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Friedrich Ebert
20.05.2017, 14:14
Beitrag: #1
Friedrich Ebert
Wie sieht Ihr Friedrich Ebert? Wie ist seine Rolle in Bezug auf die Entwicklung der Demokratie in Deutschland zu werten? Hat er Strassen und Plätze verdient, die heute seinen Namen tragen? Oder hat er sich 1919 auf die falsche Seite geschlagen und damit den Geburtsfehler der WR mitversursacht? Welche Alternativen hätte er gehabt.
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20.05.2017, 15:51
Beitrag: #2
RE: Friedrich Ebert
Du meinst den Reichspräsidenten? Nicht dessen Sohn.

Ein interessantes Thema.
Mal ein paar Gedanken:
Bekannt ist zB, dass Ebert Scheidemann getadelt hat, als er die Republik ausrief.
Er anscheinend zumindest im beginnenden November 1918 die konstitutionellen Monarchie noch beibehalten wollte.
Major Pape, der Mörder Luxenburgs und Liebknechts, behauptete dass nicht nur Noske, auch Ebert vor der Ermodung der beiden informiert war.
Nun, Revolutionen kann man halt nicht mit geltenden Rechtsmitteln abwehren oder durchsetzen.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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20.05.2017, 17:28
Beitrag: #3
RE: Friedrich Ebert
(20.05.2017 15:51)Suebe schrieb:  Du meinst den Reichspräsidenten? Nicht dessen Sohn.

Ja. Er scheint ja doch nicht ganz unumstritten zu sein. Manche halten ihn für in Gewerkschaftskreisen und SPD überwertet. Seine Koalition oder Pakt, wie auch immer man es nennen mag, mit den konservativen Kräften ebenso.
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20.05.2017, 19:16
Beitrag: #4
RE: Friedrich Ebert
(20.05.2017 15:51)Suebe schrieb:  Bekannt ist zB, dass Ebert Scheidemann getadelt hat, als er die Republik ausrief.
Er anscheinend zumindest im beginnenden November 1918 die konstitutionellen Monarchie noch beibehalten wollte.

Gab es hier nicht einen "Wettstreit" um das Ausrufen der Republik zwischen der SPD Führung und der USPD unter Liebknecht? Wurde Scheidemann gar genötigt, die Republik ausrufen, bevor es Liebknecht tat?
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20.05.2017, 22:23
Beitrag: #5
RE: Friedrich Ebert
Die Zeit kommt mir ziemlich surreal vor. "Räte-Republiken" wurden in Berlin, München, am Rhein und wer weiß wo noch gegründet und verschwanden auch wieder ganz fix. Mein Eindruck: Jeder Depp wollte irgendwie sein Ding machen, dazu zähle ich auch einen Adolf Hitler wenig später.

„Der Horizont der meisten Menschen ist ein Kreis mit dem Radius 0. Und das nennen sie ihren Standpunkt.“ (Albert Einstein)
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21.05.2017, 20:54
Beitrag: #6
RE: Friedrich Ebert
(20.05.2017 22:23)Arkona schrieb:  Die Zeit kommt mir ziemlich surreal vor. "Räte-Republiken" wurden in Berlin, München, am Rhein und wer weiß wo noch gegründet und verschwanden auch wieder ganz fix. Mein Eindruck: Jeder Depp wollte irgendwie sein Ding machen, dazu zähle ich auch einen Adolf Hitler wenig später.

was ich für ein ganz interessantes Thema halte.
http://www.forum-geschichte.at/Forum/sho...0#pid57240
und gleich eröffnet habe.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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21.05.2017, 22:57
Beitrag: #7
RE: Friedrich Ebert
(20.05.2017 19:16)Köbis17 schrieb:  
(20.05.2017 15:51)Suebe schrieb:  Bekannt ist zB, dass Ebert Scheidemann getadelt hat, als er die Republik ausrief.
Er anscheinend zumindest im beginnenden November 1918 die konstitutionellen Monarchie noch beibehalten wollte.

Gab es hier nicht einen "Wettstreit" um das Ausrufen der Republik zwischen der SPD Führung und der USPD unter Liebknecht? Wurde Scheidemann gar genötigt, die Republik ausrufen, bevor es Liebknecht tat?

Nein. Scheidemann handelte eigenmächtig. Ebert selbst wollte sich am 9. November noch nicht zur Republik bekennen.

"Geschichte erleuchtet den Verstand, veredelt das Herz, spornt den Willen und lenkt ihn auf höhere Ziele." Cicero
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22.05.2017, 00:23
Beitrag: #8
RE: Friedrich Ebert
(20.05.2017 14:14)Marek1964 schrieb:  Wie sieht Ihr Friedrich Ebert? Wie ist seine Rolle in Bezug auf die Entwicklung der Demokratie in Deutschland zu werten? Hat er Strassen und Plätze verdient, die heute seinen Namen tragen? Oder hat er sich 1919 auf die falsche Seite geschlagen und damit den Geburtsfehler der WR mitversursacht? Welche Alternativen hätte er gehabt.

Gute Frage. Ich bin der Meinung, dass Friedrich Ebert mit seiner Amtsführung als Reichspräsident von 1919 bis 1925 durchaus zur Stabilisierung der Weimarer Republik beitrug. Und deswegen ist es nicht verwerflich, dass Straßen nach ihm benannt werden.

Schwieriger ist es, seine Rolle vom November 1918 bis Februar/März 1919 zu bewerten. Sicher war es für ihn enttäuschend, dass sich der letzte Reichskanzler Max von Baden aus politischen Verantwortung verabschiedete. Ebenso muss er sich von Scheidemann überrumpelt gefühlt haben, als dieser die Republik ausrief. Der Aufstand der im Berliner Marstall unterbrachte Volksmarinedivision am 24. Dezember 1918 und der Spartakus-Aufstand (auch Januar-Aufstand) vom 6. bis 15. Januar 1919 stellten eine Gefahr für die junge Republik dar.

Trotzdem denke ich, hatte Ebert einen schweren Fehler begangen, als er Gustav Noske beauftragte, diese Aufstände durch Reichswehreinheiten niederschlagen zu lassen. Die Ermordung von Eberts politischen Gegnern durch eigenmächtig agierende Reichswehroffiziere geht auch auf die Verantwortung Eberts zurück. Die Folge davon war, dass ein Teil der Arbeiterschaft radikalisierte und in der SPD nicht mehr ihre Interessenvertreterin sah. Ebert versagte m.E. in zwei Punkten. Er erkannte nicht die Gefahr des "weißen" oder "rechten" Terrors, der von offiziellen Reichswehreinheiten oder Freikorps ausging und er war nicht bereit, die Führer der radikalen Linken vor Mordanschlägen zu schützen.

Was Ebert dazu bewogen hatte, auf die Reichswehr zu setzen, ist schwer nachvollziehbar. Dachte er etwa, dass alle Reichswehroffiziere so loyal und diszipliniert sind wie Wilhelm Groener. Immerhin half der von Groener relativ gut organisierte Rückzug der Frontsoldaten Ebert die ersten Wochen politisch zu überstehen. Dies kann aber nicht die vollständige Antwort für Eberts Verhalten gegenüber den Aufständischen gewesen sein.

Ob er aus Angst vor "russischen Verhältnissen" handelte, ist möglich, aber auch dies ist keine vollständige Antwort. Ebert hat sicher gewusst, welche von beiden Seiten zu verantwortende Gräueltaten im russischen Bürgerkrieg geschahen. Wenn er also einen deutschen Bürgerkrieg verhindern wollte, schätzte er die politische Situation nicht richtig ein. Im Gegensatz zu Lenin waren Luxemburg und Liebknecht keine Befürworter eines Krieges oder Bürgerkrieges. Allerdings verstanden beide die Aufstände der Volksmarinedivision und der Berliner Arbeiter als Aufforderung des Volkes, die sozialistische Revolution durchzuführen. Diese Radikalisierung der Revolution wurde bzw. wird von Marxisten als Gesetzmäßigkeit verstanden.

Ebert sah sich selbst seit dem Ersten Weltkrieg als deutscher Patriot. Dies lag sicher auch daran, dass von seinen drei Söhne zwei im Weltkrieg fielen. Dieses persönliche Opfer erklärt vielleicht auch Eberts Affinität zur Reichswehr.

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22.05.2017, 08:08
Beitrag: #9
RE: Friedrich Ebert
Zeitzeugen schildern das so:
Die Berliner Garnison rückte von der Westfront kommend nach Berlin ein.
Die Soldaten sangen
"Zu Haus´angekommen fängt ein neues Leben an, eine Frau wird sich genommen, Kinder bringt der Weihnachtsmann"
und begannen umgehend mit der Demobilisierung.
24 Stunden später war "niemand" mehr da.

Wer noch da war, hatte mit Demokratie und Republik weniger am Hut....

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