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Umgang mit der NS-Vergangenheit
15.06.2014, 19:44
Beitrag: #1
Rainbow Umgang mit der NS-Vergangenheit
Hallo zusammen!Smile,

ich würde sehr gerne mit Euch über den Umgang über die NS- Vergangenheit schreiben.

Nach dem Krieg gab es gespaltene Meinungen. Einige sahen die Kapitulation als Befreiung an und wieder andere als Niederlage.
Insgesamt war das Interesse zurückblickend für die NS-Zeit nach dem Krieg nicht in der Gesellschaft groß. Viele wollten es einfach verdrängen bzw. für sich behalten. Die Nürnberger Prozesse, die im gleichen Jahr begonnen, erweckten das Interesse, jedoch war die Gesellschaft immernoch ziemlich zurückhaltend.

Dies zog sich lange bis die zweite Generation fragen stellte und sich für die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit einsetzte. Dann kamen die sogenannten 68-er ....

Erst dann langsam entwickelte sich das öffentliche Interesse und die intensive Aufarbeitung....

Was sagt Ihr dazu?
Befreiung oder Niederlage, wie sah es die Mehrheit?
Ging die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit wirklich so langsam voran, was war der Grund....

Liebe Grüße

RegenbogenEmpty

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16.06.2014, 09:00
Beitrag: #2
RE: Umgang mit der NS-Vergangenheit
"Ging die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit wirklich so lange?"

Manchmal denke ich, die ging nicht lange, die geht immer noch.

Mal ein paar Beispiele:
Richard Jaeger
http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Jaeger
als Justizminister ein ausgewiesener Befürwaorter der Todesstrafe, setzte sich massiv dafür ein, dass die von den alliierten zum Tode verurteilten "Landsberger" Kriegsverbrecher nicht hingerichtet wurden.
http://www.augsburger-allgemeine.de/poli...18881.html

Der Ulmer Einsatzgruppen-Prozess ist ein ganz prägnantes Beispiel
http://de.wikipedia.org/wiki/Ulmer_Einsa...en-Prozess
lediglich ins Rollen gekommen, weil Fischer-Schweder
http://de.wikipedia.org/wiki/Bernhard_Fischer-Schweder
gegen das Land Baden-württemberg auf Wiedereinstellung in den Staatsdienst klagte.

Eine umfassenden Aufarbeitung war eigentlich erst möglich, als die "mitwirkende" Generation so langsam aus den wichtigen Positionen in den Ruhestand gingen.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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16.06.2014, 22:50
Beitrag: #3
RE: Umgang mit der NS-Vergangenheit
Ich habe oft den Eindruck, dass trotz Einzelkämpfer wie Simon Wiesenthal, Fritz Bauer oder Beate Klarsfeld, eine (wissenschaftliche) Aufarbeitung der Nazivergangenheit erst seit den 80-er Jahren erfolgte. Anlässlich des 40. Jahrestag wurden 1984 die Männer und Frauen des 20. Juli öffentlich gewürdigt und Richard von Weizsäcker sprach am 8. Mai 1985 von der Befreiung von der Naziherrschaft. Das sind für mich zwei sehr entscheidende Ereignisse zum öffentlichen Umgang mit dem Dritten Reich.

"Geschichte erleuchtet den Verstand, veredelt das Herz, spornt den Willen und lenkt ihn auf höhere Ziele." Cicero
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16.06.2014, 23:21
Beitrag: #4
RE: Umgang mit der NS-Vergangenheit
Ja, die Rede von Weizsäcker ist sehr bekannt. Und aber wie sieht es denn eigentlich mit unserer jetzigen Zeit aus.21 Jhd?!

Wie gehen wir eigentlich heute mit der NS- Vergangenheit um und auch bezüglich Goldhagens- These.
Haben sie noch HEUTZUTAGE Auswirkungen?!

Also ich würde sagen, dass die Schule einen großen Beitrag dazu leistet, da ja fast jeder Schüler in der Schule dieses Thema mind. einmal hat. Also so ist es bei mir persönlich. Und man geht eben mit der NS-Vergangneheit so um, indem man miteinander diskutiert, trotzdem merke ich selber des Öfteren, dass viele von diesem Thema "genervt" sind, weil es "zu oft daürber die Rede ist... Schuld.....". Viele wollen eher aktuellere Themen- politisch diskutiere etc. Oder mehr über den Vietnamkrieg - Kalten KRieg statt die "12 Jahre"...

Also ich persönlich habe dazu eine andere Meinung, dass man darüber diskutieren sollte und sich damit beschäftige.. da es ja immernoch Antisemitismus etc gibt und da hilft aufjedenfall Aufklärung.

Natürlich gibt es heutzutage auch viele Denkmäler etc.

In Bezug zu Goldhagen weiß ich jetzt leider nicht viel, vielleicht Ihr?
Also was seine Thesen noch heutzutage auslösen o.ä.

Bin gespannt wie Ihr es heute sieht, was sind Eure Meinungen dazu Smile?!



Und was ich hier nochmals gerne loswerden will, weil es ziemlich interessant ist, auch wenn es nicht sooo mit der NS-Vergangenheit passt.. Tongue..

Ich finde den Test in den USA in den 80-iger Jahren sehr interessant, der sogar eine Inspiration für den bekannten Film "Das Experiment" war. Der Test zeigt gut, dass es immer möglich ist, die MEnschen sozusagen zu manipulieren mit Gehorchen- Befehl- Respekt....... Ist zum Beispiel auch ein Beleg gegen GOldhagens These dass es NUR bei den Deutschen geschehen kann .....

http://de.wikipedia.org/wiki/Milgram-Experiment
http://de.wikipedia.org/wiki/Stanford-Experiment
LG

Regenbogensonne

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17.06.2014, 08:15
Beitrag: #5
RE: Umgang mit der NS-Vergangenheit
(16.06.2014 22:50)Sansavoir schrieb:  ./.
Anlässlich des 40. Jahrestag wurden 1984 die Männer und Frauen des 20. Juli öffentlich gewürdigt und Richard von Weizsäcker sprach am 8. Mai 1985 von der Befreiung von der Naziherrschaft. Das sind für mich
./.

Der 20. Juli ist ein gutes Beispiel.
Die Familie Stauffenberg hatte ihren Sitz in Lautlingen. Heute Albstadt-Lautlingen. Die Stauffenberg Brüder sind dort auch zT aufgewachsen.

Bei den ersten Gedenkfeiern in den 50ern hat sich die kath. Kirche Diözese Rottenburg sehr schwer getan. Schließlich durfte der jüngste Ebinger Vikar außerhalb! der Kirche eine Gedenkrede halten.
(Wobei die dortige Kirche Stauffenbgerische Patronats Kirche ist)
Für die kath. Kirche waren die Attentäter Eidbrüchige!

Der Werteverfall für den die Nazis verantwortlich sind, die Zerstörung aller Moral
haben einen ganz erheblichen Teil der Deutschen in die fürchterlichsten Zwiespalte geführt.
Der preußisch deutsche Staat, das war die Ordnung, das Recht darauf konnte man sich verlassen, darauf hat man sich verlassen.
Und plötzlich war es das Unrecht, die Unmoral das Verbrechen selbst.

Die Zeitzeugen, die Handelnden der 50er und beginnenden 60er waren alle irgendwie Schizophren in Beziehung auf die verfluchten 12 Jahre.
So stellt es sich zumindest für mich noch heute dar.

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17.06.2014, 12:48
Beitrag: #6
RE: Umgang mit der NS-Vergangenheit
Ja, das mit Recht und Unrecht. spiegelt sich auch irgendwie in diesem Milgram Experiment wieder, in dem eben eine ganz normale Person jemand anderes foltern kann, wenn er denkt, es sei in Ordnung und man trage die Verantwortung mit jemand anderes- Autorität.

Danke für den Stauffenberg BSp.

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17.06.2014, 14:51
Beitrag: #7
RE: Umgang mit der NS-Vergangenheit
(17.06.2014 12:48)Regenbogensonne schrieb:  Ja, das mit Recht und Unrecht. spiegelt sich auch irgendwie in diesem Milgram Experiment wieder, in dem eben eine ganz normale Person jemand anderes foltern kann, wenn er denkt, es sei in Ordnung und man trage die Verantwortung mit jemand anderes- Autorität.

Danke für den Stauffenberg BSp.

Der ehemalige BW-Ministerpräsident Filbinger soll irgendwann als seine Mitwirkung bei Todesurteilen als Marinerichter bekannt wurde,
gesagt haben,
"was damals Recht war, kann heute kein Unrecht sein"
(ob er es gesagt hat, oder nicht, streiten sich die Geister, was aber hier unerheblich ist, in deutschen Gerichten sassen hunderte Richter bis in die 70er hinein, denen ähnliches vorzuwerfen gewesen wäre)
das zeigt die Geisteshaltung auf, hinter der sich eine ganze Generation verschanzt, versteckt, bedeckt hat.

aus wiki zur Filbinger-Affäre:
Zitat:Für Neele Kerkmann und Torben Fischer verkörpert Filbinger durch „seine unbewegliche Rechtfertigungshaltung, die keinerlei selbstkritische Reflexion seiner Tätigkeit erkennen ließ, […] in den Augen der sensibilisierten Öffentlichkeit geradezu idealtypisch einen in Diktatur wie Demokratie erfolgversprechenden konservativ-autoritären Habitus, der sich durch ein ‚pathologisch gutes Gewissen‘ (Erhard Eppler) und – so die Ergänzung der Süddeutschen Zeitung – ein ‚pathologisch schlechtes Gedächtnis‘ auszeichnete.

ich möchte Eppler und der Süddeutschen hier zustimmen, dies aber als als "partielle Schizophrenie" bezeichnen die eine ganze Generation befallen hatte.

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17.06.2014, 19:03
Beitrag: #8
RE: Umgang mit der NS-Vergangenheit
Danke für das weitere Beispiel! Hatte vorher nichts über ihn gehört.

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18.06.2014, 10:22
Beitrag: #9
RE: Umgang mit der NS-Vergangenheit
Ich auch nicht, werd´s mir aber merken. Das Sprüche-Duo von Eppler und SZ is einfach zu gut...

Wink

VG
Christian
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18.06.2014, 17:54
Beitrag: #10
RE: Umgang mit der NS-Vergangenheit
Jaa ich auch! Big Grin. Und versuchen vielleicht auf dieses Wissen in meiner Prüfung zurück zu greifen, wenns passt Tongue.

Aber leider bin ich nur noch beim Widerlegen Goldhagens Thesen durcheinander. Was für Beispiele könnte man hierbei verwenden?
Wenn iich sagen würde, dass er nur einige Teile in seine Buch verwendet, die seine Thesen belegen, er aber wesentliche andere Aspekte, die gegen ihn sprechen würde, verschweigt?
Dies wäre doch eher ein Beleg für das unwissenschaftliche Arbeiten.. zu undeferenziert etc. Aber was für Belege könnte man für Widerlegen seiner These auch gerne in der heutigen Zeit sehen?

LG

Regenbogen

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18.06.2014, 20:37
Beitrag: #11
RE: Umgang mit der NS-Vergangenheit
Während der Filbinger-Affäre war irgendwo in Deutschland OB-Wahlkampf und Helmut Palmer war unter anderen Kandidat.

Palmer hat während seiner Wahlkämpfe immer gleichzeitig sein Obst verkauft.
So ist Helmut Palmer auf dem Marktplatz mit seinem LKW vorgefahren, sein Obst verkaufen.
Angetan mit schwarzem Richter-Talar und Hakenkreuz-Armbinde.

Gab natürlich eine Gerichtsverhandlung.
Der eigentlich zuständige Richter hat sich für den Termin dann Urlaub genommen, ging Skifahren.
Hat den Fall einem 2 Jahrzehnte jüngerem Kollegen überlassen.

Palmer meinte: Aha.


Disclaimer: Helmut Palmer, leider früh verstorben, ist der Vater des heutigen Tübinger OB und Grünen Pareigröße Palmer.

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18.06.2014, 22:13
Beitrag: #12
RE: Umgang mit der NS-Vergangenheit
Danke für die Info, hab mir soeben seine Biografie durchgelsen. Jemand der sehr viel erlebt hat!

Ich hab nur noch keine richtige Idee.. wegen dem Wiederlegen Goldhagens Thesen heute. Das war ja sehr spekuliert und wie könnte man es denn widerlegen :/

LG

Regenbogen

Danke schon mal!

Ps.: vielen Dank für die hilfsreichen, interessanten Antworten!
Bin schon so gespannt auf meine Prüfung... :[

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19.06.2014, 12:24
Beitrag: #13
RE: Umgang mit der NS-Vergangenheit
(18.06.2014 22:13)Regenbogensonne schrieb:  ./.

Ich hab nur noch keine richtige Idee.. wegen dem Wiederlegen Goldhagens Thesen heute. Das war ja sehr spekuliert und wie könnte man es denn widerlegen :/

LG

Regenbogen

Danke schon mal!

Ps.: vielen Dank für die hilfsreichen, interessanten Antworten!
Bin schon so gespannt auf meine Prüfung... :[

Vielleicht so?


Der Holocaust, der Entscheidungsprozess der letztlich zum Holocaust führte, ist ein überaus komplexes Geschehen.

Es lässt sich nicht mit Verallgemeinerungen oder einer kurzen "griffigen" These erklären, wie dies Goldhagen macht.

Es gibt sehr viele gewichtige Punkte, die Goldhagens These widerlegen, so viele, dass ich mich im Rahmen dieses Vortrages auf ein paar wenige beschränken muss.

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19.06.2014, 20:50
Beitrag: #14
RE: Umgang mit der NS-Vergangenheit
Vielen Dank, ja das trifft es Big Grin

LG

Regenbogen!

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21.06.2014, 19:32
Beitrag: #15
RE: Umgang mit der NS-Vergangenheit
(15.06.2014 19:44)Regenbogensonne schrieb:  Hallo zusammen!Smile,

ich würde sehr gerne mit Euch über den Umgang über die NS- Vergangenheit schreiben.

Nach dem Krieg gab es gespaltene Meinungen. Einige sahen die Kapitulation als Befreiung an und wieder andere als Niederlage.
Insgesamt war das Interesse zurückblickend für die NS-Zeit nach dem Krieg nicht in der Gesellschaft groß. Viele wollten es einfach verdrängen bzw. für sich behalten. Die Nürnberger Prozesse, die im gleichen Jahr begonnen, erweckten das Interesse, jedoch war die Gesellschaft immernoch ziemlich zurückhaltend.

Dies zog sich lange bis die zweite Generation fragen stellte und sich für die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit einsetzte. Dann kamen die sogenannten 68-er ....

Erst dann langsam entwickelte sich das öffentliche Interesse und die intensive Aufarbeitung....

Was sagt Ihr dazu?
Befreiung oder Niederlage, wie sah es die Mehrheit?
Ging die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit wirklich so langsam voran, was war der Grund....

Liebe Grüße

RegenbogenEmpty

Mich stört ein bißchen das Wort oder in diesem Zusammenhang. Imho war es eine Befreiung und eine Niederlage zugleich.


Dass die Befreiung für viele Deutsche (vorerst) keine war, ist evident.

Das gilt besonders für Ost- und Mitteldeutschland.
In Ostdeutschland gab es durch die Rote Armee Massenmord (2 Mio.Deutsche), Enteignung, Vertreibung (ca. 8 Mio allein in Ostdeutschland) und Massenvergewaltungungen (ca. 2 Mio deutsche Frauen).

In Mitteldeutschland (DDR) kam man übergangslos von der einen Diktatur zur nächsten. Hier gab es zwar weder Massenmord noch Vertreibung, aber eine Verfolgung und Inhaftierung politisch Missliebiger (Wobei man pikanterweise gleich die Infrastruktur der Nazis weiternutzte), Enteigungen, Demontagen von Industriebetrieben und Vergewaltigungen sehr wohl.

Insofern darf man sich nicht wundern, wenn sich viele Deutsche zunächst mal nicht befreit fühlten.


Was die Aufarbeitung der NS-Verbrechen anlangt, muss man realistischerweise sehen, dass sich Deutschland trotz vieler Fehler vergleichsweise vorbildlich verhalten hat.


Andere Länder, z.B. Österreich, schafften das nicht im selben Maße. Bei uns war das erst in den 80ern ein Thema und Restitutionen an überlebende jüdische Zwangsarbeiter gab es erst nach der Jahrtausendwende.

Von der Aufarbeitung historischer Verbrechen in anderen Ländern (z.B Belgien, Polen, Türkei, China, USA, Tschechien, Ungarn,...) rede ich gar nicht erst, denn die werden in der Regel bis zum geht nicht mehr verleugnet oder verdrängt.

MfG, Titus Feuerfuchs
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21.06.2014, 20:06
Beitrag: #16
RE: Umgang mit der NS-Vergangenheit
Hier zu dem Thema der Hinweis, befreit werden, hier ein hochinteressantes Stimmungsdokument, das Wehrmachts- und SS Soldaten in Westböhmen in den letzten Stunden des Krieges oder vielleicht die ersten Stunden des Friedens zeigt. Man schaue, wie erleichtert die Deutschen Soldaten sind, in amerikanische und nicht sowjetische Gefangenschaft geraten sind.

https://www.youtube.com/watch?v=NgOgBaj7UEY geht nur 7 Minuten. Auch sonst ein hochinteressantes Dokument, man sieht alle möglichen Fahrzeuge der Wehrmacht wie auch der US Army, befreite (vermutlich) polnische Zwangsarbeiter (begrüsst durch die Tschechen), Offiziere der Wlassow Armee mit einer russischen (nicht sowjetischen!) Fahne usw. Vor allem der SS General bei 5.39 ist interessant anzuschauen: Er jubelt mit beidem Händen.

Alle, die in den Westzonen lebten, waren froh, dass die Sowjets nicht gekommen sind. Inwieweit man das als Befreiung (auch vom absurden Durchhalteterror der Nazis bis zum Schluss) emfand, kann ich nicht abschliessend sagen, aber eine gewisse Erlösung durften viele empfunden haben.
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21.06.2014, 20:11
Beitrag: #17
RE: Umgang mit der NS-Vergangenheit
(21.06.2014 19:32)Titus Feuerfuchs schrieb:  Von der Aufarbeitung historischer Verbrechen in anderen Ländern (z.B Belgien, Polen, Türkei, China, USA, Tschechien, Ungarn,...) rede ich gar nicht erst, denn die werden in der Regel bis zum geht nicht mehr verleugnet oder verdrängt.

Also mit dieser Aufstellung und Aussage bin ich gar nicht einverstanden, aber klar ist, dass von diesen sechs Ländern allenfalls Türkei und China mit einer solchen Aussage verbunden werden können.

Aber davon ein anderes Mal an anderer Stelle (Stichwort Plattitüde) mehr.
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21.06.2014, 20:15
Beitrag: #18
RE: Umgang mit der NS-Vergangenheit
(16.06.2014 23:21)Regenbogensonne schrieb:  Ja, die Rede von Weizsäcker ist sehr bekannt. Und aber wie sieht es denn eigentlich mit unserer jetzigen Zeit aus.21 Jhd?!

Wie gehen wir eigentlich heute mit der NS- Vergangenheit um und auch bezüglich Goldhagens- These.
Haben sie noch HEUTZUTAGE Auswirkungen?!

Also ich würde sagen, dass die Schule einen großen Beitrag dazu leistet, da ja fast jeder Schüler in der Schule dieses Thema mind. einmal hat. Also so ist es bei mir persönlich. Und man geht eben mit der NS-Vergangneheit so um, indem man miteinander diskutiert, trotzdem merke ich selber des Öfteren, dass viele von diesem Thema "genervt" sind, weil es "zu oft daürber die Rede ist... Schuld.....". Viele wollen eher aktuellere Themen- politisch diskutiere etc. Oder mehr über den Vietnamkrieg - Kalten KRieg statt die "12 Jahre"...

Natürlich ist das Thema in Österreich derartig inflationär vorhanden, dass es dysfunktional wirkt, dh. man stumpft ab.

Dazu kommt, dass durch das extreme in der Vordergund stellen der verdammten 12 Jahre anderen wichtige Kapitel der Geschichte in den Hintergund treten. Die geschichtliche Bildung in Ö und D ist somit sehr selektiv.


(16.06.2014 23:21)Regenbogensonne schrieb:  Also ich persönlich habe dazu eine andere Meinung, dass man darüber diskutieren sollte und sich damit beschäftige.. da es ja immernoch Antisemitismus etc gibt und da hilft aufjedenfall Aufklärung.

Antisemitismus gab's immer und wird es immer geben, heute jedoch vorallem innerhalb der islamischen community, wo er mehr oder weniger geduldet wird...

Weiters muss man hinterfragen, was man unter Antisemitismus versteht, da dieser gerne als Totschlagargument gebraucht wird, v.a., wenn es um in meinen Augen sehr berechtigte Israelkritik geht







(16.06.2014 23:21)Regenbogensonne schrieb:  In Bezug zu Goldhagen weiß ich jetzt leider nicht viel, vielleicht Ihr?
Also was seine Thesen noch heutzutage auslösen o.ä.

Bin gespannt wie Ihr es heute sieht, was sind Eure Meinungen dazu Smile?!

Die erste Frage dazu ist, wie objetiv Goldhagen in Anbetracht seiner Vita tatsächlich ist. (Andere Leidensgenossen, wie etwa Finkelstein, kommen zu ganz anderen Schlüssen.) Seine meiner Meinung nach einseitige Sicht der Dinge ist zwar aufgrund des eigenen Familienschicksals nachvollziehbar, aber eben unvollständig, bzw. unrichtig.


Das fängt schon damit an, dass er Deutsche und Juden quasi gegenüberstellt, obwohl die in Deutschland lebenden Juden genauso Deutsche waren, bzw. sind. Oft sogar die überzeugtesten deutschen Patrioten.

Der Antisemitismus im Kaiserreich und der WR war im Vergleich zu anderen Ländern, obwohl zweifellos vorhanden, relativ schwach ausgeprägt. Nicht umsonst flüchteten zahlreiche (meist orthodoxe) Juden aus den Zaristischen Russland nach Deutschland oder Österreich, wo sie im Übrigen von den (oft assimilierten) einheimischen Juden zumeist abgelehnt wurden.

Des Weiteren gab und gibt es Genozide en masse außerhalb Deutschlands, die den Holocaust z.T. hinsichtlich absoluter bzw. relativer Opferzahl übertrafen (Kongogräuel, Rote Khmer, stalinistische "Säuberungen", "der große Sprung" Mao Tse Tungs, usw). Das interessiert heute freilich keinen Menschen mehr....

Was den Holocaust so einmalig macht, ist seine industrielle Durchführung, und die Tatsache, dass er mitten in der "zivilisierten" Welt stattfand.


(16.06.2014 23:21)Regenbogensonne schrieb:  Und was ich hier nochmals gerne loswerden will, weil es ziemlich interessant ist, auch wenn es nicht sooo mit der NS-Vergangenheit passt.. Tongue..

Ich finde den Test in den USA in den 80-iger Jahren sehr interessant, der sogar eine Inspiration für den bekannten Film "Das Experiment" war. Der Test zeigt gut, dass es immer möglich ist, die MEnschen sozusagen zu manipulieren mit Gehorchen- Befehl- Respekt....... Ist zum Beispiel auch ein Beleg gegen GOldhagens These dass es NUR bei den Deutschen geschehen kann .....

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Regenbogensonne

Der Test passt sogar gut zu dem Thema, den er zeigt, welche Abgründe im Menschen existieren.

Grob gesagt tut der Mensch alles, um in seiner Gruppe anerkannt zu werden, da der Mensch als soziales Wesen konzipiert ist. Verhalten, von dem er erwartet, dass es zu Ausgrenzung führen könnte, wird unterlassen. Tut es der Mensch dennoch, wird er mit der Ausschüttung von Angst- und Stresshormonen "bestraft".
Das erklärt z.B. auch Neumanns "Schweigespirale".
Wenn es also gesellschaftlich opportun ist, begeht er auch Verbrechen.

Freilich spült ein Regime wie der NS auch besonders grausame Sadisten, wie z.B. einen Mengele, an die Oberfläche, die das System nutzen, um ihren perversen Vorlieben ungestört nachgehen zu können.

Wenn ein großes, entwickeltes Volk, wie das Deutsche, Verbrechen (Genozide) begeht, wirkt es sich halt anders aus, als wenn es z.B. die Hutus in Ruanda tun.

Große Kraft, die Deutschland hatte und z.T. immer noch hat, verlangt auch ein besonderes Maß an Verantwortung.


Im Übrigen halte ich die Aussage, dass die Deutschen eine wie auch immer gerartete Disposition für Antisemitismus bzw. Rassismus hätten, für ein antigermanisches Ressentiment und damit für nichts anderes als puren Rassismus.

MfG, Titus Feuerfuchs
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21.06.2014, 21:00
Beitrag: #19
RE: Umgang mit der NS-Vergangenheit
(21.06.2014 20:11)Marek1964 schrieb:  
(21.06.2014 19:32)Titus Feuerfuchs schrieb:  Von der Aufarbeitung historischer Verbrechen in anderen Ländern (z.B Belgien, Polen, Türkei, China, USA, Tschechien, Ungarn,...) rede ich gar nicht erst, denn die werden in der Regel bis zum geht nicht mehr verleugnet oder verdrängt.

Also mit dieser Aufstellung und Aussage bin ich gar nicht einverstanden, aber klar ist, dass von diesen sechs Ländern allenfalls Türkei und China mit einer solchen Aussage verbunden werden können.

Warum das?



Belgien:
Kongogräuel unter Leopold II; rund 10 Mio Tote

Polen:
1) Antisemitismus, massive Repressionen gegen Minderheiten (Juden, Deutsche, Ukrainer, usw,) in der Zweiten Polnischen Republik

2) Massive Unterstützung der Roten Armee bei den ethnischen Säuberungen Ostdeutschlands 1945-50, Bierut-Dekrete, über 1 Mio Tote


Türkei:
Genozid der Jungtürken an den Armeniern während des WK1, rund 1,5 Mio Tote

USA:
1)Genozid an den Indianern, fast vollständige Vernichtung der indianischen Kultur, weit über eine Mio Tote.
2) Sklaverei

Tschechien:
Gewaltsame Vertreibung der Deutschen, Benesch-Dekrete (immer noch gültig); rund 3 Mio Vertriebene, 250 000 Tote

Ungarn:
Kein besetzes Land unterstützte die Nazis so eifrig bei der Judenverfolgung wie die Ungarn mit ihrer nazistischen Schwesterpartei, den "Pfeilkreuzlern". Hier fanden im letzten Kriegsjahr noch über eine halbe Mio Juden den Tod.

China:
Rund 70 Mio Tote durch Maos Politik



(21.06.2014 20:11)Marek1964 schrieb:  Aber davon ein anderes Mal an anderer Stelle (Stichwort Plattitüde) mehr.

Retourkutsche, was?Cool

MfG, Titus Feuerfuchs
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21.06.2014, 22:58
Beitrag: #20
RE: Umgang mit der NS-Vergangenheit
(21.06.2014 21:00)Titus Feuerfuchs schrieb:  Retourkutsche, was?Cool

Nö, nur damit Du es findest. Aber eigentlich kann man das hier wie dort reinkopieren.

Ist aber Stoff für sieben Threads. Mindestens. Du müsstest zu jedem der Länder ja auch den Nachweis erbringen, dass dort diese Dinge auch tatsächlich verleugnet oder verdrängt werden, was ich aber ausser dem Fall Türkei und China aber stark bezweifele, ebenso wie einige Deiner Angaben.

Nur soviel zu Tschechien und den Opferzahlen bei den Vertreibungen und Aussiedlungen: http://de.wikipedia.org/wiki/Vertreibung...pferzahlen Nicht 250 000, maximal 30 000.

Der erste nachkommunisitsche Präsident der Tschechoslowakei, Václav Havel hat schon 1990 gegenüber Richard von Weizsäcker die Geschehnisse verurteilt, eine später gebildete Historikerkommission unter den Aussenministern Jiří Dienstbier und Hans Dietrich Genscher hat die Geschehnisse aufgearbeitet, auch eine gemeinsame Erklärung der evangelischen Kirchen Deutschlands und Tschechiens wurde veröffentlicht.

Auch in den Medien wird genug darüber und vielfältig berichtet.

Nicht gerade geholfen haben die fordernde Art und Unversöhnlichkeit der Sudetendeutschen Landsmannschaften, die bei der Mehrzahl der Tschechen Abwehrrreflexe hervorrufen und die ihre eigenen, dunklen Seiten der spezifisch sudetendeutschen Vergangenheit auch nicht verarbeitet haben. So sehr ich die deutsche Vergangenheitsbewältigung anerkenne, die sudetendeutschen Landmannschaften zähle ich nicht dazu.

Mein Vater (ein evangelischer Theologe 1922-2004) hat immer die verbrecherischen Begleitumstände verurtetil und einer meiner Onkel (ein evangelischer Pfarrer, 1911-1984) hat willkürliche Erschiessungen in Prag im Mai 1945 zu verhindern versucht.

Meine Mutter (1928-2004) tönte da schon anders als mein Vater. Sie rief in Erinnerunng, wie fanatisch sie die Deutschen während der Besatzungszeit erlebt, ein Oberlehrer brüllte immer, die Tschechen seien nur für Pickel und Schaufel gut. Die tschechischen Hochschulen waren nach dem 17. November 1939 bis zum Kriegsende geschlossen.

Tschechische Intellektuelle haben schon damals in den Medien die Umstände kritisiert, allerdings keine Politiker. Die bedeutendsten sind Ferdinand Peroutka und Pavel Tigrid. Nur ein Mitglied der Regierung, der Sozialdemokrat Zdeněk Fierlinger, hatte Vorbehalte und schlug schon im Mai 1945 vor, man solle das Lynchen stoppen. Er wurde jedoch überstimmt.

Die Verbrechen waren vor allem durch die Kommunisten, der einem kommunistischen Verteidigungsminister unterstehenden Armee, den Rotgardisten und der Roten Armee verursacht.

Man kann also nicht sagen, dass man die Vergangheit verdrängt oder gar verleugnet. Nur will man angesichts der Vorgeschichte wie der Geisteshaltung der sudetendeutschen Landsmannschaften kein Entgegenkommen, auch was die Dekrete der provisorischen tschechoslowakischen Regierung, häufig auch Beneš Dekrete genannt. Das kann ich nachvollziehen.
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