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Adolf Hitler. Entnazifiziert. Eingestuft als Mitläufer
19.02.2013, 11:37
Beitrag: #1
Adolf Hitler. Entnazifiziert. Eingestuft als Mitläufer
(18.02.2013 23:53)Arkona schrieb:  Habt ihr denn je die Versicherungen der Altvorderen geglaubt, sie hätten nix, aber auch rein gar nix von all den Schweinereien im Dritten Reich gewusst? Die Kristallnacht hat in jeder Kleinstadt stattgefunden. Wenn schon keine Synagoge vorhanden, dann zertrümmerte man halt den einzigen guten Krämerladen im Ort oder teerte und federte nach KKK-Art den eigenen Hausarzt. Makaber wird es, wenn ein Albert Speer noch glaubhaft seine Hände in Unschuld waschen konnte. Der hätte nicht nach Spandau, sondern auch an den Galgen gehört. Wahrscheinlich hätte auch Hitler persönlich in Nürnberg behauptet, er hätte vom Holocaust nichts mitgekommen oder gar so etwas befohlen.

(19.02.2013 11:25)Suebe schrieb:  
(18.02.2013 23:53)Arkona schrieb:  ? Die Kristallnacht hat in jeder Kleinstadt stattgefunden. Wenn schon keine Synagoge vorhanden, dann zertrümmerte man halt den einzigen guten Krämerladen im Ort oder teerte und federte nach KKK-Art den eigenen Hausarzt.

Von der "Reichskristallnacht" zum Holocaust sind es halt schon noch ein paar Zwischenstufen.

Zitat:Habt ihr denn je die Versicherungen der Altvorderen geglaubt, sie hätten nix, aber auch rein gar nix von all den Schweinereien im Dritten Reich gewusst

Das war mit den Auschwitz-Prozessen vorbei.
Da hat man den "Altvorderen" massiv die "Endlösung" wie man es damals nannte, vorgehalten. Und keineswegs mit zurückhaltenden Worten.

Es war sowieso eher die weibliche Seite, die von "gar nichts gewusst" haben wollte. Die männliche war da, zumindest in meiner Wahrnehmung zurückhaltender.

Was mir bei den jüngsten Verwandschaftstreffen auffällt, die heute noch lebenden männlichen Zeitzeugen, 85 Jahre aufwärts, waren alle sehr involviert in das NS-System. Da muss man nicht fragen "wer in der Waffen-SS war", da ist die Frage fast angebrachter "wer eigentlich nicht".
Die Bezeichnung "Jugendbewegung" Stand 1943, für das NS-System kann man wohl zumindest teilweise übernehmen.

Millionen von Juden, Zigeunern und Andersdenkenden wurden umgebracht.
Und hinterher wollte keiner etwas gewusst haben.

Arkona hat die Entnazifizierung angesprochen. Der Thread-Titel stammt von ihm.
Und ich habe gleich zwei Beispiele die seine Einschätzung "erhärten".

Die zwei führenden Männer Württembergs in der Zeit des NS waren einmal der Gauleiter Murr, und der Ministerpräsident Mergenthaler.
Typisch für das NS-System konnten sich die beiden leiden wie das Zahnweh. So liebte das ihr Führer.

1945 ist der Gauleiter Murr in die "Alpenfestung" geflüchtet, wo er sich zusammen mit seiner Frau umbrachte.
Mergenthaler wurde von den Franzosen gefasst, schließlich 1950 als einer der letzten Entnazifiziert, 5 Jahre Haft (bereits abgesessen) und 5 Jahre Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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19.02.2013, 11:53
Beitrag: #2
RE: Adolf Hitler. Entnazifiziert. Eingestuft als Mitläufer
Naja, da haben wir doch in der Adenauer-Republik eine stattliche Sammlung.
Ein paar Beispiele aus meinem Fachgebiet:
http://de.wikipedia.org/wiki/Konrad_Lorenz
http://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BCnther_Niethammer
http://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Sch%C...Zoologe%29
...und ein ganz übler Bursche:
http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Kummerl%C3%B6we

Mein Professor zitierte Anfang der 1980er immer ganz genüsslich, dass der damalige Rektor der Uni Potsdam (sein Vorgesetzter) einst schon sein Fähnleinführer bei der Hitlerjugend war...

„Der Horizont der meisten Menschen ist ein Kreis mit dem Radius 0. Und das nennen sie ihren Standpunkt.“ (Albert Einstein)
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19.02.2013, 12:04
Beitrag: #3
RE: Adolf Hitler. Entnazifiziert. Eingestuft als Mitläufer
(19.02.2013 11:53)Arkona schrieb:  Naja, da haben wir doch in der Adenauer-Republik eine stattliche Sammlung.
Ein paar Beispiele aus meinem Fachgebiet:
http://de.wikipedia.org/wiki/Konrad_Lorenz
http://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BCnther_Niethammer
http://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Sch%C...Zoologe%29
...und ein ganz übler Bursche:
http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Kummerl%C3%B6we

Mein Professor zitierte Anfang der 1980er immer ganz genüsslich, dass der damalige Rektor der Uni Potsdam einst sein Fähnleinführer bei der Hitlerjugend war...

In den christlichen Kirchen ist der Bekehrte oder Konvertit, der "Paulus", der Angesehenste.

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19.02.2013, 12:07
Beitrag: #4
RE: Adolf Hitler. Entnazifiziert. Eingestuft als Mitläufer
(19.02.2013 12:04)Suebe schrieb:  In den christlichen Kirchen ist der Bekehrte oder Konvertit, der "Paulus", der Angesehenste.
Konvertiten sind die schlimmsten Fanatiker. Egal ob es um den Islam oder das Nichtrauchen geht.

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19.02.2013, 12:15
Beitrag: #5
RE: Adolf Hitler. Entnazifiziert. Eingestuft als Mitläufer
Sehr empfehlenswert, auch wenn schwer erreichbar. Man glaubt es kaum, was man da so liest.
E. Nowak (2005): Wissenschaftler in turbulenten Zeiten - ISBN 3-937447-16-4

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19.02.2013, 12:27
Beitrag: #6
RE: Adolf Hitler. Entnazifiziert. Eingestuft als Mitläufer
Mit Wissenschaftlern kann ich nicht dienen.

Aber mir hat vor kurzem ein Beamter in der Sozialversicherung (natürlich längst pensioniert) erzählt wie er aus der Gefangenschaft kam, und sein Behördenleiter, stadtbekannter Nazi (lebenslanger Freund meines Vaters Undecided) ihm erkklärt hätte:
"Ich kann sie nicht einstellen, sie sind noch nicht Entnazifiziert!"


Disvlaimer:
Der Behördenleiter war natürlich vorsichtig, lediglich Mitglied beim NSKK, wie mein Papa, dem man ebenfalls wenig anhaben konnte, bei der Entnazifizierung.

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19.02.2013, 12:39
Beitrag: #7
RE: Adolf Hitler. Entnazifiziert. Eingestuft als Mitläufer
Um aus dem oben erwähnten Buch zu zitieren: Da bekam ein kriegsgefangener sowjetischer Professor als Hiwi (Dolmetscher) sogar Urlaub an der damaligen Vogelwarte Rossitten (Kurische Nehrung) und schickte seine Zigaretten-Wehrmachtszuteilung nach Berlin an seinen Mentor Professor Stresemann, der als Zivilist fast nix bekam. Stalin hat ihn hinterher übrigens nicht erschiessen lassen...

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19.02.2013, 13:15
Beitrag: #8
RE: Adolf Hitler. Entnazifiziert. Eingestuft als Mitläufer
Was mir in meiner Jugend aufgefallen ist, es gab unterschiedliche Begriffe. Die jeweils nur eine Bevölkerungsgruppe benutzte.

Umsturz zB benutzt für die Zeit des Kriegsendes ein Begriff den nur "zu Hause-Gebliebene" benutzten.
Also ein vorrangig weiblicher Begriff.

Ausmarsch für den Beginn eines Feldzuges hörte man dagegen nur von Männern.

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19.02.2013, 14:41
Beitrag: #9
RE: Adolf Hitler. Entnazifiziert. Eingestuft als Mitläufer
(19.02.2013 11:37)Suebe schrieb:  Millionen von Juden, Zigeunern und Andersdenkenden wurden umgebracht.
Und hinterher wollte keiner etwas gewusst haben.

Für Verdrängung gibts es doch in der Gesamtgeschichte gute Beispiele.
Der Massenmord fand ja wirklich erst in der Kriegszeit statt und da hatte wirklich jeder "Volksgenosse" andere Sorgen und nicht die, ob ein paar Nachbarn verschwinden über Nacht, mit der "gestreuten Information" das sie zu Arbeitseinsätzen oder Neuansiedlung nach dem Osten transportiert werden. Nach dem Krieg ging es um's Überleben und um das Leben wieder aufbauen, für innere und äußere Einkehr blieb einfach keine Zeit.
Das die "Endlösung" als mehr als Geheim galt ist ja nun wohlweislich bekannt und auch ein Herr Goldhagen konnte daraus keine Kollektivschuld zimmern , sondern er ging in den Podiumsdiskussionen damals argumentativ unter.
solon
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19.02.2013, 15:47
Beitrag: #10
RE: Adolf Hitler. Entnazifiziert. Eingestuft als Mitläufer
Nöö,

eine Kollektivschuld-Debatte fangen wir hier nicht an.

Aber den Befehl zur "Endlösung" hat man Jahrzehnte vergeblich gesucht. Mithin hat Arkona vollkommen recht.
Eine deutsche Spruchkammer hätte Hitler, Adolf geboren in Braunau am Inn als Mitläufer oder gering belastet eingestuft.

Wer hat die Juden umgebracht?

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19.02.2013, 17:08
Beitrag: #11
RE: Adolf Hitler. Entnazifiziert. Eingestuft als Mitläufer
(19.02.2013 14:41)solon schrieb:  Für Verdrängung gibts es doch in der Gesamtgeschichte gute Beispiele.
Der Massenmord fand ja wirklich erst in der Kriegszeit statt und da hatte wirklich jeder "Volksgenosse" andere Sorgen und nicht die, ob ein paar Nachbarn verschwinden über Nacht, mit der "gestreuten Information" das sie zu Arbeitseinsätzen oder Neuansiedlung nach dem Osten transportiert werden. Nach dem Krieg ging es um's Überleben und um das Leben wieder aufbauen, für innere und äußere Einkehr blieb einfach keine Zeit.
Das die "Endlösung" als mehr als Geheim galt ist ja nun wohlweislich bekannt und auch ein Herr Goldhagen konnte daraus keine Kollektivschuld zimmern , sondern er ging in den Podiumsdiskussionen damals argumentativ unter.
solon
Das Argument, dass die "Volksgenossen" nichts über den Holocaust wussten und nach dem 2. WK wissen wollten, weil sie andere Sorgen hatten, ist nicht stichhaltig.
Denn gerade die Tagebücher von Zeitzeugen, wie z.B. von Friedrich Kellner zeigen, dass die Deutschen ziemlich viel vom Holocaust wissen konnten. Nach dem Krieg wollte nur keiner zugeben, was er wusste.
Und mal ganz ehrlich, glaubt ihr irgendjemand, man könnte den industriellen Mord an über 6 Mio. Menschen geheimhalten??
Ich halte das für ziemlich unwahrscheinlich.
Mit Kollektivschuld hat das, um es klar zu stellen, nichts zu tun.

"Auflehnung ist das heiligste aller Rechte und die notwendigste aller Pflichten."
Marquis de La Fayette
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19.02.2013, 17:30
Beitrag: #12
RE: Adolf Hitler. Entnazifiziert. Eingestuft als Mitläufer
(19.02.2013 17:08)Annatar schrieb:  Und mal ganz ehrlich, glaubt ihr irgendjemand, man könnte den industriellen Mord an über 6 Mio. Menschen geheimhalten??
Ich halte das für ziemlich unwahrscheinlich.
Mit Kollektivschuld hat das, um es klar zu stellen, nichts zu tun.

Die diversen Täter die man vor Bundesdeutschen Gerichten Aburteilte, haben sich idR auf "Befehlsnotstand" berufen.
Verurteilt wurden sie dann auf Grund individueller selbstentschiedener Grausamkeiten (blieb genug)

Nur, wo ist der Befehl?

Wannseekonferenz.
Himmler zumindest hat sich auf den Posener "Schallplatten" als "mitwisser" geoutet.
Dann gibt es die Gerstein-Protokolle.
Aber so sehr viel gibt es nicht.


Man kann es aber wohl festhalten, gewusst haben es alle. Auch dass es ein fürchterliches Verbrechen war.
Götz Aly schreibt, dass die Deutschen in der Beziehung "ihre Unschuld" mit der Euthansie bereits verloren hätten. Denn, wie er ebenfalls schreibt, welche Familie hat die Fälle nicht?

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19.02.2013, 21:35
Beitrag: #13
RE: Adolf Hitler. Entnazifiziert. Eingestuft als Mitläufer
(19.02.2013 17:30)Suebe schrieb:  Die diversen Täter die man vor Bundesdeutschen Gerichten Aburteilte, haben sich idR auf "Befehlsnotstand" berufen.
Verurteilt wurden sie dann auf Grund individueller selbstentschiedener Grausamkeiten (blieb genug)
Ist auch richtig so. Sonst könnte man fast keine Kriegsverbrecher verurteilen.
(19.02.2013 17:30)Suebe schrieb:  Nur, wo ist der Befehl?

Wannseekonferenz.
Himmler zumindest hat sich auf den Posener "Schallplatten" als "mitwisser" geoutet.
Dann gibt es die Gerstein-Protokolle.
Aber so sehr viel gibt es nicht.
Einen direkten Befehl gab es glaube ich nie und hat es so auch nie gegeben, oder ?? Huh
(19.02.2013 17:30)Suebe schrieb:  Man kann es aber wohl festhalten, gewusst haben es alle. Auch dass es ein fürchterliches Verbrechen war.
Götz Aly schreibt, dass die Deutschen in der Beziehung "ihre Unschuld" mit der Euthansie bereits verloren hätten. Denn, wie er ebenfalls schreibt, welche Familie hat die Fälle nicht?
Stimmt.

"Auflehnung ist das heiligste aller Rechte und die notwendigste aller Pflichten."
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19.02.2013, 23:22
Beitrag: #14
RE: Adolf Hitler. Entnazifiziert. Eingestuft als Mitläufer
Wenn man sich die Urteile der Hauptangeklagten der Nürnberger Prozesse anschaut

http://de.wikipedia.org/wiki/N%C3%BCrnbe...ngeklagten

wird schnell klar, dass die Grundaussage des Threads

(18.02.2013 23:53)Arkona schrieb:  [...]Wahrscheinlich hätte auch Hitler persönlich in Nürnberg behauptet, er hätte vom Holocaust nichts mitgekommen oder gar so etwas befohlen.

jeder Grundlage entbehrt.

Hitler hätte ebenso wie Keitel, Göring, Borman, u.a. am Galgen gebaumelt.

Was die übrigen Fragen des Thread betrifft, ist folgendes anzumerken:


- Der Mensch ist Meister des Verdrängens. Das kann er so gut, dass er es am Ende selber glaubt.


- Der Mensch strebt extrem stark nach Anerkennung in der Gesellschaft, in der er lebt. Also unterlässt er, was dieser schadet und tut alles, was dieser nützt.


-Im NS galt Antisemitismus bis hin zum Massenmord bekanntermaßen nicht als Verbrechen.Sie waren inhärenter Bestandteil des Dritten Reichs und galten als erwünschtes Verhalten.


- Verstärkt wurden diese Mechanismen einerseits durch Indoktrination und Propaganda, andererseits durch das Wirken der Schweigespirale. Dazu kamen die Voraussetzungen des deutschen Obrigkeitsdenkens, preußischer Kadavergehorsam, (beides noch heute sehr verbreitet) latenter bis manifester Antisemitismus und Nationalismus.



- Was hätte die Erlebnisgeneration also tun sollen? Man kann sich heute nicht so einfach mit erhobenem Zeigefinger hinstellen. Denn wer von den heutigen moralinsaueren Empörern (heute gesellschaftlich erwünschtes Verhalten) hätte sich damals getraut, unter Lebensgefahr Juden zu retten oder gar den Dienst an der Waffe zu verweigern? Ich vermute nicht mal einer von 100. Schindlers und Jägerstätters werden immer die Ausnahme bleiben, egal in welchem System. Der Mensch ist in erster Linie Opportunist für sich und die Seinen und allenfalls in zweiter Linie Altruist.



-Die Entnazifizierung war, so wie sie stattgefunden hat, alternativlos. Man kann darüber streiten, ob es im einen oder anderen Fall zulässig war, einen ehemaligen NS-Schergen in eine hohe Position zu hieven, doch was hätte man mit den Leuten tun sollen? Massenexekution? Wie hätte man die Stellen besetzen sollen?
Die meisten sind vom Saulus zu Paulus geworden, wie man am Beispiel Helmut Schmidt sehen kann.

Kein Staat der Welt, auch nicht Österreich, hat -trotz einzelner Fehler- seine Vergangenheit so gut und gründlich aufgearbeitet wie Deutschland.

Ihr - damit meine ich Deutschland als Ganzes- solltet euch wieder daran erinnern, dass die Deutsche Geschichte nicht nur aus 12 Jahren NSDAP-Diktatur besteht.

MfG, Titus Feuerfuchs
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19.02.2013, 23:35
Beitrag: #15
RE: Adolf Hitler. Entnazifiziert. Eingestuft als Mitläufer
Weder Göring (Selbstmord) noch Bormann (gefallen in Berlin) haben am Galgen gebaumelt.

„Der Horizont der meisten Menschen ist ein Kreis mit dem Radius 0. Und das nennen sie ihren Standpunkt.“ (Albert Einstein)
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20.02.2013, 00:47
Beitrag: #16
RE: Adolf Hitler. Entnazifiziert. Eingestuft als Mitläufer
(19.02.2013 23:35)Arkona schrieb:  Weder Göring (Selbstmord) noch Bormann (gefallen in Berlin) haben am Galgen gebaumelt.

Zugegeben, ich hatte unsauber formuliert, bzw. schlechte Besispiele genommen.
Sie sind aber dazu verurteilt worden. Nur darauf kommt kommt es hier an.

MfG, Titus Feuerfuchs
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20.02.2013, 09:22
Beitrag: #17
RE: Adolf Hitler. Entnazifiziert. Eingestuft als Mitläufer
(19.02.2013 17:08)Annatar schrieb:  Das Argument, dass die "Volksgenossen" nichts über den Holocaust wussten und nach dem 2. WK wissen wollten, weil sie andere Sorgen hatten, ist nicht stichhaltig.
Denn gerade die Tagebücher von Zeitzeugen, wie z.B. von Friedrich Kellner zeigen, dass die Deutschen ziemlich viel vom Holocaust wissen konnten. Nach dem Krieg wollte nur keiner zugeben, was er wusste.
Und mal ganz ehrlich, glaubt ihr irgendjemand, man könnte den industriellen Mord an über 6 Mio. Menschen geheimhalten??
Ich halte das für ziemlich unwahrscheinlich.
Mit Kollektivschuld hat das, um es klar zu stellen, nichts zu tun.

Natürlich ist das Argument stichhaltig.
Viele andere Zeitgenossen haben nämlich genau das gedacht was ich schon beschrieben hatte, denn sie hatten ja die KZ vor Augen. In denen sind nämlich vor 1939/40 nur wenige umgekommen und sehr viele entlassen worden. Das war was die Bevölkerung sichtbar wurde. Wer wußte denn das mit "Arbeitseinsätzen" und "Neuansiedlung" im Osten fast totale Vernichtung gemeint war ? Ich halte genau das Gegenteil für unwahrscheinlich, weil sich die Dimension überhaupt keiner vorstellen konnte. Wenn Zeitgenossen oder Götz Aly behaupten das z.B. Euthanasie, Rassismus, Progrome u.v.a. Geschehnisse daraufhinweisen, darf man nur darauf verweisen, das das zu damaligen Zeit überhaupt kein Alleinstellungsmerkmal Deutschlands war.
solon
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20.02.2013, 10:52
Beitrag: #18
RE: Adolf Hitler. Entnazifiziert. Eingestuft als Mitläufer
Ich sage nur: Wer wirklich nichts wusste, war entweder dumm oder völlig am Leben vorbei. Willst du das deinen Großeltern bescheinigen? Im Osten waren ja fast alle Männer, nicht nur im Graben sondern auch in der Etappe. Na also...

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20.02.2013, 11:52
Beitrag: #19
RE: Adolf Hitler. Entnazifiziert. Eingestuft als Mitläufer
Vielleicht als Anfang:
Hier werden zweierlei Dinge vermischt. Natürlich wäre Hitler in Nürnberg gebaumelt, aber kaum für den Holocaust sondern für den Angriffskrieg. Kellogg-Pakt.
Die Thread-Überschrift betrifft die "Entnazifizierung" und da sind Gauleiter und ähnlich hohe Chargen eben in aller Regel mit 5 Jahren davongekommen.
Wenn man sich die Listen anschaut, gewinnt man den Eindruck, dass Eichmann die "größte Nummer" war, die tatsächlich für den Holocaust bestraft wurde.
Alle anderen haben sich auf "Befehlsnotstand" berufen, erfolgreich. Und wurden für persönlich zu verantwortende Grausamkeiten belangt.

Befehlsnotstand - aber anscheinend gab es doch gar keinen....


(20.02.2013 09:22)solon schrieb:  
(19.02.2013 17:08)Annatar schrieb:  Das Argument, dass die "Volksgenossen" nichts über den Holocaust wussten und nach dem 2. WK wissen wollten, weil sie andere Sorgen hatten, ist nicht stichhaltig.
Denn gerade die Tagebücher von Zeitzeugen, wie z.B. von Friedrich Kellner zeigen, dass die Deutschen ziemlich viel vom Holocaust wissen konnten. Nach dem Krieg wollte nur keiner zugeben, was er wusste.
Und mal ganz ehrlich, glaubt ihr irgendjemand, man könnte den industriellen Mord an über 6 Mio. Menschen geheimhalten??
Ich halte das für ziemlich unwahrscheinlich.
Mit Kollektivschuld hat das, um es klar zu stellen, nichts zu tun.

Natürlich ist das Argument stichhaltig.
Viele andere Zeitgenossen haben nämlich genau das gedacht was ich schon beschrieben hatte, denn sie hatten ja die KZ vor Augen. In denen sind nämlich vor 1939/40 nur wenige umgekommen und sehr viele entlassen worden. Das war was die Bevölkerung sichtbar wurde. Wer wußte denn das mit "Arbeitseinsätzen" und "Neuansiedlung" im Osten fast totale Vernichtung gemeint war ? Ich halte genau das Gegenteil für unwahrscheinlich, weil sich die Dimension überhaupt keiner vorstellen konnte. Wenn Zeitgenossen oder Götz Aly behaupten das z.B. Euthanasie, Rassismus, Progrome u.v.a. Geschehnisse daraufhinweisen, darf man nur darauf verweisen, das das zu damaligen Zeit überhaupt kein Alleinstellungsmerkmal Deutschlands war.
solon

Die Ermordung von Menschen wegen einer Behinderung "Lebensunwertes Leben" von Staats wegen, ist eine Alleinstellung Deutschlands.
So etwas ist in allen zivilisierten Staaten undenkbar.

Und mit der Hinnahme haben die Deutschen tatsächlich ihre Unschuld schon verloren. In welcher Familie gibt es die Fälle nicht? Epilektiker, Schizophrene, Manisch-Depressive, allerlei körperliche schwere Gebrechen
die sind damals über die Klinge gesprungen.

Als Literatur wäre zu empfehlen "Warum die Deutschen, Warum die Juden"
von dem genannten Götz Aly.
OT: Was mir bei Götz Aly gefällt, er lässt dies nicht im "akademischen Bereich" sondern nimmt Bezug auf seine Familiengeschichte. Trifft es doch viel besser, Auschwitz, Treblinka usw. sind weit im Osten, Grafeneck aber auf der Schwäbischen Alb.

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20.02.2013, 12:04
Beitrag: #20
RE: Adolf Hitler. Entnazifiziert. Eingestuft als Mitläufer
(20.02.2013 11:52)Suebe schrieb:  Die Ermordung von Menschen wegen einer Behinderung "Lebensunwertes Leben" von Staats wegen, ist eine Alleinstellung Deutschlands.
So etwas ist in allen zivilisierten Staaten undenkbar.

Und mit der Hinnahme haben die Deutschen tatsächlich ihre Unschuld schon verloren. In welcher Familie gibt es die Fälle nicht? Epilektiker, Schizophrene, Manisch-Depressive, allerlei körperliche schwere Gebrechen
die sind damals über die Klinge gesprungen.

Ich habe irgendow ein schönes Propagandablatt liegen, aus den verfluchten 12 Jahren,
eine Reihe wunderschöner Einfamiienhäuser, Gibeldach, Zaun drum rum, wie es der Deutsche mag.
Und alle diese Häuschen könnte man bauen, für das was ein einziger Behinderter in seinem Leben kostet....

Suggeriert: Volksgenosse, dass du kein solches Häuschen hast, liegt einzig daran, dass wir deinen "Cousin" ein Leben lang verhalten müssen.

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