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Biographien ungeordnet, wie sie geschrieben werden .
07.08.2013, 12:50
Beitrag: #71
Mohammed Scheibani:
Habe lange überlegt wie ich die Biografie von Mohammed Scheibani am besten schreibe ohne und gleichzeitig Machtfaktoren, andere Feldherren usw. zu vernachlässigen, habe mich deshalb für ein etwas außergewöhnlicheres entschieden: Alles was schwarz ist betrifft die Biografie Mohammed Scheibanis, alles in blau sind Erklärungen zu Mächten mit denen er es zu tun hatte.


Abul-Fath Mohammed Scheibani wurde im Jahr 1451 geboren, er leitetet seine Herkunft von Shibani Khan, einem Enkel des Dschingis Khan aus der Linie Jochis (Dschingis Khans ältester Sohn) ab.
Dem Großvater von Mohammed Scheibani Abul-Chair Khan gelang es große Teile Usbeken zu vereinigen, doch Kasachen und das Khanat Tschagatai zerstörten das neu entstandene Reich bald wieder und so musste Mohammed Scheibani fast bei Null anfangen.

Über die „Karriereanfänge“ von Mohammed Scheibani habe ich mehrere Angaben gelesen, er dürfte als Freibeuter durchs Land gezogen sein und auch für einen Timuridenfürsten als Söldnerführer gearbeitet haben (denke die Grenze war hier manchmal nicht so ganz klar), schließlich trat er in den Dienst des Tschagatai-Khan Mahmund b Yunus (manchmal auch nur Yunus Khan genannt) ein.

-Tschagatai Khanat-Timurriden: Tschagatai war der zweitälteste Sohn von Dschingis Khan, nach dessen Ableben erbte Tschagatai ein Gebiet in Zentralasien, auf Ögetai-Khan hatte Tschagatai einen großen Einfluss. Nach Tschagatai mischten sich immer wieder die Großkhane in die Nachfolgefrage ein – jeder Großkhan setzte einen ihm genehmen Khan im Tschagataikhanat ein, später änderte sich die Lage und die Tschagatai-Khane versuchten (meist im Bündnis mit anderen) ihre jeweiligen Kandidaten zum Großkhan zu machen. Dieser Kampf verlor schließlich an Bedeutung, wie auch der Zusammenhalt des Mongolenreichs im Allgemeinen zunehmend an Bedeutung verlor. Schon bald hatte das Tschagatai-Khanat mit einigen Probleme zu kämpfen, etwa der Frage welche Kultur das man eher annehmen sollte (Normadisch-Mongolisch oder eher die Islamisch-Persische), Kämpfe innerhalb der Dynastie oder auch äußere Feinde wie die Oriaten. Zur Zeit als Mohammed Scheibani als Söldnerführer auftrat hatte man mit Yunus Khan einen sehr fähigen Herrscher. Ursprünglich musste Yunus Khan vor seinem Bruder Esen-Bugha zu den Timurriden flüchten die ihn danach unterstützte, nachdem sein Bruder verstorben war konnte Yunus Khan den Thron Mohammed Scheibanis übernehmen. Yunus war bekannt für diverse Talente, Diplomatie dürfte dazu gehört haben, so hatte Yunus hohen Einfluss auf seine ehemaligen Gönner, den Timurriden, weil er immer wieder zwischen ihnen vermitteln konnte.

Die Dynastie der Timurriden, stammte von Timur Lenk ab. Dieser war ein extrem erfolgreicher Feldherr, hinterlies aber ein gigantisches Gebiet und kaum Strukturen um dieses zu verwalten. Das und einige andere Faktoren wie Kämpfe unter den Nachfolgern, Bedrohungen von Außen und zahlreiche Abspaltungen waren Gründe für den Machtverfall der Timurriden. Hussein Baiqara der in Herat regierte war in der Zeit von Muhammad Scheibani der mächtigste Timurridenherrscher, außer ihm gab es jedoch noch zahlreiche kleinere Fürstentümer.


-Von Yunus Khan wurde Mohammed Scheibani zum Statthalter von Turkistan gemacht, er versuchte wie sein Großvater die Usbeken unter sich zu vereinigen, mit Erfolg. Zwischen Yunus Nachfolgern und Mohammed Scheibani kam es zum Krieg. Die Gründe dafür weiß ich nicht, logisch wäre das er ihnen zu eignständig oder zu mächtig wurde, es könnte aber sein das Mohammed Scheibani mit dem Kampfhandlungen selbst begann. Was dafür spricht ist das es zuerst zu Kämpfen mit Mahmud begann, dieser war im Gegensatz zu seinem Bruder Ahmad als eher wenig kriegerisch, ja passiv bekannt. Ahmad hatte im Feld bis dahin große Erfolge gefeiert, unter anderem gegen die Oriaten, nun kam er seinem Bruder im Kampf gegen Usbeken. Im Jahr 1503 gelang es Mohammed Scheibani die Brüder zu besiegen und gefangen zu nehmen.
Auch gegen die Timurriden war der Usbekenführer erfolgreich, er riss zahlreiche Timurridenfürstentümer an sich. Ein Kampf blieb Mohammed Scheibani erspart, der gegen Hussein Baiqara. Der mächtigste Timurridenfürst kam seiner Familie nicht zu Hilfe und vermied eine Auseinandersetzung mit Mohammed Scheibani so lange bis er 1506 verstarb. Das es zu dieser schließlich kam war wohl nur eine Frage der Zeit. Nun war der Gegner aber nicht mehr Hussein Baiqara sondern seine beiden (anscheinend) unfähigen und unerfahrenen Söhne. Diese hatten kaum eine Chance gegen die Usbeken, die schließlich Herat einnehmen.

Schon zuvor traf Mohammad Schibani auf einen weiteren berühmten Feldherren aus der Dynasite der Timuriden, auf Babur. Babur gelang es Mohammed Scheibani etliche Gebiete streitig zu machen, doch schließlich konnte in der Schlacht bei Sari I Pul besiegen und zum Rückzug zwingen. Babur wollte scheinbar auch den Timurriden in Herat zu Hilfe kommen zog das Hilfsangebot aber wieder zurück, weil er die unfähigkeit der dortigen Herrscher und wohl auch die Aussichtslosigkeit der Lage erkannte.

-Timurriden und Tschagatai nach den Niederlagen: Die Timurriden verloren mit der Niederlage ihre Macht in Persien komplett, nur noch in Herat konnte man sich halten. Ein Timurride der weiterhin Erfolge verbuchte war Babur. Er führte noch einige Zeit lang Feldzüge in der Region durch unter anderem gegen Mohammad Schibanis Vetter Jani Beg, wurde dabei auch von den Safawiden unterstützt, dann begab er sich nach Indien und gründete dort das Moghulreich.
Die beiden Tschagatai-Khane wurden schon bald wieder freigelassen, sie verloren aber erheblich an Macht. Diese konnte von fähigen Herrscher wie Said Khan zu einem Teil wiederhergestellt werden, aber um Mitte des 16. Jahrhunderts herum verloren sie aus mehreren Gründen darunter Streitigkeiten ihre Macht zusehend, bis sie im 17. Jahrhundert endgültig verloren ging.


Mohammad Scheibani war er nicht nur eine guter Feldherr, er galt auch als kulturinteressiert und Gebildet. Sein Reich war nicht das einzige in der Gegend das einen großen Aufstieg erlebte, weiter im Westen gelang es Ismail I dem Begründer der Safawidendynastie in Persien ein großes Reich zu errichten. 1501 also ungefähr zeitgleich mit den Erfolgen Mohammad Scheibanis, eroberte er die bedeutende Stadt Täbriz, danach noch weitere Gebiete Persiens. Es war wohl nur noch eine Frage der Zeit bis es zu einem Kampf der beiden aufstrebenden Mächte kam. Diese wurde für die Usbeken auch dadurch erschwert, das mit den neuerstarkten Kasachen ein zusätzlicher Gegner auftauchte. Im Jahr 1510 kam es bei Merw schließlich zum Kampf zwischen den Heeren Ismails I und Mohammad Scheibanis Truppen. Diese Schlacht endete mit einer Niederlage der Usbeken, Mohammad Scheibani fiel im Kampf.

-Safawiden: Das Ismails I Armee nach der Schlacht bei Merw und den Erfolgen davor als unbesiegbar galt ist nicht verwunderlich. Doch unbesiegbar war die Armee keineswegs, schon im Jahr 1514 kam es zum Duell mit einer weiteren großen Macht, den Osmanen, der Schlacht bei Tschaldiran. Diese wurde von den aufstrebenden Osmanen (unter Selim I) durch den Einsatz von Kanonen entschieden. Das bis dahin als unbesiegbar geltende Heer Ismails I war geschlagen worden. Ismail I herrschte weiterhin, die Safawiden blieben die Herrscher über Persien. Die Osmanen konnten weiter expandieren, eroberten kurz darauf auch das Mamlukenreich in Ägypten.

Mit Mohammad Scheibani endete keineswegs die Eigenstaatlichkeit des Usbeken Khanats, es blieb weiterhin ein Machtfaktor in der Region.


Hoffe ich konnte eine halbwegs interessante und auch halbwegs übersichtliche Biografie zustanden bringen.
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Xanthippe - Luki - 12.06.2012, 15:52
Etwas Bilder - Luki - 22.06.2012, 19:39
RE: Etwas Bilder - Maxdorfer - 22.06.2012, 20:43
Etwas Bilder - Luki - 22.06.2012, 21:31
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Mohammed Scheibani: - WDPG - 07.08.2013 12:50

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