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Germanisch/deutsche Dialekte
02.08.2012, 20:52
Beitrag: #61
RE: Germanisch/deutsche Dialekte
@Arkona,

sagt man in Teilen der Uckermark tatsächlich Nudel, wenn man Kartoffel meint?

Und du warst schön. In deinem Auge schien
sich Nacht und Sonne sieghaft zu versöhnen.
...
So kam dich meine Liebe krönen.
Und meine nächteblasse Sehnsucht stand,
weißbindig wie der Vesta Priesterin,
an deines Seelentempels Säulenrand
und streute lächelnd weiße Blüten hin.

(Rainer Maria Rilke)
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02.08.2012, 21:40
Beitrag: #62
RE: Germanisch/deutsche Dialekte
Ich kanns mir auch kaum vorstellen!

Der vernetzte Mensch von heute gerät in Gefahr,
die globalisierte Welt als eine Ansammlung von Zitaten zu erleben.

Doug Mack
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02.08.2012, 22:16
Beitrag: #63
RE: Germanisch/deutsche Dialekte
(02.08.2012 20:52)Wallenstein schrieb:  @Arkona,

sagt man in Teilen der Uckermark tatsächlich Nudel, wenn man Kartoffel meint?

(02.08.2012 21:40)Viriathus schrieb:  Ich kanns mir auch kaum vorstellen!
.


Es ist ganz einfach tipp bei googel "uckermark kartoffel nudel"
Und gewöhn dich daran dass, der Suebe meist keinen Blödsinn verzapft Angel

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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02.08.2012, 23:29
Beitrag: #64
RE: Germanisch/deutsche Dialekte
Wie man Zitate verfälscht; Nudel = Kartoffel habe ich NIE behauptet oder ins Spiel geworfen. Ich will lieber niemanden dabei scharf angucken. Ist ja rekonstruierbar.

„Der Horizont der meisten Menschen ist ein Kreis mit dem Radius 0. Und das nennen sie ihren Standpunkt.“ (Albert Einstein)
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03.08.2012, 06:25
Beitrag: #65
RE: Germanisch/deutsche Dialekte
(02.08.2012 23:29)Arkona schrieb:  Wie man Zitate verfälscht; Nudel = Kartoffel habe ich NIE behauptet oder ins Spiel geworfen. Ich will lieber niemanden dabei scharf angucken. Ist ja rekonstruierbar.

Das versteh ich jetzt nicht
Erzählt hat mir diesen Umstand einst meine Schwiegermutter.
Die in jehner Weltgegend 1945 gelandet ist
Und wenn ich in die sufu google "uckermark nudel kartoffel" eingebe kommt die Bestätigung

In der Uckermark sagt man aus unerfindlichen Gründen Nudel zur Kartoffel

Sorry habe mir ein netbook angeschafft undmitdiesen sch.... android kommeich nch nicht zurechjt

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03.08.2012, 09:18
Beitrag: #66
RE: Germanisch/deutsche Dialekte
(03.08.2012 06:25)Suebe schrieb:  
(02.08.2012 23:29)Arkona schrieb:  Wie man Zitate verfälscht; Nudel = Kartoffel habe ich NIE behauptet oder ins Spiel geworfen. Ich will lieber niemanden dabei scharf angucken. Ist ja rekonstruierbar.

Das versteh ich jetzt nicht
Erzählt hat mir diesen Umstand einst meine Schwiegermutter.
Die in jehner Weltgegend 1945 gelandet ist
Und wenn ich in die sufu google "uckermark nudel kartoffel" eingebe kommt die Bestätigung

In der Uckermark sagt man aus unerfindlichen Gründen Nudel zur Kartoffel

So da kann ich auch verlinken

Zitat:http://www.heikostreich.de/uckermark/nudel.htm


aus dem Link
Zitat:Die Uckermärker Nudelseite

Aus schwer erklärbaren Gründen ist die Nudel in der Uckermark keine Teigware, sondern die Bezeichnung für die Kartoffel. Erstaunlich ist, was der Uckermärker aus den Erdäpfeln alles macht.

Für mich eine denkbare Lösung:

[Bild: dampfnudel%202.jpg]

auch das ist eine Nudel

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03.08.2012, 11:30
Beitrag: #67
RE: Germanisch/deutsche Dialekte
Ich habe noch mal ein bißchen rumgeschaut.

Anscheinend ist außer in Deutschland der Dialekt so richtig nur in Italien verbreitet.

Zitat:Das Italienische besitzt nämlich so viele verschiedene Dialekte wie keine andere der romanischen Sprachen. Und diese haben, anders als beispielsweise in Deutschland, nichts von ihrer Vitalität verloren und werden immer noch von allen Bevölkerungsschichten benutzt und mit dem Standarditalienisch gemischt.
Keine romanische Sprache hat eine so ausdifferenzierte Dialektlandschaft wie das Italienische. Auch haben die italienischen Dialekte, anders als beispielsweise in Deutschland, in der Vergangenheit nichts von ihrer Vitalität verloren.

Sie werden immer noch von allen Bevölkerungsschichten gerne genutzt und mit dem Standarditaliensch vermischt. Allen gesellschaftlichen Veränderungen zum Trotz ist Italien deshalb auch heute noch ein Eldorado für Dialektforscher.

aber im Gegensatz zu oben angeführtem, scheinen die ähnliche Probleme wie in Deutschland zu haben

Zitat:Spricht man Italiener auf ihren Dialektreichtum an, stößt man auf geteilte Reaktionen.

In manchen Familien ist es geradezu verpönt, Dialekt zu sprechen, da die Eltern für ihre Kinder schulische Nachteile fürchten und der Dialekt in manchen Schichten ein schlechtes Image hat.

Auf der anderen Seite bedient sich gerade die italienische Jugendsprache des Dialekts und es gibt sogar Zeitungen und Bücher, die im Dialekt verfasst sind.

Zum Teil hört man im Gespräch mit dialektal verwurzelten Italienern sogar unterschwelligen Groll gegenüber der Standardsprache durch.


Nach dieser Lektüre wage ich die These, dass Dialektreichtum etwas mit "spätem Nationalstaat" zu tun hat.

Und für Deutschland hoffe ich, dass unser Föderalsystem uns die Dialekte zu erhalten hilft.

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03.08.2012, 13:04
Beitrag: #68
RE: Germanisch/deutsche Dialekte
(03.08.2012 11:30)Suebe schrieb:  Und für Deutschland hoffe ich, dass unser Föderalsystem uns die Dialekte zu erhalten hilft.
Hoffe ich auch, bezweifel es aber. Denn das Plattdeutsche wird auch nicht vom Förderalismus bewahrt.

"Auflehnung ist das heiligste aller Rechte und die notwendigste aller Pflichten."
Marquis de La Fayette
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03.08.2012, 13:32
Beitrag: #69
RE: Germanisch/deutsche Dialekte
(03.08.2012 13:04)Annatar schrieb:  
(03.08.2012 11:30)Suebe schrieb:  Und für Deutschland hoffe ich, dass unser Föderalsystem uns die Dialekte zu erhalten hilft.
Hoffe ich auch, bezweifel es aber. Denn das Plattdeutsche wird auch nicht vom Förderalismus bewahrt.

Sehe das ziemlich leidenschaftslos, Sprache ist ein Verständigungsmittel, mehr nicht. Ich würde keinen Dialekt oder eine Minderheitensprache verbieten oder sonstwie diskriminieren. Aber warum soll man Sprachen künstlich am aussterben hindern.
Menschen sind bequem, warum sollen sie mehrere Sprachen beherrschen, wenn sie sie zur Verständigung nicht mehr benötigen, die Dialektsprecher verstehen und sprechen doch alle Fernsehdeutsch, lesen sowieso hochdeutsch.
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03.08.2012, 13:56
Beitrag: #70
RE: Germanisch/deutsche Dialekte
(03.08.2012 13:32)Renegat schrieb:  
(03.08.2012 13:04)Annatar schrieb:  Hoffe ich auch, bezweifel es aber. Denn das Plattdeutsche wird auch nicht vom Förderalismus bewahrt.

Sehe das ziemlich leidenschaftslos, Sprache ist ein Verständigungsmittel, mehr nicht. Ich würde keinen Dialekt oder eine Minderheitensprache verbieten oder sonstwie diskriminieren. Aber warum soll man Sprachen künstlich am aussterben hindern.
Menschen sind bequem, warum sollen sie mehrere Sprachen beherrschen, wenn sie sie zur Verständigung nicht mehr benötigen, die Dialektsprecher verstehen und sprechen doch alle Fernsehdeutsch, lesen sowieso hochdeutsch.

Manchmal haben Sprachen eine sehr, sehr wichtige Bedetung, nämlich die, uns Zugang zur Geschichte zu verschaffen. So war es auch ein tragischer Fall, dass die Sprache der Pharaonen ausstarb und uns Jahrtausende lang verborgen blieb. Das sorgte auch dafür, dass die Menschen den Wert dieser Schriften nicht richtig erkannte und sie bedenkenlos wiederverwendete oder gar vernichtete.

Aber manche Sprachen, besonders, wenn sie von vorne herein einen sehr kleinen Sprecherkreis hatten, wie isolierte Sprachen auf pazifischen Inseln, oder auch Dialekte, die ja eh meist nur gesprochen und nicht geschrieben wurden (heute schreibt man Hochdeutsch, lange Zeit schrieb man Latein etc.), sehe ich ähnlich wie du.

Wäre ich Antiquar, ich würde mich nur für altes Zeug interessieren. Ich aber bin Historiker, und daher liebe ich das Leben. (Marc Bloch)
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03.08.2012, 14:29
Beitrag: #71
RE: Germanisch/deutsche Dialekte
(03.08.2012 13:04)Annatar schrieb:  
(03.08.2012 11:30)Suebe schrieb:  Und für Deutschland hoffe ich, dass unser Föderalsystem uns die Dialekte zu erhalten hilft.
Hoffe ich auch, bezweifel es aber. Denn das Plattdeutsche wird auch nicht vom Förderalismus bewahrt.

Ich denke du verwendest Platt als Synonym für Niederdeutsch. Das ist aber falsch.[/quote]

Selbstzitat:
Zitat:"Platt" wird im Deutschen eigentlich ähnlich wie "patois" im franz. verwendet.
Aus Wiki:
[quote]Daneben bezeichnet platt ugs. auch die lokalen Dialekte des Rheinisch-Mittelfränkischen, des Moselfränkischen, des Saarländischen, des Mittelhessischen und teilweise des Thüringischen mit Voranstellung der jeweiligen geographischen Bezeichnung, z. B. das Hunsrücker Platt, Hinterländer Platt, Wittgensteiner Platt, Siegerländer Platt und Rhöner Platt. Die Grenze, eine örtliche Mundart als Platt zu bezeichnen, ist fließend und verliert sich südöstlich einer gedachten Linie Pfälzerwald, Taunus - Mittelhessen, Vogelsberg - Main/Spessart - Rhön - Thüringerwald

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03.08.2012, 14:43
Beitrag: #72
RE: Germanisch/deutsche Dialekte
(03.08.2012 13:32)Renegat schrieb:  Sehe das ziemlich leidenschaftslos, Sprache ist ein Verständigungsmittel, mehr nicht. Ich würde keinen Dialekt oder eine Minderheitensprache verbieten oder sonstwie diskriminieren. Aber warum soll man Sprachen künstlich am aussterben hindern.
Menschen sind bequem, warum sollen sie mehrere Sprachen beherrschen, wenn sie sie zur Verständigung nicht mehr benötigen, die Dialektsprecher verstehen und sprechen doch alle Fernsehdeutsch, lesen sowieso hochdeutsch.


Es ist im Deutschen halt so, dass sich die Schriftsprache aus dem Oberdeutschen entwickelt hat.
Ergo: Die oberdeutschen Dialekte (alles südlich der Benrather Linie) werden bei leichtem Bemühen allerorts verstanden. Die Niederdeutschen nicht. Gar nicht.

Der entscheidende Grund, dass die Niederdeutschen Dialekte im verschwinden begriffen sind.
Der zweite, nicht minder wichtige: Die Masse der eingeborenen Fischköpfe (schuldigung) verfügt nicht über ausreichendes Selbstbewusstsein. Exclamation

Es ist heute unbestritten, dass die Kinder von Dialektsprechern, da sie vom frühesten Kindesalter an gewöhnt sind mit zwei Sprachen umzugehen, über eine wesentlich bessere Auffassungsgabe verfügen.

Tongue Angel Cool Big Grin

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03.08.2012, 17:31
Beitrag: #73
RE: Germanisch/deutsche Dialekte
Zitat:Es ist heute unbestritten, dass die Kinder von Dialektsprechern, da sie vom frühesten Kindesalter an gewöhnt sind mit zwei Sprachen umzugehen, über eine wesentlich bessere Auffassungsgabe verfügen

Ein Link
Zitat:http://www.spiegel.de/schulspiegel/deuts...92865.html

für Ungläubige

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03.08.2012, 20:49
Beitrag: #74
RE: Germanisch/deutsche Dialekte
Ähm, Schwabe, es ist noch gar nicht solange her, da galten Dialekt sprechende Kinder als Milljöh-geschädigt. Ich auch, sonst wüsste ich die korrekte Schreibweise.

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03.08.2012, 22:51
Beitrag: #75
RE: Germanisch/deutsche Dialekte
(03.08.2012 14:29)Suebe schrieb:  
(03.08.2012 13:04)Annatar schrieb:  Hoffe ich auch, bezweifel es aber. Denn das Plattdeutsche wird auch nicht vom Förderalismus bewahrt.

Ich denke du verwendest Platt als Synonym für Niederdeutsch. Das ist aber falsch.
Falsch würde ich nicht sagen. Hier in der Region sagt man zu Niederdeutsch immer Platt bzw. Plattdüütsch.

"Auflehnung ist das heiligste aller Rechte und die notwendigste aller Pflichten."
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03.08.2012, 22:58
Beitrag: #76
RE: Germanisch/deutsche Dialekte
(03.08.2012 13:32)Renegat schrieb:  
(03.08.2012 13:04)Annatar schrieb:  Hoffe ich auch, bezweifel es aber. Denn das Plattdeutsche wird auch nicht vom Förderalismus bewahrt.

Sehe das ziemlich leidenschaftslos, Sprache ist ein Verständigungsmittel, mehr nicht. Ich würde keinen Dialekt oder eine Minderheitensprache verbieten oder sonstwie diskriminieren. Aber warum soll man Sprachen künstlich am aussterben hindern.
Menschen sind bequem, warum sollen sie mehrere Sprachen beherrschen, wenn sie sie zur Verständigung nicht mehr benötigen, die Dialektsprecher verstehen und sprechen doch alle Fernsehdeutsch, lesen sowieso hochdeutsch.
Sehe ich anders. Sprache ist ein wichtiger Bestandteil der menschlichen Kultur und sollte als solcher erkannt und bewahrt werden.
Deswegen finde ich es eine Schande, dass die Menschheit nicht in der Lage ist ihre sprachliche und damit auch kulturelle Vielfalt zu bewahren. Egal ob es jetzt ums Plattdeutsche/Niederdeutsche, Manx oder eine Sprache auf einer Pazifikinsel geht.

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04.08.2012, 07:57
Beitrag: #77
RE: Germanisch/deutsche Dialekte
(03.08.2012 22:58)Annatar schrieb:  
(03.08.2012 13:32)Renegat schrieb:  Sehe das ziemlich leidenschaftslos, Sprache ist ein Verständigungsmittel, mehr nicht. Ich würde keinen Dialekt oder eine Minderheitensprache verbieten oder sonstwie diskriminieren. Aber warum soll man Sprachen künstlich am aussterben hindern. Menschen sind bequem, warum sollen sie mehrere Sprachen beherrschen, wenn sie sie zur Verständigung nicht mehr benötigen, die Dialektsprecher verstehen und sprechen doch alle Fernsehdeutsch, lesen sowieso hochdeutsch.
Sehe ich anders. Sprache ist ein wichtiger Bestandteil der menschlichen Kultur und sollte als solcher erkannt und bewahrt werden. Deswegen finde ich es eine Schande, dass die Menschheit nicht in der Lage ist ihre sprachliche und damit auch kulturelle Vielfalt zu bewahren. Egal ob es jetzt ums Plattdeutsche/Niederdeutsche, Manx oder eine Sprache auf einer Pazifikinsel geht.

Wenn Kulturgut der Menschheit verloren geht, ist das selbstverständlich oft ein herber Verlust - ganz im Gegenteil zu so manchem lokalen Dialekt. Leider ist es oft so, dass das gesamte Erbe eines Volksstammes vergessen und vernichtet werden. Sowohl die Sprache als auch das restliche Kulturgut. Und hier muss man differenzieren: Während es um die Sprache nicht sonderlich schade ist (so lange es keine Schriftsprache war, wegen dem von mir erwähnten archäologischen Nutzen), ist der Verlust des Kulturgutes wirklich ein schwerer Verlust für die Menschheit.
Sprachliche Vielfalt mag für die Kultur gut sein, aber mir sind die (positiven) Errungenschaften des Welthandels und zumindest der Nationalisierung (das heißt, kulturelle Einigung eines Staates) und teilweise auch die Globalisierung wichtiger.
Hier muss ich noch einschieben, wass ich unter kultureller Einigung eines Staates verstehe: Darunter fällt, dass man sich im ganzen Staat problemlos mit jedem verständigen kann (solang es kein Ausländer ist, der die Landessprache nicht spricht), aber natürlich nicht, dass alles zu einem staatlich gelenkten kulturellen Einheitsbrei wird. Nur dass das klar ist.
Der Globalisierung hingegen stehe ich von der kulturellen Warte aus viel kritischer hingegen. Es gibt verschiedene Menschentypen auf der Welt, und so ist es auch sehr gut, dass es verschiedene Sprachen, Religionen und Lebensweisen gibt. Wenn alles immer mehr globalisiert und anglisiert wird (teilweise nicht nur durch die Globalisierung, sondern auch durch den Kolonialismus, aber dem stehe ich nicht viel unkritischer gegenüber), DANN ist das ein kultureller Verlust für die Welt.

--> Um kulturelle Besonderheiten einer Region ist es sehr schade, um einen Dialekt oder um eine isolierte unbedeutende Sprache nicht wirklich.

Wo ihr natürlich recht habt, ist der archäologische Faktor. Aber die Sprachen, die heute aussterben, sind meistens eh nicht von geschichtlicher Bedeutung. Der Verlust der anderen - da stimme ich zu - ist wirklich ein schwerer Verlust. Das sind jedoch nicht allzu viele.

VG
Der Maxdorfer

Wäre ich Antiquar, ich würde mich nur für altes Zeug interessieren. Ich aber bin Historiker, und daher liebe ich das Leben. (Marc Bloch)
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04.08.2012, 07:59
Beitrag: #78
RE: Germanisch/deutsche Dialekte
(03.08.2012 20:49)Arkona schrieb:  Ähm, Schwabe, es ist noch gar nicht solange her, da galten Dialekt sprechende Kinder als Milljöh-geschädigt. Ich auch, sonst wüsste ich die korrekte Schreibweise.

Was aber mittlerweise wissenschaftlich überholt ist.

Ich - der nicht gerade als Dialektsprecher aufgewachsen ist, sondern sich Bälsisch eher durch intensiven Kontakt mit "Einheimischen" angeeignet hat - weiß im übrigen auch erst seit dem Französisch-Unterricht, dass man Milljöh sehr elegant Millieu schreibt.

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04.08.2012, 09:41
Beitrag: #79
RE: Germanisch/deutsche Dialekte
(03.08.2012 20:49)Arkona schrieb:  Ähm, Schwabe, es ist noch gar nicht solange her, da galten Dialekt sprechende Kinder als Milljöh-geschädigt. Ich auch, sonst wüsste ich die korrekte Schreibweise.

Womit du des Pudels Kern mal wieder in Worte gekleidet hast. Smile

Bei uns wurde diese Meinung nur vereinzelt vertreten. Den gestandenen Schwaben hat dieses Gewäsche allerdings nie gejuckt.

Aber an den Küsten der Nord- und Ostsee massiv, und leider auch erfolgreich.

Alle Sprachen Nordeuropas strotzen förmlich von Niederdeutschen Lehnworten. Es ist wirklich traurig.

Eine Frage an den Rostocker:
Tucholsky beschreibt in "Schloss Gripsholm" wie sich seine Begleiterin in Warnemünde auf "Missingsch" mit einem Bekannten unterhalten hätte.
Demnach müsste es diese Sprachform ja auch dort geben/gegeben haben, meine Quellen kennen "Missingsch" aber nur für Hamburg.
Kannst du mir da näherer dazu schreiben?

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04.08.2012, 09:47
Beitrag: #80
RE: Germanisch/deutsche Dialekte
(04.08.2012 09:41)Suebe schrieb:  Eine Frage an den Rostocker:
Tucholsky beschreibt in "Schloss Gripsholm" wie sich seine Begleiterin in Warnemünde auf "Missingsch" mit einem Bekannten unterhalten hätte.
Demnach müsste es diese Sprachform ja auch dort geben/gegeben haben, meine Quellen kennen "Missingsch" aber nur für Hamburg.
Kannst du mir da näherer dazu schreiben?
Nein, das kann ich nicht und ich müsste das eigentlich wissen. Er kann nur hochdeutsch mit "platter Aussprache" gemeint haben, wie in Hamburg es sich konserviert hat.

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