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Das Griechisch Orthodoxe Christentum
28.05.2016, 23:30
Beitrag: #1
Das Griechisch Orthodoxe Christentum
Das Christentum war bis ins dritte Jahrhundert im Römischen Reich verboten und wurde konstant unterdrückt. Erst Konstantin der Große (285 bis 337), der als Christlicher Kaiser in die Geschichte einging, legalisierte es während seiner Regentschaft. Nachdem sich das Christentum durch den römischen Kaiser Konstantin durchgesetzt hatte, wurden zahlreiche Kirchen erbaut. Was ihn hierzu veranlasste, das Christentum zu legalisieren, war, dass er eine Vision erlebt haben soll, während er mit seinem Heer, ca. 40.000 Mann, gegen Rom zog.
Er soll am Himmel (als sich der Tag schon neigte) ein Kreuz aus Licht gesehen haben – und auch sein Heer. Auch in der Nacht soll ihm Christus erschienen sein, der ihm aufgeforderte, das Zeichen des Kreuzes auf die Schilde seines Heeres malen zu lassen.
Weshalb er überhaupt gegen Rom zog, war um seinen Thron zu beanspruchen, dem ihm der Usorpator Maxentius, dieser widerrechtliche Kaiser, streitig machte.

Im Jahr 395 erfolgte auch die Teilung des Römischen Imperiums in einem west- und oströmischen Reichsteil, indem Konstantinopel zu deren Hauptstadt erklärt wurde. Diese Stadt bekam auch die kirchlichen Ehrenrechte übertragen.
Unterschiedliche theologischer Meinungen zwischen West- und Ostkirche führten letztendlich im Jahr 1054 zwar zur Trennung der Kirchen, es fand auch zu dieser Zeit eine Exkommunikation des Papstes und des Patriarchen statt. Doch mit dem Tod der beiden hatte sich das erledigt, da nicht die kompletten Kirchen exkommuniziert wurden. Zu welcher Zeit aber genau die Orthodoxie herausgebildet und gefestigt hatte, ist nicht greifbar, sondern kam eher schleichend. Die Trennung Orthodoxie vom Christentum hat sich aber in allen Gesellschaftsschichten gezeigt. Das Entscheidende hierbei ist die Trennung des Römischen Reiches und die später vom Papst beanspruchte Vormachtstellung: West-Rom hat sich an Petrus gehalten, Ost-Rom eher an Paulus. Von Anfang an trennten sich zwar im Prinzip die Kirchen, aber erst ab dem 9. Jahrhundert richtig. Ab dann gab es mehrere Elemente, die sie weiter trennten, z. B. Auch die Ereignisse des 4. Kreuzzuges.
So konnte sich überhaupt ab dem 9. Jahrhundert das griechisch orthodoxe Christentum vollkommen stabilisieren. Noch heute nehmen die Patriarchen der Ostkirche in Konstantinopel den ersten Rang ein.

Was bedeutet überhaupt Orthodoxie? Um es kurz zu fassen: Hierunter ist zu verstehen, dass die Kirche eine „Kirche der Rechtsgläubigkeit“ zum einen „rechtes Lobpreisen“ - zum anderen „rechte Lehre“ ist. Die Menschen orthodoxen Glaubens legen besonderen Wert darauf, die Lobpreisung Gottes und des rechten Glaubens an die Dreifaltigkeit: Gott Vater, Gott Sohn und Heiliger Geist. Die Dreifaltigkeit ist der zentrale Punkt der orthodoxen Theologie. Ein weiterer wichtiger Punkt ist: Gott wird als unfassbar und unerkennbar bezeichnet.

Auch ein gravierender Unterschied besteht in Hinsicht des Glaubens von Christengemeinden und Orthodoxen: Während die katholische Kirche ihren Ursprung von der römischen Gemeinde und vom Apostel Petrus ableitet, glauben die Orthodoxen direkt von der Urgemeinde in Jerusalem abzustammen.

Das orthodoxe Christentum hebt sich auch hervor durch ihre vielseitige kultische Überlieferungen, ihre aus tiefsten Herzen kommende tiefgreifende Spiritualität und mystischer Tiefe. Auch hat das Griechisch Orthodoxe Christentum auf das Totenbrauchtum in Griechenland und den griechischen Inseln eingewirkt.

Einem Haus eine Bibliothek hinzuzufügen heißt, dem Haus eine Seele zu geben.

Marcus Tullius Cicero
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13.06.2016, 17:50
Beitrag: #2
RE: Das Griechisch Orthodoxe Christentum
(28.05.2016 23:30)Aurora schrieb:  Die Menschen orthodoxen Glaubens legen besonderen Wert darauf, die Lobpreisung Gottes und des rechten Glaubens an die Dreifaltigkeit: Gott Vater, Gott Sohn und Heiliger Geist. Die Dreifaltigkeit ist der zentrale Punkt der orthodoxen Theologie. Ein weiterer wichtiger Punkt ist: Gott wird als unfassbar und unerkennbar bezeichnet.

Im 4. Jh. CE war es vor allem der vom Neuplatonismus geprägte und die Ausprägung des orthodoxen Dogmas engagiert vorantreibende Gregor von Nyssa (335-394), der die Unerkennbarkeit des Christengottes betonte.

Der wichtigste Teil der Trinität, die Binität (Gottvater und Christus), wurde nach langen, z.T. physisch brutalen Auseinandersetzungen zwischen Athanasiern und Arianern in Nicäa in eine Formel gepresst . Die Trinität ist ein Produkt der Hellenisierung des Christentum durch die Adaption des Neuplatonismus von Plotin (der paradoxerweise ein Gegner des Christentums war). Plotin lehrte, angeregt durch Platon, das absolut Eine (Hen), aus dem stufenweise abwärts Emanationen hervorgehen, zunächst der Nous (Vernunft, Geist), dann die Weltseele und dann last and least das Materielle. Mehrere Kirchenlehrer, z.B. Ambrosius, Eusebius, Kyrill und obenerwähnter Gregor von Nyssa, hatten Plotin rezipiert, auch im Hinblick auf eigene trinitätstheoretische Spekulationen.

Unschwer ist zu erkennen, dass das Hen dem Gottvater, der Nous dem Christus und die Weltseele dem Heiligen Geist zugeordnet werden können, auch wenn das klassische Trinitätskonzept von dem neuplatonischen Muster etwas abweicht. Das Hen ist das Alleshervorbringende, der Nous ist die weltdurchspannenden Vernunft (im Sinne des Logos = Christus im Joh-Ev) und die Weltseele die Kraft, die das Göttlliche (das Hen) mit dem Materiellen in Beziehung setzt, also innerlich belebt. Letztere Funktion entspricht in etwa der des Heiligen Geistes, welcher freilich nicht, wie bei Plotin, alles materielle Leben durchdringt, sondern als erleuchtendes Eindringen des Göttlichen in das menschliche Bewusstsein zu verstehen ist.

Das Judentum kennt dieses Konzept unter dem Namen ´ruach´, was ´Gottesatem´ bedeutet, aber mit ´Wind´ konnotiert ist. Das bezieht sich eine Art der übernatürlichen Erfahrung, die sich zumeist in exzessiven Licht- und Farbwahrnehmungen äußerte, welche als Manifestion eines Gottes interpretiert wurden. Allerdings umfasst das christliche Verständnis des Heiligen Geistes auch moderatere Phänomene wie religiöse Inspiration und das (vermeintliche) Gefühl der Gottesnähe. Die Formel des nicäanischen Konzils lautet, dass der Heilige Geist "aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht" und "durch die Propheten (gesprochen) (hat)".

Die offizielle katholische Deutung der Trinität hat sich erst nach einer Korrektur der Binitätslehre von Nicäa herausgebildet, nämlich 382 auf der Synode von Konstantinopel. Bekanntlich hatte Konstantins Sohn und Nachfolger Constantius II. das nicäischen Dogma der Wesenseinheit von Vater und Sohn außer Kraft gesetzt, weil er an dessen Logik zweifelte. Nach seinem Tod wollte Kaiser Julian wieder die römische Religion einführen, was sein früher Tod auf einem Feldzug aber verhinderte. Ab 380 gelang es dem Athanasius-Anhänger Theodosius I., das alte nicäanische Modell durchzusetzen, freilich runderneuert: Die Trinitätslehre wurde verfeinert durch die Differenzierung zwischen Ousia und Hypostase. Ousia ist das Wesen Gott, also die Ganzheit des Göttlichen. Hypostasen sind die drei Aspekte, unter denen sich dieses Göttliche offenbart. Das stellt sich in etwa so dar:

´Gott´ ist das Ganze, das sich offenbart als: 1) Gott-Vater = Schöpfer, 2) Gott-Sohn = Erlöser und 3) Heiliger Geist = vom Vater und vom Sohn ausgehende Inspiration. Diese Formen sind von personhafter Individualität (theologisch abstrakter: sie sind Hypostasen) und zugleich untrennbar aufgehoben im Ganzen des Gottes.

Wie kann man sich das vorstellen? Ich versuche eine simple Analogie: Die drei Lichter einer Verkehrsampel sind klar voneinander unterschieden. Ihre Bedeutung (ihr Wesen) ergibt sich aus der ´Ganzheit´ des Systems, innerhalb dessen sie so definiert sind, dass das Wesen eines Lichtes mit dem Wesen der anderen Lichter untrennbar verbunden ist: Rot bedeutet nur deshalb Stop, weil Grün Fahren und Gelb Aufpassen bedeutet. Grün bedeutet nur deshalb Fahren, weil Rot Stop bedeutet usw. Die drei Lichter definieren sich wechselseitig. In diesem Sinne ist das Wesen jedes Lichtes in jeweiligen Wesen der anderen Lichter enthalten. Die drei Lichter bilden also eine Ganzheit (die Ampel), die in drei funktionale Aspekte zerfällt, die nur im Rahmen der Ganzheit Sinn machen. Die Lichter sind also relationale Größen, ihr Wesen besteht in ihrer wechselseitigen Bezogenheit.

Ob das nun die Trinität verstehbarer macht oder (vermutlich eher) nicht - die Binität innerhalb der Trinität ist und bleibt heikel, solange das Verhältnis zwischen Gott-Vater und Gott-Sohn nicht geklärt ist. In Nicäa heißt es, dass Jesus aus dem Vater gezeugt wurde und daher das gleiche göttliche Wesen wie der Vater hat. Problematisch daran ist, dass Jesus von alles hervorbringenden Gott, bei gleicher Wesenhaftigkeit, nicht zu unterscheiden ist, was seiner Herkunft aus diesem Gott widerspricht, denn als Sohn ist er kein Alles-Erzeugender. Die Synode von Konstaninopel versucht dieses Dilemma durch die Hypostasenlehre zu lösen, indem die göttliche Ganzheit (ousia) das Wesen aller seiner Hypostasen (Vater, Sohn, Geist) bildet. Vater, Sohn und Geist haben als Hypostasen also teil am umfassenden Wesen Gottes (ousia)
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