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"Armer konrad" Prolog zum Bauernkrieg
01.06.2016, 20:18
Beitrag: #1
"Armer konrad" Prolog zum Bauernkrieg
Der Aufstand des "Armen Konrad" in württemberg im Jahre 1514 war ein Vorspiel zum Großen Deutschen Bauernkrieg ein Jahrzehnt später.

Der Name den die Verschworenen der Bewegung gaben, Armer Konrad, wird heute in der Forschung so gesehen wie etwa heute der "Otto Normalverbraucher" benutzt wird.

Zimmermann
https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Zi...heologe%29
bringt in seinem "Der geroße deutsche Bauernkrieg" eine andere interessante Erklärung.
Zimmermann war Schwabe und wies daraufhin, dass "Koa Roat" was man mit "kein Rat" wörtlich übersetzen kann, die Bedeutung von "keinen Ausweg mehr wissen, nicht mehr wissen wie es weitergehen soll" hat.

Armer konrad als "Armer Ratloser" als Wortspiel zu sehen ist.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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02.06.2016, 08:37
Beitrag: #2
RE: "Armer konrad" Prolog zum Bauernkrieg
(01.06.2016 20:18)Suebe schrieb:  Der Aufstand des "Armen Konrad" in württemberg im Jahre 1514 war ein Vorspiel zum Großen Deutschen Bauernkrieg ein Jahrzehnt später.

Der Auslöser des Aufstandes war eigentlich die Einführung einer Verbrauchssteuer (heute wäre das so etwas wie die Warenumsatzsteuer), die Ulrich III von Württemberg mit dem Segen des städtischen Patriziats (dieses war froh, dass anstelle der geplanten Vermögenssteuer eben eine Verbrauchssteuer kreiert wurde) einführte. Mit der Steuereinführung waren noch weitere Massnahmen verbunden, so etwa eine Herabsetzung der Masseinheit der für den Handel massgeblichen Gewichtssteine, was letztendlich bedeutete, dass man für sein Geld weniger Ware (z.B. Getreide) bekam.
Gemäss Überlieferung soll ein Gottesurteil den Ausschlag für den Aufstand gegeben haben, wobei ein Peter Gaiss von Beutelsbach die Gewichtssteine einer Wasserprobe unterzog (neben Feuerprobe und Zweikampf eine im Mittelalter durchaus übliche Methode der Gottesurteil-Anwendung).

Das Intressante ist, zum Mindesten aus meiner Sicht, dass eine andere Interpretation davon ausgeht, dass nicht Peter Gaiss der Initiator des Aufstandes gewesen war, sondern der legendäre Bauernführer und Landsknecht Joss Fritz, der Gründer des Bundschuhs. Insofern wäre der Auftstand des "Armen Konrad" als Teil der Bundschuh-Bewegung anzusehen, welche zum Mindesten in Süddeutschland für den Ausbruch Bauernkriegs massgeblich verwantwortlich war.
[/quote]

(01.06.2016 20:18)Suebe schrieb:  Der Name den die Verschworenen der Bewegung gaben, Armer Konrad, wird heute in der Forschung so gesehen wie etwa heute der "Otto Normalverbraucher" benutzt wird.

Das "Übersetzung" mit "Otto Normalverbraucher" ist ein augezeichneter Vergleich. Der "arme Konrad", gebietesweise auch "armer Kunz", war ein Synonym des "gemeinen Mannes" und damit vornehmlich eine Bezeichnung für Bauern und die städtische Unter- und Mittelschicht (Handwerker). Eine Entsprechung findet sich im Französischen, wo für die Bauern der "Jacques Bonhomme" - sinng. der "gute Jakob" - als Synonym verwendet wurde. Deshalb wurde der französische Bauernaufstand von 1358 im Hundertjährigen Krieg auch als "Jacquerie" bezeichnet.
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02.06.2016, 17:26
Beitrag: #3
RE: "Armer konrad" Prolog zum Bauernkrieg
Wenn man die diversen württ. Landesgeschichten in Bezug auf den "Armen konrad" durchforscht, kriegt man mancherlei Interpretationen zu lesen.
Wobei mich so richtig keine Überzeugen will.

Insofern denke ich, dass wir miteinander etwas weiterkommen.

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02.06.2016, 20:10
Beitrag: #4
RE: "Armer konrad" Prolog zum Bauernkrieg
Das Umgeld, (in dem Fall auf etliche Nahrungemittel und besonders verwerflich, auf WeinDevil) nix anderes als eine Umsatzsteuer, bringt halt einfach mehr Geld als eine Vermögenssteuer.
Und ist, nach heutiger Meinung, eigentlich die gerechteste Steuer überhaupt.
Aber darüber wird noch der eine oder andere Satz zu schreiben sein.

Zimmermann schreibt interessanterweise, dass die etwa gleichzeitige Einführung des "Römischen Rechts" mit natürlich ebenfalls kräftig erhöhten Bußen, als Ursache und Anlass dazukam.

Wobei Zimmermann meint man müsste scharf trennen zwischen "Armer Konrad" der wohl mehr oder weniger eine Geheimgesellschaft war, und dem Aufstand selbst.

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02.06.2016, 20:54
Beitrag: #5
RE: "Armer konrad" Prolog zum Bauernkrieg
(02.06.2016 08:37)Aguyar schrieb:  Eine Entsprechung findet sich im Französischen, wo für die Bauern der "Jacques Bonhomme" - sinng. der "gute Jakob" - als Synonym verwendet wurde. Deshalb wurde der französische Bauernaufstand von 1358 im Hundertjährigen Krieg auch als "Jacquerie" bezeichnet.
Im englischen Sprachraum the real Mccoy. Weißt Du auch, woher diese Bezeichnung stammt? Würde mich nämlich interessieren.

"Es gibt nur eine Sache die größer ist als die Liebe zur Freiheit: Der Hass auf die Person, die sie dir weg nimmt."(Che Guevara)
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03.06.2016, 08:04
Beitrag: #6
RE: "Armer konrad" Prolog zum Bauernkrieg
(02.06.2016 20:10)Suebe schrieb:  Das Umgeld, (in dem Fall auf etliche Nahrungemittel und besonders verwerflich, auf WeinDevil) nix anderes als eine Umsatzsteuer, bringt halt einfach mehr Geld als eine Vermögenssteuer.
Und ist, nach heutiger Meinung, eigentlich die gerechteste Steuer überhaupt.
Aber darüber wird noch der eine oder andere Satz zu schreiben sein.

Zimmermann schreibt interessanterweise, dass die etwa gleichzeitige Einführung des "Römischen Rechts" mit natürlich ebenfalls kräftig erhöhten Bußen, als Ursache und Anlass dazukam.

Wobei Zimmermann meint man müsste scharf trennen zwischen "Armer Konrad" der wohl mehr oder weniger eine Geheimgesellschaft war, und dem Aufstand selbst.

Mit gefällt die These mit der Verbindung zu Joss Fritz am Besten. Dass der "Arme Konrad" ein Geheimbund war, spricht meiner Meinung dafür - es ist gewissermassen seine "Handschrift".

@Triton: Der Ausdruck "The real Mc Coy" habe ich schon gehört, weiss aber auch nicht, was damit gemeint - oder was damit alles gemeint sein könnte. Bei Nachforschungen würde ich - naheligenderweise - mit Schottland anfangen. Allerdings glaube ich nicht, dass sich dieses Synoym auf das Mittelalter zurückführen lässt. Vor allem auch desshalb, weil es sich im Gegensatz zum armen Konrad und Jacques bonhomme hier offenbar um einen, wenn auch verbreiteten, Familiennamen handelt.
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03.06.2016, 09:37
Beitrag: #7
RE: "Armer konrad" Prolog zum Bauernkrieg
Die "Rückverbindung" zu Joß Fritz und dem Bundschuh ist auf alle Fälle gegeben. Sehe ich auch so.

Aber so ist zB die bis heute immer feste abgeschriebene Behauptung, dass die "armen" Bauern lediglich vom "Umgeld" und nicht von der "Vermögenssteuer" getroffen worden wären, schlicht falsch.
Der "arme Konrad" war durchaus nicht "nur" ein Bauernaufstand ein erheblicher Teil der Drahtzieher gehörten zur Stadtbevölkerung, und auch dort keineswegs zu den Armen.

Das Lager auf dem Kapellenberg bei Beutelsbach ist soweit bekannt, aber jenseits von Stuttgart, bei Leonberg war ein weiteres, auf dem Engelberg.
Wer heute auf der Autobahn Richtung Heilbronn fährt, kommt durch den "Engelberg-Tunnel" und auf dem Berg über dem Tunnel haben sich 1514 die Bauern, mehrere Tausend, versammelt und verschanzt.

Wer die Örtlichkeiten etwas kennt, wird von der Strategisch hervorragenden Lage überzeugt sein.

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03.06.2016, 16:44
Beitrag: #8
RE: "Armer konrad" Prolog zum Bauernkrieg
Herzog Ulrich war auf Besuch bei seinem Vetter Philipp von Hessen, als die Vermögenssteuer verkündet wurde.

Und da hat es sofort "gekracht" insbesondere Remstal, Schorndorf, Leonberg aber auch Stuttgart.
Der Herzog wurde zurückgerufen. Und hat umgehend die Vermögenssteuer kassiert und die Einberufung der Landstände versprochen.
Damit kehrte zuerstmal Ruhe ein.
Wie der Herzog aber war, hat er anschließend recht lautstark davon filosofiert, wie er fremde Kriegsvölker ins Land rufen wird, und den Empörern und Steuerunwilligen beibringen wird, wo der Bartel den Most holt. Denn man darf nicht vergessen, die Steuer wurde ausgeschrieben in großer Not, der Herzog soll rund 1 million Gulden Verbindlichkeiten gehabt haben, was damals fürchterlich viel Geld war.
Jedenfalls haben die "Steuerunwilligen" dis natürlich auch mitbekommen hatten, dass der Herzog, wenn er könnte, ganz anders mit ihnen reden würde. Aber er konnte halt nicht, mangels barem.

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04.06.2016, 20:08
Beitrag: #9
RE: "Armer konrad" Prolog zum Bauernkrieg
(03.06.2016 09:37)Suebe schrieb:  Der "arme Konrad" war durchaus nicht "nur" ein Bauernaufstand ein erheblicher Teil der Drahtzieher gehörten zur Stadtbevölkerung, und auch dort keineswegs zu den Armen.

Da hast Du natürlich recht. Gebietsweise wurden Aufstände des Armen Konrad sogar ausschliesslich vom Bürgertum getragen (Stuttgart, Tübingen, Grüningen, Schonrdorf, Waiblingen).
Was den Armen Konrad aussergewöhnlich macht, ist meiner Meinung nach sein sozilalrevolutionäres Verständnis. Es gab im Verlauf des Mittelalters europaweit zahlreiche Aufstände des "gemeinen Mannes", aber die meisten von ihnen beriefen sich auf alte "Freiheiten" oder "Rechte" und kritisierten die Rechtmässigkeit einzelner Herrschaftsrechte. Die als gottegewollt angesehene Ständeordnung von Adel, Klerus, Bauernstand (womit das Bürgertum eingeschlossen war) wurde in den wenigsten Fällen in Frage gestellt. Der Arme Konrad ist einer wenigen Fälle (es gab noch andere), wo dies gemacht wurde.
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04.06.2016, 23:25
Beitrag: #10
RE: "Armer konrad" Prolog zum Bauernkrieg
Am 15. April 1514 war Ostersamstag, ab diesem Tag sollten die neuen Gewichte gelten.
Und an diesem Tag zogen die Beutelsbacher mit Trommeln und Fanfaren an die Rems und schmissen die Gewichte hinein, "schwimmts oben hat der Herzog Recht, sinkts unter, hat der Bauer Recht"
Wer die Gewichte jetzt hineinschmiss, ist etwas umstritten, dass, ist jedoch Fakt.
Anschließend zog ein Teil Remsabwärts die anderen Orte aufzuwiegeln, ein anderer Teil aufwärts.
Vor Schorndorf sollen sich zwischen 3tausend und 5tausend Bauern versammelt haben. Die Zahl erscheint mir allerdings sehr hoch. Der herzogiche Vogt von Schorndorf verhandelte ncht ungeschickt, und konnte die Volksmenge beruhigen.

Am 3. Mai kam dann der Herzog nach Schorndorf, und zumindest ein Teil der sich zuvor empörenden erklärten dem Herzog, dass sie auch nicht wüssten, was zuvor über sie gekommen wäre... der "gnädige" Herzog verzichtete daraufhin auf jede Strafe.

Die Remstäler, insbesondere Beutelsbach, waren die allerersten Untertanen des Hauses Württemberg, damals schon fast seit 350 Jahren
Und an der Liebe der württ. Untertanen zu ihren "Herrschern" wie sie Melanchthon beschrieb (preisend mit viel schönen Rden...) muss durchaus etwas gewesen sein.
Der hatte nur die falschen Räte, der "gute gnädige und gerechte Herzog"
womit die Hauptursache des Mißlingens schon genannt wäe.

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04.06.2016, 23:50
Beitrag: #11
RE: "Armer konrad" Prolog zum Bauernkrieg
Selbstzitat
Zitat:Der hatte nur die falschen Räte, der "gute gnädige und gerechte Herzog"
womit die Hauptursache des Mißlingens schon genannt wäe.

und hier zeigt sich dann auch die Trennlinie zwischen dem allgemeinen Aufstand, und dem "Armen Konrad"
um dem Verlauf etwas vorauszueilen.
Nach der Unterzeichnung des "Tübinger Vertrages" zog der Herzog lediglich mit einem Teil seines Gefolges, unbewaffnet, ins Remstal, die ältesten Hintersassen des Hauses Württemberg zur Akzeptierung des Vertrages anzuhalten. Die Bauern waren vor die Stadt Schorndorf geladen, "ohne Wehr und Waffen".
Die Bauern kamen, 7.000 Mann aber bewaffnet. Der Herzog war während der Zermonie der Verkündung in Schorndorf geblieben. Als der Tumult ausbrach, ritt er hinaus, nichts anderes erwartend, als dass sie bei seinem Anblick auf die Knie sinken, und alles akzeptieren würden.

Aber er hatte sich getäuscht, ganz im Gegenteil, sie wollten ihn haben, tot oder lebendig, die Mitglieder des Klubs, wie sie Zimmermann nennt, des "Armen Konrad"
die Namen sind bekannt, "Schlechtlings-Klaus" versuchte das Pferd des Herzogs an den Zügeln zu packen, "Veit Bauer aus Grunbach" stach mit dem Spieß nach dem Herzog. Das Pferd (ein geübtes Kriegspferd) des Herzogs rettete ihn. "Ruprecht von Beutelsbach" schrie mir "schweren Flüchen" dem Bauernhaufen zu, "Schießt auf den Schelm und lasst ihn nicht entkommen"
es wurde wohl auch geschossen, aber natürlich nichts getroffen.

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08.06.2016, 18:44
Beitrag: #12
RE: "Armer konrad" Prolog zum Bauernkrieg
Das war übrigens die einzige Gewalttat außer der Wasserprobe, die sich der "Arme Konrad" zu schulde kommen ließ.

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08.06.2016, 19:50
Beitrag: #13
RE: "Armer konrad" Prolog zum Bauernkrieg
Der Herzog hat wie versprochen, den Landtag einberufen.
Zuerst kamen die Prälaten dann die Vertreter der Städte, die Bauern (in dem Fall die Lanbevölkerung) hatten ebenfalls Delegierte gewählt, die nach Stuttgart kamen.
Wer nicht erschien, war der Adel der aber anscheinend auch nicht, wie die Bauern, eingeladen war.

Nach ein paar Verhandlungsrunden ist der Herzog auf Anraten des Tübinger Vogts Breuning nach Tübingen "ausgewichen", wohin er dann die Vertreter der Städte und Prälaten lud.
Die Vertreter der "Bauern" schickten ihm eine Botschaft, sie hätten ein Mandat ihrer Dörfer und würden en Herzog bitten mit ihnen auch zu reden. "Da sich sonst eine große Unruhe und Unzufriedenheit auf den Dörfern breit machen würde"

In Tübingen wurde man sich relativ schnell handelseinig. Der Herzog musst etliche "Kröten" schlucken, (ein Million Gulden Schulden die die Landschaft übernahm, war halt auch ein kräftiges Argument) und es war keineswegs so, dass die Anliegen der Bauernschaft völlig unbeachtet geblieben wären, zB die "Freizügigkeit" eines der Grundrechte, auf die man in anderen Teilen des Reiches noch 400 Jahre warten musste.
Der "Tübinger Vertrag" wurde jedenfalls geschlossen. Die große Masse der Bauern anerkannte ihn auch, zB das Lager auf dem Engelberg bei Leonberg löste ohne weiteres sich auf. Nur sprach der Herzog nicht mit den Vertretern der Bauern, anerkannte sie nicht als Gleichrangig mit denen der Städte. Und dadurch, dass die "Umsatzsteuer" zur Deckung der Schulden erhoben wurde, die Vermögenssteuer ebenfalls, nur wurde sie nach den eigenen Angaben der Steuerpflichtigen erhoben, wodurch natürlich per se eine "schräge" Gewichtung entstand.

Im Remstal stimmte man nur zögernd dem Vertrag zu, was der Herzog zum Anlass für das bekannte "Strafgericht" nahm, wobei die Strafen für die damalige Zeit relativ kommod waren, es ging dem Herzog auch hauptsächlich um die Geldstrafen sprich einnahmen. Der Vertrag wurde bei den Strafzumessungen rückwirkend als gültig angesetzt, was natürlich auch damals schon ein eklatanter Rechtsbruch war.

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08.06.2016, 19:59
Beitrag: #14
RE: "Armer konrad" Prolog zum Bauernkrieg
Zitat aguyar
Zitat:Die als gottegewollt angesehene Ständeordnung von Adel, Klerus, Bauernstand (womit das Bürgertum eingeschlossen war) wurde in den wenigsten Fällen in Frage gestellt.

Da sind wir aber jetzt wieder weg vom "Armen konrad" und wieder bei der "Ehrbarkeit" und dem Tübinger Vertrag.
Die württ. Ehrbarkeit hat eine große Notlage des Herzogs ausgenutzt, und sich ganz erhebliche Rechte (für die damalige Zeit) einräumen lassen.
Der Adel hat sich da schon mehr oder weniger "rausgehalten" und nach der Vertreibung und Wiedereroberung des Herzogs sich für "reichsunmittelbar" erklärt, und der Herzog musste dies im Vertrag von Kaaden akzeptieren.
Der Klerus blieb erhalten.

Zu beachten ist aber, dass der Aufstieg in Klerus und Ehrbarkeit mehr oder weniger jedem über die kostenlosen Bildungseinrichtungen offen stand.

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09.06.2016, 00:05
Beitrag: #15
RE: "Armer konrad" Prolog zum Bauernkrieg
(08.06.2016 19:59)Suebe schrieb:  Zitat aguyar
Zitat:Die als gottegewollt angesehene Ständeordnung von Adel, Klerus, Bauernstand (womit das Bürgertum eingeschlossen war) wurde in den wenigsten Fällen in Frage gestellt.

Da sind wir aber jetzt wieder weg vom "Armen konrad" und wieder bei der "Ehrbarkeit" und dem Tübinger Vertrag.
Die württ. Ehrbarkeit hat eine große Notlage des Herzogs ausgenutzt, und sich ganz erhebliche Rechte (für die damalige Zeit) einräumen lassen.
Der Adel hat sich da schon mehr oder weniger "rausgehalten" und nach der Vertreibung und Wiedereroberung des Herzogs sich für "reichsunmittelbar" erklärt, und der Herzog musste dies im Vertrag von Kaaden akzeptieren.
Der Klerus blieb erhalten.

Zu beachten ist aber, dass der Aufstieg in Klerus und Ehrbarkeit mehr oder weniger jedem über die kostenlosen Bildungseinrichtungen offen stand.

Merci für die Beiträge. Es sind da einige Fakten dabei, die ich nicht kannte. Ich werde mich bei Gelgenheit mal vor allem um die Zusammensetzung der "Ehrbarkeit" kümmern. Ich nehme jedenfalls an, dass dort einige dabei waren, die auch dem Adel angehörten. Die reichen Kaufleute des Spätmittelalters hatten jedenfalls oftmals Adelspatente oder auch die zu Ruinen zerfallenen Burgen des Kleinadels gekauft, um die mit der Ruine noch immer verbundenen Rechte (z.B. Gerichtsbarkeit) zu erwerben und so in den Adelsstand aufzusteigen. Denn auch das gehobene Bürgertum dachte noch "ständisch" und war durchaus von der adligen Leitkultur angetan. In Nürnberg beispielsweise gab es 1561 ein Turnier, ein sogenannten "Gesellen-Stechen", an dem sich ausschliesslich bürgerliche Patrizier-Söhne (also die "Ehrbarkeit") beteiligten.
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09.06.2016, 12:55
Beitrag: #16
RE: "Armer konrad" Prolog zum Bauernkrieg
Das ist die Altwirtembergische Besondertheit, dass es hier keinen Adel gab.
Der zuvor zweifellos vorhandene hat nach Ulrichs Rückkehr die Reichsunmittelbarkeit erreicht, und Ulrich musste sie anerkennen.

so kam es, dass die württ. Herzöge ein paar Jahrhunderte lang die Hofschranzen aus Mecklenburg holen mussten.
Die Zeppelin, Grävenitz usw. usf. kamen auf die Art und Weise ins Land.
Wobei man nicht glauben darf, dass die im Lande groß amgesehen waren.
Das Städtchen Ludwigsburg wo sie in der Regel hausten, trägt nicht umsonst bis heute den Eigennamen "Lumpenburg"

Die Ehrbarkeit hat sich "natürlich" rudimentär schon wie der Adel verhalten, man hat in der Regel untereinander geheiratet usw. usf. aber der Aufstieg war immer über die Bildung zu erreichen.
"Wir Reichen heiraten unter einander, die Armen können es ja ebenso machen"

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09.06.2016, 16:46
Beitrag: #17
RE: "Armer konrad" Prolog zum Bauernkrieg
Die Vorliebe der württ. Ehrbarkeit untereinander zu ehelichen hat für den Familienforscher manchmal frappierende Ergebnisse zu bieten.

Der alteingesessene Schwabe und Altwürttemberger hat ja oftmal den einen oder anderen der "Ehrbarkeit" zum Vorfahren.
Da ist dann ohne große Umschweife eine Hieb- und Stichfeste Ahnengleichheit mit Sartre, Albert Schweizer, Uhland, Weizsäcker, Finckh und und und nachzuweisen.
Dies in der Diele an die Wand gehängt .... der Erfolg bei Neu-Besuchern ist umwerfend Bat

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10.06.2016, 11:51
Beitrag: #18
RE: "Armer konrad" Prolog zum Bauernkrieg
(09.06.2016 16:46)Suebe schrieb:  Die Vorliebe der württ. Ehrbarkeit untereinander zu ehelichen hat für den Familienforscher manchmal frappierende Ergebnisse zu bieten.

Der alteingesessene Schwabe und Altwürttemberger hat ja oftmal den einen oder anderen der "Ehrbarkeit" zum Vorfahren.
Da ist dann ohne große Umschweife eine Hieb- und Stichfeste Ahnengleichheit mit Sartre, Albert Schweizer, Uhland, Weizsäcker, Finckh und und und nachzuweisen.
Dies in der Diele an die Wand gehängt .... der Erfolg bei Neu-Besuchern ist umwerfend Bat

Wobei es sich ja gerade im Fall von "Weizsäcker" zum Mindesten dem Namen nach um eine absolute Aufsteiger-Familie handeln muss (Richard von Weizsäcker, der verstorbene, ehm. Bundespräsident). "Weizsäcker" war ein Müllersknecht - der Knecht, der das Getreide in Säcke abfüllte (einsackte).

OT: Ich habe da recht angenehme Erinnerungen an Ludwigsburg, welche sich aber weniger auf das Schloss (obwohl das schon beeindruckend war) als auf den "Rossknecht" beziehen. Habe gerade gegoogelt und erfreut festgestellt, dass es ihn noch gibt.
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10.06.2016, 15:27
Beitrag: #19
RE: "Armer konrad" Prolog zum Bauernkrieg
(10.06.2016 11:51)Aguyar schrieb:  
(09.06.2016 16:46)Suebe schrieb:  Die Vorliebe der württ. Ehrbarkeit untereinander zu ehelichen hat für den Familienforscher manchmal frappierende Ergebnisse zu bieten.

Der alteingesessene Schwabe und Altwürttemberger hat ja oftmal den einen oder anderen der "Ehrbarkeit" zum Vorfahren.
Da ist dann ohne große Umschweife eine Hieb- und Stichfeste Ahnengleichheit mit Sartre, Albert Schweizer, Uhland, Weizsäcker, Finckh und und und nachzuweisen.
Dies in der Diele an die Wand gehängt .... der Erfolg bei Neu-Besuchern ist umwerfend Bat

Wobei es sich ja gerade im Fall von "Weizsäcker" zum Mindesten dem Namen nach um eine absolute Aufsteiger-Familie handeln muss (Richard von Weizsäcker, der verstorbene, ehm. Bundespräsident). "Weizsäcker" war ein Müllersknecht - der Knecht, der das Getreide in Säcke abfüllte (einsackte).

OT: Ich habe da recht angenehme Erinnerungen an Ludwigsburg, welche sich aber weniger auf das Schloss (obwohl das schon beeindruckend war) als auf den "Rossknecht" beziehen. Habe gerade gegoogelt und erfreut festgestellt, dass es ihn noch gibt.

Ja, die Weizsäcker sind ein Beispiel des Aufstiegs über die Bildung. Allerdings erst in der "spätzeit".
Des Bundespräsidenten Urgroßvater Tübinger Professor, Monarchist bis in die Haarwurzeln, konnte sich im Wahlkreis gegen den Liberalen und 48er trotz mehrerer Versuche nicht durchsetzen.

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10.06.2016, 15:39
Beitrag: #20
RE: "Armer konrad" Prolog zum Bauernkrieg
Zurück zum "Armen Konrad"

Der "Arme Konrad" hatte seine Ziele in drei Artikeln zusammengefasst.

1. Der Wegfall aller Fronen und Abgaben für die Württemberger und die Bewohner aller angrenzenden Territorien.
Ein Leben in Freiheit.
2. Der Aufstand sollte erst ausbrechen, man wollte erst "Losschlagen" wenn 20.000 bis 30.000 Kämpfer beisammen waren.
3. Betraf den Umgang mit dem Herzog. Und hierüber scheint man sich auch im engsten Kreis nicht einig geworden zu sein. Sollte man ihn lediglich gefangennehmen, oder sollte man ihn totschlagen? Dieser Uneinigkeit ist vermutlich auch das Entkommen des Herzogs vor Schorndorf zu zurechnen. Da er mit keinem Anschlag rechnete, wäre er beizeiten ohne weiteres zu erschießen gewesen. (laut Zimmermann)

Aber man muss auch hier klar unterscheiden, dass nur der allerkleinste Teil der im Sommer 1514 "Empörten" tatsächlich zum "Armen Konrad" gehörten. Die meisten hatten wesentlich geringere Ziele und waren mit dem Erreichten, siehe Tübinger Vertrag auch zufrieden.
Auch hatte der Aufstand keinen "charismatischen Führer" es sind viele Aufwiegler namentlich bekannt, aber keiner scheint überregionale Bedeutung erlangt zu haben.

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