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Motivation des Widerstandes
29.11.2014, 21:16
Beitrag: #1
Motivation des Widerstandes
Ich habe gerade ein ursprünglich vom British Foreign Office herausgegebenes Büchlein mit dem Titel:
"Leitfaden für britische Soldaten in Deutschland 1944" erstanden
Und dort findet sich auf S. 5 im Vorwort folgende Passage die ich mal zur Diskussion stellen möchte:

Seit dem Hitler an die Macht gekommen ist gab es bis zu dem Putschversuch der deutschen Generäle am 20.Juli 1944 in Deutschland keine enst zu nehmende Widerstandsbewegung.Aber der Grund für diese revolte war nicht die Barbarei von Hitlers Methoden sondern eher deren Erfolglosigkeit

Die These ist insoweit nicht von der Hand zu weisen, als diese Aktion zwar als einzige,die Qualität gehabt hätte, Hitler zu stürtzen ,andererseits aber tatsächlich erst relativ spät in Gang gebract wurde, nämlich nach den Kapitualtionen in Stalingrad und Nordafrika und nach den allierten Landungen in Sizilien und der Normandie , als sich die Niederlage also bereits deutlich abzeichnete
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29.11.2014, 23:29
Beitrag: #2
RE: Motivation des Widerstandes
Sehe ich ähnlich. Einmal gab es im Vorfeld tatsächlich keinen ernstzunehmenden Widerstand im Dritten Reich, zum Zwieten hätte es diesen Umsturzversuch nicht gegeben, wenn es militärisch so gelaufen wäre, wie Hitler es sich ursprünglich ausmalte. Der gescheiterte Putschversuch um Stauffenberg ist als Versuch zu werten, in letzter Minute weiteren und nicht wiedergutzumachenden Schaden von Deutschland abzuwenden. Ihre primäre Intention war sicher nicht, das politische System dieser faschistoiden Diktatur zu beseitigen.


Frühling läßt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte.
Süße, wohlbekannte Düfte streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon, wollen balde kommen.
– Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist's! Dich hab ich vernommen!

Eduard F. Mörike (1804-1875)
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30.11.2014, 00:44
Beitrag: #3
RE: Motivation des Widerstandes
Da unterschlägt man aber mit einem Federstrich eine Menge. Und selbst wenn man Einzeltäter wie Georg Elser ausklammert und den kommunistischen bzw. kirchlichen Widerstand ignoriert.
Bereits während der Sudetenkrise gab es Bestrebungen, Hitler und die NS-Führung auszuschalten.
http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Oster
Es war 1944 den Alliierten einfach noch nicht bekannt, was da hinter den Kulissen ablief bzw. es unterlag der Geheimhaltung. Jedenfalls hat man es bestimmt nicht im Detail den britischen Frontsoldaten gesteckt, da die genannte Broschüre sicher auch früh genug der deutschen Seite bekannt wurde. Sowas nennt man Quellenschutz.

„Der Horizont der meisten Menschen ist ein Kreis mit dem Radius 0. Und das nennen sie ihren Standpunkt.“ (Albert Einstein)
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30.11.2014, 01:06
Beitrag: #4
RE: Motivation des Widerstandes
natürlich war denen noch nicht alles bekannt, genau wie so einiges andere, was erst nach dem Krieg nach und nach ans Tageslicht kam, aber hier wird von ernst zu nehmendem Widerstand - also, etwas mit Konzept und Aussicht auf Erfolg - gesprochen und den gab es nicht.


Frühling läßt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte.
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30.11.2014, 12:40
Beitrag: #5
RE: Motivation des Widerstandes
Die Geschichte kennt eigentlich nur wenige Regime, die ein Land in den völligen Untergang führen konnten. Normalerweise greifen die Eliten lange vorher ein und beseitigen Regierungen/Diktatoren, wenn keine positive Wende mehr möglich ist.

Die NS-Führungsclique wollte natürlich durchhalten, bei einem Regierungswechsel oder einer Kapitulation gab es für sie keine Zukunft. Das Eigenartige am Dritten Reich war, dass der Rückhalt Hitlers und des Regimes bei Volk und Eliten so stark war, dass bis Ultimo weitergemacht wurde.

Die Westalliierten verstanden oft nicht die Motivation der deutschen Landser, den ganz offensichtlich verlorenen Krieg weiter zu führen.

"Es gibt nur eine Sache die größer ist als die Liebe zur Freiheit: Der Hass auf die Person, die sie dir weg nimmt."(Che Guevara)
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30.11.2014, 13:03
Beitrag: #6
RE: Motivation des Widerstandes
Die Motivation, warum bis zuallerletzt Widerstand geleistet wurde, war m.E. recht einfach.

1) Genug Deutsche hatten mitbekommen, was für "Sauereien" so unter dem Regime passierten. Sie fürchteten, das würde auf sie und ihre Familien bei einer Niederlage zurückfallen. Längst nicht alle, die sich bei Kriegsende das Leben nahmen, waren stramme Nazis.
2) Die Bombenangriffe, die Situation in den Ostgebieten (Flüchtlinge) und die Forderung nach bedingungsloser Kapitulation dienten eher dazu, dass sich die Deutschen nun erst recht der sogenannten Volksgemeinschaft verpflichtet fühlten.
3) Goebbels und Co. hatten in vielen alliierten Abmachungen und Plänen (Jalta, Morgenthau-Plan, Ilja Ehrenburgs Aufrufe) eine prima Vorlage, den Durchhaltewillen bis zuletzt aufrechtzuerhalten.

Kurzum, es gab gar keine Gelegenheit den einmal begonnenen Krieg wieder einvernehmlich zu beenden. Weder 1940 nach dem Westfeldzug, als Churchill nicht mitspielte und schon gar nicht 1944. Die Stauffenberg-Putschisten wären auch bei einem Erfolg beim Kriegsgegner "chancenlos voll aufgelaufen" - das ist jedenfalls meine Sicht.

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30.11.2014, 13:58
Beitrag: #7
RE: Motivation des Widerstandes
Zustimmung Arkona


Es gibt Fotos des Staatsaktes nach Rommels Selbstmord vom Ulmer Münsterplatz. Ein völlig intaktes Stadtbild.

Da standen im April 45 keine zwei Steine mehr aufeinander, gerade mal 5 Monate später. (Außer dem Münster)
Wenn man das mal als Symbol für Sinn und Zweck des Attentats nehmen will.

Der Menschheit insgesamt wäre sehr viel erspart geblieben.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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30.11.2014, 14:16
Beitrag: #8
RE: Motivation des Widerstandes
(30.11.2014 13:58)Suebe schrieb:  Da standen im April 45 keine zwei Steine mehr aufeinander, gerade mal 5 Monate später. (Außer dem Münster)
Wenn man das mal als Symbol für Sinn und Zweck des Attentats nehmen will.

Der Menschheit insgesamt wäre sehr viel erspart geblieben.

Ohne Zweifel wäre Deutschland sehr viel an endgültiger Zerstörung erspart geblieben.
Und vielleicht auch die bedingungslose Kapitulation, aber das nur vielleicht.


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30.11.2014, 14:20
Beitrag: #9
RE: Motivation des Widerstandes
(30.11.2014 14:16)Avicenna schrieb:  Und vielleicht auch die bedingungslose Kapitulation, aber das nur vielleicht.

Nein. Das hatten die Alliierten schon in Casablanca Anfang 1943 als unumstößliches Ziel festgelegt und danach immer wieder bekräftigt.

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01.12.2014, 06:48
Beitrag: #10
RE: Motivation des Widerstandes
(30.11.2014 13:58)Suebe schrieb:  Es gibt Fotos des Staatsaktes nach Rommels Selbstmord vom Ulmer Münsterplatz. Ein völlig intaktes Stadtbild.
War es nicht Rommel, der kurz vor seiner Verwundung in Frankreich "Macht endlich Frieden, ihr Narren!" gesagt haben soll?

Es gibt auch Filmmaterial von seinem Staatsbegräbnis. Für Frau und Sohn sicher ein unerträglicher Tag mit geheuchelter Anteilnahme.

Die Motivation des Widerstands finde ich einfacher zu erklären als die Motivation des Weitermachens bis 5 nach 12. Die Zerstörungen sind angesprochen, warum gab es keinen Aufstand von Industrie und Bevölkerung, ich meine: Hier wurden ja unendliche Werte vernichtet?

Was die Nazis sehr geschickt machten: Sie machten viele kleine Lichter zu Mittätern, die um ihre Zukunft bangen mussten, sollte der Krieg verlorengehen. Die 3 Mio (oder mehr?) Parteigenossen konnten annehmen, dass ihnen keine rosige Zukunft blüht. Und gegen eine so breite herrschende Klasse war natürlich viel schwerer anzukommen als gegen eine einfache Regierung.

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01.12.2014, 14:16
Beitrag: #11
RE: Motivation des Widerstandes
http://www.bpb.de/izpb/10367/deutscher-w...-1933-1945

Der Widerstand war deutlich größer als angenommen, und er begann sehr früh...
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01.12.2014, 16:13
Beitrag: #12
RE: Motivation des Widerstandes
(01.12.2014 06:48)Triton schrieb:  
(30.11.2014 13:58)Suebe schrieb:  Es gibt Fotos des Staatsaktes nach Rommels Selbstmord vom Ulmer Münsterplatz. Ein völlig intaktes Stadtbild.
War es nicht Rommel, der kurz vor seiner Verwundung in Frankreich "Macht endlich Frieden, ihr Narren!" gesagt haben soll?

Es gibt auch Filmmaterial von seinem Staatsbegräbnis. Für Frau und Sohn sicher ein unerträglicher Tag mit geheuchelter Anteilnahme.

Die Motivation des Widerstands finde ich einfacher zu erklären als die Motivation des Weitermachens bis 5 nach 12. Die Zerstörungen sind angesprochen, warum gab es keinen Aufstand von Industrie und Bevölkerung, ich meine: Hier wurden ja unendliche Werte vernichtet?

Was die Nazis sehr geschickt machten: Sie machten viele kleine Lichter zu Mittätern, die um ihre Zukunft bangen mussten, sollte der Krieg verlorengehen. Die 3 Mio (oder mehr?) Parteigenossen konnten annehmen, dass ihnen keine rosige Zukunft blüht. Und gegen eine so breite herrschende Klasse war natürlich viel schwerer anzukommen als gegen eine einfache Regierung.


Das war Rundstedt, es gibt verschiedene Versionen seines Wutausbruchs, es wird auch geschrieben er hätte "dem Krieg beenden ihr Idioten" ins Telefon gebrüllt.
Jedenfalls hat er anschließend für Hitler den "Bluthund" gemacht und den Vorsitzenden des "Ehrenhofs" der Wehrmacht gespielt.
Also lange scheint der "lichte Moment" nicht angehalten zu haben.
Oder die Angst vor Burgdorf mit der Ampulle.....

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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08.12.2014, 15:56
Beitrag: #13
RE: Motivation des Widerstandes
Irgendwie waren die Leute des Widerstands auch sehr naiv, die dachten allen Ernstes, man würde bei der Kriegslage im Juli 1944 mit ihnen verhandeln. Für die Alliierten gab es nur die bedingungslose Kapitulation des DR. Der OB West Rommel schwankte jedoch, er konnte sich nie von Hitler lösen. SS General Sepp Dietrich wäre kurioserweise zu einer Kapitulation im Westen bereit gewesen, aber Rommel schwankte wie immer.
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08.12.2014, 16:20
Beitrag: #14
RE: Motivation des Widerstandes
(08.12.2014 15:56)liberace schrieb:  Irgendwie waren die Leute des Widerstands auch sehr naiv, die dachten allen Ernstes, man würde bei der Kriegslage im Juli 1944 mit ihnen verhandeln.
./.

Das würde ich so nicht sehen.
Adam Trott zu Solz versuchte einiges um Zusagen von den Alliierten zu bekommen.
Während man sich in Washington auf nichts einlassen wollte, gab es aus England zumindest die Zusage für ein Treffen mit Churchill NACH einem erfolgreichen Attentat.

Es bestand die Absicht, dass nach einem erfolgreichen Attentat Stauffenberg nach Washington, Trott nach London und Schulenburg nach Moskau gereist wären, um Verhandlungen zu versuchen.

Was daraus geworden wäre?
Man kann es nicht wissen.

Ich möchte nur nochmals wiederholen, dass in den folgenden 9 Monaten noch entsetzliches passierte, das dann eben nicht passiert wäre.

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