Antwort schreiben 
 
Themabewertung:
  • 1 Bewertungen - 5 im Durchschnitt
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Moden im Wohnungsbau, Wohnblocks/Stadtvillen
24.09.2012, 11:08
Beitrag: #21
RE: Moden im Wohnungsbau, Wohnblocks/Stadtvillen
(23.09.2012 20:10)krasnaja schrieb:  2.) ich wollte es ja nicht glauben und ich habe es gerade nachgezählt: man höre und staune: in der Zeit von 1933 bis 1945 wurden in Hamburg 16 367 neue Wohnungen gebaut, davon 4271 wärend des Krieges.

Allerdings nach 1943 lediglich 350

Für meine Stadt habe ich gestern auch recherchiert. Es wurden weiter Wohnungen gebaut, allerdings weniger als vor 1933 und nur bis Kriegsbeginn. Ein Teil wird Nachhang gewesen sein, von während der WR begonnenen Baugebieten. Neue Projekte scheinen iW in der Nähe von kriegswichtiger Industrie angeschoben worden zu sein.

Wie können wir denn nun die Erkenntnisse über den Wohnungsbau der 30er zusammenfassen?
Ursprüngliches Ziel dieses Threads war eine Sammlung von Schlagwörtern zu den einzelnen Jahrzehnten. Für die Jetztzeit würde ich Utas und meinen Beitrag mit außen, innen, Grund wie folgt zusammenfassen.

2010 - 2020 - außen - Bodentiefe Fenster in Stadtvillen,
innen - große, geräumige Wohnungen, mit wenig separaten Zimmern und viel offenen Flächen, offene Küchen.
Grund - Trend zu Singles und kinderlosen Paaren

Habt ihr Einwände oder Ergänzungen?
Dabei muß klar sein, dass sich die o.g. Mode nur auf einen Ausschnitt des städtischen Wohnens in Mehrfamilienhäusern bezieht.
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
24.09.2012, 13:13
Beitrag: #22
RE: Moden im Wohnungsbau, Wohnblocks/Stadtvillen
Hier muss sicher unterschieden werden zwischen dem sog. sozialen Wohnungsbau, der häufig von Genossenschaften getragen wird und dem Bau von Eigenheimen.
Eine Vereinheitlichung kann es dabei nicht geben.

Richtig ist, dass bei anspruchsvollen Eigenheimen ein "französicher Stil" zu finden, ist, diese Fenster bis zur Erde, aber auch Scheußlichkeiten mit großem, protzigen Säuleneingang.
Eben so, wie sich jeder Bauherr seinen Traum vorstellt.

Selbst beim Sozialen Wohnungsbau sind anspruchsvolle Wohnlösungen zu finden: maisonette-Wohnungen über 2 Etagen , selbst in sog. Betonburgen (Hamburg Steilshoop)

Der Wohnungsbau der 30 Jahre war geprägt von Sachlichkeit, von kleinen Räumen, sogar von vorgefertigten Möbeln , auch von der kleinen Küche (hier spielen regionale Gründe eine Rolle, in Hamburg z.B. wird für jedes Zimmer über 8 qm eine Pauschale für die Belieferung mit Strom angesetzt, darum die Küchen genaus 7.80 qm groß waren.
große Wohnküchen wie in der Gründerzeit gab es nicht mehr .

Nicht unerwähnenswert, dass sich mit der Größe des zur Verfügung stehenden Wohnraumes auch die Größe der Möbel ändern musste. Eine Riesenkredenz kann einfach nicht mehr untergebracht werden und ist auch kaum im Treppenhaus zu transportieren.
In den alten Gründerzeithäusern findet man häufig noch oben am Haus einen Haken, an dem schwere Möbel außen am Haus hochgezogen werden konnten.

Mobile Wohngestaltung ? Ikea machts möglich, 1 x Zusammengebaut, hingestellt und bei Auszug zu vernichten, durchweg mindere Qualität, billig in der Anschaffung und damit leicht austauschbar.
STEN und BILLY haben mirr immer schon die Besinnung geraubt,

Hinzu kommt, dass die Küche im Sinne von KOCHEN heute keine Küche mehr ist.
Das hängt einmal damit zusammen, dass viele Frauen nicht wissen, wann das Wasser kocht, und ansonsten nur etwas "warm machen" in der Mikrowelle, sich also die Essgewohnheiten total verändert haben.
Das gemeinsame Essen in einer Familie findet kaum noch statt, folglich eine Küche zum Kochen nicht erforderlich.

Daraus resultiert, dass Küchen oft in den eigentlichen Wohnbereich integriert sind.
Nicht vorstellbar, dass in solch einer Küche Heringe gebraten werden, oder ein Kohleintopf kocht.
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
24.09.2012, 14:47
Beitrag: #23
RE: Moden im Wohnungsbau, Wohnblocks/Stadtvillen
(24.09.2012 13:13)krasnaja schrieb:  Hier muss sicher unterschieden werden zwischen dem sog. sozialen Wohnungsbau, der häufig von Genossenschaften getragen wird und dem Bau von Eigenheimen.
Eine Vereinheitlichung kann es dabei nicht geben.

Richtig ist, dass bei anspruchsvollen Eigenheimen ein "französicher Stil" zu finden, ist, diese Fenster bis zur Erde, aber auch Scheußlichkeiten mit großem, protzigen Säuleneingang.
Eben so, wie sich jeder Bauherr seinen Traum vorstellt.

Die Eigenheime = EFH würde ich rauslassen, die sind bis zu einem gewissen Grad vom Geschmack der Besitzer geprägt. Die können aber nicht mehr als 10 % des jeweiligen Neubaus ausmachen, jedenfalls für die letzten Jahrzehnte. Wer kann sich schon ein freigeplantes Architektenhaus leisten. Alle anderen EFH, DH, RH sind mehr oder weniger von der Stange.
Mir ging es aber nur um die Mehrfamilienhäuser, auf deren Stil die zukünftigen Mieter oder Eigentümer idR keinen Einfluß ausüben. Nur da kann man von Architektenmoden sprechen.
Meinetwegen können wir die nochmal in Sozialwohnugsbau und Mittelschichtwohnungen unterteilen, wobei sich die bei Mehrfamilienhäusern planungsmäßig früher nicht so sehr unterschieden, denke ich.
(24.09.2012 13:13)krasnaja schrieb:  Der Wohnungsbau der 30 Jahre war geprägt von Sachlichkeit, von kleinen Räumen, sogar von vorgefertigten Möbeln , auch von der kleinen Küche (hier spielen regionale Gründe eine Rolle, in Hamburg z.B. wird für jedes Zimmer über 8 qm eine Pauschale für die Belieferung mit Strom angesetzt, darum die Küchen genaus 7.80 qm groß waren.
große Wohnküchen wie in der Gründerzeit gab es nicht mehr .

Das muß eine HH-Besonderheit sein. Ich kenne die kleinen Küchen erst ab Mitte der 50er, eher später. Die frühen Nachkriegsbauten direkt nach der Währungsreform griffen oft auf Muster und Pläne der 30er zurück. Es mußte ja schnell gehen, da die Wohnungsnot groß war und man heizte noch mit Kohleöfen.
Deshalb waren die mir bekannten Küchen noch relativ groß. Da mußte der von dir beschriebene Herd mit umlaufender Reling drin Platz haben. Das waren noch Wohnküchen, geschätzt 10-12 qm. Nicht so groß wie in den gründerzeitlichen Bürgerhäusern, die hatten ja kein Dienstpersonal unterzubringen. Ich würde sagen, die Wohnküchen waren Anfang der 50er der größte Raum, der Rest der Zimmer war kleiner.

(24.09.2012 13:13)krasnaja schrieb:  Nicht unerwähnenswert, dass sich mit der Größe des zur Verfügung stehenden Wohnraumes auch die Größe der Möbel ändern musste. Eine Riesenkredenz kann einfach nicht mehr untergebracht werden und ist auch kaum im Treppenhaus zu transportieren.

Der Nachfolger der Kredenz war der totschicke WoZi-Schrank im "Gelsenkirchener Barock", in der Mitte Glas für die Nippes- und Sammeltassenausstellung und hinter einer der Türen versteckte sich ein Barfach.
(24.09.2012 13:13)krasnaja schrieb:  Daraus resultiert, dass Küchen oft in den eigentlichen Wohnbereich integriert sind.
Nicht vorstellbar, dass in solch einer Küche Heringe gebraten werden, oder ein Kohleintopf kocht.
Och, dafür hat man doch Dunstabzugshauben.
Man kocht vielleicht nicht mehr täglich als Vollzeitberufstätiger aber wenn, dann richtig anspruchsvoll nach Rezept.

Wie beschreiben wir denn nun die Jahre von 1933 - 1940 und 1950-1960, die 40er können wir wohl komplett rauslassen.
Wo gibt es denn noch diese Hamburger Verhältnisse mit den Miniküchen schon in den 30er Jahren?
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
24.09.2012, 16:00
Beitrag: #24
RE: Moden im Wohnungsbau, Wohnblocks/Stadtvillen
Wann kam eigentlich die Mode mit den "Durchreichen" auf? Ich würde mal tippen, so ungefähr in den 70ern, vor allem in Mehrfamilienhäusern. Die Küchen waren zu dieser Zeit meist schon recht klein, dafür gab es dann entweder das separate Eßzimmer oder das kombinierte Wohn-/Eßzimmer.

Ein weiterer Trend, der in den Mehrfamilienhäusern bis hin zu Hochhäusern und "Mietskasernen" ungefähr in den 60er Jahren Einzug hielt, waren die innenliegenden Bäder und Toiletten, bzw. das "Kombibad" - d.h. keine separate Toilette in den Wohnungen. Dafür wurden die Räume dann zwangsbelüftet.
Je "sozialer" der Wohnungsbau heute, desto häufiger auch noch diese kleinen Dunkelkammern. Oder ändert sich der Trend derzeit wieder?

nicht ärgern, nur wundern...
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
24.09.2012, 18:58
Beitrag: #25
RE: Moden im Wohnungsbau, Wohnblocks/Stadtvillen
Ich bin gedanklich noch ein wenig an den Bädern hängen geblieben.
Kann man es eigentlich ungefähr bestimmen, wann es üblich wurde, in den Wohnhäusern für jede Wohnung ein eigenes Bad bzw. ein eigenes WC einzubauen?
In den 50er bis 60er Jahren gab es in vielen Mehrfamilienhäusern häufig ja noch Etagen-WC, manchmal aber auch nur eines auf einem Hinterhof.
Im ländlichen Raum gab es in den Bauerhäusern oft weder Bad noch WC, sondern nur den Abtritt außerhalb des Hauses. Gewaschen hat man sich in der Wohnküche. (Gibt es im Schwarzwald übrigens bis heute noch vereinzelt.)
Anknüpfend an diese Gedanken fällt mir noch eine kleine Anekdote ein.

In der Stadt, in der ich lebe, gab es im 19. Jh. bei knapp 5000 Einwohnern nahezu 200 Wirtschaften, Gasthöfe, kleine Schanken und Besenwirtschaften. Ein Grund dafür waren die vielen Händler, die hier Station machten.

In den Herbergen gab es häufig keine Bademöglichkeit, nur das obligatorische Wachlavoir auf dem Zimmer.
Da kam ein findiger Bäcker, der auch eine kleine Schänke betrieb, auf die Idee, seinen Gästen den besonderen Service eines Bades anzubieten. Er trennte dafür einen kleinen Teil der Gaststube mit Tüchern ab und stellte zwei Badezuber für die zahlenden Gäste auf.
Die Gäste waren begeistert und die Nachfrage wuchs enorm. Das machte Schule. Es wurden weitere Bäder angeboten, interessanterweise aber ausschließlich von den Bäckern. Da nicht alle Bäcker eine Gaststube betrieben, wurde einfach ein Teil der Backstube zum Bad umfunktioniert. Das hatte den Vorteil, dass es immer schön warm war.

nicht ärgern, nur wundern...
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
24.09.2012, 19:15
Beitrag: #26
RE: Moden im Wohnungsbau, Wohnblocks/Stadtvillen
Zu den Klos und Bädern
In den Altbauten Berlins (Prenzlauer Berg, N 58) waren die Toiletten auf halber Treppe im Treppenhaus , bei den besseren Häusern 1 Toilette pro etage ebenfalls im Treppenhaus.
Abgeseift hieß es damals, wurden wir in einer Zink-Balje
Und zu den Anekdoten, hier meine.

Plumbsklo, 1 Loch in einem Brett, Sagt der Junge zur Tante: Tante, bei Dir auf dem Bauernhof ist es ja schön, aber die vielen Fliegen auf der Toilette.
Da musst Du nicht morgens gehen sondern mittags, dann sind sie in der Küche.
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
24.09.2012, 21:36
Beitrag: #27
RE: Moden im Wohnungsbau, Wohnblocks/Stadtvillen
Uta, ich schätze, die Durchreichen müssen in den späten 50/60ern modern geworden sein, parallel zu den Miniküchen. Die Arbeit der Hausfrau sollte nicht gesehen werden, die Ergebnisse dagegen schnell parat.

Toilette auf halber Treppe erinnere ich ganz, ganz dunkel, das waren aber alles Altbauten vom Anfang des 20. Jhd., die den Krieg überstanden hatten.
Bei den Wiederaufbauten nach dem Krieg wurden Toiletten, manchmal sogar Bäder gleich eingebaut in die Wohnungen. Bei etlichen Häusern haben Keller, Teile der Fassaden und einige Mauern den Krieg überstanden. Man baute dann in ähnlichen Grundrissen wieder auf. Solche Häuser haben gruselige Keller und meist erkennt man die Geschichte des Badezimmers am Grundriss. Sind es extrem schmale Schläuche hat man die Toilette von einem Zimmer abgetrennt. Und später da noch irgendwie eine Badewanne reingequetscht, meist zusammen mit dem Einbau von Heizungsanlagen in den 60/70er Jahren.
Dass nach dem Krieg neue Häuser mit Wohnungen ohne Toilette / auf 1/2 Treppe gebaut wurden, kann ich mir nicht vorstellen.
Meine Eltern haben gleich Anfang der 50er ein 2-Fam-Siedlungshäuschen gebaut, die Pläne lehnten sich noch an die 30er-Grundrisse an. Wohnküche, Rest kleine Zimmer, das größte Zimmer nach der Wohnküche war das Schlafzimmer, nicht das Wohnzimmer. Es gab aber schon ein Badezimmer mit Toilette, Waschbecken und Badewanne. Darin stand ein Ungetüm von einem Badeofen, der nur am Samstag angeheizt wurde. Ich glaube das Wasser reichte für eine volle Wanne, evtl wurde jeweils heißes Wasser nachgefüllt. In diese Wanne gingen dann alle Familienmitglieder der Reihe nach, erst die Kinder, dann Mutter, dann Vater. Wenn wir Kinder unter der Woche mal sehr schmutzig waren, wurde eine kleine Zinkwanne vor dem Küchenherd aufgestellt für eine schnelle Ganzkörperwäsche. Das kombinierte Toiletten-Badezimmer war im Winter kein gemütlicher Ort, es war ja bis auf Samstag kalt.

Bei den Badezimmern fallen mir noch die Fliesenmoden und eine kleine Jugendsünde ein. Als meine Eltern um 1970 endlich ein richtiges schickes Badezimmer mit Fliesen und fließend Warmwasser + Dusche einbauen wollten, konnten meine Schwester und ich uns farbgestalterisch durchsetzen. So wurde nach der neuesten Sanitärmode topasbraune Wanne, Waschbecken und Toilette eingebaut, dazu Fliesen in zartem erdbeerrot-topasbraun gemustert. Wir fanden das damals totschick.
Viel später habe ich bei jedem Besuch meine Eltern bedauert, dass die sich täglich diese wilden Farben in dem winzigen Raum angucken mußten.
In irgendeiner Wohnung hatte ich auch mal moosgrüne Sanitärobjekte, das war aber längst nicht so schlimm wie diese erdbeer/topasfarbene Scheußlichkeit.
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
25.09.2012, 09:17
Beitrag: #28
RE: Moden im Wohnungsbau, Wohnblocks/Stadtvillen
(24.09.2012 21:36)Renegat schrieb:  Dass nach dem Krieg neue Häuser mit Wohnungen ohne Toilette / auf 1/2 Treppe gebaut wurden, kann ich mir nicht vorstellen.
Oh, sorry Renegat. Da habe ich mich missverständlich ausgedrückt.
Mit "keine separaten Toiletten in den Wohnungen" meinte ich nicht, die Etagen-WC. Ich meinte, dass es üblich war, Toilette und Bad in einem Raum unterzubringen und nicht, wie wir es heute gerne haben, noch ein zusätzliches WC, sozusagen als Gästetoilette einzubauen.

Ja mit der Farbgestaltung ist das so eine Sache. Ich denke noch an die Tapeten der 70 und 80er mit ihren rieseg braungrünen, manchmal auch knallbunten Fraktalmustern. Man hatte immer den Eindruck, zuviel geraucht zu haben, wenn man in so einen Raum kam Big Grin.
Das wirklich Schlimme daran ist aber, dass diese Muster momentan wieder total modern sind.

Ich habe übrigens noch mal über das Stuttgarter Eiernest nachgedacht. Ich habe mal eine Zeit in Stuttgart gelebt, allerdings ohne mich besonders gut auszukennen. In Heslach drüben war ich selten. Ich kann mich aber gut an das Eiernest erinnern. Nicht erinnern kann ich mich an eine Bezeichnung wie Adolf-Hitler-Häuser.

In Schramberg, Kreis Rottweil, kenne ich eine ähnliche Siedlung.
Es handelt sich um kleine, identisch gebaute EFH, mit kleinen Gärtchen, ganz in Anlehnung an die Bergarbeiter-Siedlungen.
Diese Häuser wurden kurz nach 1900 von Junghans (Uhrenhersteller) für seine Mitarbeiter gebaut. (Laut der Firmengeschichte hatte Junghans bereits 1903 ca. 3000 Mitarbeiter). Bei der Schramberger Bevölkerung heißt diese Siedlung "Millionen-Siedlung". Woher dieser Name stammt, ist nicht eindeutig klar. Vielleicht, weil es Millionen gekostet haben muss, rund 200 Häuschen an einen recht steilen Berghang zu bauen?

nicht ärgern, nur wundern...
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
25.09.2012, 12:56
Beitrag: #29
RE: Moden im Wohnungsbau, Wohnblocks/Stadtvillen
Mal etwas unstrukturiert, wie es mir in den Sinn kommt.

Der soziale Wohnungsbau der 50er, bei uns in der Regel 3-stockig, pro Hauseingang 6-Wohnungen die im Untergeschoss ein gemeinsames Bad mit Badewanne hatten.
Noch bis in die 60er hinein, gab es die "Etagenheizung", ein Kachelofen der mit diversen "Heizschächten" die ganze Wohnung heizen sollte.
Auch die Reihenhäuser der 60er hatten in der Regel solche Heizungen.

Eine Besonderheit gab es bei uns mehrfach,
die Flure waren offen, faktisch große ans Haus "gepeppte" Balkone, so dass jede Wohnungstür ins Freie ging. Die Treppenhäuser waren geschlossen, mit Türen zu den Fluren. Die Bewohner sprachen vom "Turm".
Aber auf 750m über NN ein Unding.

Was mich immer wieder verwundert, nach dem 1. WK herrschte große Wohnungsnot. Zuvor scheint das kein so großes Problem gewesen zu sein.
Was so ja eigentlich nicht sein kann.
Da wird es sich halt auch um ein Problem der Wahrnehmung insbesondere in den Medien handeln.

Seis drum.
Im 1. WK entstand bei uns eine große Munitionsfabrik, die 1919-20 natürlich demontiert werden musste. Es blieb eine sehr große Fläche, voll erschlossen, die das Reich der Stadt günstig verkaufte. Von der Lage her, im Schlagschatten eines steilen Nordhangs, für die Wohnbebauung völlig ungeeignet, aber kein Geld, jedoch Wohnungsmangel.
Zog die Stadt in den 20ern ein Viertel hoch, moderne Architektur, an einer Stelle ein Torbogen, mit Wohnungen drüber, durch den die Straße geht, zu jeder Wohneinheit gehören Kleintierställe, große Gemüsegärten, die Arbeiterfamilie sollte mindestens zum Teil Selbstversorger sein. Als Keller werden weitgehend die erhalten gebliebenen Bunker der Munitionsfabrik genutzt, bis heute.
Große gemeinsame Grünflächen.

Das Viertel trug Jahrzehntelang den Namen "Klein Moskau" der zentrale Platz, benannt nach einem großen Dichter, hieß "Roter Platz".

Auch eine Anekdote:
In einem harten Winter verschwanden die kompletten Treppengeländer. Heizmaterial....

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
25.09.2012, 12:57
Beitrag: #30
RE: Moden im Wohnungsbau, Wohnblocks/Stadtvillen
(25.09.2012 09:17)Uta schrieb:  Oh, sorry Renegat. Da habe ich mich missverständlich ausgedrückt.
Mit "keine separaten Toiletten in den Wohnungen" meinte ich nicht, die Etagen-WC. Ich meinte, dass es üblich war, Toilette und Bad in einem Raum unterzubringen und nicht, wie wir es heute gerne haben, noch ein zusätzliches WC, sozusagen als Gästetoilette einzubauen.

Ja mit der Farbgestaltung ist das so eine Sache. Ich denke noch an die Tapeten der 70 und 80er mit ihren rieseg braungrünen, manchmal auch knallbunten Fraktalmustern. Man hatte immer den Eindruck, zuviel geraucht zu haben, wenn man in so einen Raum kam Big Grin.
Das wirklich Schlimme daran ist aber, dass diese Muster momentan wieder total modern sind.

Ich habe übrigens noch mal über das Stuttgarter Eiernest nachgedacht. Ich habe mal eine Zeit in Stuttgart gelebt, allerdings ohne mich besonders gut auszukennen. In Heslach drüben war ich selten. Ich kann mich aber gut an das Eiernest erinnern. Nicht erinnern kann ich mich an eine Bezeichnung wie Adolf-Hitler-Häuser.

In Schramberg, Kreis Rottweil, kenne ich eine ähnliche Siedlung.
Es handelt sich um kleine, identisch gebaute EFH, mit kleinen Gärtchen, ganz in Anlehnung an die Bergarbeiter-Siedlungen.
Diese Häuser wurden kurz nach 1900 von Junghans (Uhrenhersteller) für seine Mitarbeiter gebaut. (Laut der Firmengeschichte hatte Junghans bereits 1903 ca. 3000 Mitarbeiter). Bei der Schramberger Bevölkerung heißt diese Siedlung "Millionen-Siedlung". Woher dieser Name stammt, ist nicht eindeutig klar. Vielleicht, weil es Millionen gekostet haben muss, rund 200 Häuschen an einen recht steilen Berghang zu bauen?


Das schlimmste an diesen Tapeten war, dass sie nicht nur auf Stoß sondern auch mit dem Muster angepasst werden mussten, dadurch pro Bahn IMMER 50 cm verloren waren (learning by doing)

Wenig bekannt: in den 50 Jahren gab es Gummirollen die in einen Farbeimer getunkt wurden und mit denen dann von oben nach unten ein Farbmuster AUF DEN PUTZ !!! abgerollt wurde.
Diese Rollen waren wie die heutigen Lammfellrollen ca. 25 cam breit.Man kann sich vorstellen, wie dann die Wand aussah, wenn nach ca. 1 m senkrechtem Abrollen die Farbe weniger und weniger wurde und dann irgenwo in der Linie mit neuer Farbe wieder angesetzt werden musste.

Noch in den 50 Jahren wurden für die großen Wohnküchen sog. Waschtische angeboten.
Das war ein normaler, an der Wand stehender Arbeitstisch mit einem Auszug nach vorne, mit 2 Metall-Becken, in denen dann der Abwasche gemacht wurde. Abfluß mittels Schlauch nach unten in einen Eimer.. Sehr Umständlich.

Zu den baulichen Maßnahmen für Entwässerung Toilette und Küche: in den Altbauten der Gründerzeit wurden an den Rückseiten der Häuser Fallrohre angebracht, die für den Abtransport sorgten.
(ich muss hier von Hamburg sprechen: Es glt als erwiesen, dass man in Hamburg nie mehr als 4 m von der nächsten Ratte enrfernt ist, was auch mit dem Hafen zutun hat)
Die Anbringung der Fallrohre an den Häusern hatte auch den Vorteil, dass die Wanderungen einer Ratte in die oberen Stockwerke akustisch kontrolliert werden kann.
Es ist keinesfalls selten, dass Ratten bis in den 4. Srück eines Mietshauses im Bereich Altona und ST. Pauli wandern und morgens den Klo-Besucher fragend ansehen: "Sie wünschen ? "
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
25.09.2012, 13:44
Beitrag: #31
RE: Moden im Wohnungsbau, Wohnblocks/Stadtvillen
(25.09.2012 12:56)Suebe schrieb:  Der soziale Wohnungsbau der 50er, bei uns in der Regel 3-stockig, pro Hauseingang 6-Wohnungen die im Untergeschoss ein gemeinsames Bad mit Badewanne hatten.
Noch bis in die 60er hinein, gab es die "Etagenheizung", ein Kachelofen der mit diversen "Heizschächten" die ganze Wohnung heizen sollte.
Eine Besonderheit gab es bei uns mehrfach,
die Flure waren offen, faktisch große ans Haus "gepeppte" Balkone, so dass jede Wohnungstür ins Freie ging. Die TreppenhAuch die Reihenhäuser der 60er hatten in der Regel solche Heizungen.

äuser waren geschlossen, mit Türen zu den Fluren. Die Bewohner sprachen vom "Turm".
Aber auf 750m über NN ein Unding.

Diese Wohnungseingänge von einem offenen umlaufenden Balkon gibt es häufiger, die heißen Laubengang. [Bild: Neum%C3%BCnster_Kocksiedlung_50er_Jahre_Laubengang.JPG][Bild: index.php?title=Datei:Neum%C3%BCnster_Ko...1017175458]

Aber euer sozialer Wohnungsbau macht mich stutzig, ein Badezimmer im Keller für 6 Familien? Die Toiletten aber in den jeweiligen Wohnungen? Wundert mich, ich kenne relativ viele Wohnungen aus den frühen 50ern, allerdings im heutigen Zustand.
Alle bis weit in die 60er hinein hatten eine Gemeinschaftswaschküche im Keller, mit einem beheizbaren Waschkessel. Die wurde nach Wochenplan den einzelnen Wohnungen zugeteilt. Aber auch die Badewanne, das habe ich für Neubau aus der Zeit noch nicht gehört. Oder waren das Behelfsheime?
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
25.09.2012, 15:45
Beitrag: #32
RE: Moden im Wohnungsbau, Wohnblocks/Stadtvillen
(25.09.2012 13:44)Renegat schrieb:  Diese Wohnungseingänge von einem offenen umlaufenden Balkon gibt es häufiger, die heißen Laubengang.


Ja, so sahen die Dinger aus, aber wie gesagt, die Leute haben sich bei uns fast totgeheizt, da hat man die Häuser in den 80ern umgebaut resp. abgerissen.


Zitat:Aber euer sozialer Wohnungsbau macht mich stutzig, ein Badezimmer im Keller für 6 Familien? Die Toiletten aber in den jeweiligen Wohnungen? Wundert mich, ich kenne relativ viele Wohnungen aus den frühen 50ern, allerdings im heutigen Zustand.
Alle bis weit in die 60er hinein hatten eine Gemeinschaftswaschküche im Keller, mit einem beheizbaren Waschkessel. Die wurde nach Wochenplan den einzelnen Wohnungen zugeteilt. Aber auch die Badewanne, das habe ich für Neubau aus der Zeit noch nicht gehört. Oder waren das Behelfsheime?

Nein nein, keine Behelfsheime. sozialer Wohnungsbau bis Mitte der 50er.
Ich habe, in Erfüllung meiner staatsbürgerlichen Pflicht, 1967 Haus- und Wohnungszählung gemacht, und da waren die Fragen nach der Ausstattung tragende Bestandteile der Befragung.
Ich kann jetzt aus dem Stand keine Pläne oder Grundrisse liefern, aber die gibt es bestimmt.
Die Häuser, in denen ich damals war, hat man dann auch in den 80er/90ern saniert oder abgerissen.


Behelfsheime.
Gab es bei uns bis in die 50er Jahre mehrere ausgediente Eisenbahnwaggons, die die Stadt kurz nach dem 1.WK auf Fundamente setzen ließ.

Anekdote:
Da hat eine Dame drin gewohnt, die hat den jungen Frauen, ob sie es hören wollten oder nicht, ständig geraten:
"Mädle heiratet bloss nicht, und wenn er einen goldenen A..... hat".

Sie war wohl einst nicht unvermögend, und der Angetraute hat dieses Vermögen durch die Gurgel gejagt. Wobei meine Mutter meinte, die hätte die Leber auch auf der Sonnenseite gehabt.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
25.09.2012, 17:10
Beitrag: #33
RE: Moden im Wohnungsbau, Wohnblocks/Stadtvillen
(25.09.2012 15:45)Suebe schrieb:  Nein nein, keine Behelfsheime. sozialer Wohnungsbau bis Mitte der 50er.
Ich habe, in Erfüllung meiner staatsbürgerlichen Pflicht, 1967 Haus- und Wohnungszählung gemacht, und da waren die Fragen nach der Ausstattung tragende Bestandteile der Befragung.
Ich kann jetzt aus dem Stand keine Pläne oder Grundrisse liefern, aber die gibt es bestimmt.
Die Häuser, in denen ich damals war, hat man dann auch in den 80er/90ern saniert oder abgerissen.


Ist ja klar, dass die Haus- und Wohnungszählung im Netz zu finden ist.
Hätte ich auch gleich drauf kommen können.

Hier: http://www.statistik-bw.de/Veroeffentl/M...=04&eNr=14


Zitat:Die nächste Gebäude- und Wohnungszählung fand 1968 statt. Auf dem Erhebungsbogen fanden sich Fragen nach der Ausstattung der Wohnung mit Bad und WC, nach der Beheizung und nach der Wohnfläche und damit die ersten Ansatzpunkte für die Bewertung der Qualität der Wohnungen. Im Ergebnis konnte festgestellt werden, dass in Baden-Württemberg 25 % aller Wohnungen zum besten Ausstattungstyp (mit Bad, WC und Sammelheizung) gehörten und weitere 37 % besaßen Bad und WC.1 Die durchschnittliche Belegungsdichte je Wohnung war weiter gesunken und betrug rein rechnerisch 3,2 Personen je Wohnung. Insgesamt standen annähernd 2,8 Mill. Wohnungen zur Verfügung. Die durchschnittliche Wohnungsgröße errechnete sich zu 73,6 m2.

Ergo: 38 % der Wohnungen 1968 hatten kein Bad+WC!

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
25.09.2012, 17:44
Beitrag: #34
RE: Moden im Wohnungsbau, Wohnblocks/Stadtvillen
In der Wohnanlage, in die ich 1968 zog, bestehend aus 6 Häusern mit insges. 102 Wohnungen hatte: (Genossenschaftswohnung)

Gemeinschaftswaschküche mit 8 kg Maschine
Zentrifuge/Tümmler
Trockner für bestimmt 10 kg
Mangel
Zentrale Heizungsanlage
Sauna (die ich in 25 Jahren nie benutzt habe)
in den Wohnungen: eingebaute Küche
Parkett im Wohnzimmer
Teak-Edelholztüren
Kabelfernsehen (DDR, Türkei und dann natürlich die damaligen öffentlichen)
Noch kein Warmwasser aus der Wand, nur Durchlauferhitzer im Bad (27 KW)
und 5 Ltr. Speicher in der Küche.

DAS war aber schon Komfort.
Sozialer Wohnungsbau in der BRD ab der 60 Jahre, war kein billiges Bauen und nicht mit der Platte in der DDR zu vergleichen,
Ich konnte nach der Wende in Schwerin fürchterliche Beispiele dafür sehen, was sozialistischer Wohnungsbau anrichten kann.

Bei Wohnungen gibt es außerdem einen wichtigen Aspelt, die Identifikation des Mieters mit dem Haus selber.
Es ist festgestellt worden, dass je größer die Anzahl der Mieter in einem Haus ist, desto geringer wird der Teil AUßERHALB der Wohnung, der als Privat oder Halbprivat angesehen wird.
In einem Haus mit wenig Partie gilt der Bereich ca. 1 m um die Tür noch als Privatbereich, der Halb-Privatbereich sich dann auch noch auf das Treppenhaus erstreckt und auch noch, je nach Lage auf den Vorgarten.
Bei Häusern mit hoher Mieterzahl erstreckt sich der Halbpribarbereich gerade mal bis zur Außenhaut der Tür.

Enge, kleine Wohnungen machen Menschen kaputt,
Nichts geht über die Großzügigkeit einer Altbauwohnung mit 3 oder 4 ineinander gehenden Zimmern, mit Rückzugsmöglichkeiten.
Wir haben hier in Hamburg sog. bügerliche Quartiere, da sind die Zimmer der einzelnen Wohnungen auch 30 qm groß (Ise-piese im Gegensatz zu Ise.miese) mit Ise-miese ist die Isestraße gemeint, deren Wohnungen aus der Gründerzeit sicher auch 15o qm als Zweispänner haben.
In Ise-piese gibt es vielfach nur Einspänner, nach vorne gehen auf der compl. Hausbreite von 18 m dann 3 Zimmer quer ineinander über, d.h. die Zimmer haben dann mindestens eine Fläche von 5 x 7 m und dann ist das Haus rd. 30 m tief
DAS ist hochherrschaftliches Wohnen, einschließlich einer Kleinstwohnung im Erdgeschoss für den "Vize" so werden abfällig die Hausmeister bezeichnet, die Kontrolleure , wer wann zu wem kommt.

Teilweise gibt es in Hamburg noch Häuser, die haben einen Dienstbotenaufgang mit der Wohnung für die Dienstboten, die dann so gebaut sind, dass ein Zugang zu den Wohnräumen "der Herrschaft" nur über eine einzige Tür möglich ist, In diesen Wohnungen der Herrschaft gibt es auch keine Küche. .
Die "Köksch" die Köchin kocht und übergibt es einem Diener , der dann serviert,
Esszimmer mit 40 qm und mehr keine Seltenheit.
Ich bin in der glücklichen Lage, das Buch "Hamburg und seine Bauten" aus 1880 ? im Original mein Eigen zu nennen, da gibt es Häuser mit Grundrisse, die heutige Architekten vor Neid erblassen lassen.

Solche Wohnungen haben dann sehr aufwendig gestalte Hauseingänge, mit Marmortreppen 2, 3 Stufen , rechts und links große Spiegel, in der sich die Dame des Hauses noch einmal begutachten kann, von oben bis unten, um ihre Haarnadel noch einmal richtig festzustecken, damit´s den Dutt nicht zerlegt.

In vielen dieser Häuser gibt es seitliche Einfahrten in das Haus hinein, mit einem Zugang vom Parterre vom Fahrstuhl, um dann seitlich in das angespannte Fuhrwerk steigen zu können, den Rock keck seitllich hochgezogen.
Das ist der Charme der Bourgoisie
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
25.09.2012, 18:48
Beitrag: #35
RE: Moden im Wohnungsbau, Wohnblocks/Stadtvillen
(25.09.2012 17:44)krasnaja schrieb:  In der Wohnanlage, in die ich 1968 zog, bestehend aus 6 Häusern mit insges. 102 Wohnungen hatte: (Genossenschaftswohnung)

Gemeinschaftswaschküche mit 8 kg Maschine
Zentrifuge/Tümmler
Trockner für bestimmt 10 kg
Mangel
Zentrale Heizungsanlage
Sauna (die ich in 25 Jahren nie benutzt habe)
in den Wohnungen: eingebaute Küche
Parkett im Wohnzimmer
Teak-Edelholztüren
Kabelfernsehen (DDR, Türkei und dann natürlich die damaligen öffentlichen)
Noch kein Warmwasser aus der Wand, nur Durchlauferhitzer im Bad (27 KW)
und 5 Ltr. Speicher in der Küche.

./.

Für 1968 Super-Komfort.

Aber, krasnaja, wenn du 1968 Kabelfernsehen mit türkischem Sender hattest,
will ich Maier heißen.

Für 1986 dagegen, ist der Komfort eher unterdurchschnittlich
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
25.09.2012, 20:29
Beitrag: #36
RE: Moden im Wohnungsbau, Wohnblocks/Stadtvillen
(25.09.2012 15:45)Suebe schrieb:  Nein nein, keine Behelfsheime. sozialer Wohnungsbau bis Mitte der 50er.
Ich habe, in Erfüllung meiner staatsbürgerlichen Pflicht, 1967 Haus- und Wohnungszählung gemacht, und da waren die Fragen nach der Ausstattung tragende Bestandteile der Befragung.
Ich kann jetzt aus dem Stand keine Pläne oder Grundrisse liefern, aber die gibt es bestimmt.
Die Häuser, in denen ich damals war, hat man dann auch in den 80er/90ern saniert oder abgerissen.

Und die wurden erst in den 50ern gebaut? Wenn die schon vor dem Krieg da standen, kein Thema.

(25.09.2012 17:10)Suebe schrieb:  Ergo: 38 % der Wohnungen 1968 hatten kein Bad+WC!

Da ist ganz viel Vorkriegsaltbau dabei. Gab´s bei euch keine Bombenangriffe?
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
25.09.2012, 20:37
Beitrag: #37
RE: Moden im Wohnungsbau, Wohnblocks/Stadtvillen
(25.09.2012 18:48)Steppenwolf schrieb:  Für 1968 Super-Komfort.

Aber, krasnaja, wenn du 1968 Kabelfernsehen mit türkischem Sender hattest,
will ich Maier heißen.

Für 1986 dagegen, ist der Komfort eher unterdurchschnittlich
Nö, ist selbst für 86 noch ganz gut, Einbauküche! Oder ist damit freistehender Herd und Spüle gemeint? Das war früher Standard, heute dagegen nicht mehr.
Dagegen ist fließend Warmwasser heute Standard, Holzböden und Türen dagegen nicht, wenn man Glück hat, Laminat.
Krasnaja schrieb von Genossenschaftswohnung, das ist kein sozialer Wohnungsbau.
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
26.09.2012, 08:55
Beitrag: #38
RE: Moden im Wohnungsbau, Wohnblocks/Stadtvillen
(25.09.2012 18:48)Steppenwolf schrieb:  Für 1968 Super-Komfort.

Aber, krasnaja, wenn du 1968 Kabelfernsehen mit türkischem Sender hattest,
will ich Maier heißen.

Für 1986 dagegen, ist der Komfort eher unterdurchschnittlich

Nö, 1968 hatte ich das noch nicht, das kam 10 Jahre später, und da dich das so ungemein interessiert, es war der 30. Februar 1979

Ist ja auch egal. Wo gab es Ende der 70 Jahre DDR-Fernsehen oder TRT in Wohnanlagen eingespeist ?
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
26.09.2012, 09:55
Beitrag: #39
RE: Moden im Wohnungsbau, Wohnblocks/Stadtvillen
(25.09.2012 20:29)Renegat schrieb:  Und die wurden erst in den 50ern gebaut? Wenn die schon vor dem Krieg da standen, kein Thema.

Fakt, das Viertel in dem ich die Zählung machte, ist zwischen 1950 und 1965 entstanden, die Wohnungen bis ca. 55 hatten Toilette mit Waschbecken, aber kein Bad. Das Bad war für den gesamten Treppenaufgang im Keller.

Zitat:Da ist ganz viel Vorkriegsaltbau dabei. Gab´s bei euch keine Bombenangriffe?

Aber natürlich, der Hohenzoller ist eine Landmarke für den Anflug-Abflug Raum München. Für dort abgedrängte oder beschädigte US-Bomber waren "wir" eines der Ersatzziele.
Anekdote: Stauffenberg hat am 11. Juli 44 versucht seine Frau in Lautlingen telefonisch zu erreichen. Ging nicht, war gerade ein Luftangriff, der heftigste mit über 60 Toten. Bei zdZ vielleicht 15.000 Einwohnern
Aber so kamen wir in den Stauffenbergfilm mit Tom Cruise.

Und im April 45 haben Jabos auf dem Bahnhofsgelände einen Munitionszug erwischt, als nach 3 Tagen die Explosionen aufhörten, war vom Bahnhofsviertel nicht mehr viel übrig.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
26.09.2012, 10:36
Beitrag: #40
RE: Moden im Wohnungsbau, Wohnblocks/Stadtvillen
Ganz so ungewöhnlich ist das was Suebe beschreibt nicht. Ich möchte als Beispiel einen Bezirk in Rottweil anführen, den Omsdorfer Hang. (Rottweil und Hohenzollern sind beinahe Nachbarn)
An diesem Hang am Stadtrand gelegen, entstand während des Krieges ein Gefangenenlager, bestehend aus zwei Steinbaracken für die Kommandantur und einer ganzen Reihe von Holzbaracken für die internierten Russen. Das Lager war aber nur kurz in Betrieb. Ob es verlegt oder aufgelöst wurde, entzieht sich meiner Kenntnis.
In den Baracken wurden gegen Ende des Krieges Flüchtlinge untergebracht. Ab 1955 begann man, anstelle der Holzbaracken große Mehrfamilienhäuser, mit separaten Wohnungszugängen, über umlaufende Laubengänge zu errichten. In diese Wohnungen wurden bereits Sanitärs eingebaut.
Die Steinbaracken blieben jedoch noch ewig stehen - sie wurden erst kürzlich abgerissen. Die Wohnungen in den Steinbaracken teilten sich bis ca. 1955-1956 ein Toilettenhäuschen mit mehreren Kabinen auf dem Hinterhof (jeder Wohnung war eine Kabine zugeteilt worden). Ab 1955 wurden dann Toiletten in die Wohnungen eingebaut, allerdings kein Bad. Es gab pro Haus jeweils ein Gemeinschaftsbad.
Diese Zustände wurden mW erst zwischen 1965 und 1975 geändert.
http://www.rottweil.de/ceasy/modules/cor...nifier%3D1
(Anmerkung: Diese "Umrahmung" des Eingangsbereiches in der Mitte des Gebäudes ist soweit ich weiß eine Verfehlung aus den 80ern)

nicht ärgern, nur wundern...
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Antwort schreiben 


Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste

Kontakt    |     Startseite    |     Nach oben    |     Zum Inhalt    |     SiteMap    |     RSS-Feeds