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Bekannte und weniger bekannte Fakten zum Bauernkrieg
12.10.2020, 15:05
Beitrag: #1
Bekannte und weniger bekannte Fakten zum Bauernkrieg
Es ist zu lesen:
dass im Allgäu und in Oberschwaben die bis dahin bestehenden Dörfer zur "Strafe und Vorbeugung" nach dem Bauernkrieg "aufgelassen" wurden und die Bauern gezwungen wurden sich in Einzelhöfen anzusiedeln.

Nun begann diese "Vereinödung" in den genannten Gebieten, beginnend im Fürststift Kempten tatsächlich nicht lange nach dem Bauernkrieg, setzte sich dann allerdings bis ins 19. Jahrhundert im Allgäu, Oberschwaben und dem nördlichen Bodenseegebiet fort.
Es ist eine Tatsache, die Dörfer im Allgäu und weiten Gebieten Oberschwabens verschwanden im 16./17. und 18. Jahrhundert weitgehend, seither und bis heute bestimmt dort der Einödhof das Landschaftsbild.

Nun war es allerdings gerade umgekehrt, es war der Wunsch der Bauern, zur Umsetzung benötigten sie natürlich die Zustimmung der Herrschaft.
Den Bauern ging es hierbei rein um die Rationalisierung, die Höfe im genannten Gebiet bestanden zdZ oft aus 30-50 Flurstücken, Da war schon unter den Bedingungen des 16. Jahrhunderts ein rationelles Wirtschaften nicht mehr möglich.
Wobei, es geschah nicht auf Initiative der Herrschaft hin, die Initiative ging rein von den Bauern aus!

Die "Vereinödungen" des 19. Jahrhunderts sind allerdings dem Betrachter kaum mehr gegenständlich, denn 1818 hatte Württemberg ein Verbot zur Auflassung der Dörfer erlassen, dem folgten Hohenzollern und Baden umgehend.
So dass in der Spätphase keine "Vereinödung" in dem Sinne mehr stattfand, sondern eine "Flurbereinigung!" Die jetzt zusammengefassten Flurstücke wurden von den bisherigen Gebäuden her bewirtschaftet.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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14.10.2020, 16:31
Beitrag: #2
RE: Bekannte und weniger bekannte Fakten zum Bauernkrieg
Der Bauernkrieg begann im Februar-März 1525 sozusagen mit Ansage.
Die ersten Unruhen waren schon im Mai 1524 bei Stühlingen am Rand des Schwarzwaldes unmittelbar an der heutigen Schweizer Grenze.
Auch im Hegau, am Bodensee und in Oberschwaben setzten sich diese das ganze Jahr 1524 fort.
Den Winter 1524/25 blieb es ruhig. Aber "unter der Decke" gärte es ganz erheblich. Sendboten waren unterwegs, und Vereinbarungen wurden geschlossen.
In Rosenfeld fanden im Januar 1525 gleichzeitig 2 Zusammenkünfte statt, Der habsburgisch/württ. Oberamtmann hatte seine Kollegen aus den Nachbar-Oberämtern versammelt um Maßnahmen für den Frühling 1525 zu besprechen.
Ein paar Häuser weiter (buchstäblich in Rufentfernung) tagten konspirativ Bauernführer um ebenfalls ihre Maßnahmen miteinander abzustimmen.

Der Schwäbische Bund wusste jedenfalls Bescheid, dass die Bauern im Frühling 1525 entschlossen waren ihre Forderungen durchzusetzen.
Und sammelte in Ulm unter dem Feldhauptmann Truchseß von Waldburg ein Heer um die Unruhen umgehend niederzuschlagen.
Das Geld dafür kam von den Fuggern in Augsburg.
Von ca. 8.000 Mann zu Fuss und 2.000 Reitern ist die Rede.

Mit diesem Heer und der Bereitschaft es rigoros einzusetzen, war die Sache "eigentlich" schon im März 1525 klar.
Die Bauern waren nämlich nicht Willens ihre bewaffnete Macht "rigoros" einzusetzen, die setzen auf Verhandlungen.
Un der "Bauernjörg" verhandelte auch, aber lediglich hinhaltend. Als er sich stark genug fühlte machte er Ernst, vollends als nach dem Sieg bei Pavia das Landsknechtsheer Kaiser Karls "frei" wurde.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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19.10.2020, 19:00
Beitrag: #3
RE: Bekannte und weniger bekannte Fakten zum Bauernkrieg
Was mir regional auffällt,
da wurden anscheinend durchaus "persönliche" Rechnungen aufgestellt und versucht die glattzustellen.

Ein Bauernhaufe aus meiner Gegend hat sich im April 1525 das Kloster Kirchberg "vorgenommen"
man hat sich angemeldet, wie es sich gehörtThumbs_up, die Forderungen auf Nachtquartier und Verköstigung mit wilden Drohungen unterlegt. Was sich allerdings weniger gehört.Thumbs_down
Man kam dann 400 Mann hoch, die angebotenen Schüsseln mit der Fastenspeise Erbsen wurden umgeschmissen und Fleisch und Wein verlangt. Sonst würde man selbst schlachten...
Der Haufe zog weiter zur Belagerung Balingens, von dort schickte man Boten, das Kloster soll einen Wagen mit Brot schicken. Was dann auch geschah.
Nach der Vergeblichen Belagerung zog man Richtung Böblingen und nahm wieder im Kloster Kirchberg Quartier. Wo man sich anscheinend schlimm benahm.
"es war ein wild Ding zu Kirchberg" sagte ein Zeuge später vor dem Hofgericht Rottweil aus. Zum Transport der Geschütze wurden fast alle Zugtiere des Klosterns "requiriert.

Was daran interessant ist, die Bauern stammten überwiegend aus Dörfern in denen das Kloster Rechte besass, von wo sie Abgaben bezogen.
Nach dem Ende des Bauernaufstandes klagte das Kloster gegen 8 Dörfer auf Schadensersatz. Wie geschrieben, man kannte sich, und die Bennenung von Schuldigen war kein Problem.
Die Verhandlungen vor dem Hofgericht Rottweil zogen sich über 4 Jahre hin. (Die Prozess-Akten liegen im HStA in Stgt.)
Am Ende wurden die Dörfer zu jeweils 200 Gulden Schadensersatz an das Kloster Kirchberg verurteilt.

Inzwischen war das Kloster aber durch Brandstiftung erheblich beschädigt worden. Regional-Forscher des 19. Jahrhunderts waren sich sicher dass die Brandstiftung als Racheakt zu sehen ist.


Auf was hier noch hinzuweisen ist, die Verrechtlichung! den Bauern wurde ein fairer Prozess vor dem Hofgericht Rottweil geboten.
Was so vor dem Bauernkrieg nicht der Fall gewesen wäre.
Den Bauernkrieg als vollkommen erfolglos darzustellen, wie es meist geschiet,
"die Lage der Bauern wäre hinterher noch hoffnungsloser gewesen", ist zu lesen,
trifft es auf jeden Fall nicht.

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19.10.2020, 19:00
Beitrag: #4
RE: Bekannte und weniger bekannte Fakten zum Bauernkrieg
Was mir regional auffällt,
da wurden anscheinend durchaus "persönliche" Rechnungen aufgestellt und versucht die glattzustellen.

Ein Bauernhaufe aus meiner Gegend hat sich im April 1525 das Kloster Kirchberg "vorgenommen"
man hat sich angemeldet, wie es sich gehörtThumbs_up, die Forderungen auf Nachtquartier und Verköstigung mit wilden Drohungen unterlegt. Was sich allerdings weniger gehört.Thumbs_down
Man kam dann 400 Mann hoch, die angebotenen Schüsseln mit der Fastenspeise Erbsen wurden umgeschmissen und Fleisch und Wein verlangt. Sonst würde man selbst schlachten...
Der Haufe zog weiter zur Belagerung Balingens, von dort schickte man Boten, das Kloster soll einen Wagen mit Brot schicken. Was dann auch geschah.
Nach der Vergeblichen Belagerung zog man Richtung Böblingen und nahm wieder im Kloster Kirchberg Quartier. Wo man sich anscheinend schlimm benahm.
"es war ein wild Ding zu Kirchberg" sagte ein Zeuge später vor dem Hofgericht Rottweil aus. Zum Transport der Geschütze wurden fast alle Zugtiere des Klosterns "requiriert.

Was daran interessant ist, die Bauern stammten überwiegend aus Dörfern in denen das Kloster Rechte besass, von wo sie Abgaben bezogen.
Nach dem Ende des Bauernaufstandes klagte das Kloster gegen 8 Dörfer auf Schadensersatz. Wie geschrieben, man kannte sich, und die Bennenung von Schuldigen war kein Problem.
Die Verhandlungen vor dem Hofgericht Rottweil zogen sich über 4 Jahre hin. (Die Prozess-Akten liegen im HStA in Stgt.)
Am Ende wurden die Dörfer zu jeweils 200 Gulden Schadensersatz an das Kloster Kirchberg verurteilt.

Inzwischen war das Kloster aber durch Brandstiftung erheblich beschädigt worden. Regional-Forscher des 19. Jahrhunderts waren sich sicher dass die Brandstiftung als Racheakt zu sehen ist.


Auf was hier noch hinzuweisen ist, die Verrechtlichung! den Bauern wurde ein fairer Prozess vor dem Hofgericht Rottweil geboten.
Was so vor dem Bauernkrieg nicht der Fall gewesen wäre.
Den Bauernkrieg als vollkommen erfolglos darzustellen, wie es meist geschiet,
"die Lage der Bauern wäre hinterher noch hoffnungsloser gewesen", ist zu lesen,
trifft es auf jeden Fall nicht.

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19.10.2020, 23:55
Beitrag: #5
RE: Bekannte und weniger bekannte Fakten zum Bauernkrieg
Ist eindeutig gesichert, dass es ein fairer Prozess war oder könnte es vielleicht doch nur ein Schauprozess gewesen sein?

---------------------------
Nur die Geschichtenschreiber erzählen uns, was die Leute dachten.
Wissenschaftliche Forscher halten sich streng an das, was sie taten.

Josephine Tey, Alibi für einen König
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20.10.2020, 12:57
Beitrag: #6
RE: Bekannte und weniger bekannte Fakten zum Bauernkrieg
(19.10.2020 23:55)Teresa C. schrieb:  Ist eindeutig gesichert, dass es ein fairer Prozess war oder könnte es vielleicht doch nur ein Schauprozess gewesen sein?

Zeugenbefragungen ab 1527, das Urteil wurde 1529 gesprochen.,
Spricht schon dafür, dass es sich das Gericht nicht einfach machte

Standrecht, auf dem Schlachtfeld oder auf der Flucht, war etwas anderes.

Das härteste Urteil, nicht im Prozess, sondern auf Weisung der Österr. Regierung in Stuttgart
erging gegen den Pfarrer von Oberdigisheim, verbrennen oder ertränken.
Der machte den Feldprediger beim Bauernheer bei Böblingen. Besonders übel nahm man ihm, dass er nach der verlorenen Schlacht die Bauern zu weiterem Widerstand aufforderte.
Die Behörde vor Ort, Obervogt Balingen, hatte lebenslangen Landesverweis vorgeschlagen,
was der Regierung zu milde war.
Allerdings ist nicht bekannt, ob das Urteil tatsächlich vollstreckt wurde.

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22.10.2020, 12:20
Beitrag: #7
RE: Bekannte und weniger bekannte Fakten zum Bauernkrieg
Im zdZ österreichischen Württemberg war die Handhabung wie folgt:

zurückkehrende überlebende Aufständische wurden zuerstmal für relativ kurze Zeit eingesperrt.
Nach entsprechenden Ermittlungen schlugen die Rationalbehörden der Landschaft entsprechende Strafen vor, meist zwischen 10 und 40 Gulden, wobei im Einzelfall auch deutlich Höhere Beträge angesetzt wurden.
Nach Bestätigung durch die Landschaft und Bezahlung der Strafe war die Sache erledigt.
Sog. Leibesstrafen gab es so gut wie nie. Man brauchte die Arbeitskraft des Bauern, und außerdem musste das Heer des Bauernjörg bezahlt werden, auch Fugger wollte das ausgereichte Darlehn zurück.

Es werden allerdings die Namen von etlichen Aufständischen Überliefert, die sich jahrelang nicht mehr in ihre Dörfer trauten. (genannt in dem Schadensersatzprozess des Klosters Kirchberg) die hierbei bekannten Fälle allerdings nicht in württ. Dörfer.

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22.10.2020, 12:28
Beitrag: #8
RE: Bekannte und weniger bekannte Fakten zum Bauernkrieg
Im zdZ österreichischen Württemberg war die Handhabung wie folgt:

zurückkehrende überlebende Aufständische wurden zuerstmal für relativ kurze Zeit eingesperrt.
Nach entsprechenden Ermittlungen schlugen die Rationalbehörden der Landschaft entsprechende Strafen vor, meist zwischen 10 und 40 Gulden, wobei im Einzelfall auch deutlich Höhere Beträge angesetzt wurden.
Nach Bestätigung durch die Landschaft und Bezahlung der Strafe war die Sache erledigt.
Sog. Leibesstrafen gab es so gut wie nie. Man brauchte die Arbeitskraft des Bauern, und außerdem musste das Heer des Bauernjörg bezahlt werden, auch Fugger wollte das ausgereichte Darlehn zurück.

Es werden allerdings die Namen von etlichen Aufständischen Überliefert, die sich jahrelang nicht mehr in ihre Dörfer trauten. (genannt in dem Schadensersatzprozess des Klosters Kirchberg) die hierbei bekannten Fälle allerdings nicht in württ. Dörfer.

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