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Restauration und Vertreibung 1849-53
27.05.2013, 16:18
Beitrag: #1
Restauration und Vertreibung 1849-53
In der Folge der Deutschen Revolution 1848-49 wurde ein ganz erheblicher Teil des Bildungsbürgertums aus Deutschland vertrieben.
Eine ähnliche Entwicklung wie ab 1933.
Mit schlimmen Folgen.
Die gar nicht schlimm genug angesehen werden können.

Manche der damals Vertriebenen haben sich später mit Spenden und Wohltaten ihrer ehemaligen Heimatort erinnert.
Noch die kinder dieser Vertriebenen sind teilweise in den 20 Jahren nach Deutschland gekommen, haben sich der überaus freiheitlichen Verfassung der 1. Deutschen Republik erfreut, und widerum so mache Spende getätigt.

Diese Personen sind regional im Gedächtnis geblieben, und werden durchaus gewürdigt,
ein paar Kilometer weiter sind sie jedoch fast alle unverdientermaßen völlig unbekannt.

Die will ich hier etwas ans Licht holen.
Bitte helft mir mit, ich bin sicher es sind viele zu finden.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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27.05.2013, 16:44
Beitrag: #2
Frau Friederike Rösler in Balingen
Auf dem Friedhof der Stadt Balingen steht bis heute ein Obelisk zum Gedenken an Frau med. Dr. Friederike Rösler geb Märklin. (Die Schreibweise
"Frau med. Dr. Friederike Rösler" ist exakt wie auf dem Obelisken, es ist ja noch gar nicht so lange her, dass die Frau vom Dr. die Frau Dr. war)

Frau Friederike Rösler geb. Märklin entstammte einer eingesessenen Balinger Familie, ihr Vetter (Cousin) war Georg Herwegh.

Sie heiratete 1842 den Brackenheimer Mediziner und "Armenarzt" Dr. Friedrich Rösler.
Dr. Rösler war mit dem Endinger (heute Balingen-Endingen) Pfarrer und späterem Landtagsabgeordneten Hopf befreundet.

Über Dr. Röslers Rolle während der Revolution konnte ich leider überhaupt nichts finden.
Jedenfalls wurde er im Januar 1851 auf dem Asperg inhaftiert.
Am 25. Juli 1852 (nach bereits 18 Monaten Haft) gelang ihm auf einem Transport? zwischen Hechingen und Steinhofen (damals Preußisch) unter maßgeblicher Hilfe Hopfs die Flucht.
Er ging daraufhin zusammen mit seiner Frau nach New York.
In den Staaten kamen die beiden offensichtlich zu erheblichem Wohlstand.

1870 nach dem Tod ihres Mannes kam Frau Dr. Rösler wieder nach Deutschland und wohnte in Stuttgart in der Kriegsbergstr. 80.
Der Landtagsabgeordnete Hopf (Fluchtgehilfe ihres Mannes) machte sie auf die große Not, speziell der Jugend in ihrer Geburtsstadt Balingen aufmerksam.
Sie verfügte daraufhin in ihrem Testament vom 9. Feb. 1878 die Errichtung einer Stiftung, ausgestattet mit dem Betrag von 140.000 Mark,
nach heutigem Wert ein Millionenvermögen, zugunsten der Balinger Kinder.

Mit diesem Geld wurde unter anderem eine Frauenarbeitsschule errichtet, die letztendlich in einem E-Gymnasium aufgegangen ist.

Das Stiftungsvermögen, mehrfach Inflationsgeschädigt, von zdZ noch 14,300 DM wurde 1981 der Kirchenpflege zum Zwecke der Jugendförderung übergeben.
Die Stiftung aufgehoben.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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31.05.2013, 21:00
Beitrag: #3
RE: Restauration und Vertreibung 1849-53
Da kann ich doch einen Mainzer dazu beisteuern:

Franz Heinrich Zitz (* 18. November 1803 in Mainz; † 30. April 1877 in München)
Der Sohn eines Mainzer Weinhändlers studierte Rechtswissenschaft in Gießen wo er Mitglied des Corps Rhenania wurde und promovierte.Danach war er als Rechtsanwalt in Alzey tätig, wo er der Freimaurerloge Carl zum neuen Lichte beitrat und wurde zum Redner der Loge gewählt wurde . Dann verlegte er seine Anwaltstätigkeit nach Mainz,wo er 1837 die Schriftstellerin Kathinka Zitz-Halein heiratete. In Mainz engagierte er sich im Karnevalsverein und war 1843–1844 Präsident des Mainzer Carneval-Vereins. Zusammen mit Ludwig Kalisch ,dem Herausgeber der Mainzer "Narhalla" trug er zu einer weitgehenden Politisierung der Mainzer Fassenacht bei.
1848 setzte Zitz sich bei der Großherzoglich Hessischen Regierung in Darmstadt erfolgreich für die Forderungen der Märzrevolution ein. Während einer großen Volksversammlung am 8. März 1848 hielt Zitz eine Ansprache zu den Märzforderungen vom Balkon des Theaters aus, die mit einem Hoch auf „Freiheit, Ordnung und Gesetzlichkeit“ endete. Er war der Führer der Mainzer Demokraten und Oberst der Bürgergarde. Auf der ersten Sitzung des Bezirksrates von Rheinhessen am 29. November 1848 wurde er zu dessen Präsidenten gewählt
In der 11. Wahlperiode (1847-1849) war er Abgeordneter der zweiten Kammer der Landstände des Großherzogtums Hessen. In den Landständen vertrat er den Wahlbezirk der Stadt Mainz.
Er wurde zum Mitglied der Nationalversammlung in der Paulskirche gewählt und gehörte dort dem radikalen linken Flügel , der Fraktion Donnersberg,.an. Am 1. März 1849 trat er aus der Nationalversammlung aus, da ihm diese zu gemäßigt war.

Er beteiligte sich 1849 gemeinsam mit Ludwig Bamberger an der Reichsverfassungskampagne in Baden und der Pfalz an der Spitze des rheinhessischen Freikorps und im Kriegsrat der provisorischen pfälzischen Regierung. Seit Juni 1849 steckbrieflich verfolgt und 1851 in einem Strafverfahren vor dem Assisengericht in Mainz, in Abwesenheit zum Tode verurteilt emigrierte er zunächst in die Schweiz und dann in die USA, wo er als Farmer und Rechtsanwalt arbeitete und 1855 - 1868 Teilhaber des hochangesehenen Anwaltbüros "Zitz, Kapp und Fröbel" in New York war.
1868 konnte er nach einer Amnestie wieder nach Deutschland zurückkehren und ließ sich in München nieder wo er 1877 starb.
.
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01.06.2013, 11:11
Beitrag: #4
RE: Restauration und Vertreibung 1849-53
(27.05.2013 16:18)Suebe schrieb:  In der Folge der Deutschen Revolution 1848-49 wurde ein ganz erheblicher Teil des Bildungsbürgertums aus Deutschland vertrieben.

Von denen wanderten sehr viele in die USA aus, das waren dann die "forty-Eighters" (http://de.wikipedia.org/wiki/Forty-Eighters), die in der US-Geschichte teilweise nicht unwesentlich mitmischten. Viele kamen aber auch irgendwann wieder nach Deutschland zurück.
Da damals auch der große Goldrausch in Kalifornien begann, wurden viele der "48ers" gleich auch zu "49ers" und suchten in Kalifornien ihr Glück - zusammen mit vielen Iren, in deren Heimat 1849 auch die "Great Famine" endete, die viele Iren zur Auswanderung nach Amerika gezwungen hatte...

VG
Christian
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01.06.2013, 11:38
Beitrag: #5
RE: Restauration und Vertreibung 1849-53
(01.06.2013 11:11)913Chris schrieb:  
(27.05.2013 16:18)Suebe schrieb:  In der Folge der Deutschen Revolution 1848-49 wurde ein ganz erheblicher Teil des Bildungsbürgertums aus Deutschland vertrieben.

Von denen wanderten sehr viele in die USA aus, das waren dann die "forty-Eighters" (http://de.wikipedia.org/wiki/Forty-Eighters), die in der US-Geschichte teilweise nicht unwesentlich mitmischten. Viele kamen aber auch irgendwann wieder nach Deutschland zurück.

Genau die meine ich, insbesondere die, die ihren "Old little Heimatort" mit irgendwelchen Wohltaten bedachten.
Es gibt, lokalgeschichtlich betrachtet, sehr viele solche.

Die oftmals, siehe Dr. Rösler in Brackenheim, überregional zumindest vergessen sind.
Die es verdienen etwas aus dem Vergessen hervorgeholt zu werden.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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01.06.2013, 23:11
Beitrag: #6
RE: Restauration und Vertreibung 1849-53
Zitat:Viele kamen aber auch irgendwann wieder nach Deutschland zurück.

Nun so viele Rückkehrer waren es nun auch wieder nicht,denn das war teilweise recht problematisch.Man darf nicht vergessen,daß viele zum Tode oder zu langen Haftstrafen verurteilt worden waren.
Erst mit dem Vertrag von Paris vom 16.07.1857 in dessen Artikel 5 es heißt:
Zitat:Für alle politischen und militärischen Verbrechen und Vergehen, welche zu den letzten Ereignissen in Beziehung stehen, wird volle und gänzliche Amnestie erteilt und zwar zugunsten aller Neuenburger, Schweizer oder Fremden, und namentlich auch zugunsten der Milizen, welche sich durch Entfernung ins Ausland der Waffenpflicht entzogen haben.
Eine kriminelle oder korrektionelle Klage, eine Klage auf Schadenersatz kann weder durch den Kanton Neuenburg noch durch irgendeine Korporation oder Person gegen diejenigen angehoben werden, welche unmittelbar oder mittelbar an den September-Ereignissen teilgenommen haben.
Die Amnestie soll sich gleichfalls auf alle politischen und Pressvergehen erstrecken,welche vor den September-Ereignissen stattgefunden haben.
hatten die Emigranten die Möglichkeit ,zurückzukehren, wobei die jedoch nur dann de Fall war,wenn ein entsprechender Antrag positiv beschieden wurde.Viele blieben daher in den USA und mischten höchst erfolgreich im Bürgerkrieg mit,wie die sogenannte "zweite badische Revolution" 1861 in Camp Jackson/Missouri zeigte.
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02.06.2013, 01:33
Beitrag: #7
RE: Restauration und Vertreibung 1849-53
Einige 48er etablierten sich als Militärs auf Seiten der Nordstaaten. Neben http://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Schurz wäre da noch http://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Sigel zu nennen. Weil seine deutschstämmigen Regimenter sich mal blamierten (Tross plündern anstatt zu kämpfen und dann beim Gegenangriff der Dixies Marathon laufen) wurde zeitweise eine antideutsche Kampagne in der Nordstaatenpresse gefahren. Wie dem auch sei, im Bürgerkrieg der USA starben vermutlich mehr geborene Deutsche als 1870/71 gegen Frankreich. Viele Einwanderer bekamen gleich bei Ankunft Uniform und Gewehr verpasst und dann ab an die Front...

„Der Horizont der meisten Menschen ist ein Kreis mit dem Radius 0. Und das nennen sie ihren Standpunkt.“ (Albert Einstein)
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02.06.2013, 13:04
Beitrag: #8
RE: Restauration und Vertreibung 1849-53
(02.06.2013 01:33)Arkona schrieb:  Einige 48er etablierten sich als Militärs auf Seiten der Nordstaaten. Neben http://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Schurz wäre da noch http://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Sigel zu nennen. Weil seine deutschstämmigen Regimenter sich mal blamierten (Tross plündern anstatt zu kämpfen und dann beim Gegenangriff der Dixies Marathon laufen) wurde zeitweise eine antideutsche Kampagne in der Nordstaatenpresse gefahren. Wie dem auch sei, im Bürgerkrieg der USA starben vermutlich mehr geborene Deutsche als 1870/71 gegen Frankreich. Viele Einwanderer bekamen gleich bei Ankunft Uniform und Gewehr verpasst und dann ab an die Front...

Es gibt ein paar Prominente die im Gedächtnis geblieben sind, Schurz, Hecker usw.
die Masse ist, zumindest für die Forschung, im Nichts verschwunden.

Beispiel der Dr. Rösler, in Brackenheim kennt den heute keiner mehr.
Dieses
http://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschich...olution.de
aktuelle Standartwerk weiß überhaupt keinen in der 48er Revolution Aktiven für Brackenheim.
Lediglich über das Legat seiner Frau für ihre Geburtsstadt Balingen ist er überhaupt noch existent.

Ähnlich gelagerte Fälle vermute ich aber häufig.
Auf Umwegen zu entdecken.

Weiter war der Postverkehr im 19. Jahrhundert ein ganz immenser. Ich behaupte mal, dass die Kenntnis über die Verhältnisse in den USA in den Jahren 1850-1930 in Deutschland auf breiter Basis wesentlich besser waren als heute.
Ich vermute, dass hier noch manches in Schatullen und Schreibsekretären schlummert. Und so mancher der "verschwunden" ist Anno 49-50 durchaus noch Spuren hinterlassen hat.

Vielleicht regt das den einen oder anderen zu etwas an.

OT: Es ist natürlich eine Ochsentour,
nicht vergleichbar wenn man auf der Basis eines Strategiespieles den 2.Weltkrieg diskutiert.
Extrem zeitaufwenig, aber ich denke auch überaus lohnend.

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04.06.2013, 00:28
Beitrag: #9
RE: Restauration und Vertreibung 1849-53
Zitat:Einige 48er etablierten sich als Militärs auf Seiten der Nordstaaten.
Nicht einige ,Arkona sondern die weit überwiegende Mehrheit kämpfte auf Seiten der Union und die Tatsache,daß ein Schlüsselstaat wie Missouri entgegen den Bemühungen seines Gouverneurs und der ihm unterstehenden Staatsmiliz in der Union verblieb ist ausschließlich dem Einsatz der 48er zu verdanken.
http://www.nausa.uni-oldenburg.de/1848/48s2.htm
Zitat:Und so mancher der "verschwunden" ist Anno 49-50 durchaus noch Spuren hinterlassen hat.
Suebe,so o einen hab ich letztes Jahr in der eigenen Familiengeschichte entdeckt.
Ein Bruder meines Ururgroßvaters ,der im Familienstammbaum seit 1849,wo er in Rastatt dabei war , als verschollen galt hat es wohl 1850 über die Schweiz und La Rochelle nach Amerika,genauer gesagt nach Ohio geschafft und dort einen amerikanischen Zweig der Familie begründet, der heute noch in Ohio und Oregon existiert. Er fiel 1863 in der Schlacht am Lookout Mountain, an der er als Angehöriger der Division Osterhaus (dem ehemaligen Obersten der Bürgerwehr Mannheim ) teilnahm.
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04.06.2013, 08:26
Beitrag: #10
RE: Restauration und Vertreibung 1849-53
(04.06.2013 00:28)zaphodB. schrieb:  
Zitat:Und so mancher der "verschwunden" ist Anno 49-50 durchaus noch Spuren hinterlassen hat.
Suebe,so o einen hab ich letztes Jahr in der eigenen Familiengeschichte entdeckt.
Ein Bruder meines Ururgroßvaters ,der im Familienstammbaum seit 1849,wo er in Rastatt dabei war , als verschollen galt hat es wohl 1850 über die Schweiz und La Rochelle nach Amerika,genauer gesagt nach Ohio geschafft und dort einen amerikanischen Zweig der Familie begründet, der heute noch in Ohio und Oregon existiert. Er fiel 1863 in der Schlacht am Lookout Mountain, an der er als Angehöriger der Division Osterhaus (dem ehemaligen Obersten der Bürgerwehr Mannheim ) teilnahm.

Klasse zaphod,
dass du meine Unterstellung gleich eindrucksvoll bestätigst.

Wie hast du den gefunden?
Mormonen, USA, oder Briefschatulle der Urgroßmutter?

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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05.06.2013, 00:53
Beitrag: #11
RE: Restauration und Vertreibung 1849-53
Nee,ganz einfach durch googeln im Internet Big Grin
Ich bearbeite unseren Familien-Stammbaum (ein Werk mehrererGenerationen!) und dort taucht "Ludwig S. " auf ,dessen weiterer Verbleib unbekannt war .Im Internet fand ich ein lokales rootsweb aus Oregon in dem jemand nach dem Urahn seiner Oma forschte ,einem Ludwig S. aus einem Ort "Honso" bei Darmstadt. Diesen Ort gibt es nicht und hat es nie gegeben, aber Darmstadt war 1848 die Residenz in der Nähe meines Heimatortes. Dieser Ludwig S war Anfang 1850 nach Ohio eingewandert und hatte das gleiche Geburtsdatum wie mein Ludwig S .Und da unser Familienname selten ist und eigentlich nur in meinem Heimatort vorkommt ,war schon ungefähr klar,dass es sich um die gleiche Person handeln musste.
Dann hab ich die Amis angemailt und den Rest der Geschichte bekommen und denen war plötzlich klar,daß ihr Stammbaum nicht erst 1850 in Ohio beginnt sondern (vorläufig) irgendwann im 15.jahrhundert in Gernsbach im Murgtal,kurz bevor dieser Genuese in Amerika gestrandet ist.
Großes Familierevival mit mehreren Familenzweigen, darunter 3 verschiedenen aus den USA ist übrigens für nächstes Jahr geplant
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29.07.2013, 20:20
Beitrag: #12
RE: Restauration und Vertreibung 1849-53
Da ist mir wieder einer untergekommen:

Johann Jakob Huzel, geb. am 5. Mai 1822 in Balingen, Lehramtskandidat.
Huzel entstammte einer üblichen schwäbischen Familie. Handwerker, Ärzte, und im 19. Jahrhunderten einige Lehrer, zählen zu seinen Vorfahren und Verwandten.
Huzel hatte als Lehramtskandidat etliche Vertretungsstellen so in Streichen (heute Balingen-Streichen) und auch in Balingen. 1844 ließ er sich nach von weiteren Unterrichtstätigkeiten befreien um in Frankfurt an das Stellwagsche Lehrinstitut zu besuchen, die Befreiung ließ er 1846 verlängern.
Im August 1848 ging er dann zu weiteren Studien in die Schweiz. Wo er allerdings, wenn überhaupt nur sehr kurz gewesen sein kann.

Denn am 25. September 1848 erschien er Abends auf dem Exerzierplatz der Bürgerwehr in Balingen!
Er hielt eine Rede in der er die Bürgerwehr zum "Volksmarsch" aufforderte nach Cannstatt auf den Wasen zum Volksfest wo die Abschaffung der Monarchie und die Republik ausgerufen werden sollte.
Huzel handelte im Auftrag von Gottlieb Rau, ebenfalls ein gebürtiger Balinger, der Tags zuvor in Rottweil zum Marsch nach Stuttgart aufgerufen hatte.
http://de.wikipedia.org/wiki/Gottlieb_Rau

Huzel hatte am selben Tag in Horb für den Marsch nach Cannstatt geworben.
Die Rottweiler Bürgerwehr war inzwischen bis Balingen marschiert, am 26. September kam dann auch Rau nach Balingen und sprach vor einer größeren Menschenmenge.
Die Nachrichten aus dem Unterland, von allgemeiner Ruhe und energischen Gegenmaßnahmen veranlassten die Balinger gleich gar nicht abzumarschieren, die Rottweiler zogen wieder nach Hause, Huzel verschwand am Morgen des 27. September 1848 aus Balingen und wurde nicht mehr gesehen.
Der "Zwetschgenfeldzug" so nannte man den Rau´schen Aufstandsversuch, soll hier allerdings nicht Thema sein.

Rau stellte sich den Behören und wurde eingesperrt, Huzel blieb verschwunden.

Von Januar bis März 1851 verhandelte das Rottweiler Schwurgericht die Ereignisse. Gegen Huzel in Abwesenheit.
Am 31.3. 1851 erging das Urteil, Huzel 7 Jahre, Rau 12 Jahre, wobei Rau nach 2 Jahren zur Auswanderung begnadigt wurde.

Huzel blieb verschwunden, allerdings muss seine Familie noch Kontakt gehalten haben.
Denn im Familienregister der Balinger Kirchenbücher gibt es folgenden Eintrag:
Johann Jacob Huzel, Lehramtskandidat, geb. hier am 5. Mai 1822, gestorben am 15. März 1854 in Puntareras/Costa Rica.

Näheres über Huzels Schicksal nach dem 27. September 1848 blieb unbekannt,
bis in das Jahr 2004.

Dazu demnächst mehr.

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30.07.2013, 21:46
Beitrag: #13
RE: Restauration und Vertreibung 1849-53
Johann Jakob Huzel, Teil 2

Huzel war ab dem 27. September 1848 verschwunden. Und Huzel wäre wohl für immer verschwunden geblieben, obwohl, er muss noch Kontakte nach Balingen gehab haben. Siehe den Eintrag im Familienregister.

Im Jahr 2004 hat das Städtische Archiv Heilbronn für eine deutsch/amerikanische Ausstellung Nachforschungen angestellt über:

Adolf Cluß, Eisenbahntechniker, Architekt und Bauunternehmer.
Geboren in Heilbronn am 14.7.1825, verstorben, hochgeehrt, in Washington am 24.7.1905. *
"Hochgeehrt" verstehe ich jetzt mal als "gut betucht".

Dieser Adolf Cluss war 1848 in Mainz Gründungsmitglied des dortigen Bildungsvereins, (über seine dortigen Aktionen kann uns vielleicht zaphod was schreiben)
und insbesondere (für uns hier) stand er seit 1847 mit Karl Marx und der kommunistischen Partei in ständigem Kontakt.
Er galt 1848 als Vertreter der Arbeiterbewegung in Südwestdeutschland.
Ist aber schon 1848 in die USA ausgewandert.
Später soll sich Cluss dann von Marx distanziert haben. (gut betucht..)

Der Briefwechsel zwischen Marx und Cluss ist in der "Marx-Engels-Gesamtausgabe" 1987 Berlin/DDR abgedruckt.
Mit mehrfacher Nennung ab 1852 des Jakob Huzel!

später mehr.




* Revolution im Südwesten ISBN 3.88190-219-8

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