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Meuterei in der kaiserlichen Marine
16.11.2016, 19:41
Beitrag: #21
RE: Meuterei in der kaiserlichen Marine
@ Köbis

Köbis, eine Frage an den Flottenspezialisten: Ich hörte gestern, dass der Deutsche Bund nach 1815 eine Flotte aufgebaut hat, die allerding ziemlich in den Anfängen steckengeblieben sei.

Was weißt du darüber? Smile
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16.11.2016, 20:32
Beitrag: #22
RE: Meuterei in der kaiserlichen Marine
(16.11.2016 19:41)Dietrich schrieb:  @ Köbis

Köbis, eine Frage an den Flottenspezialisten: Ich hörte gestern, dass der Deutsche Bund nach 1815 eine Flotte aufgebaut hat, die allerding ziemlich in den Anfängen steckengeblieben sei.

Was weißt du darüber? Smile

Hier gehts dazu weiter:

http://www.forum-geschichte.at/Forum/sho...p?tid=7259
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16.11.2016, 21:11
Beitrag: #23
RE: Meuterei in der kaiserlichen Marine
(16.11.2016 17:55)Köbis17 schrieb:  So, bald haben wir das Jahr des 100. Todestages von Albin Köbis und Max Reichpietsch.

Interessant ist, daß dieses Vermächtnis dieser beiden Ermordeten Matrosen bis heute in der Tradition der Deutsche Marine oder in der Deutschen Geschichte keinen nennenswerten Stellenwert erhalten hat und heute noch halbwegs ignoriert wird.

http://kulturvereinigung.de/index.php?op...&Itemid=33

Liegt es an der Linkslastigkeit, die vor allem mit der Marinetradition der Volksmarine verbunden war?


Eine interessante Frage.
Wobei ich der Meinung bin, dass das mit der Volksmarine noch wenig zu tun hat.
Die "Marineonkels" eigentlich "immer" besonders konservativ waren.

Die Marine hat sich beim Kapp-Putsch der "Neuen Reichsregierung"
mit anderen Worten, den Putschisten "zur Verfügung" gestellt.
Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.

Die Rettung für die Marine oder gar das Reich waren da die Deckoffiziere, die die Offiziere verhaftet haben, und damit vor weiteren Dummheiten bewahrt haben.

das schrieb ich mal woanders hierzu.
Zitat: Flotte und Kapp-Putsch
Am 12./13. März 1920 besetzte die Marinebrigade Erhard in Berlin das Regierungsviertel.
Kapp-Lüttwitz-Putsch.

Die Reichswehr, insbesondere in Süddeutschland (sic! Wehrkreis V Stgt.!) überwiegend auf Seiten der Regierung, sonst zumindest abwartend.

Die Marine dagegen voll hinter Kapp.

Die Deckoffiziere wurden daraufhin auf Seiten der Regierung aktiv, verhafteten sehr viele Pro-Kapp-Offiziere, der Rest wurde von ihnen "entlassen".
Die Marineoffiziere, angefangen bei Trotha, wurden demnach von den Deckoffizieren an schwerwiegenden Dummheiten gehindert.

Im August 1920 Denkschrift der Marineleitung, "kein namhafter Bevölkerungsteil Deutschlands ist derzeit an einem Fortbestand, oder gar Ausbau der Marine interessiert"
Auch Reichspräsident Ebert spricht sich für eine Auflösung der Marine und Übernahme ins Reichsheer aus.

Vielleicht noch am Rand, die agierenden Deckoffiziere waren zu einem erheblichen Teil Mitglieder der Demokratischen Partei. Also tatsächlich ein Putsch der von demokratischen Kräften niedergeschlagen wurde.

Zitat:Die Marine war zdZ eine "Landmarine" hast Du recht.
Eine Torpedobootsflottile/Halbflottile lief noch während der Schießereien aus Kiel nach Swinemünde aus, der einzige Schiffsverband der im Dienst blieb.

In Wilhemshaven war es wohl insbesondere der Oldenburgische Ministerpräsident der hinter den Deckoffizieren stand.

Zitat:Ich kenne dies lediglich aus dem MGFA Band wo die Vorgänge über etliche Seiten beschrieben werden.

In Kiel gab es wohl Marine-Landtruppen die den Putschisten folgten, daher die Kämpfe.


Weitere Infos fehlen mir völlig, nicht zuletzt deshalb habe ich den Thread eröffnet.
Der MGFA-Band nennt dies den "2. Zusammenbruch der Flotte" und führt das sehr späte Indienststellen (meist erst 1923) der meisten verbliebenen Schiffs-Einheiten nicht zuletzt darauf zurück.
Zumindest der Autor stuft die Vorgänge als sehr schwerwiegend ein.

Zitat:Am Dienstagmorgen zogen bewaffnete Matrosengruppen unter dem Kommando ihrer Deckoffiziere durch die Stadt, verhafteten auf der Marinestation, an Bord der Schiffe und in den Kasernen alle Seeoffiziere, entwaffneten sie und sperrten sie in die Tausendmann-Kaserne. Vizeadmiral Michelsen legte sein Amt nieder. Der Führer der Wilhelmshavener Deckoffiziere, Torpedoobermaschinist Arthur Grunewald, wurde - im Auftrag der Oldenburgischen Regierung - zum Chef der Nordseestation ernannt.

Damit war - einen Tag, bevor die Putsch-Regierung in Berlin aufgeben mußte - der Staatsstreich in Wilhelmshaven unblutig abgeschlagen. In keinem Betrieb wurde gestreikt, auf der Nordseestation ging unter der schwarzrotgoldenen Fahne der Republik der Dienstbetrieb ohne Seeoffiziere weiter.

Arthur Grunewald war kein "roter Stationschef", der jetzt die Revolution vom November fortsetzen wollte. Der Berufssoldat, gelernter Kupferschmied und Schlosser, damals schon Ende vierzig, Familienvater, Mitglied der Deutschen Demokratischen Partei, war ein besonnener, liberaler Mann. Er und seine Deckoffizierskameraden ersparten Wilhelmshaven die Blutopfer, die Kiel erleiden mußte.

Zitat:Irgendwo sind wir Deutschen doch selbst schuld.
Hipper, Scheer, Tirpitz kennt jedes Kind.

Wer kennt Arthur Grunewald?
Keiner.
Welche Einheit der Deutschen Marine ist nach ihm benannt?
Keine.

Wann endlich besinnen wir uns tatsächlich auf unsere demokratischen Traditionen?

Zitat:In der DDR haben sie jeden Anführer einer Lehrlings-Frühstücks-Pausen-Revolte zu den sozialistischen Wurzeln gerechnet.

In der ehemaligen BRD haben spätestens am Kasernentor die demokratischen Wurzeln keine Rolle mehr gespielt.
Um das alles etwas überspitz darzustellen.

Aber mal konkret, welche Marine der Welt hat eines ihrer Kriegsschiffe nach Carl Schurz benannt?
Keineswegs die deutsche!
Die US-Amerikanische!
Was zu beweisen war!

Zitat:Repo ist einfach richtig nettRepo ist einfach richtig nettRepo ist einfach richtig nettRepo ist einfach richtig nett

Zitat:
Repo Beitrag anzeigen
Sorry, hatte ich Dich falsch verstanden.

Aber ich will jetzt nicht mal die Schiff-Namensgebung diskutieren, gibt es noch weitere Infos zum '"Marine-Kapp-Putsch"?

Gewundert hat mich, dass mir diese Vorgänge in der Flotte bisher entgangen sind.
Die Verhaftung aller Seeoffiziere in Wilhelmshaven sind ja nicht gerade Kleinigkeiten.

Habe ich nachgeschaut.
Röhr, Deutsche Marinechronik.:
"Aus der Marinebrigade Erhardt wurde das Marinestammbataillon XX, die Brigade Erhardt war auch am Kapp-Putsch beteiligt."
Das war sie in der Tat. Bemerkenswert ist das "auch".
Weiter kein Wort! Nix zu Kiel, Wilhelmshaven, Cuxhaven ...

Deutsche Militärgeschichte, aus dem Militärverlag der DDR:
Seitenlang Kapp-Putsch, dann "in Kiel und Wilhelmshaven wurden Seeoffiziere von revolutionären Mannschaften verhaftet"
das war es dann auch. Noch der Hinweis, dass die Niederschlagung des Kapp-Putsches und die folgenden Kämpfe zu den "revolutionären Traditionen der NVA gehören"

Das MGFA sieht diese Vorgänge jedoch als "2. Zusammenbruch der Flotte" und hebt darauf ab, dass die Indienststellung der verbliebenen Schiffe dadurch erheblich verzögert wurde.
Also ein ganz erheblicher einschneidender Vorgang.

Mein Fazit:
Militärgeschichte wird von Offizieren geschrieben.
Und von Kommunisten.
Die anderen interessiert dies weniger.
Schade eigentlich. Ein paar aufrechte Demokraten tun uns doch auch gut. Und unserem Selbstverständnis.

"Nichts ist befriedigender, als sich an Schwierigkeiten zu erinnern, die man gemeistert hat." (N. Stoffel)
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