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Kriegsflotten und deren Einsatz - Druckversion

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Kriegsflotten und deren Einsatz - Suebe - 21.10.2018 21:50

Flora hat diese These in die Diskussion zum 1. WK eingeführt.

Zitat:Die deutsche Flotte war gebaut worden um nicht ins Minus zu gehen.

Was man vertreten kann, und auch den dezeitigen Stand der Forschung darstellt.
Nur, wie sah das woanders aus?

Die Österreichische Flotte? Sehr ansehnliche Schiffe, beeindruckende Parameter.
War die nach Lissa überhaupt nochmal im Gefecht?

Die russische Flotte nach 1905? Bis 1945 nicht mehr in Erscheinung getreten.
Als sich 1944-45 die Heeresgruppe Nord immer weiter zurückziehen musste. kam natürlich die Frage der Sprengung der zu räumenden Hafenanlagen auf.
Nutzloser Verbrauch von Sprengmitteln, meinte die Kriegsmarine "für den geringen Bedarf der Sowjets würden sich immer Möglichkeiten ergeben"
Und traf damit den Nagel auf den Kopf.
"Der Russe hat die See nicht verstanden" kann man in Publikationen der 50er lesen.

Die franz. Flotte ab dem Krimkrieg?
1870-71 gegen die preußischen "3 Kriegsschiffe"? Der Versuch einer Blockade, bald abgebrochen.
1914-18 Zwischen Briten und Franzosen gab es eine maritime Aufteilung: Die Briten Nordsee-Kanl-Atlantik-Küste. Die Franzosen Mittelmeer.
Und als Goeben-Breslau abgefangen werden sollten? Nirgens Franzosen, und die Briten konnten zuerst nicht, da noch nicht im Krieg mit Deutschland. Im 2. Weltkrieg einzig "befreundete Versenkung" und Selbstversenkung, weiter nichts nennenswertes.

Die italienische Flotte: 1915-1918 die mehrfach unterlegene österr. Flotte in der Adria blockiert, was 1914-15 auch ohne sie ging.
1940-1943 haben sie sehr an unterlegener Technik, fehlendes Radar, gelitten. Dann die Ultra-Aufklärung und der fehlende Treibstoff.
Bemerkenwerte Erfolge jedoch mit "Kleinkriegsmitteln"


RE: Kriegsflotten und deren Einsatz - Suebe - 30.10.2018 20:39

Wenn ich mir hier ein Fazit erlauben darf.
Die Kriegsflotten der genannten Staaten waren allesamt reine Geldverschwendung. Gebaut aus dem einzigen Grund, weil die "anderen" auch Kriegsflotten im Dienst hatten.

Anders jedoch die Briten, die Japaner und die USA.
Die haben ihre Flotten benutzt und eingesetzt.
Da gab es keine Einsatzbefehle wie "nur bei eigener Überlegenheit"

Lediglich die haben "die See verstanden".

Ich hoffe auf fröhlichen Widerspruch


RE: Kriegsflotten und deren Einsatz - Flora_Sommerfeld - 03.11.2018 23:04

KuK schrieb:Die Österreichische Flotte? Sehr ansehnliche Schiffe, beeindruckende Parameter.
War die nach Lissa überhaupt nochmal im Gefecht?

Die kuk Marine war nur eine regionale Marine. Ihr Machtbereich war auf die Adria und das Mittelmeer beschränkt bis auf wenige Ausnahmen. So in der Unterstützung der Preußischen Marine im deutsch-dänischen Krieg 1864 außerhalb des Mittelmeers.
Das Ding bei Lissa 1866 war mehr Glück als Verstand und hat auch erstmal negativ Nachhaltig den militärischen Schiffbau mit der Aufwertung des Rammsporn nichts fortschrittliches beigetragen.
Hingegen die Erfindung der Schiffsschraube 1836 glaub ich, schon sehr innovativ war, wenn auch heute andre Seemächte das gern für sich einnehmen möchten ...

Im Imperialistischen Zeitalter haben die Öschies auch mit kleinen Kreuzern versucht ihre Ansprüche darzulegen, waren aber See-Militärisch zu diesen Zeitpunkt nur noch 3.-4- klassig und das konnten sie auch mit ein paar Mini-Großkampfschiffen nicht wettmachen.


Russland schrieb:Die russische Flotte nach 1905? Bis 1945 nicht mehr in Erscheinung getreten.
Als sich 1944-45 die Heeresgruppe Nord immer weiter zurückziehen musste. kam natürlich die Frage der Sprengung der zu räumenden Hafenanlagen auf.
Nutzloser Verbrauch von Sprengmitteln, meinte die Kriegsmarine "für den geringen Bedarf der Sowjets würden sich immer Möglichkeiten ergeben"
Und traf damit den Nagel auf den Kopf.
"Der Russe hat die See nicht verstanden" kann man in Publikationen der 50er lesen.

Die russische Flotte hat zwei entschiedene Knickpunkte in ihrer Entwicklung. Der Krimkrieg in den 1850igern und der japanisch-russische Krieg 1904-05.
Beidemal wird die russische Seemacht extrem eingeschränkt. In den 1850 verliert die russische Seemacht den Einfluss auf das Schwarze Meer und den Zugängen zum Mittelmeer und 1904/05 verliert es im Grunde seine gesamte Flotte, mit der pazifischen und baltischen Flotte.
Davon hat sich eine russische oder spätere sowjetische Seemacht nicht erholt. Erst nach dem ende des 2.WK und dem Ende des Artillerieträger als wichtigstes Kriegsschiff änderte sich die Situation komplett.
Nach 2. Weltkriegen und 100 Jahren Marineentwicklung wäre das hier separat betrachtenswert.

Frankreich schrieb:Die franz. Flotte ab dem Krimkrieg?
1870-71 gegen die preußischen "3 Kriegsschiffe"? Der Versuch einer Blockade, bald abgebrochen.
1914-18 Zwischen Briten und Franzosen gab es eine maritime Aufteilung: Die Briten Nordsee-Kanl-Atlantik-Küste. Die Franzosen Mittelmeer.
Und als Goeben-Breslau abgefangen werden sollten? Nirgens Franzosen, und die Briten konnten zuerst nicht, da noch nicht im Krieg mit Deutschland. Im 2. Weltkrieg einzig "befreundete Versenkung" und Selbstversenkung, weiter nichts nennenswertes.

Die französische Marine kann ich nicht einfach so mit ein paar Sätzen abhandeln oder auch nur historisch Zeitlich eingrenzen. Schon allein die Flotte vor Napoleon war beachtlich und nicht unwesentlich wichtig im Weltweiten Krieg der Kolonien, im Erbfolgekrieg, Siebenjährigen usw. ...
Die französische Marine hat den Panzerschiffbau mit der Glorie 1858 eingeläutet. Das ist eines der wichtigsten Zeitabschnitte in der Marinegeschichte!

Die französische Marine war bis zum Zeitalter der Großkampfschiffe immer Nummer 2 der Seemächte. Sie wurde nur nach der Jahrhundertwende von der USA und Deutschland allmählich überholt.
Das lag nicht zuletzt an mangelnder taktischer und typologischer Inkonsequenz und ganz wichtig, damals, mangelnder Wirtschaftsmacht.

Italien schrieb:Die italienische Flotte: 1915-1918 die mehrfach unterlegene österr. Flotte in der Adria blockiert, was 1914-15 auch ohne sie ging.
1940-1943 haben sie sehr an unterlegener Technik, fehlendes Radar, gelitten. Dann die Ultra-Aufklärung und der fehlende Treibstoff.
Bemerkenwerte Erfolge jedoch mit "Kleinkriegsmitteln"

Die Italiener haben die innovativsten Schiffsmodelle im Panzerschiffzeitalter gebaut und damit den Grundstein für spätere Typen gelegt, wenn wohl auch ungewollt.

Geschwindigkeit und Schlagkraft war bei den italienischen Panzerschiffen der 1870 und 80er sehr ausgeprägt und wurden von den Briten später, Fisher, (1906) ausgenommen oder noch erfolgreicher umgesetzt, auch wieder aus der Macht heraus, mehr Wirtschaftsmacht zu sein.

Ansonsten war die italienische Marine auch schon zur Zeit des 1. WK nur 3-klassig, obwohl sie bessere Großkampfschiff Konstruktionen vorweißen konnte, als die KuK und Frankreich zusammen!

Bei den maritimen Kleinkpampfmittel kenne ich mich leider zu wenig aus, um hier etwas beitragen zu können.

So, das war mal ein kleiner aber sehr kleiner Abriss zu den anderen Marinen ...