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Entwicklung von Territorialherrschaften im Spätmittelalter
24.02.2016, 21:02
Beitrag: #1
Entwicklung von Territorialherrschaften im Spätmittelalter
Im ausgehenden Hochmittelalter, dem beginnenden Spätmittelalter entwickelten sich "unterhalb" der Stammesherzogtümer regionale Territorialherrschaften.
Die im Spätmittelalter dann die Stammesherzogtümer mehr oder weniger ersetzten.

Ich habe hierzu leider nur regionale, sprich Südwestdeutsche Kenntnisse die ich die nächten Tage hier einbringen werde, es wäre aber schön, wenn weitere "Regionalisten" die Entwicklungen in "ihren" Regionen beschreiben könnten.

Anlass hierzu, der Wittelsbacher-3nd.

Hätt Adam unser Bier besessen, er hätt den Apfel nicht gegessen.
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26.02.2016, 19:01
Beitrag: #2
RE: Entwicklung von Territorialherrschaften im Spätmittelalter
(24.02.2016 21:02)Suebe schrieb:  es wäre aber schön, wenn weitere "Regionalisten" die Entwicklungen in "ihren" Regionen beschreiben könnten.

Schon ein Blick auf jeden Geschichtsatlas zeigt deutlich, wie seit dem 13. Jh. die Territorialisierung voranschreitet und sich Herrschaften, Grafschaften, Fürstentümer und neue Herzogtümer bilden, die keinerlei Stammesgrundlage mehr haben.

So löste sich das Stammesherzogtum Sachsen nach der Verbannung Heinrichs des Löwen in eine Fülle kleiner Herrschaften auf. Darunter die Grafschaften Lippe, Diepholz, Oldenburg, Hoya, Bentheim, Ravensburg, Hohnstein usw. Die Regionen mit dem dichtesten Eigengut der Welfen wurden zum neuen Herzogtum Braunschweig-Lüneburg erhoben. Ferner entstanden neue geistliche Fürstentümer wie z.B. die Fürstbistümer Hildesheim, Verden, Osnabrück, Münster oder Bremen, daneben Fürstabteien wie z.B. Corvey.

Alöle diese neuen Herren waren bestrebt, ihre Territorien zu erweitern und zu arrondieren und andere Herren zu verdrängen oder lehnsabhängig zu machen. Ziel war ein geschlossenes Territorium, das nicht mehr von anderen konkurrierenden Herrschaften durchsetzt war. Dieses Ziel wurde allerdings bis zum Ende des Alten Reichs in den seltensten Fällen erreicht.
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26.02.2016, 19:36
Beitrag: #3
RE: Entwicklung von Territorialherrschaften im Spätmittelalter
Die Kleinteiligkeit Südwestdeutschlands wird gemeinhin mit den Staufern in Verbindung gebracht, Die, um sich Unterstützung für verschiedenste Zwecke zu "erkaufen"
ihr "Hausgut" peu a peu verschleudert hätten.

Grund für diese Zergliederung, die allem nach im ganzen Reich festzustellen ist, keineswegs auf Franken, Schwaben oder Sachsen begrenzt war, muss aber ein Wechsel in der Rechtsauffassung gewesen sein.
Dass diese Territorialrechte (die sich idR aus einem ganzen Bündel unterschiedlister Rechte zusammensetzten) zu vererben, zu verkaufen und zu "verleihen" waren.

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27.02.2016, 10:45
Beitrag: #4
RE: Entwicklung von Territorialherrschaften im Spätmittelalter
ich sehe den Grund für dei Zerstückelung Schwabens und auch Frankens eher darin, dass mit dem Wegfall der Staufer in diesen beiden Gebieten keine neue Zentralherrschaft entstand. Jeder wurschtelte also vor sich hin, beharrte auf seinen Rechten und baute diese aus, und irgendwann war das Gewohnheitsrecht geworden und kein Hahn krähte mehr nach dem Herzog von Schwaben oder von Franken (dieses Amt beanspruchte ja der Erzbischof von Würzburg für sich, aber auch nur deswegen, weil er eine relativ große Territorialherrschaft aufgebaut hatte und den Vorrang vor dem Bamberger Erzbischof beanspruchte...)
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27.02.2016, 16:01
Beitrag: #5
RE: Entwicklung von Territorialherrschaften im Spätmittelalter
Das ist soweit ich das beurteilen kann richtig.

Im Herzogtum Schwaben hat in der unmittelbaren "Nach"-Stauferzeit Wirtenberg versucht eine entsprechende Stellung zu erlangen.
Was aber letztlich schon daran gescheitert ist, dass die Grafen von Wiürttemberg (nach heutiger Schreibweise) zu der Zeit bereits in 2 Linien geteilt waren. Württemberg und Grüningen. Man hat durchaus noch kooperiert, mitten in der Schlacht bei Frankfurt hat man gemeinsam die Seiten gewechselt der Württemberger Graf hat daher seinen Beinamen "Stifter", aber zu einem entscheidenden Zeitpunkt nicht.
Als sich nämlich Rudolf von Habsburg daran machte die Reichsgüter in Schwaben wieder an das Reich zu bringen, hat Württemberg schließlich eingelenkt, Grüningen nicht.
Was am Ende zur Bedeutungslosigkeit der 2. Linie, Württemberg-Grüningen, Grüningen, Landau-Grüningen führte.

OT: Diese 2. Linie der Württemberger Grafen, heute im Prinzip vergessen, zusammen mit der Herkunft aus dem Oberland-Allgäu, weniger aus dem Luxemburg-Fränkischen wie von Decker-Hauff vertreten, hat mich veranlasst, diesen 3nd aufzumachen, ich werde mich hier noch dazu intensiver äußern.

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27.02.2016, 16:19
Beitrag: #6
RE: Entwicklung von Territorialherrschaften im Spätmittelalter
Neben den Herzögen von Württemburg haben auch die Habsburger seit Rudolf I. immer wieder versucht dort ein Herzogtum Schwaben (oder Herzogtum in Schwaben) aufzubauen.

Diesem Ziel dürften sie unter Herzog Sigmund dem Münzreichen Anfang der 1480er Jahren am nächsten gewesen sein, eigentlich ist es schon eine Ironie, da dies letztlich von Kaiser Friedrich III., also einem aus ihrer Familie verhindert wurde, sei es, weil er das als Kaiser / im Interesse des HRR nicht zulassen konnte, sei es, weil aus eigenem Interesse eine Stärkung seines Cousins nicht zulassen wollte, vgl. dazu Wilhelm Baum: Die Habsburger in den Vorlanden 1386 - 1486. Krise und Höhepunkt der habsburgischen Machtstellung in Schwaben am Ausgang des Mittelalters, 1993.

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27.02.2016, 17:13
Beitrag: #7
RE: Entwicklung von Territorialherrschaften im Spätmittelalter
ja, mach mal, ich hab mich grad über die Grüninger über Wiki informiert, da kann eine Zusammenschau nicht schaden, um den Überblick nicht zu verlieren....das geht ja über die ersten Grüninger zurück zu den Ursprüngen der Württemberger!
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27.02.2016, 19:06
Beitrag: #8
RE: Entwicklung von Territorialherrschaften im Spätmittelalter
(27.02.2016 16:19)Teresa C. schrieb:  Neben den Herzögen von Württemburg haben auch die Habsburger seit Rudolf I. immer wieder versucht dort ein Herzogtum Schwaben (oder Herzogtum in Schwaben) aufzubauen.

Diesem Ziel dürften sie unter Herzog Sigmund dem Münzreichen Anfang der 1480er Jahren am nächsten gewesen sein, eigentlich ist es schon eine Ironie, da dies letztlich von Kaiser Friedrich III., also einem aus ihrer Familie verhindert wurde, sei es, weil er das als Kaiser / im Interesse des HRR nicht zulassen konnte, sei es, weil aus eigenem Interesse eine Stärkung seines Cousins nicht zulassen wollte, vgl. dazu Wilhelm Baum: Die Habsburger in den Vorlanden 1386 - 1486. Krise und Höhepunkt der habsburgischen Machtstellung in Schwaben am Ausgang des Mittelalters, 1993.

So nahe wie zwischen 1519 und 1534 war Habsburg dem nie.
Als der Schwäbische Bund das eroberte Württemberg an Habsburg verkauft hatte.
Und wenn den anderen Reichsfürsten diese schwäbische Machtfülle nicht so überhaupt nicht gepasst hätte, wären die Württemberger ihres Ländchens für immer verlustigt gegangen.
Aber, erobern musste man das Land trotzdem, mit hessischen Beistand, und sowohl der König in Wien als auch der Kaiser in Spanien waren über den Verlust gar nicht erbaut. Man wollte die Gerichte anrufen, wegen Bruch des Landfriedens usw.

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28.02.2016, 14:06
Beitrag: #9
RE: Entwicklung von Territorialherrschaften im Spätmittelalter
inwiefern spielte eigentlich die Tatsache eine Rolle, dass im Südwesten die Zähringer und andere große Geschlechter sich riesige Ländereien angeeignet hatten, und die nach dem Aussterben der jeweiligen Geschlechter auf irgendwelche Erben - u.a. die Württemberger - verteilt wurden, ohne dass König oder Kaiser als ja wohl amtierende Herzöge da Einfluss nehmen konnten?
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28.02.2016, 14:58
Beitrag: #10
RE: Entwicklung von Territorialherrschaften im Spätmittelalter
(27.02.2016 17:13)913Chris schrieb:  ja, mach mal, ich hab mich grad über die Grüninger über Wiki informiert, da kann eine Zusammenschau nicht schaden, um den Überblick nicht zu verlieren....das geht ja über die ersten Grüninger zurück zu den Ursprüngen der Württemberger!


Württemberg-Grüningen, Grüningen, Landau-Grüningen.
Bei Landeshistorikern bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts erfährt man lediglich, die wären "gleichen Stammes" wie Württemberg.
Dann noch die Vorgänge bei der Schlacht von Frakfurt, als die Vettern Ulrich der Stifter (sic) und Hartmann von Grüningen stiften gingen. Der Papst hatte ihnen dafür den "Herzog von Schwaben" versprochen, ohne das Versprechen später zu halten.
Aber dann hat es sich eigentlich gehabt. Mehr war "eigentlich" nicht zu erfahren.
in den 60-70ern hat sich dann Decker-Hauff, Authenriet usw. des Nebels angenommen. Wild spekuliert und interpretiert und weitere Nebelkerzen gezündet....Devil

Hete Abend mehr

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28.02.2016, 19:58
Beitrag: #11
RE: Entwicklung von Territorialherrschaften im Spätmittelalter
Spannende Geschichte, ich freu mich drauf...hab mich wie gesagt durch wiki geklickt, aber ich bin sicher, du hast mehr info...Wink
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29.02.2016, 14:09
Beitrag: #12
RE: Entwicklung von Territorialherrschaften im Spätmittelalter
(26.02.2016 19:36)Suebe schrieb:  Die Kleinteiligkeit Südwestdeutschlands wird gemeinhin mit den Staufern in Verbindung gebracht, Die, um sich Unterstützung für verschiedenste Zwecke zu "erkaufen"
ihr "Hausgut" peu a peu verschleudert hätten.

Die unglaubliche Zersplitterung SW-Deutschlands ist vor allem dem Untergang der Staufer geschuldet, deren gesamte Allode und Lehnsherrschaften quasi "herrenlos" wurden. Das in dieser Phase besonders schwache deutsche Königtum war nicht in der Lage, die erledigten Lehen an sich zu ziehen. Somit entstand die ungeheure Fülle von kleinen und kleinsten Territorien, viel stärker, als z.B. im Norden oder SO des Reichs.

(26.02.2016 19:36)Suebe schrieb:  Grund für diese Zergliederung, die allem nach im ganzen Reich festzustellen ist, keineswegs auf Franken, Schwaben oder Sachsen begrenzt war, muss aber ein Wechsel in der Rechtsauffassung gewesen sein.

Der Prozess der Territorialisierung erfasste das gesamte Rech, wobei manche Refionen stärker aös andere davon betroffen waren. So war der SO mit Bayern erheblich weniger von der territorialen Zersplitterung erfasst, als der SW.

(26.02.2016 19:36)Suebe schrieb:  Dass diese Territorialrechte (die sich idR aus einem ganzen Bündel unterschiedlister Rechte zusammensetzten) zu vererben, zu verkaufen und zu "verleihen" waren.

Der moderne Territorialstaat ist nicht von heute auf morgen entstanden, sondern das Produkt einer längeren Entwicklung. Nimmt man es genau, hat er sich sogar bis zum Ende des Alten Reichs nicht überall vollständig durchsetzen können, da Partikel alter Gewalten und Herrschaftsansprüche lebendig blieben.

Anfänge moderner Staatsbildung gibt es im Hochmittelalter um 1200, der eine Territorialbildung im 13. Jh. folgte. Dieses Jahrhundert gilt als eigentliche Entstehungszeit. Von domini terrae ist schon in einem Reichsweistum von 1231 die Rede, wenig später (1237) von ministeriales terrae (anstatt von ministeriales ducis) und allmählich werden die Zusammensetzungen mit "Land" häufig: vom "Landrecht" über "Landgrafschaften" und "Landvogteien" zum "Landesvater" zu den "Landeskindern" und "Landsknechten".

Der Übergang zur "Landes"herrschaft ist offenbar Ausdruck einer aufgrund der Bevölkerungszunahme und Bevölkerungsdifferenzierung eingetretenen Herrschaftsverdichtung. Gefördert wurde diese Territorialisierung der Herrschaft schon früh vom Reich, durch Kaiser und Könige, die sich gegen die Konkurrenz der Stammesherzöge durchzusetzen versuchten. Schon im 12. Jh. tauchen neue, nicht mehr dem Stammesprinzip folgende terrae imperii auf. Während jedoch in Frankreich der Aufbau einer königlichen Landesherrschaft gelang, führte die Raumerfassung in Deutschland nach dem Zusammenbruch der Stauferherrschaft dazu, dass eine Fülle größerer und kleinerer Potentaten durch die Errichtung von Gebietsherrschaften zu "Landesherren" aufstieg.

Rechtsgrundlage bildeten verschiedene Elemente. So vor allem die Grundherrschaft, die aus fränkischer Zeit überkommene Grafschaft mit Grafschaftsrechten wie z.B. der hohen Gerichtsbarkeit, Daneben aber ließen sich alle möglichen Machtmittel und Rechtstitel benutzen, so z.B. eine mit Immunitätsrechten begabte Grundherrschaft, die eine Vogtei über Kirchen, die niedere Gerichtsbarkeit oder das Forstregal besaß, vor allem aber eine Grafschaft mit ihrem Bündel von Hoheitsrechten. Konkurrierende Herrschaften wurden aufgekauft oder durch Einheirat erworben. Gegenüber kleinen Machtträgern im Lande wurde z.B. das Lehnsrecht ausgespielt, indem man Lehnsvergaben davon abhängig machte, dass der Vasall seinen Eigenbesitz dem Herrn auftrug, um ihn anschließend zusammen mit den begehrten Herrengütern als Lehen zurückzuempfangen. Das verstärkte seine Abhängigkeit und vergrößerte den Umfang dessen, was beim Aussterben einer hochadligen Familie im Lande an den Fürsten zurückfiel.

Im Idealfall waren am Ende dieses Prozesses alle anderen Herrschaftsträger aus dem betreffenden Raum ausgeschlossen oder untergeordnet, und es bestand nur noch eine Abhängigkeit vom Reich.

Es zeigt sich, dass die Schwächung der Reichsgewalt den Aufbau von Landesherrschaften förderte, wie besonders die Doppelwahl von 1198 und der Zusammenbruch der Stauferherrschaft. Historiker sprechen dabei vom Übergang vom Personenverbandsstaat zum Territorialstaat. https://de.wikipedia.org/wiki/Personenverbandsstaat
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29.02.2016, 18:22
Beitrag: #13
RE: Entwicklung von Territorialherrschaften im Spätmittelalter
(29.02.2016 14:09)Dietrich schrieb:  
(26.02.2016 19:36)Suebe schrieb:  Die Kleinteiligkeit Südwestdeutschlands wird gemeinhin mit den Staufern in Verbindung gebracht, Die, um sich Unterstützung für verschiedenste Zwecke zu "erkaufen"
ihr "Hausgut" peu a peu verschleudert hätten.

Die unglaubliche Zersplitterung SW-Deutschlands ist vor allem dem Untergang der Staufer geschuldet, deren gesamte Allode und Lehnsherrschaften quasi "herrenlos" wurden. Das in dieser Phase besonders schwache deutsche Königtum war nicht in der Lage, die erledigten Lehen an sich zu ziehen. Somit entstand die ungeheure Fülle von kleinen und kleinsten Territorien, viel stärker, als z.B. im Norden oder SO des Reichs.

(26.02.2016 19:36)Suebe schrieb:  Grund für diese Zergliederung, die allem nach im ganzen Reich festzustellen ist, keineswegs auf Franken, Schwaben oder Sachsen begrenzt war, muss aber ein Wechsel in der Rechtsauffassung gewesen sein.

Der Prozess der Territorialisierung erfasste das gesamte Rech, wobei manche Refionen stärker aös andere davon betroffen waren. So war der SO mit Bayern erheblich weniger von der territorialen Zersplitterung erfasst, als der SW.

(26.02.2016 19:36)Suebe schrieb:  Dass diese Territorialrechte (die sich idR aus einem ganzen Bündel unterschiedlister Rechte zusammensetzten) zu vererben, zu verkaufen und zu "verleihen" waren.

Der moderne Territorialstaat ist nicht von heute auf morgen entstanden, sondern das Produkt einer längeren Entwicklung. Nimmt man es genau, hat er sich sogar bis zum Ende des Alten Reichs nicht überall vollständig durchsetzen können, da Partikel alter Gewalten und Herrschaftsansprüche lebendig blieben.


Also ganz so ist es nicht.
Es gab in den 1230er Jahren insgesamt 3 "Reichsgesetze" die sich faktisch zu einer ersten geschriebenen Reichsverfassung ergänzten.
Darin wurden unter anderem genau die genannten Punkte geregelt.

Zur Zeit der Regierung Rudolf von Habsburgs wurde dann Friedrich II, als letzter legitimer Kaiser und König vor Rudolf festgelegt, maW Belehnungen und Rechtsgeschäfte der diversen Könige dazwischen wurden allesamt für ungültig erklärt.
Rechte, Güter, Territorien mussten wieder herausgegeben werden
Das ist auch der Punkt wo die Geschichte der beiden württ. Linien entscheidend auseinander geht. (der Einfachheit halber) Stuttgart hat sich schließlich arrangiert, und hat als Territorialherrschaft überlebt, wenn auch etwas gerupft.
Grüningen hat die militärische Konfrontation gesucht, hat Freiheit, Leben, Vermögen und die Territorialherrschaft eingebüsst. Der Grüninger Graf starb in der Gefangenschaft auf dem Asperg.

Die Staufer, insbesondere Friedrich II., haben sich als er seine Legitimation verloren hatte, zu allerlei "ungeschickten" Handlungen hinreißen lassen, die die Entwicklung sicher beschleunigten.
Letztlich aber eine Entwicklung die in der Zeit lag, die längst schon begonnen hatte.

Das Reich war durchaus handlungsfähig, und hat auch gehandelt.

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29.02.2016, 20:21
Beitrag: #14
RE: Entwicklung von Territorialherrschaften im Spätmittelalter
Ich denke mal, Bayern wäre ähnlich zersplittert worden, wären im 13./14.Jh. nicht reihenweise bedeutende Geschlechter ausgestorben und von den Wittelsbacher beerbt worden, bis letzten Endes glaub ich nur noch die Grafen von Ortenburg übrig geblieben waren, die sich dann aber auch der wittelsbachischen Übermacht beugen mussten und als nur noch quasi-selbstständig inmitten wittelsbachischen Gebietes "überlebten"....
Wenn man bedenkt, dass innerhalb von etwa 150 Jahren die Hirschberger, die Sulzbacher, die Bogener, die Abensberger, die Schweinfurter, die Andechser usw.usf. ausstarben und alle von den Witetlsbachern beerbt wurden, wird klar, dass in diesem ständigen Erben der eigentlich Ursprung des witteslsbachischen Territorialstaats Bayern liegt...
Die Wittelsbacher hatten das Glück, immer erbfähige Söhne in mindestens einer Seitenlinie zu haben, außerdem waren sie mit den meisten großen Geschlechtern verschwägert, und ab einem gewissen Zeitpunkt waren sie auch so mächtig, dass sie erledigte Lehen einfach einziehen konnten, ohne die Erben berücksichtigen zu müssen. Auch letgen die Wittelsbacher Mitte des 12.Jhs. Urbare an, in denen haarklein jeglicher Besitz und jegliches Recht vermerkt waren, so dass sie, wenn ein Erbfall eintrat, sofort in Aktion treten konnten...
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01.03.2016, 12:12
Beitrag: #15
RE: Entwicklung von Territorialherrschaften im Spätmittelalter
(29.02.2016 18:22)Suebe schrieb:  Das ist auch der Punkt wo die Geschichte der beiden württ. Linien entscheidend auseinander geht. (der Einfachheit halber) Stuttgart hat sich schließlich arrangiert, und hat als Territorialherrschaft überlebt, wenn auch etwas gerupft-

Man sollte hier vielleicht erwähnen, dass die Grafschaft Württemberg aus bescheidensten Anfängen entstand, und es nicht vorhersehbar war, dass sie zum Herzogtum Württemberg aufsteigen und bestimmender politischer Faktor im SW des Reichs werden würde. Durch Aneignung von Reichsgut und Erwerb von Gebieten benachbarter Dynasten (u.a. Teck und Urach) wurde Württemberg seit dem 14. Jh. zur größten Grafschaft des Reichs und zum geschlossensten Territorium des deutschen Südwestens. 1495 erfolgte dann die Erhebung zum Herzogtum Württemberg, dem später weitere Gebietserwerbungen gelangen

Erstaunlich ist, wie spät die Württemberger die politische Bühne betraten. Mit Conradus de Wirttemberge ist die Familie erst seit 1089 bezeugt, die gesicherte Stammreihe beginnt erst mit Ulrich I. von Württemberg (gest. 1265).

Ein schwäbisches Herzogtum erstand erstaunlicherweise nicht mehr. Seit 1098 waren die Staufer unangefochten im Besitz des Herzogtums Schwaben, das mit Konradins Tod 1268 erlosch. Bemühungen König Rudolfs von Habsburg und seiner Erben um seine Wiederherstellung als Grundlage einer habsburgischen Hausmacht im Südwesten scheiterten an den Partikulargewalten, vor allem an Württemberg, Seitdem wurden die Reste der herzoglichen Rechte durch kaiserliche Landvögte verwaltet.
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01.03.2016, 13:52
Beitrag: #16
RE: Entwicklung von Territorialherrschaften im Spätmittelalter
Da muss ich schon wieder widersprechen.

Württemberg inccl. Landau-Grüningen hängt sehr eng mit den bedeutenten Grafen von Kirchheim, Altshausen (da wo heute der Herzog wohnt) Veringen und Nellenburg zusammen. Und hat diese auch zu einem erheblichen Teil beerbt.
Insbesondere die mit dem "Untergang" der Landau-Grüningen Linie verlorenen oberschwäbischen Gebiete sind den Historikern bis vor 30 Jahren weitgehend entgangen.
Lange wurde ja Grüningen mit dem heutigen Markgröningen gleiichgesetzt, was aber nicht stimmt, namensgebend war tatsächlich das Dörflein Grüningen bei Riedlingen. (wer in die Gegend kommt, kann den Ost mal anschauen, ein imposantes gotisches Schloss, das teilweise noch aus der Landau-Grüningen Zeit stammt.
Der andere Namensteil "Landau", hier haben die früheren Historiker dann vollends die Rheinfränkische Richtung festmachen wollen, kommt von der ehem. Burg Landau, gelegen am Steilabfall zur Donau, ein paar Kilometer nur von der Heuneburg.

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01.03.2016, 13:56
Beitrag: #17
RE: Entwicklung von Territorialherrschaften im Spätmittelalter
Ein Mitarbeiter von mir ist sehr schwer erkrankt, deshalb bin ich noch nicht dazu gekommen, diesen "Landau-Grüningen-Württemberg" 3nd so richtig auszuarbeiten.

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01.03.2016, 14:18
Beitrag: #18
RE: Entwicklung von Territorialherrschaften im Spätmittelalter
(01.03.2016 13:52)Suebe schrieb:  Da muss ich schon wieder widersprechen

Mir ging es um die erste urkundliche Erwähnung eines Grafen oder Herrn von Württemberg und die erfolgte im Jahr 1089 mit einem Conradus de Wirtineberc. In einer Urkunde wird er als Zeuge genannt. Mit ihm ist die Familie Württemberg erstmals bezeugt, was nicht heißt, dass es sie nicht schon vorher gegeben hat (vermutet wird eine fränkische Herkunft). Aber Historiker rechnen nun mal von der frühesten urkundlichen Erwähnung an.

Die alte Tante wiki schreibt also: "Das Haus Württemberg trat erstmals in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts auf. Erster urkundlich benannter Vertreter ist 1081 Konrad I., der vermutlich auch der Erbauer der Burg Wirtemberg war."

Das Haus Grüningen-Landau - eine Nebenlinie der Württemberger - erscheint erstmals 1237 mit Hartmann I. (vielleicht auch schon mit seinem Vater Konrad).
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01.03.2016, 19:23
Beitrag: #19
RE: Entwicklung von Territorialherrschaften im Spätmittelalter
Klasse.
Ein Forum lebt von der Diskussion, nicht vom Konsens.

Die "Zubennung" eines Burgnamen der verstetigt wird und an die folgenden Generationen weitergegeben wird, geschiet im 11. Jahrhundert allüberall im Hochadel..
In Schwaben zB Hohenzollern, Hohenstaufen, Achalm, Calw usw. usf.
Von der Burg Württemberg gibt es dazuhin ein datiertes archäologisches Zeugnis, das älter ist, als die erste urkundliche Erwähnung. Ein Inschriftenstein, der festhält, dass die Kapelle der Burg am 7. Februar 1083 von Bischof Adalbert von Worms geweiht wurde.
Ein "Conradus de Wirtinsberk" wird um 1000 mehrfach urkundlich erwähnt. Vermutlich erstmals am 2. Mai 1092 als Zeuge einer Rechtshandlung in Ulm zugunsten des Klosters Allerheiligen in Schaffhausen.

Am mittleren Neckar hinderte Hohenstaufen Württemberg in der 1. staufischen Phase an der Ausdehnung, so dass man nach Oberschwaben und ins Allggäu expandierte. In der letzten staufischen Phase hat dort ebenfalls Hohenstaufen eingegriffen und den Verkauf mehrerer Territorien, eben an Hohenstaufen, durchgesetzt.

Von einer Nebenlinie "Grüningen" kann man eigentlich erst nachdem das Verhängnis über Grüningen hereinbrach, reden.
Noch der unglückliche Grüninger Graf war zuvor Vormund seines "Stuttgarter" Vetter gewesen.

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02.03.2016, 15:05
Beitrag: #20
RE: Entwicklung von Territorialherrschaften im Spätmittelalter
(01.03.2016 19:23)Suebe schrieb:  Am mittleren Neckar hinderte Hohenstaufen Württemberg in der 1. staufischen Phase an der Ausdehnung, so dass man nach Oberschwaben und ins Allggäu expandierte. In der letzten staufischen Phase hat dort ebenfalls Hohenstaufen eingegriffen und den Verkauf mehrerer Territorien, eben an Hohenstaufen, durchgesetzt.

Die Wurzeln der Grafschaft Württemberg des 13. Jh. liegen in der Neuordnung des mittleren Neckarraums durch Friedrich I. Barbarossa um 1180. Ludwig von Württemberg konnte dabei sein Allod mit Lehen von Reichsgut und Kirchenvogteien vereinigen und eine Ausgangsbasis für den künftigen Aufstieg des Hauses Württemberg schaffen. In dieser Zeit lassen sich Verwandtschaften des Hauses zu den Grafen von Kirchberg, Veringen, Ulten und den Markgrafen von Ronsberg erkennen.

Es scheint so, als hätte sich die Familie durch die staufische Territorialpolitik Mitte des 13. Jh. langsam aus der Verbindung zu dem Staufern gelöst. Der Übergang Graf Ulrichs I. (gest. 1265) von der staufischen Partei zur päpstlichen in der Schlacht von Frankfurt 1246 - auch als "Verrat" benannt - führte zur Niederlage König Konrads IV. und zum Aufstieg des Grafen Ulrich. https://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_bei_Frankfurt

Ulrich eignete sich im Interegnum staufische Allode und Reichsgut im mittleren Neckarraum an, gründete die Städte Leonberg, Schorndorf und Waiblingen, und erwarb durch Heirat Stuttgart, Cannstatt und die Herrschaft Urach mit Münsingen, Nürtingen und Pfullingen.

Man kann demnach mit Fug und Recht sagen, dass Graf Ulrich I. den Grundstein für den Aufstieg des Hauses Württemberg und seinen späteren Aufstieg zum Herzogtum legte,
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