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Konstantinopel fällt:
23.06.2014, 13:44
Beitrag: #13
RE: Konstantinopel fällt:
(01.06.2014 11:58)WDPG schrieb:  -Krum (803 - 814): War ein äußerst kriegerischer Bulgarenherrscher, im Kampf gegen ihn fiel Kaiser Nikophoros I, sein Nachfolger Michael Rangabe verlor seinen Thron im Zusammenhang mit Kämpfen mit ihm und Leon V der Armenier, der an der Niederlage seines Vorgängers Michael Rangabe großen Anteil hatte musste die Belagerung Konstantinopels durch Krum überstehen. Krum gelang es nicht die Stadt zu erobern, zu stark waren die Befestigungsanlagen. Mit Krums Nachfolger Omurtag schloss er dann Frieden.

Hier besteht schon das Problem, dass man über Khan Krum nur das weiß, was während der elf Jahre seiner Herrschaft geschah. Es ist z.B. bekannt, dass er sich um eine Verschmelzung der Proto-Bulgaren mit der slawischen Bevölkerung bemühte. Das würde im Umkehrschluss bedeuten, dass seit der Landnahme von Asparuch im Jahre 681 in Bulgarien eine protobulgarische Oberschicht und eine slawische (Mittel- und) Unterschicht gegeben hat. Deshalb kann man spekulieren, dass Krum sich als Herrscher von Byzanz um Verständigung, evtl. sogar Integration aller Bevölkerungsgruppen bemüht hätte. Ebenso kann man aber davon ausgehen, dass die sich kulturell überlegen fühlenden Griechen sich diesem Ansinnen widersetzt hätten.

Wir wissen, dass Khan Asparuch nach der Landnahme von Byzanz als Herrscher anerkannt wurde. Er und seine Nachfolger zahlten Tribute nach Konstantinopel, das 1. Bulgarische Reich lebte in friedlicher Nachbarschaft zu Byzanz. Dies änderte sich erst unter Krums direkten Vorgänger Khan Kardum, der von 777 bis 803 herrschte. Kardum stellte die Tributzahlungen ein und wechselte zu einer Politik der Konfrontation. 803 folgte ihm Krum, von dem wir nicht wissen, ob er die Khanwürde erbte, usurpierte oder übertragen bekam.

Fest steht aber, dass er ein militärisch geschulter und erfahrener Mann war. Sonst wäre es nicht möglich gewesen, dass während seiner elfjährigen Herrschaft sich das Bulgarenreich im Osten bis zum Dnestr (Dnister) und im Westen bis zur Theiß (Tisza) ausbreitete. Das Awarenreich wurde mit Hilfe der Franken vernichtet und gegen die Byzantiner setzte man sich trotz einiger Niederlagen schließlich auch durch, so dass man vor den Mauern Konstantinopels stand. Ob es stimmt, dass Krum den Schädel seines Gegners Nikophoros I. als Trinkgefäß nutzte, sei aber dahingestellt.

Krum wäre auf alle Fälle Kaiser des Byzantinischen Reiches geworden, hätte er Konstantinopel erobert. Aber er starb bereits 814 während der Belagerung. Dass er gute Chancen gehabt hätte, erklärt sich daraus, dass 802 die bis dato legitime syrische Dynastie entmachtet wurde und seitdem Usurpatoren wie Nikophoros I., Michael Rangabe und Leo V. herrschten. Das bedeutet in diesen Jahren entschied nicht die Legitimität darüber, sondern nur die militärische Stärke, wer Kaiser wurde. Das setzte sich noch bis in die 820er Jahre fort – siehe die Ereignisse um den Sturz Leos V., der Aufstand von Thomas den Slawen und die Regierung Michaels II.

Ebenso hätte Krums Sohn Omurtag gute Chancen gehabt, Kaiser zu werden, wäre ihm die Eroberung Konstantinopels gelungen. Omurtag war schließlich klug genug, die Belagerung Konstantinopels abzubrechen und seine Expansionspolitik nach Pannonien zu lenken. Er schloss einen auf die Dauer von 30 Jahren befristeten Friedensvertrag mit Byzanz und unterstützte z.B. Michael II. bei der Niederschlagung des Aufstands von Thomas den Slawen. Es ist aber vorstellbar, dass Omurtag als fähiger Kaiser in einem geeinten bulgarisch-byzantinischen Reich geherrscht hätte. Voraussetzung wäre aber, dass er seine antichristliche Haltung aufgegeben hätte und zum Christentum übergetreten wäre. Ob er als byzantinischer Kaiser das Christentum dann in Bulgarien schon hätte durchsetzen können, ist spekulativ. Es ist deshalb auch denkbar, dass er als christlicher Kaiser in Bulgarien als Khan entmachtet worden wäre. Ebenso spekulativ ist, ob sich einer seiner Söhne als Nachfolger in Byzanz und Bulgarien behauptet hätte. Da der älteste Sohn zum Christentum neigte, der jüngere dagegen die traditionellen Religion ausübte, wäre spätestens nach Omurtags Tod im Jahr 831 das gemeinsame Reich auseinander gefallen. Wie gesagt, das ist alles nur spekulativ.

"Geschichte erleuchtet den Verstand, veredelt das Herz, spornt den Willen und lenkt ihn auf höhere Ziele." Cicero
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