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Fundleere Schichten, Krisengründe
15.06.2012, 13:26
Beitrag: #1
Fundleere Schichten, Krisengründe
Vor kurzem besuchte ich das neue Museum in der Slawenburg Raddusch. http://www.slawenburg-raddusch.de/
Über den rekonstruierten Bau kann man sicher streiten, darum geht es mir aber nicht. Dort werden die beim Braunkohletagebau geretteten Funde aus allen Epochen ausgestellt, die Slawenburg der Lusizi ist nur der Aufhänger. Auch für meine Frage, denn nach den Erläuterungen in der Ausstellung gab es in der Region mindestens 2 fundlose Sandschichten. Gut vorstellbar, dass man diese beim großflächigen Baggern gut feststellen kann.
Der Sand der Geschichte ist westlich des Spreewalds buchstäblich erst über die Aunjetitzkultur und dann über die germanische Kultur geweht.
Solche Brüche faszinieren mich, bedeuten sie doch, dass man in diesem Gebiet keine kontinuierliche Besiedlung seit der Bronzezeit belegen kann und da frage ich mich nach den Gründen.
-Kennt ihr weitere Beispiele für solche Schichten?
-Welche Gründe könnte es dafür jeweils geben?
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20.06.2012, 16:12
Beitrag: #2
RE: Fundleere Schichten, Krisengründe
(15.06.2012 13:26)Renegat schrieb:  -Kennt ihr weitere Beispiele für solche Schichten?
-Welche Gründe könnte es dafür jeweils geben?

Das keltische Baden-Württemberg kurz vor Ankunft der Römer ist ebenfalls ziemlich fundleer. Bis heute rätselt man, woran das wohl liegen mag. Auf jeden Fall ist es ein Grund dafür, dass die Römer diesen Raum ohne erkennbare Gegenwhr kurz nach der Zeitenwende besetzen konnten und keltische Einflüsse die Romanisierung nicht oder kaum berührt haben.

Über diese rätselhafte Tatsache liest man z.B. folgendes:

Zitat:Zusammengefasst heißt es dort, daß die keltische Kultur um 15 v.Chr. dort längst verschwunden war.

" Manching z.B., östlich des Rheins die bedeutenste Stadt ihrer Zeit, war schon seit Jahrzehnten eine Ruine. Süddeutschland muß unbesiedelt gewesen sein oder jedenfalls so dünn besiedelt, daß davon archäologisch nichts zu sehen ist."

Die Gründe hierfür liegen im Dunkeln. Vieleicht eine Seuche, die die Menschen zum abwandern zwang. Vieleicht auch Konflikte innerhalb dieser keltischen Bevölkerung. Oder aber auch schlechte klimatische Bedingungen und damit verbundene Missernten.

Und noch ein interessantes Zitat:

"Wir Archäologen können anhand der Funde nur feststellen:
In der Blüte ihrer Existenz verschwinden die Kelten östlich des Rheins plötzlich. Es gibt keinen fließenden Übergang zwischen Kelten und Römern. Mit dieser These haben allerdings viele Wissenschaftler Probleme. Eine Lücke in der Geschichte hat etwas Beunruhigendes."

Bleibt die Frage, warum diese Gebiete nicht von den Germanen besiedelt wurden. Diese Gebiete galten doch als eine der fruchtbarsten in Zentraleuropa.
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20.06.2012, 17:48
Beitrag: #3
RE: Fundleere Schichten, Krisengründe
(20.06.2012 16:12)Dietrich schrieb:  
(15.06.2012 13:26)Renegat schrieb:  -Kennt ihr weitere Beispiele für solche Schichten?
-Welche Gründe könnte es dafür jeweils geben?

Das keltische Baden-Württemberg kurz vor Ankunft der Römer ist ebenfalls ziemlich fundleer. Bis heute rätselt man, woran das wohl liegen mag. Auf jeden Fall ist es ein Grund dafür, dass die Römer diesen Raum ohne erkennbare Gegenwhr kurz nach der Zeitenwende besetzen konnten und keltische Einflüsse die Romanisierung nicht oder kaum berührt haben.

Über diese rätselhafte Tatsache liest man z.B. folgendes:

Zitat:Zusammengefasst heißt es dort, daß die keltische Kultur um 15 v.Chr. dort längst verschwunden war.

" Manching z.B., östlich des Rheins die bedeutenste Stadt ihrer Zeit, war schon seit Jahrzehnten eine Ruine. Süddeutschland muß unbesiedelt gewesen sein oder jedenfalls so dünn besiedelt, daß davon archäologisch nichts zu sehen ist."

Die Gründe hierfür liegen im Dunkeln. Vieleicht eine Seuche, die die Menschen zum abwandern zwang. Vieleicht auch Konflikte innerhalb dieser keltischen Bevölkerung. Oder aber auch schlechte klimatische Bedingungen und damit verbundene Missernten.

Und noch ein interessantes Zitat:

"Wir Archäologen können anhand der Funde nur feststellen:
In der Blüte ihrer Existenz verschwinden die Kelten östlich des Rheins plötzlich. Es gibt keinen fließenden Übergang zwischen Kelten und Römern. Mit dieser These haben allerdings viele Wissenschaftler Probleme. Eine Lücke in der Geschichte hat etwas Beunruhigendes."

Bleibt die Frage, warum diese Gebiete nicht von den Germanen besiedelt wurden. Diese Gebiete galten doch als eine der fruchtbarsten in Zentraleuropa.


Wenn ich mich richtig erinnere haben wir uns darüber schon ausgetauscht.

Ich halte diese derzeitige "Fundleere" der ausgehenden Keltenzeit in Südwestdeutschland eher für ein Problem der Zuordnung von Funden.

Als Indiz für meine These: Die Römer sind mit einer imposanten Truppenmacht in dieser Gegend Anno 73 erschienen.
Das systematische, sprungweise Vorgehen der Römer, bis zur Donau (40er Jahre), dann Alblimes (70er Jahre) Neckar (90er Jahre) spricht ebenfalls für keine menschenleere Gegend.
Auch eine Seeschlacht auf dem Bodensee sollen die Vindeliker den vorrückenden Römern geliefert haben.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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20.06.2012, 18:32
Beitrag: #4
RE: Fundleere Schichten, Krisengründe
(20.06.2012 17:48)Suebe schrieb:  Wenn ich mich richtig erinnere haben wir uns darüber schon ausgetauscht.

Haben wir - in einem anderen Leben. Wink

(20.06.2012 17:48)Suebe schrieb:  Ich halte diese derzeitige "Fundleere" der ausgehenden Keltenzeit in Südwestdeutschland eher für ein Problem der Zuordnung von Funden.

Als Indiz für meine These: Die Römer sind mit einer imposanten Truppenmacht in dieser Gegend Anno 73 erschienen.
Das systematische, sprungweise Vorgehen der Römer, bis zur Donau (40er Jahre), dann Alblimes (70er Jahre) Neckar (90er Jahre) spricht ebenfalls für keine menschenleere Gegend.
Auch eine Seeschlacht auf dem Bodensee sollen die Vindeliker den vorrückenden Römern geliefert haben.

Dass Süddeutschland bei Ankunft der Römer nur noch dünn besiedelt war, ist sicher nicht von der Hand zu weisen und wird auch von den Archäologen bestätigt. Was dafür verantwortlich sein könnte, versucht ein Aufsatz im Katalog zur Landesausstellung Baden-Württemberg mit dem Titel "Imperium Romanum. Roms Provinzen an Neckar, Rhein und Donau" zu beantworten.

Dort steht unter anderem:

Zitat:Das Zusammenwirken äußerer Einflüsse, wie z.B. der Abzug der Helveter, Caesars Feldzüge oder das Vordringen germanischer Bevölkerungsgruppen, dürfte in erster Linie dafür verantwortlich sein, dass die spätkeltische Oppidakultur zugrunde ging und die Bevölkerung zerstreut wurde ... Dass diese Bevölkerungsreste im Zuge der römischen Okkupation relativ schnell akkulturiert wurden, kann man bislang ebenfalls nur vermuten.

(Imperium Romanum. Roms Provinzen an Neckar, Rhein und Donau, Esslingen 2005, S. 70)
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21.06.2012, 09:47
Beitrag: #5
RE: Fundleere Schichten, Krisengründe
(20.06.2012 18:32)Dietrich schrieb:  
(20.06.2012 17:48)Suebe schrieb:  Wenn ich mich richtig erinnere haben wir uns darüber schon ausgetauscht.

Haben wir - in einem anderen Leben. Wink

(20.06.2012 17:48)Suebe schrieb:  Ich halte diese derzeitige "Fundleere" der ausgehenden Keltenzeit in Südwestdeutschland eher für ein Problem der Zuordnung von Funden.

Als Indiz für meine These: Die Römer sind mit einer imposanten Truppenmacht in dieser Gegend Anno 73 erschienen.
Das systematische, sprungweise Vorgehen der Römer, bis zur Donau (40er Jahre), dann Alblimes (70er Jahre) Neckar (90er Jahre) spricht ebenfalls für keine menschenleere Gegend.
Auch eine Seeschlacht auf dem Bodensee sollen die Vindeliker den vorrückenden Römern geliefert haben.

Dass Süddeutschland bei Ankunft der Römer nur noch dünn besiedelt war, ist sicher nicht von der Hand zu weisen und wird auch von den Archäologen bestätigt. Was dafür verantwortlich sein könnte, versucht ein Aufsatz im Katalog zur Landesausstellung Baden-Württemberg mit dem Titel "Imperium Romanum. Roms Provinzen an Neckar, Rhein und Donau" zu beantworten.

Dort steht unter anderem:

Zitat:Das Zusammenwirken äußerer Einflüsse, wie z.B. der Abzug der Helveter, Caesars Feldzüge oder das Vordringen germanischer Bevölkerungsgruppen, dürfte in erster Linie dafür verantwortlich sein, dass die spätkeltische Oppidakultur zugrunde ging und die Bevölkerung zerstreut wurde ... Dass diese Bevölkerungsreste im Zuge der römischen Okkupation relativ schnell akkulturiert wurden, kann man bislang ebenfalls nur vermuten.

(Imperium Romanum. Roms Provinzen an Neckar, Rhein und Donau, Esslingen 2005, S. 70)


Kenne ich Dietrich,

wie gesagt, es ist eine These von mir.
Die Eliten mögen abgezogen sein, massakriert worden sein, von außen oder durch einen Volksaufstand.
Vielleicht gab es einen keltischen Lenin, Krieg den Palästen, Friede den Hütten

so dass für Luxusgüter kein Bedarf mehr bestand.

Die aber die Masse der (heute) datierbaren Funde darstellen.
Der Kulturbruch ist offensichtlich.

Was ich nicht glauben kann, dass die große Masse der Bevölkerung abgezogen ist.

Und ich denke wir werden es noch erleben, dass die Archäologie dies bestätigt.

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21.06.2012, 11:22
Beitrag: #6
RE: Fundleere Schichten, Krisengründe
(21.06.2012 09:47)Suebe schrieb:  ...so dass für Luxusgüter kein Bedarf mehr bestand.

Die aber die Masse der (heute) datierbaren Funde darstellen.
Der Kulturbruch ist offensichtlich.

Was ich nicht glauben kann, dass die große Masse der Bevölkerung abgezogen ist.

Und ich denke wir werden es noch erleben, dass die Archäologie dies bestätigt.
Bei den süddeutschen Kelten kenne ich mich nicht so aus. Besonders spektakulär sind die Funde aus keltischen Fürstengräbern, die in der Nähe von Höhenburgen liegen.
In Frankreich z.B. der Mont Lassois, lagen diese an wichtigen Verkehrswegen und Umladeplätzen. Um den Mont Lassois mußten die Waren (u.a. Zinn) vom Flusskahn auf Wagen umgeladen werden. Da ergeben sich Möglichkeiten durch Handel, Schutz und Hilfe reich zu werden. In gewissem Maße könnten diese Bedingungen auch in Süddeutschland vorliegen, dort gibt es ja diese Verlagerung der Zentren nach Osten von Hallstatt nach Latene. Kann die nicht auch durch den zunehmenden römischen Einfluss auf den Handel im westl. Teil bedingt sein?
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21.06.2012, 14:46
Beitrag: #7
RE: Fundleere Schichten, Krisengründe
(21.06.2012 11:22)Renegat schrieb:  
(21.06.2012 09:47)Suebe schrieb:  ...so dass für Luxusgüter kein Bedarf mehr bestand.

Die aber die Masse der (heute) datierbaren Funde darstellen.
Der Kulturbruch ist offensichtlich.

Was ich nicht glauben kann, dass die große Masse der Bevölkerung abgezogen ist.

Und ich denke wir werden es noch erleben, dass die Archäologie dies bestätigt.
Bei den süddeutschen Kelten kenne ich mich nicht so aus. Besonders spektakulär sind die Funde aus keltischen Fürstengräbern, die in der Nähe von Höhenburgen liegen.
In Frankreich z.B. der Mont Lassois, lagen diese an wichtigen Verkehrswegen und Umladeplätzen. Um den Mont Lassois mußten die Waren (u.a. Zinn) vom Flusskahn auf Wagen umgeladen werden. Da ergeben sich Möglichkeiten durch Handel, Schutz und Hilfe reich zu werden. In gewissem Maße könnten diese Bedingungen auch in Süddeutschland vorliegen, dort gibt es ja diese Verlagerung der Zentren nach Osten von Hallstatt nach Latene. Kann die nicht auch durch den zunehmenden römischen Einfluss auf den Handel im westl. Teil bedingt sein?


Das trifft für die Kelten Süddeutschlands alles zu.
Die spektakulärsten Funde der letzten Jahre stammen von der Heuneburg.
Aber auch da gibt es einen Kulturbruch.

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21.06.2012, 16:41
Beitrag: #8
RE: Fundleere Schichten, Krisengründe
Ich denke, ein Grund für fundleere Schichten und daher mindestens einige Jahrzehnte, in der die betreffende Gegend kaum oder nur ganz dünn besiedelt war, dürfte darin liegen, dass die vorher ansässige Bevölkerung abgezogen ist und sich dann aber längere Zeit keiner fand, der fähig gewesen wäre, nachzuziehen.
Nach der römischen Räumung des Dekumatlandes war es für die Alemannen noch einige Zeit lukrativer, Raubzüge in römisches Gebiet zu unternehmen und dabei aber in ihren älteren Sitzen nördlich des Limes zu bleiben. Erst als ihre Zahl zunahm und die Raubzüge (mangels Raubgut) nicht mehr lohnten, siedelten sie sich auf ehemals römischem Land an (übernahmen aber, so weit ich weiß, zwar einen Teil der römischen Verwaltungsstruktur - da muss es also noch jemand gegeben haben, der darüber Bescheid wusste!), aber nicht die Siedlungsstruktur der Römer. Sie errichteten ihre traditionellen Dörfer sogar abseits der Römersiedlungen, so weit ich mich erinnere (Lektüre liegt schon zurück...Angel)
Östlich der Elbe war´s ähnlich: Die Germanen wanderten südwärts oder westwärts, die Balten besiedelten Randgebiete des frei gewordenen Raumes, aber die Slawen, die schließlich das "Erbe" der Germanen antreten sollten (bezüglich des Siedlungsraumes), sassen noch weit südlich und zeigten keine Bestrebungen, das leere Land zu besiedeln.

In Bayern gab´s siedlungsleere Zeiten eigentlich nur da, wo keine Gunstlage vorlag. Diese Lagen kannten natürlich auch die Romanen, weswegen es zur Vergesellschaftung germanischer und romanischer Siedlung kam bzw. zur Siedlungskonzentration. Die Gebiete zwischen den Gunsträumen blieben Jahrzehnte land leer. Da wollte keiner hin. Erst als es zu viele Leute wurden, wurden auch diese Räume (wieder-)besiedelt.

VG
Christian
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21.06.2012, 17:14
Beitrag: #9
RE: Fundleere Schichten, Krisengründe
(21.06.2012 16:41)913Chris schrieb:  Ich denke, ein Grund für fundleere Schichten und daher mindestens einige Jahrzehnte, in der die betreffende Gegend kaum oder nur ganz dünn besiedelt war, dürfte darin liegen, dass die vorher ansässige Bevölkerung abgezogen ist und sich dann aber längere Zeit keiner fand, der fähig gewesen wäre, nachzuziehen

Die entscheidende Frage ist die nach den Ursachen. Und da gibt es jedesmal ganz unterschiedliche Gründe, warum ein vormals gut bewohnter Raum später siedlungsarm ist.

Bei Baden-Württemberg ist sich die Geschichtsforschung nicht einig, welche Ereignisse die Fundleere hervorgerufen haben. Dass eine solche bestanden hat, berichten selbst römische Quellen. Es handelt sich dabei um den Zeitraum zwischen spätkeltischer Zeit und dem Eintreffen der Römer kurz nach der Zeitenwende.

Als Gründe werden genannt der Abzug der Helveter aus dem Voralpenraum und Süddeutschland, die Kriegszüge Caesars und Einfälle der Germanen.
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21.06.2012, 17:22
Beitrag: #10
RE: Fundleere Schichten, Krisengründe
(21.06.2012 16:41)913Chris schrieb:  Ich denke, ein Grund für fundleere Schichten und daher mindestens einige Jahrzehnte, in der die betreffende Gegend kaum oder nur ganz dünn besiedelt war, dürfte darin liegen, dass die vorher ansässige Bevölkerung abgezogen ist und sich dann aber längere Zeit keiner fand, der fähig gewesen wäre, nachzuziehen.
Nach der römischen Räumung des Dekumatlandes war es für die Alemannen noch einige Zeit lukrativer, Raubzüge in römisches Gebiet zu unternehmen und dabei aber in ihren älteren Sitzen nördlich des Limes zu bleiben. Erst als ihre Zahl zunahm und die Raubzüge (mangels Raubgut) nicht mehr lohnten, siedelten sie sich auf ehemals römischem Land an (übernahmen aber, so weit ich weiß, zwar einen Teil der römischen Verwaltungsstruktur - da muss es also noch jemand gegeben haben, der darüber Bescheid wusste!), aber nicht die Siedlungsstruktur der Römer. Sie errichteten ihre traditionellen Dörfer sogar abseits der Römersiedlungen, so weit ich mich erinnere (Lektüre liegt schon zurück...Angel)


Dazu gibt es aber meines Wissens inzwischen tatsächlich neuere Erkenntnisse, die dieses Szenario nicht bestätigen, im Gegenteil von einem weiterexistieren der Landbevölkerung ausgehen, über die sich eine allemannische Oberschicht schob, die die provinzialrömische zT ersetzte.
Ähnlich Burgund.

Lese heute Nacht nach.
Morgen mehr.

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21.06.2012, 17:48
Beitrag: #11
RE: Fundleere Schichten, Krisengründe
(21.06.2012 17:22)Suebe schrieb:  Lese heute Nacht nach.
Morgen mehr.

Bin schon gespannt!
VG
Christian
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21.06.2012, 17:56
Beitrag: #12
RE: Fundleere Schichten, Krisengründe
(21.06.2012 17:14)Dietrich schrieb:  
(21.06.2012 16:41)913Chris schrieb:  Ich denke, ein Grund für fundleere Schichten und daher mindestens einige Jahrzehnte, in der die betreffende Gegend kaum oder nur ganz dünn besiedelt war, dürfte darin liegen, dass die vorher ansässige Bevölkerung abgezogen ist und sich dann aber längere Zeit keiner fand, der fähig gewesen wäre, nachzuziehen

Die entscheidende Frage ist die nach den Ursachen. Und da gibt es jedesmal ganz unterschiedliche Gründe, warum ein vormals gut bewohnter Raum später siedlungsarm ist.

Bei Baden-Württemberg ist sich die Geschichtsforschung nicht einig, welche Ereignisse die Fundleere hervorgerufen haben. Dass eine solche bestanden hat, berichten selbst römische Quellen. Es handelt sich dabei um den Zeitraum zwischen spätkeltischer Zeit und dem Eintreffen der Römer kurz nach der Zeitenwende.

Als Gründe werden genannt der Abzug der Helveter aus dem Voralpenraum und Süddeutschland, die Kriegszüge Caesars und Einfälle der Germanen.


Das ist mir soweit bekannt.
Als Regionalist befasse ich mich seit Jahrzehnten damit.
Du hast noch die Kimbern und Teutonen vergessen, die auch angeführt werden. (laut manchen Historikern sollen die übrigens quer durch die Alpen marschiert sein, grob Wien - RhoneBig Grin)

Ich kenne wie gesagt die derzeitige offizielle Meinung.
Da mir dies aus verschiedenen Gründen (ein paar habe ich angeführt) nicht einleuchten will, habe ich mir eine eigene These zurecht gelegt.
Die ich, natürlich, nicht belegen kann.
Ich will sie lediglich als Diskussionsbeitrag verstanden wissen.

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22.06.2012, 10:43
Beitrag: #13
RE: Fundleere Schichten, Krisengründe
(21.06.2012 17:48)913Chris schrieb:  
(21.06.2012 17:22)Suebe schrieb:  Lese heute Nacht nach.
Morgen mehr.

Bin schon gespannt!
VG
Christian


Für die Juthungen (Regensburg-Altmühl) hast du recht.

Für BW Dekumatland,
Dr. Frank Unruh, Kritische Bemerkungen über die historischen Quellen zum Limesfall in Südwestdeutschland. Aus Fundberichte aus BW 1993 Seite 241ff.
Quintessenz: Die römische Herrschaft über das Gebiet bis zum Limes ist erst 455 endgültig gefallen. Wobei die provinzialrömische Oberschicht ab etwa 260 tatsächlich verschwindet und vermutlich durch eine Allemannische ersetzt wird. Mögliche Gründe das nachgewiesene schwere Erdbeben um 260/65. (Kaiser-Augst und Bochingen)

Dr. Unruh schreibt auch, dass mit aller Gewalt versucht würde die vielfachen Spätantiken Funde rückzudatieren, da sie in des liebgewordene Bild vom "Limesfall 260" nicht passen würden.

Suebes Folgerung:
Im G-G-Forum habe ich dazu schon mal etwas geschrieben, ich bin Zeitzeuge des Erdbebens von 1978, meinem Ende habe ich mich nie vorher und nachher so nahe gefühlt. Es ist schon denkbar, dass da so mancher stiften gegangen ist.
Ganz sicher ist für mich der Zusammenhang mit dem gleichzeitigen Übergang vom Stein- zum Holzbau. 1978 haben die modernen Stahlbetonbauten und die alten Fachwerkbauten das Erdbeben bei weitem am besten überstanden. Alles dazwischen ist eingefallen wie Kartenhäuser.
Aber der Holzbau ist halt archäologisch nur sehr schwer nachzuweisen.

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22.06.2012, 11:02
Beitrag: #14
RE: Fundleere Schichten, Krisengründe
Habe ich da was mißverstanden? Chris sprach von spätkeltischer Zeit bis zu Cäsars Eroberungszügen, also vor der Zeitenwende. Suebe beleuchtet die Zeit zum Ende des römischen Reichs.
Haben wir damit 2 fundleere Schichten mit unterschiedlichen Gründen?
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22.06.2012, 12:59
Beitrag: #15
RE: Fundleere Schichten, Krisengründe
(22.06.2012 11:02)Renegat schrieb:  Habe ich da was mißverstanden? Chris sprach von spätkeltischer Zeit bis zu Cäsars Eroberungszügen, also vor der Zeitenwende. Suebe beleuchtet die Zeit zum Ende des römischen Reichs.
Haben wir damit 2 fundleere Schichten mit unterschiedlichen Gründen?

Genau.
Aber schon Chris hat die Spätantike ins Spiel gebracht.

Zwischen der ausgehenden Keltenzeit -50 bis +15 gibt es eine "fundlose" Zeit
Dann in der Spätantike.
Dass im Verlauf von ein paar Hundert Jahren immer die ganze Bevölkerung Sack und Pack nimmt und abhaut, will mir nicht in den Kopf.
Und insbesondere, wo sind die hingekommen? Eine Frage dich auch offen bleibt.

Später kommt noch eine dritte Fundleere Zeit, die, von der Herr Illing behauptet es hätte sie gar nicht gegeben.

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22.06.2012, 13:29
Beitrag: #16
RE: Fundleere Schichten, Krisengründe
Sie sind nicht immer mit Sack und Pack alle weggezogen, aber wenn die Jüngeren wegzogen und die Alten starben, kommt es auf dasselbe hinaus.
Damit will ich nicht sagen, dass das immer so ablief, es kommt darauf an, welche Gründe vorlagen. Chris hatte bereits die schlechteren Anbauflächen ins Spiel gebracht. In Zeiten der frühen Landwirtschaft erschöpften sich solche Böden viel schneller als die Schwemmlandflächen an den Flüssen, so dass die Bevölkerung abwandern mußte. Bei meinem Eingangsbeispiel im heutigen Brandenburg, ein Geestrücken, könnte das der Grund gewesen sein.

Aber auch Katastrophen, wie dein Erdbeben, Überschwemmungen etc. könnten große Teile einer Region zum Abwandern bewegt haben.
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22.06.2012, 15:42
Beitrag: #17
RE: Fundleere Schichten, Krisengründe
Es konnte durch Abwanderungen z. B. durch Krisen oder durch Kriege bzw. andere (Natur)katastrophen schon zu wahren Entvölkerungen kommen. Dass da das Leben einschläft bzw. sich auf das Notwendigste beschränkt ist klar.

Ich habe gestern etwas zur Bevölkerungsentwicklung in Italien gelesen. Mal sehen ob ich dazu noch was schreiben kann.

Wäre ich Antiquar, ich würde mich nur für altes Zeug interessieren. Ich aber bin Historiker, und daher liebe ich das Leben. (Marc Bloch)
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22.06.2012, 16:27
Beitrag: #18
RE: Fundleere Schichten, Krisengründe
(22.06.2012 15:42)Maxdorfer schrieb:  Es konnte durch Abwanderungen z. B. durch Krisen oder durch Kriege bzw. andere (Natur)katastrophen schon zu wahren Entvölkerungen kommen. Dass da das Leben einschläft bzw. sich auf das Notwendigste beschränkt ist klar.

Ich habe gestern etwas zur Bevölkerungsentwicklung in Italien gelesen. Mal sehen ob ich dazu noch was schreiben kann.


Von den Allemannen findet man lediglich Friedhöfe.
Dörfer, Häuser usw. so gut wie nicht.

These:
Die Allemannen haben das heutige Baden-Württemberg lediglich als Campo Santo, Nekropole benutzt.
Die wenigen Gebäude die man fand, haben sicher nicht mal für die Friedhofswärter gereicht.

Gelebt haben die ganz woanders.
Wo? Weiß ich auch nicht.
Aber Atlantis hat man ja auch noch nicht gefunden.
Neuschwabenland wäre auch noch eine Möglichkeit.

Nee Leute.
Fundleere Zeiten sind ein temporäres Problem der Archäologie.
Alles andere sind Interpretationen der Unwissenheit.

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22.06.2012, 21:33
Beitrag: #19
RE: Fundleere Schichten, Krisengründe
(22.06.2012 16:27)Suebe schrieb:  Nee Leute.
Fundleere Zeiten sind ein temporäres Problem der Archäologie.
Alles andere sind Interpretationen der Unwissenheit.

Nee, nee Suebe, so abwegig sind plötzliche Bevölkerungsrückgänge nun auch nicht. Denk mal an die Wüstungen nach Pest und 30. jähr. Krieg. Wir sprechen von Fundleere bezogen auf eine bestimmte Gegend.
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23.06.2012, 11:51
Beitrag: #20
RE: Fundleere Schichten, Krisengründe
(22.06.2012 21:33)Renegat schrieb:  
(22.06.2012 16:27)Suebe schrieb:  Nee Leute.
Fundleere Zeiten sind ein temporäres Problem der Archäologie.
Alles andere sind Interpretationen der Unwissenheit.

Nee, nee Suebe, so abwegig sind plötzliche Bevölkerungsrückgänge nun auch nicht. Denk mal an die Wüstungen nach Pest und 30. jähr. Krieg. Wir sprechen von Fundleere bezogen auf eine bestimmte Gegend.

Ja,
aber wir sprechen von 3/4 des heutigen Baden-Württemberg. Seuchen Kriege hätten auch woanders stattgefunden.
Wiederfinden kann man diese Bevölkerung auch nirgends sonst.
Während die wenigen Funde dieser "fundleeren" Zeit dann ausgerechnet an völlig abgeschiedenen Orten gemacht werden Höhlen usw.

Meine These: Eine Revolution hat die Eliten weggefegt, so dass über Jahrzehnte kein Bedarf an irgendwelchen Luxusgütern bestand.

OT: Die Heuneburg ist ein paar Jahrhunderte früher ziemlich sicher bei einer solchen zerstört worden und ausgebrannt.

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