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Kindheit und Jugend in Byzanz
24.12.2012, 15:59
Beitrag: #6
RE: Kindheit und Jugend in Byzanz
Kindheit und Jugend in Byzanz – Teil 3: Neue Oberschulen und Großfamilien

In der Mitte des 9. Jahrhunderts nach Christus gründete der Caesar Bardas eine „Magnaura“ genannte staatliche Oberschule in Byzanz. Diese war sehr eng an die Kaiser und ihre Dynastie geknüpft und diente der weiteren Ausbildung zukünftiger Eliten und Würdenträger. Unterrichtet wurden in der antiken Tradition das trivium (Grammatik, Rhetorik und Philosophie) sowie das quadrivium (Arithmetik, Musik, Geometrie und Astronomie). Wer an dieser Schule seine Jugend verbrachte, war ein Kandidat für höchste Ämter im Staat. Später initiierten Kaiser auch spezialisierte Schulen, die Experten auf einzelnen Fachgebieten hervorbringen sollten. So wurde Johannes Xiphilinos mit der Errichtung und Leitung einer Schule für Rechtswissenschaften und zur Ausbildung von Juristen beauftragt, Michael Psellos sollte eine Philosophenschule gründen. Dies nur einige Beispiele.
Auf diese Weise wurde das kulturelle und geistige Leben in Byzanz enorm gefördert, doch nach recht kurzer Zeit schliefen die Institutionen allesamt wieder ein. Nichtsdestotrotz war Byzanz ein Zentrum antiken Wissens, denn obwohl die Bildungschancen an heutigen Maßstäben gemessen sehr niedrig waren, halten sie doch jedem Vergleich mit Mitteleuropa und den ehemaligen weströmischen Gebieten stand. Byzanz genoss im Mittelalter den Ruf einer Metropole von Wissenschaft und Geistesgrößen und wurde in einem Atemzug mit Bagdad oder Paris genannt. Nicht nur, dass die oströmische Kultur das frühchristliche Leben konservierte, antike Kultur und römisch-griechisches Wissen überlieferte oder sogar rettete und arabische Erkenntnisse in den christlichen Kulturraum hineintrug, es wirkte auch befruchtend auf Mitteleuropa, wo das Mittelalter doch vergleichsweise „dunkel“ war.
Ab dem 11. Jahrhundert bahnte sich eine Wende im byzantinischen Familienleben an. Statt der dem modernen Menschen vertrauten Familie mit Mutter, Vater und den Kindern ging der Trend in Richtung der Großfamilien. Clans hielten zusammen, es bildete sich eine Familienidentität in einer Form, wie sie vorher nicht bestanden hatte, und längst nicht nur in der Oberschicht. Außerdem fanden zunehmend Heiraten mit Ausländern bzw. Ausländerinnen statt, die die traditionelle byzantinische Familie nicht selten veränderten. Hinzu tritt ein intensiver Austausch mit dem Westen im Zuge der Kreuzzüge.

Wäre ich Antiquar, ich würde mich nur für altes Zeug interessieren. Ich aber bin Historiker, und daher liebe ich das Leben. (Marc Bloch)
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RE: Kindheit und Jugend in Byzanz - Maxdorfer - 24.12.2012 15:59

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