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russische Revolution - Aufgabenstellung
20.12.2017, 18:01
Beitrag: #1
Rainbow russische Revolution - Aufgabenstellung
Hallo zusammen!

Ein Freund von mir sollte eine Stellungnahme zur russischen Revolution verfassen. Dabei durften sie selbst entscheiden, auf was sie sich fokussieren möchten bzw. welche Leitfrage.

Er würde gerne Eure Meinungen bzgl. des Textes erfahren. Wie findet Ihr den Text inhaltlich. Ist es sinnvoll strukturiert aufgebaut?
Wie viele Punkte würdet Ihr ihm dafür geben (1-15)?

Im Folgenden der Text:

Wer war Wladimir Iljitsch Lenin und warum kennt fast jeder seinen Nachnamen, zumindest in Russland.
Wladimir Iljitsch Lenin war ein russischer kommunistischer Politiker. Er war einer der bekanntesten marxistischsten Theoretiker und Vorsitzender der sogenannten Bolschewiki – Partei.
Bekannt wurde er durch die Oktoberrevolution am 25.10.1917, welches eine gewaltsame Machtübernahme durch die kommunistische Bolschewiki unter seiner Führung in Russland war. Dabei wird unter Bolschewiki eine radikale Partei verstanden, die nach sozialen Reformen und den Sturz des Zaren strebt. Ziel ist es, eine Diktatur des Proletariats durch sogenannte Arbeiterräte (Sowjets) aufzubauen.
Voraussetzungen für Lenins Erfolg und Macht waren viele einzelne Punkte, die durch ihre Kombination große Folgen mit sich führten.
Der größte Punkt war der im Jahre 1914 beginnende Erste Weltkrieg, welches vier Jahre lang andauerte. Mit dieser sogenannten „Urkatastrophe“ (Blatt: Der Erste Weltkrieg – die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts S.7) entstanden weitere Konsequenzen zum Vorteil für die Bolschewiki – Partei. Gegen Ende des Krieges gab es sehr viele Tote und Verwundete in Russland. Darüber hinaus war ein weiteres Resultat des Krieges die schlechte Versorgungslage der russischen Bevölkerung. Hunger, Krankheit und Not belasteten die Zivilbevölkerung.
Zudem war die wirtschaftliche Lage ausgesprochen schlecht, sodass sich die Situation in Russland zuspitzte. Im Vergleich zur Bevölkerung lebte der Adel in der autokratischen Alleinherrschaft sehr gut. Besonders der Zar Nikolaus II. Dieser wurde immer unbeliebter und verweigerte trotz der katastrophalen Situation jegliche politische Reformen. Aufgrund dessen entwickelte sich eine große Abneigung gegenüber ihm. Dies wurde durch Streiks und Demonstrationen der russischen Bevölkerung deutlicher. Letztlich war am 23.02.1917 in Petrograd der Höhepunkt der Aufstände. Der Zar Nikolaus II versuchte durch Soldaten und Polizisten den Aufstand aufzulösen. Jedoch ohne Erfolg. Stattdessen solidarisierten sich immer mehr Soldaten mit der Bevölkerung. Die entstandene Revolution, welche als Februarrevolution bekannt ist, führte am 01.03.1917 zum Zerfall des Zarenreiches.
Kurz darauf wurde eine neue Regierung von Mitgliedern des ehemaligen Parlaments gegründet. Diese stellten alsbald eine Gefahr für die „Sowjets“ dar. Während die Regierung sich auf die Kriegsführung konzentrierte, wollten die Sowjets die wirtschaftlichen Probleme und schlechte Versorgungslage verbessern. Dies führte zu einem Konflikt. Durch die Rückkehr des Anführers Lenin wurden die Kommunisten stärker. Dieser kam nach dem Abdanken des Zaren im April 1917 wieder aus dem Ausland nach Russland. Lenins größtes Ziel war die Übernahme der Macht durch die Sowjets und die Beendigung des Krieges.
Die Aufgabe der momentanen Regierung war ausgesprochen aufwendig. Durch die entstehenden Fehler der Regierung bekam Lenin aus der Bevölkerung immer mehr Zuspruch.
Um an die Macht zu gelangen, riskierten die Kommunisten einen Putsch. Dabei haben sie die provisorische Regierung gestürzt und eroberten die wichtigsten Gebäude in der Hauptstadt, sodass sie die Macht über die Hauptstadt erhielten. Somit hatten die Bolschewiki durch die sogenannte Oktoberrevolution die Führung des Landes und konnten ihre Ziele in die Tat umsetzen.


Auffällig ist, dass dieser erfolgreiche Putschversuch und die Eroberung der wichtigsten Gebäude insbesondere des Winterpalasts von den Kommunisten ausgesprochen übertrieben dargestellt werden. Viele Bilder wurden veröffentlicht, indem die Eroberung sehr gewaltsam schien. Dies jedoch stimmt nicht. Bei der Eroberung wurde kein einziger Mensch verletzt oder sogar umgebracht. Lenin wird in den Bildern als ein Held oder Retter dargestellt. Meiner Meinung nach geht dies zu weit. Zwar war er ein guter Anführer seiner Partei und konnte diese gut zusammenhalten, jedoch könnte ich mir gut vorstellen, dass sich die Umstände, insbesondere die Oktoberrevolution auch ohne Lenin in dieser Richtung entwickeln könnte. Trotzdem hatte er sehr gute Führungsqualitäten und konnte die Partei schnell zu einem sogenannten Staats – und Wirtschaftsapparat führen, mit dem marxistischen Grundgedanken. Seine Vorstellung zu einer Diktatur des Proletariats finde ich sehr interessant und spannend. Gleichzeitig wird man von seinen Aussagen negativ überrascht. Die Vorstellung, dass jeder das arbeiten kann, was seine Interessen sind und alle gleich behandelt werden, ist verlockend. Nach Lenin soll „Jeder […] Brot haben, alle sollen feste Schuhe und ordentliche Kleidung tragen, eine warme Wohnung haben, gewissenhaft arbeiten„ (siehe Arbeitsmaterial S. 42 Diktatur des Proletariats oder der Bolschewiki M 10 Z. 5 ff). Dies wirkt sehr gut und zum Wohle für die ganze Bevölkerung gedacht, doch wenn man seine Aussagen weiterliest, fällt die grausame Art auf. Nur diejenigen sollen „Brot“ (siehe Arbeitsmaterial S. 42 Diktatur des Proletariats oder der Bolschewiki M 10 Z. 5 ff) erhalten, welche auch dafür etwas tun. Hierbei werden Kranke, ältere Menschen oder Kinder nicht berücksichtigt. Nach Lenin bedeutet es: „Wer nicht arbeitet, der soll auch nicht essen!“ (siehe Arbeitsmaterial S. 42 Diktatur des Proletariats oder der Bolschewiki M 10 Z. 8 ff). Zudem werden durch seine Aussagen seine Vorstellungen gegenüber Reichen deutlich. Er sieht die Reichen als „Ungeziefer“ an, welche man ins „Gefängnis stecken“ müsse (siehe Arbeitsmaterial S. 42 Diktatur des Proletariats oder der Bolschewiki M 10 Z. 19 f.). Dies verdeutlicht seinen Hass gegenüber Reichen. Auch dies geht meiner Meinung nach zu weit. Er verurteilt eine gesamte Gruppe von Menschen und sieht Hoffnung nur in den Arbeitern und Bauern. Auch Reiche sind Menschen und können sich ändern. Dafür ist ein Gefängnis ohne eine schlimme Tat meiner Meinung nach nicht nötig. Darüber hinaus ist sein Plan erschreckend. Nach den Gefängnisaufenthalten sollen die damaligen Reichen einen sogenannten „gelben Pass“ mit sich führen, damit das ganze Volk sie bis zu „ihrer Besserung als schädliche Elemente“ überwachen können (siehe Arbeitsmaterial S. 42 Diktatur des Proletariats oder der Bolschewiki M 10 Z. 23 ff). Dies ist diskriminierend und natürlich gegen die Menschenwürde.
Zusammenfassend ist der Grundgedanke Lenins, welcher auf Karl Marx zurückzuführen ist, interessant und ein neues spannendes Gesellschaftsmodell. Jedoch setzt Lenin dies meiner Meinung nach falsch um und missbraucht seine Macht. Er baut stattdessen eine totalitäre Diktatur gebunden mit Angst und Schrecken auf. Nach Marx und Engels soll „Jeder nach seinen Fähigkeiten [arbeiten], jedem nach seinen Bedürfnissen“ (siehe Arbeitsblatt Sekundarstufe I/II). Dabei wird deutlich, dass alle, also jeder mit der Aussage gemeint ist. Es sollten keine Unterschiede zwischen Reichtum und Armut geben. Arbeit soll freiwillig ausgeübt werden. Im Vergleich zu diesen Thesen macht Lenin letztlich wieder Unterschiede zwischen Reichen und Armen und baut für Reiche bestimmte Umerziehungslager auf. Zudem lässt er eine Gruppe von sogenannten Vorkämpfern entstehen, die eine Art Schicht darstellt. Auf jeden Fall hatte Lenin auf die Geschichte Russlands und sogar der ganzen Welt großen Einfluss. Meiner Meinung nach eher einen großen negativen Einfluss, welches sich in der Geschichte wieder spiegeln lässt.

Danke schonmal!

Liebe Grüße,
RegenbogensonneWink

Auch ein langer Weg beginnt mit dem ersten Schritt.
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22.12.2017, 21:58
Beitrag: #2
RE: russische Revolution - Aufgabenstellung
Ich habe aber keine Ahnung, wie ich die Arbeit bewerten soll. Etwa mit 10? ....

(20.12.2017 18:01)Regenbogensonne schrieb:  Wer war Wladimir Iljitsch Lenin und warum kennt fast jeder seinen Nachnamen, zumindest in Russland.

Hier wäre noch ein Hinweis zu Lenins richtigen Namen Wladimir Iljitsch Uljanow sinnvoll. Ein paar Zeilen über seinen Werdegang und über das Schicksal seines älteren Bruders Alexander würde zum Verstehen dieser historischen Figur beitragen.

(20.12.2017 18:01)Regenbogensonne schrieb:  Wladimir Iljitsch Lenin war ein russischer kommunistischer Politiker. Er war einer der bekanntesten marxistischsten Theoretiker und Vorsitzender der sogenannten Bolschewiki – Partei.

1898 wurde die Sozialdemokratische Partei Russlands (SDAPR) gegründet. Lenin initiierte auf deren 2. Parteitag die Spaltung in Bolschewiki (Mehrheitler) und Menschewiki (Minderheitler). Die Bolschewiki führten bis 1918 als offizielle Parteibezeichnung den Namem Sozialdemokratische Partei Russlands (Bolschewiki) - SDAPR (B) - erst danach nannten sie sich Kommunistische Partei Russlands - zuerst noch KPR (B) abgekürzt, dann nur noch KPR.

Lenin schuf eine "Partei neuen Typus" - de facto ein straff hierarchisch organisierte Partei unter der Leitung von Berufsrevolutionären. Damit widersetzte er sich den Menschewiki, die im Gegensatz zu ihren Namen bei den einfachen Parteimitgliedern mehr Anhänger hatte als die Bolschewiki. Zumindest hätten die für Russland wichtigen marxistischen Theoretiker Plechanow, Axelrod oder Blagoew als Gegenspieler Lenins genannt werden müssen. Ebenso fehlt ein Hinweis zu den Ereignissen von 1905 (Russische Revolution, Petersburger Blutsonntag)

(20.12.2017 18:01)Regenbogensonne schrieb:  Bekannt wurde er durch die Oktoberrevolution am 25.10.1917, welches eine gewaltsame Machtübernahme durch die kommunistische Bolschewiki unter seiner Führung in Russland war.

Lenin war in der internationalen und russischen Arbeiterbewegung seit etwa 1900 bekannt. Der russischen Öffentlichkeit ist er spätestens seit April 1917 bekannt. (Doppelherrschaft von provisorischer Regierung (Kerenski) und Sowjets (Lenin))

Der 25.10.1917 war das Datum nach dem julanischen Kalender, nach dem gregorianischen Kalender war es bereits der 07.11.1917. Es empfiehlt sich für Daten von 1700 bis 1918 folgende Schreibweise zu verwenden: zuerst 25.10.1917 jul. / 07.11.1917 greg., später nur 25.10./07.11.1917

Die Ereignisse am 25.10./07.11.1917 verliefen unblutig. Kein Toter war zu beklagen. Es war keine gewaltsame Machtübernahme. Militärischer Führer und eigentlicher Organisator der Machtübernahme war Leo Trotzki. Die Gewalt eskalierte erst nach der Machtübernahme. (Russischer Bürgerkrieg von 1918-1920/22)

(20.12.2017 18:01)Regenbogensonne schrieb:  Dabei wird unter Bolschewiki eine radikale Partei verstanden, die nach sozialen Reformen und den Sturz des Zaren strebt. Ziel ist es, eine Diktatur des Proletariats durch sogenannte Arbeiterräte (Sowjets) aufzubauen.

Der Sturz des Zaren und die "Diktatur des Proletariats" waren die Hauptziele Lenins. Die Umsetzung von soziale Reformen und die Bildung von Arbeiterräten dienten nur den Zweck, Anhänger zu gewinnen. Einige dieser Leninischen Reformen oder die NEP wurden später von Stalin rückgängig gemacht. Die Bedeutung der Arbeiterräte (Sowjets) sank bereits während der Diktatur Lenins um 1920/21.

(20.12.2017 18:01)Regenbogensonne schrieb:  Voraussetzungen für Lenins Erfolg und Macht waren viele einzelne Punkte, die durch ihre Kombination große Folgen mit sich führten.
Der größte Punkt war der im Jahre 1914 beginnende Erste Weltkrieg, welches vier Jahre lang andauerte. Mit dieser sogenannten „Urkatastrophe“ (Blatt: Der Erste Weltkrieg – die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts S.7) entstanden weitere Konsequenzen zum Vorteil für die Bolschewiki – Partei. Gegen Ende des Krieges gab es sehr viele Tote und Verwundete in Russland. Darüber hinaus war ein weiteres Resultat des Krieges die schlechte Versorgungslage der russischen Bevölkerung. Hunger, Krankheit und Not belasteten die Zivilbevölkerung.

Es ist richtig, dass der von 1914 bis 1918 dauernde Erste Weltkrieg als Urkatastrophe des 20. Jahrhundert gewertet wird. Beachte aber, dass Russland nach dem Sturz des Zaren am 2. / 15. März 1917 aus dem Krieg ausschied. Die deutschen Eroberungen in der Ukraine und der Vertrag von Brest-Litowsk waren Ereignisse, die erst nach der "Oktoberrevolution" stattfanden. 1918 verschlechterten sich die Lebensbedingungen.

(20.12.2017 18:01)Regenbogensonne schrieb:  Zudem war die wirtschaftliche Lage ausgesprochen schlecht, sodass sich die Situation in Russland zuspitzte. Im Vergleich zur Bevölkerung lebte der Adel in der autokratischen Alleinherrschaft sehr gut. Besonders der Zar Nikolaus II. Dieser wurde immer unbeliebter und verweigerte trotz der katastrophalen Situation jegliche politische Reformen.

Genau genommen lebte der Hochadel in der autokratischen Gesellschaft nur gut. Die meisten russischen Adligen hatten keinen Grundbesitz, von dem sie leben konnten. Sie mussten Brotberufe ausüben, z.B. als Beamte oder Miltärs dem Staat dienen oder sie arbeiteten als Lehrer (wie Lenins Vater), als Journalisten, als Gutsverwalter usw. Die russische Intelligenzija entstammte zum großen Teil aus dem Adel. Im Dezember 1825 erhoben sich (aus dem Adel stammende) Kadetten gegen die Thronbesteigung des Zaren Nikolaus I. Dieser Dekabristenaufstand wurde schnell niedergeschlagen. Spätere Narodnowolzen (Anarchisten) entstammten dem Adel.

Lenins Vater wurde für Verdienste in den Adel gehoben. Lenins Mutter sprach 1887 nach dem gescheiterten Attentat auf Alexander III. beim Zaren vor, um den Adel (bzw. dessen Privilegien) in ihrer Familie zu behalten. Lenin hätte sonst nicht oder nur unter schwierigen Bedingungen studieren können.

(20.12.2017 18:01)Regenbogensonne schrieb:  Aufgrund dessen entwickelte sich eine große Abneigung gegenüber ihm. Dies wurde durch Streiks und Demonstrationen der russischen Bevölkerung deutlicher. Letztlich war am 23.02.1917 in Petrograd der Höhepunkt der Aufstände. Der Zar Nikolaus II versuchte durch Soldaten und Polizisten den Aufstand aufzulösen. Jedoch ohne Erfolg. Stattdessen solidarisierten sich immer mehr Soldaten mit der Bevölkerung. Die entstandene Revolution, welche als Februarrevolution bekannt ist, führte am 01.03.1917 zum Zerfall des Zarenreiches.

Die Aufstände begannen am 23.02./08.03.1917, der wichtigste Tag war der 27.02./12.03.1917. Am 02./15.03.1917 dankte Nikolaus II. ab, ebenso dankte sein Bruder Michael als Thronfolger ab. Damit endete die Romanowdynastie und die Zarenherrschaft. Diskreditiert war der Zar vor allem, weil er 1915 den Oberbefehl über das russische Heer übernahm, eine Aufgabe, der er nicht gewachsen war. Außerdem sorgte das Wirken des Wunderheilers Grigorij Rasputin für ein schlechten Ruf des Zaren und der Zarin.

(20.12.2017 18:01)Regenbogensonne schrieb:  Auffällig ist, dass dieser erfolgreiche Putschversuch und die Eroberung der wichtigsten Gebäude insbesondere des Winterpalasts von den Kommunisten ausgesprochen übertrieben dargestellt werden. Viele Bilder wurden veröffentlicht, indem die Eroberung sehr gewaltsam schien. Dies jedoch stimmt nicht. Bei der Eroberung wurde kein einziger Mensch verletzt oder sogar umgebracht. Lenin wird in den Bildern als ein Held oder Retter dargestellt. Meiner Meinung nach geht dies zu weit. Zwar war er ein guter Anführer seiner Partei und konnte diese gut zusammenhalten, jedoch könnte ich mir gut vorstellen, dass sich die Umstände, insbesondere die Oktoberrevolution auch ohne Lenin in dieser Richtung entwickeln könnte.

Die propagandistischen Filme über die Revolutionen von 1905 und 1917 wurde unter der Regie von Sergej Eisenstein gedreht. Eisenstein zählte zu den Avantgardisten und war einer der wichtigsten Regisseure der UdSSR. Stalin sah sich als der von Lenin ausgewählte Nachfolger. Deswegen wurde die Rolle Lenins überhöht. Der eigentliche militärische Führer Trotzki wird gar nicht erwähnt. Eisenstein war durchaus ein kritischer Regisseur, wie z.B. bei "Iwan der Schreckliche".

(20.12.2017 18:01)Regenbogensonne schrieb:  Zusammenfassend ist der Grundgedanke Lenins, welcher auf Karl Marx zurückzuführen ist, interessant und ein neues spannendes Gesellschaftsmodell. Jedoch setzt Lenin dies meiner Meinung nach falsch um und missbraucht seine Macht. Er baut stattdessen eine totalitäre Diktatur gebunden mit Angst und Schrecken auf.

Sehr gut. Du hast erkannt, dass das sogenannte "stalinistische" System seine Menschenverachtung nicht von Stalin hat, sondern von Lenin.

"Geschichte erleuchtet den Verstand, veredelt das Herz, spornt den Willen und lenkt ihn auf höhere Ziele." Cicero
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22.12.2017, 22:45
Beitrag: #3
RE: russische Revolution - Aufgabenstellung
(22.12.2017 21:58)Sansavoir schrieb:  Sehr gut. Du hast erkannt, dass das sogenannte "stalinistische" System seine Menschenverachtung nicht von Stalin hat, sondern von Lenin.

Hmmm...:
Damals ironisierte Stalin die Begriffsbildung noch, ‚Stalinismus' sei eine besonders energische Verteidigung des Leninismus. Anzumerken ist auch, dass der Begriff Marxismus-Leninismus auf Stalin und seine ideologische Prägung zurückzuführen ist.

Das würde deiner Meinung widersprechen.

Nie darf man so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken....
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23.12.2017, 02:43
Beitrag: #4
RE: russische Revolution - Aufgabenstellung
(22.12.2017 22:45)Flora_Sommerfeld schrieb:  
(22.12.2017 21:58)Sansavoir schrieb:  Sehr gut. Du hast erkannt, dass das sogenannte "stalinistische" System seine Menschenverachtung nicht von Stalin hat, sondern von Lenin.

Hmmm...:
Damals ironisierte Stalin die Begriffsbildung noch, ‚Stalinismus' sei eine besonders energische Verteidigung des Leninismus. Anzumerken ist auch, dass der Begriff Marxismus-Leninismus auf Stalin und seine ideologische Prägung zurückzuführen ist.

Das würde deiner Meinung widersprechen.

Okay. Das wusste ich noch nicht. Dass der Begriff Marxismus-Leninismus auf Stalin zurückzuführen ist, stimmt natürlich. Wobei diese Ideologie nicht nur auf die von Marx, Engels und Lenin zurück geht. Vieles geht auf dem Kriegskommunismus zurück. er ist zu,am Erfinder der Planwirtschaft.

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23.12.2017, 04:44
Beitrag: #5
RE: russische Revolution - Aufgabenstellung
(23.12.2017 02:43)Sansavoir schrieb:  
(22.12.2017 22:45)Flora_Sommerfeld schrieb:  Hmmm...:
Damals ironisierte Stalin die Begriffsbildung noch, ‚Stalinismus' sei eine besonders energische Verteidigung des Leninismus. Anzumerken ist auch, dass der Begriff Marxismus-Leninismus auf Stalin und seine ideologische Prägung zurückzuführen ist.

Das würde deiner Meinung widersprechen.

Okay. Das wusste ich noch nicht. Dass der Begriff Marxismus-Leninismus auf Stalin zurückzuführen ist, stimmt natürlich. Wobei diese Ideologie nicht nur auf die von Marx, Engels und Lenin zurück geht. Vieles geht auf dem Kriegskommunismus zurück. er ist zu,am Erfinder der Planwirtschaft.

Wenn der Kommunismus nicht nur auf Marx und Engels zurückzuführen ist, kann aber nicht „nur“ von einem Kriegskommunismus geredet werden, denn das Kommunistische Manifest wurde weit vor 1918 geschrieben, oder?

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23.12.2017, 11:39
Beitrag: #6
RE: russische Revolution - Aufgabenstellung
Kontrafaktisch:
I. Wenn die bürgerliche russische Regierung nach der Februar-Revolution den Krieg beendet.
II. Wenn Kerenski den Vaterlandsverräter Lenin umgehend erschießen lässt, wie es Lenin im umgekehrten Fall zweifellos getan hätte.
III. Wenn der Weltverbösserer Wilson die Russen nicht mit den umfangreichsten Versprechungen veranlasst hätte statt Frieden die "Kerenski-Offensive" zu machen.

Tja, wenn eines dieser og Szenarios so gelaufen wäre, dann ja dann hätte Lenin seine Tage als Asylant in Zürich beendet und keine Sau hätte ihn jemals kennen gelernt.

Die Eignung Russlands 1917 für den Marxismus ist mit der von Grönland für ein Strandbad zu vergleichen.

Lenin pp warern ein Klub von Großverbrechern denen eine Verkettung unglücklicher Zufälle erlaubte ihre fürchterlichen Phantasien auszuleben.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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23.12.2017, 11:53
Beitrag: #7
RE: russische Revolution - Aufgabenstellung
(23.12.2017 11:39)Suebe schrieb:  Die Eignung Russlands 1917 für den Marxismus ist mit der von Grönland für ein Strandbad zu vergleichen.

Lenin pp warern ein Klub von Großverbrechern denen eine Verkettung unglücklicher Zufälle erlaubte ihre fürchterlichen Phantasien auszuleben.

Kontrafaktisch
I. Hätte es keinen Krieg gegeben!

Aber grundsätzlich ist es nicht so einfach, wie du es hier darstellst. In Russland war der Graben in der Gesellschaft recht tief. Dieser Umstand gab einer Befreiung/Revolution der unteren Klasse genügend Nahrung und Kraft. Wer diese Gedanken verbreitete war nebensächlich, es viel eben auf fruchtbaren Boden und das hatte nichts unmittelbar mit den Krieg und Lenin zu tun. Ich möchte dazu an die ersten Revolutionären Bestrebungen an 1905 erinnern.

Nie darf man so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken....
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23.12.2017, 16:39
Beitrag: #8
RE: russische Revolution - Aufgabenstellung
(23.12.2017 11:53)Flora_Sommerfeld schrieb:  
(23.12.2017 11:39)Suebe schrieb:  Die Eignung Russlands 1917 für den Marxismus ist mit der von Grönland für ein Strandbad zu vergleichen.

Lenin pp warern ein Klub von Großverbrechern denen eine Verkettung unglücklicher Zufälle erlaubte ihre fürchterlichen Phantasien auszuleben.

Kontrafaktisch
I. Hätte es keinen Krieg gegeben!

Aber grundsätzlich ist es nicht so einfach, wie du es hier darstellst. In Russland war der Graben in der Gesellschaft recht tief. Dieser Umstand gab einer Befreiung/Revolution der unteren Klasse genügend Nahrung und Kraft. Wer diese Gedanken verbreitete war nebensächlich, es viel eben auf fruchtbaren Boden und das hatte nichts unmittelbar mit den Krieg und Lenin zu tun. Ich möchte dazu an die ersten Revolutionären Bestrebungen an 1905 erinnern.

Natürlich ist es so einfach.
Wie kam Lenin nach St. Petersburg? Er lebte doch seit Jahren in Zürich.

Im Zarenreich war vielleicht 1% der Bevölkerung dem Proletariat zuzurechnen. Ein Friedensschluss, Entlassung der Soldaten nach Hause und eine Landverteilung,
und die Revolution ist zu Ende.

Und Lenin träumt am Ufer des Limmat von der Weltrevolution. Bis zu seinem Tod. IdeaBat

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23.12.2017, 16:48
Beitrag: #9
RE: russische Revolution - Aufgabenstellung
Die deutschen Bundesfürsten Anno 1848 waren schlauer.
Damals war die Bevölkerungsstruktur im Deutschen Bund vermutlich ähnlich der im Zarenreich 1917.
Die Fürsten haben die Forderungen der Landbevölkerung erfüllt, die damit aus der Revolution ausschied.
Und anschließend Intelligenzia und Proletariat mit Leichtigkeit besiegt.

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23.12.2017, 20:44
Beitrag: #10
RE: russische Revolution - Aufgabenstellung
(23.12.2017 16:39)Suebe schrieb:  
(23.12.2017 11:53)Flora_Sommerfeld schrieb:  Kontrafaktisch
I. Hätte es keinen Krieg gegeben!

Aber grundsätzlich ist es nicht so einfach, wie du es hier darstellst. In Russland war der Graben in der Gesellschaft recht tief. Dieser Umstand gab einer Befreiung/Revolution der unteren Klasse genügend Nahrung und Kraft. Wer diese Gedanken verbreitete war nebensächlich, es viel eben auf fruchtbaren Boden und das hatte nichts unmittelbar mit den Krieg und Lenin zu tun. Ich möchte dazu an die ersten Revolutionären Bestrebungen an 1905 erinnern.

Natürlich ist es so einfach.
Wie kam Lenin nach St. Petersburg? Er lebte doch seit Jahren in Zürich.

Im Zarenreich war vielleicht 1% der Bevölkerung dem Proletariat zuzurechnen. Ein Friedensschluss, Entlassung der Soldaten nach Hause und eine Landverteilung,
und die Revolution ist zu Ende.

Und Lenin träumt am Ufer des Limmat von der Weltrevolution. Bis zu seinem Tod. IdeaBat

Naja, vielleicht wenn man den Wertegang im Krieg betrachtet, ist es so einfach, abgesehen davon, daß die deutsche Heeresführung die Büchse der Pandora geöffnet hat mit der Verschiebung Lenins. Die Situation hat diesen Brandbeschleuniger gebraucht, ohne jeden Zweifel.
Aber die Grundlage für den Flächenbrand in Russland hat weder Lenin noch sonst ein Bolschewiki gelegt, der ist auf den gesellschaftlichen Missständen unter dem Zaren entstanden und wenn es keinen Lenin gegeben hätte, da wäre dann halt ein anderer in die Presche gesprungen.
Als Beweis dient die Revolution von 1905, wie schon erwähnt.

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23.12.2017, 22:16
Beitrag: #11
RE: russische Revolution - Aufgabenstellung
(23.12.2017 04:44)Flora_Sommerfeld schrieb:  
(23.12.2017 02:43)Sansavoir schrieb:  Okay. Das wusste ich noch nicht. Dass der Begriff Marxismus-Leninismus auf Stalin zurückzuführen ist, stimmt natürlich. Wobei diese Ideologie nicht nur auf die von Marx, Engels und Lenin zurück geht. Vieles geht auf dem Kriegskommunismus zurück. er ist zu,am Erfinder der Planwirtschaft.

Wenn der Kommunismus nicht nur auf Marx und Engels zurückzuführen ist, kann aber nicht „nur“ von einem Kriegskommunismus geredet werden, denn das Kommunistische Manifest wurde weit vor 1918 geschrieben, oder?

Sorry, ich habe mich zur später oder früher Stunde (je nachdem) etwas unverständlich ausgedrückt. Richtig müsste es heißen: Stalin prägte den Begriff Marxismus-Leninismus für eine Ideologie, die in ihren Einzelteilen nicht nur aus den Lehren von Marx, Engels und Lenin, sondern auch seine eigenen Ideen, Gepflogenheiten aus dem 1918/22 praktizierten Kriegskommunismus u.a. bestanden. Die Idee der Planwirtschaft stammte ursprünglich von Lenin, der von der Pünktlichkeit der Deutschen Reichsbahn begeistert war. Später begeisterte er sich für dn in den amerikanischen Ford-Werken praktizierten Taylorismus. Trotzki war ebenso ein großer Anhänger der Planwirtschaft, aber ein Gegner der NEP.

Ist schon klar, dass das Kommunistische Manifest 1848 veröffentlicht wurde und nicht erst 1918. Aber Lenin, Trotzki, Swerdlow u.a. propagierten während des Bürgerkrieges den sogenannten Kriegskommunismus ... Spätestens seit dem Tod von Engels (1895) gibt es keine einheitliche Auslegung über den Marxismus. Auf der einen Seite stehen Leute wie Kautsky, Bernstein, die Austro-Marxisten u.a., auf der anderen Seite Lenin und seine Anhänger.

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23.12.2017, 23:13
Beitrag: #12
RE: russische Revolution - Aufgabenstellung
(23.12.2017 11:53)Flora_Sommerfeld schrieb:  
(23.12.2017 11:39)Suebe schrieb:  Die Eignung Russlands 1917 für den Marxismus ist mit der von Grönland für ein Strandbad zu vergleichen.

Lenin pp warern ein Klub von Großverbrechern denen eine Verkettung unglücklicher Zufälle erlaubte ihre fürchterlichen Phantasien auszuleben.

Kontrafaktisch
I. Hätte es keinen Krieg gegeben!

Aber grundsätzlich ist es nicht so einfach, wie du es hier darstellst. In Russland war der Graben in der Gesellschaft recht tief. Dieser Umstand gab einer Befreiung/Revolution der unteren Klasse genügend Nahrung und Kraft. Wer diese Gedanken verbreitete war nebensächlich, es viel eben auf fruchtbaren Boden und das hatte nichts unmittelbar mit den Krieg und Lenin zu tun. Ich möchte dazu an die ersten Revolutionären Bestrebungen an 1905 erinnern.

Die Situation der russischen Bauern bzw. unteren Klassen kann man nicht mit der Situation der unteren Klassen in Mittel- und Westeuropa vergleichen. Die Leibeigenschaft wurde erst 1861 aufgehoben, es gab also um 1917 genügend Menschen, die entweder selbst oder deren Eltern noch Leibeigene waren.

Außerdem hat es im 17. und 18. Jahrhundert vier größere Kosaken- und Bauernaufstände gegeben. (Bolotnikow-Aufstand 1606/07, Rasin-Aufstand 1670/71, Bulawin-Aufstand 1707/08 und der Pugatschow-Aufstand 1773/75). Besonders der Rasin- und der Pugatschow-Aufstand richteten sich vor allem gegen die Autokratie des Zaren Alexej bzw. der Zarin Katharina II. Pugatschow gab sich sogar als der 1762 gestürzte und ermordete Zar Peter III. aus. 1825 fand der Dekabristen-Aufstand gegen die Thronfolge des Zaren Nikolaus I. statt. Hier gab es Gerüchte, dass der verstorbene Zar Alexander I. nur entmachtet und nach Sibirien deportiert wurde.

Michail Bakunin, der "Vater der Anarchisten" war Russe. Lenins sozialrevolutionärer Konkurrent war der bereits betagte Fürst Kropotkin, dessen Weltbild von Bakunin, aber auch von Tolstoi geprägt war. Die Narodnowolzen überzogen in den 1870er- und 1880er-Jahren das Land mit Terror. Zar Alexander II. wurde 1881 ein Opfer dieses Terrors, Zar Alexander III. überlebte 1887 einen Anschlag, in dem Lenins Bruder verstrickt war und deshalb zu Tode verurteilt wurde. Deswegen sind die Ereignisse von 1905 und 1917 als durchaus folgerichtig zu bewerten. Lenin kannte die russische Geschichte und die Mentalität der russischen Bauern bzw. der unteren Klassen. Sein Geburtsort Simbirsk lag im Übrigen in einem der Zentren des Rasin-Aufstandes von 1670/71.

Egal wie man zu Lenin, Trotzki oder Stalin steht, Fakt ist, dass die Lebensbedingungen der Bauern und unteren Klassen im Zarenreich äußerst hart und schlecht waren. Sie boten stets sozialen Sprengstoff.

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24.12.2017, 04:06
Beitrag: #13
RE: russische Revolution - Aufgabenstellung
(23.12.2017 20:44)Flora_Sommerfeld schrieb:  [...]
Aber die Grundlage für den Flächenbrand in Russland hat weder Lenin noch sonst ein Bolschewiki gelegt, der ist auf den gesellschaftlichen Missständen unter dem Zaren entstanden und wenn es keinen Lenin gegeben hätte, da wäre dann halt ein anderer in die Presche gesprungen.
Als Beweis dient die Revolution von 1905, wie schon erwähnt.

Das ist unbestritten. Jedoch war es keineswegs in Stein gemeißelt, dass die reaktionäre russische Monarachie vom Kommunismus abgelöst werden musste.
Das war in der Tat eine Verkettung von mehreren sehr unglücklichen Zufällen. Die Kommunisten stürtzten das Fallende, nutzten das kleine Zeitfenster, das sich auftat und setzten sich geschickt in ein Machtvakuum. (Eine Gemeinsamkeit mit den Nazis übrigens)

Ohne den perfiden Einfluss der OHL hätte vermutlich Kerenski das Heft in die Hand genommen und Russland hätte eventuell die Chance gehabt, sich zu einer Demokratie zu entwickeln, die diese Bezeichnung verdient.
Das hätte unabsehbare Folgen - mutmaßlich sehr positive- für die europäische Geschichte des 20.Jahrhunderts gehabt.


Die Habsburger z.B. saßen spätestens seit dem Ausgleich von 1867 auch nicht mehr fest im Sattel. Die österreichische Monarchie hätte sich auch ohne WK 1 aufgelöst - ohne Kommunismus.

MfG, Titus Feuerfuchs
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24.12.2017, 12:50
Beitrag: #14
RE: russische Revolution - Aufgabenstellung
(23.12.2017 23:13)Sansavoir schrieb:  
(23.12.2017 11:53)Flora_Sommerfeld schrieb:  Kontrafaktisch
I. Hätte es keinen Krieg gegeben!

Aber grundsätzlich ist es nicht so einfach, wie du es hier darstellst. In Russland war der Graben in der Gesellschaft recht tief. Dieser Umstand gab einer Befreiung/Revolution der unteren Klasse genügend Nahrung und Kraft. Wer diese Gedanken verbreitete war nebensächlich, es viel eben auf fruchtbaren Boden und das hatte nichts unmittelbar mit den Krieg und Lenin zu tun. Ich möchte dazu an die ersten Revolutionären Bestrebungen an 1905 erinnern.

Die Situation der russischen Bauern bzw. unteren Klassen kann man nicht mit der Situation der unteren Klassen in Mittel- und Westeuropa vergleichen. Die Leibeigenschaft wurde erst 1861 aufgehoben, es gab also um 1917 genügend Menschen, die entweder selbst oder deren Eltern noch Leibeigene waren.

Außerdem hat es im 17. und 18. Jahrhundert vier größere Kosaken- und Bauernaufstände gegeben. (Bolotnikow-Aufstand 1606/07, Rasin-Aufstand 1670/71, Bulawin-Aufstand 1707/08 und der Pugatschow-Aufstand 1773/75). Besonders der Rasin- und der Pugatschow-Aufstand richteten sich vor allem gegen die Autokratie des Zaren Alexej bzw. der Zarin Katharina II. Pugatschow gab sich sogar als der 1762 gestürzte und ermordete Zar Peter III. aus. 1825 fand der Dekabristen-Aufstand gegen die Thronfolge des Zaren Nikolaus I. statt. Hier gab es Gerüchte, dass der verstorbene Zar Alexander I. nur entmachtet und nach Sibirien deportiert wurde.

Michail Bakunin, der "Vater der Anarchisten" war Russe. Lenins sozialrevolutionärer Konkurrent war der bereits betagte Fürst Kropotkin, dessen Weltbild von Bakunin, aber auch von Tolstoi geprägt war. Die Narodnowolzen überzogen in den 1870er- und 1880er-Jahren das Land mit Terror. Zar Alexander II. wurde 1881 ein Opfer dieses Terrors, Zar Alexander III. überlebte 1887 einen Anschlag, in dem Lenins Bruder verstrickt war und deshalb zu Tode verurteilt wurde. Deswegen sind die Ereignisse von 1905 und 1917 als durchaus folgerichtig zu bewerten. Lenin kannte die russische Geschichte und die Mentalität der russischen Bauern bzw. der unteren Klassen. Sein Geburtsort Simbirsk lag im Übrigen in einem der Zentren des Rasin-Aufstandes von 1670/71.

Egal wie man zu Lenin, Trotzki oder Stalin steht, Fakt ist, dass die Lebensbedingungen der Bauern und unteren Klassen im Zarenreich äußerst hart und schlecht waren. Sie boten stets sozialen Sprengstoff.

Alles richtig. Aber nicht entscheidend.

Sorry,
ihr seht das (immer noch)Wink durch die Volksdemokratische Brille.
Die erfolgreichen Februar-Revolutionäre haben nicht begriffen, warum sie Erfolg hatten.
Oder haben sich halt von den Angloamis beschwatzen lassen.
Wenn Lwow, Kerenski pp den Krieg beenden, haben sie weder Lenin noch sonst etwas zu fürchten.

Der verlustreiche verlorene Krieg war es doch der die Revolution erfoglreich werden ließ, und als dann die Infos von den Landverteilungen die Frontsoldaten erreichten, wollten die natürlich dabei sein.

Die "Kerenski-Offensive" war in der Lage die allergrößte Dummheit.

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26.12.2017, 21:38
Beitrag: #15
RE: russische Revolution - Aufgabenstellung
Offensichtlich konnte Kerenski nicht einfach den Krieg beenden. Russland sollte nicht als Verbündeter der Entente aus dem Krieg ausscheiden. Ebenso traten viele Generäle und Offiziere für Fortsetzung des Krieges ein, z.B. Kornilow. Im November 1917 unterlagen die Kerenski loyalen Armeeeinheiten unter Krasnow den Bolschewiki, denen es durch die Arbeiter- und Soldatenräte gelang, viele kriegserfahrene Soldaten, Unteroffiziere, aber auch Offiziere an sich zu binden.

"Geschichte erleuchtet den Verstand, veredelt das Herz, spornt den Willen und lenkt ihn auf höhere Ziele." Cicero
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27.12.2017, 13:02
Beitrag: #16
RE: russische Revolution - Aufgabenstellung
(26.12.2017 21:38)Sansavoir schrieb:  Offensichtlich konnte Kerenski nicht einfach den Krieg beenden. Russland sollte nicht als Verbündeter der Entente aus dem Krieg ausscheiden. Ebenso traten viele Generäle und Offiziere für Fortsetzung des Krieges ein, z.B. Kornilow. Im November 1917 unterlagen die Kerenski loyalen Armeeeinheiten unter Krasnow den Bolschewiki, denen es durch die Arbeiter- und Soldatenräte gelang, viele kriegserfahrene Soldaten, Unteroffiziere, aber auch Offiziere an sich zu binden.

Auch das stimmt völlig.
Bestätigt aber, dass den erfolgreichen Revolutionären vom Feb/März 1917 nicht klar war, warum sie Erfolg gehabt hatten.
Dass die sofortige Beendigung des Krieges unumgänglich war.

OT: Wenn Max v. Baden/Ebert/Scheidemann im November 1918 den Krieg für Deutschland nicht beenden, geht es hier genau gleich.
Wird Liebknecht zum Lenin des Deutschen Reiches.

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29.12.2017, 13:09
Beitrag: #17
RE: russische Revolution - Aufgabenstellung
Ich habe mal heute Nacht quer gelesen.
Da wird ua die These vertreten, dass die Februar-Revolution keineswegs von der Duma pp ausgelöst wurde, sondern tatsächlich vom Volk.
Als der Zar dann mow überraschend zurücktrat, (von Soldaten zum Rücktritt gezwungen wurde) gab es eigentlich keine Gruppierung, die die Macht, die Regierung tatsächlich übernehmen wollte.
Da hat man halt wie gehabt weitergewurstelt.

Berlin hat dann wie bekannt Lenin per Bahntransport nach Petrograd speditiert, ausrüstet mit ordentlich Taschengeld. Weil Lenin den Krieg beenden wollte.
Zuvor, im November 1916, hatte aber schon der britische Geheimdienst bei der Ermordung Rasputins die Finger im Spiel gehabt. Weil Rasputin sehr für die Beendigung des Krieges war.
Die Mörder wurden sofort bekannt, wurden aber auf Wunsch der Familie Romanow nicht verfolgt, was den Zaren pp den Rest an Reputation im Volk kostete, wo man Rasputin als einen der ihren ansah.

Lenin kam, sah im Oktober seine Chance, und hat zugegriffen.

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29.12.2017, 21:00
Beitrag: #18
RE: russische Revolution - Aufgabenstellung
(29.12.2017 13:09)Suebe schrieb:  Ich habe mal heute Nacht quer gelesen.
Da wird ua die These vertreten, dass die Februar-Revolution keineswegs von der Duma pp ausgelöst wurde, sondern tatsächlich vom Volk.
Als der Zar dann mow überraschend zurücktrat, (von Soldaten zum Rücktritt gezwungen wurde) gab es eigentlich keine Gruppierung, die die Macht, die Regierung tatsächlich übernehmen wollte.
Da hat man halt wie gehabt weitergewurstelt.

Berlin hat dann wie bekannt Lenin per Bahntransport nach Petrograd speditiert, ausrüstet mit ordentlich Taschengeld. Weil Lenin den Krieg beenden wollte.
Zuvor, im November 1916, hatte aber schon der britische Geheimdienst bei der Ermordung Rasputins die Finger im Spiel gehabt. Weil Rasputin sehr für die Beendigung des Krieges war.
Die Mörder wurden sofort bekannt, wurden aber auf Wunsch der Familie Romanow nicht verfolgt, was den Zaren pp den Rest an Reputation im Volk kostete, wo man Rasputin als einen der ihren ansah.

Lenin kam, sah im Oktober seine Chance, und hat zugegriffen.

Ich meine, die Menschewiki hätten die Regierung schon übernommen, wenn man sie gelassen hätte. Und in der Ukraine standen Machnos Anarchisten bereit, die von den Bolschewisten erst einmal dem Weg geräumt werden mussten. Es gab mindestens zwei Alternativen zu den Bolschwisten - die Verlierer der Geschichte werden schnell vergessen.
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30.12.2017, 09:24
Beitrag: #19
RE: russische Revolution - Aufgabenstellung
Ja, die Menschewiki hätten die Regierung übernommen. Väterchen Zar hätte sie nur dazu ernennen müssen.
Ich erinnere an das Lenin-Wort, "bevor die Deutschen auf einem Bahnhof Revolution machen, kaufen sie eine Bahnsteigkarte"
und ersetze "die Deutschen" durch "die Menschewiki"

Den allermeisten Parteien, insbesondere in Russland, die in Marx´scher Tradition entstanden sind, ist in diesen Jahren 1917-1924 ihre Parteilehre im Weg gestanden.
(und in Deutschland 1933 wieder)
........ erst wenn die Reaktion die Macht übernimmt und der Kapitalismus in der Folge zusammenbricht, ist der Zeitpunkt für die proletarische Revolution gekommen............
Lenin kam nach Russland zurück, hat sich als Pragmatiker der Revolution erwiesen, den ganzen Marxismus eine Filosofie sein lassen,
sich die Forderungen der Bauern zu eigen gemacht, mit denen die Bolschewiken bis zum Oktober 1917 gar nichts am Hut hatten
und hatte Erfolg.

wäre Lwow ein Max von Baden gewesen, wäre Kerenski ein Ebert gewesen....
hätte Entente + US die Russen nicht ums verrecken(buchstäblich) im Krieg gehalten
-
nix wäre passiert

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31.12.2017, 13:15
Beitrag: #20
RE: russische Revolution - Aufgabenstellung
Was ist denn über die deutschen Zahlungen an Lenin bekannt geworden?
1917 war das in Petrograd ein Riesen-Thema. Wobei es Lenin wohl in keinster Weise gejuckt hat.
In der Parteikasse der Bolschewiken wären nov. 1916 bis Februar 1917 nicht ganz 1.200 Rubel eingegangen, Im März hätte es eine große Spende Gorkis gegeben, 2.000 Rubel.
Ab April, dem Eintreffen Lenins, wären Dutzende bolschewikische Zeitungen erschienen, Auflage fast 400.000 Stück. Die wären lt. Parteihistorie von den Partei-Mitgliedern bezahlt worden, was schlicht nicht sein kann.
In den Akten der "Wilhelmstraße" (dt. AA) hätte man 45 zweifelsfreie Unterlagen über Zahlungen an die Bolschewisten gefunden, aber keine durch Lenin abgezeichneten Belege. Auch die Gesamthöhe der Beträge wäre nicht nachvollziehbar.

Gibt es hierzu neuere Infos, meine Quellen stammen vom Beginn der 80er Jahre.

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