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Carl Eugen von Württemberg und Franziska von Hohenheim
16.05.2013, 12:40
Beitrag: #1
Carl Eugen von Württemberg und Franziska von Hohenheim
(15.05.2013 15:21)Suebe schrieb:  
(14.05.2013 10:47)Suebe schrieb:  Dann dränge ich mich mal vor. Blush

Im Frühsommer 1793 reiste Friedrich Schiller mit seiner hochschwangeren Frau nach Württemberg.
Dies obwohl er sich nicht sicher sein kann, ob ihn der Herzog von Württemberg gleich arretieren lässt. Denn, bei allem Verständnis, Schiller hatte zweifellos einen Kontrakt gebrochen.
Vorsichtshalber hat sich Schiller in Heilbronn, seiner ersten Station, des Schutzes durch die Reichsstadt versichert.
Nun, der Herzog hat, als er von der Anwesenheit Schillers erfährt, verlauten lassen, dass er ihn "ignorieren" werde. Klingt unfreundlich, ist aber die Freistellung von der Strafverfolgung, mehr kann Schiller auch nicht erwarten.

Worauf er frei und ungebunden die Stätten seiner Jugend besucht, Vater, Mutter, Geschwister, Freunde, die Karlsschule.
Neben dieser Nostalgie,

was war der Hauptgrund für Schillers Reise zu diesem Zeitpunkt?

(14.05.2013 19:21)Suebe schrieb:  Die Karoline hat zu der Zeit die Scheidung vom 1. Ehemann Beulwitz massiv betrieben.

Ich habe euch durch meine vielen Worte etwas verwirrt. Sorry.
War ein kleines bißchen Absicht. Blush
Des Rätsels Lösung ist im ersten Satz verborgen.

Und der Grund, Schiller selbst hat ihn vor der Abreise genannt, ist angesichts der Vorgeschichte äußerst überraschend.

(15.05.2013 11:30)Suebe schrieb:  Schiller ist mit seiner hochschwangeren Frau nach Württemberg gereist, dem Land seiner Väter. Wink

Die Reise war von vorneherein auf längere Zeit, fast ein Jahr geplant.

Schiller hat Württemberg, den Machtbereich Herzog Carl Eugens als Fliehender verlassen. Der sogar nach ihm fahnden ließ.
Ich unterstelle dies als allgemein bekannt.
Und kommt in dieser Situation temporär zurück.
Nicht wissend, ob er gleich verhaftet wird.
Er hatte Schubart auf dem Asperg besucht, und wusste bestens zu was ein Despot fähig war.
Aber er kommt für längere Zeit auf Besuch.


Schiller hat vor seiner Abreise verkündet, dass das erwartete Kind
ein besseres Vaterland als Thüringen haben solle

Angesichts der Vorgeschichte kaum glaublich. Aber Fakt, Schiller selbst schrieb es seinem Verleger Göschen.
Das Erstaunliche setzt sich fort. Das Kind bekam den Namen Karl!

(15.05.2013 16:14)Uta schrieb:  Nun ja, Schiller war schon heimatverbunden und Karl Eugen gehörte eben auch dazu.
Karl Eugens letzte "Frau" Franziska hieß auch nicht ganz umsonst "der gute Engel Württembergs". Immerhin wurde ihr nachgesagt, dass sie aus Karl Eugen irgendwie doch noch einen halbwegs brauchbaren Landesvater gemacht hatte. Die Wandlung Karl Eugens hatte in den letzten Jahren vor seinem Tod im Oktober 1793 eingesetzt und sie muss also doch so deutlich spürbar gewesen sein, dass Schiller vor seinem eigenen Tode schaffte, seinen Frieden mit Karl Eugen zu machen.

(15.05.2013 18:40)Suebe schrieb:  Noja noja,
die Franziska hat in der Literatur des 19. Jahrhunderts den Rang einer Heiligen.
Aber, der Schubart ist auf dem Asperg gelandet, weil er Spottverse über sie machte.
Irgendwo denke ich mal, war die auch nicht ganz weiß, nicht ganz schwarz grau abgestuft, wie wir alle.

Schiller war über den Tod Carl Eugens hinaus in Ludwigsburg. Sein Vater hätte es gerne gehabt, dass er dem neuen Herzog einen Antrittsbesuch machte, er hat es glatt verweigert.
Den neuen Herzog rundum kritisiert, und den "alten" überaus gelobt.
Wobei, ganz Unrecht hatte er sicher nicht. Die einzig nennenswerte Tat dieses Fürsten war, dass er die Karlsschule schloss.

Schiller hat mit Carl Eugen wohl schon eine gewisse Zuneigung verbunden.
Quasi Lehrer/Schüler
Es gibt auch einen Nachruf von ihm, indem er davon schreibt, dass seine (Carl Eugens) guten Eigenschaften die schlechten überwogen hätten, und die schlechten mit seinem Tod ausgelöscht wären.

(15.05.2013 21:55)Suebe schrieb:  
(15.05.2013 18:40)Suebe schrieb:  Noja noja,
die Franziska hat in der Literatur des 19. Jahrhunderts den Rang einer Heiligen.
Aber, der Schubart ist auf dem Asperg gelandet, weil er Spottverse über sie machte.
Irgendwo denke ich mal, war die auch nicht ganz weiß, nicht ganz schwarz, grau abgestuft, wie wir alle.

./.


Ich habs vorsichtshalber nachgelesen.
Doch Franziska war dabei, als Schubart auf dem Asperg "angeliefert" wurde.

(16.05.2013 08:26)Uta schrieb:  
(15.05.2013 21:55)Suebe schrieb:  Ich habs vorsichtshalber nachgelesen.
Doch Franziska war dabei, als Schubart auf dem Asperg "angeliefert" wurde.

sicher war sie dabei und sicherlich auch nicht ganz unbeteiligt an der Härte der Strafe.
Vielleicht war es das Alter, vielleicht war Franziska die treibende Kraft - man weiß es nicht - nur, dass Karl Eugen deutlich gemäßigter zu Werke ging und zugeschrieben wurde es dann jedenfalls ihr.
Man hat zumindest den Eindruck, dass sie wohl die einzige Frau war, die ihn ganz gut im Griff hatte und sie nicht bereit war, seine Eskapaden weiterhin zu dulden. Genausowenig war sie anscheinend bereit, wie ihre Vorgängerinnen sang und klanglos von der Bühne abzutreten, nur weil er 'anderes' im Sinn hatte. Entweder war sie wirklich seine große Liebe oder sie war äußerst durchsetzungsstark. Ich tippe mal auf beides, vor allem aber auf ersteres. Schießlich hielt sich keine seiner Mätressen so lange, wie sie.

(16.05.2013 09:44)Suebe schrieb:  
(16.05.2013 08:26)Uta schrieb:  sicher war sie dabei und sicherlich auch nicht ganz unbeteiligt an der Härte der Strafe.
Vielleicht war es das Alter, vielleicht war Franziska die treibende Kraft - man weiß es nicht - nur, dass Karl Eugen deutlich gemäßigter zu Werke ging und zugeschrieben wurde es dann jedenfalls ihr.
Man hat zumindest den Eindruck, dass sie wohl die einzige Frau war, die ihn ganz gut im Griff hatte und sie nicht bereit war, seine Eskapaden weiterhin zu dulden. Genausowenig war sie anscheinend bereit, wie ihre Vorgängerinnen sang und klanglos von der Bühne abzutreten, nur weil er 'anderes' im Sinn hatte. Entweder war sie wirklich seine große Liebe oder sie war äußerst durchsetzungsstark. Ich tippe mal auf beides, vor allem aber auf ersteres. Schießlich hielt sich keine seiner Mätressen so lange, wie sie.


Die Überwachung des Vollzugs ist schon happig. Zumindest mM.

Deshalb, irgendwo im grauweußen Bereich, wie geschrieben.
Aber, genau genommen ein Musterbeispiel für den absolutistischen Staat.
Ich denke mal, dass mir nichts oder wenig geschehen würde, wenn ich über die Mätresse unseres Pfarrer-Präsidenten Spottverse veröffentlichen würde.
Wobei es ihm heute wesentlich leichter fallen würde wie damals dem absolutistischen (katholischen) Fürsten sich von seiner unwilligen? Angetrauten scheiden zu lassen.
OK, war ein Ausflug in die Tagespolitik. Sorry.

Aber interessant, dieses Fränzele + Carolus Zwiegespräch.

Jedenfalls scheint mir die heutige Sicht auf CE.v.W. seiner Person nicht ganz gerecht zu werden.
Sie fusst auch mehr oder weniger zumindest "überregional" auf Schillers Flucht.
Deshalb finde ich es interessant, dass Schiller selbst ihn wohl nicht so negativ gesehen hat.

(16.05.2013 10:33)Uta schrieb:  Mist, jetzt habe ich meinen Beitrag verbummelt... muss ihn nochmal schreiben Undecided

(16.05.2013 09:44)Suebe schrieb:  Die Überwachung des Vollzugs ist schon happig. Zumindest mM.
auf dem Hohenasperg aber durchaus möglich, sofern man "loyale Mitarbeiter" hat.
Allerdings war die Strafe natürlich dem eigentlichen Vergehen in keinster Weise angemessen. Darum glaube ich auch, dass mehr dahinter steckte. Schubart saß nicht, wegen dem was er geschrieben hatte, sondern wegen dem, was er noch hätte schreiben können.

Zitat:Jedenfalls scheint mir die heutige Sicht auf CE.v.W. seiner Person nicht ganz gerecht zu werden.
Sie fusst auch mehr oder weniger zumindest "überregional" auf Schillers Flucht.

Was denkst du, hat das Gerücht, er habe Schubart lebendig begraben lassen, nicht auch seinen Teil dazu beigetragen? Immerhin ist der gute Hölderlin ja völlig aus dem Höschen gehüpft, und mit ihm einige andere

Zitat:Deshalb finde ich es interessant, dass Schiller selbst ihn wohl nicht so negativ gesehen hat.

Naja, Württemberg hat ihm ja auch so einiges zu verdanken. Schließlich hat er seine Rolle als "Landesvater" mehr als wörtlich genommen und statistisch gesehen darf sich nun heute wohl jeder zweite Schwabe als Nachfahre Karl Eugens betrachten Wink Big Grin (völlig OT, aber das musste sein...)
Sag mal, du kennst doch den Steppenwolf ganz gut. Kannst du ihn mal bitten, das OT hier irgendwohin zu verschieben, wo es besser passt?
Nicht dass der noch rummotzt von wegen Rätselteil zuspammen... Wink

So, nun muss ich mich aber eher mit "ein Lump hat zwei Weiber" (E.L.H.z.W.) befassen, muss nacher noch rüber ins Kloster.


Zitat:Sag mal, du kennst doch den Steppenwolf ganz gut. Kannst du ihn mal bitten, das OT hier irgendwohin zu verschieben, wo es besser passt?
Ach, lass doch die Moderatoren in Frieden,Smile das können wir doch selbst
Idea


Zitat:Naja, Württemberg hat ihm ja auch so einiges zu verdanken. Schließlich hat er seine Rolle als "Landesvater" mehr als wörtlich genommen und statistisch gesehen darf sich nun heute wohl jeder zweite Schwabe als Nachfahre Karl Eugens betrachten

als junger Ahnenforscher, ich werde auch 17 gewesen sein, war ich mal bei einem Pfarrer, der mir vor der Einsicht in die Kirchenbücher einen langen Votrag gehalten hat, über das "Recht der ersten Nacht" und die Verbesserung der Erbanlagen des "einfachen" Volkes dadurch, das Wort Gene kannte man damals noch nicht -
Und brachte dann das Beispiel, dass in den Dörfern um Stuttgart herum jede Menge "kleine Herzöge" herumgerannt wären.

Was mich bis heute beschäftigt - wie rot meine Ohren wohl während des Vortrags waren -

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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16.05.2013, 16:56
Beitrag: #2
RE: Carl Eugen von Württemberg und Franziska von Hohenheim
Danke Dir!


(16.05.2013 12:40)Suebe schrieb:  Was mich bis heute beschäftigt - wie rot meine Ohren wohl während des Vortrags waren -
Und das sollen wir glauben?Big Grin


Ich habe noch einen schönen Aufsatz über Franziska gefunden:

man schaue hier...

Bemerkenswert darin und auch passend zum Thema "Wandlung Karl Eugens und Fransiskas Rolle dabei" folgender Abschnitt:

Zitat: Der Herzog lebte zwar von seiner Ehefrau, der Nichte Friedrichs II. von Preußen, der Protestantin Elisabeth Friederike Sophie von Brandenburg-Bayreuth, seit Jahren getrennt. Aber für den gläubigen Katholiken war eine Scheidung unmöglich. Franziska war außerdem noch die Baronin von Leutrum. Die Lösung kam aus Wien. Dem Kaiserhof wird es ein Vergnügen gewesen sein, gegen den Preußenkönig zu intrigieren. Franziska wurde zur Reichsgräfin von Hohenheim erklärt. Man gab ihr den Namen und sogar ein Wappen, als sei sie mit einem Grafen von Hohenheim verheiratet, der in Wirklichkeit gar nicht existierte.

Das schöne Wappen befreite Franziska jedoch nicht von ihrem Ehemann. Sie hätte sich als Protestantin relativ leicht scheiden lassen können. Aber daran hatten die evangelischen Prälaten Württembergs kein Interesse. Franziska erschien ihnen wie ein Geschenk: "Ein solcher Glücksfall konnte nicht wieder kommen, dass der katholische Herzog für das Konsistorium wieder lenkbar wurde über eine Geliebte, die ein Landeskind, eine Schwäbin, evangelisch, pietistisch war, auf gutem Fuß mit den Prälaten stand und darauf großen Wert legte: die ideale Geliebte in den Augen des Konsistoriums ..." (Decker-Hauff)

nicht ärgern, nur wundern...
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16.05.2013, 20:26
Beitrag: #3
RE: Carl Eugen von Württemberg und Franziska von Hohenheim
(16.05.2013 16:56)Uta schrieb:  Danke Dir!


(16.05.2013 12:40)Suebe schrieb:  Was mich bis heute beschäftigt - wie rot meine Ohren wohl während des Vortrags waren -
Und das sollen wir glauben?Big Grin


Ich habe noch einen schönen Aufsatz über Franziska gefunden:

man schaue hier...

Bemerkenswert darin und auch passend zum Thema "Wandlung Karl Eugens und Fransiskas Rolle dabei" folgender Abschnitt:

Zitat: Der Herzog lebte zwar von seiner Ehefrau, der Nichte Friedrichs II. von Preußen, der Protestantin Elisabeth Friederike Sophie von Brandenburg-Bayreuth, seit Jahren getrennt. Aber für den gläubigen Katholiken war eine Scheidung unmöglich. Franziska war außerdem noch die Baronin von Leutrum. Die Lösung kam aus Wien. Dem Kaiserhof wird es ein Vergnügen gewesen sein, gegen den Preußenkönig zu intrigieren. Franziska wurde zur Reichsgräfin von Hohenheim erklärt. Man gab ihr den Namen und sogar ein Wappen, als sei sie mit einem Grafen von Hohenheim verheiratet, der in Wirklichkeit gar nicht existierte.

Das schöne Wappen befreite Franziska jedoch nicht von ihrem Ehemann. Sie hätte sich als Protestantin relativ leicht scheiden lassen können. Aber daran hatten die evangelischen Prälaten Württembergs kein Interesse. Franziska erschien ihnen wie ein Geschenk: "Ein solcher Glücksfall konnte nicht wieder kommen, dass der katholische Herzog für das Konsistorium wieder lenkbar wurde über eine Geliebte, die ein Landeskind, eine Schwäbin, evangelisch, pietistisch war, auf gutem Fuß mit den Prälaten stand und darauf großen Wert legte: die ideale Geliebte in den Augen des Konsistoriums ..." (Decker-Hauff)


Zitat:Und das sollen wir glauben?Big Grin

weißt du, ich bin wie die Franziska in einem streng pietistischen Haus aufgewachsen.
Seine Freude hat man da schon an den schönen Dingen des Lebens. Cool Siehe Franziska Angel
Aber von solche wüsten Sachen reden Dodgy
Siehe Franziska Blush

Außerdem schrieb man Anno Domini 1969 und in jenen Jahren war man mit 17 noch recht unbedarft.
Also rot waren die Ohren vermutlich schon. Ob sie der Pfarrer sehen konnte? weiß nicht, zeitweilig hatte ich schulterlange Locken.


Zitat:Franziska wurde zur Reichsgräfin von Hohenheim erklärt

Deinem schönen Link, vielen Dank dafür, kann ich aus anderen Quellen noch 2 Ergänzungen beifügen:
Als die franz. Revolutionsarmee sich anschickte Mömpelgard zu erobern, bat der Bruder des Herzogs, dortiger Statthalter und Vater des späteren Königs Friedrich um finanzielle Unterstützung damit die Grafschaft Mömpelgard verteidigt werden könne. Carl-Eugen sagte sie zu, unter der Bedingung, dass Franziska als Herzogin voll anerkannt werden würde.
Eine Kröte die Bruder und Neffe nicht schluckten! Mömpelgard ging deshalb verloren, dass der Verlust später "dick aufgewogen" wurde, konnten die Herren aber zu dem Zeitpunkt nicht wissen. In meinen Augen darum eine Granaten-Dummheit.

Das Grab der Franziska befindet sich in der Schloss-Kirche von Kirchheim/Teck, das Wissen um die genaue Stelle des Grabes hat man im 19. Jahrhundert vergessen (wollen?müssen?)
Erst in den 1890er Jahren wurde es wiedergefunden.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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16.05.2013, 21:09
Beitrag: #4
RE: Carl Eugen von Württemberg und Franziska von Hohenheim
Schlimm, Schlimm - eigentlich hatte ich mich nie sonderlich für den Karl und seine Franzi interessiert, aber wenn man erst mal an dem Thema dran ist...Rolleyes


(16.05.2013 20:26)Suebe schrieb:  weißt du, ich bin wie die Franziska in einem streng pietistischen Haus aufgewachsen.
Seine Freude hat man da schon an den schönen Dingen des Lebens. Cool Siehe Franziska Angel
Was hatte ich da wohl für ein Glück, in einem katholischen Haus aufzuwachsen Rolleyes (quatsch, bei uns war nie jemand irgendwann einmal nur im Ansatz halbwegs bibelfest Big Grin)

Zitat:Als die franz. Revolutionsarmee sich anschickte Mömpelgard zu erobern, bat der Bruder des Herzogs, dortiger Statthalter und Vater des späteren Königs Friedrich um finanzielle Unterstützung damit die Grafschaft Mömpelgard verteidigt werden könne. Carl-Eugen sagte sie zu, unter der Bedingung, dass Franziska als Herzogin voll anerkannt werden würde.
Eine Kröte die Bruder und Neffe nicht schluckten! Mömpelgard ging deshalb verloren, dass der Verlust später "dick aufgewogen" wurde, konnten die Herren aber zu dem Zeitpunkt nicht wissen. In meinen Augen darum eine Granaten-Dummheit.

Das Grab der Franziska befindet sich in der Schloss-Kirche von Kirchheim/Teck, das Wissen um die genaue Stelle des Grabes hat man im 19. Jahrhundert vergessen (wollen?müssen?)
Erst in den 1890er Jahren wurde es wiedergefunden.
Das ist interessant, danke.
Das mit dem Grab habe ich auch so gelesen, die Geschichte mit Mömpelgard ist mir neu, aber interessant und passt auch in das Bild.

Aber ich habe heute nochmal was gefunden, was mehr in die Richtung deiner Rätselfrage geht, also wie Schiller den Herzog sah:

In den gesammelten Werken von Schiller findet sich ein Brief, den Schiller nach seiner Flucht nach Mannheim an den Herzog verfasst hat. Ich setze mal den Link, es ist aber ein Pdf-Dokument:
Brief Schillers an Herzog Karl Eugen
In diesem Brief kommt mMn ganz deutlich zum Ausdruck, dass Schiller in Karl Eugen trotz allem, was in der Karlschule war, seinen Ziehvater sah, dem er gefallen wollte und von dem er hören wollte, dass er es doch zu etwas gebracht hatte und den er auf irgendeine Art lieb hatte.
Es erklärt zumindest für mich, warum es Schiller so wichtig war, sich posthum noch mit ihm auszusöhnen. Eventuell erklärt es auch, warum er wollte, dass sein Kind im Land seines "Vaters" zur Welt kommt, und vielleicht hoffte er auch insgeheim, dass die Nachricht seiner (Schillers) Rückkehr - noch dazu mit Familie - das Herz des "Alten" erweichen würde.

Oder bin ich jetzt zu romantisch verklärt unterwegs??Blush

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17.05.2013, 11:13
Beitrag: #5
RE: Carl Eugen von Württemberg und Franziska von Hohenheim
(16.05.2013 21:09)Uta schrieb:  ./.


Aber ich habe heute nochmal was gefunden, was mehr in die Richtung deiner Rätselfrage geht, also wie Schiller den Herzog sah:

In den gesammelten Werken von Schiller findet sich ein Brief, den Schiller nach seiner Flucht nach Mannheim an den Herzog verfasst hat. Ich setze mal den Link, es ist aber ein Pdf-Dokument:
Brief Schillers an Herzog Karl Eugen
In diesem Brief kommt mMn ganz deutlich zum Ausdruck, dass Schiller in Karl Eugen trotz allem, was in der Karlschule war, seinen Ziehvater sah, dem er gefallen wollte und von dem er hören wollte, dass er es doch zu etwas gebracht hatte und den er auf irgendeine Art lieb hatte.
Es erklärt zumindest für mich, warum es Schiller so wichtig war, sich posthum noch mit ihm auszusöhnen. Eventuell erklärt es auch, warum er wollte, dass sein Kind im Land seines "Vaters" zur Welt kommt, und vielleicht hoffte er auch insgeheim, dass die Nachricht seiner (Schillers) Rückkehr - noch dazu mit Familie - das Herz des "Alten" erweichen würde.

Oder bin ich jetzt zu romantisch verklärt unterwegs??Blush


Ich denke du liegst da durchaus richtig.

Schiller und Charlotte haben den Taufnamen "Karl" ausweislich der vorhandenen Briefe als Hommage an Karl von Dalberg gewählt, den wohl beide schätzten.
ABER: Taufpaten waren Schillers Vater und Mutter, wohnhaft auf der Solitude, die haben den Taufnamen bestimmt als Hommage für einen anderen aufgefasst.
Und auch Serenissimi selbst wird das so gesehen haben, der zdZ noch unter den Lebenden weilte.

Peripher:
Die "Hohe Karlsschule" kann man durchaus als Schlussstein des beispielhaften wirtenbergischen Bildungssystems sehn. Die Bildung stand buchstäblich jedem offen. Und über die Bildung war in Wirtenberg ein unbegrenzter Aufstieg möglich. Zur Erinnerung: Es gab keinen Geburts-Adel! mit den entsprechenden Vorrechten.

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23.05.2013, 10:26
Beitrag: #6
RE: Carl Eugen von Württemberg und Franziska von Hohenheim
Habe gestern beim Stöbern auf den Seiten von Schloss Lubu noch ein kleines Schmankerl gefunden.

Carl Eugen hatte vermutlich Bedenken, dass er mit seinen vielen Gespielinnen mal irgendwann durcheinander kommen könnte. So soll er allen Damen, mit denen er mal was hatte, befohlen haben, fortan blaue Schue zu tragen.

Auf der Hompage vom Residenzschloss wird ein Zeitgenosse zitiert. Der schrieb 1765:
"Vermöge eines neuen Hofceremoniels, wurde allen Frauenzimmern, die nicht zu der Fahne des Herzogs geschworen hatten, untersagt, blaue Schuhe zu tragen. Und im Gegentheil allen denen, die sowohl jetzo als auch künftig würdigen würden, ihm ihre Ehre aufopfern zu dürfen … befohlen, niemals ohne dieses Unterscheidungszeichen zu erscheinen.“

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23.05.2013, 11:00
Beitrag: #7
RE: Carl Eugen von Württemberg und Franziska von Hohenheim
(23.05.2013 10:26)Uta schrieb:  ./.
[i]"Vermöge eines neuen Hofceremoniels, wurde allen Frauenzimmern, die nicht zu der Fahne des Herzogs geschworen hatten, untersagt, blaue Schuhe zu tragen.
./.


Die Formulierung ist allerdings gigantisch.

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23.05.2013, 11:07
Beitrag: #8
RE: Carl Eugen von Württemberg und Franziska von Hohenheim
(23.05.2013 11:00)Suebe schrieb:  Die Formulierung ist allerdings gigantisch.

Big Grin sagte ich doch: Schmankerl...

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23.05.2013, 11:24
Beitrag: #9
RE: Carl Eugen von Württemberg und Franziska von Hohenheim
Noch ein paar unstrukturierte Punkte

Als es um die Verteidigung Mömpelgards ging, hat CE betont, dass die Mittel von Franziska kämen, sie deshalb auch diese Forderung stellen würde.
Württemberg nichts aufbringen könne - die schlechten Zeiten.
Was so ja nicht stimmen kann, denn Franziska war ja hinterher keineswegs auf Rosen gebettet.

Schiller musste/wollte um ein großer Dichter zu werden, nach Mannheim fliehen.
Was die Kurpfälzer nicht müde werden uns unter die Nase zu reiben.
Dass sie dem Schiller mit ihrer Malaria zum Ruhm auch den Tod brachten, hört man nicht von ihnen.
Obwohl es ebenso wahr ist.

Irgendwann in den 60ern im südd. Fernsehregionalprogramm.
Ein neuer Triumph der Technik. Idea
Keramik kann unter bestimmten Umständen menschliche Stimmen sehr lange speichern.
Man zeigte eine Vase die sich nachgewiesen mal in Schillers Besitz befand.
Ein Mann im weißen Kittel, sowas trugen damals Forscher, ist mit einer Art Geigerzähler auf der Vase hin und hergefahren, man hörte allerlei Geräusche, hin und wieder Wortfetzen, einen Staubsauger, Smile ja ja die schwäbischen Hausfrauen, Smile und plötzlich gelang die Sensation:
Ein urschwäbische Stimme deklamierte: Feschtgemauert in der Ärden schteht die Form aus Lehm gebrannt......
Nach 160 Jahren war Schillers Stimme wieder hörbar geworden.

Seither habe ich leider von der neuen Technik nichts mehr gehört. Undecided
Obs am Datum lag? Es war ein 1. April.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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23.05.2013, 18:38
Beitrag: #10
RE: Carl Eugen von Württemberg und Franziska von Hohenheim
(23.05.2013 11:24)Suebe schrieb:  Schiller musste/wollte um ein großer Dichter zu werden, nach Mannheim fliehen.

Und von Mannheim floh er dann nach Oggersheim (Ludwigshafen).
Was die Oggersheimer nicht nur den Mannheimern, sondern allen Besuchern des heutigen Stadtteils unter die Nase reiben.

Wäre ich Antiquar, ich würde mich nur für altes Zeug interessieren. Ich aber bin Historiker, und daher liebe ich das Leben. (Marc Bloch)
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23.05.2013, 20:15
Beitrag: #11
RE: Carl Eugen von Württemberg und Franziska von Hohenheim
(23.05.2013 18:38)Maxdorfer schrieb:  
(23.05.2013 11:24)Suebe schrieb:  Schiller musste/wollte um ein großer Dichter zu werden, nach Mannheim fliehen.

Und von Mannheim floh er dann nach Oggersheim (Ludwigshafen).
Was die Oggersheimer nicht nur den Mannheimern, sondern allen Besuchern des heutigen Stadtteils unter die Nase reiben.


Hmmm,
soll das heißen, dass die Oggersheimer unserem großen Dichter die Malaria anhängten?

aus Wiki:
Zitat:Auf Einladung des Theaterintendanten Dalberg kehrte Schiller im Juli 1783 nach Mannheim zurück und trat dort im September die Stelle eines Theaterdichters an. Im gleichen Monat erkrankte er am „Nervenfieber“ (Malaria), das im damals noch sumpfigen Rheintal heimisch war.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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25.05.2013, 08:46
Beitrag: #12
RE: Carl Eugen von Württemberg und Franziska von Hohenheim
(23.05.2013 20:15)Suebe schrieb:  
(23.05.2013 18:38)Maxdorfer schrieb:  Und von Mannheim floh er dann nach Oggersheim (Ludwigshafen).
Was die Oggersheimer nicht nur den Mannheimern, sondern allen Besuchern des heutigen Stadtteils unter die Nase reiben.

Hmmm,
soll das heißen, dass die Oggersheimer unserem großen Dichter die Malaria anhängten?

aus Wiki:
Zitat:Auf Einladung des Theaterintendanten Dalberg kehrte Schiller im Juli 1783 nach Mannheim zurück und trat dort im September die Stelle eines Theaterdichters an. Im gleichen Monat erkrankte er am „Nervenfieber“ (Malaria), das im damals noch sumpfigen Rheintal heimisch war.

Na ja, gänzlich verneinen möchte ich das ja nicht Wink

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