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Österreich siegt in Königgrätz
23.05.2013, 16:39
Beitrag: #21
RE: Österreich siegt in Königsgrätz
Zitat Marco:
Zitat:Mit der Kaiserproklamation in Versailles hat auch die Geschichte des "alten Preußen" aufgehört.


Das deutsche Kaiserreich war übrigens tatsächlich ein Bundesstaat. Mit viel größeren Rechten der einzelnen Bundesstaaten wie heute.
Es gab keineswegs nur die paar Resevatrechte Bayerns und Württembergs.
Keine Reichssteuern,
nicht mal eine deutsche Staatsbürgerschaft.
Die kam erst bei Adolfen in den mittleren Dreißigern.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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25.05.2013, 23:27
Beitrag: #22
RE: Österreich siegt in Königsgrätz
(23.05.2013 16:39)Suebe schrieb:  Zitat Marco:
Zitat:Mit der Kaiserproklamation in Versailles hat auch die Geschichte des "alten Preußen" aufgehört.


Das deutsche Kaiserreich war übrigens tatsächlich ein Bundesstaat. Mit viel größeren Rechten der einzelnen Bundesstaaten wie heute.

Das kann man alles so und so sehen, wie auch Deine vorherigen Antworten.

Zunächst: Es ist richtig, dass die Verfassung des Kaiserreichs die föderalisitischste in Deutschland war: Da gab es noch Bundesstaaten und trotz Reichstag einen Bundesrat. Später dann erst Länder und Reichsrat. Allerdings war nun einmal das große Problem das Übergewicht Preußens. Ein Bundesstaat verlangt nach einem gewissen Gleichgewicht. Wenn der Ministerpräsident des größten Staates zugleich Kanzler ist stimmt etwas nicht. Man stellte bis 1933 ja sogar den Gleichlauf von preuß. Landtag und dtsch. Reichstag in Frage, m.E. zu recht. Die Hegemonie von Preußen innerhalb des Reiches (von 1871-bis 1933) war sicherlich ein großes verfassungsrechtliches Problem. Ich habe in diesem Zusammenhang auch schon auf die Rolle Englands im United Kingdom verwiesen. England kommt da ja gar nicht vor, wohl aber die schottischen und walisischen Lokalparlamente und -regierungen. Das wäre für 1871 bis 1933 auch ein Modell für das Reich gewesen...

Naoleon III. hat sich nach dem Prager Friede aber auch nicht sonderlich klug verhalten:

1.) Richtig, dass er dem preußischen Machtzuwachs begegnen musste, aber warum erst 1870 im Zusammenhang mit einer anachronistisch anmutenden dynastischen Fragestellung, für die er außerhalb seines eigenen Landes keine Verbündeten besaß?

2.) Warum hat er nicht schon in Nikolsburg auf den "großen Tausch" bestanden: Preußische Hegemonie in Deutschland und dafür Luxemburg und Begien (entlang der enthnographischen Sprachlinie) für Frankreich? 1866 war England noch ganz vom amerikanischen Bürgerkrieg in Beschlag genommen und nahm Änderungen in Europa noch mit Gelassenheit hin. Es ist tatsächlich dem Zögern Napoleons III. zu verdanken, dass sich nach dem Prager Friede eine derartige Kriegsgefahr aufgebaut hat.

3.) Man könnte jetzt ja sagen, dass die Erfahrungen von 1870 ja gerade den süddeutschen Staaten ein Gefühl der Sicherheit hätte geben können.
Dagegen hat die Annektion von Elsaß-Lothringen (als miliärischer Manövrerierraum) bekanntlich dem Bismarck-Reich ein System kollektiver Sicherheit in Europa von Anfang an verbaut. Für den späteren großen Krieg von 1914/18 waren die Vogesen nicht entscheidend; dass der Westen Deutschlands im Ersten Weltkrieg nicht Kriegsschauplatz wurde hing mit der gleichen Strategie zusammenen, die bereits 1870 gewählt (und 1914, sowie 1940 kopiert wurde) wurde, nämlich Frankreich über den "Losheimer Graben" anzugreifen!
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26.05.2013, 12:49
Beitrag: #23
RE: Österreich siegt in Königsgrätz
(25.05.2013 23:27)Marco schrieb:  3.) Man könnte jetzt ja sagen, dass die Erfahrungen von 1870 ja gerade den süddeutschen Staaten ein Gefühl der Sicherheit hätte geben können.
Dagegen hat die Annektion von Elsaß-Lothringen (als miliärischer Manövrerierraum) bekanntlich dem Bismarck-Reich ein System kollektiver Sicherheit in Europa von Anfang an verbaut. Für den späteren großen Krieg von 1914/18 waren die Vogesen nicht entscheidend; dass der Westen Deutschlands im Ersten Weltkrieg nicht Kriegsschauplatz wurde hing mit der gleichen Strategie zusammenen, die bereits 1870 gewählt (und 1914, sowie 1940 kopiert wurde) wurde, nämlich Frankreich über den "Losheimer Graben" anzugreifen!

Wieso,
das sehe ich jetzt so nicht.
Während des ganzen 1. WK hat im Westen jede Granate die auf deutschem Staats-Gebiet eingeschlagen ist, Elsass-Lothringen getroffen.
Was wäre wohl los gewesen, wenn die Deutschen 1914 Freiburg geräumt hätten, und auf die Höhen des Schwarzwaldes zurückgegangen wären?

Was man im Elsass kaltlächelnd machte. Mühlhausen war wochenlang umkämpft.
Das Thurtal war ab August 14 französisch besetzt, bis zum letzten Kriegstag.
Das selbe im Simonswälder Tal?????

In den ersten Augusttagen 1914 wurde die 1. franz. Kanone des 1.WK bei Sennheim (heute Cernay) erobert. Vom 8. württ. Infanterie-Regiment No. 126. (von wem auch sonstBig Grin) Für die 126er war das aber "Frühsport", die warteten zdZ auf den Abtransport in die Bereitstellungsräume nach Norden.
Szenario: Die Franzosen stehen bei Krozingen im Angriff Richtung Schallstadt, und die Freiburger Garnison wird nach Mannheim in Marsch gesetzt..............

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28.05.2013, 15:18
Beitrag: #24
RE: Österreich siegt in Königsgrätz
(26.05.2013 12:49)Suebe schrieb:  Wieso,
das sehe ich jetzt so nicht.
Während des ganzen 1. WK hat im Westen jede Granate die auf deutschem Staats-Gebiet eingeschlagen ist, Elsass-Lothringen getroffen.
Was wäre wohl los gewesen, wenn die Deutschen 1914 Freiburg geräumt hätten, und auf die Höhen des Schwarzwaldes zurückgegangen wären?

Eine Konjektur über militärische Kausalverläufe ist natürlich schwierig. Das der Zweite Weltkrieg zB infolge der Luftangriffe recht früh auf das Reich getroffen ist konnte für Propagandazwecke ja gut eingesetzt werden.

Ob die Franzosen so schnell den Rhein überquert hätten weiß man auch nicht. Was man aber weiß ist, dass am Ende die deutsche Strategie 1914 mit Elsaß-Lothringen im Rücken nicht aufgegangen, 1870 und 1940 ohne das Gebiet dagegen schon. Wie gesagt, auf militärischem Gebiet sind Kausalverläufe schwer unter anderen Bedingungen nachzuzeichnen, vielleicht hätte der alte Schliefen ja ganz anders geplant um das Reich gegen Westen abzusichern und vielleicht wäre dass günstiger gewesen...
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28.05.2013, 15:43
Beitrag: #25
RE: Österreich siegt in Königsgrätz
(28.05.2013 15:18)Marco schrieb:  
(26.05.2013 12:49)Suebe schrieb:  Wieso,
das sehe ich jetzt so nicht.
Während des ganzen 1. WK hat im Westen jede Granate die auf deutschem Staats-Gebiet eingeschlagen ist, Elsass-Lothringen getroffen.
Was wäre wohl los gewesen, wenn die Deutschen 1914 Freiburg geräumt hätten, und auf die Höhen des Schwarzwaldes zurückgegangen wären?

Eine Konjektur über militärische Kausalverläufe ist natürlich schwierig. Das der Zweite Weltkrieg zB infolge der Luftangriffe recht früh auf das Reich getroffen ist konnte für Propagandazwecke ja gut eingesetzt werden.

Ob die Franzosen so schnell den Rhein überquert hätten weiß man auch nicht. Was man aber weiß ist, dass am Ende die deutsche Strategie 1914 mit Elsaß-Lothringen im Rücken nicht aufgegangen, 1870 und 1940 ohne das Gebiet dagegen schon. Wie gesagt, auf militärischem Gebiet sind Kausalverläufe schwer unter anderen Bedingungen nachzuzeichnen, vielleicht hätte der alte Schliefen ja ganz anders geplant um das Reich gegen Westen abzusichern und vielleicht wäre dass günstiger gewesen...

Den Süddeutschen ging es um die Defensive!, ein Angriffskrieg war dem Denken dieser Politiker überaus fremd.

Auch 1944/45 waren die Vogesen ein erhebliches Hindernis für die Alliierten.
Auch da hat die militärisch/politische Führung auf die Bevölkerung Südwestdeutschlands Druck ausgeübt, Heimatverteidigung.
Volksschulklassen wurden kpl. über den Rhein verfrachtet zum Schanzen usw. usf.

Aber, seis wie es will.
Die Militärs und die Süddeutschen wollten das Vorfeld gegen Frankreich, Bismarck hätte darauf lässig verzichtet.


Aus dem Frühjahr 1870 gibt es einen Spruch Gambettas:
"Wenn uns dieser Kaiser (Napoleon) die Rheingrenze verschafft, verzeihe ich ihm alles".
Solche Sprüche hat man überaus aufmerksam gelesen in Süddeutschland.

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29.05.2013, 15:43
Beitrag: #26
RE: Österreich siegt in Königsgrätz
(28.05.2013 15:43)Suebe schrieb:  Die Militärs und die Süddeutschen wollten das Vorfeld gegen Frankreich, Bismarck hätte darauf lässig verzichtet.


Aus dem Frühjahr 1870 gibt es einen Spruch Gambettas:
"Wenn uns dieser Kaiser (Napoleon) die Rheingrenze verschafft, verzeihe ich ihm alles".
Solche Sprüche hat man überaus aufmerksam gelesen in Süddeutschland.

Das ist ein beliebter Standpunkt den ich hier auch schon vertreten habe.

Tatsächlich wurde in ganz Deutschland (auch in Preußen) ab Herbst 1870 durch Petitionen der Wunsch nach der Annektion Elsaß-Lothringens geäußert. Es gibt aber kaum Quellen die belegen, dass Bismarck gebremst habe. In der Folgezeit, spätestens ab den 1880er Jahren hat er wohl gemerkt welches politisch-diplomatische Problem damit verbunden war.

Wir verlassen jetzt zwar die Ausgangsfragestellung, aber was waren denn die französischen Kriegsziele 1870? Die Verschiebung der frz. Nord-Ostgrenze zum Rhein? Das erinnert an Frankreichs große und gefährliche Zeit unter Napoleon I. und hätte womöglich England an die Seite Preußens gedrängt. Das Ziel Frankreichs konnte realistisch betrachtet nur die Verhinderung der deutschen Einigung und die Zurückdrängung des preuß. Einfluss nördlich der Mainlinie sein. Vielleicht durch Schaffung eines Gegengewichts, etwa ein neuer Rheinbund.
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29.05.2013, 15:55
Beitrag: #27
RE: Österreich siegt in Königsgrätz
(29.05.2013 15:43)Marco schrieb:  ./.

Wir verlassen jetzt zwar die Ausgangsfragestellung, aber was waren denn die französischen Kriegsziele 1870? Die Verschiebung der frz. Nord-Ostgrenze zum Rhein? Das erinnert an Frankreichs große und gefährliche Zeit unter Napoleon I. und hätte womöglich England an die Seite Preußens gedrängt. Das Ziel Frankreichs konnte realistisch betrachtet nur die Verhinderung der deutschen Einigung und die Zurückdrängung des preuß. Einfluss nördlich der Mainlinie sein. Vielleicht durch Schaffung eines Gegengewichts, etwa ein neuer Rheinbund.

Ich glaube jetzt zu wissen,Cool dass es die Rheingrenze war.
Aber ich schau mal, ob ich belastbares dazu finde.

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29.05.2013, 16:30
Beitrag: #28
RE: Österreich siegt in Königsgrätz
(29.05.2013 15:43)Marco schrieb:  aber was waren denn die französischen Kriegsziele 1870?

Na, ich denke in erster Linie wohl die Verhinderung eines preußischen Königs auf dem spanischen Thron, oder?
Territoriale Kriegsziele waren laut Tante Wiki das Saarland, Rheinhessen mit Mainz und die Pfalz, also wohl die Rheinlinie...

VG
Christian
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29.05.2013, 21:47
Beitrag: #29
RE: Österreich siegt in Königsgrätz
(29.05.2013 16:30)913Chris schrieb:  
(29.05.2013 15:43)Marco schrieb:  aber was waren denn die französischen Kriegsziele 1870?

Na, ich denke in erster Linie wohl die Verhinderung eines preußischen Königs auf dem spanischen Thron, oder?

Das war zdZ 1. längst erledigt, 2. war der Sigmaringer Hohenzollern mit Napoleon wesentlich enger verwandt als mit den Berlinern. Und darüberhinaus eng befreundet.

Lediglich Futter für den "Pöpel".

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29.05.2013, 21:53
Beitrag: #30
RE: Österreich siegt in Königsgrätz
Die Rheinlinie ist ein uralter französischer Traum, der wohl noch aus der Römerzeit herrührt. Konsequent aggressiv wurde das seit Ludwig XiV. verfolgt und 2x fast verwirklicht - von Napoleon und dann in Versailles. Preussenfresser Adenauer wäre vermutlich lieber Präfekt von französisch Cologne geworden als später deutscher Kanzler.

„Der Horizont der meisten Menschen ist ein Kreis mit dem Radius 0. Und das nennen sie ihren Standpunkt.“ (Albert Einstein)
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31.05.2013, 14:32
Beitrag: #31
RE: Österreich siegt in Königsgrätz
(29.05.2013 21:53)Arkona schrieb:  ./.
Preussenfresser Adenauer wäre vermutlich lieber Präfekt von französisch Cologne geworden als später deutscher Kanzler.

Das stimmt nicht.
Wahlkampfparolen der 50er.

aber ein ganz anderes Thema.

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31.05.2013, 14:54
Beitrag: #32
RE: Österreich siegt in Königsgrätz
Es ist etwas überaus eigenartiges mit dem 70er Krieg.

So einen richtigen Grund für den Krieg gab es eigentlich gar nicht. Zumindest keiner der uns im 21. Jahrhundert Lebende irgendwie logisch erscheinen würde.
Die vom preußischen Sieg in Königgrätz beleidigte franz. Nation. Die nach Kompensation schrie.
Das franz. Staatsoberhaupt sah dies anscheinend nicht mal als soooo wichtig. Zumindest äußerte er sich nie konkret was er sich als Kompensation vorstellen würde.

Die spanische Kandidatur, von Bismarck hinterlistig gefördert, aber letztendlich doch auch ein reines Medienspektakel. Der Leopold von Hzl-Sig wollte eigentlich so unbedingt auch gar nicht. Der Berliner Wilhelm hat auch nur zögerlich seine Einwilligung gegeben, um sie um so schneller wieder zurückzuziehen.
Und der Savoyer-Spross, der den Job dann übernahm,
Da hat kein Schwanz von der spanisch-italienischen Umklammerung brambassiert.
hat den Bettel recht schnell wieder hingeschmissen.

Die Emser Depesche, ich habe sie mal im Original gesehen,
versteht das einer heute?

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31.05.2013, 20:19
Beitrag: #33
RE: Österreich siegt in Königgrätz
Es ist hier zweifellos OT, aber es gehört andererseits doch rein.

Nach dem Frankfurter Frieden standen in Frankreich die Zeichen auf Rückkehr des Königs.
Im Mai 1870 noch, hatten die Franzosen die konstitutionelle Monarchie des 3. Napoleon auch überzeugend bestätigt.
Die Franzosen zdZ waren mehrheitlich Monarchisten, keine Republikaner!
Die Präsidenten Thiers und nach ihm MacMahon sahen sich lediglich als Platzhalter für den König.

Gescheitert ist es letztlich, da zuerst die beiden Häuser Bourbon und Orleans sich absolut nicht einigen konten, wer und wer nicht.

Dann, als man sich auf den Grafen von Chambord geeinigt hatte, ist die Sache endgültig gescheitert, da sich dieser weigerte unter der Trikolore zu regieren.
Es musste das Lilienbanner sein, oder gar nichts.
"schöner, quichotischer Stolz seines Großvaters Karl X."
schreibt Golo Mann.

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05.06.2013, 17:04
Beitrag: #34
RE: Österreich siegt in Königsgrätz
(31.05.2013 14:54)Suebe schrieb:  Es ist etwas überaus eigenartiges mit dem 70er Krieg.

So einen richtigen Grund für den Krieg gab es eigentlich gar nicht. Zumindest keiner der uns im 21. Jahrhundert Lebende irgendwie logisch erscheinen würde.
Die vom preußischen Sieg in Königgrätz beleidigte franz. Nation. Die nach Kompensation schrie.
Das franz. Staatsoberhaupt sah dies anscheinend nicht mal als soooo wichtig. Zumindest äußerte er sich nie konkret was er sich als Kompensation vorstellen würde.

Die spanische Kandidatur, von Bismarck hinterlistig gefördert, aber letztendlich doch auch ein reines Medienspektakel. Der Leopold von Hzl-Sig wollte eigentlich so unbedingt auch gar nicht. Der Berliner Wilhelm hat auch nur zögerlich seine Einwilligung gegeben, um sie um so schneller wieder zurückzuziehen.


Die Emser Depesche, ich habe sie mal im Original gesehen,
versteht das einer heute?

Der frz.-preuß. Krieg, der dann schon ein deutscher wurde, lag ja lange in der Luft. Kompensation für den Machtzuwachs Preußens war nach den Maßstäben des 19. Jahrhunderts nichts unübliches und selbst noch nach dem Frankfurter Friede war es eine Option der deutschen Politik eine gesamteuropäische Sicherheitsarchitektur durch einen Ausgleich mit den beiden Nachbarmächten Frankreich und Russland zu erreichen. Im Falle Russlands hätte dies bedeutet, den Balkan als russ. Einflusszone anzuerkennen und - langfristig - eine Aufteilung der Donaumonarchie ins Auge zu fassen, wobei Böhmen, Mähren, sowie die öster. Donau- und Alpenländer an das Reich gefallen, alles andere dagegen dem russischen Einfluss unterworfen worden wäre. Im Falle Frankreichs blieben die Möglichkeiten bescheidener: Elsaß-Lothringen war für jeden Reichskanzler unverhandelbar. Eine Ausgleichslösung war nur über Belgien - mit oder ohne Flandern - möglich, was allerdings im Hinblick auf die Haltung der britischen Regierung schwierig war. Dennoch hat Bismarck auch nach 1871 immer mal wieder diese Option erwogen und bei der Krieg-in-Sicht-Krise des Jahres 1875 gleichsam als "Zuckerbrot" gegenüber Paris eingesetzt, was dann allerdings sofort Disreali alarmiert hat und sich durch Beteiligung von St. Petersburg erstmals die Koalition von 1914 andeutete.

Allerdings halte ich es für eine sehr spannende und entscheidende Frage, warum zwischen 1865 und 1875 ein derartiger Ausgleich zwischen Frankreich und Deutschland nicht gegen Großbritannien zustande kam, zumal unter Gladstone der Fokus ganz auf die Innenpolitik und auf den amerikanischen Bürgerkrieg und dessen Folgen gerichtet war. Sich in einer kontinentalen Frage gegen Frankreich und Preußen-Deutschland zu stellen und die Unabhängigkeit Belgiens notfalls militärisch zu verteidigen entsprach nicht der außenpolitischen Strategie des mittelviktorianischen Empires. Vielmehr halte ich es für wahrscheinlich, dass Paris selbst vor dieser Lösung zurückschreckte, um sich neben der Rivalität in der Kolonialpolitik nicht auch bei einer strategischen Frage dauerhaft gegen England zu positionieren und in Verhältnis zu Deutschland in eine Juniorpartnerschaft zu geraten (was 150 Jahre später aus anderen Gründen geschehen könnte oder schon geschehen ist...)
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05.06.2013, 20:46
Beitrag: #35
RE: Österreich siegt in Königsgrätz
(05.06.2013 17:04)Marco schrieb:  ./.

Der frz.-preuß. Krieg, der dann schon ein deutscher wurde, lag ja lange in der Luft.

./.

Eigentlich auch nicht.

Im Mai 70 haben die Franzosen den Kaiser incl. Verfassung mittels Volksabstimmung eindrucksvoll bestätigt. Fast 8 Millionen von rund
11 Millionen Wahlberechtigten.
Dass Napoleon den Krieg unbedingt zur Thronerhaltung brauchte kann man deshalb so auch nicht sehen.

Anfang Juli war Krieg noch überhaupt kein Thema.
Erst die Kriegsdrohung bei Nichtrücknahme der Madrider Kandidatur. Wobei kein Mensch für diese schon vorher äußerst windige Sache (ich erinnere wie es dem Savoyen-Prinzen erging, der der Ersatzkandidat wurde) einen Krieg riskieren wollte.
Außer vermtl. Bismarck und ein paar franz. Politiker.

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03.01.2015, 17:00
Beitrag: #36
RE: Österreich siegt in Königgrätz
Dazu hätte K. u. k. das preußische Zündnadelgewehr benötigt. Dieses wurde der K. u. k. - Generalität angedient, aber in ihrer übergroßen Blödheit lehnten sie dieses revolutionäre Gewehr, das von hinten geladen wurde, ab. Sie setzten weiter auf den umständlich zu ladenden Vorderlader. K. u. k. war nicht mehr zu retten.
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04.01.2015, 10:24
Beitrag: #37
RE: Österreich siegt in Königgrätz
Wenn K. u. k. gewonnen hätte, hätte sich die deutsche Einheit verzögert. Aufzuhalten war sie aber insgesamt nicht.
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04.01.2015, 22:10
Beitrag: #38
RE: Österreich siegt in Königgrätz
(04.01.2015 10:24)liberace schrieb:  Wenn K. u. k. gewonnen hätte, hätte sich die deutsche Einheit verzögert. Aufzuhalten war sie aber insgesamt nicht.

Daran glaube ich auch eher, als nicht. Der Gedanke eines geeinten Deutschlands ward nunmal geboren. Ob nun k.u.K oder der meiner Meinung nach der deutschen Einigung durchaus bockbeinig gegenüberstehende Bismarck keine Freunde eines Deutschlands waren, interressiert insofern nur wie schnell es vor sich ging. Ich schätze sogar Bismarck als so pragmatisch ein das er Deutschlands Einigung mehr hinnahm als wirklich als Ziel setzte.
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31.01.2015, 12:09
Beitrag: #39
RE: Österreich siegt in Königgrätz
Na ja, im wilhelminischen Deutschland herrschte Aufbruchstimmung in Sachen Technik, Militär, Schwerindustrie, Forschung, Expansion in der Südsee etc. In der "blöden" K. u. k. Monarchie mit ihrem dummen Kaiser, dem die Überwachung der morganatischen Ehe des Thronfolgers das wichtigste war, herrschte nur Nostalgiestreben vor. Viele wussten, dass dieser Vielvölkerstaat nicht zu halten ist. Trotzdem gab es keine oder kaum Reformen. Wilhelm hätte die Österreicher allein in den 1. WK laufen lassen sollen - dann hätten wir heute vielleicht noch einen Kaiser ... lol, denn ohne den verlorenen Weltkrieg wäre Adolf nicht an die Macht gelangt.
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16.02.2016, 00:28
Beitrag: #40
RE: Österreich siegt in Königgrätz
(31.01.2015 12:09)liberace schrieb:  Na ja, im wilhelminischen Deutschland herrschte Aufbruchstimmung in Sachen Technik, Militär, Schwerindustrie, Forschung, Expansion in der Südsee etc. In der "blöden" K. u. k. Monarchie mit ihrem dummen Kaiser, [...], herrschte nur Nostalgiestreben vor. Viele wussten, dass dieser Vielvölkerstaat nicht zu halten ist. Trotzdem gab es keine oder kaum Reformen. [...]

Zu diesem "netten" Artikel noch ein paar kleine Ergänzungen: ?Big Grin

1864 führt Preußen Krieg gegen Dänemark, und wie übrigens auch 1866 muss es sich keineswegs gegen das "mächtige" Dänemark alleine behaupten, sondern leistet sich noch die k.u.k. Monarchie als Verbündeten. Aber wo waren die Preußen eigentlich, als es zur url=https://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_von_Oeversee]Seeschlacht bei Oeversee[/url] kam?Huh

1866 entscheidet die Niederlage bei Königsgrätz den Krieg, den Preußen der k.u.k. Monarchie erklärt hatte. Heute gänzlich unbekannt scheint jedenfalls ein kleines Detail zu sein. Der war ein Zweifrontenkrieg und die k.u.k. Monarchie im Norden von Preußen angegriffen, während der preußische Verbündete Italien vom Süden aus zuschlug. An der Adria wurde zudem zu Wasser und Land gekämpft. Also könnte sogar von einem "Dreifrontenkrieg" gesprochen werden?
Und das seltsamste an dieser ganzen traurigen Kriegsgeschichte? (Für mich sind Kriege immer traurig, egal, wer siegt?) An der Adria-Front ist die k.u.k. Monarchie trotz allen zu Wasser und zu Land siegreich, obwohl der Feind überlegen ist.Huh
Nun, Geschichte wird halt von den Siegern geschrieben, und so ein Zweifrontenkrieg ist halt doch etwas, was die lieber unerwähnt lassen. Kann ich sogar verstehen?

War diese k.u.k. Monarchie" wirklich zu nichts mehr fähig? Sie macht keine Expansion in die Südsee, aber vielleicht ist sie auch nicht auf der Suche nach Wärme und Palmen.Dodgy
Und woher hat eigentlich das Franz-Josef-Land seinen Namen? Warum wurde es nicht Kaiser-Wilhelm-Land genannt?
Nach wem wurden die Wilczek-Insel (Ostrow Wiltscheka) und das Wilczek-Land benannt? Wann wurde Johann Nepomuk Graf Wilczek wirklich ein toller Preuße? War die Nordpolexpedition von Julius Payer und Carl Weyprecht 1872-1874 eine preußische Unternehmung?

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Und ein Tipp für Liberace - bevor du dich das nächste Mal über Länder in einer äußerst geringschätzigen Weise über Besiegte und Verlierer lustig machst, nimm bitte erst einmal ein paar Nachhilfestunden in Geschichte, denn auch Besiegte und Verlierer haben eine solche.

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Nur die Geschichtenschreiber erzählen uns, was die Leute dachten.
Wissenschaftliche Forscher halten sich streng an das, was sie taten.

Josephine Tey, Alibi für einen König
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