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Der 30 jährige Krieg
16.10.2016, 11:14
Beitrag: #1
Der 30 jährige Krieg
Der 30 jährige Krieg

ist ein sehr komplexes Thema - ich weiß, daher ist mein Text nur eine grobe Übersicht.

Er gilt als eine der deutschen Ur-Katastrophen um Religion und Macht und dauerte von 1618 – 1648. Er wurde vorwiegend auf dem Gebiet des HRR ausgeführt, der auf lange Zeit ein Leid der Bevölkerung bescherte mit Hungersnöten und Krankheiten. Der Krieg stellt alles zu dieser Zeit Dagewesene in den Schatten und entvölkerte einige Gebiete über 60 %.

Überhaupt löste der Glaubenskrieg zwischen Katholiken und der Protestantischen Union diese Konflikte aus. Zugleich ging es aber auch um die Vorherrschaft im HRR zwischen den Habsburger Kaiser und mehreren Landesfürsten im Inneren und auch zwischen dem Reich und den Widersachern wie Frankreich, Dänemark und Schweden.

Welcher Weg in diesem Krieg führte waren die religiösen Gegensätze, vor allem am Ende des Krieges, sich immer mehr verloren, war die 1517 beginnende Reformation und die damit verbundene Abspaltung der Protestantischen von der Katholischen Kirche. Diese Probleme führten zu den später ausbrechenden Krieg.

Noch heute ist dieser 30jährige Krieg in das kulturelle Gedächtnis der deutschen Bevölkerung verankert und zählt somit zu den bekanntesten Ereignissen der Deutschen Geschichte.

Ich habe mich auch gefragt, wie dieser Krieg überhaupt finanziert wurde. So habe ich mich mal damit beschäftigt.
In diesem Krieg wurden eine Vielzahl von Söldnertruppen aufgestellt, die aber nicht vom Kaiser oder von deutschen Fürsten bezahlt, schon gar nicht betreut wurden. So entstand der Slogan „Der Krieg ernährt den Krieg“, ich meine, dass sich diese Söldner einfach dort „bedienten“ wo sie gerade Krieg führten. Damit kam auch eine enorme Belastung der Bevölkerung hinzu, die sich teilweise anschlossen.

Der 30jährige Krieg hatte auch eine erhebliche Menge Opfer gefordert. Soviel ich nun gelesen habe (weiß ich aber nicht genau, ob es historisch belegt ist) soll es sich um ca. 6.000.000 Menschen gehandelt haben, die hierbei zu Tode gekommen sind. Das bedeutet, dass sich die Einwohnerzahl sich extrem bis über 30 % verringerte.
Dabei ist auch zu beachten, das viele Menschen durch Krankheiten und Hungersnöte starben.

Gern würde ich mich mit euch darüber schreiben weil meine Kenntnisse über diesen Krieg noch nicht umfangreich sind. Sollte ich etwas in meinem Text nicht richtig dargestellt haben, lasse ich mich gerne überzeugen..

Einem Haus eine Bibliothek hinzuzufügen heißt, dem Haus eine Seele zu geben.

Marcus Tullius Cicero
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16.10.2016, 21:45
Beitrag: #2
RE: Der 30 jährige Krieg
Das ist alles richtig, was Du schreibst. Die Finanzierung des Krieges ist sicher komplizierter als dargestellt. Neben den Plünderungen wurden z.B. auch Münzverschlechterungen zur Finanzierung genutzt. Nicht vergessen sollte man, dass Feldherren wie Wallenstein eine private Vorfinanzierung betrieben und letztlich spekulierten, dass ihre Ausgaben vom Kaiser oder den Landesherren mit Gewinn ersetzt werden. Ausländische Heere wie die Schweden, Franzosen oder Spanier sind sicher am Anfang durch Steuern finanziert worden.

Der Dreißigjährige Krieg brachte den Ruin des Bauernstandes und verstärkte dessen Abhängigkeit von den adligen Grundherren. Die Entwicklung des Bürgertums wurde gehemmt und das Heilige Römische Reich zerfiel in unzählige Territorialherrschaften. Weitere Folgen des Krieges waren Hungersnöte, Seuchen, marodierende Räuberbanden, Hexenverfolgungen, Aberglauben und Armut.

Während des Dreißigjährigen Krieges verlor das Kurfürstentum Sachsen die Hälfte seiner Bevölkerung. Besonders betroffene Gegenden wie Chemnitz, Pirna oder Wurzen verloren siebzig Prozent ihrer Bevölkerung. Im Heiligen Römischen Reich ging die Bevölkerung um etwa zwanzig Prozent zurück. Dies war die größte demografische Katastrophe seit der Pest in den Jahren 1346 bis 1352.

Die Ursachen des Dreißigjährigen Krieges waren die Konflikte der Dynastien bzw. Staaten um die territoriale Vorherrschaft in Europa (Konflikt Habsburg/Frankreich, Vorherrschaft Heiliges Römisches Reich, Vorherrschaft Ostseeraum), die Kämpfe der Stände gegen den entstehenden Absolutismus der Landesherren (z.B. Niederlande, Böhmen, Österreich) und die religiösen Auseinandersetzungen dieser Zeit. Den Dreißigjährigen Krieg sollte man im Zusammenhang weiterer zeitgleicher Kriege oder Abschnitte der Kriege wie den 80jährigen Befreiungskrieg der Niederlande, die Polnisch-Schwedischen Kriege oder den Spanisch-Französischen Krieg von 1635-1659 sehen. Der Dreißigjährige Krieg ist letztlich Teil eines gesamteuropäischen Konflikts auf dem Boden des HRR. Die wechselnden Allianzen der Kriegsteilnehmer sowie der 1630 erfolgte Kriegseintritt Schwedens und die Kriegsteilnahme Frankreichs seit dem Jahr 1635 führten schließlich zur dreißigjährigen Dauer des Krieges.

Ebenso verlängerten die frühabsolutistischen Zentralisierungsbestrebungen Ferdinands II. und das Restitutionsedikt von 1629 den Krieg.

Die enormen Verluste an Menschen, Tieren, materiellen und kulturellen Werten waren Folgen der brutalen und rücksichtslosen Kriegsführung der Feldherren, die als Kriegsunternehmer vor allem nach persönlicher Macht, sozialem Aufstieg und Reichtum strebten. Diese Feldherren, die wie Piccolomini, Wrangel oder Derfflinger den Krieg überlebten, gehörten neben dem Adel als Stand eindeutig zu den Gewinnern des Krieges. Auch die Stadt Hamburg gehörte zu den Gewinnern, da sie sich als Handelszentrum für die unterschiedlichen Kriegsparteien profilierte.

Das Zusammenbrechen gesellschaftlicher Strukturen und die Deklassierung breiter Bevölkerungsteile erschwerten zusätzlich die Beendigung des Krieges. Man darf nicht vergessen, dass der Westfälische Krieg 1648 nur den Frieden im HRR regelte. Es gab weiterhin die Kriegsschauplätze in den Pyrenäen und vor allem in Polen. Viele Söldner schlossen sich polnischen Kriegsherren an, um entweder gegen die Schweden und seit 1649 gegen die Aufständische unter Bogdan Chmelnitzki in der Ukraine zu kämpfen.

"Geschichte erleuchtet den Verstand, veredelt das Herz, spornt den Willen und lenkt ihn auf höhere Ziele." Cicero
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16.10.2016, 23:03
Beitrag: #3
RE: Der 30 jährige Krieg
Ich erinnere hier, ich schrieb schon mehrfach darüber, an die Finanzierung über Brandschatzung.

Brandschatzung heißt ja nichts anderes, als dass unter der Drohung, die Stadt ansonsten anzuzünden Mittel, Geld erpresst wurde.
Dieses Geld war in den betroffenen Städten natürlich nicht in bar vorhanden, so wurde der Zahlungsverkehr recht "modern" abgewickelt.
Es wurde eine Schuldverschreibung auf ein (jedenfalls in Südwestdeutschland) Schweizer Bankhaus ausgestellt, dem "Heerführer" übergeben, der die Barmittel dort erheben konnte. Damit seine Söldner bezahlen konnte, und somit weiter Krieg führen konnte.

Ein System das zumindest in der Koalitionskriegsführung bis ca. 1805 so weiter Bestand hatte.
So manches Städtlein in Deutschland bezahlte an diesen Schulden noch bis in die 1870er Jahre.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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17.10.2016, 09:30
Beitrag: #4
RE: Der 30 jährige Krieg
Interessante Aussagen!
Ich muss zugeben, das ich mich mit diesem Thema noch nicht so intensiv beschäftigt habe. Mehr mit der Antike und dem Römischen Reich.
Ich bin darauf gekommen weil ich mich mit meinem Mann darüber unterhalten hatte.
Mein Interesse ist geweckt und ich werde mich näher mit dem 30jährigen Krieg beschäftigen.

EDIT:

eine Frage bitte noch: Könnte mir jemand etwas über den sog. "Prager Fenstersturz" kurz erzählen bitte?

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Marcus Tullius Cicero
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17.10.2016, 16:15
Beitrag: #5
RE: Der 30 jährige Krieg
Wichtig als Ergebnis für Deutschland sind gravierende politische und religiöse Konsequenzen.

Die Friedensbestimmungen des Westfälischen Friedens lockerten die Reichseinheit beträchtlich, da die Fürsten volle Landeshoheit erhielten und sogar Bündnisse mit ausländischen Mächten abschließen durften - sofern sie nicht gegen das Reich gerichtet waren.

Auch territorial erlitt das Reich schwere Einbußen. Schweden erhielt Vorpommern, das Erzbistum Bremen und das Bistum Verden als Reichslehen. Frankreich wurde im Besitz von Metz, Toul und Verdun bestätigt, die Niederlande und die Schweiz schieden endgültig aus dem Reichsverband aus.

Auf konfessionellem Gebiet wurde der Augsburger Religionsfriede von 1555 bestätigt und auf die Calvinisten als dritte Konfession ausgedehnt. Gültig blieb auch der Grundsatz "Cuius regio, eius religio" (Wes das Land, des der Glaube) und der Gebietsstand im Jahr 1624 für die Konfessionszugehörigkeit festgesetzt.

Der Westfälische Friede markiert mit diesen weit reichenden Veränderungen das Ende einer Epoche: Das "Heilige Römische Reich" versank in politischer Ohnmacht und wurde von den aufsteigenden Territorien der machtbewussten Landesherren endgültig überflügelt.
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17.10.2016, 19:17
Beitrag: #6
RE: Der 30 jährige Krieg
Danke sehr, Dietrich, so wird mir schon vieles klarer.
lg Aurora

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Marcus Tullius Cicero
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17.10.2016, 21:21
Beitrag: #7
RE: Der 30 jährige Krieg
Der (Zweite) Prager Fenstersturz am 23. Mai 1618

Der Führer der böhmischen Radikalen Heinrich Matthias Thurn von Valassina organisierte 1617/18 eine Konföderation der protestantischen Landstände aller habsburgischen Gebiete. Aus diesem Grund nahm er Verbindungen zu dem Leiter der kurpfälzischen Politik, Christian I. von Anhalt, auf. Das heißt, die Landstände der habsburgischen Länder verbanden sich mit den Reichsständen gegen die Habsburger als Landesherren und als Reichsoberhaupt.

Obwohl die Habsburger seit 1438 die Kaiser stellten, war das HRR immer noch eine Wahlmonarchie. Der Kaiser wurde Anfang des 17. Jahrhundert immer noch von den sieben Kurfürsten gewählt, die in der Goldenen Bulle von 1356 auserkoren wurde. Das waren die Erzbischöfe von Köln, Mainz und Trier, der katholische König von Böhmen und die protestantischen Kurfürsten von Brandenburg, Sachsen und von der Pfalz. D.h. 1618 gab es 4 katholische und 3 protestantische Kurfürsten, der Kandidat der katholischen Seite (also Ferdinand von Tirol) wäre bei dieser Konstellation mit 4:3 Stimmen gewählt worden.

In Böhmen bestand zwar eine Erbmonarchie, der König musste jedoch von den böhmischen und mährischen Landständen bestätigt werden. Der größtenteils utraquistische (gemäßigt hussitische) böhmische Adel konnte sich seit 1471 (also nach dem Königtum von Georg Podiebrad) mit den Königen aus der Jagiellonen- bzw. seit 1526 Habsburgerdynastie arrangieren. Das traf auch für andere protestantische Adlige (z.B. Lutheraner) zu. Ein Grund dafür war auch, dass die Kaiser bzw. böhmische Könige Ferdinand I., Maximilian II. und Rudolf II. keine religiösen Hardliner waren. Ab 1611/12 zeichnete sich jedoch ab, dass dies sich ändern würde. Kaiser Mathias und sein Kanzler Khlesl leiteten schon Maßnahmen für eine Rekatholisierung ein, beide waren aber zögerlich bzw. ließen noch Fingerspitzengefühl walten. Das Wirken beider wird unterschiedlich bewertet.

Fest steht, dass mit der Ernennung von Ferdinand von Tirol als Nachfolger für Kaiser Matthias feststand, dass eine Rekatholisierung Böhmens bevorstand. Ferdinand war von Jesuiten erzogen und seine politischen Berater stammten größtenteils aus dem Orden. In Tirol hatte er bereits eine blutige Rekatholisierung umgesetzt, die böhmischen Stände mussten mit dem Schlimmsten rechnen. Außerdem schlossen 1617 die spanischen und deutschen Habsburger einen Vertrag (Oneda-Vertrag), in dem sie sich zum gegenseitigen Beistand verpflichteten.

Die böhmischen Landstände waren bereit, die Wahl des Kurfürsten von der Pfalz zum König von Böhmen zu unterstützen. Diese Wahl hätte bedeutet, dass der Kurfürst von der Pfalz zwei Kurstimmen erhalten hätte und somit die nächste Kaiserwahl maßgeblich beeinflussen wird. Die bisherige Ausrichtung zugunsten der katholischen Kurfürsten wäre verloren gegangen, die Protestanten besäßen vier Kurstimmen und würden den nächsten Kaiser stellen. Dies hätte zu einer erheblichen Bekämpfung der Gegenreformation geführt. Die Politik wurde vor allem von Christian von Anhalt verfolgt, der die kurpfälzische Politik leitete. Ein Problem war allerdings, dass die Pfälzer Calvinisten, die Brandenburger und Sachsen Lutheraner waren. Da in Sachsen von den Landesherren nur den sogenannten Augsburger Konfessionen Religionsfreiheit zugestanden wurde, bildete sich in diesem Kurfürstentum ein vom orthodoxen Luthertum propagierter Anti-Calvinismus, der ein Grund dafür war, dass letztlich die protestantische Allianz rasch zerfiel.

Friedrich V., Kurfürst von der Pfalz, nahm das Angebot der böhmischen Stände an und versprach, die protestantische Union zu mobilisieren, die ihm bei seiner Wahl zum König von Böhmen unterstützen und die Kaiserwahl Ferdinands verhindern soll. Zeitgleich forderte Ferdinand spanische Truppen an, der Papst gewährte ihm finanzielle Unterstützung und die Neugründung der katholischen Liga wurde initiiert. Maximilian von Bayern war für den Preis der Übertragung der pfälzischen Kurwürde auf Bayern bereit, Ferdinand militärisch zu unterstützen.

Am 23. Mai 1618 zog eine Delegation der böhmischen Stände unter Führung Thurns zum Prager Schloss. Nach hitzigen und lautstarken Auseinandersetzungen zwischen Thurn und den königlichen Statthaltern Martinitz und Slawata wurden letztere von den Aufständischen aus dem Fenster in den 17 Meter tiefen Burggraben des Hradschins geworfen, wo sie verletzt liegen blieben. Dieser Zweite Prager Fenstersturz – der Erste Prager Fenstersturz leitete 1419 die Hussitenkriege ein – bedeutete den Beginn des Dreißigjährigen Krieges. Martinitz und Slawata überlebten den Sturz und auch den Dreißigjährigen Krieg. Trotz dieses Sturzes kann man sie zu den Gewinnern der kommenden Jahre zählen. Thurn starb als Privatmann, er stand viele Jahre in schwedischen Diensten und kämpfte u.a. in den Schlachten bei Breitenfeld (1631) und Lützen (1632).

Der Prager Fenstersturz war aber vor allem ein revolutionärer Akt, der den böhmischen Aufstand einleitete und sich (mit nationaltschechischen Parolen) schnell ausbreitete. Unter Führung Thurns wurde ein dreißigköpfiges Direktorium eingesetzt, das die Regierungsgeschäfte übernahm, die Jesuiten aus Böhmen vertrieb und den Erzbischof von Prag absetzte. Im Juni 1619 rückten die böhmischen Aufständischen unter Führung Thurns bis nach Wien vor, um ein Entgegenkommen Ferdinands in Glaubensfragen zu erzwingen. Unterstützung erhielten die Böhmen von den österreichischen Ständen. Ferdinand konnte jedoch mit Hilfe der Wiener Stadtbevölkerung die Truppen Thurns zum Rückzug nach Prag drängen.

Am 26. August 1619 wurde Ferdinand als König von Böhmen abgesetzt, der Landtag erklärte Böhmen zum Wahlreich und wählte Kurfürst Friedrich von der Pfalz zum neuen König. Friedrich weilte zu dieser Zeit in Frankfurt am Main und stimmte am 28. August 1619 der Kaiserwahl Ferdinands II. zu. Am 4. November 1619 wurde der Pfälzer in Prag zum König von Böhmen gewählt und wenige Tage später nahm Gabor Bethlen, Fürst von Siebenbürgen, mit Unterstützung der ungarischen Protestanten den Titel eines „Erwählten Königs von Ungarn“ an.

"Geschichte erleuchtet den Verstand, veredelt das Herz, spornt den Willen und lenkt ihn auf höhere Ziele." Cicero
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18.10.2016, 15:26
Beitrag: #8
RE: Der 30 jährige Krieg
(17.10.2016 21:21)Sansavoir schrieb:  ...
Fest steht, dass mit der Ernennung von Ferdinand von Tirol als Nachfolger für Kaiser Matthias feststand, dass eine Rekatholisierung Böhmens bevorstand. Ferdinand war von Jesuiten erzogen und seine politischen Berater stammten größtenteils aus dem Orden. In Tirol hatte er bereits eine blutige Rekatholisierung umgesetzt, die böhmischen Stände mussten mit dem Schlimmsten rechnen.

Kleine Korrektur: Für eine "blutige" Rekatholisierung in Tirol (du meinst hier vermutlich, die Verfolgung der Täufer) war Kaiser Ferdinand II. nicht verantwortlich. Auch die Bezeichnung von Kaiser Ferdinand II. als Ferdinand von Tirol ist völlig falsch, hier dürfte in deiner Quelle eine Verwechslung mit seinem gleichnamigen Onkel, dem Erzherzog Ferdinand II. von Österreich (1529-1595), der gewöhnlich in der Literatur als Ferdinand von Tirol bezeichnet wird, passiert sein.

Kaiser Ferdinand I. (auch Erzherzog Ferdinand I.) hatte drei Söhne:

- König Maximilian II. (auch Erzherzog Maximilian II.): mehrere Söhne, die alle keine erbberechtigten Söhne hatten, darunter die Kaiser Rudolf II. und Matthias sowie Erzherzog Maximilian III. von Österreich (bekannter als Maximilian der Deutschmeister).
Dieser Maximilian III. (1558-1618) war später der Nachfolger von seinem Onkel, dem Erzherzog Ferdinand II. von Österreich, in Tirol.

- Erzherzog Ferdinand II. von Österreich (1529-1592) herrschte über Tirol und die dazugehörigen "Nebenlande". Er hinterließ keine erbberechtigten Söhne, deswegen kamen Tirol und die dazugehörigen "Nebenlande" nach seinem Tod unter die Herrschaft seines Neffen, des Erzherzogs Maximilian III. (des Deutschmeisters) und später unter die Herrschaft seines Großneffen Erzherzog Leopold V. (1586-1632), in der Literatur gewöhnlich als Leopold von Tirol bezeichnet, dem jüngerer Bruder von Kaiser Ferdinand II.). Seine Ehefrau und spätere Witwe Claudia de Medici, Großherzogin von Toskana (1604-1648) gehört zu den wenigen Frauen des Hauses Österreich, die als Regentinnen tätig waren.

- Erzherzog Karl II. von Österreich (1540-1590), in der Literatur oft als Karl von Innerösterreich bezeichnet, herrschte über das Herzogtum Steiermark und die dazugehörigen "Nebenlande". Er war der Vater des späteren Kaisers Ferdinand II. (auch Erzherzog Ferdinand III. von Österreich), der ihm zunächst als Herzog der "steirischen Lande" nachfolgte.

Kaiser Ferdinand II. war also ein "Steirischer Habsburger" und kein "Tiroler Habsburger".

Ist übrigens leicht zu merken: Seit König Rudolf I. bis zum Aussterben seiner Nachkommen im "Mannesstamm" (also bis zu Maria Theresia und ihren beiden Cousinen) war es jedes Mal der "steirische" Familienzweig, der bei einer Aufspaltung der (Erz-)Herzöge von Österreich in Nebenlinien letztlich alle diese beerbt hat. (Vermutlich auch der eigentliche Grund, warum in englischsprachigen Filmen Habsburger in den deutschsprachigen Synchronisationen immer grausiges, steirisch gefärbtes Deutsch sprechen dürfen.)

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Nur die Geschichtenschreiber erzählen uns, was die Leute dachten.
Wissenschaftliche Forscher halten sich streng an das, was sie taten.

Josephine Tey, Alibi für einen König
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