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Frage: Ludwig der Gebartete und die Juden?
02.11.2018, 20:59
Beitrag: #1
Frage: Ludwig der Gebartete und die Juden?
Ich habe seit einiger Zeit eine Theorie und in diesem Kontext eine Frage, die ich mir mit den mir zur Verfügung stehenden Informationsquellen nicht wirklich beantworten kann.

Ist irgendetwas über den Reichsfürsten Ludwig VII. von Bayern-Ingolstadt ("Ludwig den Bärtigen" oder "Ludwig den Gebarteten") und seine Politik gegenüber seinen jüdischen Untertanen bekannt?

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Nur die Geschichtenschreiber erzählen uns, was die Leute dachten.
Wissenschaftliche Forscher halten sich streng an das, was sie taten.

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04.11.2018, 12:35
Beitrag: #2
RE: Frage: Ludwig der Gebartete und die Juden?
Ich habe nichts über die Politik Ludwigs VII. gegenüber seinen jüdischen Untertanen gefunden. Ebenso ist mir nicht bekannt, ob er während seiner Aufenthalte in Frankreich oder in Oberitalien Juden schützte oder gegen sie vorging.

"Geschichte erleuchtet den Verstand, veredelt das Herz, spornt den Willen und lenkt ihn auf höhere Ziele." Cicero
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04.11.2018, 13:21
Beitrag: #3
RE: Frage: Ludwig der Gebartete und die Juden?
Vielen Dank, Sansavoir, für Deine Rückmeldung.

Ich hatte gehofft, dass jemand mehr weiß, da ich mich zurzeit der Lage der Juden unter König Sigismund beschäftige und dabei aufgrund einiger Beobachtungen und der mir zugänglichen aktuellen Literatur eine Theorie entwickelt habe. Jetzt muss ich allerdings noch abklären, inwieweit diese Theorie tatsächlich zutreffen könnte, indem ich eben dazu ihre Gültigkeit in einigen weiteren Kontexten überprüfe. Gerade die Politik eines Reichsfürst wie eben von Ludwig dem Gebarteten gegenüber seinen jüdischen Untertanen oder Hinweise auf eine "Judenpolitik" seinerseits könnten mir da wirklich weiterhelfen.

Gefunden habe ich bisher nichts dazu, was den Schluss zulässt, dass er in dieser Hinsicht aus heutiger Sicht sich nichts Wirklich zu Schulden hat kommen lassen oder dass dieser Aspekt bei ihm bisher nicht erforscht ist. Möglicherweise gab es auch keine größeren jüdischen Ansiedlungen in seinem Herrschaftsgebiet.

Berücksichtigt man allerdings, dass er, ausgenommen die Ingolstädter Lokalforschung, heute (und wohl nicht erst heute) einer jener Persönlichkeiten ist, die das haben, was höflicherweise als eine schlechte Presse bezeichnet wird, könnte die derzeitige Forschungslage auch mit den "politischen" Intentionen der aktuellen, offiziell anerkannten Geschichtsforschung (Universitäten etc.) des 21. Jahrhunderts zusammenhängen.

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04.11.2018, 18:51
Beitrag: #4
RE: Frage: Ludwig der Gebartete und die Juden?
Zu Ludwig und den Juden konnte ich auch nichts finden.

Manchmal geht der Weg ja "außenrum"
Was mir bekannt ist, der 1. württ. Herzog, Eberhard im Bart, hat 50 Jahre später seine Nachfolger testamentarisch vergattert, keine Juden mehr ins Land (Württemberg) zu lassen, die noch vorhandenen endgültig auszuweisen.
Was bis ca. 1800 auch so durchgeführt wurde.
Seine "Judengegnerschaft" (ich will bewusst keine modernen Begriffe verwenden) soll er sich in Palästina angeeignet haben. "Mörder Jesus"

Es scheint zdZ sehr á Vogué gewesen zu sein.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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04.11.2018, 20:09
Beitrag: #5
RE: Frage: Ludwig der Gebartete und die Juden?
(02.11.2018 20:59)Teresa C. schrieb:  Ich habe seit einiger Zeit eine Theorie und in diesem Kontext eine Frage, die ich mir mit den mir zur Verfügung stehenden Informationsquellen nicht wirklich beantworten kann.

Ist irgendetwas über den Reichsfürsten Ludwig VII. von Bayern-Ingolstadt ("Ludwig den Bärtigen" oder "Ludwig den Gebarteten") und seine Politik gegenüber seinen jüdischen Untertanen bekannt?

Der Vetter und Konkurrent von Ludwig VII, Heinrich XVI der Reiche von Lanshurt betrieb eine aktive Schutzpolitik gegenüber den Juden (die Judengemeinde Landshut entstand in seiner Regierungszeit und wurde sogar von ihm gefördert). Sei Sohn Ludwig IX der Reiche von Landshut hingegen verhaftete bei seinen Herrschaftsantritt alle Juden seines Herzogtums, wies sie aus und kassierte die Schuldbriefe.
https://d-nb.info/1022819747/34

In Ingolstadt wurden die Juden 1450 (es gab dort seit ca. 1250 eine Gemeinde), d.h. drei Jahre nach dem Tod Ludwigs VII ausgewiesen (nachdem sie bereits 1348 vertrieben worden waren, sich aber wieder angesiedelt hatten). Nach 1450 gab es zumindest im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit keine Juden mehr in Ingolstadt.

Da zur Regierungszeit Ludwigs VII keine Judenvertreibungen in Ingolstadt bekannt sind, darf davon ausgegangen werden, dass sie ihm zum Mindesten gleichgültig waren. Schutzbriefe von ihm sind mir keine bekannt -
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04.11.2018, 20:42
Beitrag: #6
RE: Frage: Ludwig der Gebartete und die Juden?
Nach Tante Wiki, allerdings bin ich der Ansicht, dass die Angaben dort mit Vorsicht zu betrachten sind, soll Eberhard 1477 die jüdische Bevölkerung in Württemberg (ich vermute einmal, dass damit gemeint ist: in seinen Herrschaftsgebieten) vertrieben oder gefangen gesetzt haben. (Wobei diese schwammige Formulierung bereits ein Problem darstellt: Vertreibung kann in diesem Kontext eine ganze Menge bedeuten, Gefangensetzung ebenfalls.)

Nach Tante Wiki soll er zur Rechtfertigung die Prozessakten zum (angeblichen) Ritualmord an Simon von Trient genutzt haben, die für ihn daher ausdrücklich übersetzt wurden. Dieser Fall hatte sich nur wenige Jahre zuvor ereignet. (Als Ursache wird heute davon ausgegangen, dass Johannes Hinderbach, der damalige Fürstbischof von Trient, die treibende Kraft war, weil er für Trient einen Pogromheiligen haben wollte. Offensichtlich hat sich von den anderen weltlichen und geistlichen Fürsten niemand in diesen Trienter Fall eingemischt. Interessant ist übrigens, dass der damalige Papst ihn den Fürstbischof keineswegs unterstützt und sich auch strikt geweigert, den Jungen Simon zu einem Heiligen zu machen. Das Fürstbistum Trient gehörte noch im 15. Jahrhundert zu jenen Bistümern, die immer wieder in Obrigkeitskonflikte mit den Grafen von Tirol verwickelt waren. Graf von Tirol war damals Herzog Siegmund von Österreich (später der Siegmund der Münzreiche), und das Verhalten von diesem wirkt ziemlich undurchsichtig. In der heutigen Forschung findet sich die Vermutung, dass der Fürstbischof sich die stillschweigende Billigung des Herzogs erkauft haben dürfte und dass in der Folge auch in der Grafschaft Tirol gegen die jüdische Bevölkerung vorgegangen wurde. Allerdings, so weit ich das beurteilen kann, sind bisher keine Belege dafür aufgetaucht.

Interessant ist jedenfalls, dass Eberhard Kontakte nach Italien und Osttirol hatte. (Diese Osttirol ist heute ein Teil des österreichischen Bundeslandes Tirol, damals aber herrschte dort noch Graf Leonhard von Görz (übrigens einer der Söhne von jenem Ehepaar (Heinrich von Görz und Catharina de Gara), um die es in meinem letzten Juxrätsel gegangen ist). Eberhard im Bart war mit Barbara Gonzaga von Mantua verheiratet, er hatte also politische Kontakte ins heutige Norditalien, ihre jüngere Schwester Paula war mit Leonhard von Görz verheiratet, und im Konflikt um den Besitz der Festung Mägdeberg mit Herzog Siegmund den Münzreichen (um 1480/81) schaltete Eberhard Paula und ihren Ehemann als Vermittler ein.

Was die Grafschaft Lienz, die von den Grafen von Görz beherrscht wurde, betrifft, so hat sich eine Anfrage im Zusammenhang mit dem "Trienter Ritualmord" erhalten. In der geht es um Auskünfte zu einem anderen "Ritualmord", der Anfang der 1440er-Jahre in Lienz stattgefunden haben soll. (Mehr dazu unter https://regiowiki.at/wiki/Ursula_Pöck) Es wird in der Forschung nicht ausgeschlossen, dass dieser die Vertreibung der jüdischen Bevölkerung aus Lienz oder sogar aus den von den Grafen von Görz beherrschten Gebieten zur Folge hatte, aber auch hier gibt es keine direkten Belege dafür. Allerdings, was mich hier nachdenklich stimmt: Wenn die in Trient sich damals nicht dafür interessiert hätten, wüssten wir von diesem Fall vermutlich heute überhaupt nichts. (Es stellt sich da für mich auch die Frage, ob es auch andere Fälle geben könnte, die nur deswegen unbekannt sind, weil sich nichts dazu erhalten hat oder ob hier viel zu viel spekuliert bzw. hineininterpretiert wird.)

Möglicherweise war es jedenfalls gar nicht Eberhards Palästinareise, die immerhin auch eine Pilgerfahrt war, sondern der "Trienter Ritualmordfall", der Eberhard beeinflusst haben könnte. Allerdings wäre es natürlich notwendig zu sehen, wo zu dieser Zeit im Heiligen Römischen Reich (oder auch bei den Nachbarn) Maßnahmen gegen die jüdische Bevölkerung, die über alltägliche Schikanen herausreichen, noch zu finden sind, um Eberhards Rolle dabei angemessen und fair bewerten zu können. (Und es wäre natürlich auch zu berücksichtigen, wie es um die jüdische Bevölkerung zuvor bestellt gewesen war. Interessant wäre da die Frage, ob sich die jüdischen Untertanen unter Eberhards Herrschaft wesentlich vergrößert hatten beziehungsweise inwieweit die unterschiedliche Politik seiner Vorgänger hier eine Rolle gespielt hat. (Immerhin war das spätere Herzogtum unter seinem Onkel und seinem Vater geteilt.)

Dass übrigens Eberhard noch testamentarisch Regelungen traf, um die jüdische Bevölkerung endgültig aus Württemberg zu vertreiben beziehungsweise zu verhindern, dass sich dort wieder eine jüdische Bevölkerung ansiedeln konnte, deutet daraufhin, ist übrigens eine Folgeerscheinung, die mir im 15. Jahrhundert bei verschiedenen Pogromen, Vertreibungen oder Ausweisungen untergekommen ist. (Ich habe da in einer Reihe von spätmittelalterlichen Stadtrechten entdeckt, dass sich Städte nach der Vertreibung, Ermordung oder Ausweisung ihrer jüdischen Bevölkerung, selbst wenn diese nicht sehr groß war, regelmäßig vom Kaiser/König, Landesfürsten etc. als Stadtrecht bestätigen ließen, dass sie keine Juden mehr aufnehmen, halten etc. müssen und Ähnliches.)

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Gerade deswegen aber wäre es für mich interessant zu wissen, was über die "Judenpolitik" von Ludwig dem Gebarteten bekannt ist.

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04.11.2018, 21:03
Beitrag: #7
RE: Frage: Ludwig der Gebartete und die Juden?
(04.11.2018 20:09)Aguyar schrieb:  
(02.11.2018 20:59)Teresa C. schrieb:  Ich habe seit einiger Zeit eine Theorie und in diesem Kontext eine Frage, die ich mir mit den mir zur Verfügung stehenden Informationsquellen nicht wirklich beantworten kann.

Ist irgendetwas über den Reichsfürsten Ludwig VII. von Bayern-Ingolstadt ("Ludwig den Bärtigen" oder "Ludwig den Gebarteten") und seine Politik gegenüber seinen jüdischen Untertanen bekannt?

Der Vetter und Konkurrent von Ludwig VII, Heinrich XVI der Reiche von Lanshurt betrieb eine aktive Schutzpolitik gegenüber den Juden (die Judengemeinde Landshut entstand in seiner Regierungszeit und wurde sogar von ihm gefördert). Sei Sohn Ludwig IX der Reiche von Landshut hingegen verhaftete bei seinen Herrschaftsantritt alle Juden seines Herzogtums, wies sie aus und kassierte die Schuldbriefe.
https://d-nb.info/1022819747/34

In Ingolstadt wurden die Juden 1450 (es gab dort seit ca. 1250 eine Gemeinde), d.h. drei Jahre nach dem Tod Ludwigs VII ausgewiesen (nachdem sie bereits 1348 vertrieben worden waren, sich aber wieder angesiedelt hatten). Nach 1450 gab es zumindest im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit keine Juden mehr in Ingolstadt.

Da zur Regierungszeit Ludwigs VII keine Judenvertreibungen in Ingolstadt bekannt sind, darf davon ausgegangen werden, dass sie ihm zum Mindesten gleichgültig waren. Schutzbriefe von ihm sind mir keine bekannt -

Vielen Dank für Deine Mitteilung - es gab also unter ihm zumindest in Ingolstadt eine jüdische Gemeinde. Das würde also bedeuten, dass auszuschließen ist, dass eine "Judenpolitik" bei ihm schon deswegen kein Thema war, weil er über Gebiete herrschte, wo nur vereinzelt jüdische Siedlerinnen und Siedler zu finden waren oder sich diese nur vorübergehend niederließen.

Maßnahmen für oder gegen jüdische Einwohnerinnen und Einwohner sind nach dem aktuellen Forschungsstand für ihn nicht belegt. Das lässt also mehrere Deutungen zu.

Da hätte ich noch eine Frage mit Blick auf die Forschungslage, die Du ziemlich sicher besser einschätzen kannst, als ich. Wäre es möglich, dass der derzeitige Forschungsstand bei Ludwig dem Gebarteten darauf zurückzuführen sein könnte, dass bei wissenschaftlichen Untersuchungen die Frage nach seiner "Judenpolitik" nie relevant war oder vielleicht mit Absicht bisher nie näher untersucht wurde?

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04.11.2018, 22:46
Beitrag: #8
RE: Frage: Ludwig der Gebartete und die Juden?
Was in der Regional-Forschung noch zu lesen ist, dass Eberhard bei seiner "Juden-Politik" von seinem Pfälzer-Onkel beeinflusst worden sei.
Was, derweil auch ein Wittelsbacher, dann vielleicht doch irgendeine Verbindung nahelegt.
Auffällig ist auch, dass die Ausweisung der Tübinger Juden mit der Gründung der Universität zusammenfällt. Brauchte er deren Vermögen zur Finanzierung der Hochschule?
Die Duodez-Fürsten und ihre Judenpolitik im Südwesten, die sich oft im Jahrzehnteweise Wechsel, Ausweisung, Wiederansiedlung änderte, ist soweit mir bekannt immer pekuniär begründet.

Die Denke des Spätmittelalters ist natürlich heute kaum nachvollziehbar.

OT: In welchem Ganghofer-Roman ist der Ludwig denn verarbeitet?
Im Ochsenkrieg?

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04.11.2018, 23:00
Beitrag: #9
RE: Frage: Ludwig der Gebartete und die Juden?
Ludwig Ganghofer: Der Ochsenkrieg

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Friedrich der Siegreiche (genannt der "Böse Fritz" [in meinem Roman-Entwurf DNdS: "der andere Friedrich"]) starb allerdings bereits 1476, das würde bedeuten, dass Eberhard im Bart seinen Coup schon länger geplant hatte. In diesem Fall wäre allerdings noch zu überprüfen, wie es um die Politik von Friedrich dem Siegreichen seiner jüdischen Bevölkerung gegenüber bestellt war.

Was seine Universitätsfinanzierung betrifft - ich könnte mir wirklich vorstellen, dass Eberhard das jüdische Vermögen dafür verwendet haben könnte, denn so eine Universitätsgründung zu finanzieren dürfte damals wirklich nicht billig gewesen sein und ihre Finanzierung nicht einfach.

Eberhards Mutter Mechthild, angebliche (Mit-)Begründerin der Universität Freiburg im Breisgau, deren Gründung wiederum als Vorbild der Universität in Tübingen gilt, soll längere Zeit mit der Freiburger Universität wegen der Einkünfte aus einer Kirchenpfründe, die von Albrecht (VI.) zu deren Dotierung gestiftet worden waren, prozessiert haben.
Wobei dieser seine Idee, die Freiburger Universität mit Pfünden geistlicher Einrichtungen, deren Besitzrechte nicht ganz eindeutig war, zu finanzieren, wiederum von seinem Großonkel (dem legendären Gründer der Wiener Universität gehabt haben dürfte). Im Unterschied zur Freiburger Universität klappte diese Finanzierung bei der Wiener Universität aber nicht, sodass sich der andere Großonkel um eine Alternative kümmern konnte …

Andererseits hatte die Schlacht bei Seckenheim zur Folge, dass eine Universität in Pforzheim nicht mehr gegründet werden konnte.

Es wäre sicher interessant, einmal zu sehen, wie viele Universitäten im Spätmittelalter letztlich nicht gegründet werden konnten, weil die Finanzierung eben nicht wirklich gelang.

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05.11.2018, 20:35
Beitrag: #10
RE: Frage: Ludwig der Gebartete und die Juden?
Die Schlacht von Seckenheim und den "Bösen Fritz" haben wir hier schon mal gestreift.
http://www.forum-geschichte.at/Forum/sho...p?tid=6456

OT: wisst ihr, wo ich neulich ein Tässchen Café schlürfte?
Richtig, im Schloss Café in Tübingen dem Stadthaus der Härter von Härteneck
Der Bedienung habe ich den Leuchter aufgesteckt, um was für ein Haus es sich hier handelt, Keplerlehrer und Slowenischer Bibelübersetzer haben eine Hinweistafel am Haus, der Härter jedoch nicht. Die hat die Chefin geholt, die fasziniert war, und daraufhin kein Geld für den Kuchen nahm.

Sorry der OT-Ausrutscher....Omg

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26.11.2018, 16:26
Beitrag: #11
RE: Frage: Ludwig der Gebartete und die Juden?
Suebe, vielleicht könntest Du auch mir noch erklären, wer die Härter von Härteneck waren?

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26.11.2018, 19:51
Beitrag: #12
RE: Frage: Ludwig der Gebartete und die Juden?
(26.11.2018 16:26)Teresa C. schrieb:  Suebe, vielleicht könntest Du auch mir noch erklären, wer die Härter von Härteneck waren?

Die Wünsche schöner Frauen erfüllt der Edelmann des Spätmittelalters doch gerne.
Und der Suebe von heute sowieso.

Zu Wilhelm Herter von Herteneck gibt es zB eine Wiki-Site worin dies steht.
Zitat:Wilhelm Herter von Hertneck (* 1424 in Tübingen; † 2. März 1477 in Basel) war ein deutscher Feldhauptmann und Staatsmann in Diensten Württembergs, der österreichischen Vorlande, Burgunds und zuletzt Lothringens. Er war der Stratege und der Feldhauptmann der Niederen Vereinigung in den drei Burgunderschlachten bei Grandson, Murten und Nancy.
Er war bei der Schlacht von Seckenheim Führer des württ. Aufgebots und hat jene Schlacht verloren. Zumindest schob man ihm dies in die Schuhe.
Später als Feldherr der Eidgenossen insbesondere die Schlacht bei Murten gewonnen.
Näheres bitte ich dieser von mir "verbrochenen" Postserie zu entnehmen.
http://www.forum-geschichte.at/Forum/sho...p?tid=6456

Es ist mir völlig unverständlich, dass Herter doch sehr dem Vergessen anheim gefallen ist. Insbesondere bei den eidgenossen.

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27.11.2018, 17:45
Beitrag: #13
RE: Frage: Ludwig der Gebartete und die Juden?
Nur eine erste Überlegung: Könnte der Umstand, dass er vergessen wurde, vielleicht mit der zurzeit im deutschen Sprachraum vorgegebenen Ideologie zusammenhängen?

Eine Überlegung mit Blick auf die derzeit üblichen Maximen der Forschung des deutschen Sprachraums (EU-Sprachraum?) und die zurzeit kraft der Deutungshoheit zur einzig richtigen Ideologie erklärten Wertungskriterien:

Erstes (mögliches) Problem für das Nachleben von Wilhelm Herter von Hertneck:
der großartige Pfälzer / der "Mark Aurel des Mittelalters": Friedrich der Siegreiche, inklusive Vater und (mit gewissen Einschränkungen auch der Großvater) - EU-Favoriten, solange dass die EU-Hauptfavoriten (Karl IV. / Sigismund) nicht in dieser Rolle gefährdet.
Friedrich der Siegreiche ist zurzeit ein "Liebling" der aktuellen Geschichtsideologie, die ihm in den Himmel lobt und Dinge, die nicht hineinpassen selbstverständlich großzügig übersieht. Härter aber ist - Pech für ihn - nicht etwa der siegreiche Feldherr des "großen Fritz" oder dessen "würdiger" Gegenspieler, sondern im Dienst von dessen besiegten Gegnern, den "Kriegsverbrechern" Württemberg und Baden - Abgesehen davon, dass Verlierer heute ideologisch als das Letzte gelten (Nicht meine persönliche Meinung), aber hinzu kommt noch, auf der Seite von Verlierern im Umfeld eines Habsburgers (Habsburgerkaisers!) (Wen interessiert es übrigens, dass sogar die Mehrheit der drei damaligen Vertreter von Habsburg zur "Allianz" des "Pfälzerfritz" gehörte?)

Zweites (mögliches) Problem für das Nachleben von Wilhelm Herter von Hertneck:
Burgund, trotz eines Karl des Kühnen - ein Land von "europäischem" Format, für die EU im 21. Jahrhundert ein Vorläuferstaat, ein Vorgängerstaat, ein "EU-Ahne": Wilhelm Herter von Hertneck ist jedoch der erfolgreiche Feldherr einer Allianz gegen dieses Burgund (EU-Vorläuferstaat, und somit ein früher Gegner der EU, und sogar ein erfolgreicher, was alles noch schlimmer macht "Zwinkern")

Drittes (mögliches) Problem für das Nachleben von Wilhelm Herter von Hertneck:
Da kann ich nur mutmaßen, denn auffällig ist, dass gerade die Schweizer Historikerinnen und Historiker oft ganz andere Ansichten haben als der deutschsprachige EU-Raum (Deutschland mit Österreich im Schlepptau, welches in dieser Hinsicht als höriger EU-Knecht einzustufen ist, was mir persönlich sehr zu schaffen macht). Könnte es sein, dass Herter von Hertneck vielleicht nicht wirklich in das Heldenschema der Schweizerinnen und Schweizer passt? Immerhin war er, soweit ich es beurteilen kann, nicht unbedingt aus einer der Eidgenossenschaften und zudem diente er auch anderen Herren als diesen.

Viertes (mögliches) Problem für das Nachleben von Wilhelm Herter von Hertneck:
Er war halt keiner aus dem hohem Adel oder gar einer "der" ersten Reichsfürsten und ist auch nicht durch intellektuelle Leistungen (Schriftsteller) hervorgetreten … Wenn er außerdem kein Potential zum romantischen oder tragisch-sympathischen Helden hatte, umso schlechter für ihn. (Ist zwar zurzeit nicht mehr so entscheidend wie einst, kann aber bei der Erfüllung weiterer Voraussetzungen ganz nützlich sein.)

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27.11.2018, 19:02
Beitrag: #14
RE: Frage: Ludwig der Gebartete und die Juden?
Meine Thesen: In der Schweiz ist er total vergessen. Wird unter den Teppich gekehrt.
Er hat es nicht einmal ins "Historische Lexikon der Schweiz" geschafft.
Und da denke ich mal, dass das mit dem 20 Jahre späteren Schweizerkrieg zu tun hat. Wie kann auch einer "aus dem großen Kanton" für die Eidgenossenschaft Karl den Kühnen besiegt haben. Das ist doch ein absolutes "No go".
Noch in den Kriegen Karl V. gegen Franz I. wurde es so richtig ernst, wenn die Landsknechte sich die Schweizer gegriffen haben. Da waren immer noch Rechnungen offen.

Aber auch das ist richtig, die Landsknechtführer, Frundsberg usw. kennt heute noch so mancher (sogar der Adolf) dabei waren das doch im Verhältnis kleine Lichter.
Den erfolgreichen Heerführer der eine der blutigsten Schlachten der Geschichte gewann, hat man mow vergessen.


Edit: Sein Sohn, ebenfalls Wilhelm Herter, hat 1519 im Auftrag Herzog Ulrichs Reutlingen erobert. Was postwendend die Vertreibung Ulrichs auslöste.

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