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Evangelischer Kaiser des HRR?
22.07.2012, 18:38
Beitrag: #1
Evangelischer Kaiser des HRR?
Ich habe kürzlich etwas sehr interessantes gelesen, von dem ich euch kurz berichten möchte.

Es war ja nicht so, dass in der frühen Neuzeit der römisch-deutsche Kaisertitel so ohne weiteres dynastisch weitervererbt wurde.
Nein, seit der "Goldenen Bulle" Karls IV. wählten die sieben Kurfürsten nach dem Tod eines alten Kaisers dessen Nachfolger.

[Bild: 179px-Goldene_Bulle_Handschrift.jpg]
Gemeinfrei: Eine Seite aus der Goldenen Bulle.

So war das natürlich auch 1519, als der Habsburgerkaiser Maximilian I. starb,
der als "der letzte Ritter" bezeichnet wurde.
Die Kurfürsten waren die Erzbischöfe von Trier, Mainz und Köln, der König von Böhmen, der Pfalzgraf bei Rhein, der Herzog von Sachsen und der Markgraf von Brandnburg.
Diese Leute trafen zusammen, um den neuen Kaiser zu wählen.

Keinesfalls war klar, dass dies ein Habsburger werden würde.
In der "Epoche der springenden Königswahlen" (1273-1437) waren die Herrscher immer aus unterschiedlichen Häusern gekommen:
Luxemburger, Nassauer, Habsburger, Wittelsbacher...

Und tatsächlich tendierten sie diesmal nicht zu einem Habsburger,
sondern zu Friedrich III. (den Weisen), dem Kurfürsten von Sachsen
aus dem Haus der Wettiner.
Dieser Friedrich wurde auch vom Papst Leo X. unterstützt, der aus eigennützigen Gründen
keinen der beiden mächtigsten Thronkandidaten Franz I. von Frankreich und Karl I. von Aragonien und Burgund unterstützen wollte.

[Bild: ADurerFredericktheWise1524.jpg]
Gemeinfrei. Friedrich der Weise, fünf Jahre nach den Ereignissen des besagten Jahres.

Zudem wollten diese zwei Ausländer unbedingt Kaiser werden,
sie hatten jede Menge Bestechungsgelder bereitgelegt und auch schon ein bisschen ausgegeben:
Franz hatte den Erzbischof von Trier gekauft, Karl den König von Böhmen.

Aus diesem Dilemma heraus hätten sich die Kurfürsten am liebsten für einen dritten entschieden, für Friedrich.
Dessen Chancen standen gut,
der neue römisch-deutsche Kaiser zu werden.
Doch er lehnte bereits eine ganze Zeit vor der Wahl ab.
Er wollte im Kurfürsten-Kollegium lieber als Vermittler auftreten.

Manche behaupten, dies hätte ihm auch seinen Beinamen eingebracht:
Denn seine erfolgreiche Wahl hätte sicherlich einige Kriege mit Habsburg und Frankreich eingebracht.
Er war so weise, bewaffnete Konflikte im Wesentlichen zu vermeiden - auch in seinem Regiment in Sachsen.
Und da war die Ablehnung sehr konsequent und weise.

Und so wählten die Kurfürsten halt doch einen Habsburger auf den Thron,
den neunzehnjährigen Karl, nun Karl V.
Dabei musste dieser eine "Wahlkapitulation" unterschreiben, die statt der starken habsburgisch-kaiserlichen Zentralmacht
eine stärkere Mitwirkungsmöglichkeit der Reichsstände und der Fürsten befürwortete.
Deren Text hatte im Wesentlichen Friedrich der Weise entworfen.
Und auch ansonsten musste Karl V. einiges tun, um gewählt zu werden:
Die Fürsten ließen sich ihr Wahlverhalten teuer bezahlen.

[Bild: Karl_V._%28HRR%29.jpg]
Gemeinfrei. Der Kaiser von 1519-1555, Karl V. aus dem Haus der Habsburger.

Und das Brisante an der Sache:
Friedrich der Weise unterstützte eifrig die Reformation und besonders Reformators Martin Luther!
Wäre er Kaiser geworden - nicht auszudenken, was dann geschehen wäre.
Vielleicht wäre dann jeder, auch der Bayer und der Österreicher, heute ein Protestant.

Überliefert hat das zum Beispiel Erasmus von Rotterdam in seinem Brief vom 17. 10. 1519 an John Fisher.
Einzelheiten wurden aber nie öffentlich.

Es grüßt in die weite Runde
der Maxdorfer

Wäre ich Antiquar, ich würde mich nur für altes Zeug interessieren. Ich aber bin Historiker, und daher liebe ich das Leben. (Marc Bloch)
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22.07.2012, 21:17
Beitrag: #2
RE: Evangelischer Kaiser des HRR?
Friedrich III. genannt der Weise gründete zwar 1502 die Universität Wittenberg und schützte Luther vor Verfolgungen, aber er selbst war kein Protestant. Im Gegenteil: Er besaß eine umfangreiche Reliquiensammlung und blieb persönlich dem katholischen Glauben treu. 1493 unternahm er z.B. eine teure Pilgerfahrt ins Heilige Land. Erst unter seinem Bruder Johann setzte sich die Reformation im ernestinischen Sachsen durch. 1532 hielt Luther eine Grabrede, in der er Johann als beständigen Vorkämpfer der Reformation bezeichnete. Unter dem Namen Johann der Beständige ist er auch in die Geschichte eingegangen. Im albertinischen Sachsen setzte sich die Reformation erst nach 1539 unter Herzog Heinrich dem Frommen und seinem Sohn Moritz durch.

Ich weiß jetzt nicht, wie Friedrich der Weise als Kaiser gehandelt hätte. Seine Herrschaft als Kurfürst war gekennzeichnet vom Bestreben, die Landesherrschaft der einzelnen Fürsten auf Kosten der Zentralmacht zu stärken. Die Wahlkapitulation Karls V. ist letztlich als Erfolg dieser Politik zu verstehen. Möglich wäre es, dass unter einem Kaiser Friedrich, in diesem Fall Friedrich IV., keine Kirchenspaltung innerhalb des HRR stattgefunden hätte, die Landeskirchen würden wahrscheinlich eine größere Bedeutung haben und die Lösung von Rom wäre auch denkbar.

"Geschichte erleuchtet den Verstand, veredelt das Herz, spornt den Willen und lenkt ihn auf höhere Ziele." Cicero
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23.07.2012, 09:17
Beitrag: #3
RE: Evangelischer Kaiser des HRR?
(22.07.2012 21:17)Sansavoir schrieb:  Friedrich III. genannt der Weise gründete zwar 1502 die Universität Wittenberg und schützte Luther vor Verfolgungen, aber er selbst war kein Protestant. Im Gegenteil: Er besaß eine umfangreiche Reliquiensammlung und blieb persönlich dem katholischen Glauben treu. 1493 unternahm er z.B. eine teure Pilgerfahrt ins Heilige Land. Erst unter seinem Bruder Johann setzte sich die Reformation im ernestinischen Sachsen durch. 1532 hielt Luther eine Grabrede, in der er Johann als beständigen Vorkämpfer der Reformation bezeichnete. Unter dem Namen Johann der Beständige ist er auch in die Geschichte eingegangen. Im albertinischen Sachsen setzte sich die Reformation erst nach 1539 unter Herzog Heinrich dem Frommen und seinem Sohn Moritz durch.

Tut mir leid, das ist mein Fehler. Blush Ich habe das korrigiert Wobei die Pilgerfahrt ja lange vor der Reformation stattfand.

(22.07.2012 21:17)Sansavoir schrieb:  Ich weiß jetzt nicht, wie Friedrich der Weise als Kaiser gehandelt hätte. Seine Herrschaft als Kurfürst war gekennzeichnet vom Bestreben, die Landesherrschaft der einzelnen Fürsten auf Kosten der Zentralmacht zu stärken. Die Wahlkapitulation Karls V. ist letztlich als Erfolg dieser Politik zu verstehen. Möglich wäre es, dass unter einem Kaiser Friedrich, in diesem Fall Friedrich IV., keine Kirchenspaltung innerhalb des HRR stattgefunden hätte, die Landeskirchen würden wahrscheinlich eine größere Bedeutung haben und die Lösung von Rom wäre auch denkbar.

Das könnte in der Tat sein.

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23.07.2012, 16:21
Beitrag: #4
RE: Evangelischer Kaiser des HRR?
(23.07.2012 09:17)Maxdorfer schrieb:  Tut mir leid, das ist mein Fehler. Blush Ich habe das korrigiert Wobei die Pilgerfahrt ja lange vor der Reformation stattfand.

Das stimmt natürlich. Und diese Pilgerfahrt wird sicherlich kein Einfluss auf Friedrichs Politik von 1517 bis zu seinem Tod im Jahr 1525 gehabt haben.

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24.07.2012, 07:14
Beitrag: #5
RE: Evangelischer Kaiser des HRR?
Übrigens hatte auch Kaiser Maximilian II. protestantische Neigungen. Aber um die Thronfolge antreten zu können, musste er ein Bekenntnis zum Katholizismus ablegen. So musste er sich damit zurechtfinden, sich lediglich als Bewahrer des Augsburger Religionsfriedens von 1555 zu sehen.

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24.07.2012, 23:33
Beitrag: #6
RE: Evangelischer Kaiser des HRR?
Das stimmt. Allerdings mussten die Söhne Maximilians II. (Rudolf II., Matthias und Ernst) zur Erziehung nach Spanien. Das lag einerseits daran, dass die spanische Thronfolge nicht geklärt war, Philipp II. es durchaus in Betracht zog, einen seiner Neffen als Thronfolger auszubilden. Spekulativ: Maximilians Gattin Maria war die Schwester Philipps II., sie wollte ihre Söhne fest im katholischen Glauben verankert sehen und überließ sie einige Jahre den Spaniern...

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25.07.2012, 14:01
Beitrag: #7
RE: Evangelischer Kaiser des HRR?
Danke für die weiteren Infos! Smile

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21.05.2016, 20:36
Beitrag: #8
RE: Evangelischer Kaiser des HRR?
Hi Maxendorfer,

ein sehr interessanter Artikel, allerdings sind mir ein paar Punkte aufgefallen, die zu diskutieren wären.

(22.07.2012 18:38)Maxdorfer schrieb:  Es war ja nicht so, dass in der frühen Neuzeit der römisch-deutsche Kaisertitel so ohne weiteres dynastisch weitervererbt wurde.
Nein, seit der "Goldenen Bulle" Karls IV. wählten die sieben Kurfürsten nach dem Tod eines alten Kaisers dessen Nachfolger.

Die Erhebung und Krönung des römisch-deutschen Königs zum Kaiser war bis ins 16. Jahrhundert an die ausdrückliche Zustimmung des Papstes gebunden und setzte voraus, dass dieser zuvor röm.-dt. König geworden war. (Einzige Ausnahme ist König / Kaiser Ludwig IV. der Bayer, der sich zunächst unter Ausschluss des Papstes zum Kaiser krönen ließ.)

Kaiser Ferdinand I. war der erste Kaiser, der diese Würde ohne päpstliche Genehmigung besaß und bei dem das von den übrigen Reichsfürsten akzeptiert wurde.
(Zum Vergleich: König / Kaiser Maximilian I. nahm den Kaisertitel ohne Krönung durch Papst an, aber mit dessen ausdrücklicher Zustimmung. Von den Kurfürsten wurde diese Regelung keineswegs anerkannt, wie der Umstand zeigt, dass es ihm nicht möglich war, seinen Enkel, den späteren König / Kaiser Karl V. noch zu seinen Lebzeiten zum röm.-dt. König krönen zu lassen, was dem Haus Österreich eine der kostspieligsten Wahlkämpfe erspart hätte.)

Was die Wahl des röm.-dt. Königs durch die Kurfürsten betrifft, so war dies nicht erst seit der Goldenen Bulle der Fall. Der röm.-dt. König des ostfränkischen Reiches wurde von Anfang an von den Stammesfürsten und später von den Reichsfürsten gewählt. Selbst wenn der Sohn auf den Vater folgte, was bei den Dynastien der Ottonen, Salier und Staufer gewöhnlich der Fall war, geschah dies mit Zustimmung bzw. durch Wahl der Reichsfürsten. Die Eingrenzung der wahlberechtigten Fürsten auf die sieben Kurfürsten und ihre Territorien sind bereits im 13. Jahrhundert nachgewiesen. (Die Goldene Bulle bestätigte also letztlich nur einen bestehenden Statusquo und schuf Voraussetzungen, um einige unerfreuliche Wahlprobleme, die sich bei Königswahlen im 14. Jahrhundert ergeben hatten, für die Zukunft zu verhindern.)

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(22.07.2012 18:38)Maxdorfer schrieb:  Dieser Friedrich wurde auch vom Papst Leo X. unterstützt, der aus eigennützigen Gründen
keinen der beiden mächtigsten Thronkandidaten Franz I. von Frankreich und Karl I. von Aragonien und Burgund unterstützen wollte.

Zudem wollten diese zwei Ausländer unbedingt Kaiser werden,
sie hatten jede Menge Bestechungsgelder bereitgelegt und auch schon ein bisschen ausgegeben:
Franz hatte den Erzbischof von Trier gekauft, Karl den König von Böhmen.

Ob die Bezeichnung "Ausländer" für den französischen König Franz I. und den "spanischen" König Karl I. wirklich zutrifft, wäre zu diskutieren. Karl I. war nicht nur der Enkel seines Vorgängers, sondern er war ein Reichsfürst. (So gesehen wäre eigentlich bereits König / Kaiser Siegmund ein "Ausländer" gewesen, war er doch zum Zeitpunkt seiner Wahl de jure kein Reichsfürst, sondern nur der ungarische König. Ähnliches würde auch für die Könige Alfons von Kastilien und Richard von Cornwall im Interregnum gelten, die zwar mit den Staufern bzw. den Welfen verwandt waren, aber keine Reichsfürsten.)

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Abgesehen davon, welche Rolle der Kurfürst Friedrich der Weise von Sachsen gespielt hat, wäre wahrscheinlich auch abzuklären, inwieweit die Wahl von Karl I. von Österreich (später König / Kaiser Karl V.) von Fakten beeinflusst wurde, die gegenüber den Königswahlen im 14. und 15. Jahrhundert entstanden waren. Was hatte sich seit der Wahl eines Rudolfs I. oder Karl IV. verändert?

Von Handsalben erfahren wir z. B. auch schon bei früheren Wahlen, so wird heute davon ausgegangen, dass dies der Grund war, warum nach der Doppelwahl von Ludwig dem Bayern und Friedrich dem Schönen keiner der beiden es sich leisten konnte, die Wahl zugunsten des anderen abzulehnen: "Prestige- und Kostengründe".

Ebenso erfahren wir auch von Wahlversprechen, die gegeben wurden, um die Kurstimme zu erhalten und davon, dass Kurfürsten unter einem Vorwand von der Wahl ausgeschlossen wurden.

Rudolf I. wiederum dürfte vier Kurstimmen dadurch gekriegt haben, in dem er zwei Töchter mit deren Familien verheiratete, wobei diese beiden Ehen für ihn auch ohne Kurstimmen sehr attraktiv gewesen sein dürften, war er doch zum Zeitpunkt seiner Wahl nur Graf und gehörte als solcher nicht den Reichsfürstenstand an.

Was den französischen und den englischen König als Wahlkandidaten betrifft, so hat dabei sicher eine wesentliche Rolle gespielt, dass beide nach der Beendigung des Hundertjährigen Krieges bzw. der Rosenkriege in ihren eigenen Herrschaftsgebieten eine sichere Position aufgebaut hatten, was ihnen die Möglichkeit gab, auch in der "international-europäischen" Politik nun mitzumischen. Jedenfalls zeigt ihre Bewerbung, dass die Wahl des röm.-dt. Königs zu diesem Zeitpunkt keineswegs als eine reine Angelegenheit von "deutschen" Ländern angesehen wurde.

Die Entwicklung diesbezüglich lässt sich im letzten Drittel des 15. Jahrhunderts beobachten. Was die Wahl von Maximilian I. zum dt.-röm. König betrifft, so wissen wir heute, dass der damalige König von Frankreich heimlich versucht hat, diese durch heimliche Kontaktaufnahme mit einigen der Kurfürsten zu verhindern. (Er trat zwar noch nicht selbst als Bewerber auf, versuchte aber auf die Wahl Einfluss zu nehmen.)

Ferner gibt es Hinweise, dass der ungarische König Matthias Corvinus, der immerhin offiziell den Titel eines böhmischen Königs führte und inzwischen Teile des böhmischen Königsreiches, wenn auch nicht das Stammland beherrschte (womit er formal ein Reichsfürst war) gerne zum röm.-dt. König gewählt worden wäre.

Herzog Karl der Kühne scheint ebenfalls an dieser Würde interessiert gewesen zu sein, auch wenn er bei den Verhandlungen in Trier sich letztlich mit der Erhebung eines seiner Länder zum Königreich durch Kaiser Friedrich III. begnügt hätte.

Eine weitere Rolle dürfte außerdem gerade der Wegfall des "Zwischenreiches" der Herzöge von Burgund und die "internationale" Verflechtung der "europäischen" Politik gespielt haben.

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Nur die Geschichtenschreiber erzählen uns, was die Leute dachten.
Wissenschaftliche Forscher halten sich streng an das, was sie taten.

Josephine Tey, Alibi für einen König
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22.05.2016, 11:34
Beitrag: #9
RE: Evangelischer Kaiser des HRR?
Knackpunkt dürfte die Verbindung des Kaisertitels mit dem Papsttum gewesen sein. Ein evangelischer Kaiser hätte die Rechtsgrundlage für das Reich (das ja immerhin ein "heiliges" war!) völlig neu definieren müssen...Wink
Bei Friedrich dem Weisen hätte sich die spannende Situation ergeben, dass er evtl. erst NACH seiner Kaiserwahl zum Protestantismus übertreten hätte können...Wink
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23.05.2016, 09:41
Beitrag: #10
RE: Evangelischer Kaiser des HRR?
(22.05.2016 11:34)913Chris schrieb:  Knackpunkt dürfte die Verbindung des Kaisertitels mit dem Papsttum gewesen sein. Ein evangelischer Kaiser hätte die Rechtsgrundlage für das Reich (das ja immerhin ein "heiliges" war!) völlig neu definieren müssen...Wink
Bei Friedrich dem Weisen hätte sich die spannende Situation ergeben, dass er evtl. erst NACH seiner Kaiserwahl zum Protestantismus übertreten hätte können...Wink
Da hast Du recht. Der Papst hätte niemals einen Protestanten zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches krörn können - das wäre zu absurd gewesen.
Karl V war der letzte Kaiser, der sich vom Papst krönnen liess (von der Episode mit Napoleon einmal abgesehen). Karls Nachfolger, Ferdinand I, war der erste Kaiser, der den Kaisertitel führte ohne vom Papst gekörnt worden zu sein. Der Papst hatte zwar protestiert, aber das intressierte damals (1556) schon niemand mehr. Bezüglich Kaiserkrönung hatte der Papst von da an tatsächlich nichts mehr zu melden. Auch das ein Merkmal, dass das Mittelalter zu Ende war.
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