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Taylor - Gilbreth - DiN - RAL - REFA
08.05.2013, 10:56
Beitrag: #1
Taylor - Gilbreth - DiN - RAL - REFA
Um mal wieder mit dem persönlichen Einstieg zu beginnen:

als meine handwerkliche Ausbildung für beendet erklärt wurde, Angel
ging es kaufmännisch weiter.
Dort wo man "die Ehre und das Vergnügen" hatte, sich mit meiner Person abzumühen, gab es eine ganz tolle Maschine.
Einen Taylorix Klarschrift-Drucker, mit dem man die Buchungsunterlagen erfasste und den ausgeruckten Streifen ins Rechenzentrum schickte, die dann eine wunderschöne Buchhaltung mit allen möglichen Auswertungen daraus machten.
"Zu Hause" gab es damals eine Handdurchschreibe-Buchführung System Fortschritt. Wie Altmodisch Confused das war, wusste ich zuvor gar nicht. Und ich habe dann begeistert von der "Taylorix" berichtet.
Wo ich dann gleich eine Riesen-Überraschung erlebte, meine "steinalte" Mutter Jahrgang 1903, (nie ist eine Mutter älter, als wenn der Sohn meint, ihr die Welt erklären zu müssen, aber meine Mutter war tatsächlich nicht mehr sehr jung) kannte Taylorix sehr wohl und hat mir dann gleich noch manches von diesem "Taylor" erzählt. Dass Gilbreth mit seinem Dutzend auch keine Roman- sondern eine reale Figur war, wusste ich bis dahin auch nicht.

Taylor jedenfalls ist eine Persönlichkeit, die für die Technikgeschichte, hier möge der Buchhalterische Einstieg nicht verwirren, des 20. Jahrhunderts eine sehr große Bedeutung hat.
Was ich hier mit den geschätzten Mitgliedern dieses hochzulobenden Forums gerne diskutieren würde.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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08.05.2013, 22:01
Beitrag: #2
RE: Taylor - Gilbreth - DiN - RAL - REFA
Welchen Taylor meinst Du? Doch nicht etwa diesen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Taylorismus

http://de.wikipedia.org/wiki/Frederick_Winslow_Taylor

"Geschichte erleuchtet den Verstand, veredelt das Herz, spornt den Willen und lenkt ihn auf höhere Ziele." Cicero
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09.05.2013, 10:09
Beitrag: #3
RE: Taylor - Gilbreth - DiN - RAL - REFA
(08.05.2013 22:01)Sansavoir schrieb:  Welchen Taylor meinst Du? Doch nicht etwa diesen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Taylorismus

http://de.wikipedia.org/wiki/Frederick_Winslow_Taylor


Aber natürlich meine ich diesen.

Und?
Meinungsäußerungen?
Messias oder Gottseibeiuns?

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09.05.2013, 11:41
Beitrag: #4
RE: Taylor - Gilbreth - DiN - RAL - REFA
Ich habe eine sehr gespaltene Meinung zu diesem Herrn Taylor. Das liegt wohl daran, dass ich sowohl vor als auch nach der Wende mal einige Zeit am Fließband arbeiten musste. Und es wurde sich in beiden Fällen auf Mr. Taylor berufen. Man mag es kaum glauben, sowohl Henry Ford als auch Lenin schätzten Taylor bzw. den Taylorismus. Sicher müssen Arbeitsprozesse optimiert werden, aber ein Segen ist es nicht, wenn man Taktzeiten, Stücknormzeiten usw. unterworfen wird. Es ist auch klar, dass die Arbeitsprozesse bei Massen- und Serienproduktionen optimiert werden müssen, dass Stückkosten minimiert werden müssen usw.

Die Konsequenz des Taylorismus ist aber, dass der einzelne Arbeiter entweder nur noch am Fließband für einen oder wenige Arbeitsschritte zuständig ist oder gar von Maschinen oder Automaten ersetzt wird, der Arbeitsprozess nur noch vom (Ingenieur-)Personal kontrolliert wird. In diesem Sinn kann man z.B. auch die Durchsetzung der ISO 9000 ff. oder die verschiedenen SAP-Programme sehen, die dazu führen, dass der einzelne Angestellte die komplexen Vorgänge vom Einkauf der Materialien bzw. Lieferantenleistungen bis zum Verkauf des Produkts nicht mehr kennen lernen wird.

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09.05.2013, 12:40
Beitrag: #5
RE: Taylor - Gilbreth - DiN - RAL - REFA
(09.05.2013 11:41)Sansavoir schrieb:  Ich habe eine sehr gespaltene Meinung zu diesem Herrn Taylor. Das liegt wohl daran, dass ich sowohl vor als auch nach der Wende mal einige Zeit am Fließband arbeiten musste. Und es wurde sich in beiden Fällen auf Mr. Taylor berufen. Man mag es kaum glauben, sowohl Henry Ford als auch Lenin schätzten Taylor bzw. den Taylorismus. ./.

Meine persönliche Meinung:
Es ist überaus typisch, der Taylorismus. Besser nicht der Tylorismus, seine "Umsetzung".
Letztendlich sind etliche richtige und wichtige Grundgedanken erweitert worden zu einer "globalen" Weltanschauung.
Der Mensch muss alles ums verrecken zur Religion machen. Und alle die nicht bis zur letzten (In-)Konsequenz "glauben" sind Ketzer auf die der Scheiterhaufen wartet. Angry

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09.05.2013, 13:28
Beitrag: #6
RE: Taylor - Gilbreth - DiN - RAL - REFA
Zitat: Es ist auch klar, dass die Arbeitsprozesse bei Massen- und Serienproduktionen optimiert werden müssen, dass Stückkosten minimiert werden müssen usw.

Mal wieder ein Geschichtchen.

Im März 2012 hat es die Antriebskette meiner Motorfräse zerrissen, genauer das Kettenschloss.
Habe ich das Teil reingeschoben, zuerstmal vergessen.
Im Oktober habe ich ein Kettenschloss im Großhandel bestellt und montiert. Beim 1. Schnee im November hat es das Ding nach 100m wieder zerrissen. Wutschnaubend zum Teilegroßhandel. "Was für einen unmaßhaltigen Schrott verkauft ihr denn da????"
Nach einigem hin und her, "kann nicht sein, gabs noch nie" und was man da so zum hören kriegt, habe ich die Kette geholt, auf den Tisch geknallt usw. usf.
Ergebnis: die Fräse von einem namhaften US-amerikanischen Hersteller war mit einer Antriebskette mit Zollmaß bestückt....
Es blieben 2 Alternativen: Neue Kette direkt aus den USA zum "Sonderpreis" von 70 Euronen und ca. 2 Monaten Lieferzeit.
Oder Umbau auf DIN-Antriebssatz 300 Euronen.

Taylor würde sich im Grab umdrehen.

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09.05.2013, 14:43
Beitrag: #7
RE: Taylor - Gilbreth - DiN - RAL - REFA
Auf alle Fälle. Es ist schon vom Vorteil, wenn viele Bauteile standardisiert sind. Aber wie es halt so ist, wenn man mal Schrauben und Muttern von M10 verwenden muss, fehlt garantiert der Maulschlüssel für M10. Big Grin
Und die gegenseitige Borgerei geht seinen Gang.

Kennst Du die Geschichte, dass Taylor bereits als Jugendlicher Arbeitsprozesse optimierte. Er untersuchte die Haushaltsführung seiner Mutter und stellte fest, dass sie viel Zeit vergeudete, z.B. mit den Abstellen von Töpfen und Tellern in irgendwelche Schränke. Er überredete sie, ihre Küche umzuräumen, so dass ihre Laufwege verkürzt wurden. Was die Mutter von der ganzen Sache aber hielt, ist nicht überliefert ...

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09.05.2013, 18:24
Beitrag: #8
RE: Taylor - Gilbreth - DiN - RAL - REFA
(09.05.2013 14:43)Sansavoir schrieb:  Er überredete sie, ihre Küche umzuräumen, so dass ihre Laufwege verkürzt wurden.

Hat er auch mit einberechnet, wie viel Zeit seine Mutter verschwendete, weil sie die ersten Wochen erst mal am gewohnten Ort nach den Sachen suchte?
Wink

Grüße vom Gewohnheitstier
Christian
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09.05.2013, 22:13
Beitrag: #9
RE: Taylor - Gilbreth - DiN - RAL - REFA
(09.05.2013 18:24)913Chris schrieb:  
(09.05.2013 14:43)Sansavoir schrieb:  Er überredete sie, ihre Küche umzuräumen, so dass ihre Laufwege verkürzt wurden.

Hat er auch mit einberechnet, wie viel Zeit seine Mutter verschwendete, weil sie die ersten Wochen erst mal am gewohnten Ort nach den Sachen suchte?
Wink

Grüße vom Gewohnheitstier
Christian

du solltest mal meinen Schreibtisch sehen.. Big Grin
Mein Eheweib behauptet immer ich würde die Hälte meiner Zeit mit Suchen verbringen....
Stimmt aber nicht, alles ist parat, alle laufenden Vorgänge bleiben bis zur endgültigen Erledigung auf dem Tisch.
Aber wehe es kommt ein anderer in die nähe...

OK, das wollt ich jetzt gar nicht vertiefen.

auf die Idee den 3nd zu eröffnen kam ich, als mir die konträren Aussagen zur Bandarbeit bei der Motorradproduktion unterkamen.
Wo stand das erste Montageband zur Produktion von Motorrädern?
bei NSU oder bei DKW?

Die richtige Antwort lautet: Häschen
bei den Stock Motorradwerken in Berlin!
Aber auch die Deutschen Werke hatten bei der Produktion ihres berühmten D-Rades, kurz nach Stock, bereits auf das Fließband gesetzt, wobei NSU die Motorradproduktion von den Deutschen Werken später übernahmen, man firmierte zeitweilig "NSU D-Rad Vereinigte Fahrzeugwerke".

Wobei, es ist nicht einfach ist bei dem Komplex an die richtigen Informationen zu kommen.
Wann DKW die Schnürle-Umkehrspülung erstmals verwendete, Harley die "Shouvelhead" einführte, kann man an zig-Stellen nachlesen. Aber ab wann tatsächlich die Band- und oder Fließfertigung eingeführt wurde, ungleich Bedeutsamer, schweigen sich die Quellen aus.

Für die Fahzeugfertigung in Deutschland ist folgender Ablauf festzuhalten:
Zuerst, ab ca. 1905, das Fahrrad in verschiedenen Abstufungen der Fließ- und Bandfertigung.
Dann, das Auto ab 1924 bei Opel, der berühmte Laubfrosch. 1:1 Kopie des 1919 für die rationelle Fertigung entwickelten Citroen. wobei es bei Opel eine ähnliche Entwicklung wie bei Ford gab, 1924 kostete das Auto 4.500 RM 1928 nur noch 3.000 RM, eine Preisreduzierung dank Rationalisierung von 50% in 4 Jahren!

Dann erst, ab 1925 kam das Motorrad in die Massenfertigung.
Erstaunlich, das einfachere Produkt kommt später.
Ich wage hier mal die These, dass die Hersteller, liquide Mittel waren durch die Inflationsgewinne reichlich vorhanden, angesichts der Tatsache, (die den herstellern natürlich besser bewusst als allen anderen war) dass das Motorrad als Produkt noch nicht "fertig" war, man noch nicht so richtig wusste, wohin technisch die Reise ging, vor den großen Investitionen zurückschreckten, die unter Umständen schnell "veralten" könnten.
Was sich, siehe das Schicksal von Stock (1934 eingegangen) oder D-Rad (an NSU verkauft) den beiden Vorreitern in Sachen Bandproduktion, auch soweit belegen lässt.

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12.06.2013, 14:27
Beitrag: #10
RE: Taylor - Gilbreth - DiN - RAL - REFA
Vielleicht sollte man hier einmal Vergleichszahlen der Motorisierung in den 20/30er Jahren anbringen:
1921 gab es in Deutschland 61.000 PKW und 1933 520.000 eine Steigerung um 850%
LKW 1921 30.000 auf 1933 150.000 Stück Steigerung 500%
Motorräder 1921 26.000 Stück, 1933 852.000 Steigerung gigantisch

Eine Entwicklung wie sie nur durch den Einsatz der Massenfertigung möglich ist.

Wobei es im Motorradsektor zusätzlich durch den Wegfall der Kfz-Steuer und weitere Erleichterungen zu einer deutschen Sonderentwicklung kam, die noch mal gelegentlich separat untersucht werden kann.

Die Fahrzeugdichte stieg auch während der Weltwirtschaftskrise weiter an.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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13.06.2013, 10:00
Beitrag: #11
RE: Taylor - Gilbreth - DiN - RAL - REFA
Laut dem Bericht des württ. Gewerbe- und Handelsaufsichtsamtes, (sorry aber da ist halt meine "Aktenlage" am besten, wobei man diese Aussagen grundsätzlich auf das ganze Reich übertragen kann, denke ich mal)
ging die Beschäftigtenzahl im württ. Fahrzeugbaugewerbe von 1931 auf 1932 noch etwas zurück, von 8.836 Beschäftigten auf 8.425.

ABER: Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit stieg von 36,6 Stunden auf 45,2 Stunden!

Damit korrespondiert auch der Vorstandsbericht der Daimler-Benz AG für das Geschäftsjahr 1932:
"Es war uns möglich, obgleich der allgemeine Absatz, wie bereits ausgeführt, erheblich zurückging, trotzdem den stückmäßigen Anteil unseres Fabrikats sowohl im deutschen Personen- wie auch im Lastwagengeschäft nahezu zu verdoppeln. Aufgrund des rapiden Preisverfalls nahm allerdings der wertmäßige Umsatz weiter ab."


Ergo: die umfassende Einführung der Massenfertigung ermöglichte die Produktion zu erheblich künstigeren Kosten, die günstigeren Kosten ermöglichten günstigere Preise, so dass ein ehemaliges Luxusgut, in dem Fall motorisierte Fahrzeuge, für immer breitere Schichten bezahlbar wurde.

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