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Die "Gute Alte Zeit" - Presseschnipsel
15.10.2014, 16:32
Beitrag: #1
Die "Gute Alte Zeit" - Presseschnipsel
"Die Gute Alte Zeit" - Presseschnipsel aus 150 Jahren Regionalzeitungen.

Ich besitze etliche kpl. Jahrgänge Regional-Zeitungen, der älteste kpl. Jahrgang ist 1847.
Und etliches an Einzel-Nummern.

Und hier möchte ich immer mal wieder, unregelmäßig, einzelne kleinere Artikel reinkopieren.
Aber jeder andere ist natürlich aufgerufen gleiches zu tun.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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15.10.2014, 16:37
Beitrag: #2
RE: Die "Gute Alte Zeit" - Presseschnipsel
Aus dem Gränz-Boten, Erscheinungsort Tuttlingen, vom 24. Juli 1919

Zitat:Aldingen, OA Spaichingen, 23. Juli
Vergangene Woche verließ Pfarrer Gommel den Ort unfreiwillig, denn ihm wurde bekanntlich nachts eine Handgranate in das Haus geworfen, die sein Studierzimmer vollständig zerstörte. Gleichzeitig wurde ihm, wie der Schwarzwälder Bote berichtet, mit Ermordung gedrohrt, falls er innerhalb drei Wochen den Ort nicht verlassen habe.
Pfarrer Gommel hatte sich nicht gescheut, seine Meinung über die Errungenschaften der Revolution offen zu äußern.

Hervorhebungen wie im Original.

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16.10.2014, 11:47
Beitrag: #3
RE: Die "Gute Alte Zeit" - Presseschnipsel
Hier noch zwei Annoncen die im "Gränzboten" am 18. Juli 1919 abgedruckt waren:
Zitat:]Oeffentliche Aufforderung
An alle Personen die noch Waffen, Munition oder Ausrüstungesgegenstände der Reservesicherheitskompagnie im Gewahrsam haben, ergeht hiermit wiederholt die Aufforderung, solche restloc (auch einzelne Teile und beschädigte Gegenstände) und unverzüglich beim Stadtpolizeiamt abzuliefern,
Wer über den Verbleib solcher Gegenstände Aufschluss geben kann, wird hiermit ersucht, beim Stadtpolizeiamt oder Landjägerstationskommando seine Angaben zu machen.
Tuttlingen, 17. Juli 1919
Oberamt: Prinzing, A-V[/font].

Zitat:Zentralverband der Schuhmacher Deutschlands
Kollegen und Kolleginnen!
Wir richten die dringende Bitte an Euch alle, etwaige in Eurem Besitz befindliche Waffen, Munition, oder sonstige Gegenstände, die der S.-K. gehören, oder herrühren könnten, wollen unverzüglich auf unserem Geschäftszimmer oder Polizeiwache wollen abgeliefert werden.

Ortsverwaltung

Der Hintergrund dieser Annoncen:
Die Waffen dieser ominösen "Reserve-Sicherheitskompagnie", (mehr oder weniger eine Truppe von Freizeitsoldaten) unter anderem mindestens 4 MGs, waren in Tuttlingen im "Vereinshaus" eingelagert. Als dies hochkam wurden sie abtransportiert.
Beim Abtransport wurde der Wagen von "Arbeitern" gestoppt, abgeladen und die Waffen in die Donau geschmissen. Aber wohl nur teilweise, bei der Aufforderung s.o. kamen immerhin 2 MGs und sehr viele Handfeuerwaffen zusammen. Die Donau wurde dann abgelassen und das Bett abgesucht, und das meiste lag wohl tatsächlich drin.
(Disclaimer: Tuttlingen liegt im Bereich der Donauversickerung und im Juli ist sie dort kein beeindruckender Fluss)
Quelle: Tuttlinger Heimatblätter 1985

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22.10.2014, 12:43
Beitrag: #4
RE: Die "Gute Alte Zeit" - Presseschnipsel
Zitat:Ebingen 25. Sept.
Gestern Abend sollte durch den Civil-Condukteur Wörner von Balingen der Dreikönigswirth von Tuttlingen zur Weiterbeförderung nach Ulm, wo er, wie man sagt, wegen politischer Vergehens 2 Jahre Kreisgefängnisstrafe erstehen sollte, hieher transportiert werden. Derselbe habe aber ob der Lautlinger Steige entspringen wollen, worauf dann der Civil-Kondukteur auf vergebliches Haltrufen nach ihm geschossen und ihm so 14-17 Schrote in die Hüfte gejagt haben solle. Dieser Unglückliche, der seine Freiheit suchen wollte, blieb nun auf dem Platze liegen, und musste auf einem Wagen ins hiesige Krankenhaus gebracht werden. Dem Vernehmen nach soll aber nach ärtlicher Untersuchung und Hülfeleistung sein Leben sehr in Frage stehen.

Quelle: "Der Alb-Bote" 16. Jahrgang , 25. September 1849, Erscheinungsort Ebingen

Aus anderen Quellen:
Der Dreikönigswirt überlebte die Verletzungen. Die Gefängnisstrafe hat er teilweise abgesessen.
Er hatte zuvor den "Civil-Conducteur" versucht zu bestechen, damit er ihn laufen lassen soll.
Abhauen wollte er, "ob der Lautlinger Steige", ziemlich genau der Platz wo heute das Badkap steht.
Interessant für mich, die Altvorderen sprachen noch in der Mitte des 20. Jahrhunderts vom "Spittel" =Spital, im Albboten jedoch ist vom "Krankenhaus" die Rede, sehr modern.

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09.12.2014, 12:36
Beitrag: #5
RE: Die "Gute Alte Zeit" - Presseschnipsel
(22.10.2014 12:43)Suebe schrieb:  
Zitat:Ebingen 25. Sept.
Gestern Abend sollte durch den Civil-Condukteur Wörner von Balingen der Dreikönigswirth von Tuttlingen zur Weiterbeförderung nach Ulm, wo er, wie man sagt, wegen politischer Vergehens 2 Jahre Kreisgefängnisstrafe erstehen sollte, hieher transportiert werden. Derselbe habe aber ob der Lautlinger Steige entspringen wollen, worauf dann der Civil-Kondukteur auf vergebliches Haltrufen nach ihm geschossen und ihm so 14-17 Schrote in die Hüfte gejagt haben solle. Dieser Unglückliche, der seine Freiheit suchen wollte, blieb nun auf dem Platze liegen, und musste auf einem Wagen ins hiesige Krankenhaus gebracht werden. Dem Vernehmen nach soll aber nach ärtlicher Untersuchung und Hülfeleistung sein Leben sehr in Frage stehen.

Quelle: "Der Alb-Bote" 16. Jahrgang , 25. September 1849, Erscheinungsort Ebingen

Aus anderen Quellen:
Der Dreikönigswirt überlebte die Verletzungen. Die Gefängnisstrafe hat er teilweise abgesessen.
Er hatte zuvor den "Civil-Conducteur" versucht zu bestechen, damit er ihn laufen lassen soll.
Abhauen wollte er, "ob der Lautlinger Steige", ziemlich genau der Platz wo heute das Badkap steht.
Interessant für mich, die Altvorderen sprachen noch in der Mitte des 20. Jahrhunderts vom "Spittel" =Spital, im Albboten jedoch ist vom "Krankenhaus" die Rede, sehr modern.

Beim Blättern im "Albboten" von 1849 ist mir unter dem 23. Oktober ein Suffix zu o.g. Bericht untergekommen.

Zitat:Ebingen.
Vor kurzem berichteten wir, wie Dreikönigswirt Reichle von Tuttlingen auf dem Transport von Balingen hierher von Civilcondukteur Wörner bei einem Fluchtversuch geschossen und zu seiner Wiedergenesung in das hiesige Krankenhaus gebracht worden seye.
Nachdem nun Reichle, wie man hört, so ziemlich wieder hergestellt war, gelang es ihm dennoch letzten Sonntag Abend aus dem Krankenhause hier zu entkommen. Sowohl dem hier stationierten Landjäger Geißele, der bekanntlich in solchen Fällen eine Thätigkeit und Energie entwickelt, wie vielleicht wenige, so wie der reitenden und laufenden Mannschaft, die zu seiner Habhaftwerdung aufgeboten und nachgeeilt seyn sollnn, gelang es nichgt, ihn wieder aufzufinden, und weiß man bis zur Stunde nicht, wo er hingekommen ist.
]

dies scheint mir, ist den Lokalhistorikern bisher entgangen. Wobei Reichle definitiv später in Ulm einsass, mal sehen ob ich noch gelegentlich was zu seiner "Wiederergreifung" finde.

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10.12.2014, 13:12
Beitrag: #6
RE: Die "Gute Alte Zeit" - Presseschnipsel
Albbote, 16. Jahrgang 27. April 1849

Zitat:Balingen
Dem Oberamt ist nachstehender Erlass des K. Ministeriums zugekommen:
Die Aufregung welche in allen Bezirken die Frage über die Annahme der deutschen Reichsverfassung zufolge eingegangener Nachrichten erzeugt hat, veranlasst das Ministerium, dem Oberamte die amtliche Mitteilung zu machen, dass Seine Majestät der König in dieser Angelegenheit eine gan befriedigende Entschließung zu ertheilen geruht haben, wodurch die indessen dem König und dem Ministerium bestandene Meinungsverschiedenheit vollkommen beseitigt ist.

Das Oberat hat diß alsbald in seinem Bezirke bekannt zu machen und allen ungesetzlichen Schritten, welche etwa unternuommen worden seyn sollten, oder noch unternommen werden wollten, entgegenzutreten.
Indem die unterzeichnete Stelle andurch diesem Auftrage entspricht, hat sie die Genugthuung beifügen zu können, dass ungesetzliche Schritte in Folge des erwähnten glücklich beseitigten Confilcts aus dem Bezirke ihr nicht bekannt geworden sind und dabei aufs Neue das Vertrauen, dass dergleichen auch nicht wrden beabcichtigt werden.
Balingen, den 26. April 1849
K. Oberamt.
Leemann

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11.12.2014, 16:58
Beitrag: #7
RE: Die "Gute Alte Zeit" - Presseschnipsel
Alb-Bote
16. Jahrgang 12. Juni 1849

Zitat:Ebingen. Eine Frage an die Männer Württembergs!
Kann dem Ministerium Römer nach seinem, für uns ganz unerwarteten Auftreten gegenüber der Nationalversammlungferner mehr Zutrauen geschenkt werden? - Ist er noch der Mann, für den ihn Tausende gehalten haben? - Ist es nicht unsere höchste Pflicht ihm frei zu sagen, dass er unser Vertrauen verloren habe, und wir in ihm unseren Vertreter nicht mehr erkennen können? -
Einigige Bürger,
denen das Wohl des Vaterlandes sehr am Herzen liegt.


Disvlaimer: Das Ministerium Römer, im März 1848 als sogenanntes "März-Ministerium" zur Regierung gelangt, Also an und für sich auf Seiten der Revolution.
Hatte wenige Tage zuvor in Stuttgart das Rumpf-Parlament, der übrig gebliebene Rest der Frankfurter Nationalversammlung, an der Spitze Uhland, vom Militär auseinander treiben lassen.

Edit: Dies war eine Zeitungs-Anzeige, eine Annonce, dei "Einige Bürger" haben sich dies Geld kosten lassen!

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02.01.2015, 00:01
Beitrag: #8
RE: Die "Gute Alte Zeit" - Presseschnipsel
Hochinzteressante Beiträge,Suebe
Wenn man diese Artikel so liest waren die "guten alten Zeiten" wohl auch nicht besser oder sicherer als heute ,eher im Gegenteil.
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21.01.2015, 11:31
Beitrag: #9
RE: Die "Gute Alte Zeit" - Presseschnipsel
Aus der 1. Ausgabe des "Heuberger Volksblatt" erschienen in Meßkirch am 8. Dez, 1898

Zitat:Es ist die heilige Pflicht jedes katholischen Mannes, keine andere als die katholische Zeitung zu halten. weil diese im öffentlichen Leben eintritt für die von gott geoffenbarte Wahrheit, für seine Sittengesetze und Kirche und seine Kirchem welche jedem Katholiken und auch Euch lieb und theuer sind, aber heutzutage so sehr vom Unglauben untergraben und bekämpft werden. ...
Jeder Pfennig den Ihr für eine nichtkatholische Zeitung ausgebt, ist ein Verrath an Eurem Glauben und eine Versündigung gegen Eure Kirche.
Wehe denen die Aergerniss geben. Dieses Wehe gilt aber auch denen, welche Aergernisse födern und unterstützen helfen

Man muss das Ganze natürlich in die Zeit einordnen.
Der Kulturkampf war in Baden, Meßkirch ist seit 1805 badisch, besonders heftig. Insbesondere hat die Altkatholische Kirche, die Rom ablehnt, zumindest in Meßkirch zeitweilig die Mehrheit der Katholiken hinter sich gehabt.


Leider habe ich von diesem bemerkenswerten Blatt nur die Erstausgabe, aber vielleicht ergibt sich noch mal was.

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15.02.2015, 22:30
Beitrag: #10
RE: Die "Gute Alte Zeit" - Presseschnipsel
Begegnet mir heute beim "krusteln"
" DER WILLE" Parteiamtliche Tageszeitung und Amtsblatt für den Kreis Balingen
vom 1. Juni 1942

Nun ist das überregonale ja nicht von "dem" Interesse, Helmuth Bantz wurde deutscher Zehnkampfmeister im Turnen, (14 Jahre später wird nochmals die Rede von ihm sein) Mexiko hat der Achse den Krieg erklärt, sonst Siege an allen Fronten, U-Boote, Charkow, Nordafrika. Ist ja an besseren Orten nachzulesen.
Die Zeitung noch 2 Doppelseiten, auf der ersten Seite:
Zitat:An unsere Leser!
Asu kriegswirtschaftlichen Gründen werden die Umfänge der Zeitungen ab 1. Juni 1942 der Versorgunglage entsprechend neu geregelt
soll wohl heißen, am 30. Mai war sie noch umfangreicher.

Auf der letzten (4.) Seite
Zitat:Wir verdunkeln
Montag 1. Juni, von 22.18 Uhr bis 4.55 Uhr

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16.02.2015, 17:24
Beitrag: #11
RE: Die "Gute Alte Zeit" - Presseschnipsel
Was gibt es weiter zu berichten bei dieser "gleichgeschalteten" Zeitung.

Der "1000 Bomber" Angriff auf Köln vom 30. Mai wird recht breit berichtet. "Terrorangriff" auf Wohngebiete und Krankenhäuser. Natürlich kein Wort über die Menge der umgekommenen Menschen.
Die Bomberverbände hätten "schwere Verluste" erlitten, 44 Bomber hätte man abgeschossen. Was wohl auch zutrifft. (die Zahl, schwere Verluste sind das aber bei 1.000 Bombern nun doch nicht)

Ach ja, die Schlageter Oberschule in Ebingen fordert die interessierten Eltern auf Schüler der 4. Grundschulklasse mit den entsprechenden Kenntnissen zur diesjährigen Aufnahmeprüfung am 25. Juni anzumelden.
Außerdem wird daraufhingewiesen, dass auch 3. Klässler, nach Abstimmung mit den Grunschullehrern, ohne Prüfung zur Probe aufgenommen werden könnten.

Noch etwas ist mir aufgefallen, es ist nur eine Todesanzeige im Blatt, ein 47 jähriger Metallarbeiter, betrauert von Ehefrau, Tochter und einem Sohn z.Z.b.d. Kriegsmarine. (Abkürzung wie in der Anzeige)
Ich dachte eigentlich das Verbot der Traueranzeigen für Gefallene wäre erst später ergangen.

Sonst war die Not wohl noch nicht groß, es gibt zwei Anzeigen in denen Kartoffeln angeboten werden.
Das Landratsamt hat eine Anzeige geschaltet, es würde zusätzlich zu den über die "Reichseierkarte" zu beziehenden Eier für den Abschnitt A zwei weitere Eier, für den Abschnitt B ein weiteres Ei zugeteilt.

Im Impressum ist der Hauptschriftleiter als "zur Zeit im Felde" aufgeführt, es gab einen Stellvertreter.

Meine Meinung zur Presse in Zeiten des Nationalsozialismus wird hier wieder umfassend bestätigt.
Gleichgeschaltet, für den Menschen 70 Jahre später wenig aufschlussreich. Die damaligen Zeitgenossen lasen zwischen den Zeilen, uns heute fehlen da die erforderlichen Basics

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16.02.2015, 20:06
Beitrag: #12
RE: Die "Gute Alte Zeit" - Presseschnipsel
(16.02.2015 17:24)Suebe schrieb:  Noch etwas ist mir aufgefallen, es ist nur eine Todesanzeige im Blatt, ein 47 jähriger Metallarbeiter, betrauert von Ehefrau, Tochter und einem Sohn z.Z.b.d. Kriegsmarine. (Abkürzung wie in der Anzeige)
Ich dachte eigentlich das Verbot der Traueranzeigen für Gefallene wäre erst später ergangen.

Schau noch mal nach. So wie Du es hier beschrieben hast, verstarb der 47-jährige Metallarbeiter als Zivilist und sein trauernder Sohn war zu dieser Zeit bei der Kriegmarine. Oder sind bei dem Metallarbeiter irgendwelche Dienstgrade angegeben?

"Geschichte erleuchtet den Verstand, veredelt das Herz, spornt den Willen und lenkt ihn auf höhere Ziele." Cicero
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17.02.2015, 10:27
Beitrag: #13
RE: Die "Gute Alte Zeit" - Presseschnipsel
(16.02.2015 20:06)Sansavoir schrieb:  
(16.02.2015 17:24)Suebe schrieb:  Noch etwas ist mir aufgefallen, es ist nur eine Todesanzeige im Blatt, ein 47 jähriger Metallarbeiter, betrauert von Ehefrau, Tochter und einem Sohn z.Z.b.d. Kriegsmarine. (Abkürzung wie in der Anzeige)
Ich dachte eigentlich das Verbot der Traueranzeigen für Gefallene wäre erst später ergangen.

Schau noch mal nach. So wie Du es hier beschrieben hast, verstarb der 47-jährige Metallarbeiter als Zivilist und sein trauernder Sohn war zu dieser Zeit bei der Kriegmarine. Oder sind bei dem Metallarbeiter irgendwelche Dienstgrade angegeben?


Natürlich war der Metallarbeiter Zivilist.
Ich habe aus dieser einzigen Todesanzeige geschlossen, dass zu der Zeit, 1. Juni 1942, bereits keine Todesanzeigen für gefallene Soldaten in den Zeitungen mehr erscheinen durften.

Ich hatte irgendwo im Hinterkopf, dass dieses Verbot erst 1943 erlassen wurde.

Gelegentlich werde ich mal nachschauen, wieviele Gefallene im Mai 1942 unser Städtchen zu beklagen hatte.


OT: Der Metallarbeiter hat, die vollständige Adresse ist in der Anzeige angegeben, keine 100 Meter von meinem Elternhaus weg gewohnt. Solche Infos machen den Reiz für mich aus. So wird alles viel, viel gegenständlicher.

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24.05.2015, 21:39
Beitrag: #14
RE: Die "Gute Alte Zeit" - Presseschnipsel
Es ist seit den Zeiten des bayerischen Landtagsabgeordneten Filser und seinen Briefen allgemein bekannt, dass das Zentrum der verlängerte Arm des katholischen Klerus im Barlamend war.
Nun ist die literarische Kenntnis, uns übermittelt und hinterlassen durch Ludwig Thoma, das eine.
Das Wissen über einen ähnlichen Fall, nicht literarisch sondern im wahren Leben passiert, direkt vor meiner Haustür, ist das andere.
Gewichtigere.

Etwas weiter ausgeholt.
Bei uns gab es in den beginnenden 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts eine hektographierte Zeitung.
Mitteilungsblatt der kommunistischen Partei für die Bezirke Ebingen, Balingen und Tuttlingen. Erscheinungsort war Ebingen.
Das Blatt hatte den einprägsamen Titel "Die Rote Bombe"
Einer der beiden Redakteure war in den ausgehenden 40er Jahren freigewählter Bürgermeister meiner Heimatstadt. Der bis heute meines Wissens einzige zumindest in Württemberg.

Die "Rote Bombe", 1933 natürlich sofort verboten, die Redakteure ins KZ.
Bis in die 90er Jahre hinein ging man davon aus, dass nicht ein einziges Exemplar die fürchterlichen 12 Jahre überstanden hätte, nun sind aber in den letzten Jahren tatsächlich ein paar einzelne Exemplare aufgetaucht. (Leider hat sich noch keines in meine Bestände verirrt, so dass ich hier auf fremdes zurückgreifen muss)
Persönlich bin ich der Meinung, dass hierbei das Parteiverbot der KPD eine nicht unerhebliche Rolle spielte. Die Besitzer dieser vereinzelten Exemplare keine Lust hatten sich als Sympathisanten einer verbotenen Partei zu outen.

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26.05.2015, 05:53
Beitrag: #15
RE: Die "Gute Alte Zeit" - Presseschnipsel
Vielleicht liegt es auch daran,daß man nach 33 die wenigen erhaltenen Exemplare so gut weggepackt hat,daß sie jetzt erst wieder nach und nach aufgefunden wurden.
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26.05.2015, 15:39
Beitrag: #16
RE: Die "Gute Alte Zeit" - Presseschnipsel
(26.05.2015 05:53)zaphodB. schrieb:  Vielleicht liegt es auch daran,daß man nach 33 die wenigen erhaltenen Exemplare so gut weggepackt hat,daß sie jetzt erst wieder nach und nach aufgefunden wurden.

so ähnlich sehe ich das auch Cool

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26.05.2015, 16:06
Beitrag: #17
RE: Die "Gute Alte Zeit" - Presseschnipsel
(24.05.2015 21:39)Suebe schrieb:  Es ist seit den Zeiten des bayerischen Landtagsabgeordneten Filser und seinen Briefen allgemein bekannt, dass das Zentrum der verlängerte Arm des katholischen Klerus im Barlamend war.
Nun ist die literarische Kenntnis, uns übermittelt und hinterlassen durch Ludwig Thoma, das eine.
Das Wissen über einen ähnlichen Fall, nicht literarisch sondern im wahren Leben passiert, direkt vor meiner Haustür, ist das andere.
Gewichtigere.

Etwas weiter ausgeholt.
Bei uns gab es in den beginnenden 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts eine hektographierte Zeitung.
Mitteilungsblatt der kommunistischen Partei für die Bezirke Ebingen, Balingen und Tuttlingen. Erscheinungsort war Ebingen.
Das Blatt hatte den einprägsamen Titel "Die Rote Bombe"
Einer der beiden Redakteure war in den ausgehenden 40er Jahren freigewählter Bürgermeister meiner Heimatstadt. Der bis heute meines Wissens einzige zumindest in Württemberg.

Die "Rote Bombe", 1933 natürlich sofort verboten, die Redakteure ins KZ.
Bis in die 90er Jahre hinein ging man davon aus, dass nicht ein einziges Exemplar die fürchterlichen 12 Jahre überstanden hätte, nun sind aber in den letzten Jahren tatsächlich ein paar einzelne Exemplare aufgetaucht. (Leider hat sich noch keines in meine Bestände verirrt, so dass ich hier auf fremdes zurückgreifen muss)
Persönlich bin ich der Meinung, dass hierbei das Parteiverbot der KPD eine nicht unerhebliche Rolle spielte. Die Besitzer dieser vereinzelten Exemplare keine Lust hatten sich als Sympathisanten einer verbotenen Partei zu outen.


Nun also, jedenfalls der Arbeitskreis Friedhofskirche in Nusplingen hat anscheinend zumindest ein Exemplar der "Roten Bombe" vorliegen. (muss den Herrn Klaiber mal näher befragen Thumbs_up)
im "Nusplinger Jahrbuch" 2013 wird ein Ereignis im Zusammenhang mit der Reichspräsidentenwahl des Jahres 1932 beschrieben.
Und es wird aus der "Roten Bombe" April 1932 zitiert.

Zitat:...der Ortsgeistliche von Nusplingen war im vergangenen Hindenburg-Wahlkampf einer der eifrigsten Agigatoren und Wahlhelfer für die Hindenburgfront. Er beschränkte sich in seiner Wahlarbeit nicht auf die private Propaganda, sondern trug die Politik auch noch auf die Kanzel, so dass seine Predigten vor der Wahl keine Spur von Religion mehr aufwiesen, sondern reine Wahlreden darstellten, getreu dem Wahlspruch "die Gottseligkeit ist zu allen Dingen nütze!" Ja, der Herr Ortspfarrer verstieg sich sogar so weit, seinen Schäflein mit der Hölle zu drohen, wenn sie nicht Hindenburg wählen würden. Er donnerte nämlich von der Kanzel herab: Wer Thälmann oder Hitler wählt, wird nicht absolviert!....."

Dies soll den Nusplinger Ortspfarrer masslos geärgert haben.
Am Ende des Jahres 1933 hat er dann in der Pfarrchronik den "Sieg der nationalen Bewegung" mit euphorischen Worten gefeiert (ich will sie hier nicht wiederholen) und geendet
Zitat: Nun hats ein Ende mit der "Roten Bombe" Gott sei Dank!


Nachdem wir Nachgeborene wissen, wie es mit der "Braunen Bombe" geendet hat, können wir hier nun gar nicht beipflichten.

Zitate aus "Nusplinger Jahrbuch 2013" Seiten 71 und 72

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