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Wappen
07.02.2016, 19:15
Beitrag: #1
Wappen
Liebe Heraldik-Spezialisten....

ich habe ein Wappen vorliegen, angeblich "unser Familienwappen", das kann aber so nicht sein, denn auf dem Hof, an dem das Wappen offenbar irgendwie angebracht ist, saßen Angehörige meiner Familie erst viel später als es die jahreszahl 1608, die bei dem Wappen angebracht ist, aussagt.
Das Wappen ist auch einigermaßen rätselhaft. In der unteren Hälfte ein Schwan, stehend mit gebeugtem Hals und Schnabel an der Brust auf blau-silbernen Querstreifen (je zwei silberne und zwei blaue Streifen). Darüber (das Wappen ist waggrecht geteilt) auf schwarzem Grund ein nach links schauendes geflecktes, goldenes Katzentier (warum ich mich hier so vorsichtig ausdrückte, dazu später) mit vorgestrecktger roter zunge, das nach rechts blickt und von dem nur der oberkörper zu sehen ist...
Oben auf dem Wappen ein zum Betrachter schauender Helm, aus dem Helm wachsend dasselbe Katzentier wie im Wappen, nur zur andere Seite schauen, aber eben auch nur der Oberkörper.
Links und rechts vom Helm so Efeugerankenzeugs...
Es soll angeblich eine Wappenbeschreibung geben, da ist das Katzentier als "Gepard" bezeichnet und der Schwan als "Pelikan"...

Ich halte den Geparden für einen Leoparden und wie gesagt den Pelikan für einen Schwan und denke da eher an ein persönliches Wappen als an ein echtes Familienwappen, meine Familie besteht nämlich von Anfang an aus Bauern...Wink Die Jahreszahl 1608 wäre auch erstaunlich, weil laut Stammbaum die ersten Vertreter meiner Familie etwa 20 Jahre später aufgetaucht sind, was aber natürlich nichts heißén will. Meines Erachtens hatte aber einer der Vorbesitzer des besagten Hofes dieses Wappen, und als meine Familie in den Hof eingeheiratet hat oder den Hof gekauft hat, hat man das Wappen einfach in Beschlag genommen.

Aber vielleicht können die Heraldiker hier im Forum mir Spezifischeres sagen als das, was ich mir in absoluter Laienhaftigkeit so zusammengereimt hab?

Vielen Dank!
VG
Christian
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08.02.2016, 00:21
Beitrag: #2
RE: Wappen
Heraldiker bin ich nun gar nicht.

Deshalb ein kurzes Geschichtchen.
Mein Großvater hatte "sein" Familienwappen, teure Hinterglasmalerei, bei sich hängen, unten umfangreiche Erklärung des Wappens, natürlich Adel (ist ja klarShade) aus Österreich oder Ungarn stammend usw. usf. zzgl. Quellennachweis, in welchem Band des "siebmachers" das Wappen enthalten wäre. Hat mich als Kind überaus beeindruckt, ich sah mich als Nachkommen streibarer Ritter und Minnesänger.... und natülich wunderschöner Edelfrauen.

Zwei Brüder meines Großvaters hatten ebenfalls "ihr" Familienwappen malen lassen, es waren aber nochmals zwei verschiedene... Huh

Ich habe es hier ja bei anderer Angelegenheit schon anklingen lassen, in meinen eigentlich wildesten Jahren, war ich nebenbei Familienforscher.
In den Ferien bei Tag HStA und Pfarrhäuser, bei Nacht Republikanischer Club, Club 67, Teach In, Sit In, oder was halt gerade "in" war.
Ich war vermutlich nicht der einzige, der damals mit der einen Backe die Welt in eine knallrote Zukunft bringen wollte, mit der anderen ganz woanders verortet war....

Und da war natürlich recht früh das Familienwappen meines Großvaters Thema meiner "Forschungen"
die recht schnell zum "Mißerfolg" führten.
Den genannten Band des "Siebmacher" gibt es gar nicht....
Ich will nicht mit Details langweilen, es ging natürlich eine Weile, bis ich auf des Rätsels Lösung kam.
Wobei die ganz einfach ist.

Ende des 19. Anfangs des 20. Jahrhunderts gab es ein blühendes Handwerk der Stammbaummaler.
Die Jedem, der bezahlte,die unwahrscheinlichsten Wappen mit den haarsträubendsten Erläuterungen anfertigten. Heraldisch fälscher als falsch, alles zusammengelogen, aber die Leute hat es gefreut, und sie haben bezahlt....

Der Witz bei den zusammengelogen Wappen meines Großvaters und meiner Großonkel:
die Familie stammt aus der Schweiz, und dort hat einer am Anfang des 19. Jahrhunderts sich ein Familienwappen, heraldisch korrekt anfertigen und eintragen lassen. Natürlich stramm bürgerlich und liberal, was brauchen wir auch "von Schatten am Wald nah"
Hätte also einer dieser "Stammbaummaler" tatsächlich in den Siebmacher geschaut.....Lol


Langer Rede kurzer Sinn, schau zuerst mal in den Siebmacher.
https://de.wikipedia.org/wiki/Wappen#Familienwappen
https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Wappenrolle
https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Siebmacher

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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10.02.2016, 16:14
Beitrag: #3
RE: Wappen
Chris,Könntest du mal ein Foto von dem Wappen reinstellen und die Ortschaft nennen ,wo es zu finden ist ? Dann kann ich Dir vielleicht weiterhelfen
Zu den Wappen an sich:
Im 16- und 17.Jahrhindert gab es auch bereits bürgerliche oder bäuerliche Wappen-letztere beruhten meist auf den alten Hofzeichen oder Haus- und Hofnamen. Wappen deuten also keineswegs immer auf adelige Abkunft hin.ab dem 17.Jahrhundert kamen auch vermehrt sogenannte redende Wappen auf,die auf den Familiennamen Bezug nahmen.
Insoweit könnte es sich hier durchaus um ein bürgerliches Wappen handeln, das dem Hofbesitzer zugeordnet werden kann oder aber,falls es sich um ein Herrschaftsgut handelt, der jeweiligen Herrschaft.
Bei uns in der Gegend gibt es viele Höfe, die einzelnen Stiften gehörten und deren Wappen im Torbogen haben.
Den Geparden als Wappentier gibt es in der klassischen Heraldik nicht.Dort gibt es nur Löwen und Leoparden:
-Der Leopard wird stets schreitend und mit dem Kopf zum Beschauer gerichtet abgebildet.
-Der Löwe wird steigend oder auch laufend mit dem Blick nach rechts dargestellt.
die Flecken,sofern es sich nicht um eine Schraffur (gepunktet steht für Gelb/Gold) handelt könnten möglicherweise auch auf eine Wildkatze hindeuten

Dein Schwan ist zweifellos ein Pelikan,der in der Heraldik immer so dargestellt wird,dass er sich die Brust aufpickt um mit dem Blut seine Küken zu nähren.(Und damit als Sinnbild Christi oder der Selbstaufopferung gedeutet wird) Dieses Motiv ist allerdings in bäuerlichen und bürgerlichen Wappen eher selten-das deutet eher entweder auf einen akademischen oder klerikalen Hintergrund hin. Kleriker,Ärzte und Apotheker führten den gerne im Wappen

Prinzipiell ist jedermann berechtigt ein Wappen zu führen und das Wappen bezieht sich individuell auf den Träger-es kann also innerhalb einer Familie auch völlig verschiedene Wappen geben. Ob das Wappen also aus dem 14.Jahrhundert stammt oder aus dem Jahr 2013 spielt zunächst mal für die Authentizität keine Rolle.Allerdings bemühen sich seriöse Heraldiker ,historische und familiengeschichtliche Anknüpfungspunkte einfließen zu lassen.
Aber Suebe,was Du ansprichst sind die besonders im angelsächsischen Raum ansässigen Heraldikfirmen,die dir ein Wappen nebst Stammbaum bis zum König von Mallorca zusammenschustern,das jeden historischen Bezug vermissen lässt und im schlimmsten Fall auch heraldisch falsch ist.
Ich habe ein paar von denen mal angetestet und bin immer auf ein Freiburger Ritter- und Patriziergeschlecht aus dem 13-Jahrhundert verwiesen worden, dessen Name nur so ähnlich wie unser Familienname klingt,zu dem aber nachweislich genealogisch keinerlei Verbindung besteht -teilweise mit offenkundig erfundenen "Missing Links ";)Big Grin
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10.02.2016, 17:55
Beitrag: #4
RE: Wappen
Es war, wie geschrieben, eine beliebte Geldmaschine unterbeschäftigter "Kunst-"Maler des ausgehenden 19. beginnenden 20. Jahrhunderts gewesen.

Also bei mir ums Eck hat fast jede alteingesessene Familie so ein "Machwerk" irgendwo hängen.
So vor 30 Jahren habe ich, war ich irgendwo eingeladen, und hing so ein Ding rum meist am Ehrenplatz die Besitzer haben die tollen Sprüche auf dem unteren Teil ja gerne geglaubt,
mit wohlgesetzten Worten auf die blühende Industrie der Stammbaum-Maler und Familienwappen-Maler vergangener Zeiten hingewiesen.
Fast immer waren "Fürsten-Baldachine" Spangenhelme, falsche Farbzusammenstellungen verwendet worden, und die "Wappen-Legenden" sind eh alle jenseits von gut und böse.
Tja, Freunde habe ich so aber keine gewonnen, so dass ich irgendwann klüger wurde, und die Klappe hielt.
Bis jetzt, wo ich den chris verärgert habe.

No ja, vielleicht werde ich mit 2mal vierzig endlich klug.
Thumbs_down

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10.02.2016, 18:39
Beitrag: #5
RE: Wappen
Die Zunft besteht weiter nur ist das heute computergeneriert, dh. man muß nicht mal mehr ordentlich malen können.Big Grin
Aber Chris sein Wappen hat damit nix zu tun , wenn es von 1609 ist.

Das auf schwarzem Grund nach rechts schauende, goldene halbe Katzentier mit vorgestrecktger roter Zunge könnte übrigens der pfälzische Löwe sein, der ja im Wittelsbacher Wappen neben der Raute vorkommt.Wenn der Hof in einem ehemals ober-,unter-,neuburgisch- oder sonstwie pfälzischen Gebiet Bayerns liegt würde das passen.
Zur Verbreitung mal folgende Karte;
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/c...3%B6we.png
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10.02.2016, 20:14
Beitrag: #6
RE: Wappen
Das Wappen meines Großvaters, (wo ist es wigentlich hingekommen? mal nachfragen)
war übrigens sehr bemerkenswert.
Da stand ein Typ, mit einer Fellmütze und einer Felljacke angetan, hinter einem Steinriegel und hat mit einem Bogen nach irgend welchen Feinden oder jagdbarem Getiert gezielt. Ach ja, einen Köcher mit weiteren Pfeilen hat er noch umhängen gebat.
Nie wieder sah ich so ein Viech von einem Wappen Lol


Wobei das das richtige gewesen wäre.
[Bild: hungerbuehlerb.jpg]



irgendwie deutlich unspektakulärer Rolleyes

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11.02.2016, 02:54
Beitrag: #7
RE: Wappen
nicht spektakulär aber ungewöhnlich : ein goldenes,getatztes Patriarchenkreuz auf Blauem Grund- habt Ihr Verbindungen zum Memminger Unterhospital ? Die haben das gleiche Motiv und die gleiche Tinktur,nur schwebt dort das Kreuz während es bei Euch auf einem Berg steht,
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11.02.2016, 11:11
Beitrag: #8
RE: Wappen
Also, "unser" Wappen sieht so aus wie neuerdings in meinem Avatar zu sehen, ich hab auch versucht es als Attachment anzuhängen...
   

Es findet sich auf dem Gleidorferhof in Gebrontshausen, mitten in der Hallertau.
Wie gesagt, dabei steht unser Familienname und die jahreszahl 1608, was laut Stammbaum nicht stimmen kann, weil unsere Familie damals noch gar nicht auf dem Hof war...wenn, dann hat der Wappenträger es "mitgebracht" und es stammt wurde 1608 verliehen oder angefertigt, aber definitiv gehören Hof und Familie im Jahr 1608 noch nicht zusammen...

Danke für eure Infos!

VG
Christian
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11.02.2016, 14:48
Beitrag: #9
RE: Wappen
Und Du bist sicher,dass die Abbildung von 1608 stammt?
Das Wappen weicht nämlich so konsequent von allen heraldischen Gesetzen ab,dass ich entweder auch eine spätere"Schöpfung" oder eine sehr ungenaue Kopie eines bestehenden Wappens vermute
-Die Schildform und die Form von Helm und Helmdecke passen zwar in die Zeit zwischen 1580 und 1650,
aber der blaue Helm mit den plastischen Lichtreflektionen passt definitiv nicht in die Zeit und auch nicht zum Stil des restlichen Wappens. Der hier verwendete Spangenhelm durfte im HRR nach den Maßgaben der kaiserlichen Kanzlei nur vom Adel und Doktoren der Jurisprudenz und Theologie verwendet werden, auch das Kleinod-meist ein Hausorden-war ein Kennzeichen des Adels . Die hier dargestellte Kette mit dem Kreuz ist mir dafür etwas zu schematisch.
-.Das Katzentier ist definitiv eine Wildkatze und kein Löwe.
-Das Federvieh ist wohl tatsächlich trotz der pelikanmäßigen Kopfhaltung ein sehr naturalistischer Schwan und zwar so naturalistisch und perspektivisch,dass er so nichts auf einem Wappenschild zu suchen hat .dort sind nämlich heraldisch korrekt nur flächige aber keine perspektivischen Darstellungen erlaubt.
-Die Helmdecke gelb/blau passt farblich nicht zu den Grundfarben blau-weiss-schwarz des Wappenschildes
-Die Helmzier,also das Katzentier auf dem Helm. ist unterproportioniert und sitzt vor allem nicht auf dem Helm sondern dahinter, Eine Helmzier war auf einem Helm befestigt,d.h.sie kann nur auf zwei Arten dargestellt werden: Entweder sie wächst aus der Helmdecke heraus,die nahtlos in sie übergeht oder die Verbindung zwischen Helm und Helmzier ist durch einen Helmwulst (oder beim Adel eine Rangkrone) kaschiert.
-Ausserdem müssen Helm und Helmzier die gleiche Blickrichtung haben, d.h. Helm en face und Helmzier im Profil geht garnicht

Ein Wappen- oder Schildermaler um 1600 hätte nie so ein Wappen gemalt wie es hier abgebildet ist
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11.02.2016, 17:35
Beitrag: #10
RE: Wappen
Also, mal zusammengefasst:
Das Wappen meines Großvaters,
das mit dem Polar-Forscher oder "Freitags"-Kostüm,
ist bei meiner Schwester gelandet, mein Schwager, ausgefuchster Archivtiger,
ist dem "Wappen-Künstler" nachgegangen. Tja, man war wohl stolz auf die Machwerke, es ist signiert, mit Adresse. Undecided
Er ist 1923 verstorben und trug an seinem Heimatort den Übernamen "Napoleon-Maler" derweil usw. usf.
Man hätte es mir auch schon mal erzählt, aber ich hatte es anscheinend vergessen. Unlove

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11.02.2016, 17:58
Beitrag: #11
RE: Wappen
Das "richtige" Hungerbühler-Wappen, siehe oben, jedenfalls das, das seit Anfang des 19. Jahrhunderts registriert ist,
hat mW keinen Bezug nach Memmingen, sondern nach St. Gallen.
Wobei auch noch eine andere Farbgebung bekannt ist.

Die Familie stammt aus dem Thurgau und dem Kanton St. Gallen, wobei einige verschiedene "Stämme" die in "geschichtlicher Zeit" nichts miteinander zu tun hatten, bakannt sind.

Meine Vorfahren diesen Namens kamen nach dem 30 Jährigen Krieg aus der Schweiz, wobei der Herkunftsort, eigentlich auch nur ein Hof, wie bei chris, namentlich bekannt ist, der auch bis in die 1850er Jahre Eigentümer diesen Namens hatte.

Bei den Familientreffen dieses Zweiges der letzten Jahrzehnte ist jedenfalls dieses Wappen ständig im "Einsatz", es wurde auch schon mal in Marzipan angefertigt und verteilt. Lol

Soviel zum Wappen und der dahinterstehenden Story.

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11.02.2016, 20:47
Beitrag: #12
RE: Wappen
Oh Suebe seid Ihr vieleicht keine santgallische Schwaben sondern schwäbische Slowaken ? Big Grin
[Bild: Coat_of_arms_of_Slovakia.svg]
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12.02.2016, 09:04
Beitrag: #13
RE: Wappen
Nö,
ausgewiesene Eidgenossen! Asylsuchende im Herzogtum Württemberg aus Glaubensgründen Thumbs_up
Migrationshintergrund!

Zitat:
Zitat: Zu starken Emigrationsbewegungen aus religiösen und wirtschaftlichen Gründen kam es nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648), als Arbeitsemigranten aus der übervölkerten Schweiz (vor allem aus den Kantonen Bern, Zürich, Thurgau und aus Gebieten des heutigen Kantons St. Gallen) sowie aus dem Vorarlberg in den zerstörten, teilweise menschenleeren Gegenden Südwestdeutschlands ansässig wurden und halfen, das verwüstete Land wieder zu besiedeln.

In dieses Kapitel gehören die Hungerbühler aus Siebenaichen (Gemeinde Egnach), die als Neugläubige, d.h. Evangelische, nach Pflummern bei Riedlingen (heute Baden- Württemberg) ausgewandert sind. So erscheint im Kirchenbuch in Pflummern ein Hans Konrad Hungerbühler, geb. ca. 1649 in Siebenaichen. Sein Todesdatum ist der 2. November 1734. Der Familienname Hungerbühler ist seit dieser Auswanderungszeit in Pflummern stark verbreitet. Von hier aus verpflanzte sich der Name Hungerbühler wohl in viele Bundesländer des heutigen Deutschlands. Von Pflummern aus wurden in der Vergangenheit regelmässige Familienzusammenkünft mit Hungerbühlerwurzeln veranstaltet. Seit einigen Jahren sind auch Schweizer Hungerbühler dazu gestossen.

Pflummern war bis vor kurzem die einzige evangelische Gemeinde im katholischen Oberamt Riedlingen. Einst war Pflummern Sitz eines Adelsgeschlechts, deren letzte Erbinnen den Ort 1605 an den Herzog Friedrich von Württemberg verkauften. Im Dreißigjährigen Krieg wurde der Ort gebrandschatzt und entvölkert, musste also komplett neu besiedelt werden; bereits 1825 wies er wieder etwa 500 Einwohner auf. 1829 war Eduard Mörike für ein paar Monate als Pfarrverweser hier tätig, in dieser Zeit soll er am 9. März jenes Jahres mit „Er ist’s“ eines der oft zitierten deutschsprachigen Gedichte geschaffen haben.


von da.
http://www.tanneggverlag.ch/die-hungerbuehler

Zu diesem "Wiederfinden" der Wurzeln, habe ich als damals 16jähriger, wie ich finde entscheidend beigetragen
Im Kirchenbuch zu Pflummern steht aus "Siebenaachen in der Schweiz" und es hat damals nicht wenig Zeit und Schriftverkehr gekostet um aus diesem "Siebenaachen" das richtige Siebeneichen aufzufinden.
Hätte ich damals "schwäisch" gelesen, wäre es vermutlich schneller gegangen.
Auf alle Fälle bilde ich mir darauf ein bißchen was ein

Es war eine schöne Zeit, als ich ahnenforschend durch die Lande zog. Und nie nie wieder hatte ich Zeit und Gelegenheit......

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12.02.2016, 12:00
Beitrag: #14
RE: Wappen
(11.02.2016 14:48)zaphodB. schrieb:  Ein Wappen- oder Schildermaler um 1600 hätte nie so ein Wappen gemalt wie es hier abgebildet ist

Ich hab das im Original nie gesehen, sonst könnte ich dir vermutlich allein wegen der Farben, der Putzbeschaffenheit usw. schon mal sagen, ob´s was moderneres ist...ich vermute mal fast, denn das Haus wird seit 1608 doch mal das ein oder andere mal geweißelt worden sein...Wink

Also Fazit: Das Wappen ist wohl eine moderne Fantasieschöpfung und der Familienname mit Jahreszahl ist wohl so dahin gekommen, dass irgendwer mal recherchiert hat, dass unsere Familie seit 1608 auf dem Hof sitzt (was aber nach neueren Stammbaumforschungen nicht möglich ist).

Danke! Jetzt bin ich mir in meinem Verdacht sicher, dass das kein echtes Wappen sein kann...Wink

VG
Christian
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12.02.2016, 12:39
Beitrag: #15
RE: Wappen
Wenn das auf Putz im Außenbereich gemalt ist dürfte es sich tatsächlich um eine neuere Schöpfung handeln
Ich würde an deiner Stelle trotzdem mal weiter nachforschen ob sich ein gleiches oder ähnliches wappen in der Gegend findet, denn möglicherweise könnte es natürlich die Kopie einer Kopie einer Kopie sein,die einer im neunzehnten Jahrhundert womöglich nach einer mündlichen Beschreibung da hingepinselt hat.

Du könntest allerdings mit einigen Veränderungen
Stechhelm im Profil ohne Kleinod,Helmwulst, Anpassung der Farbgebung der Helmdecke, flächige Darstellung des Pelikans oder Schwans
ein heraldisch korrektes Wappen daraus machen.
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12.02.2016, 13:02
Beitrag: #16
RE: Wappen
Zum Thema Wappenfälschungen-da gab und gibt es eine ganze Industrie die sich dessen befleissigt
Dr Bernhard Peter,der eine sehr gute Homepage ( http://www.dr-bernhard-peter.de/Heraldik/seite38.htm )
zum Thema Heraldik hat führt dort folgende bekannte historische Fälscherwerkstätten auf:

Max Asten 1828-1897
Gustav Winkler 1803-1874
Eugen Schwartz1817-ca. 1888
Hugo Bieler ab 1827
Wilhelm Karl Fleischmann 1849-1913
Carl Wilhelm Muth 1817-1876
Gebhardt Gartenschmidt 1773-1843
Berthold Großkopf 1874-1915
Thaddäus Mikoda ca. ab 1835
Paul Gründel 1857-1931
Thaddeus Spängler 1862-1926
Raimund Günther 1880-1935
Adolph Hebensperger 1864-1897
Hermann Hermann 1874-1952
Joseph Stein 1784-1843
Georg Stark 1831-1894
Leonhard Stark 1868-1951
Emil Poenicke 1846-1924
Levi Herschbach 1805-1893
Carl Friedrich Kettnich 1800-1854
Nicolaus Pohl 1803-1872
Franz Eduard Knapp 1871-1947
Max Wappenstein 1837-1890
Carl Krahl 1819-1891
Franz Kuboth 1870-1923
Franz Kunze1788-1853
Christian Kurz 1836-1886
Eugen Kurz 1864-1928
Hans Limbacher 1863-1923

Wer also in den Familienunterlagen eine Rechnung oder einen Wappenbrief von denen findet kann getrost von einer Fälschung ausgehen.
Die Methoden haben sich übrigens bis heute nicht geändert.Ich zitiere hier der Einfachheit halber nochmal die Homepage von Dr.Peter, der dazu schreibt:

"Von Wappenfälschungen spricht man, wenn ahnungslosen Kunden von skrupellosen Geschäftemachern Erzeugnisse verkauft werden, die erstunken und erlogen sind, die falsche Tatsachen vorspiegeln, die dem Kunden Rechte vorgaukeln, die er nicht besitzt, also mithin den Straftatbestand des Betruges erfüllen, wenn dafür Geld verlangt wurde. Wappenfälschungen können viele Formen haben, die gängigsten Methoden sind:

-Verkauf eines Wappens einer anderen Familie mit gleichem Familiennamen - dies kann erhebliche rechtliche Konsequenzen haben
-Willkürliche Entnahme eines bestehenden Wappens aus einer der großen Sammlungen und Verkauf an eine Person als "deren eigenes"
-Willkürliche Entnahme eines Wappens eines mittlerweile erloschenen Geschlechtes und Verkauf an eine Person als "deren eigenes"
-Erdichten eines Phantasiewappens unter Vortäuschung, es sei ein altes Wappen
-Fälschung von Wappenverleihungen, Wappenbriefen und sonstigen Urkunden
.Herbeilügen einer Familiengeschichte, die von vorn bis hinten erfunden ist
-Bezug auf Quellen, die es nie gegeben hat, Zitierung von Wappenrollen, die reine Phantasieprodukte sind
-Zitierung seriöser Quellen (Siebmacher, Rietstap etc.), nur daß dort kein zitierbarer Eintrag existiert und man beim Nachschlagen dort nichts findet
-Zuordnung eines Wappens zu einer Familie, ohne daß je ein Rechtsakt der Verleihung oder Annahme stattgefunden hat. Der Besitz eines Wappens setzt mindestens den einseitigen Rechtsakt der Annahme durch den Wappenstifter voraus. Wenn dieser nie stattgefunden hat, entbehrt das Wappen der Rechtsgrundlage.

Meistens sind die Fälschungen so dilettantisch gemacht, daß man sie auf Anhieb als solche erkennt. Auch haben einige Fälscherwerkstätten ihre eigene Handschrift, an der man ihre Produkte schnell identifizieren kann
."
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12.02.2016, 14:13
Beitrag: #17
RE: Wappen
(12.02.2016 12:39)zaphodB. schrieb:  die einer im neunzehnten Jahrhundert womöglich nach einer mündlichen Beschreibung da hingepinselt hat.

Ja, irritierenderweise gibt es ja eine Wappenbeschreibung (die ich allerdings noch nicht gesehen habe), in der von einem Gepard und von einem Pelikan die Rede ist...Wink
Könnte also sein, dass da jemand allein nach einer Beschreibung das Wappen da an die Wand geklatscht hat, wodurch dann die Gestaltung von Helm und Pelikan zustande gekommen sein dürften....ich frag mich dann nur, wer den absolut unheraldischen Geparden da ins Wappen gebracht hat...und sei es nur in der Beschreibung....Wink
Möglich, dass da einer eine Wildkatze bzw. einen Leoparden (der evtl. wirklich als Leopard dargestellt war) als Gepard interpretiert hat?
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13.02.2016, 00:19
Beitrag: #18
RE: Wappen
Wie gesagt einen heraldischen Geparden gibt es als Wappentier nicht, der könnte höchstens in naturalistischer Form in neueren afrikanischen Kommunalwappen als Schildhalter auftauchen-

Zu den Katzentierenin der Heraldik:
Der heraldische Leopard wird wie der heraldische Löwe (also ohne Flecken ) aber schreitend auf allen Vieren dargestellt,wobei er den Betrachter en face anschaut,(z,B,im englischen Wappen)
Der heraldische Löwe wird im Profil aufgerichtet bzw. steigend, d. h. auf den Hinterfüßen stehend dargestellt-(z,B, der Pfälzer Löwe )
Und dann gibt es noch den gelöwten Leoparden und den leopardierten Löwen
Der leopardierte Löwe wird schreitend und im Profil blickend dargestellt, (z,B, die drei Löwen im Wappen von Baden-Württemberg)
Der gelöwten Leopard wird aufgerichtet bzw. steigend dargestellt, hat den Kopf aber en face zum Betrachter gewendet (z,B, im Stadtwappen von Bad Blankenburg)
Und wenn Löwe einen Fischschwanz hat handelt es sich um einen Seelöwen (z.. im Wappen von Untermeitingen)

Die Wildkatze wird wie der Löwe nur schlanker und ohne angedeutete Mähne dargestellt und ist ab und an gefleckt oder gestreift (z.B. Wappen v. Katzwang, Vorra, Domneck)

Und der Panther sieht aus wie eine Kreuzung zwischen Kuh und Drache (z.B. im Wappen von Niederbayern)

Alle Klarheiten beseitigt ? Big GrinBig Grin

Möglicherweise hat der heraldisch völlig unbedarfte Maler Deines Wappens tatsächlich nur eine Beschreibung des Wappens zur Hand und hat den gefleckten Leopard aus Brehms Tierleben abgemalt-Big Grin
Aber vielleicht gibt es bei euch in der Gegend ja ein ähnliches Wappen. Der blau weiß gestreifte untere Schildteil könnte sich auf ein lokales Herrschaftswappen beziehen
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13.02.2016, 13:20
Beitrag: #19
RE: Wappen
Ich habe dies zum Anlass genommen, mal wieder meine entsprechenden Unterlagen in Sachen Familien-Wappen herauszusuchen.

Mein Onkel Christian (sic!) er war Notar, und die wollen ja alles genau wissen, hat 1941 die uns/ihm damals vorliegeden Wappen von zwei Fachleuten begutachten lassen.
Einmal von Kurt Frh. von Marchtaler, Stgt-N. Azenbergerstr. 39, Berufssippenforscher mit einem Gutachten vom 13.9.41 und
vom damaligen "Deutscher Familien-Wappen-Verlag" Stgt. Keplerstr. 27 mit Schreiben vom 25.9.1941
Es wird in beiden auf etliche heraldische Mängel in Schildform und Farbzusammenstellung hingewiesen, die hier weiter nicht von Belang sind.

Dann aber bemängeln beide die auch von zaphod genannten Punkte, Spangenhelm und Halskette bei einem der beiden Wappen ist als "Highligth" noch ein Fürstenbaldachin drauf.
Und diese Punkte haben, so dekorativ das alles auch wirkt, bei einer rein bürgerlichen Familie nichts! zu suchen.
Und genau diese Punkte, sie sind "eigentlich" immer verwendet. machen es dem Nicht-Heraldiker, wie ich einer bin, auch leicht diese "Familien-Wappen" zu erkennen.

Kein Schimmer, was mein Onkel damals für die beiden Gutachten bezahlt hat, sie wurden mir auch erst 1969 bekannt, als ich mich mit dem mir bekannten Wappen schon einige Zeit erfolgreich erfolglos bemüht hatte.
Jedenfalls sind die Gutachten auf keinen Fall besser,als das hier von zaphod für lau abgegbene.Thumbs_up

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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13.02.2016, 14:41
Beitrag: #20
RE: Wappen
Danke für die Blumen,man tut ,was man kann Big Grin
Aber Fürstenbaldachin am bürgerlichen Wappen ist schon stark, da schreckte der Wappenersteller ja wirklich vor nix zurück,Big Grin
Dieses Polarforscherwappen mit Baldachin hätten wir ja gerne mal hier gesehen Big Grin
Das Problem ist,dass neben seriösen Heraldikern auch immer noch jede Menge Pfuscher und Fälscher ihr Unwesen treiben, die sowas fabrizieren-Schwerpunkt von deren Tätigkeit sind natürlich die USA,weil den Amis kann man wohl fast alles verkaufen, aber auch in Europa gibt es etliche-


Interessant ist übrigens ,dass Deine Vorfahren aus Glaubensgründen aus der Schweiz nach Südwestdeutschland emigrierten.
Bei unserer Familie verlief es nämlich genau umgekehrt. im Verlauf der Rekatholisierung des Murgtals um 1650 emigrierte ein Zweig meiner Familie aus Glaubensgründen in die Schweiz, in die Gegend um Zürich und der andere in die Pfalz .
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