtete München am Ende mit leeren Händen dazustehen, wenn diese gemeinsame Verwaltung aufgegeben würde.

Inzwischen, Napoleon war unterwegs nach St. Helena, Wrede hatte sein Amt aber noch nicht wieder eingenommen, erklärte Humboldt ihm, dass Preußen nicht wünschem dass Bayern die linksrheinische Pfalz Österreich ausliefere. Dass aber Preußen auch keine Landverbindung Bayern - Pfalz wünsche, da Bayern damit Süddeutschland dominieren könnte.

Nach etlichen weiteren Verhandlungsrunden, in denen Bayern eigentlich nur Zeit gewinnen wollte, bekam Rechberg neue Anweisungen:
Dass Bayern bereit wäre das Hausruckviertel und die schon angebotenen Teile Salzburgs gegen alles was Österreich außerhalb seinen geschlossenen Gebietes an Hoch- und Oberrhein besitze, und die von Frankreich noch zu machenden Abtretungen, tauschen würde.
Damit gab Bayern erstmals die ihm in Vertrag von Ried gegebene Zusicherung des "geographischen Zusammenhangs" auf.

Metternich hatte kein großes Interesse an Salzburg. Andere am Wiener Hof sehr wohl, die sg. "Militärpartei" und da auch der Kaiser Franz großes Interesse an Salzburg hatte, war ein Sturz Metternichs über Salzburg zu erwarten.
Auch ein österreichischer Handstreich auf Salzburg ppp war zeitweise in der Planung. Wrede verstärkte daraufhin ohne großes Aufsehen die bay. Truppen in Salzburg, Braunau, Passau und Schärding

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02.05.2013, 22:04
Beitrag: #37
RE: Wie die Pfalz bayerisch wurde
Metternich bemühte sich nun den innenpolitischen Druck abzubauen.
Dazu strebte er, nach der Unterzeichnung des Vorfriedens mit Frankreich, einen neuen Austauschplan an, den er den anderen 3 Großmächten vorlegen wollte, und der dann Bayern als vollendete Tatsache gegen die ein Einspruch nicht mehr möglich wäre, vorgelegt werden sollte.

Rechberg wurde dies von J. v. Dalberg, Mitarbeiter Talleyrands, (übrigends ein Neffe des Bischofs und Rheinbundfürsten) gesteckt, und Rechberg schrieb am 30. Oktober 1815 ein "Rundschreiben" an die Minister Preußesn, Englands und Rußlands. Auch Wrede versuchte England und Preußen im bayerischen sinne zu beeinflussen. Aber Metternich erreichte in der Sitzung am 3. November 1815 die widerspruchslose Annahme seines Protokolls üer die deutschen Gebietsregelungen.
Am 5. November wurde Rechberg zu Castlereagh bestellt, dem englichen Bevollmächtigten, der ihm den Metternichschen Plan als Vermittlungsvorschlag der Großmächte vorlegte.

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03.05.2013, 15:28
Beitrag: #38
RE: Wie die Pfalz bayerisch wurde
Castlereagh übergab Rechberg weiterhin statistische Aufstellungen die die Abzutretende Bevölkerung mit ca. 397.000 Menschen, die neu zu übernehmenden Gebiete mit 470.000 auflistete.
Aber vor allem stellte Castlereagh klar, dass es eine Weigerung gegen diesen "Vorschlag" nicht geben würde.
Rechberg nahm dieses "Pariser Protokoll" zur Kenntnis.

Am 11. November reichte er bei den verbündeten Mächten eine Protesterklärung ein, er könne im Namen seiner Regierung diesen Vorschlag nicht annehmen.
Nicht nur die Ungleichheit der Tauschobjekte ergrimmte München, insbesondere die Verhandlungsführung Metternichs empörte.
Österreich suchte eine Lösung durch die Einschaltung der anderen Großmächte zu erreichen, ohne Mitsprache Bayerns.
Dies widersprach klar dem Vertrag von Ried.

Inzwischen, am 20. November war der 2. Pariser Frieden unterzeichnet, und Landau, Bergzabern und Kandel kamen zu Österreich. Man wollte aber nun die Sache zu Ende bringen und beauftragte Wessenberg mit den der Durchsetzung in München, Wessenberg lehnte jedoch ab und Wacquant de Geozelles übernahm die Aufgabe.

Am 12. Dezember 1815 traf Wacquant in München ein, sein Verhandlungspartner war Monteglas persönlich.
Wacquandt verlangte eine sofortige Annahme das Pariser Protokolls, Monteglas versuchte auf Zeit zu spielen. König Maximillian hatte den Zaren kontaktiert, und man hoffte auf ein Entgegenkommen auf dieser Schiene.
Am 30. Dezember schließlich erklärte Monteglas, dass Bayern die Vorschläge nur dann akzeptieren könne, wenn die "Ausgleichsgebiete" in einem geographischen Zusammenhang mit Baiern stünden.
Wacquandt interpretierte dies als völlige Weigerung Bayerns den Gebietstausch vorzunehmen. Er rief nach Artikel VII des Pariser Protokolls die Regierungen Rußlands, Preußens und Großbritanniens an, die für diesen Fall zugesagt hatten Bayern im Weigerungsfall zur Anerkennung zu zwingen.

Am 4. Januar 1816 bereits übergaben die Vertreter der 3 Mächte in München eine im freundschaftlichen Ton gehaltene Note, die aber keinen Zweifel daran ließ, dass sie die rasche Umsetzung des Pariser Protokolls erwarteten.

Gleichzeitig ließ Österreich an der Enns und in Böhmen Truppen aufmarschieren, um Salzburg nötigenfalls mit Gewalt in Besitz zu nehmen.

Am 24. Januar ließ der bay. König deshalb Wacquant mittelien, dass man die verlangten Gebiete abtreten werde, aber halt auf der in "vielen Verträgen" zugesicherten geogrraphischen Verbindung der Ausgleichsgebiete bestehen würde.
Bis zur endgültigen Einigung auch über diese Frage möge der Status Quo erhalten bleiben.

Gleichzeitig reiste Kronprinz Ludwig in Begleitung Rechbergs zum Kaiser der sich zdZ in Mailand befand. Am 30. Januar kam er an, am 31. machte ihm Kaiser Franz klar, dass Bayern nichts weiter bekommen würde.
Ähnlich verlief eine Besprechung zwischen Rechberg und Metternich, aber Metternich versprach sich dafür einzusetzen, dass Bayern von Baden den Main- + Tauberkreis bekommen würde. Dier Verhandlungen endeden damit, dass Österreich Bayern versprach sich beim Bundestag in Ffm einzusetzen, dass B. den Main- + Tauberkreis erhalten würde.

In einem Schreiben vom 7.2.1816 schlug Kaiser Franz vor, das Ö Bayern bis zum Tag der Übergabe des Main und Tauberkreises die Einkünfte dieser, die man auf 100.000 Gulden schätzte, erstatten würde.
Diese Abfindung kam als "Koniguitätsentschädigung" in den Staatsvertrag, Bayern bestand nicht mehr auf dem geogrphischen zusammenhang, wollte lediglich das theoretische Recht darauf bestätigt haben.

Am 14. April 1816 wurde der Vertrag von Wacquant, Monteglas und Rechberg unterzeichnet. Über die tatsächlichen Abtretungen hinaus, war Bayern noch ein Teil des badischen Amtes Wertheim im Vertrag zugesagt worden, Baden wehrte sich, und Bayern kam nie in den Besitz dieses Gebietes.
Für den Main- und Tauberkreis erhielt Bayern jährlich 100.000 Gulden die vom Erzeugerpreis von 200.000 Zentnern Salz, die Ö jährlich an B lieferte abgezogen wurde.
Am 29. April 1816 erfolgte die Übergabe der Pfalz, am 1. Mai Salzburg ppp, wenig später die hessischen Ämter Alzenau, Heubach und Miltenberg.
Kaiser Franz wollte die Huldigung Salzburgs bereite bei der Rückreise aus Italien entgegennehmen, deshalb die Eile.

Aber offen war noch der Ausgleich mit Baden.

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04.05.2013, 11:54
Beitrag: #39
RE: Wie die Pfalz bayerisch wurde
Baden wurde im Münchner Vertrag zu 4 Leistungen zugunsten Bayerns "verpflichtet":
1. Rückfall der badischen Pfalz (das was wir heute Kurpfalz nennen) beim aussterben der Zähringer männlichen Linie.
2. Abtretung eines Teils des Amtes Wertheim
3. Eine bayerische Militärstraße von Würzburg nach Frankenthal auf badischem Gebiet
4. Abtretung des Main- und Tauberkreises
die 3 ersten Punkte waren schon im "Pariser Protokoll" enthalten, der 4. Punkt im Münchner Staatsvertrag als Entschädigung für den im Vertrag von Ried zugesagten Zusammenhang.

Baden wurde vorher weder konsultiert nach befragt noch informiert. Denn Baden hatte beim Seitenwechsel im Vertrag von Franfurt am 20. November 1813 sein Einverständnis zu allen Abtretungen erklärt, die die künftigen Regelungen in Deutschland "nötig" machen würden.
Aber natürlich gegen "Entschädigung"

Baden war zdZ in einer schwierigen Lage, man hatte die Seiten ein paar Wochen zu spät gewechselt, und sich deshalb in Frankfurt ungünstige Bedingungen diktieren lassen müssen. Und dann natürlich die dynastische Frage. Aus diesem Komplex stammt die "Kaspar Hauser" Tragikkomödie deren voller Hintergrund bis heute im Dunkeln blieb.

Aber Baden hatte beste Verwandschaftliche Beziehungen nach Petersburg!
Die Zarin war die Schwester des badischen Großherzogs

England und Preußen akzeptierten den Münchner Vertrag ohne weiteres, wiesen lediglich darauf hin, dass sie bezüglich der Übergabe des Main- und Tauberkreises keine Bürgschaft übernehmen würden.
Rußland dagegen weigerte sich rundum diesem Vertrag beizutreten, da er vom "Pariser Protokoll" abwiche.

Im Februar 1817 wurde Baden in Frankfurt mit Zusimmung Russlands die Annulierung des Rückfallrechts für die Kurpfalz und den Breisgau angeboten und die 100.000 Gulden "Kontiguitätsentschädigung" für die Abtretung des Main- und Tauberkreises.
Baden weigerte sich, bestritt das Rückfallrecht überhaupt, da es im Frankfurter Vertrag vom 20.11.1813 nicht erwähnt würde.

So wurde der Streit Baden/Bayern erst auf dem Aachener Fürstenkongress im Herbst 1818 ausgetragen.
Auf Vermittlung der Zarin bot der badische Minister Berstett die Abtretung des Amtes Oberwertheim gegen das von Österreich verwaltete Fürstentum Geroldseck (von der Leyen! siehe Fragen und Antworten http://www.forum-geschichte.at/Forum/sho...p?tid=4704 )
das Zugeständnis der Militärstraße und die Übernahme von 2 Millionen Schulden die Bayern aus dem Besitz der Kurzpfalz noch anhingen.

Die Großmächte erklärten sich damit einverstanden, und der russ. Bevollmächtigte Capo D`Ìstria sollte die Zustimmung Bayerns einholen.

Bayern war natürlich nicht einverstanden, auf Oberwertheim hätte man sowieso einen Anspruch, die Militärstraße diene der Verteidigung Landaus, also einer Bundesaufgabe, und die Schulden wären eh Sache Badens.
Es wurde hin und her protestiert, aber unter Druck der Großmächte schließlich in Frankfurt der Territorrialrezess am 20. Juli 1819 unterzeichnet. Darin enthalten der Tausch Oberwertheims und der Grafschaft Geroldseck zwischen Baden und Österreich, wobei Oberwertheim sofort an Bayern weitergegeben wurde, außerdem erhielt Bayern das Amt Steinfeld von Österreich.
Bayern nahm an, aber unter Protest.

Baden erhielt seinen Besitzstand von den Großmächten garantiert, das Nachfolgerecht der Grafen von Hochberg wurde anerkannt (nochmals Kaspar Hauser) und die ungünstigen Artikel des Frankfurter Vertrages wurden annuliert.
Und das 1813 von Österreich kassierte Fürstentum von der Leyen, die Grafschaft Geroldseck wurde badisch.

Bayern hatte ohne es zu wollen die linksrheinische Pfalz bekommen, ein staatsrechtlich wesentlich weiter entwickeltes Gebiet als Bayern selbst.
Was sich in der Zukunft für die Pfalz zum Problem entwickelte.

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04.05.2013, 15:31
Beitrag: #40
RE: Wie die Pfalz bayerisch wurde
(11.04.2013 21:54)Suebe schrieb:  Teil 1
1813 hat Bayern seine Truppen zurückgehalten, nicht dem Napoleon zur Verfügung gestellt.
Der Grund war, dass ein neuer Aufstand im damals bayerischen Tirol ausgebrochen war. Erzherzog Johann hatte ihn mehr oder weniger ohne Wissen Metternichs und des Kaisers losgetreten.

Bayern hatte dadurch im Jahr 1813 eine wesentlich größere Handlungsfreiheit als die anderen Rheinbundfürsten.
Seit Januar wurden sie auch gehörig von den Österreichern umworben.
Der bayerische König und sein Minister Montgelas wollten aber noch am Bündnis mit Napoleon, das Bayern viele Vorteile eingebracht hatte, festhalten.
Der bayerische Heerführer Wrede wollte allerdings so bald wie möglich zu den Alliierten übergehen, zu denen Österreich zdZ nominell noch gar nicht gehörte.
Im August, Österreich hatte inzwischen Napoleon den Krieg erklärt, traf ein Brief des Zaren in München ein. Sowohl Österreich als auch Russland und Preußen garantierten den Bayern ihre staatliche Souveränität. Für die unausweichlichen Abtretungen an Österreich wurden entsprechender Ausgleich zugesagt.
Wrede wurde vom bayerischen König ermächtigt, über Tirol durchaus zu verhandeln, aber auf gar keinen Fall über Salzburg.

Schließlich wurde auf Basis eines Entwurfs Metternichs vom 23. September am 8. Oktober 1813 der Vertrag von Ried geschlossen.
Er enthielt unter anderem die Geheimklausel, dass der König von Bayern alle Abtretungen akzeptiere, die beiden Staaten eine "passende militärische Grenze sichere". Im Gegenzug verpflichtete sich der Kaiser von Österreich, dass er dem bayerischen König "geographisch, statistisch und finanziell gleichwertige Entschädigung verschaffen würde, die mit dem bayerischen Gebiet einen vollständigen und nicht unterbrochenen Zusammenhang bilden sollten".

Auf diese Klausel berief sich Bayern bei den späteren Verhandlungen ständig.

(23.04.2013 20:06)Suebe schrieb:  Der Vertrag von Ried enthielt keinerlei konkrete Abmachungen über Abtretungen an Österreich, es wurde lediglich eine künftige "Militärlinie" erwähnt. Womit eine militärisch gut zu sichernede Grenzlinie gemeint war.
In München ging man anscheinend auch davon aus, dass lediglich Grenzbegradigungen in Frage kämen, kein Gedanke wurde daran verschwendet, dass Österreich das Innviertel oder gar Salzburg beanspruchen könnten.
An eine "Wiedergewinnung" der Pfalz, die zu diesem Zeitpunkt ja auch noch fest in franz. Hand war, wurde überhaupt nicht gedacht.

Ende 1813 gab es aber im bayerischen Innkreis Aufruhr unter der Bevölkerung die wieder zu Österreich gehören wollte. MMn überaus bemerkenswert, dass zu der Zeit nicht wenige Landschaften sich massiv zu Habsburg zurücksehnten (Breisgau zB)
Nun kam erstmals in München der Gedanke auf, dass man sich, gegen einen guten Ersatz, dieser unzuverlässigen Gebiete entledigen könne. Der bayr. Geschäftsträger im Alliierten Hauptquartier Baron von Verger brachte da erstmals die "neulich befreiten alten Gebiete auf dem linken Rheinufer" ins Gespräch.
In München hörte man dies sehr unwillig, erteilte Verger einen Verweis, und verbot ihm sich zukünftig in diese Angelegenheiten einzumischen.

Anders war die Lage mit Tirol, Ö. ließ nie einen Zweifel daran aufkommen, dass man, da man auch die ital. Gebiete wiedergewinnen wolle, auf Tirol bestehen werde. Bayern dafür reichlich am Main entschädigt werde.

Während der Verhandlungen in Chantillon, (allgemein erwartete man einen Waffenstillstand) fühlte man sich in München unter Zugzwang, und erteile Wrede Instruktionen für Verhandlungen mit Ö. über einen Territorialausgleich, der nach Möglichkeit bevor der dem Friedensschluss mit Frankreich folgende allgemeine Kongress begann, abgeschlossen werden sollte.
Man dachte noch immer an keine linksrheinischen Gebiete. Die rechtsrheinische Pfalz war das erstrebte Ziel. Lediglich wenn Salzburg auch abgetreten werden müsse, wollte man zusätzlich linksrheinisch einschl. Saarbrücken und insbesondere Mainz Forderungen aufstellen.

(24.04.2013 14:48)Suebe schrieb:  Wrede hatte etwa gleichzeitig mit seiner Ernennung zum Feldmarschall, die ihm die gleichrangige Verhandlungsposition ermöglichen sollte, fünf aus bayerischer Sicht mögliche Szenarien für einen Territorialausgleich bekommen.
Bayern dachte bei allen diesen Plänen nicht an linksrheinische Gebiete, solang es glaubte Salzburg behalten zu können.
Für Salzburg wollte man die rechtsrheinische Pfalz. Erst als Maximalforderung schwebte München die Ecke von Mainz bis Saarbrücken vor. Wobei man insbesondere bei diesem Szenario Wert auf Mainz legte.

Mit diesen Instruktionen ging Wrede, nachdem Napoleon am 21.4.1814 kapituliert hatte, in die Verhandlungen über einen bayerisch/österreichischen Territorialausgleich mit Metternich und Wessenberg.
Metternich beharrte von Anfang an auf dem Österreich von den anderen Alliierten zugestandenen Besitzstand von 1805.
Am 11. Mai 1814 legte Metternich seine Vorstellungen vor. Tirol, Salzburg, Inn- und Hausruckviertel jedoch nicht Vorarlberg an Österreich. Dafür an Bayern Würzburg, Aschaffenburg, Teile von Fulda, das nördliche Baden, Gebiete der Fürsten und Grafen Löwenstein, Leiningen und Erbach, einige hessische Ämter, Mainz mit Umgebung.
Wrede forderte außerdem Berchtesgaden, einige salzburgischen Ämter auf dem rechten Salzachufer, das Großherzogtum Frankfurt, Isenburg beträchtliche Teile der Wetterau, die bayerischen Abtretungen von 1810 von Württemberg zurück, sowie den Kocher- und den Jagstkreis. Auf den linken Rheinufer außer Mainz den Distrikt Simmern, das Donnersbergdeparment, das österr. amt Redwitz und die Besitzungen der Fürsten von Reuß in Thüringen.
Inzwischen war der 1. Pariser Friede am 30. Mai 1814 geschlossen worden, mit dem Frankreich die Grenzen von 1792 zugestanden worden waren. Das Gebiet westlich des Rheins, südlich der Mosel war Eigentum der verbündeten Großmächte geworden.

(25.04.2013 09:51)Suebe schrieb:  Am 3. Juni 1814 wurde nach eifrigen Verhandlungen die "Pariser Konvention" zwischen Bayern und Österreich unterzeichnet.
Bayern tritt Tirol, Vorarlberg, Salzburg mit Ausnahme des Amtes Laufen und der westlich der Salzach gelegenen Ortschaften sowie das Inn- und das Hausruckviertel an Österreich ab.
Österreich verspricht dafür, vollständige Entschädigung zu gewähren, "sogar noch mehr, falls dies möglich ist".
Innerhalb 14 Tagen sollte Tirol und Vorarlberg an Österreich, ohne die Ämter Vils und Weiler gehen. Würzburg und Aschaffenburg dafür an Bayern.
Für die linksrheinischen Gebiete zwischen der neuen franz. Grenze und dem rechten Moselufer wurde eine gemeinsame Besetzung durch österr. und bayer. Truppen vereinbart, eine gemeinsame Verwaltung und Teilung der Einkünte.
Weiter versprach Österreich die bayer. Ansprüche zu unterstützen
auf
die Stadt und Festung Mainz. die Grafschaft Hanau, die Städte Frankfurt und Wetzlar, die alte Rheinpfalz (also auch die badische Pfalz) und Abmachungen mit Württemberg, Baden Hessen-Darmstadt und -Nassau wegen Abtretungen und Gebietstausch.

Der Gebietstausch Tirol und Vorarlberg gegen Würzburg und Aschaffenburg wurde vom Wiener Kongress dann auch bestätigt, womit jetzt nur noch die Fragen Salzburg/Pfalz offen stand.

(25.04.2013 21:21)Suebe schrieb:  Vielleicht sollte man hier mal kurz innehalten.
Dem geschätzten Leser wird aufgefallen sein, dass die Rheinbundfürsten im Herbst 1813 sich bei ihrem Übergang zu den Alliierten ihren Besitzstand soweit zusichern ließen, res. für unvermeidliche Abgaben einen entsprechenden Ausgleich in ihren Verträgen drin stehen hatten.

Bayern hatte hierbei sehr gute Karten, da man 1. seine Truppen beisammen hatte, die Armeen der anderen Rheinbündler machten den napoleonischen Frühjahrs- und Herbstfeldzug 1813 mit, bis nach der Völkerschlacht.
Mit den unvermeidlichen recht großen Verlusten, die um so mehr ins Gewicht fielen, da im Jahr zuvor die Kontingente zu annähernd 100% in Russland untergegangen waren.

Bayern ist dann auch noch vor der Völkerschlacht zu den Alliierten übergegangen, was die Verhandlungsposition natürlich nochmals verbesserte.
Es wird bekannt sein, der bayerische Generalisimuss Wrede hat bei Hanau noch versucht der zurückweichenden Armee Napoleons den Weg zu verlegen. allerdings hat ihn Napoleon ohne Mühe geschlagen.

Selbstzitat:
Zitat:Mit diesen Instruktionen ging Wrede, nachdem Napoleon am 21.4.1814 kapituliert hatte, in die Verhandlungen über einen bayerisch/österreichischen Territorialausgleich mit Metternich und Wessenberg.
Der österreichische Minister Wessenberg war der Bruder des, wenn man so will, letzten Bischofs von Konstanz, der beim Wiener Kongress versuchte eine deutsch-katholische Nationalkirche zu installieren. Was ihm die nachhaltige Feindschaft der Kurie einbrachte. Weder wurde er von dort als Bischof von Konstanz anerkannt, das brauchte ihn bis 1821 nicht sehr zu interessieren, Baden stützte ihn. Noch gelang es ihm nach Aufhebung des Bistums Konstanz Erzbischof von Freiburg zu werden.

(26.04.2013 20:37)Suebe schrieb:  Feldmarschall Wrede wurde als Bevollmächtigter der Bayerischen Regierung zum Wiener Kongress geschickt. Monteglas, den Metternich eigentlich erwartete, kam nicht.
Wrede hatte klare Vorgaben für Bayern eine beherrschende Stellung in Süddeutschland herauszuhandeln. Die Mainlinie mit ihren wichtigen Städten und der Festung Mainz sollte diese begrenzen.
Aber, nicht nur Bayern hegte große Erwartungen. Die ehemals Reichsunmittelbaren hätten ihren Status gerne wiedergehabt, und die anderen Mittelstaaten wären auch gerne gewachsen.

Als Hauptproblem für Bayern erwies sich aber Preußen, man, Hardenberg, hielt Bayern für zu schwach um die Rheinlinie zu verteidigen. Außerdem wollte Preußen eine Landverbindung Bayerns zu Frankreich verhindern, um eine eigenmächtige Politik Bayerns zu verhindern. Für die es in der Geschichte ja durchaus Beispiele gab.

(27.04.2013 11:52)Suebe schrieb:  Schnell klar wurde, dass die ehemals Reichsunmittelbaren keine Chance hatten ihren Status wiederzugewinnen.

Russland wollte ganz Polen, Preußen wollte ganz Sachsen. Den Untergang Sachsens wollten weder Österreich noch die anderen Mittelstaaten.
So entwickelte sich ein umfangreiches "Schacher-Konglomerat". Wrede versuchte die bayerische mit der preußischen Territorialfrage zu verknüpfen, da er damit österreichisches Entgegenkommen erhoffte.

In der sächsisch/polnischen Frage zeigte sich Anfang 1815 die Lösung in der Form, dass Preußen nur einen Teil Sachsens bekam, und dafür mit ganz erheblichen linksrheinischen Gebieten entschädigt wurde, auch südlich der Mosel. Gebiete die Bayern zwar nicht für sich wollte, aber als Verhandlungsmasse angesehen hatte.

Am 19. Feb. begann eine neue Verhandlungsrunde Wrede mit Metternich und Wessenberg. Ö wollte Salzburg, Inn- und Hausruckviertel, und bot Frankfurt, Fulda und Teile von Württemberg, Baden, Hessen-Darmstadt, Mainz und Alzey. Württemberg sollte Teile Badens, und Baden liknsrheinisch entschädigt werden.
Wrede forderte jedoch mehr.

Am 1. März 1814 konnte Wrede nach München melden, dass er sich mit Metternich folgendermaßen geeinigt hätte:
Ö bekommt lediglich kleine Teile des Landes Salzburg und das Inn- und Hausruckviertel. Bayern bekommt dafür, Fulda, Hanau, Frankfurt und bträchtliche Teile Badens und Württembergs. Bayern hätte am Neckar den Rhein berührt, linksrheinisch wäre Speyer, das als Abfindung für Eugen Beauharnais vorgesehen war, später an Bayern gefallen.
Ein ganz erheblicher Verhandlungserfolg Wredes, das erhoffte Entgegenkommen für den Einsatz zum Erhalt Sachsens.

ABER: Metternich konnte dies nicht in Wien durchsetzen, Fürst Schwarzenberg, Graf Stadion und Graf Zichy opponierten gegen Metternich.

In den weiteren Verhandlungen legte Ö das "Wessenbergische Projekt" vor
Bayern würde den wesentlichsten Teil Salzburgs behalten, alles das was nördlich der Linie Radstadt St. johann und Zellersee lag. außerdem Hanau, das Kinzigtal, erhebliche Teile Nordwürttembergs und Oberschwabens.
So wurde dies am 3. April 1815 der "Kommission für europäische Angelegenheiten" am Kongreß vorgelegt. Wrede erweitere dort noch die bayerischen Forderungen umd den badischen Neckarkreis und weitere württ. Gebiete.
Baden, Württemberg und Hessen widersetzten sich auf das entschiedenste!

(29.04.2013 16:28)Suebe schrieb:  Zar Alexander machte dem bayerischen König den Kompromissvorschlag, dass die Pfalz beidseits des Rheins bei Erlöschen der badischen Linie an Bayern fallen würde.
Der russ. Bevollmächtigte Graf Nesselrode wurde von der Konferenz der 4 Großmächte mit den Verhandlungen betraut. so gab es noch etliche Verhandlungsrunden, Nesselrode, Wessenberg und Wrede.
Man einigte sich darauf, dass Bayern die Elsenz als Grenze zu Baden bis Neckargemünd beläme, und das Innviertel. Außerdem die Erbfolge in der badischen Pfalz.
Dies wurde am 11. April 1814 zwischen Wrede, Nesselrode und Wessenberg als bayerisch-österreichische Territorialabkommen beschlossen.
Am 23. April 1814 in einer Sitzung der 4 Großmächte, und Frankreichs! beschlossen und unterzeichnet. Wobei man die Vorläufigkeit dieses Abkommens bis zu einer Einigung mit Baden, Württemberg und Hessen betonte.
Was in den Quellen hierzu nicht, in anderen Zusammenhang sehr wohl, zur Sprache kam, ist die Legitimation der französischen Delegation, denn zdZ sass Napoleon wieder in Paris.

Württemberg, Hessen und Baden verweigerten dem Abkommen jede Zustimmung. Dies trotz der im November 1813 eingegangenen Frankfurter Bündnisverträge und den dortigen Verpflichtungen. (im Fall Württembergs, Vertrag von Fulda, waren die auch nicht sooo eindeutig)
Wie geschrieben, die Legitimation der franz. Delegation war umstritten, und Österreich hätte auf Salzburg verzichtet, was man in Wirklichkeit auch nicht wollte.
So wurde dieser Vertrag weder ratifiziert, noch wurde der Vertrag in die Kongreßakte aufgenommen.
Bayerns Grenzen wurden also durch den Wiener Kongreß in keinster Weise verändert!

Österreich erreichte, dass ihm alle Landesteile links und rechts des Rheins, über die der Kongress nicht entschieden hatte, in voller Souveränität übergeben wurde. Auch das Hemfallrecht der badischen Pfalz bei Erlöschen der direkten badischen Linie wurde in der Schlusssitzung am 10. Juni 1815 Österreich zugesprochen. Ob Österreich dies für sich selbst behalten wollte, oder als Verhandlungsmasse mit Bayern ansah, blieb zunächst im dunklen.

Inzwischen, am 12. Juni 1815 schlossen Wessenberg und W. v. Humboldt einen preußisch-österreichischen Geheimvertrag, Gegenstand war die Nichtinkraftsetzung des bayerisch-österreichischen Territorialvertrags und weiterhin der Rückfall der Pfalz und des Breisgaus an Österreich. Mainz und ein noch nicht näher bestimmtes Gebiet sollten an Hessen-Darmstadt fallen. als Entschädigung für das an Preußen gehende Herzogtum Westfalen.

Am Rande bemerkt, seit 1. März 1815 war Napoleon wieder in Frankreich, Waterloo war erst am 18. Juni 1815. Wie da feste weiterverhandelt wurde, der Wiener kongress zu Ende gebracht wurde, zeigt eigentlich, welche geringe Bedeutung diesem Bonapartischen Abenteuer außerhalb Frankreichs zugemessen wurde.

(02.05.2013 15:38)Suebe schrieb:  Seit 26. April 1815 war Rechberg bayerischer Bevollmächtigter, Wrede hatte seine eigentliche Aufgabe, Napoleon besiegen, wieder übernommen.

Rechbergs Instruktionen lauteten: keine weiteren Abtretungen, Status Quo (gemeinsame Verwaltung Ö+B) linksrheinisch bleibt erhalten, nach Möglichkeit auch das Innviertel bei Bayern.
Aber insbesondere das Ende der gemeinsamen linksrheinischen Verwaltung forderte Österreich nun mit Nachdruck.
Da die Wiener Schlussakte vom 9.6.1815 Österreich die alleinige Souveränität darüber zugesprochen hatte.
Aber da Österreich bisher weder den endgültigen Verzicht auf Salzburg ppp ausgesprochen hatte, noch Druck auf Württenberg/Baden/Hessen ausübte, befürchtete München am Ende mit leeren Händen dazustehen, wenn diese gemeinsame Verwaltung aufgegeben würde.

Inzwischen, Napoleon war unterwegs nach St. Helena, Wrede hatte sein Amt aber noch nicht wieder eingenommen, erklärte Humboldt ihm, dass Preußen nicht wünschem dass Bayern die linksrheinische Pfalz Österreich ausliefere. Dass aber Preußen auch keine Landverbindung Bayern - Pfalz wünsche, da Bayern damit Süddeutschland dominieren könnte.

Nach etlichen weiteren Verhandlungsrunden, in denen Bayern eigentlich nur Zeit gewinnen wollte, bekam Rechberg neue Anweisungen:
Dass Bayern bereit wäre das Hausruckviertel und die schon angebotenen Teile Salzburgs gegen alles was Österreich außerhalb seinen geschlossenen Gebietes an Hoch- und Oberrhein besitze, und die von Frankreich noch zu machenden Abtretungen, tauschen würde.
Damit gab Bayern erstmals die ihm in Vertrag von Ried gegebene Zusicherung des "geographischen Zusammenhangs" auf.

Metternich hatte kein großes Interesse an Salzburg. Andere am Wiener Hof sehr wohl, die sg. "Militärpartei" und da auch der Kaiser Franz großes Interesse an Salzburg hatte, war ein Sturz Metternichs über Salzburg zu erwarten.
Auch ein österreichischer Handstreich auf Salzburg ppp war zeitweise in der Planung. Wrede verstärkte daraufhin ohne großes Aufsehen die bay. Truppen in Salzburg, Braunau, Passau und Schärding

(02.05.2013 22:04)Suebe schrieb:  Metternich bemühte sich nun den innenpolitischen Druck abzubauen.
Dazu strebte er, nach der Unterzeichnung des Vorfriedens mit Frankreich, einen neuen Austauschplan an, den er den anderen 3 Großmächten vorlegen wollte, und der dann Bayern als vollendete Tatsache gegen die ein Einspruch nicht mehr möglich wäre, vorgelegt werden sollte.

Rechberg wurde dies von J. v. Dalberg, Mitarbeiter Talleyrands, (übrigends ein Neffe des Bischofs und Rheinbundfürsten) gesteckt, und Rechberg schrieb am 30. Oktober 1815 ein "Rundschreiben" an die Minister Preußesn, Englands und Rußlands. Auch Wrede versuchte England und Preußen im bayerischen sinne zu beeinflussen. Aber Metternich erreichte in der Sitzung am 3. November 1815 die widerspruchslose Annahme seines Protokolls üer die deutschen Gebietsregelungen.
Am 5. November wurde Rechberg zu Castlereagh bestellt, dem englichen Bevollmächtigten, der ihm den Metternichschen Plan als Vermittlungsvorschlag der Großmächte vorlegte.

(03.05.2013 15:28)Suebe schrieb:  Castlereagh übergab Rechberg weiterhin statistische Aufstellungen die die Abzutretende Bevölkerung mit ca. 397.000 Menschen, die neu zu übernehmenden Gebiete mit 470.000 auflistete.
Aber vor allem stellte Castlereagh klar, dass es eine Weigerung gegen diesen "Vorschlag" nicht geben würde.
Rechberg nahm dieses "Pariser Protokoll" zur Kenntnis.

Am 11. November reichte er bei den verbündeten Mächten eine Protesterklärung ein, er könne im Namen seiner Regierung diesen Vorschlag nicht annehmen.
Nicht nur die Ungleichheit der Tauschobjekte ergrimmte München, insbesondere die Verhandlungsführung Metternichs empörte.
Österreich suchte eine Lösung durch die Einschaltung der anderen Großmächte zu erreichen, ohne Mitsprache Bayerns.
Dies widersprach klar dem Vertrag von Ried.

Inzwischen, am 20. November war der 2. Pariser Frieden unterzeichnet, und Landau, Bergzabern und Kandel kamen zu Österreich. Man wollte aber nun die Sache zu Ende bringen und beauftragte Wessenberg mit den der Durchsetzung in München, Wessenberg lehnte jedoch ab und Wacquant de Geozelles übernahm die Aufgabe.

Am 12. Dezember 1815 traf Wacquant in München ein, sein Verhandlungspartner war Monteglas persönlich.
Wacquandt verlangte eine sofortige Annahme das Pariser Protokolls, Monteglas versuchte auf Zeit zu spielen. König Maximillian hatte den Zaren kontaktiert, und man hoffte auf ein Entgegenkommen auf dieser Schiene.
Am 30. Dezember schließlich erklärte Monteglas, dass Bayern die Vorschläge nur dann akzeptieren könne, wenn die "Ausgleichsgebiete" in einem geographischen Zusammenhang mit Baiern stünden.
Wacquandt interpretierte dies als völlige Weigerung Bayerns den Gebietstausch vorzunehmen. Er rief nach Artikel VII des Pariser Protokolls die Regierungen Rußlands, Preußens und Großbritanniens an, die für diesen Fall zugesagt hatten Bayern im Weigerungsfall zur Anerkennung zu zwingen.

Am 4. Januar 1816 bereits übergaben die Vertreter der 3 Mächte in München eine im freundschaftlichen Ton gehaltene Note, die aber keinen Zweifel daran ließ, dass sie die rasche Umsetzung des Pariser Protokolls erwarteten.

Gleichzeitig ließ Österreich an der Enns und in Böhmen Truppen aufmarschieren, um Salzburg nötigenfalls mit Gewalt in Besitz zu nehmen.

Am 24. Januar ließ der bay. König deshalb Wacquant mittelien, dass man die verlangten Gebiete abtreten werde, aber halt auf der in "vielen Verträgen" zugesicherten geogrraphischen Verbindung der Ausgleichsgebiete bestehen würde.
Bis zur endgültigen Einigung auch über diese Frage möge der Status Quo erhalten bleiben.

Gleichzeitig reiste Kronprinz Ludwig in Begleitung Rechbergs zum Kaiser der sich zdZ in Mailand befand. Am 30. Januar kam er an, am 31. machte ihm Kaiser Franz klar, dass Bayern nichts weiter bekommen würde.
Ähnlich verlief eine Besprechung zwischen Rechberg und Metternich, aber Metternich versprach sich dafür einzusetzen, dass Bayern von Baden den Main- + Tauberkreis bekommen würde. Dier Verhandlungen endeden damit, dass Österreich Bayern versprach sich beim Bundestag in Ffm einzusetzen, dass B. den Main- + Tauberkreis erhalten würde.

In einem Schreiben vom 7.2.1816 schlug Kaiser Franz vor, das Ö Bayern bis zum Tag der Übergabe des Main und Tauberkreises die Einkünfte dieser, die man auf 100.000 Gulden schätzte, erstatten würde.
Diese Abfindung kam als "Koniguitätsentschädigung" in den Staatsvertrag, Bayern bestand nicht mehr auf dem geogrphischen zusammenhang, wollte lediglich das theoretische Recht darauf bestätigt haben.

Am 14. April 1816 wurde der Vertrag von Wacquant, Monteglas und Rechberg unterzeichnet. Über die tatsächlichen Abtretungen hinaus, war Bayern noch ein Teil des badischen Amtes Wertheim im Vertrag zugesagt worden, Baden wehrte sich, und Bayern kam nie in den Besitz dieses Gebietes.
Für den Main- und Tauberkreis erhielt Bayern jährlich 100.000 Gulden die vom Erzeugerpreis von 200.000 Zentnern Salz, die Ö jährlich an B lieferte abgezogen wurde.
Am 29. April 1816 erfolgte die Übergabe der Pfalz, am 1. Mai Salzburg ppp, wenig später die hessischen Ämter Alzenau, Heubach und Miltenberg.
Kaiser Franz wollte die Huldigung Salzburgs bereite bei der Rückreise aus Italien entgegennehmen, deshalb die Eile.

Aber offen war noch der Ausgleich mit Baden.

(04.05.2013 11:54)Suebe schrieb:  Baden wurde im Münchner Vertrag zu 4 Leistungen zugunsten Bayerns "verpflichtet":
1. Rückfall der badischen Pfalz (das was wir heute Kurpfalz nennen) beim aussterben der Zähringer männlichen Linie.
2. Abtretung eines Teils des Amtes Wertheim
3. Eine bayerische Militärstraße von Würzburg nach Frankenthal auf badischem Gebiet
4. Abtretung des Main- und Tauberkreises
die 3 ersten Punkte waren schon im "Pariser Protokoll" enthalten, der 4. Punkt im Münchner Staatsvertrag als Entschädigung für den im Vertrag von Ried zugesagten Zusammenhang.

Baden wurde vorher weder konsultiert nach befragt noch informiert. Denn Baden hatte beim Seitenwechsel im Vertrag von Franfurt am 20. November 1813 sein Einverständnis zu allen Abtretungen erklärt, die die künftigen Regelungen in Deutschland "nötig" machen würden.
Aber natürlich gegen "Entschädigung"

Baden war zdZ in einer schwierigen Lage, man hatte die Seiten ein paar Wochen zu spät gewechselt, und sich deshalb in Frankfurt ungünstige Bedingungen diktieren lassen müssen. Und dann natürlich die dynastische Frage. Aus diesem Komplex stammt die "Kaspar Hauser" Tragikkomödie deren voller Hintergrund bis heute im Dunkeln blieb.

Aber Baden hatte beste Verwandschaftliche Beziehungen nach Petersburg!
Die Zarin war die Schwester des badischen Großherzogs

England und Preußen akzeptierten den Münchner Vertrag ohne weiteres, wiesen lediglich darauf hin, dass sie bezüglich der Übergabe des Main- und Tauberkreises keine Bürgschaft übernehmen würden.
Rußland dagegen weigerte sich rundum diesem Vertrag beizutreten, da er vom "Pariser Protokoll" abwiche.

Im Februar 1817 wurde Baden in Frankfurt mit Zusimmung Russlands die Annulierung des Rückfallrechts für die Kurpfalz und den Breisgau angeboten und die 100.000 Gulden "Kontiguitätsentschädigung" für die Abtretung des Main- und Tauberkreises.
Baden weigerte sich, bestritt das Rückfallrecht überhaupt, da es im Frankfurter Vertrag vom 20.11.1813 nicht erwähnt würde.

So wurde der Streit Baden/Bayern erst auf dem Aachener Fürstenkongress im Herbst 1818 ausgetragen.
Auf Vermittlung der Zarin bot der badische Minister Berstett die Abtretung des Amtes Oberwertheim gegen das von Österreich verwaltete Fürstentum Geroldseck (von der Leyen! siehe Fragen und Antworten http://www.forum-geschichte.at/Forum/sho...p?tid=4704 )
das Zugeständnis der Militärstraße und die Übernahme von 2 Millionen Schulden die Bayern aus dem Besitz der Kurzpfalz noch anhingen.

Die Großmächte erklärten sich damit einverstanden, und der russ. Bevollmächtigte Capo D`Ìstria sollte die Zustimmung Bayerns einholen.

Bayern war natürlich nicht einverstanden, auf Oberwertheim hätte man sowieso einen Anspruch, die Militärstraße diene der Verteidigung Landaus, also einer Bundesaufgabe, und die Schulden wären eh Sache Badens.
Es wurde hin und her protestiert, aber unter Druck der Großmächte schließlich in Frankfurt der Territorrialrezess am 20. Juli 1819 unterzeichnet. Darin enthalten der Tausch Oberwertheims und der Grafschaft Geroldseck zwischen Baden und Österreich, wobei Oberwertheim sofort an Bayern weitergegeben wurde, außerdem erhielt Bayern das Amt Steinfeld von Österreich.
Bayern nahm an, aber unter Protest.

Baden erhielt seinen Besitzstand von den Großmächten garantiert, das Nachfolgerecht der Grafen von Hochberg wurde anerkannt (nochmals Kaspar Hauser) und die ungünstigen Artikel des Frankfurter Vertrages wurden annuliert.
Und das 1813 von Österreich kassierte Fürstentum von der Leyen, die Grafschaft Geroldseck wurde badisch.

Bayern hatte ohne es zu wollen die linksrheinische Pfalz bekommen, ein staatsrechtlich wesentlich weiter entwickeltes Gebiet als Bayern selbst.
Was sich in der Zukunft für die Pfalz zum Problem entwickelte.


wie geschrieben, Bayern wollte die Pfalz gar nicht. Und Anno 1848 hat die Haßliebe auch ganz schön Funken geschlagen.

Aber es war wie im richtigen Leben Smile die Vernunft- und Zwangsehen sind am Ende manchmal gar nicht so ohne.
Die Pfalz wurde zu einem Riesengeschäft für Bayern.
Mit der beginnenden Industrialisierung wurde die Provinz viel wertvoller wie es Salzburg gewesen wäre.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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