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Italita
14.01.2014, 21:11
Beitrag: #1
Italita
Ich vermute mal, dass ich mich hier nicht mehr als Italien-Fan outen muss. Man wird es schon bemerkt haben.

Geschichte, Kultur, Pasta, Mare ..... es gibt so viele Gründe für meine Liebe.
Aber auch einen ganz speziellen.
Die Italita.

Mai 1978. In der Nähe von Orbetello hatten wir, meine große Flamme und ich, Talamone besucht. Eines der Festungsstädtchen des Stato degli Presidi (der Interessierte möge googlen)
Kurz nach Talamone kam ein großer Bahnübergang. Auf dem Bahnübergang wurde ein mächtiger Güterzug rangiert. Vorwärts, rückwärts, der Bahnübergang blieb geschlossen. Langsam sammelten sich so 4-5 Autos.
Nach einer knappen halben Stunde ist das Bahnpersonal, Rangierer, Lokführer zu Fuss in eine nahegelegen Bar marschiert. Der Güterzug stand weiter auf dem Bahnübergang und die Schranken blieben geschlossen.
Inzwischen werden sich so 10 Autos angesammelt haben. außer uns alles Italiener aus der Region.
Irgendwann ist einer durch die offenstehenden Türen eines Güterwagens geklettert und kam nach ein paar Minuten mit einem Carabiniere zurück. Der Carabiniere blieb in der Tür des Güterwagens stehen und hat mit ein paar freundschaftlichen Rufen die Eisenbahner gebeten den Übergang freizumachen.
Was dann auch nach ein paar Minuten geschah.

Das Ganze ging so ein starkes Stündchen....

Wir, ich, kamen aus dem Land der Stempeluhren, des Termindrucks, der Refa-Minuten der klingelnden Telefone ....
Es war irgendwie ein Kulturschock. Die Italita!

Seither ist meine Liebe zu Italien unzerstörbar.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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15.01.2014, 13:49
Beitrag: #2
RE: Italita
Ein paar Jahre später-
San Bartolome al Mare irgendwo zwischen Savona und Ventimiglia.
Samstag abend, eine Kreuzung mit beeindruckender Ampelanlage.

Der Suebe kommt daher, die Ampel ist rot, ich halte an.
Die Ampel wird gelb, ich fahre an, die Ampel wird rot....
eine Sirene heult auf, kurz kommt der Gedanke durchzustarten, aber man ist ja ein ordnungsgewohnter Mensch, ich fahr auf die andere Seite der Kreuzung, halte dort auf dem Gehweg an.
Die kpl. Kreuzung steht auf rot. Quer über die Kreuzung kommt ein Kahki-gewandeter Polizist wie Gary Cooper in High Noon, gegürtet mit einer riesigen Pistole. Die Bewunderung der Schönen in den umliegenden Straßenkaffees ist ihm gewiss.
Er kommt heran, gibt zuerst die Ampeln wieder frei, und belehrt mich dann, dass ich über keine rote Ampel fahren darf. Mein schwacher Einwand, dass in Deutschland von rot über gelb halt gün kommt, beantwortet er mit dem Hinweis, dass "hier" Italia ist. Hat er recht, bleibt wenig zu sagen.
Dann kassiert er 3.500 Lire, damals so zwischen 5 und 6 Märker. Wir reichen uns die Hand. Ein strahlendes Lächeln, "schöne Vakanz" wünscht er mir, ich ihm "buonasera".
Unter dem Beifall der Schönen marschiert er zurück in das Café.

Italia, das Land wo man den Touristen bloß ein bißchen rupft, und ihm anschließend einen schönen Urlaub wünscht.
Leben, und leben lassen.
Italita!

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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15.01.2014, 23:18
Beitrag: #3
RE: Italita
Da kann ich auch eine dazu beitragen:
Der zaphod wanderte mal wieder über die Alpen mit Zelt und Rucksack" ,vom Bodensee zum Lago die Como und dann weiter nach Milano,weil mein Schatzerl damals dort wohnte und ich beim Weinfest zu Moguntiacum großspurig versprochen hatte:Und zu Deinem Geburtstag komm ich zu Fuß über die Alpen" -was man nicht alles so macht,wenn die Liebe hinfällt. Aber ein Mann ein Wort- erst ums schwäbischste aller Meere und dann durch die saubere Schweiz bis Lugano -am Luganer See ging eine Fähre aufs italienische Ufer und dorten sollte ein Wanderweg verlaufen-der verlief auch und zwar sich im Walde bis man selbigen vor Bäumen nicht mehr sah und quer durchs Unterholz für 5 km drei Stunden brauchte. dann lag unten am Seeufer ein Gebäude und wo Häuser sind ,so meine Folgerung sind Menschen und Wege,also nix wie hin-das ganze entpuppte sich aber als die malerische Ruine eines kleinen Hotels aus den zwanziger Jahren ohne Dach und Zufahrtsweg.Ich stehe also vor der Ruine am Seeufer,da schießt ein Boot auf mich zu "Guardia del Finaza" , der Kahn dreht bei und ich richte mich schon auf´s Rucksackauspacken ein. dann die Frage vom Steuermann "Wo willst Du denn hin" Ans östliche Ende des Sees wollte ich "Steig ein" Und dann haben mich die Jungs längs über den ganzen see chauffiert und am strand des lokalen Campingplatzes abgesetzt -Italien das Land ,wo die gefürchtete Finanzpolizei auch mal Wassertaxi für müde Wanderer spielt.
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16.01.2014, 00:04
Beitrag: #4
RE: Italita
die gleiche Tour zwei Tage später- der Zaphod wandert am Lago die Como entlang
brüllende Hitze,der Rucksack drückt,die Füße schmerzen und am Abend komme ich zum schönen Ort Lenno-dort gab es einen kleinen lokalen Campingplatz- die Rezeption und Bar war c 50 Meter vom Eingang weg. Als ich dort angekommen war stellte mir der Betreiber direkt einen Drink hin mit den Worten "Salute,trink erst mal was,Wanderer." Und dann erst begann die Anmeldeprozedur.
Abends versammelte sich das ganze muntere Campingvolk und feierte einen ab mit Vino rosso und handgemachter Musik -und nach und nach gesellte sich das halbe Dorf dazu unter anderem der Bürgermeister und der Ortspolizist.-und alles endete in einer grossen Sause.
Und das besondere Highlight war- dort im Ort befindet sich die Werft von Tullio Abbate
bekannt für schickste italienische Rennboote und weil mich sowas interessiert und der Ortspolizist ein Schwager vom Chef war erhielt ich am nächsten Tag noch eine Exclusivführung durch die Werft inclusive Testbootsfahrt bis Como Big Grin
-rechtzeitig zur Geburtstagsfeier nach Milano bin ich übrigens auch noch gekommen Wink
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17.01.2014, 18:13
Beitrag: #5
RE: Italita
Irgendwann in den 70ern oder 80ern, der Suebe mit Begleitung hat bei Terracina gehaust, und es gelüstete ihn nach dem Vesuv.
Küstenstraße bis kurz vor Napoli, dann ein paar Kilometer Autobahn.
Der Blick von dort, liebes Forum,
Napoli sehen und sterben....
und das ist bei Gott keine Übertreibung.

Jedenfalls es kommt nach ein paar Kilometern eine Autobahnzahlstelle, die kamen damals immer mal auf der Strecke nicht wie heute in der Regel an der Ausfahrt, der Suebe hält an, Preisanzeige war reingeschlagen, der Kassier brutelt etwas, der Suebe hält ihm einen 1.000 Lire Schein hin, dankend wird mit dem Kopf genickt. OK, ab und weiter, der Vesuv rief.
Auf der Rückfahrt fuhr des Sueben Frau (war sie das da schon? weiß gar nicht mehr) und die Pommersche ist nun mal sparsamer wie der Schwabe, hat an der Zahlstelle dem Kassier einen 500 hingehalten, wieder dankendes Kopfnicken.

Im Quartier habe ich dann, man war ja vom ADAC gut ausgestattet mit allem nötigen, nachgeschlagen, was die Strecke im hin und im zurück jeweils gekostet hätte.
200 Lire jeweils.

Italia, das Land wo man lernt Trnkgelder mit Grandezza einzustreichen.

Italita!


OT:
Wer noch nicht dort war, der Blick auf die Bucht von Neapel ist viel schöner wie auf der Postkarte!

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18.01.2014, 12:57
Beitrag: #6
RE: Italita
Du hast das falsch gedeutet,die hatten nur grade kein Wechselgeld da. Beim nächsten Besuch hätten sie Dir den Rest ,abzüglich eines kleinen Disagios und der Depotgebühren sicherlich herausgegeben.Big Grin

Aber in dem Zusammenhang: wir fuhren Anfang der 80er mit 5 Mann in der Ente von der Schweiz aus durch den Tunnel nach Livigno, weil es dorten in der Enklave günstige Spirituosen zu erwerben galt.Am Eingang zum Tal ein italienischer Grenzposten-der uniformierte Mensch dort fragt ob wir was zu verzollen hätten-haben wir nicht.
Nachfrage ob wir Benzin dabei haben-nur den Ersatzkanister.
Eine Stunde später Rückfahrt,der selbe Grenzposten,der selbe Grenzer
Öffnet mal den Kofferraum. Ihr habt ja Benzin dabei-die Ein-und Ausfuhr von Benzin nach Italien ist verboten-das kostet 10.000 Lire Strafe.
Herr Oberforstrat,das ist der selbe Ersatzkanister wie vorhin, - mir zahlet nix.
Daraufhin größeres Tohouwabo -das Ende vom Lied war,daß fünf Rheinhessen und vier süditalienische Zöllner auf der Strasse standen und sich gegenseitig lautstark alles mögliche androhten. Der Hinweis unsererseits, sie könnten gerne ihre Armee zur hilfe holen,mit denen würden wir auch noch fertig wurde aus unerfindlichen Gründen nicht angenommen.
ZQwischenzeitlich war,da dadurch die einzige Zufahrt zum Ort blockiert war die Schlange hinter uns vergleichbar mit Hannibals Heerzug nur ohne Elefanten.Die Mehrzahl Einheimische,die natürlich,da es gegen süditalienische Zollbeamte ging, auf unserer Seite.Irgendwann stand der Herr Bürgermeister auch in dieser Schlange...und dann war die Strasse schnell geräumt und wir ohne zu zahlen durchgewunken-ich gehe also bis eute davon aus,dass es sich hier auch um eine versteckte Trinkgeldforderung gehandelt hat.
merke : Nnicht immer ist Grandezza bei solchen angebracht,die es übertreiben.
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18.01.2014, 20:18
Beitrag: #7
RE: Italita
Die "andere" Seite der Italita hab ich auch mal kennen gelernt:
Vier Mann hoch im VW Polo Bj. 1979 Ende der 80er in Italien beim Campen. Nach zwei Wochen war wieder Heimfahrt angesagt. Irgendwo bei Genua noch mal kurz gestoppt, es war recht heiß, wir wollten noch mal baden. Wir also raus aus dem Auto, rein ins Meer, wieder raus aus dem Meer, rein ins...Nichts. Das Auto war weg! Wir standen da in Badehosen und Handtüchern und sonst buchstäblich gar nix.
Stunden später, nachdem uns ein freundlicher Vorbeikommender an der nächsten Polizeistation abgeliefert hatte, wir per Telefonat beim Konsulat unsere Existenz bewiesen und uns Ersatzpässe organisiert hatten, stellte uns der freundliche Polizist seine Zellen zur Verfügung, damit wir zum Übernachten wenigstens ein Dach über dem Kopf hatten. Am nächsten Tag starteten wir die Heimreise per Bahn (und wiederum per Konsulat organisiertem Geld) und kamen völlig fertig zu Hause an.

Das Auto wurde zwei Monate später gefunden, außer dem Blech war nix mehr da...sogar die Scheiben fehlten.

VG
Christian
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19.01.2014, 13:31
Beitrag: #8
RE: Italita
Ich weiß aus der Hand jetzt nicht mehr, war es 1972 oder 1973 da wurden während der Textilmesse in Mailand 120 in Deutschland zugelassene Autos der Oberklasse geklaut. 80 Stück sollen das BL-Kennzeichen getragen haben.
ein paar BMW, einzelne Porsche ansonsten alles Untertürkheimer Produkte.

Vermutlich das größte Geschäft das der Mercedes-Händler vor Ort jemals machte. Die Dinger hatten damals "offiziell" 3 Jahre Lieferzeit!

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21.01.2014, 20:45
Beitrag: #9
RE: Italita
Geschichten, die einem "jeder" erzählt hat, und die man so oder ähnlich auch selbst mitbekam.

Es war in den beginnenden 80ern, irgendwo in der Toskana, abseits der Touristenzentren. Die Tedescis hatten die "grünen hügel" der Toskana damals noch nicht entdeckt.
Am Abend zuvor war der Vermieter angekommen, der ein Haus weiter wohnte.
Am Morgen traf ich ihn im Hof, ich musste ihm noch irgendetwas bezahlen, er ging mit mir an sein Auto, Porsche 911, Wechselgeld holen. Auto seit dem Abend unverschlossen, Geldbeutel in der Seitentasche....
Ich "Sie sind aber mutig" Er: "Nö, hier klaut keiner!"
Dann hat er mir die entsprechenden Verhaltensregeln gesagt, an die ich mich seither immer gehalten habe:
Städte, Strand:
Parkhaus oder bewachter Parkplatz, dem Wächter, ob autorisiert oder nicht, gleich beim einparken! ein Trinkgeld zustecken. Und man wird keine Probleme haben. So ist es geblieben bis heute.

In Venedig hat mir der Parkwächter bis zum Abend noch gleich die Karre unverlangt picobello gewaschen!
Italita eben.

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21.01.2014, 21:24
Beitrag: #10
RE: Italita
Autobahnumfahrung Milano, ich tanke an einer riesigen Autobahntankstelle.
Der Tankwart putzt mir die Scheiben! Mann war ich gerührt...
Plötzlich ruft er mir, "oh Senor kaputt..." Hat dieser Sakramenter die Wischgummis aus den Federn gedrückt.
Ich: "Drück die Gummis wieder rein!"
Er: "Impossible!"
Ich: "Du, ich bin ein Kollege von dir, und du drückst die Dinger rein!"
Er: "Oh, Kollege." Und hat sie zurückgedrückt.

Frau, Töchter, Sohn sind dann noch zur Toilette.
Ich habe mir solang die Zeit vertrieben, um dem "Kollegen" zuzusehen. An der Seite hatte er einen riesigen Bosch-Wischblätter-Ständer stehen. Dauernd ist er mit einem neuen Satz Wischblätter rumgerannt.
Der hat, bis meine Familie wieder in der Karre sass, bestimmt 5 Satz Wischblätter verkauft.

Italita!

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